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Xten Botschafters soll eine totale Aufhebung der Zollsperren Aschen beiden Ländern nicht vorgesehen sein. Er selber plädiere auf eine Dauer von zehn Jahren, wahrend chilenische Beamte für eine 40- bJ/hk ^^schastsvertrages eintreten,

bcr..£e betber Lander ergänzen soll bei

gegenseitiger Interessen", n^n 7^m n942 aum2i^ellhnicn Waren im Werte ^l^l0n^n Golbpesos ein und exportierte dafür Gegenwerte von rund 60 Millionen Gold­pesos nach Argentinien.

Roosevelt will Kanada besuchen.

S1 1 m ' 27 ®,aL (Guropapreß.) Nach

«ner Meldung vonStockholms Irbningen" aus DHama wird Roosevelt demnächst Kanada einen Besuch abstatten. Der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King habe nach seiner Rückkehr au* Washington die Reise des nordamerikanischen Prä­sidenten angekundigt, aber hinzugefüat, daß der genaue Zeitpunkt noch md)t feststehe, da Roosevelt im Augenblick noch von anderen wichtigen Aufgaben m Anspruch genommen werde. z

Verschärfte polizeikontrolle in Teheran.

. ?? 7 ° ° ,27 Mai. sEuropapreß.s In Teheran

ver neue Militargouverneur Mohammed Hussein Abldi Pascha einen Aufruf an die Bevölkerung er­lassen. Darin weist er darauf hin, daß er Anlaß habe, die militärischen Maßnahmen zu verschärfen 'Er werde keine vom Ausland kommende Agitation dulden und gegen die Urheber schärfste Maßnahmen treffen. Er kündigte die Vorverlegung des Ausgeh­verbots von 22 Uhr auf 20 Uhr bis 6 Uhr an und verbietet das Zusammenstehen von mehr als drei Personen auf der Straße.

Kleine politische Rachrichten.

...Der Führer hat dem König von Afghanistan an. läßlich des afghanischen Unabhängigkeitstages tele­graphisch seine Glückwünsche übermittelt.

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Am Mittwoch erschien die Protektoratsregierung beim ständigen Vertreter des Reichsprotektorats Staatssekretärs ---Gruppenführer Frank, um ihm einen zum ersten Jahrestag des Attentats auf ---Obergruppenführer Heydrich an das tschechische Volk gerichteten Regierungsaufruf zur Kenntnis zu bnngen. Staatssekretär Frank gab Erläuterungen zur politischen Entwicklung seit dem Tage des At­tentats. Die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben des Protektorats im Rahmen der totalen Krieg­führung wurden gleichfalls eingehend erörtert.

In Berlin hat eine Tagung des deutschen und bulgarischen Negierungsausschusses für die Wirt­schaftsbeziehungen stattgefunden, bei der die gegen­seitigen Lieferungen bis zum 1. Oktober 1943 sist- gelegt wurden., Außerd-em wurde vereinbart, daß die Ausfuhrpreise beider Länder keine Steigerungen erfahren sollen.

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Konteradmiral Glaßford wird als persönlicher Vertreter Präsident Roosevelts im Rang eines Mi­nisters nach Dakar gehen als Leiter der USA.-Mis- sion mit der Aufgabeeiner Koordination und Be­aufsichtigung der nordamerikanischen Interessen Französisch-Westafrikas". Vertreter der britischen Interessen in Französisch-Westafrika ist Lord Swin­ton.

AeueMitgüederdesVo'ksgenchtShofes

Der Führer hat auf Vorschlag des Reichsmini- sters der Justiz zu e h r e n ckrn t 1 i ch e n Mit­gliedern des Volksgerichtshofes für die Kriegs­dauer bestellt: Admiral 3. 23". von N 0 rdeck , Gauhauptstellenleiter I h m e l s , Gaustellenleiter K 0 h l 0 f f, Gauamtsleiter W a ch h 0 l z , Gau­hauptstellenleiter Bartens, Ortsgruppenleiter Winter, Ortsgruppenleiter Vahlberg, Orts­gruppenleiter Kelch, Ortsgruppenleiter Fried­rich, Kreisgeschäftsführex Bach, Kreisorganisa­tionsleiter W e r n e ck e . Kreisorganisationsleiter Diestel, Kreisschulung leckes Brunner, Ge­bietsführer Dr. M 0 k a und Hauptbannführer K l e e b e r g, sämtlich in Berlin.

