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Tatsache, daß die Sowjets in diesem Winter trotz gewisser Erfolge weit hinter ihren Zielen zurückge­blieben sind und daß Japan mit jenem Tag fester das von ihm beherrschte Riesengebiet in die Hand bekommt. Es bleibt weiter die höchst gravierende Tatsache bestehen, daß trotz eines gewaltigen Auf­wandes an britischen Kommentaren jene 5 Prozent, über die man nach einer Aeußerung Roosevelts bei dem Besuche Edens in Washington nicht einig wer­den konnte, die ernstesten Probleme des britischen Weltreiches umfassen.

Wenn das WortEinigkeit" in bezug auf die ge­genseitigen Beziehungen der drei gegnerischen Mächte fällt Tschungking-Ehina kommt ja ernsthaft nicht in Frage, so durfte auch dem in weltpolitischen Fragen ungeübtesten Briten auffallen, daß von England bei den sowjetisch-nordamerikanischen Part­nern überhaupt nicht die Rede ist. Einig ist man sich in England und Nordamerika darüber, daß Eu­ropa den Bolschewisten als Preis überlassen werden müsse. Das ist aber nur die Oberfläche der Dinge, soweit sie die Briten betreffen, hinter die ein ein­ziger Satz derUnited States News" leuchtet: Er lautet:Wenn Deutschland vernichtet ist, werden die Sowjetunion in der östlichen und die USA. in der wMichen Hemisphäre herrschen." Abgesehen davon, daß diesesProgramm" ein Wunschtraum ist, aus das ebenfalls das Kommunique der Zusammenkunft zwischen Führer und Duce die richtige Antwort gibt, so hat man in England doch begriffen, worum es geht. Man versucht daher in der Downingstreet dem alten Traum folgend gerade an den Brennpunkten dieser bereits im voraus verteilten Erbschaft eifrig im Trüben zu fischen, also im ara­bischen Raum, in Afrika und an jenen Nahtstellen des Empires, tüie durch Iran und den Persischen

Golf sowie das hinterindisch-chinesische Grenzgebiet gebildet werden.

Hier aber aeigt sich gerade, daß die heimliche nordamerikanisch-sowjetische Konkurrenz nach Kräf­te bemüht ist, sich gegenseitig den Rang abzulaufen, und daß Englund dabei ins Hintertreffen gerät. In Sinkiang beispielsweise, das nach dem Willen Wa­shingtons bei der Versorgung TschuyIkings eine be­deutsame Rolle spielen soll, gibt es bereits 17 USA.- Flugplätze, und alle Auseinandersetzungen und Ver­einbarungen in diesem Gebiet werden zwischen den Sowjets und den Yankees getroffen, während von den Briten, die in dieser weltpolitisch stets fieber- schwangeren Provinz früher erfolgreich alten zaristi­schen Machtträumen und Wünschen entgegentraten, überhaupt nicht mehr die Rede ist. Das gleiche läßt sich von Iran und dem Persischen Golf sogen, und in Aegypten ergibt sich, im großen gesehen, das aleiche Bild der Verdrängung des britischen Ein­flusses zugunsten des eifrigen Machtstreben der USA. und der nicht minder eifrigen offenen oder heimlichen sowjetischen Rivalität.

Während England eine Machtposition nach der anderen verliert, werden an diesen Brennpunkten die Rivalitäten zwischen Moskau und Washington sichtbar. Daß man im Weißen Hause den Wunsch hat, diese Tatsachen mit allen Mitteln zu verheim­lichen, kann man begreifen, nicht aber, daß Eng­land den vergänglichen Traum träumt, angesichts der Erfolge und der Siegesgewißheit der Mächte des Dreierpaktes auch noch zwischen diesen Mühl­steinen derBundesgenossen" die alte Machtstellung zu bewahren. Das ist keine Realpolitik mehr, son­dern Optimismus aus Schwäche. Die Weltge­schichte wird erweisen, daß dieser britische Traum der letzte des Empires war. Bkn.

