" an der Ostfront
Oer Wehrmachivericht.
wie der Geistesschaffende, der Soldat den gleichen wie der Offizier.
Durch die Ehre wird die Erfüllung eines Befehls 3um Auftrag der Gemeinschaft zur Freiheit. Die Ehre ist der Inbegriff des freien Willens zur Leistung und zur Notwendigkeit der Pflichterfüllung als Dienst an der Gemeinschaft. Der Bolschewist kennt diesen Begriff der Ehre nicht — wenigstens nicht in der Praxis. Die Ueberzeugung zur „Pflicht" wird dem Bolschewisten mit der Pistole des Kommissars beigebracht oder man bindet ihn in seinem Schützenloch fest. Die Ehre unterscheidet auch den Soldaten vom Verbrecher. Der Soldat kämpft, der Verbrecher mordet, wie dies die Bolschewisten mit System tun.
An der Ehre scheiden sich die beiden Welten, aber auch an dem Wertbegriff der Leistung. Die Leistung erfordert höchste Entfaltung der Persönlichkeit im Dienste des Gemeinwesens. Der Nationalsozialismus erhebt zur Forderung: Je stärker die Einzelwesen seines Staates physisch und geistig entwickelt werden können, um so stärker ist das Staatswesen. Der Bolschewismus muß zur Ausrottung des Eigenwillens der Glieder seines „Staatswesens" schreiten, um nicht durch Wachrufen der Vernunft die Unnatur seines Systems erkennen zu lassen. Schöpferisch kann der Bolschewismus nur im Spezialistentum enden, und da auch nur insoweit, als das Geschaffene wiederum der Zerstörung dient.
Vernichtung der Persönlichkeit oder bestenfalls Zwangserziehung zum Spezialgebiet, zur Funktion, das ist der Bolschewismus. Dieser Tendenz werden alle Aeußerungen des Lebens unterworfen. Es dient ihr die Beseitigung des Prioatbesitzes ebenso wie die Auflösung der Familie. Bei uns alles Natür- liche als Ableitung seiner Gesetze auch auf die Gemeinschaft, ein Auswärisentwickeln und ein „Hin- aiUfpflanzen" mit dem Grundsatz der Auslese, dort Zwangskonstruktion des Gemeinschaftslebens und der Staat um seiner selbst willen. Hier Teilhaben aller Glieder des Volkes an den Gütern der Kultur, Heraufziehen aus der Niederung, dort Nivellierung auf die Ebene der Unterwelt des Verbrechers. Die Inkarnation des deutschen Inbegriffs vom Bösen, der Mephisto erscheint als ein galanter Abenteurer mit Etikette und geradezu als notwendiger Schatten zum Licht des Guten gegenüber dem dortigen ungeheuerlichen nackten Prinzip des absolut Bösen. Unser Begriff vom Bösen ist aus unserem Wesen heraus geradezu harmlos und läßt keinen Vergleich zu mit dem dortigen System des Motdes und des entfesselten Chaos.
Dem Zwang auf der anderen Seite steht die Freiheit des deutschen Geisteslebens gegenüber. Es ist in seiner langen Entwicklung so 'souverän in seiner Wirksamkeit, daß es die Grundlage unseres Wesens überhaupt ausmacht. Wir bauen Tanks, denken an die totale Durchführung dieses Krieges und handeln danach. Wir denken aber immer universell, wir schöpfen unsere Kraft aus der Tiefe und dem unermeßlichen Reichtum des deutschen Wesens, dessen Inbegriff die Großen unseres Geistes sind: Goethe, Beethoven, Hölderlin, Kant und Friedrich der Große. Jeder hat da seinen eigenen geistigen Halt. Der Bolschewist 'denkt nur an Tanks, weil er der Maschine als Materie dienen muß.
Es ist - unser deutsches Wesen, wie- es Dietrich Eckart dichterisch zum Ausdruck gebracht hat: „Zur Einheit will der Deutsche, will heraus au5 Trug und Schein, ein Ganzes will er ..." Dieses Universelle im deutschen Wesen ist srine Gröhe und sxine Stärke. Es ist zugleich der stärkste Gegensatz zur Dumpfheit des nur als Zahl geltenden Einzelteils der Masse auf der anderen Seite und letzten Endes« die Voraussetzung zur Behauptung unserer stärksten Staats idee.