Mozart-Preis für Historiker.

Der Mozart-Preis der Jahann-Wolfgang-Goethe- Stiftung.wird in diesem Jahr durch die Reichsuni­versität Graz an zwei verdiente Geschichtsforscher der Gaue Steiermark und Kärnten verliehen, an Prof. Dr. Hans P i r ch e g g e r, dessen dreibändige Geschichte der Steiermark" ein grundlegendes Werk der Heimatforschung darstellt und an den Gaukon­servator Martin Wuhte.

Die Beschaffung von"

!«

ohnraum.

Letzte Fristen für die Meldepflicht.

Aus der Statt Gießen.

Abschied

Mein Rad hieß Hilde.Hilde?" werden Sie fragen,warum gerade Hilde? Außerdem ist das Rad doch sächlich/' So? Da muß ich Sie einiges wiederfragen. Also: heißt es nicht auch das Fräu­lein und wollen Sie etwa behaupten, das sei etwas Sächliches? Ich kann mir wenigstens nichts Weiblicheres vorstellen. Zweitens: Kann man einem solchen Geschöpf wie einem Rad vielleicht einen männlichen Namen geben? Ha, ha! Das ist ja geradezu zum Lachen! SReine Hilde war treu, ge­duldig, immer bereit und für mich da, schimpfte nie sind das vielleicht Eigenschaften, die beim Manne zu finden sind? Also!

Wenn ich mein Rad in irgendeiner Straße hin­stellte, sagte ich: 'So, Hilde, nun warte schön, bis ich wiederkomme." Hilde lehnte sich ohne Wider­spruch an den Zaun und wartete. Nur neulich ein­mal, in** einer einsamen Straße weit draußen, wo ich die Hausnummer erst suchen mußte und mich ein ganzes Stück von ihr entfernte, sah ich, als ich mich nach ihr umdrehte, daß Hilde sich auch nach mir umgedreht hatte und die Änkslangenarme sehn­süchtig nach mir ausstreckte. So rührend klein und verlassen stand sie da, daß ich am liebsten gleich 3U ihr zurückgelaUfen wäre. Wenn ich aber wieder­um, bann sagte ich zu ihr:Fein, Hilde, daß du 1° schon gewartet hast, nun geht's aber heim in den Stall."

Wieviel lange und kurze Straßen, wieviel glatte und holperige haben wir zusammen befahren! Wie oft sind wir den Schiffenberger Weg hinunter­gesaust, wenn der Gegenwind sang, und in uns fang es auch und golden und grün lag der Wald und die Wiesen vor uns und Gießen', die Stadt mit den ragenden Kirchtürmen und den blauen Bergen im Hintergrund.

Und nun? Nun ist alles vorbei. Hilde kann nicht mehr mit mir fahren, denn sie hat nichls mehr anzuziehen: ihr Mantel ist kaputt gegangen, und es gibt- leider noch keine Punktkarte' für ein Rad- fräulein. Deshalb heißt es nun: Abschied nehmen! Aber müssen wir uns nicht oft von etwas trennen, dem Gebot der Stunde folgend, was uns in langen Jahre lieb und wert und fast unenlbehrlich ge­worden ist? E.L.St.

Lieder-Abend Ludwig Oruschel.

Welch ein starkes Verlangen nach Gesangsmusik bei den Hörern vorhanden ist, bezeugte der überaus starke Besuch des Lieder-Abends von Ludwig Dru- I ch e l. Er hat sich mit seiner hiesigen Wirksamkeit eine große Anhängerschgft gewonnen, und wenn man während des Konzertes duf den Gesichtern der ein= -'.einen Hörer zu lesen verstand, so waren inneres Mitgehen und echte Begeisterung unverkennbar. Ludwig Druschels Liederoortrag findet seine Grund­lagen vornehmlich im Gesanglich-Musikalischen. Sein in allen Lagen "gefügiges Organ ist ihm hier ein willfähriges Künbungsmittel. Mit dem sich öffnen­den freiströmenden r-timmklang erschließt sich die Gefühlswelt des Liedes in Unmittelbarkeit und Natürlichkeit ohne Reflektion. So wie das Lied ursprünglich sich geben will, so wendet er sich mit ihm an den Hörer: ein frisches Aus-sich-Heraus- singen, ohne Ueberspitzung des Vortrags und frei von gewollter Hintergrundbeziehung. Dieser, seiner persönlichen Eigenart und seinem Typus entspre­chenden Veranlagung gemäß trifft er seine Aus­wahl für die Vortragsfolge. Nicht das Fernablie­gende, sondern das im Allgemeinempfinden Ruhende zieht er heran.

