Ausgabe 
16.10.1884 Zweites Blatt
 
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etwa 10 Tagen bemerkte sie an der linken Wange nahe dem Munde ein fast unschein­bares weißes Bläschen und bald auch ein auffällig ichmerzhastcs Anschwellen der nächsten Umgebung derselben. Nach Berlin zurückgek.chrt, ließ man die Immer stärker gewordene Geschwulst vom Hausarzt untersuchen. Dieser erkannte eine besorgnrß- rrregende Blutvergiftung. Professor Küster, der zur Behandlung h nzugezogen wurde, schritt sofort zur Operation. Wange, Lippe und Kinn mutzten nach allen Richtungen hin ausgeschnitten und die Wunden carboltsirt werden. Mehrere Male wurden diese Versuche der Ausschneidung der zunächst von der Vergiftung ergriffenen Stellen des Gesichts wiederholt; leider aber vergebens. Unter entsetzlichen Schmerzen brachte das Mädchen die folgenden Tage zu. Die Kunst der Chirurgen und Aerzte vermochte den vernichtenden Feind dieses jungen Lebens nicht mehr zu besiegen. Am Morgen des 7. October wurde die so furchtbar Leidende durch den Tod erlöst. Das ihr wahr­scheinlich durch den Stich eines Jnsects, einer Fliege, etngcimpfte tödllrche Gift hat man als Mtlzbrandgtft erkannt.

Eine Unthat, die durch die Jugend ihrer Urheberin besonders betrübend wirkt, schreibt dieRevaler Ztg.", macht hier gegenwärtig viel von sich reden. Am 25. Septbr. erstach im Turpel'schen Kirchspiel im ktrnaschen Gebiet die achtjährige L-so P. ihre fünfjährige Gespielin L- B. mit einem 13 Ctm. langen Messer, was den sofortigen Tod des kleinen Mädchen« zur Folge hatte, indem laut ärztlicher Obductton der Stich durch die Lunge in das Herz gedrungen war. Leiber handelt es sich in diesem Falle nicht um ein unglückliches Versehen, vielmehr liegt hier ein vorbedachter Mord vor, denn die Mädchen hatten sich am Tage vorher um einen bunten Lappen g-zankt, den die filtere L- P- von der anderen kleineren haben wollte, aber nicht erhielt. Danach sprach die L- P. ihrer fünfjährigen Schwester gegenüber die Drohung aus, im Falle die L. B. ihr am folgenden Tage den Lappen nicht gebe, dieselbe zu tobten und beging auch, als sie sich weigerte, wirklich die unselige That- Anfangs leugnete die L. P. Alles, doch hat sie später ihr Verbrechen gestanden.

London, 10. October. Im ganzen Norden von England und Wales hat heute Morgen ein Schneesturm gewüthet. In und um Birmingham herum schneite es anderthalb Stunden und es ist dort sehr kalt und winterlich. In Derbyshire fiel von 79 Uhr Morgens Schnee in merkwürdig grotzen Flocken; in Staffordshire herrschte während der Nacht eine intenstoe Kälte; der Schnee bedeckte noch mehrere Stunden nach Sonnenaufgang den Erdboden. In Nord-Wales hat bereits mehrere Tage lang Kälte und Frost geherrscht; die Bergrücken waren heute früh mit Schnee bedeckt und In den Thälern hagelte es.

sJean Becker f ] Der berühmte Geigenvirtuos, der am 20. März d. I. fälschlich als tobt gesagt wurde, ist, nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, seinen sehr schweren Leiden nun doch erlegen. In seiner hetmothltchcn Wohnung zu Mannheim hat ihn der Tod am Freitag Nachmittag ereilt. Für seine Familie und die zahlreichen Freunde, welche in seiner Nähe lebten, ist es ein Trost, datz der schwer­geprüfte Dulder ohne schmerzvollen TodeSkampf sein Leben aushauchte. Becker hatte sich namentlich durch die Gründung desFlorentiner Quartttts" Ruf erworben.

lieber das Unglück in Catania liegen die folgenden näheren Angaben vor: Am Nachmittag des 7. d. entlud sich ein furchtbares Unwetter über der Umgegend von Catania. Um 1 Uhr in der Nacht ste'gerte sich die Wuth des Sturmes, es entfesselte ein Ciklone, eine Windhose, in der Richtung von Osten nach Westen in einer Breite von ungefähr 200 Metern. Der Ciklone hielt eine gerade Richtung ein und passirte drei kleine Häusergruppen, zuerst Cibolt, dann Berfo und endlich Ogntna, wo er an das Meer gelangte; auch über zahlreiche Vtllegiaturen g ng er weg. Eine größere Anzahl von größeren und kleineren Gebäuden wurde vollständig zusammengeworfen und die Bewohner unter dem Mauerwerk verschüttet, andere wurden ouSetnander- gerissen, die rasende Windsbraut riß b<e Dächer mit fort Die Felder sind wie mit der Sense geschnitten, die Weingärten, Ulmen-, Orangmgärten sind bis auf die letzte Spur verschwunden, wo der Ciklone ging. Die Bewohner von Ogntna und Cibolt flüchteten voll Entsetzens. Hilfe war verbältntßmäßig schnell bet der Hand, sie zeigte sich jedoch, trotzdem die Bevölkerung von Catania und die Truppen zusammeuwirkten, der großen Arbeit nicht gewachsen.

sDie italienische Korallen-Jndustrie.^ Die in den letzten Jahren hinsichtlich der Korallenfischeret am meisten begünstigten Orte scheinen die Küsten ©feilten«,

I Korsikas und Sardiniens, Spaniens, der Balearen und der Provence zu sein. Die meisten und schönsten Korallen findet man jedoch an der NordkÜste Afrikas (Algerien), wo man ft.* bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts fischt; dieselben werden theurer als alle andern bezahlt.

