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Syrien und Libanon, die man durch eine Auf­frischung der panarabischen Idee und durch Pro­pagierung einerarabischen Föderation" aus^u- schatten und zu entwirren sucht, um selbst wieder die Oberhand zu gewinnen.

Den Auftakt zu diesem, im wesentlichen bri­tisch-nordamerikanischen Machtkampf bildete eine Erklärung Edens vor dem Unterhaus Anfang März, daß eine möglichst starke Annähe­rung der arabischen Staaten und Gebiete unter­einander, ja, wenn möglich, eine Föderation der arabischen Länder sich mitden Wünschen Eng- lands" decke. Im Irak lief bald darauf.die bri­tische Agitationswalze auf Hochtouren, aber die Araber merkten sofort, daß es sich bei diesembri­tischen Wunsch"' in erster Linie darum handelte, die arabischen Länder in den Krieg zu treiben, um ihre Versklavung dann vollständig zu machen. Und als die England botmäßige Presse, vor allem das BlattEl Irak", in höchsten Tönen die Vorteile einer solchenzukünftigen arabischen Selbstbestim­mung" zu loben begann, fand man vollends ein Haar in der Suppe. Man wollte zwar auch die Freiheit der arabischen Staaten", aber man wollte nicht von Englands Gnaden jene plötzlich versproche­nen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ver­träge, die mit einem Mal das nationale Gefühl, die Gemeinsamkeit der Religion und der Geschichte ausdrücken sollten, nachdem die Erinnerung an den Verrat der Briten nach dem ersten Weltkriege durchaus noch nicht verblaßt war.

Aber die Briten ließen selbstverständlich nicht locker. Je mehr wirtschaftliche Positionen sie an die Pankees abgeben mußten, je mehr ihr Einfluß und ' ihre Monopolstellung beispielsweise in bezug auf das Mossul-Oel, auf die Bäumwolle in Aegypten und auf die Beherrschung der strategisch wichtigsten Bahnlinien entschwand, desto verbissener klammer­ten sie sich an diearabische Föderation", um mit ihrer Hilfe dem nordamerikanischen Im­perialismus und den unterminierenden Wir­kungen des Leih- und Pachtgesetzes Schach zu bie­ten. Es wurde also der ägyptische Mnrsterpräsi- dent Nahas Pascha eingeschaltet, den man durch die außerordentlich geschickte Schwarzbuch-Affäre Makram Ebeid Paschas sowieso in der Hand hat. Nahas Pascha kündigte im ägyptischen Parlament plötzlich ,/aktive Schritte" zur Herbeiführung einer engeren Zusammenarbeit der arabischen Staaten an, .wobei er gleichzeitig mitteilte, daß er dem ebenfalls englandhörigen irakischen Ministerpräsidenten Nuri Said bereits entsprechende Vorschläge unterbreitet habe. Und mit dem Emir Abdullah von Imrans Jordanien hatten die Briten einen be­sonders zuverlässigen Vertreter ihrerWünsche" bei der Hand, den sie auch prompt für ihre Agita­tion einsetzten. Der Emir Abdullah ist wohl der ge­rissenste und skrupelloseste Vertreter der anglo- philen arabischen Politiker. Er äußerte zunächst, daß das Thema von der arabischen Unionbis zum Ueberüruß" von den Briten abgedroschen worden sei, schwieg aber, als sich in der ägyptischen Oeffent- lichkeit eine Reaktion auf diesen neuen alten Trick der Briten bemerkbar machte, die man wohl nicht vermutet hatte. Die Aegypter gingen dem Phantom nämlich auf den Grund und stellten konkrete Fra­gen, beispielsweise welche Länder dieser Födera- tton angehören sollten, welche Interessen gemeinsam verwaltet und welche Regierungen bestehen bleiben sollten. S o war es nätürlich nicht gemeint, und Eng­land zog sich zunächst einmal zurück, zumal das Vor­dringen'des Zionismus in Palästina, die unoerhüllt geäußerten Begehren dec Juden nach Teilen Sy­riens und Libanons und die gesamte wirt­schaftliche Lage im Nahen Osten, die durch die scham­lose Ausbeutung der Besatzungsmächte entstanden ist, es ratsam scheinen ließen, das Thema nicht all­zusehr zu vertiefen.Nach dem Kriege", das war das Schlagwort, mit dem man allen unbequemen Fra­gen ausw>ich, was die Araber natürlich erst recht mißtrauisch machte»