JN-die Welt des Frühlingserlebens führte Druschel mit S ch u m a n n sFrühlingsgruß" ein; hingebend, innig erfaßt, aus sich heraus sprechend. Damit war die Basis für den Gefühlsschwung derFrühlings­nacht" gegeben. Als. ein Intermezzo von eigenem Reiz erstand MozartsVeilchen", und der Len- jesjubd fand seinen Höhepunkt in Hugo Wolfs Er iftV'. Die zweite Gruppe, Liebeslieder von Franz Schubert, rpußle ebenso die wechselnde Gefühlslage in den allgemeinen Ausdruckskreis eiu,zubeziehen: der schlichteBlumenbrief", das sehn­suchtsstarkeDie Liebe hat gelogen", das werbende Ständchen mit seiner schwingenden Linie und das quellendeIch schnitt es gern in alle Rinden ein" mit dem 'weiten Entfaltungsbogen des Schlusses. Sinnige Heiterkeit war das Motto für weitere Gaben. Den seinen Humor in BeethovensDer KuI" ließ Druschel durch das Erleben aus dem Szenischen heraus plastisch Gestalt gewinnen. Das bestätigte auch dasVergebliche Ständchen" von

NSG. Nach der Wohnraumlenkungsoerordnung vom 27. 2. 1943 obliegt den Gemeinden nunmehr die gerechte Verteilung freiwerdendcr oder neu zu schaf­fender Wehnungen anbevorrechtigte"- oderbe- günstigte" Bewerber. Die Verordnung bestimmt im einzelnen, wer alsbevorrechtigt" oderbegünstigt" gilt. Die städtischen Wohnungsämter und die Bürger- gerrneisterämter geben weitere Auskunft.

Um den Gemeinden möglichst viele Wohnungen neu zuführen zu können, hat der Gauleiter als Gau- wohnungskommissar eine Ueberprüfung der zweckentfremdeten Wohnungen ungeord­net, mit dem Ziel, eine möglichst große Zahl von Wohnungen, die heute von Verwaltung, Wirtschaft, Partei oder Wehrmacht belegt sind, für Wohnzwecke zurückzugewinnen. Die Meldetermine der Haus­eigentümer (ober deren Verwalter) sind inzwischen abgelaufen; die Nachprüfung ist im Gange. Zu melden waren (wie mehrfach vekanntgemacht wurde> alle ursprünglich für Wohnzwecke bestimmten Räume, die heute anderweitig genutzt werden. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß auch solche Räume meldepflichtig sind, die schon vor langen Jahren ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet wurden. Für die Meldepflicht ist es,unerheblich, ob der Betrieb läuft ober zur Zeit ruht, und ob er kriegswichtig iit usw. (Eine ehemalige Wohnung, in der sich heute eine Anwalts- ober Arztpraxis befindet, ist genau so meldepflichtig wie eine Wohnung, in der heute eine Näh-, Tanz- und Sprachschule oder dergleichen, ein Museüm, eine Versicherungsagentur odeq ein son­stiger Büro- oder Verwaltungsbetrieb untergebracht iit. Die Nachprüfung wird ergeben, ob die Beibe­haltung derZweckentfremdung" vertretbar ist und genehmigt werden kann. Für zurückgewonnene Woh­nungen werden nötigenfalls Ersatz'räume zur Ver­fügung gestellt.

Wer infolge irrtümlicher Auslegung öer Bestim­mungen die fristgemäße Meldung unterlassen hat, muß diese umgehend unter Darlegung der Gründe für die verspätete Meldung nachholen. Nach dem 1.6; 1943 wird der Gauwohnungskommissar von den Strafbestimmungen der Wöhnraumlen- kungsoerordnung Gebrauch machen.

