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war 1941/42 viel höher als 1854/55. Damals war Sewastopol nur Seefestung, die Landbefestigungen wurden erst unter der Leitung des energischen, aus baltischem Geschlecht stammenden Generals Grasen Todtleben errichtet, schwerster Nachteil aber war, daß zwischen der Krim und Moskau keine Eisen­bahnverbindung existierte, sie wurde erst 1877 ge­baut. Der große deutsche Ingenieur und wahrhaft unternehmerische Mensch Werner von Siemens er­zählt in seinen ErinnerungenMein Leben", wie er damals im Auftrag der Petersburger Regierung schleunigst eineTelegraphenlinie" nach der Krim baute. Alle diese technischen Mängel galten für die Sowjets nicht. Sie haben vielmehr bewußt die Technik in jeder Form in den Dienst der Verteidi- guno dieser stärksten Festung der Welt gestellt und wurden durch das Gelände unterstützt, das wie alle Kalkgebirge eine sehr schroffe Struktur mit Steilhängen bis zu 60 Grad hat.

Für den Krieasgeschichtler sind die fundamentalen Unterschiede zwischen der Belagerung von Sewasto­pol 1854/55 und 1941/42 von höchstem Interesse. Der englisch-französisch-piemontesische Angriff rich­tete sich damals ausschließlich vom Osten und Süden gegen die Stadt, die russischen Truppen unter Todtleben traten im letzten Stadium der Be­lagerung über die Nordbucht (Ssewernaja) auf das Nordufer über. Diesmal vollzog sich die Belagerung gerade umgekehrt: der deutsche Angriff begann im Nord west en. Erst nachdem mit dem Fort

Die Afrika-Debatte im Unterhaus.

Berlin, 1. Juli. (DNB.) Am Mittwoch begann jm englischen Unterhaus die Debatte über die bri­tischen Niederlagen in Nordafrika. Wardlaw Milne erklärte, sein Antrag sei fein Angriff gegen die im Felde stehenden Offiziere, dagegen ein entschlossener Angriff auf die zentrale Leitung in London. Der erste Fehler, den England gemacht habe, sei der, daß das Amt des Premierministers und des Verteidigungsministers zusammengelegt worden seien.Was wir brauchen, sind energische Männer, denen man die drei Wehrmachtteile anvertraut, die energisch genug sind, die Waffen für den Sieg zu verlangen und dafür zu sorgen, daß die Generale ihr Amt nach ihrer eigenen Art führen dürfen, ohne daß sie von oben her Eingriffe erleiden." Sir Roger Key es erklärte, daß Churchill über die Ratschläge seiner Berater hinwegg^he und die ganze Kriegführung in seine eigene Hand nehme, sei nicht wahr. Es sei nur wahr, daß er die Kritik hasse und wie jeder große Mann" auf sein eigenes Urteil vertraue und Leute vorziehe, die mit ihm uberein- stimmten. Es sei wesentlich, daß Churchill weiterhin das Land führe, er solle jebcHh eine wirklich na­tionale Regierung anführen und nicht eine«, die ge­bildet worden sei durch die Besänftigung politischer

Jm Juni 886000 BAT. versenkt.

Arbeitstagung des Mrerkorps der Partei.

Gründung des Hauses der Wirtschaft in Frankfurt am Main.

Der Wehrmachtbericht.

T)3tB. Musbern Führerhauptquartier, 1. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Angriff gegen Sewastopol wurde der Einbruch in den inneren Festungsgürtel zum Durchbruch erweitert. Deutsche Truppen drangen, von der Luftwaffe her­vorragend unterstüht, bis zu den Verteidigungs­stellungen am Ostrand der Stadt vor und er­st ürmfen das aus dem Krimkrieg bekannte Fort M a l a k o w. von Osten angreifende Divisionen stießen nach dem Durchbruch durch die Sapun- Stellung in breiter Front tief in das Festungs­kampffeld vor und befinden sich in fortschreitendem Angriff. Dabei wurde in hartnäckigen Kämpfen der Aebergang über einen ausgedehnten Panzerabwehr- graben erzwungen und zahlreiche durch moderne Kampfanlagen ausgebaute Höhenstellungen genom­men. Rumänische Truppen gewannen in schnellem Vorstoß Stadt und Hafen Ba­laklawa.

