Ur. 78 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheisen)
Donnerstag, 2. April 1942
Welm Stärks Oper „Das Herrenrecht
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Der Komponist zur bevorstehenden Erstaufführung
3n der Veratungsstnnde für Kriegsversehrte
Ent-
ist da» unbedingt zuverlässig»
55. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
wenn ich bi
such, zu scherzen, hinzu. Setzt euch. Reden wir von „Nun?" machte Fehr. „5 erfreulicheren Dingen, da wir endlich einmal alle 1 zur Aufregung, meine ich!"
„Natürlich! Aber selbstverständlich! Kann ich lebhaft vorstellen! Wissen Sie — und) auch gnädigste Frau Baronin, mir war der Mann der ersten Sekunde an unheimlich. Also direkt heimlich. Man konnte nicht warm werden
mir Sie, von un- mit
der Ver- und
„Kinder macht mich nicht nervös!" bat Fehr. „Wo es irgendeinen andern Weg gäbe, ich wäre der erste, ihn zu gehen. Ich habe Zeit meines Lebens nichts von Heldenposen gehalten. Uebrigens, wenn euch das zur Beruhigung dient, ich glaube nicht, daß ich etwas dabei riskiere. Ich war der beste Schütze im Regiment, und die Jagd hat meine Hand immer geschmeidig erhalten, wahrend er sich erst einschießen muß, auf Krähen, der Aermste! Habt ihr ihn heute früh nicht ballern hören?? fügte er mit einem Ver
blaße Figuren ober „Opernhelden" dargestellt sein dürfen, sondern Menschen von Fleisch und Blut, deren Glück ober Leid, Lachen ober Weinen dem Hörer Sinnbild des eigenen Schicksals sein kann.
beitsprozeß eingeschaltet wird. Im Rahmen Wehmachtfürsorge spielt die Beratung der sehrten, inbesondere die berufliche Beratung Fortbildung, eine sehr wesentliche Rolle.
Die Betreuung der Versehrten bis zu ihrer
Aufregung ... Verzeihung, ....... vielleicht erschrecke ... Wissen Sie, daß Herr Abbeg eben bei mir gewesen ist?" ,Nun?" machte Fehr. „Das ist doch kein Anlaß
Fabian öffnete leise die Tür und meldete mit diskreter Stimme Herrn Fontana.
Fontana? — Fehr runzelte die Stirn. — Jetzt? Der kam sehr ungelegen. Aber vielleicht kam er doch auch wieder gelegen, indem seine Gegenwart die Spannung dieses Beisammenseins zu dritt zerriß? Er glitt über Marions und Ullas leisen Widerspruch hinweg und ließ bitten.
Mit schnellen Schritten trat Arnold Fontana „ein, küßte Marion die Hand, verbeugte sich vor Ulla und schüttelte he Rechte.
„Sie seh ewiß an, Herr Baron . . . Ich
komme in
drei beisammen sind. Ihr seht, ich, die Hauptperson, bin ganz ruhig."
„Aber ich kann nie und nimmer ruhig sein, Papa!" sagte Ulla, indem sie Hut und Mantel über den Stuhl warf: „Nie und nimmer, bis ich dich wieder lebend vor mir sehe ... Und zu denken, daß am Ende ich, ich die schuldige Ursache zu dem Ganzen bin, ach, es'ist zum Heulen!"
Fehr streichelte ihr die Hand: „Ullakind, nun mal vernünftig, ja? Ich habe dir schon neulich gesagt, du sollst dir diese dummen Gedanken aus dem Sinn schlagen. — Sie meint", wandte er sich an Marion, „sie habe den Verkauf der Sophienau ins Rollen gebracht, und macht sich Vorwürfe. Das ist wirklich ein Irrtum, Ulla. Und darum sind auch alle Folgerungen, die du daran knüpfst, ein Irrtum. Auch wenn du zu Weihnachten anders gehandelt hättest, wäre die Sophienau doch über kurz oder lang verkauft worden ..." Er wußte genau, daß er damit nur halb die Wahrheit sprach, heute, wie auf jenem Waldspaziergang; aber es kam jetzt in solchen nebensächlichen Dingen nicht darauf an, wahr zu sein, sondern ein Gewissen zu beruhigen. Genug und übergenug, wenn das seine seit Wochen gemartert wurde.