Dasselbe gilt für die Anmeldung von Dop­pelwohnungen, wofür die Frist ebenfalls ab- gelaufen ist. Meldepflichtig waren alle Wohnungen jeher Größe, die eine eigene Kochstelle besitzen, und die auch im Winter bewohnbar sind. Die Zahl

Brahms mit den inneren Gegensätzlichkeiten der einzelnen Strophen. Neckisch in seiner Wortton-An­schaulichkeit war Hugo WolfsMausfallensprüch­lein". Robert Schumanns unvergänglichesWander­lied" atmete Lebensmut und Lebenserwartung.

Untermalend, den musikalischen Untergrund des Gesanglichen umreißend und Stütze gebend, wirkte Otto Zöllner am Flügel. Das Haus ließ sich zu stärkstem Beifall hinreißen.

Dr. Hermann Hering.

Vorkämpfer des völkischen Gedankens tagten in Gießen.

Dieser Tage trafen sich zahlreiche Vorkämpfer des völkischen Gedankens in Oberhessen in unserer Stadt, um gemeinsam mit dem für kurze Zeit in Gießen weilenden alten Gefährten im Kampf gegen das Judentum, dem Ministerprä'sibenten a. D., Reichs- wanberfuhrer Professor Dr. Ferbinanb Werner (jetzt in Breslau) einige Stunden zu verleben. Die alten Antisemiten trafen sich imSchipkapaß" und waren .nicht nur aus der Stadt Gießen, sondern auch aus zahlreichen Orten des Landkreises Gießen und der anderen oberheffifchen Kreise, zum Teil so­gar aus dem Vogelsberg und aus der Wetterau, ge­kommen.

Der langjährige Kampfgefährte, Postinspekior a. D. Lucas (Gießen), begrüßte die alten Kameraden, etwa 100 an der Zahl, und insbesondere Professor Werner mit herzlichen Worten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die alten Mitstreiter wieder einmal in Gießen vereint seien. Dann wurde der seit der vorigen Zusammenkunft verstorbenen Kameraden gedacht und insbesondere das Andenken des am Tage der Zusammenkunft verstorbenen Ka­meraden Bauer Konrad H a n a ck (Watzenborn- Steinberg) geehrt, dem als Zeichen des treuen und dankbaren Gedenkens als letzter Gruß ein Kranz gewidmet wurde. Postinspektor Lucas rief in sil­

berartiger Wohnungen ist nur gering. Die Inhaber derartiger Wohnungen werben demnächst gefragt werben, welche Wohnung als Haupt- und welche als Nebenwohnung angesehen wirb. Wenn nicht befon« bere kriegswichtige Gründe für die Beibehaltung einer zweiten Wohnung geltenb gemacht, werben können, muß erwartet werden, daß bie Abgabe oder Untervermietung ohne Anwendung behörd­licher Zwangsmittel möglich ist.

Weiterhin hat die Wohnraumlenkungsoerord- nung eine Meldepflicht für selbständige Wohnungen von Einzelpersonen vc r- !ügt. Auch diese Frist ist inzwischen abgelaufen. Nachzügler sind auch hierbei spätestens bis 1.6.43 straffrei. Meldepflichtig ist jede selbständige möblierte ober unmöblierte Wohnung, einerlei, ob sich Unter­mieter ober Untermieterfamilien darin befinden ober nicht.

Es ist nicht beabsichtigt, kleine Wohnungen von Einzelpersonen in Anspruch zu nehmen. Von den all einft eh enden Inhaber n größerer Wohnungen dagegen muß erwartet werden, daß sie durch Aufnahme von Untermietern, insbe­sondere von Kleinfarni/ien und jungen Eheleuten, bie Wohnungsnot lindern helfen. Behördlicher Zwang soll auch hierbei möglichst vermieden werden. So­fern durch Neueinrichtung von Küchen oder Koch­stellen, Einziehung von Wänden und sonstige kleine Umbauten Aufwendungen erforderlich sind, kann eine Reichsbeihilfe bis zu 75 v. H. der Kosten in Anspruch genommen werden. Anträge sind an die Gemeinde zu richten.