Auch der zweite Angriff gegen die tunesische Front gescheitert.

Ötr Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem FührerhauptquarNer, 27. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Von der Ostfront wird beiderseitige Späh- uad Stoßtrupptätigkeit. gemeldet.

Auch der zweite Abschnitt des britisch-nordameri- kanischen Großangriffs gegen die tunesische $ t o n t ist an dem Abwehrwillen der deutsch-ita­lienischen Truppen gescheitert. Am gestrigen Tage führte der Feind nur vereinzelte heftige Vorstöße und Angriffe. Sie wurden zum Teil im Gegenstoß abgewiesen.

3n der Zelt vom 20. bis 26.April wurden 193 feindliche Panzer durch Verbände des Heeres und der Luftwaffe vernichtet oder bewe­gungsunfähig geschossen. Die blutigen Verluste des Feindes sind schwer.

Vei den schweren Abwehrkämpfen haben sich die italienischen Divisionen Pistoia und Trteste besonders bewährt. 3n treuer Waffen­brüderschaft mit dey dort eingesetzten deutschen Ver­bänden wiesen sie zahlreiche mit großer Ueber- macht geführte feindliche Angriffe blutig ab.

Britische Bomber griffen in der vergangenen Rächt einige Orte in W e st d e u t s chl a n d an, dar­unter die Städte Duisburg, Oberhausen und Mül­heim. Wohnviertel, Krankenhäuser und andere öffentliche Gebäude wurden getroffen. Die Bevölke­rung hatte Verluste Mindestens 16 der feindlichen Flugzeuge wurden abgeschosfen.

11 Bntenbomber abgeschossen.

Berlin, 27. April. (DNB.) Nach der nunmehr vorliegenden abschließenden Mettnmgen wurden bei dem britischen Bombenangriff auf westdeutsches .Gebiet in der Nacht zum Dienstag insgesamt 17 'feindliche Bomber zum Absturz gebracht.

Lustkampf bei Noworossijsk.

Bon Kriegsberichter Peter Tiemarm.

PK. Ein östlicher Himmel. Blaßblau ist fein fern- hoch sich wölbendes Zelt, durchsichtig und fein wie Seide. Wo tm Westen sein Saum die Erde berührt, Lämmern die späten Schatten der Nacht wie dunkle ziehende Schleier. Vor uns aber hat sich glühend rot die Sonne in den Morgen gehoben und rollt nun als grellweiß blendender Ball in der seidenen Kuppel empor.

Das Schwarze Meer liegt da als ob eines Goldschmiedes feine Hand eine kupferne Fläche ge­hämmert hätte. Man kann die Bewegungen oer wellenden Dünung aus der Raubvogelferne des hohen Fluges längst nicht mehr erkennen. Sie scheint wie erstarrt. Doch auf den Kämmen der dünischen Rücken bricht sich im gleißenden Flimmer das Licht. Der Kuban-Brückenkopf, die Halbinsel Taman, halb Wasser, halb Land, von schwärenden Sümpfen durchzogene Steppe, verschluchtet von Riffen, rinnsaldurchfurcht, sind dem Soldaten ein Land harter Kämpfe.

Und zwischen Wasser und Himmel und Land zieht unser Stuka-Verband, andere gleichstarke Ver­bände umrahmen sein starres Gefüge, und steuern zum gleichen Ziele wie wir, dem Brückenkopf der Bolschewisten bei Noworossijsk.

Von jäh abfallenden Tälern durchzogen, ziehen sich dort die Höhen empor, auf deutscher wie auf so­wjetischer Seite, und getarnt im Geröll der bewal­deten Kuppen stehen ihre und unsere Geschütze. Wir

sahen das Blitzen aus den Rohren der sowjetischen Batterien. Wir sahen die deutschen Sturmgeschütze am Fuß eines Höhenrückens zum Angriff angetre­ten. Dann stießen die Motorenschnauzen der vielen Stukas nach unten. Flugzeug auf Flugzeug raste in steilem Sturz und zog seine Bomben lösend in enger Biege ad. Und ehe sich -der emporjagende Qualm aus den Detonationen der zuletzt geworfe­nen Bomben träge über den Wald dahin schlepp end verzogen hat, kriechen, speienden Hexen gleich, die bere'itgefteUten deutschen Sturmgeschütze die Hänge hinan. Wie die wilde Jagd rast ein Schwarm 'Schlachtflieger im Tiefflug über die sowjetischen Stellungen hin, um mit dem Hämmern seiner Bord­waffen allem, was noch lebt, den Rest zu geben.

