Deutschland.
Darmstadt, 27. Ium. (Landtagsschluß.) Um 12 Uhr hatten die Mitglieder der zweiten Kammer aus ihren Sitzen Platz genommen. Nachdem hieraus die höbe erste Kammer in den Saal getreten und sich der zweiten Kammer aeaenüber niedergelassen hatte, betraten die Mitglieder des Großh. Ministeriums unttr Vorantritt^ des Ministerial-Präsidenten Finger und des Präsidenten des Finanzministeriums Schleiermacher, Excellenz, den Sitzungssaal. hernach brachte Minisierial-Präsident Finger zur Kenntmß der beiden Hauser des Landtags, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog zu seinem Bedauern verhindert lei, den Landtag in höchsteigener Person zu schließen und ihn hiermit zu beauftragen geruht haben. Diese Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Durchlauchtigste hohe und hochzuverehrende Herren! .
Se. Königl. Hoheit der Großherzog, zu Allerhöchstihrem Bedauern verhm- dert, den 24. Landtag in Allerhöchsteigener Person zu schließen, haben mich zu beauftragen geruht, Ihnen, durchlauchtigste hohe und hochzuverehrende Herren, Allerhöchstihren wärmsten Dank für die Anstrengungen und Mühen, welche Sie sich in der jetzt abgelaufenen Landtagsperiode zum Besten des Landes auferlegt haben, zur Kenntniß zu bringen. x f
Vor Allem gebührt Ihnen Dank für die Bewilligung der reichlichen Mittel, welche Sie der Negierung zur Verfügung stellten, als im November 1882 und bei der Jahreswende 1882/83 verderbliche Hochfluthen das Landheimsuchten und es galt, Noth und schwere Schäden, welche jene Fluthen verursacht hatten, zu ^eiyne'reitn)|Qigeö Angehen auf beiderseitige Wünsche hat es Ihnen ermöglicht, eine schwierige Aufgabe, welche Regierung und Kammern bereits mehrere Landtage hindurch beschäftigt hat und deren Lösung, namentlich in Folge der Ausbildung des indirecten Steuersystems im Reiche, eine dringende geworden war, zum Abschlüsse zu bringen. , ,
Durch die Vereinbarung über die Gesetzentwürfe, die Einkommensteuer und die Kapitalrentenfleuer betreffend, wird erreicht, daß gering Bemittelte in großer Zahl von der Entrichtung directer Staatssteuern befreit werden, daß das bewegliche Vermögen in erheblich höherem Maße als bisher zu diesen Steuern herangezogen und mittelbar das unbewegliche Vermögen und das Gewerbe, deffen Besteuerung gleichzeitig eine Verbefferung erfahren hat, in der Steuer erleichtert werden. r . r
Für Fürsorge, welche Landwirthschast und Gewerbe schon bei früheren Landtagen gesunden, haben Sie fortgesetzt durch die Bewilligung von größeren Mitteln für den Unterricht in landwirthschaftlichen und gewerblichen Schulen, sowie durch die Gewährung von Mitteln zur Ausstellung umfangreicher Projecte zur Melioration von Grund und Boden und zum Zweck von Ermittelungen zur Hebung der landwirthschaftlichen Verhältnisse.
In besonders anzuerkennender Weise aber haben Sie die Bestrebungen der Negierung zur Förderung der Landeswohlfahrt unterstützt durch Ihre Zustimmung zu dem wichtigen Baue einer stehenden Brücke über den Main bei Kostheim, zu dem bereits verkündeten Gesetze über die Eisenbahnen von localem Interesse und die Straßenbahnen, zu den Vorschlägen über die Herstellung solcher Bahnen und durch die Gewährung einer Zinsgarantie für das im Interesse der Städte Mainz und Offenbach gelegene Unternehmen einer Dampsketten-Schlepp- schiffsahrt auf dem Maine. - •
Mögen diese und andere Ergebnisse der verflossenen Landtagsperiode, wozu namentlich ein wesentlich verbessertes Gesetz über Die Enteignung von Grund- eigenthum zu öffentlichen Zwecken gehört, Ihnen wie der Regierung die Besrie- digung gewähren, daß sie zum Wohle des Landes gereichen; mögen dieselben unserem allergnädigsten Fürsten den wohlverdienten Lohn für seine treue Sorge um das Glück seines Volkes bringen und unserem Staatswesen eine geachtete Stellung unter den Stäaten des geeinten Reiches sichern. — Das walte Gott!