3m südlichen und mittleren Teil der O st f r o n t sind deutsche und verbündete Truppen zum Angriff angetreten.

Nachtangriffe von Kampffliegerverbän- den gegen den feindlichen Nachschubverkehr im

Stalin ein die Nordfront beherrschendes Festungs­werk genommen worden war, setzte am 15. Juni der Angriff aus der S ü d f r o n t und am 24. Juni an der O st f r o n t der Festung ein. lieber dieselbe Nordbucht, über die sich 1855 die russischen Truppen in Sicherheit brachten, setzten die deutschen Truppen 1942 zum entscheidenden Angriff auf den SOlalfl kow - hügelan, dessen Erstürmung auch 1855 das Ende der Belagerung bedeutete. Es war also alles umgekehrt, selbst die Einzelheit, daß der Malakow- hügel 1854 vom Osten und Süden und 1942 vom Norden her genommen wurde

Jm Krimkrieg hatte erst eine lang andauernde, für damalige Begriffe riesenhafte Kanonade die Feldbefestigungen dem Erdboden gleichmachen müs­sen. Es wurden während der Dauer der Belagerung aus 800 Kanonen insgesamt 1 350 000 Schuß abge­geben. Die Verluste auf beiden Seiten waren un­geheuer; die Belagerer verloren 80 000 Mann, die Russen 120000, Ziffern, die für die damaligen Heeresstärken eine unvorstellbare Größe besaßen und einen Anhaltspunkt geben für die Schwierig­keiten und Hindernisse, die das Gelände jedem An­greifer entgegensetzt. Noch heute zeugen die um Se­wastopol liegenden zahlreichen englischen, französi­schen und russischen Friedhöfe von den großen Blutopfern. Diesmal gelang es den deutschen und rumänischen Truppen, die mit allen Mitteln der modernen Technik ausgebauten Befestigungen Se­wastopols in 25 Tagen zu bezwingen.

Interessen. Lord Winter ton meinte, die Verant­wortung für die britischen Niederlagen liege bei dieser Regierung und Churchill. Er hoffe, daß Chur­chill durch eine große Tat -an Selbstverleugnung ten Vorschlag machen werde, daß einer feiner Kollegen eine neue Regierung bilde und daß er sich selbst an ihr beteiligen werde.

Der Abgeordnete Morgan übte mit den Wor­ten:Ich habe manchmal den Eindruck, daß dieser Krieg mit Tricks und Bluff geführt wird", Kritik an den Bombenangriffen auf das Reichsge­biet, da hierdurchunsere anderen Kräfte, besonders zur See, geschwächt werden, so daß wir nicht genü­gend Flugzeuge zur Bekämpfung der U-Boote haben/' Die Unterhaussitzung wurde erst in später Nachtstunde nach über zwölfstündiger Dauer unter­brochen, als man feststellen mußte, daß nicht ein­mal mehr vierzig Mitglieder anwesend maten. Trotz aller Stimmen, die zeigen, daß in politisch führen­den Kreisen Englands immer mehr der Ernst der militärischen Lage erkannt wird, geht aus der De­batte hervor, daß sich England nicht mehr von Chur­chill, der es in dieses tödliche Abenteuer gestürzt hat, zu trennen vermag.

Raume zwischen Don und O s k o l verursachten große Zerstörungen in mehreren wichtigen Bahn­knotenpunkten.

3m Gebiet westlich des Wolchow wurde die Säuberung des Geländes von zersprengten Resten des Feindes fortgesetzt. Artillerie zerschlug erneut Bereitstellungen der Sowjets vor dem Wolchow- Brückenkopf.

An der Cinschließungsfront von Leningrad griffen Kampf- und Sturzkampfflugzeuge mit gutem Erfolg feindliche Panzerbereitstellungen an und be- kämpften Lisenbahnanlagen im Datdai-Ge- biet.

3m hohen Norden wurden» Hafen- und 3n- dustrieanlagen sowie ein feindlicher Flugzeugstüh- punkt von der Luftwaffe schwer getroffen.