Heber 500 italienische Boote sind für diesen Industriezweig flott gemacht und in Folge dessen 4200 Schiffer thests für den italienischen Korallenfang, thetls für den fremder Nattonen beschäftigt. Von diesen 500 Schiffen geboren allein 300 nach Torre del Greco (am Vesuv, mit 22,000 Einwohnern). Die Quantität der durch die italienischen Boote gesammelte Korallen beträgt 56,000 Ä., die einen Werth von 4.200,000 Lire haben. Die durch spanische, französische und andere Fischer gewonnenen Korallen betragen 22,000 K. im Werthe von 1,550,000 Lire. Der jährliche Korallen- gewinn ist also 78 000 K. zu 5,750,000 ßire.

Wenn auch nach obigen Z.ffern der durch die Korallenfischcref gewonnene Verdienst eine ziemlich bedeutende Summe aufweist, so ist die Lage der Fischer dennoch eine armselige. In den ersten Tagen dcS März fahren die Boote auS den italienischen Häfen, nähern sich gegen Ende März der Küste Afrikas, bezahlen der Regierung die Prestazione eine hohe Steuer von 1.166 Lire für die Sommerfischeret und halb so viel für die Winterfischerei und bringen alle ihre Lebensrnittel und sonstigen Vor- rathe an« Land. Dann fahren sie in den ersten Tagen des April hinaus auf ben Fang. In 5 ober 6 Mtgtten Entfernung von der Küste, wo sie die Korallenbank ver- muthen, halten sie unb werfen bte Netze aus. Sobald diese durch einen Widerstand fkstgehalten werden, zieht man sie. Die erbeuteten Korallen werden dann ßcretnM unb in einem besonderen Kast-n gesammelt. Die Unkosten für ein solches Boot belaufen sich für bie Saison auf 6 033 Lire im Mittel; der Fana kann 160 Rotoli (1 rotolo 0,79342 K ) Korallen betragen ä 50 Lire, daS macht 8000 Lire, so datz der Gewinn in der That ein sehr mäßiger ist, namentlich in Anbetracht der mühevollen Arbett unb des Zufalls, von dem ein ergiebiger Fang immer abhängig ist.

In Italien sinb 60 Korallenwerkstätten, in Torre bei Greco allein deren 40. Durch die Arbeit in diesen Fabriken nähren sich etwa 9,200 Menschen, arößtenthrilS Frauen und Kinder. Den bedeutendsten Absatz findet die Waare in Deutschland, Eng­land, Rußland; auch in Oesterreich, Ungarn und Polen wird dieselbe begehrt unb ein großer Theil geht nach Madras und Calcutta.

Zur Entfernung eines Oclanstricks von Sandsteingegenfi finden eignet sich nach denJnd.-Bl." eine Behandlung derselben mit nickt zu starker Lauge. Besser aber ist ein Einschmieren der Oberflficke mit Schmierseife, welche für vorliegenden Zweck vielleicht m»t starkem Spiritus mäßig verdünnt werden kann; sie dränge bann besser in ben porösen Stein ein. Die Seifenschicht wird so lange auf dem Stein gelassen, bis die Oelfarbenschicht sich leicht ablöst, bann wirb abgewaschen.

Eine Berliner Hausfrau sagte zu ihrer neu eingetretenen Diestmagd:Weiß Du, Guste, was mir trotz einiger Fehler dennoch an Deiner Vorgängerin so sehr ge­fiel? DaS war ihr großer Ernst, der sie nie verließ und mit welchem sie alles durch­setzte!'Na, Madam', erwiderte Guste,denn wird Ihnen meiner gewiß ooch aanz gut gefallen, denn mit dem können Sie ooch Allens durchsetzen und mir verläßt er im janzen Leben nich; er is zwar nich groß, aber et dient bei de reitende Artillerie und heeßt Heindrich!"

(Vacante Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.l Bebra, Postamt, Packetträger, 772 X Gehalt. Cassel, König!. Strafanstalt, Aufseher, 1110 X Gehalt. Frankfurt a. M-, Garnifon-Bau-Jnsp. (Meyer) Schreiber unb Bureaubote, täglich 1,50 X Hebel, Postaqentur, st find. Hilfsbote im Lanbbriefträger- bienft, 1,26 X Tagegelb. Nibba, Postamt, Lanbbriefträger, 622 X Gehalt. Pößneck, Herzogi Amtsgericht, Gerichtsdiener und Gefangenenwärter, 900 X Gehalt. Wiesbaden, Accise-Aufseher, 1130 X Gehalt.

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Gießen, den 16. September 1884. Großh. Ortsgericht.

6067_________________Müller.

Donnerstag den 16. Dctober,

Nachmittags 2 Uhr,

wird in der Hosraithe des Herrn Louis Flett dahier

1 Cassaschrank öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert.

Die Bersteigerung findet bestimmt statt.

Gießen, den 11. October 1884.

Bühner,

6728 Großh. Gerichtsvollzieher.

Donnerstag den 16. d. Mts.,

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Gießen, den 12. October 1884.

Engst,

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