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26.5.1943
 
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Mittwoch, 2b. Mai MS

Eichener Anzeiger

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Unter Briten und Bolschewisten in Iran.

Oie abenteuerliche Flucht eines deutschen Korrespondenten aus Teheran.

i.

Bomben auf Teheran.

Von Roman Garnotha.

3m folgenden beginnen wir mit der Ver­öffentlichung des Berichtes des ehemaligen Korrespondenten der Agentur Europapreß, der nach einer abenteuerlichen Flucht soeben in Bulgarien eingetroffen ist.

Ich liege im Garten und lausche in die nächtliche Augustnacht des Jahres 1941 Plötzlich kommt mein Diener mit eiligen Schrillen und meldet:Agha (Herr), die Engländer ziehen aus ihren Häu­sern in die Gesandtschaft."

Zunächst verstehe ich die Worte nicht, die mein Aserbeidschantürke hastig hervorbringt. Die Ruhe der Nacht ist vorbei. Am nächsten Tage gibt es keine Zweifel mehr Die Fackel des junaen Morgens zündet den Brand, der Iran und seinem stolzen Volk unsägliche Leiden bereitet.

Für mich beginnen Abenteuer, die ich mir nicht habe träumen lassen. 6500 Kilometer ge­hetzter Flucht durch Iran im Auto, auf dem Eselrücken und zu Fuß, 13 Monate Jagd der Engländer und Bolschewisten aus mich.ffür den ein Kopfpreis von 100 OOO Rial aus­gesetzt ist, stehen mir bevor. Als Russe, Engländer oder Perse verkleidet reiste ich kreuz und quer durch den Iran, bis ich in die Türkei gelangte, die mich nach mehrmonatiger Internierung in das gastliche Bulgarien entließ.

Ich ahnte nichts von diesen Abenteuern, als ich an jenem Augustmorgen die ersten Anzeichen des englisch-sowjetischen Ueberfalls auf Iran sah. Die englische Gesandtschaft in Teheran wimmelt von Menschen. Lange Autokolonnen stehen davor, die die Briten aus der > Provinz nach Teheran gebracht haben. Die Posten sind verstärkt. Die Deutschen sind in ihren Häusern und wissen noch nichts von ihrem schweren Schicksal. Wilde Ge­rüchte berichten vom Einfall sowjetischer und bri­tischer Truppen in iranisches Gebiet und von er­barmungsloser Bombardierung offener Städte wie Täbris, Mianeh und Pahleoi.

Eine Welle des Wider ft andes geht

vom einfachen Hamal (Tagelöhner) bis zur Um­gebung des Schah durch das Volk, in dem der Kampfgeist noch wach ist. Die iranischen Truppen verlassen die Hauptstadt, damit Teheran zur offe­nen Stadt erklärt werden kann. Die englisch­iranische Oelgesellschaft setzt mit ihren Transporten aus. Eine fremde Wirtschaftsmacht beraubt so das Gastvolk mit einem Schlage seiner notwendigsten nationalen Güter.

Der Vormarsch der Briten und Bolschewisten geht zunächst langsam vor sich. Die iranisch Armee leistet verbissenen Widerstand. Der Kampf gegen die Hei­matfront wird um so rücksichtsloser geführt. Terror­angriffe gegen die Zivilbevölkerung und ein-Regen von Hunderttausenden von Flugblättern, in denen auch ein Steckbrief gegen mich enthalten ist, sollen in der Bevölkerung den Glauben an die nationale Kraft töten und den Irrtum Hervorrufen, die Deutschen seien Urheber aller Hebel und Nöte. Die Antwort ist eindeutig. In allen Städten werden die Flugblätter öffentlich verbrannt. Die Deutschen, fast 700 Menschen, haben sich auf engstem Raum im Sommersitz der deutschen Ge­sandtschaft in Schimeran bei Teheran versam­melt. Engländer und Sowjets verlangen wiederholt die Auslieferung aller Deutschen von der iranischen Regierung und drohen die Bombardierung Teherans bei Nichterfüllung der Forderung an.

