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2L2 Zweites Blatt. Donnerstag den 16. October 188M
Gießemr Anzeiger
Amts- und Anzetzeblstt für den Kreis Gießen.
WveL» merieljLhrttch 2 Mark 20 Pf. tntt Bringerloh» Durch die Post bezogen viertel jährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint tL-tt-ch mit Ausnahm- be* MontSHS«
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noch ein Überschuß herausgestellt hat, in Wirklichkeit wird sich aber die Sache denn doch ein wenig anders Herausstellen. ,
Der kommende Sonntag wird sür Belgren als Tag der Com- munalwahlen neue Unruhen bringen. Die Klerikalen, welche bisher nur mit einzelnen Candidaturen in den Wahlkampf getreten waren, haben diesmal eine vollständige Candidatenliste veröffentlicht, welche |ie mit der Partei der sog. Unabhängigen vereinbart haben. Obwohl letztere bei der Deputirtenwahl im Juni mit Hülse der Klerikalen den Sieg davontrug, ist es doch schwierig, zu definiren, was man sich unter dieser Partei vorzustellen hat. Man kommt wohl der Wahrheit am nächsten, wenn man die „Unabhängigen" als em Conglomerat von verschämten Klerikalen, unklaren Radikalen und unzufriedenen Liberalen betrachtet, welches am 10. Juni von schlauen Führern zufammengesügt worden war. Ob diese Majorität nur eine zusällige gewesen ist, werden wohl die Wahlen vom 19. October beweisen. ,
Das egyptische Ministerium will demisiiomren, da dasselbe vom Vicekönig die Sanctionirung für die Suspendirung ?er Amortisirung öffertt- lichen Schuld nicht erhalten hat. Vorläusig ist diese Nachricht nur als Gerücht zu betrachten.
Politische Ueberficht.
Gießen, 15. October.
Der Kaiser erfreut sich, allen Nachrichten aus Baden-Baden zufolge, des besten Wohlseins und dürfte vor Anfang des Monats November nicht in Berlin eintreffen. Dagegen wird der Kronprinz bereits in der zweiten Halste des October zurückerwartet, zu welcher Zett auch der Stcmtsrath emberusen werden wird, dessen feierliche Eröffnung wahrscheinlich durch den Kronprinzen eriolaen dürfte. Die hohe Körperschaft erwartet eine Reche von Vorlagen. Die Sitzungen werden in den Räumen des königlichen Schlosses stattfinden, welche bereits dazu hergerichtet werden. Es sollen unmittelbar nach der Con- stituirung des Staatsraths die verschiedenen Sectionen gebildet werden, welche in Aussicht genommen sind. Das Bureau, welches vorläufig.aus einem Vor- steher, drei Secretären und einem Registrator bestehen soll, wird bei dem Zusammentritt des Staatsraths bereits eingerichtet sem
Inwieweit die Arbeiten des Staatsraths dazu beitragen werden, die Parlamente zu entlasten, indem die Vorlagen so zu sagen „durch- gesiebter" an Abgeordnetenhaus und Bundesrath gelangen, muß absewartet werden. Jedenfalls wird es in der bevorstehenden Campagne an Stoff nicht fehlen. Der Termin für die Einberufung des Reichstags ist an maßgebender Stelle noch nicht festgesetzt, doch ist es zweifellos, daß der Zusammentritt des Reichstags zwischen dem 11. und 18. November erfolgt. Der preußische„Landtag soll nicht vor dem 15. Januar nächsten Jahres versammelt werden. Der preußische Etat hängt vom Reichsbudget ab. Man hofft, dief^ bis 8U den Weihnachtsserien fertig zu stellen, was sich allerdings nur ermöglichen läßt,wenn in der Woche sechs Sitzungen abgehalten werden. Aber auch bet solcher An strengung sind dieses Mal die Collisionen des Reichstags mit den Einzel-Parl^ menten und besonders mit dem preußischen Abgeordnetenhause unvermeidlich und sie werden die Doppel-Mandatare schlimmer treffen als m ftühern Sessionen. Wie hier Abhülse zu schaffen ist, ohne Einführung der zweijährigen Etats perioden, bleibt immer noch ein Räthsel. Aber auch eine parlamentarische Sreisaufaabe dürste schwerlich ihre Lösung finden. _ ,
Man bringt in verschiedenen Blättern die R«se des Grasen Lerbert Bismarck nach England und Paris mit der Frage der Congo-Conferenz msammen. Die Idee einer Conserenz über die Congo-Frage m Berlin war indessen längst Gegenstand der Erörterung, ehe an des Grafen Bismarck s Reise nach England gedacht wurde. Die Verhandlungen über die Eongo/Frage werden wie man wissen will, sich nicht allzuweit ausdehnen. Allem Anschein nach^sind von vornherein die Drei-Kaiser-Mächte und Frankreich bezüglich der^°ng°'Frage einia es heißt, der Kaiser Wilhelm habe den Standpunkt Deutschlands, Rußlands und Oesterreichs dem Könige von Portugal gegenüber m einem drrecten Handschreiben entwickelt. Von einer ernstlichen Differenz zwischen Deutschland und Portugal bezüglich der Congo-Frage ist nicht die Rede.