Aber der Emir Albdullah muß sich seines Auf­trages entledigen, und so hat er jetzt erneut in einem Aufruf an dasVolk von El Schem" Re­klame für die arabische Union gemacht.' El Schem das ist die Zusammenfassung von Syrien, Liba­non, Palästina und Transjordanien, also gerade das, was die Briten erstreben, nicht um ihre nie gehaltenen Versprechungen gegenüber den Arabern einzulösen, sondern um die internationalen Gegensätze in diesem Gebiet, entstanden durch das Vordringen der Pankees, durch die Hart­näckigkeit des Generals Catroux und die An­sprüche des Zionismus, nach denGrundsätzen internationaler Gerechtigkeit" zu 'bereinigen. Der Emir schwang sich zu der lächerlichen Behauptung auf, daß er die InteressenSüdsyriens^ damit meint er Palästina!auf diplomatischem Wege" verteidigen werde, woraus allein die ganze Der- loaenheit dieser Agitation hervorgeht, denn die Juden werden auf diesem Wege niemals etwas an­erkennen oder hergeben, was der arabischen Sache

nützen könnte. Zudem ist tm ganzen vorderen Orient bekannt, daß der Emir Abdullah nichts anderes als ein bezahlter Agent der Briten ist, und zwar der schäbigsten und verlogensten einer! Seine Ver­sprechungen und Ausrufe zielen also bei den Ara­bern ins Leere, um so mehr, als diese sehr wohl wissen, datz England gleichzeitig seine besten Ara- bienkenner ausgeschickt hat, um auch in Teheran durch Sir Ronald Store und durch Bertram Tho­mas am Hofe Ibn Sauds die von den Ver­einigten Staaten errungenen imperialistischen Stellungen zu neutralisieren. Da die Pankees sich mit aller Unbefangenheit der wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Positionen bemächtigen, versucht England durch Agitation der arabischen Föde­ration und durch Verhandlungen, die auch auf wirt­schaftlichem Gebiet eine Annäherung der arabischen Staaten unter Englands Obhut einleiten sollen,

Ott Weßrmachtbericht.

DNB. Aus demFührerhauplquarNer, 24.21lai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront fanden nur Kampfhand­lungen von örtlicher Bedeutung statt.

Im Mittelmeerraum griffen deutsche Kampfflugzeuge in der vergangenen Nacht Schiffs- ziele und militärische Anlagen des Hafens Djid- jelli an.

Unterseeboote versenkten in schweren Kämpfen aus stark gesicherten Geleitzügen im Nordatlantik und bei Linzeljagd zehn Schiffe mit 55OOO BRT. Bier weitere Schiffe wurden torpediert. Ihr Sinken konnte wegen der starken Abwehr nicht mehr beobachtet werden. Lin Kampfflugzeug beschädigte ein feindliches Handels-

Königsberg, 24.Mai. (DNB.) Die alte preu­ßische Krönungsstadt gedachte des großen Astro­nomen Nikolaus Kopernikus in besonders feierlicher Weise. In der Aula der Albertus-Universität, die das Erbe des Domherrn von Frauenburg zusammen mit dem Nachlaß des großen Philosophen Kant wahrt, hieß der Rektor der Universität, Professor Dr. von Gründ erg, den Reichsmin-ister R u st und die Gäste aus Italien und Finnland willkom­men? Nach einem Vortrag über Kopernikus und den Wandel im Weltbild, den der Direktor der Uni­versitäts-Sternwarte, Professor Dr. Przyblick, hielt, sprach Reichsminister Rust zu der Versamm­lung.

Nikolaus Kopernikus, so sagte er, bedarf heute, 400 Jahre nach dem Erscheinen seines großen Wer­kes über die Kreisbewegungen der Himmelskörper, dessen Vollendung nahezu auf Tag und Stunde mit der Vollendung seines Lebens zusammenfällt, keines Sprechers mehr, weil Widersacher seines großen Geistes auf dieser Erde nicht mehr sich zu zeigen wagen. Deutschland blickt auf Kopernikus mit den Gefühlen des Stolzes und der Verpflichtung als einen der Großen, der deutsche Art und deutschen Geist mit am klarsten und erfolgreichsten verkör­pert. Kopernikus war deutschen Blutes, Er war sich seiner Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum voll bewußt. Und es gibt kein einziges Zeugnis gegen sein Deutschtum und kein einziges Zeugnis für eine irgendwie geartete Zugehörigkeit zum Polen- tum, das vor dem Urteil echter Forschung bestehen kann.

Eine große Klarheit spricht aus seinen Werken. Groß und still wie das ewige Firmament, in das sein Blick sich versenkte und dem er jene Erkennt- nis-abrang, die einem neuen Zeitalter Bahn brechen sollte, bleibt sein Denken. Die harmonische W e l t o r d n u n g ist die tieffte geistige und see­lische Triebfeder des kopernikanischen Forschens. Er empfindet die gleiche Geistesrichtung bei den Pyta- goräern und bei Platon, und darum ist sein Huma­nismus lebendig und schöpferisch. Es ist der Geist

sozusagen in letzter Minute zu retten, was noch zu retjjen ist. Auch Sir Casey in Kairo ist ja sehr tätig, aber die Pankees lassen sich nicht einschüchtern, und die Araber wissen, was sie von britischen Ver­sprechungen zu halten haben.