In engem Verband ziehen die Stukas auf Heimat- fürs, von den begleitenden Jägern wachsam um­kreist. Ich sehe, wie sich hinter einen Stukaverband seitlich von uns ein Pulk sowjetischer Jäger gehängt, hat, der aber vorläufig keine Anstalten macht, anzü- gretfen, sondern nur die deutschen Jäger zum An­griff reizen will. Wenn sich unsere Jäger im Kurbel­kampf mit einigen der Bolschewisten einlassen, wol­len sich die übrigen auf d en seines'Jagdschutzes ent­blößten, Stukaverband stürzen. Aber unsere Jäger lassen sich nicht verleiten. Ruhig umkreisen sie ihren Verband. Als aber dann zwei feindliche Jäger, die aus dem Pulk der übrigen hervorbrechen, um an der Flanke des Verbandes einen Angriff zu wagen, in

Vorm Bücherschrank.

Von Herbert Günther.

Im März sollte ich sechs Jahre alt werden. Am Weihnachtsfest davor schenkten mir meine Eltern zum ersten Male ein Buch. Ich besitze es heute noch. Es war damals natürlichHerzblättchens Zeitver­treib". Ich habe es zärtlich geliebt. Mein zweites Buch bekam ich ein Jahr darauf, es hießBuben­streiche und Schelmereien", und das dritte sogar erst zum achten Geburtstag, Helene StöcklsNach der Schule". Zum neunten Geburtstag gab es schon fünf Bücher und darunter eins, das wohl noch Gene­rationen nach mir an ihrem neunten Geburtstag auf dem Tische vorgefunden haben: Christoph von SchmidsErzählungen".

Es blieb einige Zeit dabei, daß Bücher nur zu Weihnachten und am Geburtstag geschenkt wur­den, allerdings waren es dafür iyuner mehrere, und zum zehnten Geburtstag kam das erste ganz literarische: Liliencrons .Kriegsnovellen". Es folg­ten WildenbruchsKindertränen", KügelgensJu­genderinnerungen eines alten Mannes", Leanders Träumereien an französischen Kaminen", der Zwölfjährige wurde von plötzlicher Rosegger-Leiden­schaft gepackt, und am Abend meines dreizehnten Geburtstages besaß ich 50 Bücher. Das Sechzigste war ScheffelsEkkehard". Ich numerierte und da­tierte sie alle, und bann legte ich eine Lifte an mit der stolzen Ueberfdjrift:Meine Bibliothek".

Nun, ich lief noch zur Schule, als es wirklich eine ganz stattliche Bibliothek geworden war. Als Pri­maner konnte ich eines Tages die Nummer 1000 in einen Band schreiben, und ich weiß noch jetzt, daß ich mir eine Wollust daraus bereitete, es kein besonderes Prunkstück sein zu lassen, sondern ein kleines durchschnittliches Büchlein, eine schlichte Anekdotensammlung über Gottfried Keller: ein ver­sierter Liebhaber ging über das (heimlich langer­

sehnte) Jpbiläum hinweg sachlich zum nächsten Tausend über.