3h Aegypten stießen deutsche und italienische Truppen durch das Gebiet von El Daba nach O st e n vor und flehen im Angriff gegen die E l - Alarnein-Stetlung, die letzte feind­liche Befestigung vor Alexandrien. Vor Alexandrien griff ein deutsches U-Boot einen stark gesicherten Geleitzug an und versenkte einen Truppentransporter von 13000 Brultoregistertonnen.

Auf 2Nalka bombardierten Kampfflugzeuge in der letzten Nacht den Flugplatz Luca. Bombenvoll- lreffer zerstörten mehrere am Boden abgestellte

NSG. Das Führertorps der Partei des Gaues Hessen-Nassau versammelte sich am Mittwoch­vormittag im Adolf-Hitler-Haus zu seiner monat­lichen Arbeitstagung. Gauleiter und Reichsstatthal­ter Sprenger behandelte dabei besonders die kriegsbedingten Aufgabenstellungen auf dem Ge­biete der Vvlksführung und verpflichtete das Füh­rerkorps, alles daranzusetzen, um den ihm über­tragenen Auftrag der Erhaltung der seelischen und physischen Widerstandskraft der Heimat mit natio­nalsozialistischer Tatkraft voll gerecht zu werden.

Die Arbeitstagung wurde am Nachmittag durch Hinzuziehung der Kreiswirtschaftsberater und Kreis- obmänner der Deutschen Arbeitsfront zu einer Wirtschaftstagung erweitert. Der Gauleiter kennzeichnete den Weg aus der liberalistischen Wirt­schaftsepoche, in der die Wirtschaft absoluter Selbst­zweck war, zu einer nationalsozialistischen Wirt­schaftsauffassung, in welcher sie als Mittel zum Zweck und damit im Dienst des Volkes zu wirken nabe. Er kennzeichnete sodann die Stellung des Gauwirtschaftsberaters als das Amt des Gauleiters für eine nationalsozialistische Wirtschafts­führung im Gau und verwies auf die Notwendigkeit einer reibungslosen Zusammenarbeit dieser Partei­dienststelle mit der Deutschen Arbeitsfront, dem Amt für Technik,und der Gauwirtschastskammer. Die mit dem Siege eintretenden Veränderungen der Lebens- arundlagen unseres Volkes würden eine weitere Revolutionierung der Wirtschaft bringen. Die vom Gauwirtschaftsberater abgehaltenen Wirtschafts­tagungen sollten dafür Vorbereitungen treffen. Dem Haus der Wirtschaft" falle in diesem Rahmen eine besondere Aufgabe zu. Seine Dortragsveranstaltun- gen, auf denen erste Kräfte der Wirtschaft und in Zusammenarbeit mit dem NS.-Dozentenbund her-

DieNationalsozialistische Partel-Korrespondenz" bringt unter der UeberschriftFrontgeist im Bom­benhagel" eine Artikelserie, die den Abwehrwillen und die opferbereite Haltung der Bevölkerung bei den Luftangriffen auf Westdeutschland und das Rhein-Ruhrgebiet schildert, lieber zehntausend Luft­angriffe hätten die Städte dieses Gebietes über sich ergehen lassen müssen. Wenn trotzdem die Wehrwirt­schaft nur ganz- geringfügig getroffen worden sei, dann sei das ein 'besonderes Verdienst der Bevölke­rung, die bei jedem Angriff unerschrocken einge- sprungen und dann wieder ruhig und zielbewußt ihrer kriegswichtigen Arbeit nachgegangen sei.

In einer Kölner Befehlsstelle, so wird berichtet, versah eine Telephonistin trotz stärksten Bomben­hagels unerschrocken ihren Dienst. Sie wurde schwer verwundet. Aber als ihr mit einer Auszeichnung gedankt wurde, sagte sie:Ich habe doch nur meine Pflicht getan!" Dieser Frontgeist ist vieltausendfältig bewiesen worden, wenn Frauen immer wieder im Bombenhagel gegen die entstandenen Brände vor- B. Eine Frau, deren drei Kinder während des s allein im Hauskeller saßen, hat, ohne zu zögern, die Brandbomben, die auf dem Dachstuhl ihres Hauses fielen, bekämpft, das Haus gerettet und ein liebergreifen des Feuers auf die Nachbar­häuser verhindert.Die paar Brandblasen an den Fingern tun mir nichts", meinte sie. Ein hitler- junge in Oberhausen sah in einem gegenüberliegen­den Kinderheim mehrere Brandbomben einschlagen. Sofort stürzte er über die Straße, schlug ein Fenster ein, drang in das Haus und löschte die Brände.