Auf unserer Seite ist das Ideal des Gemeinwesens aus dem Persönlichkeitswert, der Ehre, der Leistung und dem erarbeiteten Eigentum, aus der Entfaltung der Kultur undxius der universellen Geisteshaltung verwirklicht worden. Wo kann mehr Freiheit sein, als in einem Staate, der diese Werte pflegt? Wer sich im nationalsozialistischen Reich vergewaltigt fühlt, den verlangt es bestenfalls nach Freiheit, die er meint, dem Verbrechen, oder er ist unfähig, etwas zur Gemeinschaftsleistung beizutragen. Der Nationalsozialismus, nicht der Bolschewismus ist die ideale Synthese aiiH dem „Willen des Lebens" des einzelnen und der Wirksamkeit des Gemeinwesens zugunsten der Erhaltung des Individuums als Träger des Lebens, deren beider Zusammen- wirken der höchsten Kraftentfaltung des Gesamten dient.
Das ist die von Dietrich Eckart verstandene „Einheit". Daß im gegenwärtigen Kampf um die Exi-
D7lV. Aus dem Führerhauptquartier, 26. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Von der Ostfront wird erfolgreiche eigene Sloßlrupptätigkeit gemeldet. Vereinzelte örtliche Angriffe der Sowjets scheiterten.
Die Luftwaffe setzte die Bekämpfung der sowjetischen Verkehrsverbindungeu fort und bombardierte außerdem Flugstützpunkte und Indtzstrieziele.
In der Nacht zum 26.21Tai griffen britische Flugzeuge westdeutsches Gebiet an. Es entstanden Verluste unter der Bevölkerung und Gebäudeschäden. 24 der angreifenden Bomber wurden abgeschosseu.
3m Mittelmeerraum und an der A t- l a n t i k k ü st e vernichtete die Luftwaffe gestern 15 feindliche Flugzeuge. Der Hafen von B i z e r t a wurde bombardiert.
Schnelle deutsche Kampfflugzeuge bekämpften am gestrigen Tage Industrieanlagen und Versorgungsbetriebe der Hafens Brighton mit Bomben schweren Kalibers. Zwei FluMeuge kehrten nicht zurück.
Schwere feindliche Ilugzensvertnste im Mittelmeer.
Rom, 26. Mai. (DNB.) Der italienische Wchr- machtbericht vom Mittwoch gibt u. a. bekannt: Ein auf bewaffneter Aufklärung befindlicher Torpedoflugzeugverband griff an der algerischen Küste einen von Jagdflugzeugen gesicherten feindlichen Geleitzug an. Zwei Schiffe mittlerer Tonnage wurden versenkt, eines schwer beschädigt. Die feindliche
stenz des Reiches die normalen Lebensbedingungen eingeschränkt sind, ist eine vorübergehende Notwendigkeit. Sie ist nicht Selbstzweck oder ein Abgehen vom ursprünglichen Ziel, sondern mit eine Voraussetzung zum Bestehen dieses Kampfes. Damit bildet sie aber bereits die Grundlage für die Erfüllung des berechtigten Lebensanspruches des Volkes und seiner Einzelwesen für die Zukunft.
Hier ist Leben, dort der Wahnsinn der Zerstörung. Unsere Soldaten wissen es bereits, wir aber müssen es uns stets vor Augen halten, um aus unserer ideologischen Ueberlegenheit immer wieder neue Kraft zu schöpfen, wenn einer an Frieden denken sollte. Der Sieg des Lebens aber ist unser Glaube.
Kleine politische Nachrichten.
Reuter meldet den Rücktritt Sir Walter Lay - t o n 5 vom Posten des Leiters des vereinigten Kriegsproduktionsstabes. Sein Nachfolger wird Sir Robert Sinclair, der seit Äuli 1942 Englands Vertreter im Washingtoner Produktionsamt war. Sinriairs Nachfolger in Washington wird Sir Henry Self, Sekretär im Produktionsmim- fterium, dessen Posten I. H. E. Woods vom Schatzamt besetzen wird.
Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, beabsichtigt Chile, trotz der „Auflösung" der Dritten Internationale, vorläufig nicht die Beziehungen zur Sowjetunion wieder aufzunehmen.