Wenn ich heute, aus immer drängenderem Raum­mangel, sichte, finde ich unter den damaligen An­schaffungen nicht sehr viel, was zurückzustellen wäre. Und das Entbehrliche kam auch nicht etwa zustande, weil mich vielleicht Zahlenkoller erfaßte und ich wahllos Bücher zusammengetragen hätte, gute und schleckte. Zahlenkoller trat nur selten bei mir auf und bann weniger blind als listig. Wenn ich näm­lich plötzlich den unadweislichen Drang fühlte, meine Bücherei um einige Exemplare vermehrt zu sehen, ohne im Augenblick in der Lage zu sein, sie zu er­stehen, fing ich an, gegen meine Ueberzeugung und unter sophistischen Beschwichtigungen inneren Pro­testes, eine Anzalst alter Scharteken mitzuzählen, die ich gelegentlich bei Trödlern und Antiquaren aufstöberte, und zwar nur ihres schönen Druckes und Schweinslederbandes wegen. Oder ich ließ Zeit­schriftenjahrgänge binden und hatte auch so wieder einigeNummern" mehr. Doch das sind Tücken eines schon früh, wenn auch dafür nur vorüber­gehend getrübten Sammlerhirnes; schweigen wir davon.

Nein, das heute Ueberflüssige entstand auf an­dere Weise. Mit 13 Jahren hatte ich zu schreiben begonnen, und mit 15 wuchs mir der Mut, meine Kunstwerke Nichtsahnenden ins Haus zu schicken, die das Pech hatten, zu meinen Lieblingsdichtern ZU gehören. Tadelte nun so ein Unglücklicher in ehrlicher Befolgung meiner Bitte um schonungslose Beurteilung, so waren die Buchhandlungen 'sicher davor, seine Bücher von mir noch weiter verlangt zu hören. Ich will nicht sagen, daß ich ihm geradezu grollte, aber mir schien, Strafe müsse sein: ich sah keinen Anlaß, die Arbeiten eines Autors zu lesen und damit zu verbreiten, der meine eigenen Pro­dukte in so schnöder, unkollegialer Weise'behandelte. Lobte er aber, so standen seinem Verleger festliche Tage bevor. Ich ruhte nicht eher, als bis ich alles von ihm befaß, was irgend erreichbar war, und lag das Erscheinen auch 40 Jahre zurück. In Leip-

Schwere Gefahr für die Zivilisation."

Oer portugiesische Ministerpräsident gegen den Kommunismus.

Lissabon, 28. April. (Europapreß.)Der Kommunismus ist in meinen Augen das größte menschliche Problem aller Zei­ten", erklärte der portugiesische Ministerpräsident Oliveira S a l a z a r am Dienstagabend in einer Rundfunkansprache an die portugiesische Nation. Dieses Problem berühre alle Grundsätze der Mensch­heit und schließe deshalb schwere Gefahren für d i e Zivilisation in sich ein.

Während Salazar den Kommunismus schärf- ftens ablehnte, betonte er gleichzeitig die por­tugiesische Neutralität im gegenwärtigen Weltkonflikt. Besonders unterstrich Salazar dann die gemeinsame portugiesisch-spanische Freundschafts­politik, die zu dem sogenannten ,?Peninsularen Block" geführt habe. Salazar bezeichnete als sicher, daß dieser Krieg eine neue Ordnung mit sich brin­gen würde. Neue Ideen gärten überall.

Ueberstaatliche Organisationen in der Nachkriegs­zeit für Portugal lehnte Salazar ab. Die Tatsache, daß die Kriege aus Konflikten zwischen Nationen entstehen, verführe vielfach dazu, ein Heilmittel in der übernationalen oder weltweiten Organisatton zu sehen.Es ist jedoch meine aufrichtige Ueber­zeugung", erklärte der portugiesische Ministerpräsi­dent,daß der Mensch des 20. Jahrhunderts noch nicht dazu befähigt ist, die Probleme der Welt auf anderem Wege als über die nationalen freien und unabhängigen Existenzen zu lösen."

Salazar wies dayn auf die Verpflichtung hin.

die für Portugal in Anbetracht feiner Geschichte für die Erhaltung seines Kolonialbesitzes entstehe und erinnerte an die Grundsätze der Un trenn- barkeit Portugals und seines U e b er* seebesitzes.

