Veranstaltungen der Kreisleitung Wetterau
zum 30. Januar 1943.
Anläßlich des 10. Zahrestages der TNachtergreisung der NSDAP. finden in Gießen folgende Veranstaltungen statt:
Am Sonntag, 3 1. Zanuar.11 Uhr:
politische Kundgebung der NSDAP.
im Gloriapalast.
Um 14.30. 16.45 und 1930 Uhr Filmvorführungen im Gloriapalast und
im Lichtspielhaus. Um 18.30 Uhr Vorstellung im Stadltheater.
Zu den Veranstaltungen in den Lichtspielhäusern und im Stadttheater ist der Eintritt gegen Vorzeigung der von den Ortsgruppen ausgegebenen Eintrittskarten frei.
Zu der politischen Kundgebung am Sonntagvormittag im Gloriapalast ist die Bevölkerung herzlich eingeladen. Eintritt frei.
Kranzniederlegung am Heldendenkmal.
Schlichte Zeier am zehnten Jahrestag der Machtübernahme.
Am heutigen Samstag. 30. Januar, vormittag, fand am Heloendenkrnal auf dem Landgraf-Philivp- Platz zu Gießen eine schlickte Feier anläßlich des 10. Jahrestages der Machtübernahme der NSDAP, statt. Zu dieser Feier hatten sich mit dem Hoheitsträger im Kreise Wetterau, Kreisltziter Oberbereichsleiter Backhaus, die Kreisamts- und Ortsgruppen- leiter, Politische Leiter, Einheiten der SA. und des NSKK., Abordnungen der Wehrmacht, Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden, der Polizei, des NS.-Reichskriegerbundes, vtzs Reichsluftschutzbundes und zahlreiche Volksgenossen eingefun« den.
Kreisleiter Backhaus hielt nach Entgegennahme der Meldung der Formationen eine kurze Ansprache, in der er einleitend daran erinnerte, daß heute vor zehn Jahren der Führer die Macht in Deutschland übernahm. Wir alle wüßten, wie viel in diesen Jahren in Deutschland geändert worden sei. Im Hinblick darauf hätten wir allen Anlaß gehabt, den heutigen Tag festlich zu begehen. Wenn wir aber an unsere tapferen Soldaten denken, die draußen an allen Fronten kämpfen, und besonders an die Kämpfer der 6. Armee in Stalingrad, die einen heldenhaften Kampf für die Freiheit des deutschen Volkes führen, dann geziemt es sich nicht, zu feiern. Deshalb wollen wir still aller Helden und Parteigenossen gedenken, die ihr Leben für Deutschland hingegeben haben. Die 16 Gefallenen vor der Feld-
herrnhalle waren die ersten Blutzeugen, denen die 400 SA.-Männer und Parteigenossen in der Kampfzeit der Bewegung als weitere Blutopfer folgten, die für die Idee des Führers alles geopfert haben. Wir gedenken aber auch der zwei Millionen Gefallenen des ersten Weltkrieges von 1914/18, die ebenfalls für die Freiheit des deutschen Volkes kämpft^i, und vor allem gedenken wir in Ehrfurcht auch der gefallenen Helden dieses Krieges. In dieses Gedenken schließen wir die alten Parteigenossen ein, die im letzten Jahre auf den Schlachtfeldern des Krieges gefallen oder an den Folgen ihrer Verwundungen im Kampfe für den Führer und die Freiheit unseres Volkes gestorben sind.
Sodann legte der Kreisleiter im Namen der Partei und ihrer Gliederungen einen Kranz am Heldendenkmal nieder mit dem Gelöbnis für alle Volksgenossen, es den gefallenen Helden aleichzutun im Einsatz für Führer und Volk und nicht eher zu ruhen, bis Deutschland vor den Bedrohungen durch seine Feinde gesichert und befreit ist.
