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bene Herzog Wilhelm, der im Lande ein gutes Andenken hinterläßt, hat keinen directen Thronerben, auch hat sich der nächst berechtigte Thronprätendent, der Sohn des ehemaligen Königs von Hannover, der Herzog von Cumberland, durch seine Ablehnung hinsichtlich der Verfassung des deutschen Reichs als braun­schweigischer Thronerbe unmöglich gemacht; krast eines im Jahre 1879 sanctio- nirten Regentschasts-Gesetzes übernimmt in Braunschweig der Regentschastsrath die Regierung und hat binnen einem Jahre einen deutschen Prinzen, der nicht bereits thronberechtigt ist, zum Herzog von Braunschweig zu wählen.

In Oesterreich bildet die Rede, welche der ungarische Minisierprä- sident, Herr Tisza, jüngst bei der Adreßdebatte im Unterhause gehalten hat, das Ereigniß des Tages. Die Rede, die jetzt in ihrem vollen Wortlaute vor­liegt, ist deshalb so bemerkenswerth, weil sie neben der energischen Betonung des deutsch-österreichischen Bündnisses auch die Kaiserbegegnung von Skierniewice hervorhebt, während die ungarische Thronrede eigenthümlicher Weise dieses Er­eigniß mit keiner Sylbe gedachte. Letzterer Umstand hatte überall berechtigtes Aussehen erregt und dem leitenden ungarischen Staatsmanns mußte daher daran liegen, den Folgerungen, welche namentlich die ungarische Presse hieran knüpfte, entschieden errtgegenzutreten. Herr Tisza hat sich dreser heikeln Ausgabe mir vielem Geschick entledigt; in seiner Rede stellt er die Zusammenkunft von Skier­niewice als eine neue Gewährleistung des europäischen Friedens hin und weist zugleich energisch die Annahme zurück, als ob Ungarn, von Haß gegenirgend eine" Nation erfüllt, sich zu Störungen des Friedens hiureißen könnte. Die Aeußerungen Tisza's haben im ungarischen Parlamente lebhasten Beifall gesun­den und auch in Wien wie in Berlin und Petersburg wird man sie nur mit größter Genugthuung ausnehmen.

Der Austritt des Handels Ministers H Brisson aus dem fran­zösischen Cabinet wird wahrscheinlich noch weitere Veränderungen in demselben nach sich ziehen. Die Schmierigkeiten, aus welche der Finanzminifter Tirard bei seinen Vorschlägen bezüglich der Herstellung des Gleichgewichts im Etat in der Budget-Commission der Deputirtenkammer stößt, dürsten denselben wohl be­wegen, ebenfalls aus dem Ministerium auszuscherden und ebenso ist der Rück­tritt des Kriegsministers Campenon nicht unwahrscheinlich. Die Budget-Com­mission will, um das Gleichgewicht des Budgets herbeizuführen, erhebliche Abstriche am Budget des Krieges vornehmen, wogegen sich Campenon entschieden verwahrt hat und da gleichzeitig auch Differenzen zwischen ihm und dem Mini­sterpräsidenten wegen Absendung neuer Verstärkungen nach Tongking bestehen, so gewinnt das Gerücht von der bevorstehenden Demission Compenon's an Wahrscheinlichkeit. Neben dieser inneren Krisis bestehen für die französische Regierung die auswärtigen Schwierigkeiten fort, wie sie sich in erster Linie aus der ostasiatischen Affaire ergeben. Trotz der sich nun wieder jrgenben Siegesdepeschen aus Ostasien ist die dortige militärische Situation der Franzosen noch immer eine ziemlich zweiselhafte und werden sich Truppen-Nachiendungen kaum vermeiden lassen. Neuerdings meldet dieTimes", daß auf Formosa bei Tamsui ein abermaliges Treffen zwischen den Franzosen und den Chinesen statt­gefunden haben, bei welchem letztere 3000 Mann auf dem Platze gelassen haben sollen. Die aus Tongking einlausenden Nachrichten besagen, daß sich das chinesische Heer in vollständiger Auflösung befinde, der Generalissimus und viele Mandarinen seien gelobtet.

Bei den im nordamerikanischen Bundesstaate Ohio ftattge- fundenen Staatswahlen haben die Republikaner den Sieg davongetragen. In Folge dessen nimmt man an, daß die republikanische Partei bei der Präsidenten­wahl am 4. November mit ihrem Präsidentschafts-Candidaten, Mr. Blaine, durchdringen werde.