Nach der Schilderung der zahllosen Erfolge, die die nationale Revolution bei der Lösung der por­tugiesischen Probleme erzielt habe, warnte Salazar seine Landsleute jedoch vor einer Überschätzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Portugals:Wir sind ein armes Land, das nicht mehr anstreben kann als die Würde eines bescheidenen Lebens." Die Besiedlung der reichen, ausge­dehnten Kolonien" bezeichnete Salazar gleichzeitig als das Heilmittel für die bedrohliche Ueberoölferung des Mutterlandes.

Sowjetspione in Schweden verhaftet.

Stockholm, 28. April. (DNB.) Die Staats­anwaltschaft verhaftete am Dienstag zwei schwedische Staatsangehörige wegen Spionage. Beide waren in einem größeren Industrieunter­nehmen in Stockholm angestellt. Sie haben sich dort bei ihrer Arbeit geheime Informationen über die Produktion für die schwedische Wehrmacht ver­schafft. Diese Informationen haben sie dem schon früher wegen Spionage verhafteten Ingenieur Karl Henrik Hultin ausgehändigt. Letzterer hat von einem Staatsangehörigen der Sowjetunion den Aufttag erhalten, Informationen über die Pro­duktion der schwedischen Industrie zu beschaffen.

den Feuerbereich unserer Jäger kommen, sitzen chnen plötzlich auch unsere Jäger im Rücken. In kurzer Steige ziehen die Bolschewisten" hoch, um plötzlich in wahnsinnig steiler Biege abwärts zu kurven, und ehe man noch begriffen hat, daß das nicht mehr Flug ist, sondern unerbittlicher Sturz zur erbar­mungslos harten Erde, sieht man zwei breite Rauch­schleppen hinter den beiden abgeschossenen Maschinen zu dünnen Fäden werden, die in hochstechenden Bränden der zerschellenden Flugzeuge enden. Es waren Airacopra, neueste amerikanische JagdeiU- sitzer.

Die Sonne steht auf mittäglicher Höhe. Zum drit­te nm dl an diesem Tage greifen die Stukas sowje­tische Stellungen am Brückenkopf von Noworossijsk an. Doch nicht.'mehr auf den jähen Höhenzug, dem am Morgen ihre Bomben gatten, stürzen sie; tief im dahinterttegenden Tal müssen sie aus rasendem Sturz ihre Flugzeuge ab fangen. Denn soweit haben die deutschen Grenadiere in den Morgenstunden die sowjetische Front zurückgetrieben. Als der Verband abzieht, ragen über ihnen zu beiden Seiten die Berge wie Mauern auf.

Den Westen färbt sinkendes Rot. Am dunstigen Horizont verschwistert sich der Himmel in rauchigem Violett mit dem opal schillernden Meer. Wir kehren vom letzten Feindslug des siegreichen Tages zurück. Im ersten Licht des Tages aber werden wieder die vielen Stukas über den Bergen und Schluchten sein. Und wieder werden sie niederjagen, und wieder werden im Dröhnen der Bomben die Grenadiere zum Sturm antreten und werden stürmen, genau so wie heute»

Moskau bricht mit den polnischen Emigranten

Berlin, 27. April. (DNB.) Die sowjetische Nachrichtenagentur Taß gab bekannt, daß am 25.4. Außenkommissar Molotow dem Vertreter des polnischen Emigrantenchefs Sikorski in Moskau eine Note der Sow jetregierun g übergeben habe, derzufolge die Regierung der UdSSR, be­schlossen habe, die Beziehungen mit den polnischen Emigranten in London' abzubrechen.

