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30.3.1943
 
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Gießener Vortragsring.

Oscar Besemfelder singt Volkslieder zur Laute.

DenDichter des Handwerks". Wie stark das Dich­terische in Winni gs Werk wirkt, wird deutlich in -seinem RomanWunderbare Welt". Wenn Winnig in seinen Erzählungen seinen Humor spielen läßt, glaubt man in ihm einen Geistesverwandten Wil­helm Raabes zu spüren, so in seinem kMichen Buch Käuze und Schelme".

Der Entdecker des Influenzabazillus.

Der berühmte Bakteriologe Geheimrat Professor Dr. Richard Pfeiffer DoUerrbete am 27. März lein 85. Lebensjahr. Seine erste wissenschaftliche Tat

Am kommenden Samstag und Sonntag werden sich unsere Soldaten in Gemeinschaft mit den Gefolgschaftsangehörigen der Wehr­macht, den allen Soldaten und dem Deut­schen Roten kreuz für das Kriegs-Winter- hilfswerk einsehen. Unsere Soldaten haben sich für diese Veranstaltung vielerlei vorge­nommen.

Den Auftakt wird die Straßensammlung bringen, diss am Samstag, 3. April, beginnen wird. Mit den Sammelbüchsen werden die Ange­hörigen der Wehrmacht-Gefolgschaft, die Mitglieder der, RS.-Kriegsöpferversorgung, des NS.-Reichs- krtegerbundes, des RS.-Marinebundes, des Reichs­treubundes, die Männer und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes und selbstverständlich auch wieder unsere Nachrichtenhelferinnen, dieBlitzmädel", an alle Volksgenossen herantreten, um deren Opfer­spende für das Kriegs-WHW. entgegenzunehmen. Bei der oft bewährten und bekannten Spendefreu­digkeit, aber auch im Hinblick auf die feit Jahr­zehnten traditionelle enge Verbundenheit unserer Bevölkerung mit den Soldaten kann man heute schon die Gewißheit aussprechen, daß die Sammel­büchsen wiederum ganz ansehnliche Summen aus­schütten werden.

Neben der Straßensammlung wird auch in un­seren Kasernen wieder allerlei zu erleben sein. Wie schon immer, werden auch diesmal die SoLa- tenköchen für den Sonntag. 4. April, mit einem ou­ten Mittagessen aufwarten. Im Fliegerborst, in der Bergkaserne, im Cafe Leib und aus der Küche der Verdun-Kaserne werden die Hungrigen mit einem kräftigen Soldatenessen gesättigt werden. Tau­sende von Portionen werden die Soldaten­köche und die Kochfrauen zubereiten. Selbstverständ­lich gibt es Eintopf, wahrscheinlich werden Erbsen mit Fleischeinlage und Nudeln mit Fleisch im Vor­dergrund stehen; der genaue Küchenzettel steht je­doch bis jetzt noch nicht fest, so daß man die nähere Mitteilung im Laufe dieser Woche abwarten muß. Aber eines sei heute schon besonders betont und muß von jedem Besucher dieses Mittagtisches beach­tet werden: Löffel sind mitzubringen! Niemand kann darauf rechnen, in den Kasernen

Antwort verstimmte ihn. So durfte man ihm mcht kommen. Dann war es mit der Sympathie vorbei. Wenn jemand versuchte, eine nun einmal fest­stehende Tatsache so naiv abzuleugnen, dann war auch seinen weiteren Antworten meist nicht sonder­lich zu trauen.Es steht doch fest, Herr Doktor",

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ein Mittel zur Erhöhung unseres Einsatzes für Krieg dar.

Das Kriegsverdienstkreuz.

Unsere Soldaten helfen dem Kriegs-Winterhilfswerk

Kunst und Wissenschaft

Der Dichter des Handwerks.

Dem Unteroffizier Joseph Höwekamp__

Gießen, Kaiserallee 68, wurde im Osten das Kriegs- verdienstkreuz H. Klasse mit Schwertern verliehen.

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Das hundertste Semester.