In der egyptischen Finanzsrage scheint man in Kairo wieder einlenken zu wollen. Wenigstens kann man die Meldung, der egyptische Minister­präsident Nubar Pascha habe die Generalkonsuln von der Wiederaufnahme der Zahlung der Einnahmen der Post- und Telegraphen-Lerwaltung an die Staats- schuldenkasse in Kenntniß gesetzt, dahin auslegen.

Kmtschland.

Berlin, 19. October. Wir entnehmen derKöln. Ztg." das Nachstehende: Wir haben bereits vor einigen Wochen darauf hingedcutet, daß neben der Dampfer- vorlage noch eine Reihe anderer Ergebnisse der praktischen Colonialpolsttk des Fürsten Bismarck den Reichstag beschäftigen werden. Insbesondere soll auf Verstärkung der BerusSconsulate an einigen hervorragenden Handelspunkten Bedacht genommen werden. So sind wir heute mitzutheilen in der Lage, daß zunächst dre Neuschaffung eines kaiserlich deutschen Generalkonsulats in Capstadt für dm Bereich der englischen Be­sitzungen in Südafrika in Aussicht genommen ist und daß die Mittel dafür vom künftigen Reichstag verlangt werden sollen. Sicherem Vernehmen nach ist für diesen wichtigen Posten bereits ein Vertreter ausgewahlt und demselben schon jcht der Charakter eines Generalconsuls betgelegt worben. ES ist der bisherige Consul in Smgapore, Dr. jur. E. Bieber, ein Hanseate, der zuerst Rechtsanwalt in Hamburg war, dann in den Consulatsdtenst des Reichs etntrat und sich in demselben er war annähernd 9 Jahre in Singapore so bewährt hat, daß er in das hiesige Auswärtige Amt be­rufen wurde. Hier hat er reiche Gelegenheit gefunden, sich in bte füd- und west- afrikanischen Verhältnisse einzuarbeiten. Voraussichtlich wird er sich schon in aller­nächster Zeit nach dem Cap etnschfffen. Dieser unmittelbar b°vorstehenden Reise wird zunächst wohl noch ein weiterer Beweggrund un'erliegen. Man wird sich erinnern daß die Frage über die Besetzung von Lüderrtzlano im Grundsatz schon seit Ende Juni dieses Jahres zwischen der deutschen und englischen Regierung endgültig gelöst ist, daß dagegen aus den sernerzett abgeschlossenen LÜderitz'schen Verträgen manche Unklarheiten sich mit Bezug auf etwaige früher schon erworbene Prtvatrechte von englischen Unter­nehmern herausqeftrllt haben. Die englische Regierung hat zur friedfertigen Kla'-- ftellung dieser Zweifel die Entsendung einer deutsch-englischen Commission an Ort und Stelle vorgeschlagen; es scheint, daß deutscherseits dieser Vorschlag angenommen und jetzt auch der nunmehrige Generalkonsul Dr. Bieber als deutscher Comm.ssar entsandt worden ist. Der Kernpunkt der schwebenden Fragen wird sich wohl um die Guano- Inseln in der Bat von Angra Pequena drehen, deren Eigenthumsrecht Lüderttz bean­sprucht, während die Engländer es bestreiten. Auch hier wiederum hat Fürst Bismarck durch sofortiges Entgegenkommen aus die ihm vorgetragenen Wünsche bewiesen wie sehr ihm daran liegt, bet den neuen Schritten, die er zur praktischen Betätigung seiner Colouialpolitik etnzuschlogen hat, vor allem auf die freundschaftlichen Beziehungen anderer Mächte Bedacht zu nehmen und olles zu v-rm^den, was den Anschein erw cken könnte, er wolle tn angebliche wohlerworbene Rechte Dritter etngreisen. Wenn nicht alles täuscht, so werden wir schon tn nächster Zett bestimmten Anhalt haben dieses Bestreben an einem weiteren erfreulichen Fortschritte auf dem Wege gesunder Colonial- politik nachzuweiscn.

KrarrLreich.

Paris, 19. October. Gegenüber einer Meldung derMorning Post" von einer Niederlage der französischen Truppen bei Tamsui am 15. d. MtS. sagt derTemps", daß Depeschen des Admirals Courbet, die nach dem obigen Datum bei der Regierung eingegangen seien, Nichts von einem neuen Gefecht bei Tamsui seit dem 8. d. Mts. melden.

In St. Etienne explodirte vergangene Mitternacht an der Gens'dar^ merie-Kaserne eine Bombe, welche in die Außen-Nische des Fensters einer Bri­gadier-Wohnung gelegt worden war. Die Fensterscheiben sind zerbrochen und ? die Möbel in dec gedachten Wohnung beschädigt, aber Niemand verletzt. Heute Vormittag erfolgte die Verhaftung von 9 Anarchisten.

