Ausgabe 
26.3.1882 Drittes Blatt
 
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Schwieriger wird die Wahl des Berufs dem Mädchen aus den gebildeten Ständen, denn bei der jetzigen Z-itrichtung, welche aus Verallgemeinerung der Blldung und Erhöhung des Niveau des Wissens überhaupt hinzielt, ist die sogenannte Hart­oder rauh- Arbeit derart degradirt, daß sie eines gebildeten Menschen für unwürdig erachtet wird. Durch dieses Voruriheil zum Theil mit beeinflußt, wenden sich Töchter gebildeter Stände vorzugsweise denjenigen Berussarten zu, für welche sie oeimöge ihrer geistigen Ausbildung am besten vorgebildet erscheinen, nämlich demjenigen der Er­zieherin, Gouvernante oder Kindergärtnerin Dies geschieht wohl auch dcßhalb weil diese Berussarten eine gewisse Selbstständigkeit der Stellung zur Voraussetzung haben daher der jungen Dame eine bestimmt erkennbare sociale Position im Leben zu sichern scheinen.

Diese Hoffnung bewährt sich jedoch nur in dem Falle, wenn di- junge Dame eine Stellung an einer öffentlichen Schulanstalt erlangt hat. Und doch ist ohne «weise! der Platz der Frau als Lehrerin nicht dort, sondern ihre unterrichtende und erziehende Thätigkeit ist dann am ersprießlichsten und angemessensten, wenn sie sich in den Rahmen eines Familienkreises emorbnet. Freilich haben Gouvernanten, Bonnen und Kinder­gärtnerinnen inmitten einer Familie oft eine wenig deneidenswerthe Stellung Die Kammerjungfer, die Köchin u. s. w. sind in ihrer fest abgegrenzq» Stellung besser daran, als die Erzieherin oder gar als die Kindergärtnerin in Ziviiiekstellung. Außer­dem liegt die G-iahr nabe, daß sich die junge Dame inmitten der Fülle eines ver­mögenden Hauses an Lebensgenüsse gewöhnt, welche ihr im künftigen selbstständigen Haushalte kaum in dieser Weise geboten werden dürften.

Die Gefahren und Enttäuschungen, welche die Künstlerlaufbahn darbietet, brauchen kaum gekennzeichnet zu werden, um mittelmäßige Talente vor dem Betreten derselben zu warnen. Lorbeeren und hohe Gage werden auch dem Genie nicht immer zu Theil denn auch hier ist das Glück so launenhaft wie anderwärts. Nicht überall sind die Wege der Kunst gleich dornenvoll, wenn sie auch nirgends ohne Mühe zu gewünschten ideellen und materiellen Zielen führen. Da nun in allem, was Handfertigkeit Accu- ratesse und Geschmack in Behandlung kleinerer Gegenstände und Formen betrifft die Frau gemein'glich dem Manne überlegen ist, so wende st- sich dem Gebiete des Kunst- Handwerks zu, wo sie diese Fähigkeiten betätigen kann. Nennen wir z. B. die wieder in Ausnahme kommende Porzellanmalerei, das Musterzeichnen mit der vielfachen Gelegenheit zur Verwerthung des guten Geschmackes, des Erfindungsgeistes, der Sauber­keit und der Handfertigkeit. Wir gehen noch einen Schritt weiter und behaupten daß auch für die Hände gebildeter Frauen alle jene Arbeiten nicht zu otbinär sind, bie'inan gewöhnlichweibliche" nennt, um Nicht gründlich und xractisch gelernt und betrieben zu werben; Putzmacherei und Schneiderei nähren viele Frauen, ja, viele von diesen kommen durch dieselben zu einem gewissen Wohlstand. Vor allen Dingen sollte aber jede verständige Mutter ihre Töchter frühzeitig und gründlich in all ben Heinen, aber wichtigen Handgriffen, Verrichtungen, Besorgungen und Geschäften unterweisen, durch welch- d e Ordnung eines Hauswesens be­steht und Behaglichkeit über dasselbe ausgebreitet wird. Auch diese practische Unter­weisung in dem Dienste des Hauses kann dem Mädchen eine gute Empfehlung fein wenn sie einmal auf ihre eignen Hände angewiesen sein sollte. Ein Mädchen aus guter Familie wird einer vernünftigen Hausfrau viel lieber sein, als ein ungebildetes schlecht erzogenes Dienstmädchen. Die Geistesbildung, wenn sie gepaart ist mit einer vernünftigen Herzens- und Willensbildung, wird nirgends schädlich, aber überall sehr nützlich sein. Cz

Verwischtes.

Frankfurt, 23. März. sProbefahrt in einem electrisch beleuchteten Eisenbahn­zuge j Der am 4. Februar unternommenen Probefahrt mit einem durch electrisch- Glühlichter erleuchteten Eisenbahnzuge folgte heute ein zweiter größerer Versuch auf der Strecke Frankfurt-Elm. Der von der König!. Eisenbahv-Direction Frankfurt a. M. installirte Zug bestand aus 10 Achsen. In ähnlicher Weise wie bei der ersten Fahrt waren auch jetzt in einem Packwagen die von der Frankfurter Firma H. G Möhring zur Disposition gestellte dynamo-electrische Maschine und die fecunbären Batterien,