Nachdem sodann der als Protokollführer fungirende Ministerialsecretär Dr. Breidert den Landtagsabschied zur Verlesung gebracht hatte, erklärte Mini- sterial-Präsident Finger den 24. Landtag Namens Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs für geschlossen.
Berlin, 28. Junt. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde zunächst der internationale Vertrag zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel in erster und zweiter Lesung genehmigt- — Bet der darauf folgenden dritten Lesung des Militär-Reliktengesetzes wurden die §$ 1 und 2 in der Fassung der zweiten Lesung angenommen. Zu dem $ 2 lagen noch die Anträge der Abgeordneten v. Minntgerooe und Windihorst vor, nach welchen den unverhetratheten Officteren ein Wtttwen- und Waisenkassenbeitrag von 1 resp. l>/2 Procent auferlegt werden soll; dieselben wurden jedoch abgelehnt, nachdem der Krtegsminister, Generallteutenant Bronsart v. Schellenoorff, erklärt hatte, daß dieser Paragraph in der Fassung der Commission, resp. der Hweiien Lesung unannehmbar sei und der Bundesrath sich die Stellungnahme zu den •nrltegenben Amendements Vorbehalten habe. Der § 3 wurde sodann in der Fassung der zweiten Lesung angenommen. Nachdem das Gesetz tn seinen einzelnen Theilen durchberathen war, wurde die Schlußabstimmung über das Gesetz im Ganzen vorläufig ausgesetzt und statt dessen die dritte Berathung des Acttengesetzes vorgenommen. Hierbei wurden zu dem §249d die Anträge der Abgeordneten Reichensperger und Windhorst angenommen, von welchen der erstere die Zettungsredacteure nur für wissentliche Verbreitung salscher Nachrichten verantwortlich machen und der letztere die Verantwortlichkeit der Redacteure in dem Fall ganz ausschließen will. daß die bezügliche Bekanntmachung tn dem Jnseralentheile steht und die Unterschrift einer im deutschen ?^?^onsbereiche befindlichen Person trägt. Der Staatssccretär v- Schelling hatte sich im Namen des Bundesraths mit dem zuerst genannten Anträge des Abgeordneten Reichensperger einverstanden erklärt, aber um die Ablehnung des ad 2 genannten An- trogä des Abgeordneten Windihorst gebeten, weil derselbe das System des ganzen Preßgesetzes durchbreche. Der Rest des Actiena-setzes wurde nach den Beschlüssen der zweiten Lesung erledigt. Sodann gelangte der Nachtragsetat tn dritter Lesung debatte- Io8 endgültig zur Annahme, das Gleiche geschah mit der Literarkonvention mit Italien mit Siam und dem Handelsvertrag mit Korea. — Nachdem endlich das Reliktengesetz und das Actkengesetz auch in der Schlußabstimmung definitiv angenommen waren und die Tagesordnung somit erledigt erschien, wurde noch von dem Abgeordneten v. Minnigerode die Interpellation eingebracht, ob und welche Vorsichtsmaßregeln die Reichsregierung gegenüber der Choleragefahr zu ergreifen beabfiebttae ?.cr Staatssekretär erklärt, daß er nach Wiederaufnahme der Sitzung antworten werde! Die Sitzung wurde sodann um 2,55 Uhr unterbrochen.
Wiedereröffnung derselben wurde zunächst der internationale Vertrag zum CCJf?^en ?°bel in dritter Lesung endgültig genehmigt. — Sodann mürbe in bte ©eratbung der von betn Abgeordneten v. Minnigerode in Betreff der ^^olera gestellten Interpellation etngetreten. Hierbei äußerte der Staatssekretär v. Bötticher, daß noch keine positiv sichere Erklärung über die Natur der Krankheit vorliege; dieselbe solle jedoch nur sporadisch und ohne besondere Ansteckungsgefahr sein. Die sorgfältigsten Ermittelungen dauerten nock fort und heute hatte die Cholera-Commission mit Pettenkofer und Koch ihre Arbeiten begonnen; man hoffe mit Dem Revisions- fnftem ohne ^"nzsperre durchzukommen. Dem Abgerrdneten Virchow, welcher Zweifel äußerte, ob nicht doch die asiatische Cholera oorliege, und die mangelhaften Schutzmaßregeln Frankreichs, sowie die schlechten Sanitatszustände des Suezkanals tadelte «rro.berte der Staatssekretär, daß die französische Regierung, wie der Botschafter be
richte, alle hygienischen Vorsichtsmaßregeln getroffen haben und daß Deutschland internationale Maßregeln tn Betreff des Suezkanals veranlassen werde.
