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1884

Donnerstag den 31. Juli

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Bureau: Schulstraße 7.

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am 14. Auzust 'omite-Mitgliev um 6. August

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Pest bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pr.

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Bad Gastein, 29. Juli. Se. Maj. der Kaiser nahm heute ein Bad, machte des Regens wegen aber erst um 3 Uhr Nachmittags eine Promenade. Vorher hatte der Kaiser der Gräfin Samberg einen Besuch abgestattet. Eine Ausfahrt war gestern der ungünstigen Witterung wegen unterblieben. Die Großherzogin von Weimar trifft am 4. August zur Kur hier ein.

Haag, 29. Juli. Von Seiten der Regierung wurde heule m den ver­einigten Kammern der Gesetzentwurf, betr. die eventuelle Regentschaft der Köni­gin, eingebracht. Der Gesetzentwurf über die Vormundschaft ist in Vorbereitung.

Paris, 29. Juli. Von gestern Morgen 10 Uhr bis zum Abend find in Toulon 3, in Marseille 5 Personen an der Cholera gestorben. In Arles sind vom Sonntag Abend bis zum Montag Abend 6 Cholera-Todesfälle vor- geforamert gu[i. Seit gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr

starben in Toulon 7, in Marseiile 11 Personen an der Cholera.

London, 29. J.rti In der gestrigen Sitzung der Conferenz stellte der deutsche Botschafter den Antrag, die Reform des ägyptischen Sanitätswefens als dringende, mit der Verwaltung Egyptens zusammenhängende Frage in Erwägung zu ziehen. Lord Granville weigerte sich, die Frage zur Diskussion zuzulaffen, denn die Conferenz sei nur zur Berathung resp. Abänderung des Liquidations- Gesetzes berufen. Die anderen Botschafter traten in der Competenzfrage der Auffaffung Lord Granvilles bei, indem sie gleichzeitig erklärten, daß sie im Falle der Diskussion den deutschen Reform-Antrag unterstützt haben würden. Der deutsche Botschafter ersuchte, Akt davon zu nehmen, daß er diese Frage angeregt, der Präsident aber die Diskussion nicht gestattet habe.

(Unterhaus). Unterstaatssecretär Ashley erkärte, nach lorgfaUtger Prü­fung aller Umstände sei die Regierung zu dem Schluffe gekommen, daß der An­spruch Deutschlands, seinen Staatsangehörigen in Angra Pequena Schutz zu gewähren, nicht bestritten werden könne, obwohl die Walfisch-Bay und die an- grenzenden Inseln unstreilig britisches Gebiet sind. England ersuchte Deutsch­land, gemeinschaftlich mit England eine Commission ju ernennen, wUche tue Ansprüche der britischen Untertanen regeln soll, die nch in Angra Pequena niedergelassen oder dort Besitz erworben haben. ,

Kairo, 29. Juli. In Assuan laufen unbestätigte Gerüchte um, wonach Osman Sigma am 18. b. Mts. von einem Angehörigen des Bischan-stammes ermordet worden sei.

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Deutschland.

Darmstadt, 29. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 18. Juli den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Worms, Karl Ewald, mit Wirkung vom 1. August l. Js. an zum Staatsanwalt bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg zu ernennen.

Am 23. Juli wurde der Siedemeister bei der Saline Bad Nauheim, Ludwig August Plock, zum ständigen Gehülfen des Bergmeisters der Berg- meistere! Gießen mit dem AmtstitelBergmeisterei-Assistent" ernannt.

Darmstadt, 29. Juli. Der neue Landtag soll zum ersten Male im October einberufen werden. (8r- Zig)

Berlin, 28. Juli. Nachdem der Postpacket-Verkehr mit Portugal gänzlich eingestellt worden ist und die Postsendungen in Folge der Quarantäne-Maßregeln außer an der französisch-spanischen auch an der spanisch-portugiesischen Grenze einen 24stündigen Aufenthalt erleiden, müssen die den Hamburger und Bremer Postdampsern in Lissabon zuzuführenden Briessendungen 48 Stunden früher als sonst aufgeliefert werden. Nach einer dem Reichspostamte ^gegangenen Mittheilung der niederländischen Postverwaltung sollen die zwischen Amsterdam und Batavia fahrenden Postdampser zur Vermeidung von Cholera-Gefahren bis auf Weiteres nicht mehr in Marseille, sondern in Neapel anlaufen. Dem­zufolge sind diejenigen Briefsendungen nach Niederländisch-Indien, welche mit den vorbezeichneten Schiffe» befördert werden sollen, über Italien zu leiten.