Eine weitere Quelle für die Beschaffung neuer Wohnungen soll durch Um- und A u s b a u m a fi­nal) m e n i n Dachgeschossen usw. erschlossen werden. Hierzu gehören auch die Teilung von Groß- wohnungen und der Umbau von ungenügend ge­nutzten gewerblichen Räumen, soweit diese sich mit geringem Aufwand zu. Wohnungen Herrichten lassen. Auch hierbei übernimmt das Reich bis zu 75 v. H. der Kosten. Anträge sind an die Gemeind: n zu richten. Zunächst werden nur solche Bauvor­haben genehmigt, die nicht auf bie Zuteilung von kontingentierten- Baumaterialien (Holz unb Eisen) angewiesen finb. Eine Verstärkung ber Um« und Ausbaumaßnahmen ist vorgesehen, sobald es der vordringliche Bedarf ber Rüstungswirtschaft an Ar­beitskräften unb Material zuläßt.

ner Einführungsansprache noch manches genieinfame Erleben im Kampf gegen das Judentum in unserer engeren Heimat in bie Erinnerung zurück.

Dann sprach, von den Versammelten lebhaft.de- grüßt, Professor Dr. Ferdinand ® e r n e r ju seinen altbewährten Kameraden der antisemitischen Kampf­front. Weiter sprachen noch der bekannte Landwirt Bommersheim (Langsdorf), Thomas Reu- t e r (Fechenheim) und noch manche andere anti­semitische Kämpen aus dem gemeinsamen Marsch der früheren Jahre, die alle miteinander jene Zeit des politischen Kampfes vor dem geistigen Auge wieder lebendig werden ließen.

Professor Dr. Stoecker (Marburg) berichtete sehr interessante Einzelheiten aus dem antifemiti» schen Kampf in Wien zur Zeit des früheren Wiener Bürgermeisters Dr. Lueger. Schmiedemeifter Ernst Döring aus Marburg machte u. a. die Mittet- lung, daß in Marburg eine Erinnerungsstätte an den hervorragenden Vorkämpfer ber antisemitischen Bewegung in Oberhessin. Dr. Otto Pöckel im Werden begriffen ist. Diese Erinnerungsstätte unb ein ebenfalls in Marburg befindlichesDr.-Böckel- Archiv" soslen die (Erinnerung an diesen Mann wach­halten und vor allem darauf Hinweisen, daß Otto Böckel im Jahre 1887 als erster deutscher Antisemit in den Reichstag gewählt wurde. Die Erinnerungs­stätte wird aus einer Vorhalle, einem Zimmer für die NSDAP., zwei. Zimmern für die (Erinnerung^, stücke an Otto Böcke! unb einem Schreib- und einem Arbeitszimmer bestehen unb nach Kriegsende feier­lich ihrer Bestimmung übergeben werden können: das entsprechende wertvolle Material befindet sich bis dahin in guter Sicherheit.

Die Stadt Berlin hat das Andenken des auf­rechten Vorkämpfers gegen die Judenschaft dadurch feftgel) alten, daß sie einer Straße den Namen Böckel-Straße" verliehen hat. Dr. Otto Böckel, bet in feiner Marburger Zeit und während seiner Tä­tigkeit in Oberhessen allenthalben die ländlichen Men-

HMMöHÄnzMch

Novelle von Theodor Storm

17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wieb war aufgestanden und hatte sich bescheiden an bie Tür gestellt; ihre Augen sahen angstvoll auf die beiden hin.

Aber Hans Kirch saß wie ein totes Bild; sein jahrelang angefammelter Groll ließ ihn nicht los; denn erst jetzt, nach diesem Wiedersehen mit dem Heimgekehrten, war in der grauen Zukunft keine Hoffnung mehr für ihn.Geht!" sagte er endlich, unb seine Stimme klang so hart wie früher,mag er geheißen haben, wie er will, der diesmal unter meinem Dach geschlafen hat; mein Heinz hat schon vor siebzehn Jahren mich verlassen."

*

Für fremde-Augen mochte es immerhin den An­schein .haben, als ob Hans Kirch auch jetzt noch in gewohnter Weisi feinen mancherlei Geschäften nach­gehe; in Wirklichkeit aber hatte er das Steuer mehr und mehr in bie Hanb des jüngeren Teilhabers ber Firma übergehen lassen; auch aus dem städrischen Kollegium war er, zur stillen-Befriedigung einiger ruheliebender Mitglieder, seit kurzer Zeit geschieden; es drängte ihn nicht mehr, in den Gang der kleinen Welt, welche sich um ihn her bewegte, einzugreifen.