iTOn f In in ? rt met Zahl, untergchracht. Der Betrieb der dynamo-electrischep

Maschine erfolgte durch Vermittlung eines Vorgeleges von der Ax- des Wagens aus wAt rb0Um ®tnridl*un0 getroffen, daß der Packwagen bei umgekehrter ^ug- rid)tung n.cht gedreht zu weid-n braucht-, damit die dynamo-electrische Maschine dieleld, )l«n§0rtld,£un6J?,e _£,0.r6et beibehielt Es würbe dies durch einfaches Umstellen eine-, Hebels bewirkt. Di- Zahl der in den fünf Wagen des Zuges angebrachten Glühlichter betrug eintge zwanzig und zwar war b e Anordnung der Lampen ebenfalls wesenilicki E^d^r Mten Probeiahit verbessert. Die Lampen waren nämlich mit Schirmen aus Milchglas versehen unb dieselben sogar in einem Kronleuchter untergebracht au* ^"Nchtung >° g-irofsin daß j des einzelne Glühlicht ganz nach Ät einer bekanntwlr?m,?ck/^s eineL&abne§ ausgelöscht werden konnte. Wie

bekannt, wird durch das Ausloschen einer oder mehrerer Lampen das Leuchten der übria-n tn keiner Weise alter,rt. Der Zug wurde kurz vor 4 Uhr Nachmittaas pom Rabnbot

Sachsenhausen abgelassen und kam gegen 6 Uf)r,ß während unter­em «nn,hi^acflsa0en nUn erS br?a<?te4n *ccunbärEn Batterien gtlab.n wurden, nach (Sim. Von hier aus wurde nach Emtritt der Dunkelhe t die Rückfahrt nach Rranfmrt angetreten. Ganz wie bei der ersi-n Probefahrt wurde wahrend der Bewegung des $f£e j?er oon ber tWtnO£lectrifd)en Maschine erzeugte Strom durch die Glühlampen Sbnn'.? I Q?er ^m Laden der secundären Batterien verwendet. Auf den

Zwisch nstationcn wurde vermittelst eines wesentlich verbesserten Umschalters die in den in±Tr*attmenr ""Fäuste ffilectricität zur Glühlicht-Beleuchtung verwendet. Aus e gener iünfebauung kann ich conflatiren, baß ber Verlauf biefer ganzen Probefahrt mit einem längeren Zuge unb auf einer größeren Strecke als durchaus gelungen bezeichne, crbe,n "fuß, insbesondere war während des Stillstandes des Zuges ein viel befferes suchten der Glühlampen, also eine vollkommenere Wirkung der fecunbären Batterien

S* ^"tgin Coupces waren neben den Glithlichtern einige Gasflammen ongeorbnet welche e-nen bequemen Vergleich ber Leuchtkraft dieser verschiedenen Cidit

Jatm rJ?!1 -?er0u'* fiel ganz entschieden zu Gunsten des electrischen

-i,,U\bak 311,66 fihr angenehm unb nicht im Mindesten ftörenb sth , mar wahrend ber ganzen Fahrt durchaus gleichmäßig und in jeder

es1?Wenngleich noch einige Kleinigke ten verbesserungsfähig sind wenn ca b6 nubrA-au "?e lelbstthätige Umschaltung zwischen den Lampen der dynamo- rntfAh>bpn,^reLMne Unb,?eLLecunb5ren Batterien hinzuwirken hat, so thut das dem entschiedenen Erfolge auch dieser zweiten P-ob-fahrt keinen Eintrag. Die ganze Ein- und^s$ifHnm Sp 3uge§ madbte in der That schon den Eindruck eines Dcfivstivums' t UmmU®6,i. daß der von der hiesigen König!. Eisenbahn Direction zuerst betretene Weg der btrecten Benutzung der Zugkraft zur electrischen Beleuchtung auch ferner die besten Erfolge verbürgt. Der Appell der'englisches

fioi* Kfo o3v-v-xVsoti o*,t- . öattder, nielcher eine Folge meines Berichts über die Probefahrt vom 4. Februar wurde, zeigt deutlich genug daü Deutsch- and zuerst den richtigen Weg zur electrischen Beleuchtung derGseL & wotÜift. bim0ftCr m°t0V b'6 "b-ndig- Last bJ fahSn ZugL

Beiläufig mag noch erwähnt werden, daß an unseren Zug in Elm ein Waaen

eI^m b,e Wände einiger Abteilungen mit der bekannten Salmain scheu Leuchtfarbe bestrichen waren. Diese Beleuchtung, welche man Übrigens

D®.nforn^ney Dunkelheit bemerkt, ist zwar nicht als ganz ungenügend zu be- t ss6 a.6Er aut das Auge wenigstens im Anfang, einen keineswegs ange- fonbern vielmehr einen unheimlichen Eindruck. Keineswegs hält^sie den Vergleich mit irgend einer der bekannten Beleuchtungssysteme aus und besonders wird buy* den Gebrauch schmutziger werden, auch bstLeuchtkraftnoch n nb f*roa*er t- Da ferner der Preis der Leuchtfarbe ein verhältnißmäßch sehr hoher ist so wird man schwerlich zu größeren Anwendungen für Eisenbahnzüge übergehen, selbst wenn die Farbe dauernd unzersetzt bleiben sollte. 9 » 8

n6? 9 Ar gelangte unser Zug wieder in Sachsenhausen an und ich bin hnrAnva1, n"?i ^,6 lablreichku sachverstand gen Theilnehmer von der interessanten Fahrt durchaus befriedigt sind und der Verwendung des electrischen Glühlichts für die Be- ^*^^M^®fenbabnjugen em sehr günstiges Prognostikon stellen werden Fr.Z.

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