Der erste Zug mit etwa 1000 aus Sofia aus- gejiedelten- JrGe-n fuhr am Dienstagabend aus der bulgarischen Hauptstadt ab. Die ausgefiedelten Juden werden vorläufig in der südbulgarischen Stadt Kornobac untergebracht.
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Die Wallonische Legion, die sich seit Herbst 1941 an der Ostfront hervorragend bewährt hat, und zu der Monat für Monat in bemerkenswerter Stärke Freiwillige strömen, wird zu einer Brigade ausgebaut. Sie erhält den Namen „^-Freiwilligen- Brigade Wallonien".
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Der Führer hat dein Professor Olaf G u l b a n s- s o n in Tegernsee aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste als Zeichner und Maler die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
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Der einzige Erbe der> Million en des Automobilkönigs Henry Ford, E d s e l Ford, ist in Detroit
Luftwaffe führte gestern Angriffe durch auf verschiedene Ortschaften Siziliens, auf die ^Jnsel Pantelleria und auf einige Ortschaften Sardiniens. Messina wurde wiederholt angegriffen und erlitt, besonders im Zentrum der Stadt, schwere Schäden. Die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung wird zur Zeit festgestellt. Insgesamt wurden 44 Flugzeuge abgeschossen.
Fliegertod
General Hoffmanns von Waldau.
Der Befehlshaber eines Luftwaffenkommandos, General der Flieger Hoffmann von Waldau, fand auf einem Dienstflug in seinem Frontbereich den Fliegertod. Seit 1933 war er als Mitarbeiter des Reichsmarschalls an dem Werk des militärischen Wiederaufbaues tätig. Gründliches Wissen, Weltweite des Blickes und Klarheit des Denkens zeichneten ihn aus. Aill 1. März 1933 wurde er persönlicher Adjutant des Reichsminifters der Luftfahrt und später Luftattache in Rom, dann Kommandeur einer Kampfgruppe und Fliegerhorstkommandant in Merseburg, danach Chef der 3. Abteilung und 1938 Chef des Ausbildungsstabes im Generalstab der Luftwaffe, ein Jahr später Leiter der Operationsabteilung. In Afrika hatten die ihm unterstellten Luftwaffenverbände hohen Anteil an den Erfolgen des Jahres 1942. Für feinen schonungslosen persönlichen Einsatz zeichnete ihn der Führer mit dem Ritterkeuz aus. Als General der Flieger wurde er dann Kommandierender General eines Fliegerkorps, das unter seiner Führung besondere Leistungen erringen konnte. Sein Fliegertod reißt eine schmerzliche Lücke, aber seine Leistungen sichern dem General, der, kaum 45jährig, zur Großen Armee abberufen wurde, einen Ehrenplatz in der Geschichte unserer Luftwaffe.
gestorben. Der Sohn des Automobiltönigs war 49 Jahre alt und Präsident der Ford-Motors-Co.
Aus aller Wett.
Sondermarken.
Zu-m 13 0. Geburtstag Richard Wagners am 22. Mai hat die Böhmisch-Mährische Post Sondermarken zu 60, 120 und 250 h Herstellen lassen. Weiterhin hat die Deutsche Post Osten anläßlich des 400. Todestages von Kopernikus eine Sondermarke zum Werte von 1 Zloty + 1 Zloty Zuschlag mit dem Markenbild der Sondermarke vom 20. November 1942 sSondermarkenreihe „Kulturträger im Weichselraum") Herstellen lassen, die in weinroter Farbe mit dem Ueberdruck „24. Mai 1543 — 24. Mai 1943" erscheint.
Straßenbahnschaffnerin in zwei Weltkriegen.
Als älteste Straßenbahnschaffnerin in Jena beging Frau Hünni ge r ihren 62. Geburtstag. Sie war schon im ersten Weltkrieg vier Jahre lang. Straßenbahnschaffnerin und steht jetzt seit September 1939 wieder im gleichen Einsatz.
Ein Göttinger Original
In aller Stille wurde in Göttingen der vielen Musensöhnen in allen Gauen bekannte Brezel- August beigesetzt, Göttingens letztes Original. August Grgnske, wie der 66jährige mit seinem bürgerlichen Namen hieß, war viele Jahrzehnte Kapellmeister in Kurorten des Auslandes. Nach dem Weltkriege mußte er seinen Beruf infolge einer Kriegsverletzung aufgeben. 1930 zog er- nach Göttingen und wurde dort Brezelv^rkäufer. In vorgerückter Stunde griff, er wohl bei feinem Rund gang auch zur Geige.
