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Lokales.
G. Gießen, 30. Juli. f Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle betrug während der Woche vom 20 bis 26. Iult tm Ganzen 8 und zwar wurden vorzugsweise Kinder betroffen. Von erwachsenen Personen starben nur 2 an Lungenschwindsucht. Von Kindern tm ersten Lebensjahre starben 2 au Brechdurchfall, eins an Keuchhusten. Von älteren Kindern erlag eins, das von auswärts hierher gebracht worden war, der Diphtherie, ein zweites starb an einer Verwundung, die es durch einen Sensenhieb erlitten, bei einem dritten wurde Herzlähmung als Todesursache angegeben.
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hier bald dort von dem durch sie verübten Unfug. Für unsere Landbevölkerung, die schwer hierunter leidet, ist es uanz unbegreiflich, daß dos sonst so tiramme preußische Regiment diesen gewerbsmäßigen Unfug duldet. In kurhessiscker Zett, wo es noch ein HetmathSrecht gab, war ein solches Umherztehen ganz unmöglich. Jeder Zigeuner, der tm Lande wetten wollte, mußte an einem bestimmten Orte sich ntederlassen und dort einen ordnungsmäßigen Erwerb treiben. Auswärtige Zigeuner wurden an der Grenze weggewiesen. Run mag ja der Grundsatz der Freizügigkeit zu dem Schlüsse berechtigen, daß man, so wie keine Heimath, auch keinen Wohnsitz zu haben braucht und sich angeblich vom Umherzteh n tn Gottes freier Luft ernähern kann. Jedenfalls aber liegt eine Abdülse nahe, welche ohne erhebliche Anstrengung die Polizei zu leisten vermöchte. Wenn diese nur anordnen wollte, daß jeder Ztgeunertrupp, sobald er sich tm Lande bl cken ließe, von Station zu ©tat.on durch einen oder womöglich zwei Gendarmen b-gleitet würde, dnß auch an den Orten, wo derselbe sein Nachtlager aufschlägt, ein Gendarm übernachtete, so würde damit, wie wir glauben, sehr viel geholfen sein. Denn die Schutzlosigkeit der Landbevölkerung Ist es, waS diesem frechen Gesindel die Oberhand gibt. Ist ein Gendarm am Orte, bann haben die Bauern einen festen Anhalt, um jenem die Spitze zu bieten. Vielleicht würden die Banden auch sehr bald in der ständiger! Begleitung eines Gendarmen sich so ungemütblich fühlen, daß sie unser Land verließen und in ihre böhmischen oder anderweitigen Wälder zurückkehrten
Heidelberg, 27. Juli. Die „Düsseldorfer Ztg.- Nr. 203 vom 24. Juli d. I schreibt über das von Gebr. v. Schenk dahier dargestellte neue Putzpulver: Schon manche schöne und für datz praktische Leben nützliche Erfindung, besonders tm Reiche ber Chemie hab n wir dem 19. Jahrhundert zu verdanken und noch immer schreiten wir vor und fast täglich werden neue Entdeckungen und E-findungen bekannt gemacht. So haben wir jetzt eine neue Entdeckung zu verzeichnen, die gewiß von allen Mttall- und Sptegelglasg.schäften, sowie in allen Haushaltungen mit Freuden ausgenommen wird. Es ist dies das doppelt geschlemmte Silicium von Gebrüder von Schenk in Heidelberg, da8 sich so ausgezeichnet als Putzpulver sür GlaS und alle Metalle bewährt. Mit Leichtigkeit nimmt eS von allen Metallen und GlaS den Schmutz fort und putzt Alles spiegelblank und gibt neuen Glanz; besonders wichtig ist diese Ersindung für die großen Spiegelscheiben, deren Reintgung im Winter und beim Sonnenschein so schwierig ltt. Putzpomade und Steorinöl, womit bis jetzt meistens die Metallsachen geputzt worden, werden durch das Stticium.-Putzpulver ganz verdrängt werden, da bamit zu putzen dne sihr schmutzige und langweilige Arbeit ist und die Metalle dadurch scharf angegr'ffen werden. Das geschlemmte Silicium putzt rasch, ohne Mühe, ist sehr reinlich und greift die Metalle nicht an. Es eignet sich vorzüglich für Gold, Silber, Neusilber, Alfenide, Messing, Kupf'r, Zinn, Blech und Spiegelglas.