Anschließend legte Oberst von Brinken im Namen der Wehrmacht ebenfalls einen Kranz am Denkmal nieder und gedachte dabei in dankbarer Erinnerung der Gefallenen, die für Deutschland ihr Leben gaben.
Während die SA.-Musik das Lied vom guten Kameraden spielte, ehrten die Teilnehmer der Feier die gefallenen Helden mit dem Deutschen Gruß.
Theater der Universitätsstadt Gießen.
Deutsch-italienischer Opernabend.
Die einaktige Oper „Die G e s ch w i st e r" von Ernst Meyerolbersleben, die hier bereits besprochen rocrben ist, war mit der Oper „D e r Weg durchs Fenster" von Riccardo Zan- d o n a i an einem Abend vereinigt, der dem deutsch- italienischen Opernschaffen der Gegenwart gewidmet war. — Zandonai ist uns hier in Gießen nicht mehr ganz unbekannt, hörten wir doch vor einer Reihe von Jahren sein „Andalusisches Konzert" für Cello als deutsche Uraufführung. Dieser nunmehr bald sechzigjährige Schuler Mascagnis ist, abgesehen von seinen reinen Orchesterwerken, zu einem maßgeblichen Bühnenkomponisten der heutigen Zeit geworden. Vielleicht liegt gerade auf dieser Ebene seine stärkste Befähigung:' eine Tatsache, die nicht allein durch biex namhafte Zahl seiner Opern, sondern auch durch ihren Erfolg bestätigt wird. Man kann bei den italienischen Musikern der jüngeren Generation kaum von einer Schule sprechen, vielmehr sind es meistens starke Individualitäten, die ihren eigenen Weg suchen und sich mit den Gegebenheiten der musikalischen Form ebenso wie mit den dramatischen Forderungen der Bühne mit persönlichen Zügen auseinandersetzen.
In seiner Oper „Der Weg durchs Fenster" erweist sich Zandonai als ein Musiker von flüssiger Inspiration, erfüllt von der aufwollenden Leidenschaft südlichen Temperaments. Jmpulsstark wird jede Szene zum plastischen Ausdruck, eng gebunden an Mimik und Geste, verankert in der Situation, gezeugt aus dem unmittelbaren Empfindungsausdruck des Wortes. Der Szene folgend, bewegt er
sich wohl im leichten Konversationston, findet aber Dann stets Ruhepunkte, in denen das Geschehnis sich lyrisch auszustrahlen vermag, wie etwa tn der Szene des Renato „O laß mich träumen!". Hier entwickelt Zandonai in formaler Geschlossenheit eine ausdrucksstarke melodische Linie, erfüllt mit Gesang- lichkeit im besten Sinne des Wortes; ebenso im Monolog der Gabriella zu Beginn des 2. Aufzuges. Zandonai knüpft bei feiner Formgebung gern an den Parallelismus der- Gedankenführung an und sichert sich so eine dem Ohr leicht eingängige Symmetrie. Aus dem Dialog heraus, aus dem Gegeneinander persönlicher Steuerungen läßt er pointierte Ensembles entstehen mit trefflicher Charakteristik in der motivischen Gestaltung wie auch in dem Echo des Orchesters. Besonders die drei Frauen fügen sich in beiden Auszügen zu außerordentlich wirksamen Terzetten. Gewiß ist das Orchester die klangliche Basis für das Aufblühen gesanglicher Melodik; aber ebenso greift es mit eigenen Lichtern m dos klangliche Geschehen ein und beleuchtet Personen wie Situationen.