Die Berufung des Staatsraths zu seiner ersten Session, in der neben der Constituirung auch die Vertheilung mehrerer wichtiger gesetzgeberischer Ange­legenheiten in die Abtheilungen und der Beginn der Thätigkeit Der letzteren erfolgen soll, ist, sicherem Vernehmen derSchles. Ztg." zufolge, nunmehr be- stimmt auf den Monat October festgesetzt.

Koblenz. 28. Juli. Die Enthüllung des Göben-Denkmaks, welcher der Kaiser beiwohnen wird, soll am 23. September stattfinden.

England.

London, 28. Juli. Die von der Conferenz heute abgehaltene Sitzung mutt e nach etwa dreistündiger Dauer auf morgen vertagt.

Unterhaus. Der Premier Gladstone theilte mit, daß in der heutigen Sitzung der Conferenz ein wichtiger Punkt zur Erörterung gelangt fei, betreffs dessen die Conferenz-Bevollmächligten an ihre Regierungen zu referiren gewünscht hätten; er hoffe, daß die Antworten der Regierungen noch für die morgende Sitzung der Conferenz eintreffen würden.

Politische Ueberficht.

Gießen, 30. Juli

Die von mehreren Blättern gebrachte Nachricht, daß anläß­lich der in voriger Woche erfolgten Abreise der kronprinzlichen Familie ein Attentat gegen dieselbe, resp. gegen Kronprinz Friedrich Wilhelm, geplant ge­wesen fei, hat sich als ersunden herausgestellt. Natürlich beruhen auch alle Mittheilungen über besondere polizeiliche Vorsichtsmaßregeln bei der Abreise der kronprinzlichen Herrschaften auf Erfindung.

Betreffs der diesjährigen Baderersen des Fürsten Brs- marck steht noch immer nichts fest. Vorläufig bekommt ihm die ländliche Zu- rückaezogenheit von Varzin so gut, daß von einer Bade- oder Brunnenkur für die nächsten Wochen überhaupt noch nicht die Rede ist. Vermuthlich wird die übliche Kissinger Kur des Reichskanzlers dieses Jahr ganz wegfallen und dürste derselbe nur die Kur in Gastein durchmachen.

Der Rücktritt des Directors des Reichsgesundherts-Amts, Geh. Ober-Regierungs-Rathes Dr. Struck, steht bevor. Herr Dr. Struck ist wegen seines schwankenden Gesundheitszustandes schon seit Monaten beurlaubt und war deshalb auch nicht Mitglied der deutschen Cholera-Commission, in welcher lediglich Dr. Koch das NeichSgesundheits-Amt vertrat. Ordentliche Mitglieder des Aintes sind zur Zeit der Director der Thierarzneischule in Berlin, Geheim­rath Dr. Roloff, der Geheimrath Dr. Koch, sowie die beiden Regierungsräthe Dr. Sell und Dr. Wolffhügel. Dr. Koch nimmt zur Zeit die Geschäfte des beurlaubten Directors wahr.

In Alzey sand am Sonntag eine nationallwerale Versammlung statt. In derselben gelangte eine Resolution, welche die Zustimmung zu der Social- und Colonial-Politik des Reichskanzlers ausspricht, einstimmig zur An- nähme; zum Reichstags - Candidaten für den Wahlkreis Bingen-Alzey wurde v. Schaub, Bankoirector in München, nominirt. Die Versammlung war von etwa 800 Personen besucht, und traten als Redner außer v. Schauß noch die Herren Osann (Darmstadts und Michel (Reu-Bamberg) auf.