Kunst und Wistenschast.
Salzburger Kulturtage der Hitler-Iugend.
Die „S alzb u r ge r Kult u r t a g e der Hitler-Jugend" wurden zum zweiten Male durchgeführt. Eine Ausstellung „Meisterwerke Salzburger Kunst" wies die tiefen Kräfte des Volkstums und der Landschaft auf. Dichterlesungen hörte man von Herybert Menzel, Wolfgang Jünemann und Paul Aloerdes. Den Tag des Landes Salzburg leitete Karl Heinrich Waggerl mit einem ,Lob der Heimat" ein. Eine Freilichtaufführung von Walter Flex' „Die Bauernführer" und eine Aufführung von Wagners „Fliegendem Holländer" bildeten den Ausklang des Tages. Auf einer Morgenfeier fetzte sich Bannführer Hymmen mit den reinigenden und klärenden Kräften des Krieges ausein-
Oie Alleinschuldigen.
An einer Rede Churchills vor der Pressekonferenz in Washington ist nur ein einziger Passus interessant, in dem Churchill wieder einmal behaupte^ daß der Luftkrieg eine Erfindung der Feinde Eng. lands sei. Das ist eine ebenso niederträchtige wis unverschämte Lüge, die Flucht des wahrhaft Schulz big en vor der Verantwortung für die von ihm! inszenierte Mordbrennerei. Deutschland ist^ jederzeit in der Lage, dokumentarisch den Nachweis zu erbringen, daß niemand anders als d i e englisches Bomber es waren, die mit den Angriffen auf? Wohnsiedlungen und Kulturstätten begonnen haben. Bereits in der Nacht zum 12. Januar 1940 habens die britischen Mordbrenner Bomben auf die Stadt Westerland auf Sylt geworfen, am 20. März erfolgte ein erneuter größerer britischer Angriff auf die Znsel Sylt, am 10. Mai wurde die Stadt Freiburg i. Br. bombardiert, wobei 13 Kinder getötet wurden, von weiteren 71 in der Zeit vom 10. bis 13. Mai 1940 erfolgten Luftangriffen auf deutsches Reichsgebiet richteten sich nur 4 unmittelbar auf militärische Ziele,. 14 auf Ziele, die man viel-, l e i ch t als kriegswichtig bezeichnen kann, dagegen aber 51 auf ausgesprochen n i d) t m i l i t ä 1 rische Ziele. Von da an bombardierten die: englischen Luftgangster wahllos die Wohnstätten! deutscher Städte und deutsche Kulturdenkmäler^ Erst nachdrei Monaten des Zuwartenss entschloß sich die deutsche Luftwaffe zum Vergelt tungsangriff auf London. Es sind also all eint die englischen Kriegsverbrecher, biet für den Luftkrieg verantwortlich sind. Daß es über* Haupt zu dem Bombenkrieg kam, fällt ebenfalls auf die englischen Kriegsverbrecher zurück. Sic^ haben die Vorschläge des Führers, auf den Bow4 benkrieg mit Rücksicht auf die Zivilbevölkerung gan» zu verzichten, brutal zurückgewiesen. Es wird als» Herrn Churchill nie gelingen, die Verantwortun« für den Luftkrieg von sich abzuschütteln, sie liegff allein bei ihm und feinen Komplizen.
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ander. Der Ches des Kulturamtes der Reichsjugend^ führung, Hauptbannführer Otto Zwander, faßte diä Grundgedanken über die Kulturarbeit der äugenix im Kriege zusammen. Bei einer Musikstunde in bej Residenz überreichte Oberbürgermeister Giger denü Salzburger Dichter Karl Heinrich Waggerl bei« Kulturpreis der Stadt Salzburg. .Auf einer Schlüße kuNdgebung im Festspielhaus zog Gauleiter Drl Scheel die politische Folgerung aus diesen Tagen/ Die Jugend habe mit Ernst und Hingabe ihrer) Willen zur Leistuna bekannt.
Hochfchulnachtrichten.