Am vorigen Freitgg schloß der Ordinarius für Bo­tanik und Direktor des Botanischen Instituts unserer Universität, Prof. Dr. Küster, mit einer Vorle­sung über die Pftanzenzelle, insbesondere über das Problem der Wuchsstoffe, sein 100. akademisches Semester. Von dieser langen Zeit hat der Gelehrte ungefähr die Hälfte unserer Universität gewidmet. Professor Dr. K ü st e r kam im Jahre 1920 als Nachfolger von Hansen als Ordinarius für Botanik und Direktor des Botanischen Instituts nach Gießen. Die meisten Jahre seines Gießener Wirkens wid­mete er dem Studium bet Pflanzenzelle.

Meldepflicht für Wohnungen

im Rahmen der Maßnahmen zur Wohnraumlenkung.

Durch § 12 der Verordnung zur Wohnraumlen­kung vom 27. Februar 1943 ist angeordnet, daß jeder Wohnungsinhaber, der Über' mehr als eine selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung für seinen eigenen Bedarf oder den seiner Familie verfügt, hierüber bis zum 10. April 1943 eine Mel­dung an jene untere Verwaltungsbehörde zu ma­chen hat, in deren räumlichem Bereich er eine ober mehrere derartige Wohnungen besitzt. Ferner hat jede Einzelperson, die eine selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung innehat, dies unter An­gabe der Zahl der zu der Wohnung gehörenden Räume und der etwa darin befindlichen Untermieter und Untermieterfamilien bis zum 10. April 1943 der Gemeinde zu melden. Hierdurch soll ein Ueberblick über den vorhandenen Bestand gewonnen werden.

Als selbständig gilt jede Wohnung, die mindestens eine eigene Kochgelegenheit hat und nicht Teil einer größeren Wohnung ist. Als Einzelperson gilt der Mieter oder Benutzer der Wohnung, wenn zu sei­nem Hausstand weder sein Ehegatte noch Ver­wandte ober Verschwägerte von ihm gehören.

Die Angaben in den beiden Meldungen sind nach dem Stoüde vom 10. März 1943 zu machen. Die beiden Meldepflichten bestehen allgemein kraft Gesetzes, ohne daß es einer besonderen Aufforde­rung bedarf. Auf die genaue Innehaltung- des Ter­mins wird besonders hingewiesen. Unterlassung der rechtzeitigen Meldung kann Bestrafung nach sich ziehen.

Verdunkelungszeit:

30. März von 20.50 bis 6.31 Uhr.

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fachlich fort, ,Zaß Sie am vergangenen Samstag mit Fräulein Hammerkott nach Köln ge­fahren sind ..."

Was hat das damit zu tun?" fuhr Hellingrach

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,-Stehn zwei Stern am hohen Himmel" mit scherz­haft betonten Gesängen wie der übermütigen Ehe­standsweise vom Kuckuck und feinen elf Frauen, dem FensterliedWers Lieben betrachtet" und dem Spottlied3 gung emol spaziere" leicht zusammen. Mit einem romantischen Ständchen von Eichendorff als Zugabe verabschiedete sich Besemfelder, für den reichen Beifall der Hörerschaft anmutig dankend. Der stilvoll abgerundete, sehr anregende Vortrags­abend wurde durch eine Reihe vortrefflicher Dar­bietungen des Bauerschen Gesangvereins unter der sorgfältigen Führung von Musiklehrer Blaß bereichert. Der Chor sang zweimal drei LiederAbschied",Wenn ich ein Vöglein wär", Tauber und Täubin",Muß i denn",Es ritten drei Reiter" undBlutrot sank die Sonne ..." und bewies im dynamisch wohlabaetönten. sonoren Zusammenklang der Stimmgruppen eine gründliche Vorbereitung und eine den alten Idealen des Män­nergesanges hingegebene, gesunde Musizierfreudig­keit, die ebenfalls lebhafte Anerkennung fanden.

Hans Thyriot.

Lichtspielhaus:Karin und verfremde-'

Es ist zu begrüßen, daß sich die deutsche Seffent« lichtest von den kulturellen Bemühungen und Lei­stungen des uns im Kampfe gegen den Bolschewis­mus verbündeten finnischen Volkes nun unseres Wissens hier zum ersten Male auch aus dem Ge­biete der Filmproduktion in etwa eine Vorstellung machen kann, was bischer wohl nur im literari­schen Bereiche einigermaßen möglich war. Unter dem TitelÄarm und der Fremde" lernt man einen Aka-Sptelfilm der Suomi-Produktion kennen, der, nach einer Romanvorlage gedreht, in deutscher Sprache nach synchronisiert wurde und. wenn man die regiemäßige und darstellerische Gesamtleistung überschaut, ein sympathisches und respektables Bild vom jungen finnischen Filmschaffen vermittelt, fo* fern es gestattet ist, von dieser vorerst einzigen Probe auf einen breiteren Durchschnitt zu schließen.

