Spanien.
Madrid, 7. Juli. Der König hat beute eine große Truvpen-Revue abgehalten. — Der Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und seine Gemahlin Maria de la Paz kehren demnächst nach München zurück. __________________
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. «orresporrderrz-Drrrearr»
Berlin, 8. Juli. Die „Nordd. Allg. Zig." erfährt zuverlässtgerseitS. die Nachricht, die RetchSregierung beabsichtige abermals den EtatSeniwUlf für zwei Jahre vorzulcgen. ist vollkommen unbegründet. Die angeordneten und im Gange befindlichen Etatdvorarbetten betreffen lediglich den EtatSentwurf vom 1. April 1885 bis 31. Mäcz 1886.
Danzig, 8. Juli. Die Panzerkorvetten, der Aviso „Grille", zwei Panzerkanonenboote und d e Torpedobootsdivtsion führten tn der vergangenen Nacht wiederholt größere AngrtffSübungen auf die Danziger Hafenforts, sowie einen nächtlichen Hebers fall des Geschwaders tn dem Putziger Wirk durch Torpedoboote aus. Se. K- Hoheit der Prinz Heinrich und der Chef der Admiralität, Generallteutenant von Caprivi, wohnten diesen Manöver» auf den Avisos „Grille" und „Blitz" bet. Se. K. Hoheit Prinz Heinrich wird sich heute Nachmittag auf der Panzerkorveite „Hansa" nach Kiel zurückbeaeben. Das Geschwader soll noch bis zum 17. d. M- hier bleiben.
München, 8. Juli. Der Redacteur des „Vaterland", Sigl, ist vom Schwurgericht wegen verläumderischer Beleidigung des Kriegsministers und einfacher Beleidigung von 4 Generalstabs-Osficieren zu einer Gesängnißstrafe von 9 Monaten verurtheilt. Die sofortige Verhaftung ist angeordnet. Von der Anklage der Verächtlichmachung der Einrichtung des bayerischen Generalstabs ist Sigl freigesprochen worden.
Bern, 8. Juli. Der Bundesrath wies die Westschweiz-Bahnen und die Centralbahn, letztere für die Strecke Basel-Bern, sowie die Westschweiz-Regierungen zur strengen Handhabung der Vorschriften über die Cholerapolizei und zur Jnspection der in die Schweiz Reisenden an. Die Eingangsbahnhöfe gegen Frankreich haben für die Unterbringung von Choleraverdächtigen in Absonde- rungs-Locale zu sorgen
Pesth, 8. Juli. Bet den nunmehr beendeten Parlaments-Stichwahlen gewannen die liberale Partei und die Partei der Unabhängigen je 4 Sitze. Nach dem vorliegenden Gesammtresultat sind mithin gewählt 234 Liberale, 60 Mitglieder der gemäßigten Opposition, 77 Unabhängige, 17 Antisemiten, 16 Nationale und 9 keiner Partei Angebörige.
Brüssel, 8. Juli. Bei den heute stattgehabten Wahlen für den Senat hat die liberale Panei nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten tn Gent 4 Sitze, tn Verniers 2 und in Tournat einen verloren. In Brüssel und in mehreren andern Orten sind Stichwahlen nothwendtg. B'S jetzt dürfte bte katholische Partei im Senat über eine Majorität von 10 Stimmen zu verfügen haben.
Paris, 8. Juli. Die Wahl der 18 Mitglieder der Senatskommission für die Vorberathung des Revisionsentwurfs ist heute erfolgt. 9 Mitglieder sind für die Vorlage und 9 gegen dieselbe. Von den Mitgliedern, welche die Vorlage befürworten, verlangen mehrere btr Kammer Garantien dafür zu geben, daß die Revision eine beschränkte sein solle.
— Die Einnahmen aus den indirekten Steuern im Monat Juni sind um 10 Mill. FrcS. hinter dem Voranschlag zurückgeblieben.
Marseille, 8. Juli. Von gestern Abend btS heute Vormittag 9Vr Uhr sind hier 14 Personen an der Cholera gestorben.
Toulon, 8. Juli. Die Zahl der Cholera-Todesfälle von gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr betrug 10.
Das zehnte Mittelrheinische Musikfest.