Außkarrd.

Moskau, 19. October. In dem im Centrum der Stadt gelegenen Hause Solodownikoff, in welchem sich lauter Magazire befinden, ist heute gegen Abend Feuer ausgebrochen. Die inneren Gänge sind bereits eingeäschert, die größeren nach den Straßen Petrowka und Kusnetzky-Most gelegenen Magazine, sowie das benachbarte deutsche Theater stehen in Flammen. Die Häuser in der Nachbarschaft sind sehr gefährdet.

In den unweit des in Brand stehenden Hauses Solodownikoff belege- nen kaiserlichen großen und kleinen Theatern haben heute Abend keine Vor­stellungen fiattgefunden. Die die Brandstätte umgebenden Gebäude werden dauernd mit Wasser begossen und scheint eine Gefahr für dieselben nicht mehr zu bestehen.

Telegraphische Depeschrrr.

Wotss'S teleer. Sorrrspondem-Vrrrras.

Sigmaringen, 20. October. Anläßlich der Feier der goldenen Hochzeit Ihrer K. Hohrtlen des Fürsten und der Fürstin von Hohenzollern sind der Bahnhof und die Straßen, namentlich der Weg zum Schlosse, mit Gunlanden, Festons, Wappen, goldenen Kränzen und Fahnen reich geschmückt. Der Zudrang von Fremden ist außerordentlich groß. Um 11 Uhr wurde dem fürstlichen Jubelpaare das sog.Klösterle" als das von den Kmdern dargcbrachte Geschenk übergeben. Dasselbe trägt die Inschrift:Zum Andenken an b<c goldene Hochzelt der Ikben Eltern gestiftet von den Kindern, auw tm Geiste der verklärten Stephanie und Antonte, unter Mitwirkung lieber Verwandten" und ist von dem fürstlichen Jubelpaare zu einer der Volkswohlfahrt gewidmeten An­stalt bestimmt. Nach der Uebergabe fand eine von dem Erzbischof von Freiburg cekbrbte M^sse statt, welcher die Fürstin von Hohenzollern, die Königin von Sachsen, der König und die Königin von Rumänien, sowie die Kinder und Enkel des Jubel­paares beiwohnten.

~ Die Ankunft Seiner Maj stät de8 Kaisers wurde mit Glockengeläuts und Böllerschüssen begrüßt. Die Krtegerveretne, Bürgercollegien, Geistlichen und Schul- dcputattonen hatten auf dem mit Pechflammen erleuchteten Wege zum Schlosse Aus­stellung genommen. Die Nationalhymne wurde anaestimmt und nicht enden wollende Hurrahs ertönten. Se. Maj. erschien tn der großen Generalsuniform. Allerhöchst- derselbe begrüßte zunächst auf das Herzlichste I. K. Hoheit die Frau Fürstin von Hohenzollern und sodann die andern anwesenden Fürstlichkeiten. Nachdem Se. Maj. die Vorstellung der anwesenden Deputationen entgegengenommen, begab Allerhöchst- derselbe sich nach dem Schlosse, auf dem ganzen Wege von den begeisterten Kund­gebungen der dicht gedrängten Volksmenge begrüßt. Abends findet Zapfenstreich und eine Illumination der Stadt und der umliegenden Höhen statt.

Der Fürst von Hohenzollern empfing den Kaiser auf der Schloßrampe, wohin der Fürst getragen ward. Abends fand Galavorstellung tm Theater start.

Berlin, 20. October. Es w'rd bestätigt, daß England tm Principe die Ein­ladung zur Congo - Conferenz angenommen habe. England wünsche noch die Er­örterung mehrerer Punkte. Die Nachrichten von dem Zusammentritt der Vorconfercnz vor der eigentlichen Conferenz sind unrichtig. Die vereinigten Staaten nahmen in­zwischen ebenfalls die Einladung zur Conferenz an. Die Türket wird auf der Con­ferenz nicht vertreten sein.

Breslarr, 20. October. Wie dieBreSl. Ztg." aus Sibyllenort meldet, ist die Leiche des Herzogs von Braunschweig gestern vom Professor Hasse etnbalsamtrt worden. Heute hat dir Etnsargung der Leiche und die Aufstellung oes Sarges tm Veftchule des Schlosses stattgesunden. Die Uebersührung vom Schlosse nach dem Bahnhofe, wöbet die Leiche von einem kleinen Gefolge von etwa 30 Personen begleitet sein wird, findet am Mittwoch Nachmittag mittelst Extrazugs statt, der um 3 Uhr Sibyllenort verläßt und über Kohlfurt, Falkenberg und Zerbst um Mitternacht in Braunschweig dntrifft.