Nichten

lg eine: L- der neunziger Jahre. Zur gleichen Zeit kam Pfeiffer erhalt« I «auf Grund seiner Arbeiten über parasitische Pro- > verleibt tozoen für sie hatte er schon damals eine be­wundernswerte photographische Technik entwickelt zu einer genialen Vorausschau über die Molaria- -crreger. Seine Ansicht, die auch von Koch geteilt -wurde, daß die Malaria durch den Stich blutsaugen­der Insekten auf den Menschen übertragen werden könnte, wurde wenige Jahre später wissenschaftlich bestätigt. Seine Forschungen über Probleme der Immunität wurden veranlaßt durch die Cholera­epidemie in Hamburg 1892, Pfeiffer schuf die Mög­lichkeit einer Schutzimpfung des Menschen gegen Typhus und Cholera. Hunderttaüftnde von Men­schenleben sind während des ersten Westkrieges im Feld und in der Heimat durch seine Entdeckung er­halten geblieben. Von praktischer Bedeutung wür­ben auch seine sereologifchen Studien. Als Mit- «arbeiter von Robert Koch beim Ausbau der Tuber- kulmdiagnostik, bei Pest- und Malaria-Studien, die ihn als Begleiter von Robert Koch nach Indien und l Italien führten, als Leiter der großen wissen- ( schastlichen Abteilung des Instituts hatte Pfeiffer große Verdienste. Pfeiffer wurde in Zduny (Posen) geboren und wurde 1891 Dozent in Berlin. 1899 I Hing er als o. Professor nach Königsberg, 1909 I liebelte er nach Breslau über, wo er bis zu seiner «Emeritierung 1926 lehrte. Die Universität Heidel- | berg verlieh ihm die Kußmaul-Medaille, Stockholm | Büe' golbene Pasteur-Medaille, 1933 wurde ihm die

Aus -er Stadt Gießen.

Oie Sommerzeit.

Woher stammt der Gedanke der Sommerzeit, die gestern Deutschland wieder in Kraft getreten ist? Den Urheber kennt man nicht. Man nimmt an, der niederländische Gelehrte Hunrecht habe sich im Jahre 1784 durch einen Zeitungsartikel dazu an­regen laßen; seine daraufhin gemachten Anregungen wurden alsNarreteien" abgetan und belacht. An­derePhantasten" griffen den Gedanken immer wie­der auf, aber ebenso erfolglos. Vor rund 50 Jahren stellten dann einige kleinere südamerikanische Staa­ten den Versuch mit der Sommerzeit an, der jedoch mißlang. Die 1907 in England beabsichtigten Ver­suche scheiterten an der konservativen Haltung des Oberhauses. Man sagte, die Lords hätten Angst ge­habt, ihreastronomisch korrekte abendliche Kamm- stunde" zu verlieren.

Deutschland erhielt auf seltsamen Umwegen zuerst die Sommerzeit. Bereits vor dem ersten Weltkrieg hatte eine Schokoladenfabrik 120 000 Unterschriften gesammelt und sie einer Eingabe um Einführung der Sommerzeit beigefügt. Ein Niedersachse aus Hameln griff den Gedanken auf und bedachte alle möglichen Reichs- und Vandesbehö^den mit Ein­gaben. Eines Tages legte der damalige Oberbürger­meister von Breslau seinen Plan dem Bundesrat vor, dieser nahm chn im März 1916 an, und Deutsch­land hatte die erste Sommerzeit vom 1. Mai bis Zum 30. September dieses Jahres. 1919 gab Deutsch­land die Sommerzeit wieder auf, weil, wie ein Ab­geordneter damals behauptete, die .Kühe ftreiften". Dieses unsinnige Argument wurde geglaubt, obwohl man doch eigentlich schon durch die Erfahrung ge­merkt hatte, daß gerade die Landwirtschaft durch die Sommerzeit keinen Schaden genommen hatte. Es war ein echter Schildbürgerstreich des Parlayien- tarismus.