— Der Druckerkobold bat der Kölnischen Zeitung — allerdings nur tn einem "einen Thette ihrer Auflage — vor e'nigen Togen einen recht boshaften Streich grsprelt, von dem uns nur wundert, daß die Argusaugen des Kladderadatsch ihn nicht entdeckt und im „Briefkasten- zur gebührenden Rechenschaft gezogen haben. Es wurde da erzählt, wie die englischen Richter bei Körperverletzungen mit äußerster Strenge Vorgehen, und ein bestimmter Fall erwähnt, in welchem das Urthett auf fünf Jahre schwere Arbeit und dreißig Hiebe lautete. „Der Richter" - so heißt es nun weiter — ^bemerkte in seiner Urtheilsbegründung, er wolle und werde solchen Halunken, welche sich an harmlosen Menschen ohne Ursache und bloß zur Befriedigung ihres Muth- willens mit rohen Gewaltthätigke ten vergreifen, stets mit der durch das Gesetz zulässigen Öar°,yen Strenge die Lust zu Wiederholungen verleiden und in solchen Fällen die Gefangmßstrafe durch körperliche Züchtigung schärfen, denn nur die Erinnerung an bkfe blef&e bei solchen schmutzigen Schuften, welche sonst keine Scham besitzen, Hafter. Bcilhiebe entfernen den Rückgrat und im nächsten Moment hängt er in zwei Hälften ff-. ganze Procedur war so fabelhaft rasch vor sich gegangen, daß sie gerade durch diese Schnelligkeit ihrer Schrecken beraubt wurde. Eben schrie noch das Schwein, weil man es am Hinterbein erfaßt hatte und schon für.funddreißig Secunden (?) später hing es falt und steif, gereinigt und kopflos in zwei Hälften im Eishause, um sich spater noch in Schinken, Speckseiten und Rippenstücke zu verwandeln.- Der scharf- sichttae Leser wttd schon ungefähr ahnen, wie die Sache sich verhält; um aber die hier so schrecklich veileumdeten enallschen Richter nicht auf ein bloßes Errathen des Zusammenhanges anzuweisen, sondern sie in aller Form darüber zu beruhigen, daß die Anglophobie in Deuischland nicht so hoch gestiegen ist, ihnen eine so fürchteeliche Straf- Vollstreckung untrrzuschieben, wie die oben geschilderte, sei tn kurzen Worten bemerkt, daß die letzten sechs Zeilen der angeführten Stelle nicht die englischen Gerichte, sondern die großen Pökelhäuscr von Kansas City angehen, wo täglich einige Tausend Schweine geschlachtet werden. Obengenannter Kobold hat aus der tn einer frühem Ausgabe des Zweiten Blattes von Nr. 204 enthaltenen Beschreibung des großartigen Schlachthauses die Schlußzeilen entnommen und in hinterlistiger Weise an die Darstellung des englischen Gerichtsverfahrens angeklebt.
— Das traurige Ende des Capttäns Webb in den Stromschnellen des Niagara ist noch in aller Gedächtniß. Nicht gewitzigt durch den Ausgang von Webb's Unternehmungen will jetzt wieder ein tollkühner Schwimmer sich hinabwagen. Marquis Bibbero, die« der Name des Tollhäuslrrs, ist gleich Webb ein bekannter englischer Schwimmer und macht das Unternehmen nut von zwei Versuchen abhängig, die er vorher an stellen wM. @r beabsichtigt nämlich zuerst zu untersuchen, ob sein „Vorgänger" Webb wirklich, wie später behauptet wurde, durch den ungeheuren Druck der Wasser- maffm zu Grunde gegangen sei, oder ob er nicht vielmehr in Folge eines Accidents unterlag, dem man mit etwas mehr Glück ober Gewandtheit als der unglückliche »Hero of the Channel“ aufzuweisen hatte, entgehen könnte. Zu diesem Zwecke wird Bibbero, wie amerikanische Blätter melden, zuerst einen Holzpflock mit einer Masse von der ungefähren Conststenz menschlicher Muskulatur überziehen, denselben die Schnellen hinabtreiben lassen und unten wieder guffangen. Sodann will er einen starken Kauischukoallon von der ungefähren Form und Widerstandskraft eines menschlichen Rumpfes, der statt der Lungen mit aufgeblascnm Schweinsblascn ausgestattet ist d.e.elbe Probe durchmachen lassen und dann, wenn beide Experimente zu seiner Hu- friedenbeit ausfallen, selbst die gefährliche Reise antreten. Ist das Ganze nicht bloßes Geflunker, so wird man der Geschichte Originalität nickt absprechen können und es bleibt dann nur zu hoffen, daß schon die erwähnten beiden Versuche nickt den gewünschten
nachd-m sonst die Chronik des Niagara wohl wiederum ein trauriges Copitel bereichert werden wird.