Die Bevölkerung Kölns hat die Härte des Krieges zu spüren bekommen. Wenn sie aber oft­mals im Frieden als leichtlebig bezeichnet worden

Flugzeuge und riefen größere Brandfelder in den Flugplahanlagen hervor.

Der Kampf gegen die feindliche Verforgungs- fchiffahrt brachte auch im Wonat Juni große Erfolge. Es wurden 156 feindliche Schiffe mit zusammen 886 000 BRT. versenkt. Außer­dem wurden 58 feindliche Handelsschiffe durch Tor­pedo oder Bombentreffer beschädigt. An diesem Er­folg ist die Anterseeboolwaffe mit der Versenkung von 132 Schiffen mit 755 300 BRT. hervorragend beteiligt.

vorragende Männer der Wissenschaft das Wort er­greifen würden, sollten den Vorbereitungsarbeiten einen festen Uniergrunb geben.

Der Gauwirtschaftsberater, Gauamtsleiter A v i e n y, erläuterte dann im einzelnen die gegen­wärtig immer enger werdende Verbindung zwischen Partei und Wirtschaft. Seine Ausführungen gipfel­ten in der Forderung, daß als Voraussetzung zu jedem Gelingen der der Wirtschaft gestellten Auf- aaben nationalsozialistische Haltung und besondere Kenntnis der Zeiterfordernisse notwendig sind.

Arn Abend versammelte sich das Führerkorps der Partei mit Männern der Wirtschaft, der Wissen­schaft und der Verwaltung zu dem Gründungs- a k t des Hauses der Wirtschaft. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger wurde hierbei die Schirmherrschaft des Hauses übertragen. Nach Aus­führungen von Prof. Dr. Wehrte, der besonders auf die Folgerungen einging, die sich für die wissen­schaftliche Lehre und Forschung aus der national« sozialistischen Wirtschaftslenkung ergäben, ging der Gauwirtschaftsberater, Gauamtsleiter A v i e n y auch auf die Probleme des Nachwuchses für die späteren Führungsaufgaben der Wirtschaft ein, die nicht nur für die Erziehung zu nationalsozialistischer Wirt­schaftsgesinnung wichtig seien, sondern auch für die Meisterung der wirtschaftlichen Führungsausgaben, die Deutschland im Osten und in anderen Gebieten gestellt sind, von Bedeutung wären. Zur Zeit wür­den ' die Ausgaben der Wirtschaft bestimmt durch die Erfordernisse des Krieges, welche den Einsatz der letzten Arbeits-, Rohstoff- und Maschinenreserve verlangen. Der Gauwirtschaftsberater schloß mit dem Appell zur Konzentration aller Kräfte auf den Sieg, woran sich die nationalsozialistische Haltung der Wirffchast erweisen könne.

ist, dann waren jetzt das rheinische Gemüt und der Kölner Humor notwendig, um jo manches zu mei­stern, von dem sich die Volksgenossen im übrigen Reich kaum eine Vorstellung machen können. Von diesem ungebrochenen Lebenswillen sprach Gauleiter G r o h e:Trotzdem die Straßenbahn zum Teil ausgefallen war und die Arbeiterschaft hierdurch weite Fußmärsche zu machen hatte, waren am nächsten Arbeitstag nach dem großen Angriff auf Köln neunzig Prozent der Arbeiterschaft an den Arbeitsstellen pünktlich zur Arbeit angetreten. Die Produktion hat kaum wesentlich gelitten, trotzdem die Arbeiter und Angestellten selbst zum großen Teil bombengeschadigt waren und leicht Gründe für ihr Fernbleiben von der Arbeit gefunden hätten."