Bange Tage vergehen. Am 29. August hären wir Motorengeräusche. Ein starker Sowjetver­band fliegt Teheran von Nordwesten an. Flak­feuer setzt ein. Sekunden später bricht die Hölle los. Di« Detonationen dröhnen zwischen den Fels­wänden. Staubfontänen steigen Hunderte von Me­tern hoch und hüllen die Erde in ihre Schatten. Der zweit« Einflug gilt dem Südteil der Stadt, in dem die Aermsten wohnen. Der Perser baut seine Häuser aus Lehm, die, in der Sonnenglut gebrannt, staubtrocken dem Luftdruck nicht gewachsen sind. Ein Staubmeer fällt auf die heimgesuchte Stadt. Ein einziger iranischer Flieger steigt ohne Befehl auf, um Rache zu nehmen. Einsam kurbelt er im Aetherblau. Immer wieder versucht er den über­legenen Gegner anzugreifen. Auf Befehl wird er von der eigenen Flak abgeschossen. Dann wird es still. Erbarmungslos brennt die Sonne auf das Elend nieder, das in wenigen Minuten entstand.

Heue Shina-po!itik" gegen Tschungking-Regime

Eine Unterredung mit dem Pressechef der japanischen Tlordchina-Armee.

Peking, 25. Mai. (Europapreß.) Dr. Karl Heinz Abshagen, der als Sonderkorrespondent von Transocean-Europapreß zur Zeit die japanische Front in China bereist, hatte ein Interview mit dem Chef der Presseabtellung im Hauptquartier der japanischen Nordchina-Armee. Nach Katos Ansicht kann zwischen dem Kamps der Japaner auf dem chinesischen Kontinent und dem der europäischen Heere gegen die Sowjetarmee insofern eine Paral­lele gezogen werden, als die erfolgreiche Beendi­gung der beiden Feldzüge den Dreierpaktmächten eine breite Sicherheitsbasis geben würde. Auf dieser Basis könnten sie alle Kräfte zusammen­fassen, um weitere entscheidende Schläge gegen Briten und Nordamerikaner zu führen. Nach Ansicht Katos besteht jedoch insofern ein. Unterschied zwischen den beiden kontinen­talen ' Kriegen, als die europäischen Nationen a n einer einheitlichen Fr 0 ntlinie den Kräften des Feindes gegenüberstehen, während die Japaner einen Gegner stellen müssen, der von der Größe des chinesischen Raumes Gebrauch macht, indem er verfolgt werden muß, bevor er besiegt werden kann. Außerdem seien die Streit­kräfte des japanischen ^hina-Expeditionskorps in zahllosen Bandenkämpfen engagiert. Obschon die Ueberlegenheit der japanischen Führung und des Kampfgeistes außer Zweifel stehe, würden durch diesen Guerillakrieg rasche Entscheidungen erschwert.

Di« japanische Wehrmacht hat in Zusammenhang mit der Nankingregierung zwei Aufgaben in China zu lösen, nicht nur die Tschungking-Armee und das Tschiangkaischek-Regime sind zu bekämpfen es müssen vielmehr auch die Herzen der chinesischen Lolksmassen für das Ideal einer chinesisch-japa­nischen Zusammenarbeit in einem von fremden Einflüssen befreiten Ostasien begeistert werden. Oberst Kato meinte, es sei natürlich schwierig ab­

zuschätzen, wie weit die öffentliche Meinung in den von Tschungking-Truppen besetzten Gebieten sich durch Nallonglchinas Kriegseintritt von Japans ,;neu«r China-Politik" habe beeinflussen lassen. Maßgebende chinesische Kreise in Peking seien je­doch fest überzeugt, daß diese neue China-Politik, wie sie sich auch in der Uebergabe der exterritorialen Rechte an die Nanking-Regierung dokumentierte, die innere Lage in den Tschungki ng- Gebieten stark beeinflussen könne. Zudem laste die ungenügende Kriegsmaterialversorgung durch Engländer und Nordamerikaner drückend auf der Moral der Tschiangkaischek-Truppen, wie dies aus dem Ueber- tritt zahlreicher Tschungking-Generale hervorgehe. Auch die japanischen Operationen am Mayu ° Fluß, durch die Wavells Versuch einer Rück- eroberuna Burmas gescheitert sei, wirkten sich aus, ebenso oie japanische Luftakttvität gegen die Tschunking- und USA.-Luffftreitkräfte. Der ftetige Fortschritt der Sommerschlacht in Zentralchina west­lich des Tungting-Sees tut ein übriges.