J. 8. Mainz, 8. Juli.
k Zwei unserer hervorragendsten Jnstrumentalwerke, Weber's Euryanthe-Ouvertüre und Schumann's L-äar-Symphonte kamen gestern zur Aufführung. Entsprechend der künstlerischen Bedeutung der Instrumentalmusik lassen wir ihnen billtgerweise den Vortritt. Auch im Reiche des Unpersönlichen, der körperlosen Kunst, extsttrt ja ein Rangstufenverhältntß. ein Klassenunterschied, welcher sich allerdings nur auf die Gattungen erstreckt und darum nicht weniger vorhanden ist, weil er meist so schlecht respekttrt wird. Der reinen Instrumentalmusik aber gebührt entschieden der Vorsin unter all den verschiedenen Gattungen und Formen unserer schönen Kunst. „Um das Wort formen, um Verse schaffen zu können, ist ein gewisser Grad tnlellectueller (Kultur vorauszusetzen", schrieb Franz Liszt einmal über diesen Punkt. „Um sich aber durch den Ton zum Abdruck zu bringen, um zu singen, genügt die Inspiration, namentlich dann, wenn der Ton, den Gesang, das Wort entbehren kann. Grade das liegt in dem Wesen der Instrumentalmusik. Sie ist unter allen Künsten diejenige, welche die ®.e.We Zum Ausdruck bringt, ohne ihnen eine birecte Anwendung zu geben, ohne sie rott der Allegorie der Thatsachen, wie die erzählende Dichtung oder mit durch Personen o^bllmden Confllcten, wie das Drama der Bühne zu umkleiden. Sie läßt die Leidenschaften in ihrem eigensten Wesen glänzen und schimmern, ohne sich zu vermissen sie als wirkliche oder eingebildete Personifikationen darzustellen. Sie befreit sie von d-m Laufe der Umftänbejn deren Schooße sie sich langsam geformt haben w e eln Ä^.nb fun^InKctn5Dlama",l ""plötzlich - eine dem Dunkel enteilenbe Flamme!- aus,»leuchten. Die Jnftrum-ntalmufik als solche zieht die Erregung gleichsam heraus °ust/demGegebenen und gibt dieselbe durch den Ton wieder, ohne dabei ihre Usache oder ihre Wirkung zu bezeichnen. Sie malt gleichsam nur in den Flammen b»r eigenen Ledenskrast, die sie sprechen läßt, jede Ausbreitung über ihren geheimen Ur- sprung oder über ihre unbekannte Tragweite verschmähend Unter allen Künsten ist keine so sehr wie die Instrumentalmusik geeignet, die Leidenschasten gereinigt von ibren
-Stacken und unheilvollen Verirrungen nur in ihrer feinsten Quintessenz in ihrer höchsten Bewegung wieder,»geben, so daß sie sich in ihrem tnnerften mianie «nff nh,neismUns j”01 Herzen entfließen wie der rein duftende Saft der
» c„ ne? Baumstamms.. Ich wüßte keine Worte zu finden, welche das Wesen dieses Kunstzweiges schöner und klarer ausdrücken und würdiger wären her al”bte°fe etiitWm 41“"8 Schumann's als Einleitung vorangesetzt zu werden,
. Heber Inhalt und Werth der L-äur-Symphonle selbst ist das HrtfipH J?er bekannte Theoretiker, in fdnen
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d°b dieses erste Jnstrumentalw-rk Schumanns sich nick nur durch tta« anSS
UtWelle ^1»«! wir bei sogen. Musikverständigen der I-A-n Jahr °bnte üb^r ein mA' Ätt ift'“ 9 in bEr ÄUnf‘ und 'nn-r- Große «’S Men'^esiel Z-'tgen°ssen! Ä, bTÄtt
feften erscheint. Schumann als Symphoniker verdiente wohl eine regere Berücksichtig«^' Und gerade die L-äur-Symphonte, entstanden in eine'- der » 0Un8'
des Tondichters, eignet sich durch ihren f r c ub ia-f eft li * e nCI! ?ibc^I)Crfoben ‘»»W*■ ©«urnann f^tirtbaB fürW
ersehnten Braut. Das lange gesuchte Glück war endlich n.fnnb.- T1LbwJ“n«e darüber gelangt In der Symphonie zu unnennbar schönem Ausdruck b b ‘ 2Bonne