»

Die Machthaber des Kreml sind über die pol­nischen Emigranten in London wegen ihres Ver­haltens zu dem scheußlichen bolschewistischen Ver­brechen von Katyn sehr erbost und haben nun die Beziehungen zu den polnischen Emigranten abge­brochen. Dieser häusliche Streit interessiert zwar die außenstehende Welt nicht, wenngleich sie voller Grauen den Anlaß, die entsetzliche, bestialische Blut­tat von Katyn, auf das schärfste verurteilt. Die Wett dürfte aber nicht ohne innere Anteilnahme das Ver­halten Englands in diesem Falle verfolgen und die entsprechenden Schlußfolgerungen daraus ziehen. Gerade das Verhalten Englands im Falle dieses Zwistes hat gezeigt, daß England nicht imstande und nicht willens ist, den kleinen Völkern zu helfen

und daß es an ihnen den gleichen Verrat zu be­gehen bereit ist wie an ganz Europa. Man muß sich daran erinnern, daß England d:n Krieg be­gonnen hat, weil es um jeden Preis das deutsche Danzig bei den Polen wissen und weil es die polnische Integrität um jeden Preis verteidigen wollte. Heute erlebt nun die ganze Welt, daß Eng­land an sich diese Integritäten gänzlich gleichgültig sind und daß es um den Preis der moskowitischen Waffenhilfe die Völker in Bausch und Bogen verrät.

London durch LlGA.-Besetzung

-er Ellice-Znseln überrascht.

Lis s a b o n, 27. April. (Europapreß.) In Lon­don hat man von der Besetzung der britischen Ellice- Jnseln im Südwestpazifik durch die USA. mit Er­staunen Kenntnis genommen. Die Tatsache von der Besetzung der Inselgruppe durch die Nordameri­kaner wurde erst dadurch bekannt, daß das Marine- . departement in Washington von einem japani- scheu Luftangriff auf Nordamerika- Nische Stellungen auf der größten Insel die­ser Gruppe meldete. London war von Washington bisher über die Besetzung nicht informiert. Die Ellice-Jnseln liegen östlich der Salomonen­gruppe, auf halbem Wege Mischen Australien und Hawaii.

Sudanesen widersehen sich der Zwangsrekrutierung

Mailand, 27.April. (Europapreß.) Aus dem Sudan meldet die italienische Presse ernste Zwi­schenfälle, da sich die Eingeborenenbeoölkerung der Zwcmgsaushebung widersetzt. In Omdur'man kam es zu einem Auf stand, den britische Polizei mit der Waffe unterdrückte. Fünf Eingeborene wurden dabei getötet. Bisher wurden durch die Engländer im Sudan 35 000 Bauern und Handarbeiter zwangsweiseangeworben". Es herrscht daher gro­ßer Mangel an Arbeitskräften für die bevorstehende Baumwollernte.

Nahrungsmittel in den !1SA. wichtiger als Gummi.

Lissabon, 27. April. (Europapreß.) Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Nahrungsmitteln werden die in Südkalifornien für den An­bau des Guayule-Strauches vorgesehenen umfang5 reicken Ländereien ihren früheren Eigentümern zum Anbau lebenswichtiger Nahrungsmittel wieder über­lassen, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des USA.-Landwirtschaftoministers W i ck a r d und des Gummidirektors Jeffers. Es handele sich dabei ausschließlich um erstklassiges Farmland, das, falls es mit Guayule bepflanzt würde, nicht vor 1945 Naturgummi bringen könnte.

Winterroggen imZuidersee".

Amsterdam, 27.April. (Europapreß.) Zehn- tausende Hektar Ackerland wurden nach der Trocken­legung des Nordostpolders vomZuidersee" für die

Alger Kellern begaben sich Lagerverwalter kopf­schüttelnd zu Bücherstapeln, an die seit einem Jahr­zehnt keine Hand mehr gerührt hatte, und die Expedition sandte einem offenbar Hundertjährigen je ein Exemplar davon nach Berlin. Der Hundert­jährige saß in Untersekunda. So kann ich mich heute zum Beispiel rühmen, fast ein Schock Bände von einem Schriftsteller mein eigen zu nennten, von dem andere bestenfalls den Namen kennen ein Gesamtwert, angefangen von feiner Doktorarbeit, die mir ein bejubelter Zufall in die Hand spielte, über alle Jugendwerke, Gelegenheitsstucke, längst vermottete Schwänke hinweg bis zu dem Roman, der mich begeisterte, ein Gesamtwert, so voll­ständig, wie es wahrscheinlich der Verfasser selbst nicht besitzt. Als er mich viel später einmal besuchte, staunte er, was er alles in seinem Leben zusam­mengeschrieben habe und meinterIch weiß nicht, was Sie an dem Kerl finden; ich mag ihn nicht leiden."