Bei all den Angriffen auf die Wohnviertel deut­scher Städte hat sich gezeigt, daß die Abwehr­bereitschaft der Bevölkerung ausschlaggebend ist. Verdunkelungsfehler können unabsehbare Schä­den Hervorrufen. Es genügt auch nicht, wenn die Dachböden frei gemacht werden. Auch die Hofe müssen entrümpelt werden. Die Zahl der Brand­wachen in den Büros und Kaufhäusern ist ebenfalls von Bedeutung. In einem Kölner Kaufhaus war nur ein alter Invalide als Brandwache geblieben. Es war ihm nicht möglich, alle Brandbomben zu löschen. Das große Kaufhaus brannte restlos aus. Wichtig ist ferner die Bereitstellung von S a n d u n d Wasser:Sand, Sand, immer wie-' der Sand ist das größte Erfordernis", betonte ein Polizeipräsident. Für jedes Zimmer müßten vier bis fünf große Tüten Sand bereitgestellt werden. Und ebenso ist es mit Wasser. Wenn die Wasser­leitung beschädigt ist, muß auf die Eimer und Bade­wannen zurückgegriffen werden.

Oie Wehrmacht JranS dem Bolschewismus ausgeliefert.

Ankara, 1. Juli. (Europapreß.) Auf Veran­lassung der sowjetischen Militärbehörden mußte die Regierung die allgemeine Wehrpflicht ein­führen. Die Ausbildung wird von den sowjetischen Behörden vorgenommen. Die Dienstpflicht wurde zunächst auf 18 Monate festgesetzt, kann jedoch, falls es die Umstände erfordern sollten", auf drei Jahre erhöht werden. Mit der Ueberantroorhing der Armee ist die bolschewistische Beherrschung Irans,

Frontgeist im Bombenhagel."

Unerschrockene Haltung derBevölkerung bei den Luftangriffen in Westdeutschland

Türkische Reise.

Von unserem esd.-Korrespondenten.

Istanbul, im Juni.

..Sehen Sie", sagt der türkische Herr in unserem Abteil, als wir uns ein Buch hervorholten,wir Türken lesen nie während der Reise: Henn im Zuge fühlen wir uns über den Alltag erhaben, wir schlie­ßen Bekanntschaften, ja, manchmal Freundschaften, und pflegen der Unterhaltung. Außerdem ist das Lesen eine Sünde gegen die herrliche Natur, durch die wir fahren." Und damit hatte er recht. Ein Morgen am Golf von Jsmit: taufrisch waren die grünen Wiesen, auf denen Kühe, Esel, Pferde und Schafe mit ihren Jungen weideten. Auf den Feldern Arbeiteten die Männer, gemächlich schritten sie hinter dem von zwei Ochsen gezogenen Holzpflug her; Frauen in weiten langen, leuchtendbunten Röcken pflückten die ersten reifen Kirschen von den schwer- behangenen Bäumen. Dahinter glitzerte das blaue Meer in der Morgensonne.

Gegen Mittag kletterten wir die Sakaryaschlucht hinauf. Rechts und links steile Felswände, neben den Geleisen, bald auf der einen Seite, bald auf der anderen, braun und träge der Fluß, in dem feucht- glänzende, schlammüberfpülte Büffel standen, aus­gemergelt, unbeweglich, als seien sie aus Holz ge­schnitzt. Einsam auf einem Acker in der prallen oonne stand ein graues Eselchen mit hängendem Kopf und hängenden Ohren; zwei kleine blonde Kinder saßen träumend auf feinem bloßen Rücken, tiefen Ernst in den dunklen Augen, das jüngere hielt sich am größeren fest. Wer weiß, welche Ge­danken die drei bewegten, wie lange sie schon so dastanben? Aus den Stationen liefen die Bauern- kmder den Zug entlang und boten in flachen Kör­ben appetitliche Kirschen, grüne, unreife Pflaumen, gekochte Eier und verschiednerlei Gebäck feil' in Tonkrugen schleppten sie Getränke herbei, eiskaltes Quellwasser, Fruchtsaft und Ayran (eine Art Butter- mild) aus Yoghurt). Der Zug ließ sich Zeit, man ronnte kaufen, ausfteigen und sich die Füße ver­treten. Wir erhandelten weiße Meerschaumketten Zigarettenspitzen und Broschen, die es nur in Tskffchehl gibt, weil die einzigen Meerschaum­gruben der Welt in der Nähe dieser Stadt liegen Bie weißen gereinigten Blöcke werden zur Verarbei­tung nach Wen geschickt,