Lpd. Die Betreuung des deutschen Soldaten ist in jeder Beziehung vorbildlich. Bei den Besichtigungen der verschiedensten Einrichtungen kann das immer wieder festgestellt werden. Eine der vornehmsten Aufgaben der deutschen Wehrmacht ist es, den Verwundeten mit allen nur verfügbaren Mitteln zur Seite zu stehen. Er, der Ehrenbürger der Nation, muß für seine Zukunft gesorgt wissen, wenn er wieder — nun nicht mehr wie früher im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte — in den Ar-
„Jch will Portier werden!", ließ sich ein anderer vernehmen. „Warum denn?", war die Frage des Wehrmachtfürsorgeoffiziers. „Weil ich annehme, daß es in Anbetracht meiner Verwundung das Richtige ist." „Portier ist ein schöner und auch vertrauensvoller Beruf. Ihnen bieten sich aber doch noch mehr Möglichkeiten. Erst wenn Sie diese nicht ausschöpfen können, dann greifen Sie doch darauf zurück", das war der Rat, den man diesem Verwundeten gab, der großes Vertrauen zu dem Kreis hatte, der ihn beratend dahiy führt, wozu er Lust und Eignung hat.
Ein Dritter kann sich nicht recht entschließen. Ihm werden die verschiedensten Ansatzmöglichkeiten vor Augen geführt. Auch dann noch will er sich seine Entscheidung vorbehalten und seine Pläne mit den Vorschlägen der ihn Beratenden abwägen, um gegebenenfalls dann doch auf die Ratschläge der Wehr« machtfursorgestelle zurückzu'kommen.
Wir waren alle stark beeindruckt von dieser Be- ^ratungsstunde für die Verwundeten. Dem Oberkorn- lmando der Wehrmacht ist damit eine große Auf- sgabe gestellt, die bisher der breiten Oeffentlichkeit noch nicht so sehr bekannt war, eine Aufgabe, die zu erfüllen mit zu den Ehrenpflichten der deutschen '.Wehrmacht gehört.
Der feurige Gfeu
Roman von Hans von Hülfen
Freude ist es für mich, daß diese Aufführung gerade
Liebe, Treue, Freiheit, Ichsucht, das sind die I in unseren schicksalhaften Tagen ermöglicht wurde. Grundformen menschlichen Erlebens, um die es im l Wilhelm Stärk.
... ein Edelmann von altem Schrot und Korn, während Herr Abbeg ..." Er machte eine wegwerfende Handbewegung, die feine Meinung deutlicher als alle Worte ausdrückte: „Bei uns in Wien nennen wir das jedenfalls einen ,/struppenkava- lier" ..."
„Sehr lieb von Ihnen. Aber wir dürfen vielleicht nicht so summarisch urteilen. Herr Abbeg hat gewiß auch gute Seiten. Nur auf dem Gebiet des menschlichen Anstandes liegen sie offenbar nicht. Sein Pech, wenn er da eines Tages in die naturgegebenen Konflikte gerät und also bestraft werden muß. So, als eine Bestrafung, sehe ich die Sache an, nicht anders. Anonyme, verehrungswürdige Mächte, die über der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im moralischen Haushalt des Lebens wachen, bedienen sich meiner Hand, um jemanden zur Ordnung zu rufen, der dies Gleichgewicht freventlich verletzt hat. Ich habe mich höchstens zu fragen, ob ich solcher Aufgabe irgend würdig bin
Arnold Fontana hielt den großen Kopf mit der schwarzen Hornbrille schief. Er lauschte auf die kleine silberne Melodie, mit der die Pendule auf Fehrs Schreibtisch die elfte Stunde ausklingelte.
Aber die Melodie ertrank plötzlich in einem dumpfen, ungeheuren Knall, dessen' Schallwellen die Fensterscheiben 'erschüttern und die Prismen des Kronleuchters erklirren ließen, und der langsam, wie ein mächtiger, ganz naher Donnerschlag vergrollte.