Das Ganze unter der Spielleitung von Max Schwarze mar von einem feinsinnigen Humor durchsprüht, geistvoll, echt und unmittelbar. Die Lösung eines Ehekonfliktes, dem die Schwiegermutter Vorschub leistet, lichtet sich zur Versöhnung des Paares und gibt so eine Fülle musikalisch höchst ergiebiger Situationen. Diese wurden wach unter Otto Zöllners Leitung, mit Nachgiebigkeit und auch zündender Wendigkeit bei trefflichem Einsatz schönsten musikalischen Könnens an allen Pulten.
empfangen wurde. Auf einer Rundfahrt in Begleitung des Kreisleiters Backhaus und des Bürgermeisters Dr. Hill lernte der Gast dann die besonderen Sehenswürdigkeiten unserer Stadl kennen. Nack dem gemeinsamen Abendessen wohnte er in Begleitung des Kreisleiters Backhaus und eines Vertreters der Stadt dem deutsch-italienischen Opernabend im Theater bei, über dessen Verlauf er sich sehr befriedigt äußerte. Anschließend fuhr Vizekonsul Te° ruzzi nach Frankfurt zurück.
Keine Feldvostpäckchen Über 100 Gramm.
Der schwere Abwehrkampf im Osten macht es zur höchsten Pflicht aller militärischen und sonstigen Dienststellen, die Versorgung der Truppe vornehmlich mit den Gütern durchzusühren, die für den Kampf am notwendigsten gebraucht werden. Die Feldpostpäckchen über 100 Gramm haben bisher einen großen Transportraum benötigt. Um diesen Raum für Dersorgungsgüter der Truppe zusätzlich freizubekommen, werden Feldpostpäckchen über 100 Gramm, auch wenn sie mit Zulassungsmarten ver- sehen sind, bis zum 31.3.1943 nicht mehr angenommen und befördert. Die Beförderung der bereits aufgegebenen Feldpostpäckchen wird durchge- führt.
Vorsicht beim Betreten der Fahrbahn in der Dunkelheit.
Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei und die Reichsarbeitsgemeinschaft Schaden- verhutung geben bekannt: Die Fahrbahn dient dem Fahrzeugverkehr! Trotzdem verlassen sich viele Fußgänger beim Betreten der Fahrbayn mehr oder weniger daraus, daß die Fahrzeugführer sie recht- zeitig bemerken und ihre Fahrweise danach einrichten. Dieses Verhalten ist bei Tage rücksichtslos, bei Dunkelheit außerdem äußerst gefährlich. Der Fußgänger bedenkt dabei nicht, daß der Fahrzeugführer ihn bei abgedunkelten Scheinwerfern erst sehr spät und schwer wahrnehmen kann. Er selbst aber kann bei einiger Aufmerksamkeit schon aus größerer Entfernung erkennen, wenn fich ein Fahrzeug nähert. Wenn der Fußgänger sich diese Tatsache einmal klarmachen und sein Verhalten stets danach einrichten würde, ließen sich zahlreiche Ver- 'kehrsunfälle mit ihren meist schweren Folgen vermeiden.
An die Fußgänger ergeht daher nochmals die dringende Mahnung, bei Dunkelheit im Straßenverkehr besonders vorsichtig zu fein. Betretet die Fahrbann erst, wenn ihr euch oavon überzeugt habt, daß sich kein Fahrzeug nähert! Schaut erst nach links und bann nach rechts!
Gießener Wochenmarktpreise
* Gießen, 30. Jan. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, V> kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 8, Wirsing, % kg 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 13, Zwiebeln 15, Lauch 20, Sellerie 20, Feld- salat, Vio 8 Rpf.
Von der Börse.
Stagnierende Aktienmärkte.