Am nächsten Nachmittag erreichten wir Denizli. Den ganzen Tag waren wir durch die weite, flache, fruchtbare Ebene des Menderes (Mäander) gefah­ren. Das Korn auf den Feldern war meist schon ge­mäht und lag in großen Bündeln zum Dreschen bereit. Die Kinder der vereinzelten Gehöfte liefen den Zug entlang:Gazete, Gazete!" Zeitungen woll­ten sie haben, die es hier, ein paar hundert Kilo­meter von jeder Großstadt entfernt, nicht mehr gibt. Gelesene Blätter flogen aus den Zugfenstern. Glück­strahlend rannten die Jungen mit der Kostbarkeit davon. Linkerhand lag ein See; in der grüngelben Fläche der Hochebene fiel er nur durch die fast kupferrote, goldschimmernbe Färbung feines Wassers auf. Reiher und schwarze Störche stolzierten lang­beinig in den sumpfigen Wiesen seiner schilfgesäum­ten Ufer.

Denizli liegt am Rande dieses weiten Flußtales gegen die ersten Berghänge des Kadmos-Gebirges gelehnt, ganz im Grünen. Aus dem Tor eines weitläufigen Hans (türkische Herberge für Mensch unb Tier) schwanken Hochbeladene Kamele, nackt ge­schoren und gegen Fliegen und Bremsen über und "ber mit einer schwarzen Teerlösung eingeschmiert. An der Straßenwand des Hans Haben die Flick­schuster der Stadt sich ihre Werkstätten eingerichtet. In Denizli gibt es nicht, wie sonst in den türkischen Städten, eine Seidenstraße, eine Schusterstraße, eine Sattlergasse. Jeder Laden ist ein kleiner Basar für sich. Neben einer Reihe bunter Teller und Kessel liegen farbige Stoffe in Ballen aufgetürmt, neben Nähseide, Rosinen und Schreibwaren offene Säcke mit Reis, Erbsen und Zucker. Das Bunteste in die­sen bunten Läden sind jedoch die Bonbons, die in hohen Glastöpfen auf Tischen und Regalen locken. In der Luft liegt ein Duft von orientalischen Ge­würzen, Seife und Jasmin. Unter den hohen Pla­tanen haben Bäuerinnen in weiten geblümten Hosen, engem dunklen Mieder und buntgewürfelten Kopftüchern Körbe mit Gemüse und saftigem Obst aufgestellt, rote, grüne, blaue Pflaumen, Kirschen, Aprikosen, Salat und Gurken. Wie überall wurden wir auch hier als erstes gefragt:Ihr kommt aus Istanbul? Wie ist es dort mit dem Brot? Nicht besser, nein? Gibt es dort auch so wenig? wah, wah, wenn erst der Krieg zu Ende ist, dann gibt es, inschallah, wieder viel Brot für alle!"

Unser Hotelzimmer ist so eingerichtet wie alle 1 Ammer in den besseren Gasthäusern Anatoliensr

zwei Betten, zwei Stühle, ein Tisch/ auf dem eine Karaffe mit Trinkwasser steht, das Glas darüber gestülpt, vor den Betten je ein paar ausgetretene Pantoffel. Ein einziges Waschbecken auf dem Flur dient der Säuberung sämtlicher Gäste. Während wir uns dort den nächsten Morgen die Zähne putzen, lugen unrasierte Männer in dürftiger Be­kleidung durch die Spalten ihrer Türe, damit wir uns beeilen.