Die Vier auf dem Teppich sahen einander an, Schrecken in den aufgerissenen Augen.
„Was ist —?", sagte Fehr — und machte schon eine Bewegung gegen die Tür hin.
„War denn überhaupt ein Gewitter?" Marion lief zu ihm, hängte sich angstvoll an ihn. Er schüttelte heftig den Kopf:
„Das kann nur in der Sophienau gewesen sein ..."
Wortlos ging er hinaus. Die anderen folgten.
Sie warfen in der Garderobe die Mäntel über.
(Fortsetzung folgt.)
ist wirklich ideal, es gib» dem Kuchen, auch wem*-/ er mit dunklem Mehfcj gebacken ist, ein appe-l titliches Aussehen undb feinsten Vapillegeschmadii
ihm ... Wie mit einer Schlange ..."
„... Wie mit einem Fisch, sagt meine Tochter!"
„Mit einem Fisch! Ich bitte sehr, da bin ich ganz einverstanden", wandte sich Fontana an Ulla: „Mit dem ergebensten Bemerken, daß es sich in dem Falle um einen Haifisch handelt. Oder um noch ein gefährlicheres Tier, ich weiß im Reiche der Kaltblüter nicht so genau Bescheid ... Derehrtester Herr Baron, ich kenne die Einzelheiten des Streitfalles nicht, aber ich möchte doch Wert darauf legen, zu betonen, daß ich durchaus auf Ihrer Seite stehe ..., selbstverständlich, wie könnte das anders sein? Sie sind ... wenn ich das unumwunden sagen Dars
SiebzigSpähtrupps gegen dieSowjets Ilbenstädter Unteroffizier mit dem Deutschen kreuz in Gold ausgezeichnet.
NSÄ.. Durch mehrfache besondere Tapferkeit bet den Kämpfen an der Ostfront zeichnete sich der Um teroffißiet Peter Haumann aus Ilbenstadt (Kreis Wetterau), Zugführer in einem Jnfanterie- RegirnerXt, aus, dem das Deutsche Kreuz in Gold verliehen avurde. Unteroffizier Haumann unternahm im Feldzug gegen die Sowjetunion insgesamt siebzig Spähtrupps, davon fünfzig allein bei den harten winterlihen Abwehrkämpsen. Durch seine wiederholte hervorragende Tapferkeit und seine geschickte Führung gettMg es ihm, stets große Erfolge zu er- uelen. Er konnte u. a. eine sowjetische Ortschaft vom Feinde fäüber.ü und durch sein stürmisches Draufgängertum meiere infanteristische Kräfte der Sowjets in die Flucht schlagen.
Von der Ludwigs-Universität.
Der Ordinarius $ür innere Medizin an der Universität Gießen und Direktor der Medizinischen und Nervenklinik Professe Dr. R e i n w e i n wurde mit Wirkung vom 1. April 1942 ab als Ordinarius für innere Medizin und Direktor der Medizinischen und Poli-Klinik an die Universität Kiel berufen. Prof. Dr. Reinwein , der' seit 1. November 1934 hier wirkte, war von 1935 $s 1938 neben seiner hauptamtlichen Verpflichtung ehrenamtlich auch noch als Verwaltungsdirektor her" Gießener Universitätskliniken tätig. — Profeffor^Dr. Reinwein flammt aus Mecklenburg-Schwerin/ wo er am 22. Februar 1895 in Dudendorf geboren' wurde. Sein Studium der Medizin begann er im .Jahre 1914. Er rückte bei Kriegsausbruch 1914 mir ins Feld, geriet bald in russische Kriegsgefangenschaft, in der er bis 1920 festgehalten wurde. Nach der Mickkehr in Die, Heimat studierte er von 1920 bis 1922 an den Universitäten Rostock, Königsberg, Würzburg und Halle. Dann war er von 1922 bis 1924 am Physiologisch-chemischen Institut der Universität Wür.zdurg tätig, hierauf bis 1925 als Assistent in der Geheimrat Krehl- schen Klinik in Heidelberg. Von 19A5 bis 1933 war er Oberarzt an der Medizinischen Köftzik der Unioer-
schweren Verwundung die zukünftigen Jahre dunkel erschienen, haben neuen Mut gefaßt, als sie sahen, daß es ihnen möglich ist, einen neuen Arbeitsplatz völl auszufüllen.