Frankfurt a. M., 29. Jan. In ber Berichts» Periode prägte sich an den Aktienmärkten zunehmende Stagnation aus. Material ist so gut wie gar nicht mehr vorhanden, so daß die Nachfrage nach Aktien auf fast völlig leere Märkte stieß. Die Zahl der Kursstreichungen stieg daher von Tag zu Tag, selbst in Standardpapieren kamen oftmals Notierungen nicht zustande. Soweit Material aus bem Ausgleichsfonds zur Verfügung gestellt wurde, kam es zu starken Repartierungen. Soweit Kurse genannt werden konnten, waren diese eher leicht befestigt, nennenswerte Veränderungen traten jedoch nicht ein. Am Einheitsmarkt kamen von heimi- scheu Werten Moenus mit Kursgewinn von insgesamt 4 v. H. zur Notiz, auch Frankfurter Bankaktien erholten sich bis 106, wobei Rationierungen Dorgeiwmmen werden mußten. Grün & Bilfinger wenig verändert, um 180, Holtmann mit 185,25 um knapp 1 v. H. fester, ebenso Lahmeyer, die wieder auf 163,65 anziehen konnten. Täglich notiert bei allerdings bescheidenen Umsätzen waren Scheideanstalt und VDM. zu unverändert 200 bzw. 160. Von den wenigen Werten, die weiterhin notiert werden konnten, waren Aschaffenburger Buntp. mit 124,75 um 1,25 v. H. heraufgesetzt, nach Pause kamen auch Chemische Albert mit 163 unverändert zur Wiedernotierung.
Auch am Rentenmarkt war die Umsatztätigkeit verhältnismäßig gering, da der Pfandbriefmarkt ohne nennenswertes Material blieb, so daß die Nachfrage sich mehr auf die weiterhin ausgegebenen 3,50 v. H. Reichsschatzanweisungen von 1942 Folge IV erstreckte.
AUF MÖNCKEBER6
ist det "Teufel los.
ROMAN VON OLAF BOUTERWECK
28 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Axel brauchte kaum eine Viertelstunde, um sich zw waschen und umzukleiden: aber als er bann bie Treppe herunterkam unb bie schöne, geräumige holzgetäfelte Halle betrat, mußte er zu seiner lieber» raschung feststellen, baß Sigrid mit dem Umkleiden noch schneller fertig geworben war als er.
Sie trug ein Abendkleid aus dunkler Seide, das Arme und Schultern freiließ. Als einzigen Schmuck trug sie um den Hals ein dünnes Goldkettchen mit einem großen Aquamarin unb einen bazu passenden goldenen Armreif.
Sie sieht schöner aus als je! dachte Axel, während er langsam näherkam unb sehr scharf den jungen Mann musterte, mit bem Sigrid sich schon eifrig unterhielt.
Der junge Mann machte einen durchaus gescheiten unb sehr angenehmen Eindruck. An den zahlreichen Schmissen in feinem braungebrannten Gesicht ernannte Axel, daß er den angehenden Mediziner Frank Duderstädt vor sich hatte.
Sigrid machte bie Herren miteinander bekannt: aber bie Begrüßung fiel etwas steif,unb förmlich aus. Frank Duderstädt, ber eben noch so fröhlich geplaudert hatte, wurde plötzlich sehr frostig unb einsilbig. Mit dem seinen Geübl des Liebenden mit« terte er in Axel sofort einen Nebenbuhler, bem ein gütiges Geschick offenbar bie Anlagen mitgegeben hatte, die ein Mann brauchte, um ihn — Frank — vollends aus bem Herzen Sigrids zu verdrängen. Unb als Frank hörte, daß die beiden sich sogar mit ihren Domamen anrebeten, wurde er jählings bleich, und aus feinen Augen blitzte offene Feindseligkeit.
Axel, sonst stets sehr höflich und liebenswürdig.
verhielt sich Frank gegenüber zunächst zurückhaltend unb abroartenb; denn insgeheim glaubte er immer noch baran, baß Frank bei ben grausigen Geschehnissen der letzten Tage irgendwie seine Hand im Spiel gehabt habe.
Unter diesen Umständen mar es nicht weiter verwunderlich, daß sich zwischen ben drei jungen Menschen halb eine starke Spannung einstellte. Obwohl Siarid sich die erdenkl'chste Muhe gab, heiter und ungezwungen zu scheinen, schleppte bas Gespräch sich träge und ohne rechte Wärme hin, und alle begrüßten es dankbar, als nach einigen Minuten Jutta in ihrer temperamentvollen Art die Treppen herab» kam.