Dieser Tage vollendet der Göttinger Historikers Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Karl Brandig sein 75. Lebensjahr. 1868 in Meppen geboren, ftu« bierte er in München, Straßburg und Berlin und» promovierte 1890 in Straßburg. 1895 habilitiert» er sich in Göttingen. Zwei Jahre später folgte eq einem Ruf als Extraordinarius nach Marburg^ kehrte aber 1902 als Ordinarius nach Göttingers zurück, wo er den Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte und historische Hilfswissenschaften über* nahm. 1930 erhielt er die Goethe-Medaille: er isy Mitglied den Akademien in Göttingen, München Berlin, Wien, Kopenhagen und Budapest. 6cinj Hauptarbeitsgebiete sind Urkundenforschung, Rc< formationszeit und die Zeit Karls V. — Der DrbU narius für deutsche Literaturgeschichte an der Uni* versität Münster, Professor Dr. Günther Müller, tritt auf feinen Antrag in den Ruhestand. Er mürbe1 1890 in Augshurg geboren, studierte in Würzburg, Leipzig, München und Göttingen und promovierte 1921 in Göttingen. 1922 habilitierte er sich ebenda. Drei Jahre später übernahm er als Extraordina* rius den Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur im Freiburg (Schweiz), wurde dort 1927 Ordinarius« 1930 folgte er einem Ruf nach Göttingen. Von seinen Werken nennen wir „Deutsches Dichten und Denken vom Mittelalter zur Neuzeit", „Geschichte der deutschen Seele" und „Dom Faustbuch zu Goethes Faust". — Dozent Dr. Bertold Spul eg von der Universität Göttingen ist zum o. Professors an der Universität München unter Uebertragunj des Lehrstuhls für semitische Philologie und Islams
Wissenschaft ernannt worden. Er wurde 1911 int Karlsruhe geboren und habilitierte sich 1939 irt Göttingen.
Hauptschrytlstter: Dr. Friedrich Wilhelm Laoge. Stellvertreter de«) Hauptschrjftletters: Trust Blumscheiu. Leranlwortlich für PolM vudff Bilder: Dr. Fr. W. Lauge; tot das Feuilleton: Dr. Hans 'tbijrfot* für «stabt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Trust Blumschetn.)
Druck und «erlag: Brühlsche Universitätsdruckeret R.Lauge Ä.flL VerlagSleitor: Dr^Ing. Erich Hamann, z, Z. Wehrmacht, vnzeigenleiter: Haas Beck.'— AnzeigenpreÜliste 9k. 6.
Hong unt Heinz Mch
Novelle vvn.Meodor Storm
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Aber nein, sie hatte sich getäuscht, es war nur die alte Stimme, die sie Hörle-, und immer lauter und drohender klang es, obgleich von der andern Seite keine Antwort daraus erfolgte; aber vergebens strengte sie sich an, von dem Inhalte etwas zu verstehen; sie hörte drinnen den offenen Fensterflügel im Winde klappern, und ihr war, als würden die iloch immer heftiger hervorbreck-enden Worte dort in die dunkle Nacht hinausgeredet. Dann endlich wurde es still; aber zugleich sprang die Magd, von der aufgestoßenen Kammertür getroffen, mit einem Schrei zur Seite; sie sah ihren gefürchteten Herrn mit wirrem Haar und wild blicferfben Augen die Treppe hinabstolpern, und hörte, wie die Kontortür aufgerissen und wieder zugeschlagen wurde.
Bald danach trat auch Heinz aus seiner Kammer; als er unten im Flur der Schwester begegnete, ergriff er fast gewaltsam ihre beiden Hände und drückte sie so heftig, daß sie verwundert zu ihm aus- blickte; als sie aber zu ihm sprechen wollte, war er schon draußen auf der Gasse. Er kam auch nicht zur Abendmahlzeit; aber als die Bürgerglocke läutete, stieg er die Treppe wieder hinauf und ging in seine Kammer.