.ooo lW-iß- Indianers «16 der englische Reisende Dr. 9?. H-oth im Sommer 1883 den Rtd Bem hinabfuhr, traf er bei Santa Anna, dem äußersten und nördlichsten Sammelplätze von bolivianischen Kautschuksammlern, einen nur wenig zahlreichen Stamm von Indianern, welche sich Pacavara-Jndianer nannten und deren Hautfarbe kaum dunkler als diejenige der Spanier und Portugiesen ist. Sie sind halb seßhaft
schon ttmaS civ l sirt und httfkn dm Bolivianern fleißig bei der Best-llung meS’r 2ucca« Vnb Bananenpflanzungen, wie beim Einsamweln deS cU ^schlechter sind nur mit einem kurzen Hemde bekleidet, durchbohren me Nasenscheibewand und stecken von beiden Seiten Federn hinein, so d^ß es von ^/„"'nOUs^eht, als hatten sie starke Schnurrbärte. In dm durchbohrten Ohrzipf-ln tragen sie die Augenzähne von Alligatoren.
b!l Seeschlange erinnert folgende Mtttheilung der „Sarja": Inder Umgegend der Stadt Kijew soll sich seit Kurzem eine tmmmS reiche junge Dame nnWpM01 einsrüssel anstatt der Nase niedergelassen Haden. Diese Dame mit Anhängsel bietet Herz und Hand Demjenigen an, der in Anbetracht
Vermögens (wie öerlaufet 5 Millionen) sich durch den Schweinsrüssel «NLrt Mt, dieselbe zu hetrathen. Ein junger Mensch soll sich zwar bereit mack?aÄ!» ru hetrathen, soll jedoch beim Anblick seiner Braut in £)bn=
m?cben6iÄ auf ba§ Bestimmteste, die Rüsseltragende
stillen bereits an« deren Gesicht mit einem Schleier (!) verdeckt gewesen. Es beutel der^schrecklichen Äh'™ T ?r°V Än*abI ÜOn Prätendenten auf den ®elb> ÄnabJ* dnßefunben 6aben unb tn Erwartung derselben die fd)i(i)tp'~bie^fIl.OfifOfntr? Die „Gazetta Ticinrse" erzählt eine köstliche Ge-
bahnwaam'tn vollständiger Wahrheit beruht. Es langten zwei Eisen.
Nun kämm bteGmft her ^?ae/M« re wit Chlorkalk, der andere mit Carbolsäure beladen. G"aenbemerk"naen m * ?»^ ^rung betrauten Beamten und desinficirten, trotz aller nähme sagten ste L.^se Waaren. Ihre Reglements gestatten ihnen feine Aus, infieirenben VRnnrin hl L " !* I f üroße Frage: „Haben diese desinficirten be8» SX' „ 1t doppelte DesinfectionSkraft erlangt oder ist letztere durch die
Chemiker sollten doch zusammentreten und
das dralz und Hopfen — ein guter Tropfen. Durch
das Falliment eines Münchener HandlungShauses ist der Behörde ein wichtiger gunb
BermischteS.
Friedberg, 27. Juli. Heute fand im Hotel Trapp dahier eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Vertrauensmännern der nattonalltberalen Partei des 2. Oberhefsifchen ReichStagSwahl-Bezirks Friedberg-Büdingen statt. Als demnächstiger Rerchktagscanbibat wurde von dem hiesigen Wahlcomitö Oberlandesgerichtsprasident Görz oorgeschlagen und von der Versammlung allseitig mit Freuden begrüßt und als Candidat vroclamirt. Der Vorgeschlagene hat sich zur Annahme einer eventuellen Wahl bereit erklärt.
Darmstadt, 28. Juli. Die unlängst stattgehabte Prüfung zum Postassistenten haben bestanden: Döring und Klein in Mainz, Müller I. in Alzey, Morgen stern in Offenbach und Pitzer in Gießen.