Sie hatte offenbar alles getan, um noch schöner zu erscheinen, als sie ohnehin schon war. Dabei war sich selbst ein so erfahrener Frauenkenner wie Arel durchaus im unklaren, ob sie Puder unb Lippenstift gebraucht hatte. Wenn sie es getan hatte, bann war sie ohne Zweifel trotz ihrer Jugend eine Meisterin im Gebrauch kosmetischer Mittel. Die blendende Weiße ihrer Haut wurde noch mehr betont durch eine dunkelrote Rose, bie sie an dem tiefen Ausschnitt ihres Abendkleides befestigt hatte. In ber linken Hand trug sie ein rot gebunbenes Buch.
Nachdem sie Sigrid und Axel begrüßt hatte, trat sie zu Frank, stellte sich auf bie Zehenspitzen unb gab ihm einen Kuß auf seine narbenbedeckte Wange: „Na, Herr Vetter, immer noch so bärbeißig?"
„Wer — ich —?" fragte Frank gedehnt. Er stieß ein kurzes, zorniges Lachen aus „Du irrst dich, Jutta! Ich bin heute sogar bei glänzender Laune!"
„3a, bas hört man unb sieht man dir an!" er- roiberte Jutta lachenb. Dann brehte sie sich mit einer jungenhaften Bewegung um unb trat dicht vor Axel hin:
„Lieber Herr Holm, Sie haben mir versprochen, etwas in meinen Band Ihres letzten Romans zu schreiben! Hier ist das Buch, und damit Sie keine Ausflüchte machen können, habe ich Ihnen auch gleich meine Füllfeder mitgebracht."
Es blieb Axel nichts übrig, als mit ein paar freundlich-harmlosen Worten sich zu verewigen. Jutta zeigte helles Entzücken über diese bescheidene Gabe.
In diesem Augenblick kam ihr Vater in Beglei- tung eines jungen Mannes die Treppe herunter.
Gusttow schob ben jungen Mann in ben Vorbergrund und erklärte in seiner lebhaften Art:
„Gestatten Sie, meine Herrschaften, daß ich Sie mit Herrn Brand bekannt mache. Herr Brand ist Bibliothekar: er hat feit gestern bie undankbare Aufgabe übernommen, etwas Ordnung in das tolle Durcheinander meiner Bibliothek zu bringen. Ein Vorhaben, das allerhand Zähigkeit voraussetzt."
Im Gegensatz zu den anderen Herren, bie im Smoking waren, trug Brand einen dunkelblauen Kamm- garnanzug. Er war etwa fünfundzwanzig Jahre alt; sein offenes, kluges Gesicht unb fein bescheidenes Auftreten erweckten sofort freundliche Empfindungen. Seine dunkle Hornbrille war das einzige Merkmal, bas ben geistigen Arbeiter anbeutete, denn baß er bei seinem Beruf nicht zum schwächlichen Stubenhocker geworden war, ließen sein sonngebräuntes Gesicht, die breiten Schultern unb ber kräftige Händedruck erkennen, mit dSm er jeden einzelnen begrüßte.
Güstrow rieb sich vergnügt bie Hänbe.
„So, meine Herschaften, dann wären wir ja vollzählig. Wenn es Ihnen recht ist, versammeln wir uns jetzt zu löblichem Tun unb gehen sofort zu Tisch. Ich persönlich habe einen Hunger — na! Ich hoffe bloß, es geht Ihnen auch so!"
„Aber Pa!" rief Jutta vorwurfsvoll, „wollen wir benn nicht noch auf Herrn Lertzeck warten?"
„Nein, Lertzeck mußt ihr schon entschuldigen!" fiel Frank ein. „Dem armen Kerl geht's heute leider gar nicht gut Er hatte vor einer Stunde achtund- bre'ßig Komma fünf Temperatur, unb beshalb ist es für ihn wirklich am besten, wenn er mal im Bett bleibt."