--Am andern Morgen in der Frühe stand Heinz vollständig angekleidet droben vor dem offenen Fenster, die scharfe Luft strich über ihn hin, aber es schien ihm wohlzutun; fast mit Andacht schaute er auf alles, wgs, wie noch im letzten Hauch der Nacht, dort unten vor ihm ausgebreitet lag. Wie bleicher Stahl glänzte die breitere Wasserstraße zwischen dem Marder und der Insel drüben, während auf dem schmaleren Streifen zwischen jenem und dem Festlandufer schon der bläulichrote Frühschein spielte. Heinz betrachtete das alles, doch nicht lange stand er so; bald traf er an einen Tich, auf welchem das Kuvert mit den so widerwillig abgezählten Kassenscheinen noch an derselben Stelle lag, wo es Han- Kirch am Abende vorher gelassen hatte.
Ein bitteres Lächeln umflog feinen Mund, wäh* *
re-nb er den Inhalt hervorzog und dann, nachdem er einige der geringeren Scheine an sich genommen hatte. Ms übrige wieder an seine Stelle brachte. Mit einem Bleistift, den er auf dem Tische fand, notierte er die kleine Summe, welche er herausgenommen hqtte, unter der größeren, die auf dem Kuvert verzeichnet stand; dann, als er ihn schon fortgelegt hatte, nahm er noch einmal den Stift und schrieb darunter: .»Thanks for the alms and fareweH for ever23." Er wußte selbst nicht, warum er das nicht auf Deutsch geschrieben hatte.
Leise, um das schlafende Haus nicht zu erwecken, nahm er sein Reisegepäck vom Boden; noch leiser schloß er unten im Flur die Tür zur Straße auf, als er jetzt das Haus verließ.
In einer Nebengasse hielt ein junger Bursche mit ein epi einspännigen Gefährte; das bestieg er unb' fuhr damit zur Stabt hinaus. Als sie auf bie Höhe des Hügelzuges gelangt waren, von wo aus man diese zum letztenmal erblicken kann, wandte er sich um und schwenkte dreimal seine Mütze. Dann ging’s im Trabe in das weite Land hinaus.
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Aber einer im Kirchfchen Hause war dennoch mit ihm wach gewesen. Hans Kirch hatte schon vor dem Morgengrauen aufrecht in fernem Bett gesessen; mit jedem Schlage der Turmuhr hatte er schärfer hingehorcht, ob nicht ein erstes Regest in dem Oder- hause hörbar werde. Nach langem Harren war ihm gewesen, als würde dort ein Fensterflügel aufgestoßen; aber es war wieder still geworden, und die Minuten dehnten sich und wollten nicht vorüber. Sie gingen dennoch; und. endlich vernahm er das leise Knarren einer Tür, es kam die Treppe in den Flur hinab, unb jetzt — er hörte cs beutlich, wie sich der Schlüssel in dem Schloß der Haustür drehte. Er wollte aufspringen; aber nein, er wollte es ja nicht; mit aufgestemmten Arme» blieb er sitzen, während nun draußen auf der Straße kräftige Mannestritte laut wurden und nach unb nach in unhörbare Ferne sich verloren.
Als bas übrige Haus allmählich in Bewegung kam, ftanb er auf und setzte sich zu seinem Frühstück, das ihm, wie jeden Morgen, im Kontor bereitgestellt war. Dann griff er nach seinem Hute
is Dank für bas Almosen unb lebe wohl für immer.
— einen Stock hatte er als alter Schiffer bis jetzt noch nicht aebraucht — und ging, ohne seine Hausgenossen gesehen zuchaben, an den Hafen hinab, wo er seinen Schwiegersohn bereits mit der Leitung bes Löschens beschäftigt fand. Diesem ovn den letzten Vorgängen etwas mitzuteilen, schien er nicht für nötig zu befinden; aber er sandte ihn nach dem Kohlen schupp en und gab ihm Aufträge in die Stadt, während er selber hier am Platze blieb. Wortkarg und zornig erteilte er seine Befehle: es hielt schwer, ihm heute etwas recht zu machen, und wer ihn ansprach, erhielt meist keine Antwört; aber es geschah auch bald nicht mehr, man kannte ihn ja schon.
Kurz vor Mittag war er wieder in seinem Zimmer. Wie aus unwillkürlichem Antrieb hatte er hinter sich die Tür verschlossen; aber er saß kaum in feinem Lehnstuhl, als von draußen Frau Linas Stimme dringend Einlaß begehrte. Unwirsch stand er auf und öffnete. „Was willst du?" frug er, als bie Tochter zu ihm eingetreten wari
„Schelte mich nicht, Vater", sagte sie bittend; „aber Heinz ist fort, auch sein Gepäck, o, er kommt niemals wieder!"