DaS Orchester reprobudrte dieselbe ebenso wie bte Euryanthe-Ouvertüre: musterhaft. Herr Capellmetster Lux ist ein Dirigent, ber jeder Stadt zur Ehre gereichen würde. Er beweist sich, wie nach Liszt's denkwürdigem Ausspruch jeder gute Dirigent dies thun soll, überall „als Steuermann, nicht als Ruberknecht und man merkt es dem Chor und Orchester an, daß sie mit Vertrauen und Liebe sich seiner Führung hingeben. Die Composition, welche gestern von dem Festdirigenten zur Aufführung gelangte: Coriolan, dramatische Scene für Männerchor, Soli und Orchester (Mainz, I. Diemer) zeigt den Capellmetster auch als tüchtigen hochbegabten Tonsetzer. Sie ist wirklich, wie ihr Titel sagt, „dramatisch" und dabei äußerst dankbar und wirkungsvoll für die Sänger wie für das Orchester. Wo ein Tenor wie Götze und ein paar Sängerinnen wie die Damen Wtlt und Reut ter vorhanden sind, wtrd das Werk eines durchschlagenden Erfolges überall sicher sein. Etwas störend wirken nur manche Plattitüden des Textes. Verse wie: „Roms unglückliche Bürger Flehn ebic Frau'n, Euch an, Denn Ihr nur könnt sie schützen Vor'm grimmen Coriolan:" Was deutet denn der Wach' Geschrei? Versucht man einen Angriff neu, Ob dieses Herz zu rühren sei? Versöhnen kann nur Blut des tapfern Führers Wuth. Ersparet Tbrän' und Wort! Zurück da Römer fort!" - „Wer feine Mutter liebt nach Pflicht Der wehrt des Feldherrn Mutter nicht, Zu treten vor sein Angesicht!" rc. erinnern doch etwas zu sehr an die berühmten Dichtungen von Moritz Busch, um ernsten Ansprüchen Genüge zu leisten. Vielleicht hätte auch daS musikalische Colorit ctwaö mehr Localfarbe einen klassischeren, weniger modernen Character vertragen. '
Außer dm genannten Nummern gelangten noch zur Aufführung: Schubett's 23. Psalm für Frauenstimme, mit einer von Capellmetster Reinecke aus Leipzig htnzu- geschriebenen Orchefterbegleitung, die Herr Lux in äußerst feinsinniger Weise durch Beifügung einer Harsenstimme ergänzte, Johannes Brahms gewaltiges 8stimmigeS Triumphlied und die Arie der Constanze aus der „Entführung aus dem Serail"- „Martern aller Arten", gesungen von Frau Wilt. Frau Wilt fang dieselbe Arie auch vor nunmehr 11 Jahren bei dem 50jährigen Jubiläum der Niederrheinischen Musikfeste, in Aachen. Ich erinnere mich noch genau deS reinen Entzückens, das die Künstlerin damals durch den Vortrag dieser schwierigen Arie in die Herzen beS Publikums wie ber Kritiker goß; denn auch die Kritiker sind gewissermaßen Menschen und habe» Herzen gleich diesen.
Ein Vergleich der heutigen Leistung mit der damaligen ist betrübend. Da ist noch, wie bet Carlotte Pattt und so mancher anderen berühmten Diva die alte ftfibia? feit des Könnens, die immense technische Fertigkeit, aber ber Hauber und Rei, des Organs ist fort: die Stimme fehlt und über diesen Mangel kann auch ein ganzes Heergebot von technischen Künsten und Künsteleien nicht hinwegtäuschen. Ich alaube es ist Robert Schumann, der einmal sagte: „Der sich dem Publikum vorstellt must weder zu jung noch zu alt sein!" Und Rossini hörte bekanntlich in der Blüthe'seines Mannesalters mit Componiren auf. Wenn doch manche Künstler und Künstlerinnen diese Thatsachen bedenken wollten oder bedenken könnten! Künstlerinnen
.Daß der trübe Eindruck, den Frau Wilt hervorrief, am Schlüsse be8 Concerti verwischt wurde, danken wir den famosen Choristen, die mit dem BrahmS'schen Triumphlied eine wahre künstlerische Hetdenthat vollbrachten. Hut ab vor so cherr Leistungen! 1
Lokales.
Gießen, 8. Jul«. Im ersten Halbjahr 1884 kamen bei Großherzoalickcm St-md-SaE Gießen zur Anmeldung 98 Aufgebote und 58 Eheschließungen wurden ,,n „ Geboren wurden 311 Kinder und zwar 157 Knaben und 157 Mädchen Davon sind 110 Knaben und 107 Mädchen eh-ltcher, 47 Knaben und 50 Mädchen unehelicher Geburt!