*
Einige Zett später, als Justus eben den Nachtisch c.uftrug, fragte Güstrow wie beifällig;
„Sagen Sie mal, Justus, was macht benn eigentlich unser Schloßgespenst? Hat es sich inzwischen wieder einmal bemerkbar gemacht? Geklopft ober gepoltert?"
„Jawohl, Herr Güstrow, gestern abend!"
„Was — schon wieder? Na, bas ist ja geradezu toll!" rief der Hausherr überrascht.
„Erzählen Sie doch mal, Justus!" drängte Jutta neugierig. „Haben Sie das Gespenst selbst gesehen? Hatte es wieder seinen Kopf vergessen?"
Justus trat einen Schritt zurück und sagte in seiner zwar gewähtten unb klaren, aber auch etwas umstärcklichen Ausdrucksweise:
„Ich bebaure sehr, gnäbiges ^Fräulein, Ihre Fragen nicht so ausführlich beantworten zu können, wie ich es gern möchte: benn meine Wahrnehmungen waren lebiglich geräuschvoller unb nicht sichtbarer Art. Gestern abenb gegen elf Uhr ertönten im Keller wieder die schon bekannten Klopfgeräusche: ich teilte meine Wahrnehmungen sofort Herrn Brand mit, und ich hatte die Ehre, Herrn Brand in den Keller begleiten zu dürfen."
„Ja, aber als wir ben Keller betraten, hörte bas Klopfen auf", fiel Branb lebhaft ein. „Ich wollte ben Keller sofort durchsuchen, aber leiber versagte das elektrische Licht. Später mußte ich bann die überraschende Feststellung machen, baß irgend jemand die Sicherungen ber elektrischen Leitung herausgeschraubt hatte!"
„Allerhand, nicht wahr?" brummte ber Hausherr kopfschüttelnd. Er schien auf seinen Schloßgeist richtig stolz zu sein.
„Na, ganz so kopflos scheint mir dieses kovslose Gespenst doch nicht zu sein!" meinte Axel lachend. „Mit den Errungenschaften unserer heutigen Technik scheint es jedenfalls ziemlich vertraut zu sein! Unb vorsichtig ist es wohl auch."
Er wandte sich an Frank: „Haben Sie bas geheimnisvolle Klopsen gestern abenb auch gehört, Herr Duderstädt?"
Fortsetzung folgt.).
Eine unversöhnliche Schwiegermutter, vermeintliche Wahrerin der Rechte ihrer Tochter, gab Barbara Boettcher als Marchesa, scharf ausgeprägt in Geste und Haltung, fast fanatisch in ihrem Elfer, typisch charakteristisch im gesanglichen Akzent. — Eine springlebendige Giovanna stellte mit gewohnter Sicherheit Lisel Schröter-Beckers bar. — Tief im lyrischen Empfinden und Durchleben der fraulichen Seele ließ Gabriele Possinke die Gabriella lebensvoll erstehen, schön in der gesanglichen Entfaltung. — Als Renato erfüllte diesmal Adolf Richter vollauf die Erwartungen, die man von Anfang an auf ihn gefetzt hatte: mit strahlendem Tenor und äußerst schmiegsamem Eingehen 'in Durchfühlen der Kantilene. — Ein prächtiger Oheim, ein wohlwollender, wissender Helfer und Beistand seines Neffen war Ludwig D r u s ch e l mit leuchtender artikulierter Stimme. Der Chor unter Carl Willy Hahn hatte die Aufgabe, das Milieu der Bühne zu vertiefen: die Bühnenbilder von Karl Löffler waren sttlecht und prachtvoll gegliedert.
Die Hörerschaft war sofort gefangen unb bezeugte das mit starkem Beifall. Unter ben Gästen sah man auch ben Italienischen Dizekonsul aus Frankfurt a.M.
Dr. Hermann Hering.
G. A-Epori.
Oer unversiegbare Strom.