Nachdem der Abgeordnete Graf Moltke dem Präsidenten den Dank des Hauses ausgesprochen hatte, erklärte der Staatssekretär v. Bötticher die Session für geschlossen, worauf der Reichstag die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den Ka'ser schloß.
Hameln, 28. Juni. Heute Nachmittag begann, begünstigt von dem schönsten Wetter, oas Rattenfängerfest mit dem Zuge, welcher die Austreibung der Ratten dar- stellte. Derselbe wurde durch ein Musikcorps tn der Tracht des 13. Jahrhunderts eröffnet* dem MusikcorpS folgte der Rattenfänger Singulf, welchem sich 400 Kinder in Raltencostüm anscklossen. Dem VolkSf.st auf dem Felsenkeller wohnten gegen 6000 Personen bet. Die Feier in der elektrisch erleuchteten und prachtvoll d'korirten Festhalle wurde durch einen Prolog eröffnet, auf welchen nach der Wolff'schen Dichtung gestellte lebende Bilder folgten.
Arankrcich.
®ariS, 28. Juni. Der Marineminister hat befohlen, in Toulon zwei Truppen- transportsch.ffe neu auszurüsten, damit dieselben im Nothfalle nach China abgehen können.— Speiche Deputirte haben in Vorschlag gebracht, die Feier des 14 Juli zu verschieden, um ein unter den gegenwärtigen Umständen gefährliches Zusammenströmen zahlreicher Menschenmassen zu vermeiden.
— Wie der „Temps" tmloet, hat der Conseilpräsident Ferry dcn Gesandten Patenotre angewiesen, sofort durch das unter dem Admiral Sourbet stehende Geschwader die schärfsten R pressalten in Anwendung bringen zu lassen, falls China nicht sofort Genugthuung für den Zwischenfall von Langson leiste. t t
— Nach einer Depesche des „Temps" aus Haiphong vvm 26. haben die Feindseligkeiten anläßlich des Zwischenfalls bei Langson wieder in vollem Umfang begonnen. Ein von Suongiong abgesandter Transportdamvfer bringt 95 Verwundete nach Hanob und Haiphong. General Negrter fetzte seinen Vormarsch fort, doch ist derselbe w?gen des gebirgigen Terrains schwierig, zumal die Gebirgsflüsse ausgetreten sind.
Toulon, 28. Juni. Seit gestern Mittag sind hier sechs Cholera-Todesfällr vorgekommen.
Marseille, 28. Juni Heute sind hier 6 Fälle von Choleraerkrankung con- statirt worden.
Marseille, 28. Juni. Heute Morgen sind hier 3 Todesfälle an Cholera ober Cholera ähnlicher Diarrhöe verzeichnet worden. Von Seiten der Behörden werden alle erforderlichen Sanitäismatzregeln angeordnet und energisch überwacht. Die BureauS der Standesämter sollen Tag und Nacht geöffnet bleiben, damit tn verdächtigen Fällen die Beerdigung nicht verzögert zu werden braucht.
ßngtand.
London, 28. Juni. In der Sitzung des Oberhauses erklärte Carringtov, daß die tn Toulon herrschende Seuche als eine ernste Dyssenterie anzusehen sei, heroovgerufin durch die schleckten Sanitätszustände.
London, 28. Juni. Die Conserenz trat beute Nachmittag um 3 Uhr im auswärtigen Amte zusammen Die Vertreter der Mächte waren mit ihren financtellerr Beiräthen anwesend. Dieselben wurden von Lord Granville empfangen.
Italieo.
Rom, 28. Junt. Wie der „Popolo Romano" meldet, ist festgestellt worden, daß die Krankheit der tn dem Lazarelh zu Ventimiglia isolirten Person nicht die Cholera sei.