Es war außerordentlich interessant, einmal einer , solchen Beratungsstunde beiwohnen zu können. Die Berufsberatung ist wohl der kleinste, sicher aber der wertvollste Teil der Wehrmachtfürsorge. Wir folgten den Unterhaltungen zwischen Ratsuchenden und Rctt- gebenden und gewannen dabei die Ueberzeugung, daß alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Verwundeten den Weg ins Leben wieder zu öffnen und ihnen das seelische Gleichgewicht wieder zu geben. Dabei ist es selbstverstävdlicher Grundsatz, daß die Kosten für die Ausbildung eines Versehrten keine Rolle spielen. Immer wieder ist die geradezu väterliche Fürsorge des Wehrmachtfürsorgeoffiziers festzustellen. Der Verwundete muß dabei das Gefühl bekommen, daß für ihn alles getan wird.
Zunächst wird mit der Vorberatung begonnen: der Versehrte wird auf einen Beruf aufmerksam gemacht; es werden neue Gedanken an ihn herangetragen, die ihn zu reiflichem Nachdenken veranlassen. Es werden ihm die Vor- und Nachteile der verschie- denen Berufe aufgezeigt; falls er sich auf der falschen Fährte befindet, wird er beratend auf den richtigen Weg geführt. Ein Beispiel soll das zeigen: Ein 20jähriger Unteroffizier, der den rechten Arm verlor, kann feinen früheren Beruf, das Metzger- Handwerk, nicht mehr ausüben. Er hat sich nun in den Kopf gesetzt, das nachzuholen, was er in der Jugend versäumte und will die Mittelschule von der ersten bis zur sechsten Klasse besuchen, um Beamter werden zu können. Er will also als Zwanzigjähriger noch einmal regelrecht die Schulbank drücken. So anerkennenswert der Wissensdurst dieses Verwundeten auch ist, so läßt sich der Gedanke jedoch nicht durchführen. Die Nachteile dieses Planes werden ihm auseinandergelegt, und man gibt ihm den Rat, es doch ein Jahr lang mit dem Besuch einer Berufs- oberschule zu versuchen und sich dann anschließend in Abendkursen weiterzubilden, wobei er ziemlich das gleiche erreicht. Langsam aber sicher wird er auf den richtigen Weg geführt, und am Schluß' ist er dankbar für all das, was man ihm geraten hat, und vertrauensvoll verläßt er den Raum, in dem der Grundstein für seine spätere Zukunft gelegt wurde.
Vom Dramaturgischen Büro des Theaters der Universitätsstadt Gießen erhalten wir die folgenden Ausführungen des jungen Komponisten Wilhelm Stark, dessen Oper „Das Herrenrecht" in den nächsten Tagen hier chre Erstaufführung erlebt.
Ein paar Worte, meinem Opernerstling auf den Weg gegeben, sollen keine theoretischen Auslassungen über die Möglichkeiten der ferneren Entwicklung Der Oper sein, sondern meinen Standpunkt dem musikalischen Bühnenwerk gegenüber zeigen.
Schon von Jugend auf hatte ich die beste Gelegenheit,"das zeitgenössische Opernschaffen zu verfolgen. Die mannigfachen Eindrücke, die ich in meiner Vaterstadt Wien sammeln konnte, zwangen geradezu zu einer Stellungnahme zur Frage der Oper, die ich dann in den folgenden Jahren praktischer Bühnentätigkeit genug erproben konnte.
Wie kam es so weit, daß die Frage: „Ist die Oper noch zeitgemäß?" aufgeworfen werden konnte und das Schlagwort von der „Opernfrife" ernstlich herumspukte? Ich glaube den Grund darin zu sehen, daß der Unterschied zwischen unserer realen Lebenspraxis des 20. Jahrhunderts und dem gesteigerten Opernpathos eine schier unüberbrückbare Kluft eröffnete.