Anschließend wies der Pressechef auf die bedroh­liche wirtschaftliche Lage im Tschungking- Gebiet hin. Die Entwertung der Tschungking-Wäh- rung und das ständige Steigen der Lebenshaltungs­kosten, die teilweise 50 v. H. höher sind als vor Be­ginn des China-Zwischenfalles, weisen auf die Ver­elendung der breiten Massen hin. Während die unter national-chinesischer Herrschaft stehenden östlichen Gebiete Nordchinas dank reichlicher Regenfälle einer guten Ernte entgegensehen, würde der trockene Früh­ling in den westlichen Regionen mit wenigen Aus­nahmen eine beträchtliche Kürzung bei Reis und anderen Nahrungsmitteln mit sich bringen. Man rechnet zwar in Peking nicht mit einem baldigen Zusammenbruch des Tschungking-Regimes. Dennoch wird Tschungking in den nächsten Monaten sich im­mer schwereren Sorgen gegenübersehen.

Der wandelbare Herr Davies.

Belgische Erinnerungen an Boosevelts Sonderbotschafter in Moskau.

Brüssel, 25, Mar <Cur°papreß,) Be gische Er­innerungen an die Brükseler Botschastertatigkeit ton Joseph Davies frischt der Außenpolitiker des Nouveau Journal", Pierre Daye, auf. Daye schreibt:Roosevelt erinnerte sich der Hilfe, die er während seiner Präsidentschaftskandidatur dem steinreichen Davies verdankt« und schickte ihn am denergiebigen" Posten "ach Mo skam Spater lonnten wir'dann im USA.-Botschaftsgebaude , n Brüssel die wertvollen Sammlungen von Sli­ter, Juwelen und Kunstgegenstanden bewundern iie ehemals den Opfern der bolschewistischen Revolu- tion gehört haben und di- Davies M > zusammenqeschachert hatte. Er ließ seine L £ lacht aus den USA. nach Antwerpen kommen, uni cuf ihr feudale Gesellschaften zu geben, die alle Welt in Staunen setzten. In "en Straßen von Brüssel und Antwerpen sah man täglich die kleine Lieferwagen mit der Aufschrift: ,'0av,es ämer, can Ambassador, die weiß Gott was hm und her zu transporieren hallen."

Einmal, es war im Jahre 1938 , so schreibt

Pierre Daye weiter,überraschte Davies bei einem großen Empfang di« Anwesenden mit einer halb­stündigen Rede, die sich wie eine Predigt anhörte: vollgespickt mit Bibelworten, frommen Sentenzen und Anrufungen des Allmächttgen. Das Thema der scheinheiligen Andachtsübung war di« teuf­lische Gefahr des Bolschewismus für die Zivilisation, den Davies schon aus nächster Nähe kennengelernt hatte. Di« Rede gipfelte in einem flammenden Appell an alle, sich zusammenzufcharen zum Kampf gegen dasUngeheuer im Kreml" dem derselbe Davies heute lächelnd die Hand schüttelt mit allerhand Empfehlungen, Ratschlägen und Bittgesuchen Roosevelts."

Oie Aussiedlung der Juden aus Gosia.