Braunschweig, 20. October. Das Testament beö Herzogs wurde gestern er­öffnet, über den Inhalt desselben ist noch nichts bekannt. Die feierliche Beisetzung im Dom soll SamStag Abend 10 Uhr stattfinden.

DenBraunschw. Anz." zufolge hat der Regentschaftsrath angeordnct, daß während deS Zeitraums von 16 Tagen alle öffentlichen Musikaufführungen, Lustbar­keiten und Schauspielvorstellungen unterbleiben sollen.

Die Landesversammlung ist zum 23. dS. zu einer außerordentlichen Session einberufen worden.

Köslin, 20. October. Heute haben hier vor dem Schwurgericht die Verhand­lungen wegen des in Neustetttn tm März b. I. anläßlich der Rückkehr der in dem Synagogenproceß fretgesprochenen Angeklagten vorgekommenen schweren Landfrtedevs- brucheö begonnen. Des schweren Landfrtedensbruches sind angeklagt: die Maurer Carl und Friedrich Patzwalb, Schneider Bansemer, die Arbeiter Ptrfich und Klabuadt, die Steinsetzer Bechert und Böhnke au8 Neustettin, sowie der Fisch­händler Raatz aus Stolp. Als Zeugen sind 43 Personen vorgeladen und bis auf zwei, welche entschuldigt sind, auch erschienen. Die Angeklagten, welche einzeln vernommen werden, räumen nur unerhebliche Nebenumstände ein und leugnen alle Haupipunkte.

Bern, 20. October. Das bekannte Hotel des AlpeS in Mürren oberhalb Lauter­brunnen st-ht in Flammen-

Pest, 20. Octoder. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta richtete an den Präsidenten des ungarischen Vereins des rotben Kreuzes, Grafen Julius Karolyi, nachfolgendes Allerhöchstes Schreiben:Ihre Mitthetlung von der bevorstehenden Einweihung des Ellsabethbospttals tn Budapest veranlaßt Mich, Ihnen aufrichtig zu danken. Die Entstehung der wohlthätlgen Stiftung, der Ich Mich freudig angefchlossen habe, berührt so wichtige Interessen der Vergangenbeit und Gegenwart, daß sich für die Freunde des rothen Kreuzes die Ungarn erhebende Feier zu einem wahren Ehrentitel gestaltet. Ich bitte als Zeichen Meiner besonderen Thetlnahme das Bild der beiligen Elisabeth, der Tochter Ungarns, für die Anstalt In Empfang zu nehmen, aus welcher Gottes Segen ruhen möge wie auf dem schönen Lande, dem sie angehört. Baden-Baden, den 16. October 1884. Augusta."

Obenerwähntes Bild, welches vom Regierungsrath Haß überbracht worden war, wurde tm Vrochtsaale des Hospitals ausgestellt.

Brüssel, 20. October. Bei den gestrigen Communalwahlen haben die Clericalen 2 Hauptorte in den Arondissements Mecheln und Vcuren, 6 Hauptorie in den Cantons Boom, Contich, Nieuport, Btnche, Terriöre und Spaa, die Liberalen 3 Haupt­orte tn den Cantons ChtevreS, Beanratng und Rochefort gewonnen.

Nach hier etngetroffenen Nachrichten kam es gestern Abend in Mecheln nach Beendigung der Communalwahlen zu nicht unerhebltchen Ruhestörungen, in Folge deren die Bürgergarde rcqutrtrt werden mußte, welche bis 3 Uhr Morgens tm Dienst blieb. In verschiedenen, den Mitgliedern der katholischen Partei gehörenden Gebäuden wurden die Fensterscheiben etngeworfcn. Siebzehn Verhaftungen wurden vorgenommen.

Paris, 20. October. Nach einer Depesche des Generals örtere de l'Isle aus Haipbong von heute Vormittag 11 Uhr wurden große Mass.'N semdl'.chcr Truppen tn der Gegend des Rothen Flusses gemeldet. In dem Gefecht bet Tuy^rqaan am 13. d. M wurden die Chinesen mit beträchtlichen Verlusten zurückfl-'worftN, während die französischen Truppen keine Verluste erlitten, alle französischen Verwundeten seien außer Gefahr.

Einer Depesche des Admirals Courbet vom 19. d. M. zufolge errtcht>n die französischen Truppen in der Umgebung ihrer Stellung Blockhäuser, daS schlechte Wetter behindert jedoch diese Arbeit.

Petersburg, 20. October. Die deutschePetersburger Zeitung" meldet: Anläßlich der Beschlagnahme der am 11. d- M. in Riga auf dem englischen Dampfer

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