Seit wieder die ersten scharfen Frühlingslüste wehten, konnte man ihn oft auf ber Bank vor sei­nem Hause sitzen sehen, trotz seiner jetzt fast weiyen Haare als alter Schiffer ohne jede Kopfbedeckung. Eines Morgens kam ein noch weißerer Mann die Straße hier herab und fetzte sich, nachdem er nähergetreten mar, ohne weiteres an seine ^eite. Es war ein früherer Oekonom des Armenhauses, mit örm er als Stadtverordneter einst manches zu ver­handeln gehabt hatte; btr Mann war spater in gleicher Stellung an einen anderen Ort gekommen, etzt aber zurückgekehrt, um hier in seiner Voter- tabt seinen Alterspfennig zu- verzehren. Es schien ihn nicht zu stören, daß das Antlitz semes früheren Vorgesetzten ihn keineswegs willkommen hreß; er wollte ja nur plaudern, und er tat es um Jo reich­

licher, je weniger er unterbrochen wurde; und eben jetzt geriet er an einen Stoff, der unerschöpflicher als jeder andere schien. 5)ans Kirch hatte Unglück mit den Leuten, die noch weißer als er selber waren; wo sie von Heinz sprechen sollten, da sprachen sie von sich selber, uüd wo sie von allem andern spre­chen konnten, da sprachen sie von Heinz. Er wurde unruhig und suchte mit schroffen Worten abzu­wehren; aber der geschwätzige Greis schien nichts davon zu merken.Ja, ja; du mein lieber Herrgott!" fuhr er fort, behaglich in seinem Redestrom weiter schwimmend,der Hasselfritze und der Heinz, wenn ich an die beiden Jungen denke, wie sie sich einmal die großen Anker in die Arme brannten! Ihr H?inz, ich hörte wohl, der mußte vor dem Doktor liegen; den Hasselfritze aber hab' ich selber mit dem Hassri­stock kuriert."

Er lachte ganz vergnüglich über fein munteres Wortspiel; Hans Kirch aber war plötzlich aufgestan­den unb sah mit offenem Munde gar grimmig auf ihn herab.Wenn Er wieder schwatzen will, Fritz Peters", sagte er, »Jo suche Er sich eine andere Bank; da drüben bei dem jungen Doktor steht just eine nagelneue!"

Er war ins Haus gegangen unb wanderte in sei­nem Zimmer hin und wider; immer tiefer sank sein Kops zur Brust hinab, bann aber erhob er ihn all­mählich wieder. Was hatte er denn eigentlich vorhin erfahren? Daß der Hasselfritze ebenfalls das Anker­zeichen hätte haben müssen? Was war's denn weiter? Welchen Gast er von einem Sonntag bis zum andern ober ein paar Tage noch länger bei sich beherbergt hatte, darüber brauchte ihn fein anderer aufzuklären.

Und auch dieser Tag ging vorüber, und die dann kamen, nahmen ihren gleichmäßigen Verlauf. Im Oberhause wurde ein Kind geboren; ber Großvater frug, ob es ein Junge sei; es mar ein Mädchen, und er sprach bann nicht mehr darüber.- Aber was hätte es ihm auch geholfen, wenn es ein künftiger Christian ober günstigenfalls ein Hans Martens ge­wesen wäre! Nur die Unruhe, die jetzt oft nächtens über feinem Kopfe in dem Schlafzimmer des jungen Paares herrschte, störte ihn.

Eines Abends, da es schon Herbst geworden es jährte sich gerade mit der Abreise seines Sohnes . war Hans Kirch wie gewöhnlich mit dem Schlage zehn, in seine nach der Hofseite belegene Schlaf-

fammer getreten. Es war die Zeit der Aeguinoktial- ftürme, und hier«hinaus hörte man die ganze Ge­walt des Wetters; bald heulte es in den obersten Luftschichten, bald fuhr es herab und tobte gegen bie kleinen Fensterscheiben. Hans Kirch hatte, seine silberne Taschenuhr hervorgezogen, um sie, wie jeden Abend, aufzuziehen; aber er stand noch immer mit dem Schlüssel in ber Hand, hinaushorchenb in die wilde Nacht.