Todtgeboren wurden 17 Kinder und zwar 9 Knaben und 8 Mädchen
3=1 Ganzen starben 228 Personen - 122 männlichen und 106 weiblichen SR]!» Ä*‘ Unb 83 Ä,nbCr- U°-°r den Verstorben ,, O- Gießen, 8. Juli. ^Sterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeit war wahrend der Woche vom 29. Junt bis 5. Juli wieder eine erhöhte Es wa en im Ganzen 14 Todesfälle zu verzeichnen, davon 3 bei Kindern im ersten L^?ns1ab^ (Krämpfe, angeborene Schwäche, Nierenentzündung nach Scharlach) unb einer hei /in,™ K'nd- im zweiten Lebensjahre (Keuchhusten) Von 10 äjerfonen Än
4 an Lungenschwindsucht. 2 an organischer H-rzkrankhei!. 2 an Altersschwäche eine an Lungenentzündung, eine an Nierenentzündung errrcr^eywa-ve, -ine an
^.Gießen, 9. Juli. s!3. Turnfest des Gaues Hessens
und Montag, den 13. und 14. Juli er. wird das 13. Turnfest des Gaues Hessen bem auf einem Basaltk-g-l malerisch schön gelegenen Homburg a d Ohm abaebalten Die Einwohner der Feststadt Homberg, welche schon fest Mocken röhr,^
angemhm zVmachw/Seflbzfui6ern naä> aUen S-'t-n hin möglichst der Od^rhessischen E,s-^"hnL 'durch ^n^^'mu.hL
Chaussee entlang durch sckatttgen Buchenwald^zu^ erreichen Auck
Turnvereinen ze einer, gegen Vorzeigung der F-stkarten, die Billete lö»' 6 6 “
Wahl U ^^°u,urn.ag b./2 Uhr
Wünschen wir, daß das 13. Gauturnfest in fiomhern « s .
und echt turnerisches werden möge. ' -vomverg a. d. Ohm ein gelungenes
Der Gießener Turnverein versammelt sicb ©nnnfM c .
Abfahrt 6 Uhr 35 Minuten nach Burg Niedergemünden. 8 6 am Bahnhofe.
Beim i schtU ===============
Frankfurterstraße^15 e^in^ca.^13 Jadr^altes^Mädchen" mit^N^ ro,ar in dem Hause plötzlich nach einem heftigen ®onner%la0 hefinnun?siog iu S/n als es
herbeigerufene Arzt conftatirte eine @e^trnerf^ütteruna^ Kürzte Der schnell in Krämpfen liegen soll, vhantasirt in einem fort ß‘ Ätnb' welches noch immer hiesiger Chemiker ^befm Baden äm^^^rbeYaVen^u^^60”^11 wurbe Lestern ein als Herr Lieutenant Binsack, die Gefahr°erkennend "irJ^r^ bereits untergefunfcnr mit Der Uniform bekleidet fo ort in ba« r fwinl iS??« ^^r Hülflose schwebte,
Bingen, 5. Juli. Um einen ©eMiff bea^ÄÄ Ertrinkenden rettete. r+enEmal?u„0^en' tW wan der ,,Wormserna$ bcm National- ftellung das Trajectboot Binaen-Rüdesh?im baß nach amtlicher Auf-
demnach 75,000 V°rs°7en b-iLt hat 'Las -rMr^auZ^' 7500 M »»-'"nahmt, de" drei Bahnhöfen Rüd-shetm, Bingerbrück enormen Verkehr auf
Sonn- und Feiertagen durchschnittlich 3000 bis m n ^^ch' letzterem an Beförderung finden. v ÖUUU 4000 Personen mit den Abendzügen
hiesigen^Schule "in"Krank?est ^us^^ie^ aestern^V in der Oberklasse der die Klosse heute Morgen geschlossen werden mnb?" Nachmittag fo um sich griff, daß, gefugten Kinder verspürten plötzlich - meiftenFim °°<S ble^er Krankheit Heim- Stecken. welches gewöhnt tn Der ^anbrounel bem Ärmc “ ein Zucken und des Oberarms seinen Anfang nahm^ Balb^b^^ ^"enbogen oder in dem Gelenke in den «einen auf. Gestern Morgen nun murh „ m tr»alen. dieselben Symptome auch arzt untersucht. So viel wir tn CrfaR? iSin kranken Kinder von dem Kreis- matischer Natur fein unb wurde den Kinder? ?Tlen' l°a bie Krankheit rheu- berfteilung ihrer Gesundheit untersagt R.s PW ber Schule bis zur Wieder- unter den Mädchen aufgetreten. Nam deute Morgen war die Krankheit nur m'tgetheitt wird - 5 Knaben von 5?tc früJ> sollen aber auch -- wie
Wir haben noch nie etwas von dem Aust!?/-« ^nkheit plötzlich befallen worben sein gehört und sind wir sehr gespannt^"z? er?berartigrn Krankheit in der Schule de» Krankheitserscheinung zu Grunde liegen. ' UtfQl6en d'-fer auffallen-