Darmstadt, 28. Juli. Der Verein hessischer Aerzte bat Normativ-Bestimmungen entworfen, nach denen Verträge mit Kcankenkassen abgeschlossen werden dürfen. Dieselben bestimmen:
1) ES ist überall bei Verträgen mit Krankenkassen jeder Art die Honorirung der Einzelletstung anzustreben und wird als Mtnimalsatz für den Besuch am Tage 1 JL, bei Nacht 3 für die Ordination im Hause dcs Arztes am Tage 60 bei Nacht 1 50 festgesetzt. Es steht dem Arzte das Recht zu, für Besuche, oie Mo gms
nach 8 Uhr bestellt werden, als für Extrabesuche, 1 50 H in Ansatz zu bringen.
Für geburtShülfliche und chirurgische Operationen sind tm Minimum die kleinsten Ansätze der Taxe von 1865 anzusprechkn.
2) Bei Vereinbarung eines Avkrsums wird, falls nur daS Kassenmltglied behandelt werden muß, das Minimum des Ansatzes 34, falls auch die Familie behandlungsberechtigt ist, das Minimum 9 «ä für jedes Kassenmttglted pro Jahr betragen.
3) Sollte die Krankenkasse einen gemischten Modus wünschen, so setzt sich das Honorar aus den je zur Hälfte in Berechnung gebrachten Ansatzm von Nr. 1 und 2 zusammen, also auS dem halben Honorar für die Elnzellerstung und deren Aoersum.
4) Falls freie HÜlfskassen die Bezahlung des Aiztes ablehnen, soll die statutengemäß uoihwendige Krankheitsbescheinigung vom Arzte nur unter der Bedingung ausgestellt werden, daß die Kassen in ihren Statuten und in ihren Formularien für Krankenatteste sich selbstschuldnerisch und zwar unter Verzicht auf die Einwände der VoranSklage und Theilung, verpflichten, das Honorar deS Arztes nach Maßgabe der vorstehenden Minimalsätze für erkrankte Kassenmitglieder zu zahlen.
Der Verein hessisch,r Aerzte hat im Anschluß hieran auch noch beschlossen, daß Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen seitens eines Arztes olS Verstoß gegen daS Interesse des ärztlichen Standes unb das Herabsetzen der Honorarforberung unter dos Minimum dieser Sätze zugleich als Verletzung ber ärztlichen StandeSehre angesehen werben, gegen welche der Verein in enffprechender Weise vorgchen würde.
Darmstadt. Htteue Orthographie.) In b-m Schaufenster einer Colonlal- waaren'Handlung werden „Neue Holländändische Härringc" angeprsisen. Das geht noch über Puttkamer.
Mainz, 28. Juli. sFeuersbrunst.) Heute Morgen um 4 Uhr ist die bekannte Treibriemen-Fabrik von Starck und Comp. dis auf den Grund niedergebrannt.
Mainz, 28. Juli. Ueber den Brand ber Lebertreibriemen-Fabrik ber Firma L. Starck u Co. tn Mainz wird uns noch Folgendes mitgethettt: Das Feuer muß in der Fabrik schon geraume Zeit gewüthet haben, denn kaum mürbe der Brand bemerkt, als auch das ganze Gebäude, welches allerdings leicht brennbare Stoffe tn großen Quantitäten in sich barg, in Hellen Flammen stand. Die H tze, die van dem riesig brennenden Gebäude ausging, war so intensiv, daß zwei große benachdatte Häuser Feuer singen, doch gelang es jedetzmal der Umsicht ber FeuerDehr, b<n Brand wieder 3U loschen. Nachdem die Flammen circa bretoiertel Stunden tn dem Fabrikgebäude gewüthet hatten, stürzte dasselbe unter furchtbarem Krachen tn sich selbst zuschnmen. Drei vollständige Einrichtungen für Zuckerfabriken, welche am andern Tage nach dem Orte ihrer Bestimmung abgehen sollten, sind ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden soll sich tm Ganzen auf über 100,000 JL belaufen.
_ , 26. Juli. Die hiesige Confervenfabrik für das deutsche Heer, für deren
errtdjtun0 etn Betrag von 4Vs Millionen ausgesetzt ist, soll durch Beschluß der deutschen Militärverwaltung in eigene Regie übernommen werden, nachdem der ptooi- sottsche Betrieb einer Dampfmühle sich als vorlheilhaft hecausgestcllt hat. Für den technischen Betrieb wird ein Ingenieur nebst mehrcren Unterbeamten bestellt, wahrend der VerwaltungSvorstand aus den Beamten deS Provtantamtetz entnommen wird. Die Fabrik kann täglich liefern: 500,000 Kaffreporttonen, 6000 Pierderationen, 62,500 Portionen Büchsenfleisch, 83,500 Portionen Suppengemüs, 160,000 Portionen Preßmehl und 92,500 Portionen Sauerbrod ober Zwteback.