„Ist die Oper noch zeitgemäß?" — Ich sage: Ja! Man muß sie nur so an pack en, daß sie im Herzen eines jeden musikliebenden und bühnenfreudigen Hörers Widerhall findet. Die Grundbedingungen hierzu liegen schon in den Menschen, die man auf die Bühne stellt. In welcher Zeit ein Stück auch spielen mag, es werden niemals Marionetten oder
Aus der Stadt Gießen.
Gründonnerstag: iß neunerlei Kraut!
Obwohl man dazumal noch nichts von Vitaminen gewußt hat, ist doch der Glaube an die Heilkraft der ersten Kräuter, die das Jahr hervorbringt, sehr alt. Früh schon hat man den Donnerstag vor Ostern, der ohnedies als heiliger Tag von allerlei Äkunder- glauben umwoben war, zum „Gründonnerstag" auserkoren und an ihm junge Kräuter in größeren Mengen zu sich genommen.
Namentlich in Niederdeutschland ist noch heute die Sitte verbreitet, am Gründonnerstag neunerlei Kräuter zu .essen, die sogenannte „Negenstärke" (Neunstärke), von deren Genuß man sich besonderen Segen fürs kommende Jahr erhofft. Man glaubt zum Beispiel, daß derjenige, der die neun Kräuter am Gründonnerstag zu sich nimmt, das ganze Jahr über gegen Krankheiten aller Art, besonders gegen das Fieber gefeit fei. Es beschränkt sich aber der Brauch des Essens von neunerlei Kräutern am Gründonnerstag keineswegs auf Niederdeutschland; im Elsaß ißt man an diesem Tage das „Nünkritli- gemies", und auch in Süddeutschland ist die Sitte verbreitet. Die Auswahl der neun Kräuter (die neun spielt ja überhaupt im Volksglauben eine gewisse Rolle ist begreiflicherweise nach Gegenden verschieden. Im Braunschweigischen bestand im vorigen Jahrhundert die „Negenstärke" aus folgenden neun Kautern: Gesche (Geißfuß), Dowe Nettei (Taubnessel), Brennessel, Kalverknopp (Kälberkopf, ein Doldengewächs), Sprossenkohl, Schorbock (Scharbockskraut), Rabüntje (Rapunzel, Feldsalat),-Born- (Brunnen-) treffe, Kcisekrut (Roßpappel, eine Mal- Dcnart). Bei Osnabrück bereitete man am Gründonnerstag das „Grainmaisken" (grüne Mus) aus Giersch, Gundermann, Brennesselspitzen, Löwenzahn, Sauerampfer, Rapstrieben, Hopfenrankenspitzen, Schnittlauch und Johannisbeerblättern. Das alles wurde fein gehackt und entweder mit Hafergrütze oder Mehl, oft aber auch zusammen mit Kuhfleisch und Mettwurst gut durchgekocht.
In Mecklenburg hält man sich nicht ängstlich an die Zahl neun, sondern nimmt, soviel man eben kriegen kann. In den Städten war es ja ohnedies ' meist nicht, möglich, neunerlei Kräuter aufzutreiben, doch führte auch hier der Gründonnerstag seinen Namen meist zu Recht. In unserer Familie ist es zum Beispiel bis heute, üblich geblieben, an diesem Tag zuerst eine Suppe aus Kerbel und Sauerampfer auf den Tisch zu bringen und nachher Spinat zu verzehren, der in früheren Jahren mit Spiegeleiern belegt war, ein Brauch, der wohl unbewußt anknüpfte an den alten Volksglauben über die Wunderkraft des Gründonnerstagseis: den an diesem Tag gelegten Eiern sollen besondere Wunder- fräfte innewohnen. Wer da ißt ein solches Gründonnerstag- oder „Antlaß"-Ei, wie es in den Alpen- länbem heißt (nach dem.Antlaß Ablaß, den die katholische Kirche an diesem Tag erteilte), der hebt sich im kommenden Jahr keinen Bruch und bekommt, keine Kreuzschmerzen. Vor allen bösen Geistern uni/ Hexen schützt das Gründonnerstagsei, deshalb vergräbt man es in Niederbayern im Stall, um das Vieh vor liebet zu bewahren, in der Steiermark auf dem FeÜ), um die Frucht vor Hagelschlag zu schützen. In Mecklenburg trägt man das am Gründonners? tag gelegte Ei auf den Boden, um dadurch Das Haus gegen Blitzschlag zu sichern. Aus Eiern, die am Gründonnerstag den Hennen zum Brüten untergelegt werden,' schlüpfen Hühner mit besonders schönem buntem Gefieder. Uebrigens bleibt nach Dem Glauben des Volkes ein am Gründonnerstag gelegtes Ei sechs Wochen lang frisch.