Der Landes-Director von Waldeck, Herr v. Puttkamer, ein Vetter des Ministers, wird demnächst auf einen durch die Neubesetzung des Reaierunqs-Präsidiums in Köln vacant werdenden Posten berusen werden.
Zwischen Wien und Bukarest scheint der Preßburger Viehmarkt zu einer Quelle unversiegbarer Zwistigkeiten zu werden. Neuerdmgs ist die Frage der Vieheinfuhr von Ungarn nach Oesterreich wieder das Thema pole- Mischer Erörterungen zwischen den Regierungen und den Journalen beider Hälften der Monarchie. Aus Anlaß eines in Ungarn vorgekommenen verbuch tiqen Erkrankungssalles hatte die niederösterreichische Statthalterei bte .@tnfu6r von Vieh au« Siebenbürgen und dem Preßburger Comitat nach Niederosterreich verboten. Darob dringende Reklamationen von ungarischer Seite und Auf- hebunq der Statthalterei-Versügung durch> denl österreichischen^Us^imstew Kurz darauf ist nun wieder ein ungarischer Mastochse rn der Station Bruck umgestanden und sprach sich der zugezogene ^.hterarzt dahin.aus daß der Ver vacht der Rinderpest vorliege. Daraushin hat wieder der österreichische Minister des Innern die Aushebung des betr. Statlhalterei-EUaffes sistirt, wahrend vom ungarischen Handelsminister im Namen der ungarischen Regierung auf telegraphischem Wege bei der österreichischen Regierung entschieden Verwahrung gegen die weitere Äusrechthaltung des Erlasses eingelegt worden ist. Allem Anschein nach wird also auch der diesjährige „Ochsenkrieg" zu Unguusten Cisleithamens entschieden werden. — Die Delegationen sind auf den 27. October nach Pesth einberiffeNb ^ran}6[i^en Kammern find am Dienstag zu einer neuen Session zusammengetreten. Dieselbe verspricht sich nach mehr als enter Seite hin interessant zu gestalten und namentlich dürste die radikale Opposition die auswärtige Politik des Ministerpräsidenten Ferry zum Zielpunkt ihrer Angriffe machen Der Opposition kommt hierbei der Umstand zu statten, daß der französisch-chinesische Conflict sich unerwartet in die Länge zieht und daß selbst dw jüngsten Ersoige der sranzösischen Waffen in Tongkrng und an der Küste von Formosa noch reine Aussicht aus Beendigung desselben darbieten Auch die deutsch-französische Allianz" dürste von den parlamentarischen Gegnern des Ministeriums Ferry dazu benutzt werden, denselben Eins am Zeugs zu flicken, obwohl hierbei wenig genug herauskommen wird. Daß die Regierung mit einem Deficit von nahezu 57 Mill, vor die Kammern treten muß, wird ihr jedensalls auch nicht sehr angenehm sein. Zwar hat die Budget-Commission das Gleichgewicht wieder hergestellt, indem von^ihr, die^Voranschlägege^ffe Einnahmeposten einfach erhöht worden find, wobei sich auf dem Papier sogar
Vermischte-.
** Neber eine großartige Schwindel-Geschichte wird bem „Wetzl. Anz^ aus EbrtngShausen (Kreis Wetzlar) berichtet: Die Schwindeleien und Wechsel- fSlschungen der seit einigen Tagen flüchtig gegangenen Bauunternehmer Peter und Heinrich Weimer von hier sind von den Letzteren in einem weit größeren Umfang betrieben worden, als man bisher allgemein annahm. GutemVernehmenzufolge sollen die anaemeldetm Forderungen bereits eine Höhe von 70 000 Thalern erreicht haben, während die vorhandenen Activas, welche überdies fast ausschließlich für eine aus dem ^auvttbetl deS Besitzthums lastende Hypothek in Anspruch genommen werden dürften, kaum ein Zehntel dieses Werthes darftellen. Außer zahlreichen Einwohnern deS hiesigen Ortes sind auch eine Anzahl auswärtiger Personen mehr oder wemger bet dem Falliment in Mitleidenschaft gezogen. Einer der Betroffenen, ein hiesiger Gastwtrth, für den die Eoncurserklärung allerdings sehr schlimme Folge nach sich ziehen wird, hat sich die Sache so sehr zu Herzen genommen, daß sein Geisteszustand zu den lebhaftesten Be- sorgntssin Anlaß Netet. -„artigen Anlässen haben ble Inzwischen statt,
aebabten Ausnahmen auch Diesmal wieder zahlreiche Fälle wahrhaft unglaublicher
amr »wm enen GuttS stch-n, müssen eben die Erfahrung machen, daß schon eine '»öle unvorstchtto- st-ichnung des Namens in der Hand so geriebener Spitzbuben als welche die beiden Weimer sich entpuppt haben, zu äußerst gefährlichen Werkzeuge
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sckait-n des 117 ^n^nter" Regiments ausgetretenen KrankheitSersche nungen geräumt -W-ZLss-MHM«
u°ch “™btn9 Gelobet. In einem der ersten hiesigen Hotels logirte
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ihm, mehrere Geschäfte abzuschließen. Bei einem dies vm"e?nen Vorschuß von M^':us^°bg?schl°°fsene Lieferung. Der
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