Die Aussichten für das Zustandekommen der französischen Verfassungs-Revision haben sich plötzlich bedeutend günstiger gestaltet. Die Samstags-Sitzung des Senats hat in ihrem Verlause dargethan, daß in dieser Körperschaft durchaus nicht eine solche Aversion gegen die Revisions-Vorlage herrscht, wie man bisher annahm, denn sämmtliche Redner äußerten sich in entgegenkommendem Sinne. Seinerseits erklärte der Ministerpräsident Ferry, daß die Regierung den Artikel 8 der Vorlage, auf welchen es hauptsächlich an­kommt, einer nochmaligen Redaction unterziehen werde und inzwischen die Kam­mer zu einem neuen Votum veranlassen wolle. Auch Leon Say, welcher die Revisions-Vorlage bislang entschieden bekämpft hatte, erklärte sich zu möglichstem Entgegenkommen bereit, betonte aber ausdrücklich, daß er niemals einer Be­schränkung der Rechte des Senats in finanziellen Fragen zustimmen werde. Am Dienstag setzte der Senat die Debatte über die Revisions-Vorlage fort. Die Cholera-Epidemie in Toulon und Marseille ist im Abnehmen begriffen.

Die Bewegung gegen das englische Oberhaus hat bereits wieder ein Riesen-Meeting gezeitigt. Der Schauplatz war diesmal Manchester, wo am Samstag 80,000 Personen im Pomona-Garten unter dem Vorsitze Bright's eine Versammlung abhielten. Von speciellem Interesse war, daß der mitanwesende Kriegsminister Hartington offen gegen die Action des Oberhauses auftrat, gleichzeitig aber auch erklärte, Agitationen bezüglich einer Reform des Oberhauses seien jetzt nicht rathsam. Bright bezeichnete als Zweck der Ver­sammlung,' da-s Oberhaus zur Annahme der Wahlreform-Bill im Herbste zu nöthigen, andernfalls werde die Nation eine Beschränkung der Oligarchie fordern. Schließlich wurde eine gegen die Haltung des Oberhauses in der Wahlreform- Angelegenheit gerichtete Resolution einstimmig angenommen.

Im italienischen Grenzconflict hat jetzt die italienische Regierung einige Zugeständnisse gemacht. Ihnen zufolge ist es den Bewohnern der schweize­rischen Grenzdistricte gestattet, unter gewissen Bedingungen die italienische Grenze zu überschreiten, um ihren Geschäften jenseits derselben nachzugehen. Nach wie vor behauptet man in der Schweiz, daß der Cholera-Cordon nur ein Vorwand der italienischen Regierung sei, der eigentliche Grund der Absperrungs-Taktik aber sei der, die Schweiz für den vom Kanton Tessin aus betriebenen und großartig organisirten Schmuggelhandel, welcher die italienische Staatskasse empfindlich benachthelligt, zu strafen. Da Italien jedoch die gleichen Grenz- sperr - Maßregeln auch gegen Frankreich anwendet und ebenso gegen aus Oesterreich kommende Personen eine fünftägige Quarantäne angeordnet hat, so dürste obige Anschauung wohl auf irrigen Grundlagen beruhen.

Die projectirte Reise des russischen Kaisers nach War­schau hat eine Menge Gerüchte hervorgerufen. Wir wollen von denselben nur oas eine erwähnen, nach welchem Kaiser Alexander auf seiner Reise nach War­schau die österreichische Grenze passiren und hier, vielleicht in Granica, eine Zusammenkunft mit dem österreichischen Kaiser haben würde. Ja, es wird sogar versichert, daß Kaiser Franz Josef den Czaren nach Warschau begleiten werde. Inwieweit dieses Gerücht den wirklichen Verhältnissen entspricht, muß dahinge­stellt bleiben. Jedenfalls verdient der Umstand registrirt zu werden, daß aus der Bahnlinie Skierniewice-Warschau, wie auch zwischen letzterem Orte und der österreichischen Grenze besondere Vorsichts- und Sicherheits-Maßregeln getroffen werden.

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