In Mecklenburg sagen die Dauern, man dürfe am Gründonnerstag kein Brot backen, sonst „verbrenne der Regen", Das heißt, in dem Dorf, in dem am Gründonnerstag gebacken wurde, fällt das ganze Jahr über kein Regen. Mrd am Gründonnerstag gewaschen, so ziehen im Sommer alle Gewitter aus Der Gegend fort Alles, was am Gründonnerstag gepflanzt wird, lassen „Die ErDflöhe ungeschoren", und Kohl, Der an diesem Tag gepflanzt wird, gedeiht besonders gut. In Mecklenburg herrscht Der ' Glaube, daß man am Gründonnerstag nach Dem Gottesdienst mit Dem Pflug auf Dem Feld arbeiten müsse, sonst bleiben die Felder unfruchtbar. Aber Ackerarbeit am Gründonnerstag bringt Segen für Feld, Mensch und Vieh.
Denjenigen aber, Denen langer Winter und spätes Frühjahr Kummer bereiten, Diene zum Trost die bäuerliche Wetterregel:
„Ist der grüne Donnerstag weiß. So wird der Somiper sicher heiß!" L. B.
„Doch, doch! Wenn Sie nur erst Den Grund seines Besuches kennen! — Ich sollte nämlich feinen Sekundanten abgeben, bei einem Duell mit Ihnen!" Er schüttelte heftig den Kopf und zuckte mißbilligend die Achseln.
„Ja, lieber Herr Fontana, das Vertrauen des Herrn Abbeg kann Sie doch nur ehren?"
„Ehren? — Ich danke. Ich danke ganz ergebenft! Ich habe gar feine Neigung zu solchen Ritteraffären. Duelle, das ist etwas aus Der schlechten, ganz unD gar veralteten Operette! ... Wissen's, Herr Baron, unD Sie, meine Damen, was ich getan habe? Ich habe Den Eisenfresser sanft vor Die Tür gesetzt. Mag er sich Helfershelfer bei seinesgleichen suchen!"
Fehr muhte laut lachen, er blickte zu Marion hinüber, unD wirklich, auch über ihr blasses Gesicht huschte es wie ein Lächeln.
„Aber, bester Herr Fontana", sagte er. „So ungern ich verständlicherweise Den Herrn, Der Sie am werben wollte, in Schutz nehme — er ist wirklich kein Eisenfresser! Er handelt durchaus, in der Notwehr. Der Eisenfresser bin ich, sozusagen, von mir geht die Forderung aus. Er hat nur den zweifelhaften Ruhm, mir dazu Anlaß gegeben zu haben —"
„Kein ,Weri, Ulla", erwiderte er ruhig, „ein ,Was<. Es ist die alte Sache mit den entlassenen Meistern. Wir sprachen ja schon darüber. — Abbeg hat mich im Verlaufe einer Unterhaltung über dies Thema beleidigt. Es blieb mir nichts anderes übrig."
„Du willst dich also wirklich mit diesem Schuft schießen — ober wie?"
„Demdlin überbringt, bereits die Forderung. Ich habe ihn beauftragt, morgen früh sechs Uhr fest- zusetzen."
Mit zugehaltenen Ohren lief Marion durchs Zimmer.
„Papa, ich kenne dich nicht wieder." Ulla bemühte sich, ruhig zu bleiben, aber ihr Atem flog: „Du hast doch sonst nie so rigoros gedacht? Hast jedem seine schlechten Manieren gelassen und Darüber gelacht! Gibt es denn gar keinen anderen Weg? Um dieses Raubfisches willen dein Leben aufs Spiel z'u setzen?"