Heute können wir uns kaum noch die Schwierige feiten und Widerstände vorstellen, die sich früher um die Einführung der Sommerzeit rankten. Vor allem jetzt im Krüge stellt die bessere Ausnutzung des Tageslichts einen starken Spartektor und damit

einen Löffel zu erhalten. Ebenso wichttg und sorg­sam zu beachten ist, daß jeder nur in der Ka­serne essen kann, die auf der E s s e n k a r t e ge­nannt ist. Das Essen wird oh ne Marken abge­geben, denn die Lebensmittel für düse Mafsenspei«- |ung haben sich unsere Soldaten von ihren Der- pflegungssätzen abgespart, um sie bei dieser Ver­anstaltung gegen ein geringes Entgelt an die Be­völkerung in Form eines kräftigen Schlages Suppe abzugeben und mit dem Erlös dem Kriegs-WHW. zu helfen

Neben dem Mittagessen bereiten sich unsere Sol­daten aber auch auf mancherlei Vorfüh­rungen vor, die den Besuchern einen Einblick in den täglichen Dienst und das Leben bei der Wehr­macht geben sollen. Ein sehr umfangreiches Pro­gramm" haben sich die Männer des Fliegerhorstes vorgenommen, aber auch in der Bergkaferne wer­den die Besucher allerlei zu sehen bekommen, lieber die Einzelheiten dieser Darbietungen wird in den nächsten Tagen noch zu berichten sein, heute kann zusammenfassend schon so viel gesagt werden, daß alle Darbietungen vielseitig und interessant ver­laufen dürften, so daß es sich schon lohnt, dabei zu sein. Den Besuchern von auswärts sei zur Kennt­nis gebracht, daß sie, falls die Fahrt nach Gießen mit dem Fahrrad unternommen wird, im Flieger­horst ihre Räder in sicheren Gewahrsam abstellen können. Den Liebhabern des Photographierens sei gesagt, daß sie ihre Photoapparate zu Hause lassen mögen, da in den Kasernen nicht photographiert werden darf, es also unnütz ist, sich mit dem Apparat zu behängen. Wer dennoch seinen Photokasten mitbringt, muß ihn auf der Wache ab­geben und erhält ihn erst beim Verlassen des Ka-- fernengeläntfes zurück.

Diese Veranstaltung unserer Soldaten läßt nach allem, was wir bei einer Besprechung mit den ver­antwortlichen Stellen in den letzten Tagen hören konnten, viel Erlebens- und Sehenswertes erroar* ten. Also gilt der Weg am Sonntag, 4. April, den Kasernen unserer Soldaten in Gießen, um mit ihnen gemeinsam den Tag zu verleben und dabei wieder für das Kriegs-WHW. zu wirken und es mit neuer Kraft für feine großen Aufgaben auszu- statten.

Glück auf, Renate!

Roman von Ernst Grau.

84. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Renate sieht den fremden Mann vor sich, dessen

Mund so warme Worte zu finden weiß. Sie sieht iihn und sieht ihn doch nicht, ihre klugen bücken «rach innen. Sie will auch seine Worte nicht boren, fite kann nicht mehr daran glauben, wenn em. Mann iwarme, weiche Worte zu ihr spricht, jebes gute Wort ist Lug und Trug. Sie hat uberrounöen, sie glaubt wenigstens, überwunden zu haben, und weiß »licht, daß sie sich damit selbst belügt Sie denkt mir immer, daß jetzt alles aus ist, daß alles aus Üein muß. Sie vergißt, daß es dazu ^eit braucht, iciel Zeit. In drei, vier Stunden vergißt man nicyl. Sie sieht nur, daß alle. Brücken in Trümmern lie­gen, die hinüierführen» in die seligen Stunden eines riun zerbrochenen Glücks, eines traumhaft schcmen Hlücks, mit dem sie noch heute früh dem lungen Tag, der unter Blitz und Donner daherkam, entgegen- gelächelt hatte. Heute früh? Sind wirklich eist wenige Stunden seitdem vergangen? Liegen nuht chon Jahre zwischen dem Jetzt und Vorhin. Jte- nate ist zumute, als liege das alles schon weit, weit Zurück. Sie begreift nicht, daß sie em paar glück­liche Tage so teuer bezahlen soll.