Frühmorgens setzen wir uns in den Pferdewagen, der uns in zweistündiger Fahrt nach Pamukkale bringen soll. Pamukkale heißt wörtlichdie Burg aus Watte", aber es ist keine Burg, es sind Wasser­falle einer heißen Quelle, deren Wasser mit Kalk, Kohlensäure und Schwefel gesättigt ist, und die die Zeit versteinert hat. Wir steigen über die älteren, dunklen Schichten dieses breiten versteinerten Was­serfalles hinauf auf die Terrasse, die die Quelle durch ihre Ablagerungen in unvordenklichen Zeiten gebildet hat. Um die Quelle herum liegen die Ruinen non hierapolis, mächtige Reste einer römischen Stadtmauer, einer gewaltigen Thermenanlage mit Gewölben, Bogen und Säulen, die Umriffe einer Agora, einer großen christlichen Kirche, eine Straße, die an der Quelle vorbei zum Theater hinaufführt, das hoch über der Stadt liegt. Seine Sitzreihen, von grünem Gestrüpp überwuchert, sind in ihrem Halb­kreis noch fast vollständig erhalten. Hierapolis war eine hellenistische Gründung um das Jahr 200 v. Chr., doch was heute noch an Bauwerken steht, gehört der römischen Stadt an, die ihre Blütezeit unter den Kaisern Septimius Severus und Caracalla erlebte. Mitten in diesen Ruinen liegt der Teich, der von der unterirdischen Quelle gespeist wird. Drei schmale tiefe Kanäle führen das Walser zum Hang, hier, wo das Wasser ruhig fließt, hat es eine flaschen­grüne Tönung, es ist klar wie geschliffenes Glas. Aust dem Grund des Teiches liegen antike Baurefte, riesige Marmorblöcke und umgestürzte Säulen. Nur an einer Stelle verschwindet der Grund in blau- schwarze, unheimliche Tiefen, über die sich das Ufer wölbt. Dort ist das Wasser wärmer als 35 Grad C.

Unser Kutscher und die Bauernbuben des kleinen Dorfes in den Ruinen schauen uns aufgeregt flü­sternd beim Schwimmen zu. Das haben sie noch nie gesehen, daß man sich auch dort über Wasser hatten kann, wo die Füße keinen Grund mehr haben. Dann setzen wir uns auf eine glitschige Säulq, überwältigt von der wundervollen Aussicht

dieses uralten Heilbades. Um uns herum ehrwür­dige, mächtige Ruinen, vor uns das weite Tal des Menderes, das sich nach beiden Seiten im Dunst der Sonne in blaue Fernen verliert, dahinter das schneebedeckte Kadmosgebirge, auf dessen Borge» fände Denizli und die antike Stadt Laodikäa liegen. Wir legen unsere Badeanzüge zum Trocknen auf große flache Steine und machen einen Rundgang durch die alte Stadt, zum Tor hinaus zur Nekro­pole. Die Grabstätten und die beiden großen Bogen, die von der Basilika übrig blieben, dienen jetzt den Kamelen, Schafen, Kühen und Eseln als Unterstand. Als wir zurückkommen, liegt neben unseren Anzügen eine lange hellgraue Schlange. Erschrocken flüchten wir voreinander. Nach einer wohltuenden Ruhe auf. oerbörrtem Gras, den Kopf gegen die Reste des Bürgersteiges gelehnt, auf dem einst vornehme Gric- djen und Römer in wallenden Gewändern zum Bade schritten, brechen wir auf. Vorbei geht es an den Wasserfällen, hinunter zu unserer Kutsche, die im Schatten einer Platane auf uns wartet, zurück nach Denizli.

Zeitschriften.

Das soeben erschienene heft 1 des Jahrgangs 1942 der schönen ZeitschriftHessen land" ent­hält als wichtigsten Beitrag eine Darstellung von Geschichte und Bedeutung der Landesbibliothek in Kassel aus der Feder von Bibliotheksrat Dr. F. Israel mit einer Reihe von Abbildungen aus den reichen Schätzen der Bibliothek an Handschriften und Auchern (1940 an die 400 000 Bände), die zum größ­ten Teil dem verbrecherischen Luftangriff der Eng- lember Dom 9. September 1941 zum Opfer gefallen sind. Die wertvollsten Handschriften, so das Hilde- brandslied und der Willehalm des Wolftam von Eschenbach mit köstlichen Miniaturen sind durch rechtzeitige anderweitige Unterbringung ebenso er­halten geHieben wie Wigand Gerstenbergs Hes» und Frankenberger Chronik. Dr. Bernhard Unwad) berichtet in ber gleichen Nummer von bem Kasseler Naturkunbe-Museum in dem schönen Re- naissance-Haus am Steinweg. Carl hitzeroth wid­met dem Altmeister der hessischen Maler Carl Bantzer einen Nachruf. Eine interessante Deutung des Na­mens Biedenkopf analog der Wappenerklärung der Familie von Biebenfelb als Gebiets-Berg der Grenzgebiete gibt K. v. Baumbach. (Verlag Dr. L Hcherottz, Marburg