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Mittwoch den 22 October
1884
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Betreffend: Herbst« Control - Versammlungen. Gießen', am 21. Octoberzl884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzogliche« Bürgermeisterei-« des jKzreZises.
Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen lasten.
Dr. Boekmann.
' Gießen, den 19. October 1884.
Bekanntmachung.
Politische Uel-erficht.
Gießen, 21. October.
Der Herbstaufenthalt des Kaisers hat jetzt sein Ende erreicht und trifft dec Kaiser nächsten Donnerstag wieder in Berlin ein. Eine erhebende Feier schloß sich unmittelbar an seinen Aufenthalt im Thale der Oos an, die Goldene Hochzeit des Fürstlich Hohenzollern'schen Paares, welche am heutigen Dienstag im Schlosse zu Sigmaringen einen glänzenden Kreis gefürsteter Gäste versammelt, von denen in erster Linie neben dem Kaiser die sächsischen und die rumänischen Majestäten hervorzuheben sind. Die Feier findet in den weitesten Kreisen herzliche Theilnahme, gehört doch das greise Jubelpaar zu den Mitgliedern einer der mächtigsten und berühmtesten Dynastien, während ein ruhmreicher Sohn als :Lönig im fernen Osten regiert. — Fast gleichzeitig mit seinem kaiserlichen 33at,r trifft auch der Kronprinz von seiner Tyroler Reise wieder in Berlin ein, -wo seiner bereits neue Pflichten harren, indem er als Vorsitzender des preußischen Staatsrathes am 25. October denselben eröffnen wird.
Prinz Wilhelm von Preußen und Kronprinz Rudolf von Oesterreich, welche am Samstag früh von den Elchwild-Jagden in Ost- p. rußen nach Berlin zurückgekehrt waren, haben sich noch am Vormittag des genannten Tages nach Hubertusstock begeben, um hier ebenfalls dem Waidwerk o^^erschiedene Ereignisse lenken neben der Congo-Conferenz die Aufmerksamkeit wieder auf West-Afrika. In diesen Tagen wird das in Wilhelmshaven gebildete deutsche Panzergeschwaver seine lange Fahrt nach der westafrckanischen Küste antreten, um dort zu Ruhm und Ehre des Vaterlandes die deutsche Flagge zu entfalten. Es ist das erste Mal, daß die Reichsregterung ru einer überseeischen Fahrt ein so großartiges und überaus stattliches Geschwader entsendet und es beweist dieser Umstand, wie sehr die Regierung von Ler Bedeutung der Ausgabe Überzeugt ist, welche die deutschen Panzerschifie an
den fernen Küsten des „schwarzen Continents" zu erfüllen haben werden. Un- terbeffen wird aus West-Afrika von einer neuen Ausdehnung des deutschen Pro- tectorats berichtet, indem sich der König Mensah von Porto Seguro ebenfalls unter deutschen Schutz gestellt hat. — Die Biloung eines Syndikats für West- Afrika , welches zunächst aus Vertretern der in Guinea Handel treibenden Hamburger Finnen besteht, ist als das erste äußere Ergebnitz der Berathungen zu betrachten, welche die hervorragendsten Geschäftsführer der sieben bet diesem Syndikat beteiligten hanseatischen Ausfuhrgeschäfte Ende vorigen Monats in Friedrichsruhe mit dem Fürsten Bismarck gehabt haben. Betheiligt an diesem Syndikat sind zur Zeit nur diejenigen Firmen, welche an den Mündungen des Niger und des Eongo und im Zwischenlande ihre Handels-Niederlassungen haben; daß durch diese Firmen in dem Syndikat zunächst eine Einheit geschaffen worden ist, um ihre gemeinschaftlichen Interessen zu vertreten, beweist, daß bet diesen Praktikern die Colonialpläne, welche Fürst Bismarck verfolgt, Verstandmß und richtigen Boden gefunden haben.
Zur Congo-Conserenz liegt wesentlich Neues nicht vor. Nur heißt es, daß der ursprünglich für Ende October geplante Zusammentritt der Con- ferenz erst Mitte November erfolgen werde, was wohl hauptsächlich dann feinen Grund hat, daß außer von England auch von den Vereinigten Staaten eine bestimmt zusagende Antwort noch aussteht.