S o f i a, 25. Mai. (Europapreß.) Die Aussiedlung der Juden von Sofia nach einigen bestimmten Pro­vinzorten in Nordbulgarien und in die Gegend von

Burgas hat begonnen. Die Reaktion in der Bevölke­rung auf die Feststellung der Polizei, daß die Juden einen maßgeblichen Anteil an den poli­tischen Terrorakten der letzten Monate hatten und den Schwarzhandel beherrschen, war so heftig, daß eine Beschleunigung der Säuberung Sofias sich als notwendig erwies. Besonders schwer­wiegend wurde die Entdeckung einer Fälscher- zentrale zur Herstellung von Pässen in Sofia und Skoplj-e empfunden, die V jüdische Terroristen mit falschen Dokumenten versorgte und ihnen auf diese Weise die Möglichkeit verschaffte, die Grenze zu überschreiten. Ein Attentäter, der Jude Leon Pappo, der bei dem Mordversuch auf den Ingenieur Janakieff feftgenommen werden konnte, hatte sich während der Razzia in Sofia der Polizei mit einem solchen gefälschten Paß ausgewiesen. Bis zum 7.Juni soll Sofia von allen Juden gesäubert fein. Während jene 14 000 Juden, die in Mazedonien und Thrazien wohnten, bereits früher nachPolen deportiert und den dortigen deutschen Behörden übergeben wurden, heißt es, daß die Juden, die Sofia und die anderen Städte Räumen müssen, nicht nach dem Ausland gebracht, sondern im Innern Bulgariens untergebracht werden sollen.

Gleigende Kriegsausgaben Englands.

S t o ck h o l m, 25. Mai. (Europapreß.) Die rasend steigenden Kriegsausgaben Englands veranlaßten den britischen Schatzkanzler Kingsley Wood im Unterhaus die Bewilligung von einer weiteren Mil­liarde Pfund Sterling zur Deckung der Kriegskosten zu beantragen. Der am 26. Januar bewilligte Mil­liardenkredit für das Jahr 1943 wird vermutlich bereits zu Anfang des sechsten Monats erschöpft sein, fügte er hinzu. Auch der neu geforderte Kredit werde die Kriegskosten nur bis August dieses Jahres decken. Ein gewisser Ausgleich sei geschaffen worden durch die Stützungsaktion Kanadas, die die stark angespannte Devisenlage Englands ein wenig entlaste. Nun könne England und andere gegen die Achse kämpfende Nationen, denen bisher die kana­dischen Dollars zum Einkauf von Kriegsmaterial in Kanada fehlten, dort kriegswichtige Stoffe einkaufen, ohne ihre Kriegsschulden in diesem Lande zu er­höhen.

Das Bitierkreuz für italienischen !l-Boot-Kommandanten

Der Führer verlieb auf Vorschlag des Oberbe­fehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Korvettenkapitän Gazzana, der als Kommandant des italienischen Unterseeboo­tesArchimedes" 12 feindliche Handelsschiffe mit 101 929 BRT. versenkt und einen Kreuzer der Pen- sacola-Klasse torpediert hat.

Llnsterblicher Idealismus.

Von Gaustudentenführer Walter Balorr.

Die Studenten der Gaue Hesien-Nassatt und Kurhessen führen am heutigen Nachmit­tag auf1 ihrer historischen Stätte, dem Glei­berg bei Gießen, eine Schlageter-Kundgebung durch, auf der Gauleiter und Reichsstatt- halter Sprenger und Reichsstudenten­führer Dr. Scheel sprechen werden.

Ein Sturm der Entrüstung erfaßte die Herzen der deutschen Jugend, als im Mai 1923 die Nach­richt von Sch lageters gewaltsamem und wider­rechtlich herbeigeführtem Tode durch die entehrten und entrechteten deutschen Lande eilte. Tiefe Scham

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brannte diese Kunde in die geschändete Nation, deren Staat weder gewillt noch fähig war, für einen Kämpfer einzutreten, der ihr und nur ihr allein gelebt hatte. Wohl erstmalig feit dem inneren Zusammenbruch des Jahres 1918 vereinigte diese Welle nationaler Empfindung alle ehrlich und recht­lich Denkenden des ganzen Volkes über Parteien, Stände und Konfessionen hinweg. So wurde die Erschießung des Freiburger Studenten, die im ersten Morgengrauen des 26. Mai 1923 van den fremben Besatzungstruppen in einer Kiesgrube der Golzheimer Heide bei Düsseldorf vollzogen worden war, zum Fanal, das dem Marsch zur Münchner Feldherrnhalle des gleichen Jahres als zündender Weckruf vorausging.