Nein ... Renate begreift das nicht ...

Aber der Mann vor ihr wird unruhig. (£r yar sine bestimmte Frage an sie Seichtet uiÄ erwar- ete darauf eine bestimmte Antwort. Es geht vi eicht um den Kopf eines Menschen ... war es nicht so ...? Sind wirklich alle Verbindungen nach 0inten abgerissen? Glimmt nicht noch irgendwo eine winzig kleine Hoffnung? Hundertmal hat sie es «chon laut vor sich hingesagt: er wußte, daß ich Renate Hammerkott bin, er wußte es, ledes D von ihm, jedes Lächeln, jeder Blick, sem Kuß, alle war eine einzige große Lüge, all fern Streben galt

August Winnig, der am 31. März das fünf» imdsechzigste Lebensjahr vollendet, kam aus dem " einfachen Volke und schloß sich früh der Gewerk- , | schaftsbewegung an. Als Maurer durchwanderte er Q | Deutschland von der Nordsee bis zu den Alpen. Mi - 6chon damals erkannte er die Notwendigkeit des '1 ganzen Einsatzes der Persönlichkeit für das Gemein- wohl; was ihn von den meisten seiner Kollegen unterschied, war die Tatsache, daß er mit Instinkt­sicherheit sich von allen internationalen Bestrebun­gen fernhielt und die Bindung an das eigene Volk als Selbstverständlichkeit forderte. Diese deutsche Gesinnung beendete seine politische Laufbahn (er mar zuletzt Oberpräsident von Dftpreufcen). Win­nig zog sich in die Stille seines Potsdamer Heims zurück, um in Büchern die Ernte eine^ reichen Lebens einzubringen. Aus diesen spricht derselbe lebendige unb aufrechte Mensch wie aus seinem früheren persönlichen Wirken. In den Büchern Frührot",Der weite Weg" undHeimkehr zieht er die bittere Bilanz aus Deutschlands traurigster Epoche. Als genauer Kenner des deutschen Arbei­ters zeigt sich Winnig in den SchriftenDie große Baugrube" undDer Arbeiter im Dritten Reich"; mit vollem Recht nannte man ihn' bereits damals

Religion I iffen an |

Mit einem dankbaren Blick ging sie hinaus.

Werner Hellingrath beeilte sich nicht. Er wußte, daß Renate jetzt aus dem Verhör kam und auf ihr Zimmer ging. Und er wollte nicht sehen, wie sie ihm auch jetzt wieder ausweichen würde. Es war ihm unfaßbar geblieben, warum sie es so erschüt­tert hatte, als sie hörte, daß er ihren Namen wußte. Warum nur? Ohne Terbrüggens Dazwischentreten hätte er ihr ja in den nächsten fünf Minuten ganz von selbst gesagt, roas/er wußte. Terbrüggens Be­schuldigung hatte sie anscheinend nicht so stark be­rührt, als dieses an sich doch so belanglos^ Wißen um ihren Namen. Aber ehe er mit ihr darüber sprechen konnte, mußte dieser unselige Zwischenfall geklärt sein. Mit einem solchen Verdacht beloben, konnte er nicht vor sie Eintreten.

Dann saß er dem Kommissar gegenüber.

Zunächst einige Fragen zur Vorgeschichte des Falles, Herr Doktor ..." hörte er den Beamten zu seiner Verwunderung sagen.Sett wann bestanden die Differenzen zwischen Ihnen und Herrn Mein- ders?"

Werner Hellingrath fuhr verblüfft auf. Diese Frage traf ihn wie ein Peitsch en schlag. Es war, als ob sie einen Schleier beiseite riß, der bisher über der Sache gelegen hatte. Mit einem Male er­kannte er die Gefahr, in der er schwebte, in ihrer ganzen Grüße. Natürlich ... der auf Meinders ge­schossen hatte, mußte sa wohl in Zwietracht mit ihm gelebt haben. Sehr gut ersonnen, aber auch ebenso falsch, verehrter Herr Kommissar!