Ein zweiter Umstand kam allerdings in diesem Falle erschwerend hinzu. Mit 15 Jahren lernte ich auch zum ersten Male einen Dichter persönlich kennen, und es war derselbe Autor. Bis dahin hatte ich mir gar nickst vorstellen können, daß es auch lebende Dichter gibt, daß Bücher von Men­schen geschrieben werden, die da sind wie ich und du, von Menschen, die man sehen, sprechen, die man besuchen kann. Zur selben Zeit, da ich anfing, Briefe an sie zu schreiben, nahm ich keinen Anstand, auch einmal ein Opfer in seiner Behausung zu Überfällen, als sich gerade Gelegenheit bot. Das Opfer hat es büßen müssen, aber sein Verleger und mein Schranktischler hatten den Nutzen davon.

Und dabei blieb es lange, ist es im Grunde bis heute geblieben: lerne ich einen Schriftsteller per­sönlich kennen, so habe ich oft das Verlangen, seine Bücher zu lesen, nicht zuletzt, um zu prüfen, ob ich ihn in seinem Werk ebenso roieberfinbe wieim tieben" oder verwandelt. Bei vielen, denen es ähn­lich ergeht, stellt sich dann oftEnttäuschung" ein, genau wie umgekehrt, wenn man die Bücher eines

Dichters liebt und ihn danach persönlich kennen­lernt. Diese Enttäuschung kommt aus dem unge­rechtfertigten Anspruch, daß der Dichter unserer Vorstellung von ihm entspreche. Wohl ist Einheit von Persönlichkeit und Werk zu fordern, nicht aber Einheit von Persönlichkeit und der Art, die man sich erträumt hatte.

Gleichviel: Bücher, deren Verfasser ich von An­gesicht kenne, leben wirklicher für mich als die übrigen. Ader auch von diesen anderen suchte ick seit jeher ein Bildnis, eine Probe, ihr Wohnhaus zu sehen- so steckt dann ein Stapel bedruckten Papiers, mit einem Deckel geschlossen: ein Buch lebendigen Beziehungen. Jahrelang habo ich Faksimiles gesammelt, und wenn ein Buch den eigenhändigen Namenszug des Dichters trägt, so ist em fühlbarer Kontakt da. Schon Goethe wußte um die Magie der Handschrift.

Daß die Vorliebe für die verschiedenen Gebiete wechselte, versteht sich voll selbst. Es gab Zeiten, ba ich fast nur Klassisches suchte und fand, dann Kleber vorwiegend Architektur und Landschaft. Beständig blieb die Zuneigung zum heutigen deut­schen öd)nfttum, weil es für mich nichtLiteratur" war und ist, sondern Neuschaffung des Lebens, Leben selbst.

Einmal wurde bas Leben übermächtig, so über mädjtig, baf3 ich bereit gewesen wäre, alle meine -öucber hmzugeben für etwas Wärmeres, Näheres, Greifbareres, nach dem ich mich sehnte. Plötzlich erschlen es mir überflüssig, Bücher zu besitzen, Bucher zu lesen Reisen, frembe Städte, Menschen roa.r <Y?{-er Losung! Es ging vorüber. Ich erkannte, auf Reisen, in fremden Städten, unter neuen Men- Idjen, daß im gestatteten Wort dieselbe Kraft wirkt wie tm Himmel, Stein und Auge.

Ich habe nie ein Tagebuch geführt und brauchte auch Feins zu führen. Wenn ich vor meine Bücher- franke trete, sehe ich eine Entwicklung verbeut-- liebt, Jahr für Jahr: an dem, was dort steht, wie an dem, was fehlt.

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