In einem Gepäckwagen, der einem Schnellzug angehängt war, sollte die Leiche des Freiheits- kämpfers Anfang Juni möglichst unauffällig zur Beisetzung in das heimatliche Schwarzwaldstädtchen Schönau gebracht werden. Aber hier war nichts mehr zu verbergen. Diese letzte Fahrt wurde statt dessen Anlaß zu einer Kette leidenschaftlicher Kund­gebungen. Der Transportwagen war bald mit Tan­nengirlanden und mit einem großen Eisernen Kreuz geschmückt. Besonders in den Universitätsstädten, wie M ar b u r-g und Gießen, füllte sich der

Der ewige Freiwillige.

Zum 20. Todestage Albert Leo Schlageters.

Unser Bild zeigt die Erschießung Schlageters auf der Golzheimer Heide nach einer Zeichnung von Schwarmstedt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Albert Leo Schlageter, der vor zwanzig Jahren auf der Golzheimer Heide in Düsseldorf unter dem Feuer französischer Soldaten sein junges Leben für Deutschland hinaab, ist für uns der ewige Frei­willige des deutschen Volkes geworden. Sein Leben und feine Taten künden uns von dem Freiheits­willen des aufrechten Kämpfers, der auch durch Niederlagen, Not und Elend nicht gebeugt werden kann Schlageter ist für uns heute der letzte Ge­fallene des Weltkrieges und zugleich auch das erste Opfer der nationalen Erhebung.

Als der Weltkrieg nicht durch die Entscheidung der Waffen, sondern durch Verrat und Schwachheit sein Ende fand, bäumten sich die besten gegen das Schicksal auf und kämpften weiter. Das waren die ewigen Freiwilligen der Nation, die den von ihrem Gewissen gegebenen Auftrag unter rücksichtslosem Einsatz ihres Lebens erfüllten. So haben wir Schla­geter in den Reihen der deutschen Freiheitskämpfer im Baltikum, in Kurland und in Riga gesehen, und so stand er wieder auch in vorderster Front, als von den Feinden der Frieden verraten, an Rhein und Ruhr die Trikolore gehißt und mitten im Frieden über Deutsche eine schier unerträgliche Zwangsherr­schaft ausgeübt wurde. Vom Haus des Kohlen- fyndikats in Essen, das bisher das Herz einer kraft­

voll pulsierenden Arbeit gewesen war, gingen die Blutbefehle der Besatzungstruppen aus, die 150 OOO Deutschen mitten in einem sogenannten Frieden ihre Heimat kostete, und durch die 137 den Tod fanden und über 600 schwere Verletzungen davontrugen.

In dieser Stunde tiefster Demütigung regt sich der deutsche Widerstand. Die Befehle des Feindes werden nicht ausgeführt, und dem Raub der Ruhr­kohle wird durch Anschläge auf die Bahnkörper ent­gegengearbeitet. Unter den Männern, die unter liefern Einsatz ihres Lebens für Deutschland kämpfen, ist Albert Leo Schlageter einer der ersten. Am 5. April wird im ganzen Ruhrgebiet durch Steck­brief nach ihm gefahndet. In einem Hotel in Essen, wo er übermüdet eingeschlafen ist, wird er ergriffen, am 8. Mai 1923 steht er vor dem Kriegsgericht in Düsseldorf. Albert Leo Schlageter wird zum Tode verurteilt, am 26. Mai wird das Urteil oollstteckt. Sein Opfer war nicht umsonst. Schlageter war im Tode noch zum Bannerträger der nationalen Er­hebung geworden. Heute sieht das ganze deuffche Volk bereit, unter Einsatz feiner ganzen Kraft dafür zu sorgen, daß niemals wieder deutsches Land durch einen Schmachfrieden unter fremde Herrschaft ge­raten wird.