Ich verkenne den Sinn dieser Frage durchaus nicht. Aber sie ist zwecklos. Zwischen Meinders und mir bestanden niemals Differenzen. Dazu hatten wir schon rein äußerlich zu wenig Berührungs­punkte."

Bärensprung machte eine unwillige Handbe­wegung, und seine Züge wurden härter.

Auf diese Weise werden wir nie zu einem Ziel kommen, Herr Doktor Hellingrath", sagte er grob. Diesen Hellingrath hatte er bisher für einen recht sympathischen Kerl gehalten, aber eine derartig«

nicht ihr, galt nur der Erbin von Hammerkott. Wie viele hundert Male wird sie es noch denken und sagen müssen, bis darunter endlich das Bild er­stickt, das sich eigenwillig immer wieder hervor­drängt, das sie nun enbgültig und für alle Zeiten vergessen muß. .

Er wußte es ... noch immer erscheint es ihr unfaßbar. Er wußte genau, was er tat Er ging geradewegs auf sein Ziel los. Was wog dagegen sein Angriff auf Meinders ... denn auch daran darf sie jetzt nicht mehr zweifeln.

Warum war er am Samstag so plötzlich zur Stelle, als sie mit Meinders nach Köln fahren wollte? Ein Konkurrent, den man aus dem Felde schlagen mußte. Nein ... auch darum gab es keinen Zweifel. Er hatte alle Möglichkeiten genau berech­net ... er wußte, worum es ging ...

Der Mann, der da vor ihr am Tisch sitzt, räuspert sich ungeduldig. Seine kühle Gelassenheit hat Gren­zen. Er ist von der Polizei und hat ein Recht, seine bohrenden Fragen zu stellen. Sie weiß es. Iekt wartet er auf Antwort, und es ist so schwer, diese Antwort zu finden, in Worte zu kleiden, vor frem­den Ohren auszusprechen. Und was sie jetzt sagen tonnte, es hat auch so wenig zu tun mit dem, was der Mann hier von ihr wissen will.

Nun ... Fräulein Hammerkott ..." mahnte die ungeduldige Stimme des Beamten und riß sie aus ihrem Staunen.Sie haben mir nicht geantwortet."

Nein ... ich kann nichts weiter sogen", stieß sie gequält und von einem tiefinneren Aufweinen ge­packt hervor.Ich weiß nichts mehr."

Kommissar Bärensprung hatte seine Erfahrungen und wußte, daß hier im Augenblick jede wettere Frage so ziemlich zwecklos sein würde. Das Mäd­chen mußte sich erst einmal beruhigen, erst zu sich selbst zurückfinden, ehe man mehr von ihr erfah­ren würde.

Ich danke Ihnen einstweilen, Fräulein Hammer­kott", sagte er unerwartet wohltuend. Und zu dem Mann an der Tür gewendet: ,^)err Dr. Hellingrath bitte. Er wartet sinken in der Vorhalle."

Auf Einladung des Gießener Vortragsringes Arbeitsgemeinschaft NSG.Kraft durch Freude", Goethe-Bund, Kulturelle Vereinigung sang Oscar Besemfelder, Bariton, alte deutsche Volks­lieder und Balladen zur Laute. Sein warm timbrier- tes, groß und füllig sich entfaltendes, in allen Lagen gleichermaßen tragfähiges und ausdrucksvolles Or­gan verschmilzt mtt dem begleitenden Lautenklang zu einer schönen Harmonie. Die gepflegte, klar artikulierende Naturstimme verbindet sich in Besem­felder mit Kunstverstand und ausgeprägtem Gefühl für die stilistische Eigenart des volkstümlich ge­wachsenen Liedes. Die Vortragsfolge, aus dem un­erschöpflichen Vorrat des alten deutschen Volks­liedergutes schöpfend, hatte die in sich charakteristische Auswahl in chronologisch und thematisch zusammen­gehörige Gruppen aufgeteilt. Lieder der Fahrenden vom Scheidelied ,^ch fahr dahin" aus dem be­rühmten Lochheimer Liederbuch (1452) bis zum äl­testen FuhrmannslledHüh, Schimmel, zieh" (1611) mit feiner ausdrucksvoll lautmalenden Instrumen­talbegleitung machten den Anfang und ließen mit Abschied, Liebe und Tod die für diese Gruppe rote für die volkstümliche Liedpoesie schlechthin charakteristischen Motive antlingen. Wohl die schönste und einheitlichste Folge, organisch aufgebaut und innerlich verbunden, bildete die Gruppe der Lieder aus dem 30jäbriaen Kriege mit den stim­mungsstarken Trommelreimen zum Fünfschlag, dem LandsknechtsliedUnser lieben Frauen von Kalten­bronnen" und dem WiegenliedHorch, Kind, horch .. ", dem einzigen Kunstliede des Programms (nach einem Text von Ricarda Huch). Sehr schön fügten sich dann die Lieder aus dem Osten zu­einander, Svinnstuben-, Schnitter- und Liebes­lieder aus Oftprenften und Memelland; einem lusti­gen masurischen Scherzliede schloß sich das heitere, textlich und musikalisch hübsch pointierte schlesische ßob des Bauernstandes" an. Den Beschluß bildete eine bunte Liederreihe. Hier fanden< sich die schwer­mütig sanften, echt und ursprünglich volkstümlichen LiebesliederDort oben auf jenem Berge" und