Spanien.
Madrid, 28. Juni. Heute früh wurden in Gerona 2 Officiere, welche an dm zorillatsttschen Umtrieben detheiltgt waten, erschossen.
Rußland,
Kronstadt, 28. Juni. Die -kaiserliche Yacht „Zarewna", welche den Breitwimpel des Katier s gehißt hatte, ist heute Nachmittag 4 Uhr, begleitet von zwei andren kaiserlichen Yachten, aus PeNrhof längs Kronstadt in See gegangen. — Der Zweck der Reise des Kaisers und der Kaiserin, welche von der Herzogin von Edinburg begleitet sind, ist die Besichtigung der finischen Skären.
Tkiegraphische Depeschen.
Wolss'S trlegr. EorrespondeAr-Buesa«.
Ews, 29. Juni. Zu der kaiserlichen Tafel waren gestern geladen die Generale v. Heuduck, v. Hymmen und v. Haugwitz, Oberst Rotheubücher, Oberlandesgerichts-Präsident v. Heimsoeth, Geh. Ober-Regierungsrath v. Lebbin und Hosmarschall a. D. Graf Dönhoff. Abends besuchte Se. Maj. der Kaiser das Theater. Heute früh setzte Allerhöchstderselbe die Brunnenkur fort und machte eine Promenade.
— Der General der Infanterie, General-Adjutant Sr. Maj. des Kaisers und Militär-Bevollmächtigter in St. Petersburg, v. Werder, ist heute früh hier eingetroffen.
— Se. Maj. der Kaiser mit Gefolge wohnte Nachmittags von Dem Kaiserzelte aus der Regatta bei. Der kaiserliche Ehrenpreis wurde von der Frankfurter Gesellschaft „Germania" errungen. Se. Majestät nahm selbst die Ver- theilung der Preise vor. Später besichtigte der Kaiser die Gemälde-Ausstellung von Fleischmann aus München im Kursaale.
Diez, 29. Juni. Der heute stattgehabte zahlreich besuchte Landespartei, tag der nassauischen Nationalliberalen beschloß die Absendung eines Dank- Telegrammes an den Reichskanzler Fürsten Bismarck, in welchem der bestimmten Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß dessen Colonialpolitik die Zustimmung des deutschen Volkes finden werde.
Toulon, 29. Juni. Von gestern Abend 6 Uhr bis heute Mittag sind hier 4 Personen an der Cholera gestorben.
Marseillr, 29. Juni. Von gestern Vormittag 10 Uhr bis Abends 10 Uhr starben Hiebselbst 4 Personen an der Cholera.
— In der vergangenen Nacht und heute im Laufe des Vorlnittags ist hier kein Cholera-Todesfall vorgekommen.
Angra-pcquena und Bethanien.
Von Dr. Fr. Müller.
' (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Jedenfalls werden sich die Hottentotten sehr bald zur Hauptbevölkerung um die Bucht entwickeln, wenn erst die von Lüder-tz beabsichf.gte große Se-fischerei im Gange ist und die Mlnenarbeit begonnen hat; denn diesen Eingeborenen selbst sind Metall- arbeiten in Eisen und Kupfer durchaus geläufig. Lüderitz wird bann nur für bessere ffiobnrfiume zu sorgen haben, und er soll ja auch bereits eiserne Wohnhäuser mit Blechdachern in Bestellung gegeben haben, ebenso wie eine Firma in Itzehoe die Netz- Iteferungen für die Fischerei erhielt. D
, . Ist es erst so weit, und das darf füglich in Jahresfrist erwartet werden, dann wird sich der Verkehr im Hafen schon von selber heben; zuvor aber muß der einzige Punkt noch regulirt werden, wegen dessen es überhaupt mit England noch Verhandlungen geben kann , nämlich die Frage des Besitzes der kleinen, vor Angra - Pcauena U-q-nden gelfeninftlc&tn. Diese Inseln, so klein si- sind, deheieschen, einigermaßen befestigt, den Hasen und auf ihnen ist zur Zeit noch ein britischer Strandwächter' statiomrt, der immerhin das Bcsitzrechi Englands reprafenttren kann. Der an sich für