„Das tage ich ja auch immer wieder!" Marion rang verzweifelt die Hände: „Ulla, helfen Sie mir, ihn umzustimmen!"
laffung aus Dem Wehrdienst obliegt Den Wehrmachtfürsorge- unD Versorgungsdienststellen im engsten ^Einvernehmen mit den Chefärzten Der Lazarette. ^Die Grundlage für die Betreuung der versehrten Wehrdienst-' und einsatzbeschädigten Soldaten bilden Das Wehrmachtfürsorge- und Ver- sorgungsgesetz vom 26. August 1938 und Das Einsatzfürsorge- und Versorgungsgesetz vom 6. Juli 1939.
Auch die Berufsberatung üben Die Wehrmachtfürsorgeoffiziere im Einvernehmen mit den Aerzten aus. Ihnen stehen die Arbeitseinsatzbehörden, die Hauptfürsorge- und Fürsorgestellen sowie die Sach- verständigen der Berufsorganisationen zur Seite. Der Arbeitseinsatz nach Der Genesung erfolgt im wesentlichen Durch Die Hauptfürsorgestellen. Das Ziel ist,, die Beschädigten möglichst ihrer früheren Berufstätigkeit wieder zurückzugeben. Ist dies nicht möglich, so strebt man Die Einschulung in einen verwandten Beruf an; Damit Der Versehrte die bisherigen Berufskenntnisse ausnutzen kann. Nur in Ausnahmefällen, wenn die Verwendung in Dem alten oder Die Einschulung in einen verwandten Beruf aussichtslos ist, wird Der Verwundete in einen neuen Beruf übergeführt. Man wählt Dabei selbstverständlich einen Beruf, für Den er sowohl Die körperliche als auch die geistige Eignung besitzt. Eine sorgfältige Berufsberatung zeigt Dem Verwundeten den Weg, den seine Ausbildung zu gehen hat. Tausende und aber Tausende von Verwundeten sind mit Hilfe der zuständigen Wehrmacht- und Fürsorgestellen Diesen Weg gegangen. Sie haben um gelernt, sie haben als Verwundete wieder neu angefangen, und vielen, denen nach einer
„Herrenrecht" geht. Das Motiv dieser kräftig kontrastierenden Handluna weist auf Das späte Mittelalter. Aber nicht das historische Milieu, sondern die ewig jungen und gegenwärtigen Gefühle der Gestalten müssen sich Den Weg zum Herzen Des Hörers bahnen.
Und in Diesem Sinne habe ich es auch mit Der Musik gehalten. Sie Durfte nicht historisch sich gebärdend oder konstruktiv gesucht sein, sondern müßte sich von Der glühenden Äidenschaft unserer Helden durchtränken lassen.
Man mag es meiner Herkunft aus Dem deutsches Süden oder meiner früheren Betätigung als Geige? zugute halten, wenn ich meinen Hörern Zurufen möchte: Nur keine Angst vor Der Melodie! Warum Darf 'fie nicht auch einmal ohne einen Ballast von kontrapunktischem Beiwerk erklingen? Nur um Dem Vorwurf einer einfachen, „ungelehrten" Schreibweise auszuweichen?
Fundamentales Können und Wissen ist allerdings gerade in Der Musik unerläßlich, unD unsere heutige Musikergeneration hat ohne Zweifel meist sehr viel gelernt. Hinter diesem Handwerklichen aber muß jener Urgrund Des Gefühls, jene unfaßbare Wett Der Klänge verborgen sein, soll Die Bezeichnung Musik gerechtfertigt erscheinen. Wir Dürfen uns über lauter ästhetisch-stilistischen oder handwexklich-tech- nischen Untersuchungen nicht Die unersetzlichen Gefühlswerte Der Musik verdecken.
Daß eine so hervorragende und an künstlerischer Vergangenheit reiche Bühne wie das Theater der Universitätsstadt Gießen mein Opernerstlingswerk nun so bald nach der Uraufführung am Nationaltheater Weimar als erste deutsche. Nachspielbühne herausbringt, bedeutet für mich jungen Komponisten eine hohe Auszeichnung. Eine besondere


