Ausgabe 
16.10.1884 Erstes Blatt
 
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In den nächsten Tagen werden die Damen des Frauen-Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung zu Gießen ihre Sammlung beginnen. Indem wir für die Beiträge herzlich danken, die im vorigen Jahre gespendet wurden und die ansehnliche Summe von 640 Mark ergaben, welche theils für nothleidende evangelische Gemeinden in Hessen, theils für solche in Preußen, Oesterreich und im Morgenland willkommene Verwendung fanden, bitten wir uns auch in diesem Jahre mit freundlichen Gaben zu bedenken.

Gießen, den 14. October 1884.

Im Auftrag des Vorstandes des Frauenvereins der Gustav-Adolf-Stiftung:

Vigelius, Schriftführer.

Erwiderung.

In Nr. 241 derOberhessischen Nachrichten" befindet fich ein Artikel 0. T.", der die Annahme rechtfertigt, die Witzblätter sollten Zuwachs erhalten. Es befinden sich in diesem nur 28 Zeilen enthaltenden, zur national­liberalen Wahlagitation beitragen sollenden Artikel folgendeSchlag­worte", welche beispielsweise in derFrankfurter Latern" nicht auffallen würden, nämlich:

Firma, Handelsregister, Kundschaft, Cigarren- und Weinreisender, Preisgebot, Abnehmer, Aufkleben, Etiquetts, Verpackung, windige Waare, appetitlich, serviren, Programmbraten, Dachhase, Tunke, Gaumen, Lampe, Manöver, Bankerotterklärung, Blendscheibe, Feuermelder, neufortschrittlich, Dumme, plump, Schlaglicht, Kniffe".

Zu diesem Artikel bemerkt die Redaction derOberh. Nachr.": (dieselben Kniffe würden auch angewendet in gleicher Weise von den Deutschfreisinnigen Gießens und ihrem Candidaten Dr. Gutfleifch").

Ist es nicht geradezu empörend, solchen Vorwurf in dem Organe einer Partei zu lesen, welche sowohl im eigenen Wahlaufruf, wie in den von ihren Vertretern bisher gehaltenen Reden, die Ehrenhaftigkeit, Charakterfestigkeit des Herrn Dr. Gutfleisch rühmt!

Wollte sich doch die Redaction einmal mit ihren eigenen Agitatoren beschäftigen und nachfragen, welcher Mittelchen diese sich bedienen. Es sind Fälle bekannt (ohne Namen zu nennen, wird die Wahrheit nicht bezweifelt werden), daß auf dem Lande die Agitation von einzelnen Herren der sog. nationalliberalen Partei im bekannten und verwerflichen Style der Bürger­meisterwahlen betrieben wird. Der Landbewohner wird unter irgend einem Vorwand in ein Wirthshaus gerufen, mit Bier rc. rc. regalirt und jetzt schon zur provisorischen Stimmabgabe für die Reichstagswahl gepreßt.

Ist es bis jetzt irgend Jemand eingefallen, dem Herrn Buderus hieraus einen Vorwurf zu machen? Wer so etwas einem Candidaten, welcher einen Wahlkreis im Reichstag vertreten soll, nachsagt, sucht demselben die Ehre abzuschneiden. Als Motiv kann nur zweierlei gedacht werden: entweder ist die Redaction sich selbst der Tragweite ihrer Auslassungen nicht bewußt, oder der Geldbeutel hat den Sieg über etwaige Bedenken, nicht gegen die Moral zu sündigen, davongetragen.

Billigen die Herren Vertreter des nationalliberalen Comit^'s solche Schreib- und Handlungsweise? Man muß dies annehmen, da diese Herren ja dieOberhessischen Nachrichten" schon zu lesen scheinen, bevor sie gedruckt sind (vgl. Antwort auf die Erklärung des Herrn Dr. Gutsleisch in Nr. 239 *% d. O. N.).

Würde die Redaction und deren Correspondenten nicht nobler handeln, die Leser mit derartigen faden, unwahren und beleidigenden Ausdrücken zu verschonen?

Was der in der oben cit. Nr. 241 befindliche ** Artikel besagen soll, ist unverständlich und kann man in demselben nur ein Zugeständniß dessen er­blicken, was er wahrscheinlich bestreiten will. Was anders bezweckt er denn als Erzeugung einer judenfeindlichen Stimmung und somit Verschärfung con- fessioneüer Gegensätze? Liefert er nicht den Beweis, wie der der National­liberalen Partei gemachte Vorwurf mit Recht am Platze ist? Ja,man lese und staune!"

Wenn Glaubensgenossen sich gegenseitig mittheilen, daß es für sie von Interesse sei, Abgeordnete in den Reichstag zu wählen, die jeden nach seiner Fa^on selig werden lassen, wer Anders kann dann wohl hieraus einen Agi­tationsartikel zusammenphantasiren als ein . . . Correspondent für den Heidel­berger Aufschwung. 6775

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