28. Juli. sVerbafteter Räuber.) Seit Wochen macht ein Subject die Waldumgebungen unserer Stadt, die von zahlreichen Promenadewegen durchschnitten und daher besonders auch von unserem Kurpublikum besucht n?erben, unsicher. Er fprang plötzlich au8 einem Verstecke hervor, hielt seinem Opfer eine Pistole vor bte Brust und forberte Gelb und Uhr, welche Gegenstände ihm auch ohne Widerstand in vier oder fünf Fällen ausgeliefert wurden. Rastlos war die Sickerheitsmannschaft U0' um bte^el Räubers habhaft zu werden und gestern gelang ihr das endlich. Nachdem er am SamStag Abend noch einen Anfall ausgeführt hatte, Ä., ", SSutzmann a-st-rn Vormittag feft. ES Ist ein ehemaliger Diener Johann
Daniel Schulz, ber in die Classe b?r „Louis" gehört.
.. Aus dem Amte Idstein, 25. Juli. Die letzten Wochen haben in bie bäuerliche Bevölkerung bes südlichen Theiles unsere« Amtes eine nicht geringe Auf-
«kbracht. Ein Naturbeobachter wollte tn den Gemarkungen Niedernhausen, KonigShofen und Niederselbach den Coloradokäfer entdeckt haben und alö die Landleute die Kattoffelbüsche mit Puppengefpinsten besetzt sahen, aus denen kleine Käfer aus- da war s richtig: der schlimme Gast war eingekehrt und hatte von der Papo- veaelfabrtk bei Niedernhausen, welche Rohmaterial dircct von Amerika beziehen soll, gCrIL° mmen; Kästchen mit Puppen und Käfern wurden dem Königl. ^^^eingereicht, als Beweis für bie hereinaedrochene Calamttät. Manchen Landleuten ««« r?A ?ÄnoenWUnii"Eolorado" nicht geläufig und da die Cholera gegenwättig so viel wacht, wurde der Colorado zum „Cholerakäfer". Mit unwiderstehlichem der Bauer seine Kartoffelfelder, konnte nicht jeden Augenblick die Evolera ausbrechen und was sollte dann auS der vielversprechenden Kartoffel- Amta sonst nicht furchtsamer Mann soll, als ihm einige der Käfer tnS
schleunigst mit den Seinigen dasselbe verlassen haben, bis die ÄfThPr rok?er Enttarnt waren. Die Wiffenschaft hat auch hier aufklärend 2 ? ?^’ b^ Cholera- bezw Coloradokäfer bat sich als gewöhnliches Marienkäferchen urß0 rScn ^puppt. der Landmann schaut wieder mit selbstbewußter HnbftetCfi <ba8 2Be!en berab und der Entdecker all des drohenden Unheils
tröstet sich üaer seinen Jrrtbum damit, daß eS so doch besser sei. 9
C f S*' 24, seht der „Köln. Ztg.- ein Schmerz-Nsschrei über welcher lauttt: „Eine der schlimmsten Landplagen sind bet uns flrefÄ sind glttcksam das gewerbsmäßige Land-
2nor Ä " N^ter Potenz gegen welches keine Colonie Wilhelmsdorf hilft In Fa0on aKC^n,?c.,öonPrt ru Olt, durch die größeren Stadtehindurch" fftrrapnnpr nnFf*rCm 6aIb b,,er'boIb dort, meist in freiem Felde, vor dem Orte ihr Lager aufschlagend und verweilend. Woher sie kommen weiß der Himmel Will man sie wegen Landstreicherei vor Gericht stellen, so weisen sie meist Geldmittel aus rur R^se berechtigen. Aber woher bekommen fie’ btefelben? ^a fte n L m den höheren VergnügungSreisenben gehören, bte von ihren Renten die Reisekosten be! /etn Gewerbe betreiben unb da man mit dem Umbenfelien attein kein Geld verdient, so ist e« klar, daß ihr Erwerb besteht in Betteln, ©"preffen ©teblen und Betrügen, letzteres namentlich in der Form deS Wahrsagen«, womit ihre Weibel unsere Landleute hethoren. Dementsprechend lieft man auch in bm Lokalhlättttn bald