Von Reichssportführer von Tschammer und Osten.
Wäre heute Frieden, so würde sich ber Sport in feiner ganzen Breite und mit allen seinen guten Kräften zeigen, er würde zum 30. Januar 1943 einen der Marksteine errichten, .um seinen Teil des Weges anzuzeigen, den wir in diesen zehn Jahren auf dem Marsch zum „Volk in Leibesübungen" bisher zurückgelegt haben, das Ziel noch vor Augen, das der Führer mir und uns aufgerichtet hat, als er den Auftrag erteilte, die Leibesübungen des deutschen Voltes auf nationalsozialistischer Basis auszurichten.
Der Krieg versagt uns eine solche Manifestierung mit den uns sonst eigenen Mitteln: denn der bei weitem größte Teil der Männer, die der Leibes- Übung anhängen, sind zu anderer Darstellung auf= gerufen, als der der sportlichen Leistung. Was Theode rich an Boethius schrieb, jenes oft zitierte „sit ergo pro res publica et cum ludere videmur“ („also dürfte es dem Daterlande frommen, auch wenn mir zu spielen scheinen...") hat seine letzte und wesentlichste Probe zu bestehen gehabt, und der Sport wiese es heute am ehesten nach, daß er falsche Wege ging, wenn er in der Lage wäre, im vierten Kriegsjahr dieses über Sein ober Nichtsein der Nation unb Europas entscheidenden Krieges sich mit seinen besten Kräften und in seinen glanzvollsten Aeußerun- gen zu zeigen.
Noch waren wir bei weitem nicht am Ziel, als die Waffen sprechen mußten, aber Fundament unb Planung waren fertig, und wir hatten alle Kräfte gerufen unb geweckt, bie nun das Werk weiterführen und vielleicht auch schon vollenden sollten. Die Fahnen, die bei den großen deutschen Festen ber Leibesübung von Stuttgart unb Breslau und über der olympischen Feier des Jahres 19.36 wehten, mag mart so als Nickst feste beuten, nicht aber als ein genügsames Verweilen am Ziel ober auf bem Gipfel. Wir wissen es gut, was noch zu tun war, welche großen Ausgaben noch zu erfüllen waren, und wir haben ufls nach ben Stunden ber Feier immer wieder an die Arbeit begeben, die sich im wesentlichen dort abspielt, wo nicht gerade gewaltige Menschenmassen als Zuschauer dabei sind. Das große Heer der Leibestüchtigen wird nicht vom Zllfchauer hargestellt, vielmehr ergibt sich dieser Heerbann aus anderen Komponenten. Es ist ber unversiegbare Strom, der aus der Jugend heraus, selbst vom Kleinkind her immer wieder in unseren Bereich müribet, und der — auch das ist noch eines der noch nicht vollends erreichten Ziele — auch nicht zu früh versiegen soll, bis eben zu jenem Ziel „Volk in Leibesübungen", das sicher nicht zum Rekord im üblichen Sinne herange,züchtet werden soll, wohl aber zu einer Hochleistung, die Glück unb Kraft unb Genügen aus dem unerschöpflichen Born der Leibesübungen bezieht.
In solchem Sinne waren wir Unruhmacher und nimmermüde Künder, unb wenn sich in der Leibesübung manche Formen in diesen nun vergangenen zehn Jahren geändert haben, wenn sich manche alte Tradition zugunsten des neuen Weges in ber Form aufgab, weil sie nicht Alleingut bes einen oder anderen Verbandes sein konnte, wenn manches Morsche entfernt und manches Neue geformt wurde: bei allen Gutwilligen haben wir Hilfe und getreue Mitarbeit gefunden, so daß der gute Kern erhalten und gepflegt, das neue Gedankengut gemehrt und gestärkt wurde, und wir find nicht müde geworden, jenem Ziele zuzustreben, das uns der Führer aufgerichtet hat. So wollen wir es auch weiter halten.