aufgebracht dazwischen.

Schr viel, Herr Hellingrach. Denn Sie roiffen auch, daß die Dame vorher Herrn Meinders ver­sprochen hatte, die Reise mit ihm zu machen. Glau­ben Sie nun wirklich, daß Herr Meinders Ihr Da« zwischentreten als einen Freundschaftsbeweis Ihrer­seits aufgefaht hat? Die Tatsache persönlicher Diffe­renzen liegt also klar auf der Hand, uni) ich be* greife nicht, warum Sie das abzustreiten versuchen. Ich möchte nun nur noch wissen, ob vorher schon irgendwelche Mißhelligkeiten zwischen Ihnen be­standen haben."

Werner lächelte trübe. Also so war das gemeint, dachte er vergrämt. lerbrüqgen hatte auch gut vorge arbeit et. Unwillkürlich fuhr er sich an den Hals, als fühle er schon die Schlinge, die eine widrige Hand ihm umgelegt und die lener andere hier zuzuziehen bemüht war.

Meine Beziehungen zu Herrn Meinders waren bisher nicht so, daß sie zu Zwistigkeiten führen konnten. Und auch der Vorfall vom Samstag ..

Bärensprung unterbrach ihn.

Wir werden hoffentlich Gelegenhett haben, auch Herrn'Meinders hierüber zu hören. So lange mutz ich mich mit der nun einmal feststehenden Tatsache begnügen, die Sie ja auch nicht in Abrede stellen können. Mer selbst wenn wir annehmen, daß Sie mit Meinders auf gutem Fuß standen, so bestanden andererseits doch recht erhebliche Mißhelllgkeiten bi Ihrem Verhältnis zu Terbrüggen, die schließlich zu der gestrigen Kündigung führten ..."

(Fortsetzung folgt)

An der tunesischen Front fand Divisionsgeneral Pizzo lato den Heldentod. Pizzoloto nahm be- retts am letzten Weltkrieg teil. Mafy längerem Ein­satz in Tripolltanien, Eritrea und der Cyrenoika wurde er 1938 Vizekommandeur der motorisierten DivisionTrento", später Kommandeur einer schnellen Division unbK im Februar 1941 einer Pcm- zerdimston. Dann übernahm er dos Kommando über die Lufttransportdivision ,La Spezia", ' er bis zu feinem Tode innehatte.

ist Husfong durch feine Leitartikel, Reiseberichte Rundsunkvorttäge und durch mehrere Bücher be-' Fannt geworden.

Im Rahmen der Heimkehraktion für internierte Reichsangehörige in Ueberfee sind 25 Reichs­deutsche ausSaudi-Arabien in Bari ein- getroffen, wo sie vom Botschaftsrat der deutschen Botschaft in Rom, Gesandten von Plessen, begrüßt wurden Sie werden demnächst die Heimreise nach Deutschland forffetzen.

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Der Königlich Ungarische Minister für Kultus und öffentlichen Unterricht Jenoe Merse von Szinye traf in der Relchshauptstadt zur Besichtigung von Einrichtungen des deuffchen Erzjehungs- und Bil- dlMdswesen em. Er wurde von Reichserziehunqs- mintfter Rust und Staatssekretär Zschintzsch be­grüßt.