Am Samstag früh ist der Herzog Wilhelm von Braunschweig auf seinem Landsitze Sibyllenort in Schlesien an den Folgen der Altersschwäche und den Beschwerden eines Magenleidens gestorben. Der verewigte Herzog war am 25. April 1806 als zweiter Sohn des Herzogs Srteo- rich Wilhelm von Braunschweig, der 1815 in der Schlacht bei üuatrebas fiel, geboren und übernahm die Regierung, als sein Bruder Karl, der berüchtigte „Diamanten-Herzog", 1830 durch einen Aufstand Der über die tollen Streiche Herzog Karls ergrimmten Bevölkerung vertrieben worden war. Der verstor-
Die diesjährigen Herbst- Control-V er sammlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden:
I. Im Bezirke der I* Compagnie (Gießen).
1) Zu Gießen am 8. November 1884, Vormittags, im Oswald'schen Garten
unb zwar um 8 Uhr für fämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppenthelle und der Ersatz-Behörden -ntlaffenen Mannschaften aller Waffen, am 9 Uhr für sämmtliche Reservisten der übrigen Waffen und bie am Schluffe naher bezeichneten Wehrleuts.
$ Hierher gehören bie Orte: Annerod, Burkhardsfelden, Gießen (mit Schiffenberg und Herrnwald), Heuchelheim, Klein-Linden und Oppenrod.
2) Zu Lollar am 10. November 1884, Vormittags 9 Uhr, »eben dem neuen Bahnhofsgebäude.
Hierher gehören die Orte: Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubnngen (mit Hof Heibertshausen),Großen-Buseck, Lollar, 53 9 J 1 Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Fnedelhauien, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck.
3) Zu Grünberg am 10. November 1884, Nachmittags IVt Uhr, an dem Bahnhose.
Hierher gehören die Orte: Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg (mit der Dickelsmuhle, Neumühle, Stadtmuhle, Stemmuhle, $ Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle), Hattenrod, Harbach (mit der Kolbenmuhle, Sommermuhle), Keffelbach (mit oer
Rabenau'schen Papiermühle), Lauter (mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer Strellesmuhle und Walkmichle) , Lindenstruth, Londorf (mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmichle und Ziegelhutte), Lumda (Groß- uud Klein-), Odenhausen (mit Appenborn-Hof), Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshaufen, Saasen (nut Bolln- bach, Veitsberg und Wirberg), Stangenrod, Stockhausen, Weickartshatii, Weitershain (mit dem Hamer-Hof) und Winnerod.
II. Im Bezirke der II. Compagnie (Lich).
1) Zu Hunge« am 15. November 1884, Mittags 12>/2 Nhr, am Friedhose.
Hierher gehören die Orte: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen (mit Ringelshausen), Rodheim (mit Hof Graß), Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe und Villmgen.
2) Zu Lich am 15. November 1884, Nachmittags 3y2 Uhr, am Bahnhose.
Hierher gehören die Orte: Wach, Allendorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt (mit Arnsburg), Ettingshausen, Garbenteich, Groß-Linden, Grüningeu, Hausen, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich (mit Albacher-Hof, Kolichausen und Mühlsachsen), Munster, Hof-Gill, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Sternberg.
. Es haben aus den genannten Orten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden Astä^e
standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve gehören, zur Dtspofitrou der Truppentheile beurtaubt oder rur Disposition der Ersatz'Behörden entlassen find, sowie diejenigen der Landwehr angehörige Mannschasttn, welchen eine besondere Ordre zur tSeMuna bei ber Herbst-Control-Versammlung vom Bezirksfelbwebel zugegangen ist. — Die Ersatz-Refervisten haben nicht zu erscheinen. f
Dispensationen können nur in ganz bringenben Fällen eintreten unb müssen barauf bezügliche Gesuche spätestens 8 -vage vor ben betreffenben Control- Berfammlungen aus bem Dienstwege eingereicht werben.
Die ohne Entfchulbigung sehlenbeu SNannschaften haben sich ber gesetzlichen Strafe zu gewärtigen. . , , . ,
Es wirb noch bemerkt, baß bie Leute mit dem DMtär-Paß unb Führungs-Attest versehen m bürgerlicher Kleibuiig zu erfchemm haben, unb vor dem
Beginn ber Control-Bersammlung Schinne, Stöcke, Pfeifen re. fortzulegen sinb. M z ^FÜnd Veftrks Commaudeur.