Das Balken- und Sparrenwerk bes neuen Daches krachte, als ob es aus den Fugen solle; aber er härteres nicht; seine Gedanken fuhren draußen mit dem Sturm.Südsüdwest!" murmelte er vor sich hin, während er den Uhrschlüssil in die Tasche steckte und die Uhr unaufgezogen über seinem Bette an den Haken hing. Wer setzt auf See war, hatte keine Zeit zum Schlafen; aber er war ja seit lange nicht mehr auf See; er wollte schlafen, wie er es bei manchem Sturm hier schon getan hatte; die Stürme tarnen ja allemal im Aeguinoktium, er hatte sie so manches Mal gehört.

Aber es mußte heute noch etwas anderes dabei fein; Stunden waren schon vergangen, und noch immer lag er wach in seinen Kissen. Ihm war, als könne er Hunderte von Meilen weit hinaushorchen nach einem klippenvollen Küstenwasser des Mittel­ländischen Meeres, das er in feiner Jugend als Ma­trose einst befahren hatte; und als endlich ihm die Augen zugefallen waren, riß er gleich darauf mit Gewalt-sich wieder empor; denn gayz deutlich hatte er ein Schiff gesehen, ein Voll schiff mit gebrochenen Masten, das von turmhohen Wellen auf unb ab ge­schleudert mürbe. Er suchte sich völlig zu ermuntern, aber wieder drückte es ihm die Augen zu, unb wiederum erkannte er bas Schiff; beutliif) sah er zwi­schen Bugspriet-^ und Vorbersteoen-^ bie Gallion'«, eine weiße, mächtige Fortuna, halb in ber schäumen­den Flut versinken, bald wieder stolz emportauchen, als ob sie Schiff und Mannschaft über Wasser halten wolle. Dann plötzlich hörte er einen Krach; er fuhr jäh empor und sand sich aufrecht in seinem Bette sitzend.

Alles um ihn her war still, er hörte nichts; er

24 Der Mast am Vorderteil des Schiffes. 25 Ste­ven ist der Schiffsschnabel. Der Ausbau am Vorderteil des Schiffes, oft mit Figuren verziert.

wollte sich besinnen, ob es nicht eben vorher noch laut gestürmt habe; da überfiel es ihn, als sei er nicht allein in seiner Kammer; er stützte beide Hände auf die Bettkanten und riß weit die Augen auf. Und da war cs, dort in der Ecke stand fein Heinz; bas Gesicht sah er nicht, denn ber Kopf war gesenkt, unb bie Haare, die von Wasser trieften, hingen über bie Stirn herab; aber er erkannte ihn bennoch woran, das wußte er nicht und frug er sich auch nicht. Auch von den Kleidern und von b?n herab- hängenden Armen troff das Wässer; es floß immer mehr herab und bildete einen breiten Strom nach seinem Bette zu.

Hans Kirch wollte rufen, aber er saß wie gelähmt mit seinen aufgcstemmten Armen; endlich brach ein lauter Schrei aus seiner Brust, unb gleich darauf auch hörte er es über sich in ber Schlafkammcr der jungen Leute poltern, und auch den Sturm hörte er wieder, wie er grimmig an den Pfosten seines Hau­ses rüttelte.

Als bald danach sein Sck)wiegersohn mit Licht her. eintrat, fand dieser ihn in seinen Kissen zusammen- gesunken.Wir hörten Euch schreien", frug er,was ist Euch, Vater?"

Der Alte sah starr nach jener Ecke.Er ist tot", sagte er,weit von hier."

Wer ist tot, Vater? Wen meint Ihr! Meint Ihr Eueren Heinz?"

Der Alte nickte.Das Wasser", sagte er;geh da fort, du stehst ja mitten in dem Wasser!"

Der Jüngere fuhr mit dem Lichte gegen den Fuß. buben:Hier ist kein Wasser, Vater, Ihr habt nur schwer geträumt."

Du bist kein Seemann, Christian; was weißt du baoon!" sagte ber Alte heftig.Aber ich weiß es, so kommen unsere Toten."

Soll ich Euch" Lina schicken, Vater?" frug Chri­stian Martens wieder.

Nein, nein, sie soll bei ihrem Kinde bltiben; gch nur, laß mich allein!"

Der Schwiegersohn war mit dem Lichte fortge­gangen, und Hans Kirch saß im Dunkeln wieder aufrecht in feinem Bette; er streckte zitternd die Arme nach jener Ecke, wo eben noch sein Heinz ge­standen hatte; er wollte ihn noch einmal sehen, aber er sah vergebens in undurchdringliche Finsternis.

(Schluß folgt.)