Gr wandte den Kopf zur Seite: „Ich weiß bas, Lina; darum hättst du dir die Augen nicht dick zu meinen brauchen."
„Du weißt es, Vater?" wiederholte sie und sah ihn wie versteinert an.
Hans Kirch fuhr zornig auf: „Was stehst du noch? Die Komödie ist vorbei; wir haben gestern miteinander abgerechnet."
Aber Frau Lina schüttelte nur ernst den Kopf. „Das fand ich oben auf seiner Kammer", sagte sie und reichte ihm bas Kuvert mit den kurzen Abschied sw orten und dem nur kcium verkürzten Inhalt. „O Vater, er war es doch! Er ist es doch gewesen!"
Hans Kirch nahm es; er las auch, was dort geschrieben stand; er wollte ruhig bleiben, aber seine Hände zitterten, daß aus der offenen Hülle die Scheine auf den Fußboden hinabfielen.
Als er sie eben mit Linas Hilfe wieder zusammengerafft hatte, wurde an die Tür gepocht, unb ohne die Aufforderung dazu abzuwarten, war eine blasse Frau hereingetreten, bejen erregte Augen ängftlicb von dem Vater zu der Tochter flohen.
„Wieb!" rief Frau Lina und trat einen Schritt i zurück.
Wieb rang nach Atem. „Verzeihung!" murmelt^ sie. „Ich mußte; Ihr Heinz ist fort; Sie wissew es vielleicht nicht; aber der Fuhrmann sagte es) er wird nicht roieberfommen, niemals!"
„Was geht bas dich an?" fiel ihr Hans Kirch ins Wort.
Ein Laut des Schmerzes stieg aus ihrer Brust, daß Linas Augen unwillkürlich voll Mitleid aul diesem einst so holden Antlitz ruhten. Aber Wieij hatte dadurch wieder Mut gewonnen. ,Chören Sis mich!" rief sie. „Aus Barmherzigkeit mit JhrenÄ eigenen Kinde! Sie meinen, er fei es nicht ge< wesen; aber ich weiß es, daß es niemand anders war! Das", unb sie zog die Schnur mit dem Heinen) Ringe aus ihrer Tasche, „es ist ja einerlei nun, otf ich's sage —' bas gab ich ihm, da wir noch Halbei Kinder waren; denn ich wollte, daß er mich nid>l vergesse! Er hat's auch wieder heimgebracht und hat es gestern vor meinen Augen in den StauÄ geworfen."
Ein Lachen, das wie Hohn {lang, unterbrach ffy Hans Kirch sah sie mit starren Augen an: „Nun^ Wieb, wenn's denn dein Heinz gewesen ist, 'es M nicht nie! geworden aus euch beiden."
Aber sie achtete nicht darauf, sie hatte sich dp4 ihm -hingeworfen. „Hans Kirch!" rief sie unb faß!4 beide Hände des- alten, Mannes und schüttelte fi^ „2hr Heinz, hören Sie es nicht? Er geht ins Elend,, er kommt niemals wieder! Vielleicht — o Gott, in barmherzig mit uns allen! Es ist noch Zeit vielw leicht!"
Auch Lina hatte sich jetzt neben ihr geworfen? sie scheute es nicht mehr, sich mit dem armen Weibs zu vereinigen. „Vater", sagte sie und streichelte b>e eingesunkenen Wangen des harten Mannes, der jetzt dies alles über sich ergehen ließ, „du sollst diesmal nicht allein reifen, ich reife mit dir; er muß ja jetzt in Hornburg sein; o, ich will nicht ruhen, bis ich ih^ gefunden habe, bis wir chn wieder hier in unferrt Armen halten! Dann wollen wir es besser machen^ wir wollen Geduld mit ihm haben; o, wir hatten siE nicht, mein Vater! Und sag' nur nicht, daß du nid)8 mit uns leidest, dein bleiches Angesicht kann doch nicht lügen! Sprich nur ein Wort, Vater, befiehl miri baß ich den Wagen herbestelle, ich will gleich selbock laufen, wir haben ja keine Zeit mehr zu verlieren'. Und sie warf den Kopf an ihres Vaters Brust unjj 'brach in lautes 2chluK^n-aus»