40 Britenbomber beim Terrorangriff auf Dortmund abgeschossen.

Berlin, 24. Mai. (DNB.) Die Zahl der beim Terrorangriff auf Dortmund abgeschossenen feind­lichen Flugzeuge hat sich von den im Wehrrnachtbe- richt vorn 24. Mai gemeLbeien 33 nach weiteren Fest- mn auf insgesamt 40, meist viermotorige brr- omber der Typen Halifax, Stirling, Lan­caster und Wellington erhöht.

Eichenlaubträger Major Lent errang bei diesen Kämpfen seinen 60. Nachtjagdsieg.

schiff im Atlantik durch Bombentreffer schwer. Lin Unterseeboot schoß über der Biskaya einen feindlichen Bomber ab.

Feindliche Bomberverbände warfen in der ver­gangenen Nacht zahlreiche Spreng, und Brand­bomben auf Dortmund. Es entstanden Verluste unter der Bevölkerung und erhebliche Sachschäden. Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden 33 der angreifenden Flugzeuge, hauptsächlich vier­motorige Bomber, abgeschossen.

Schnelle deutsche Kampflugzeuge führten gestern einen überraschenden Tagestiefangriff gegen die süd eng tische« Hafenstädte Bourne­mouth und h a st i n g s. In der Nacht zum 24. Mai griff die Luftwaffe wieder den Schiffsbau- plah Sunderland mit starken Kräften an. 3m Stadl- und Hafengebiet entstanden nach Bomben­treffern große Brände.

der königlichen Geister in den Jahrtausenden ari­scher Geschichte.

Erst allmählich wurden die Gegner dessen inne, daß mit der Darstellung von der Bewegung der Erde auch ein Zeitalter sich zu bewegen be­gann. Diese Bewegung ist mit unserer Generation in einen neuen bedeutsamen Abschnitt eingetreten, und darum gerade sehen wir im nationalsozialisti­schen Deutschland Adolf Hitlers auf Kopernikus als einen siegreichen Führer der Vorhut, mit dem wir uns in dem großen Kampf um eine neue Welt lebendig verbunden fühlen und dem wir nachkämp- fen wollen mit derselben ruhigen Gewißheit, daß auch unsere Vorstellung von einer vollkommenen, geordneten Welt bei gleicher "Beharrlichkeit der Durchbruch nicht versagt bleiben wird. Was Goethe von Kopernikus sagte:Unter allen Ent­deckungen und Ueberzeugungen möchte nichts eine größere Wirkung auf den menschlichen Geist her­vorgebracht haben als die Lehre des Kopernikus. Kaum war die Welt als rund anerkannt, so sollte sie auf das ungeheure Vorrecht Verzicht tun, der Mittelpunkt des Weltalls zu fein. Vielleicht ist noch nie eine größere Forderung an die Menschheit ge­schehen ... kein Wunder, daß man sich auf alle Weise einer solchen Lehre entgegensetzte, die die­jenigen, die sie annahmen, zu einer unbekannten, ja ungeahnten Denkfreiheit und Graßheit der Ge­sinnung berechtigte und aufforderte." Was Goethe hier von Kopernikus sagt, das gilt auch vom Bahn­brecher unserer' Zeit, um den sich nicht nur in Deutschland, sondern in Europa die alte Kultur­welt zur Verteidigung ihrer großen Tradition und zur Eroberung einer neuen Zeit geschart har

Der Minister erwähnte dann Keplers Ein­treten für des Kopernikus großes neues Weltbild. Seine Wetterführung kann nicht genannt werden, ohne eines italienischen Heroen gleichen Geistes auf gleichem Kampffeld zu gedenken, der mit ihm in engster Verbindung forschte und kämpfte, Galileo Galilei. Und wenn wir nun überhaupt dieser großen Männer gedenken und auch nur bei ihren Zeitgenossen beginnen uns umzusehen, so tauchen

Oer neueNautieus".

Schiff auf Schiff verschlingt der U-Boot-Krieg. Die amerikanischen Werften produzieren Notstandsschiffe. Werden sie es fertigbringen, mehr Schiffe von den Helligen zu lassen, als die U-Boote versenden? Washington und London möchten das die Welt glauben machen; hält aber ihr aufgeregtes Reklame­geschrei einer nüchternen Ueberprüfung stand? Eine Handhabe dazu bietet derN auti c u s", das Jahr­buch für Deutschlands Seeinteressen (herausgegeben auf Veranlassung des OKM. von Admiral z. V. Gottfried Hansen), dessen 26. Jahrgang jetzt vor- liegt. Hier finden wir in einem Aufsatz von Prof. Dr.-Jng. Georg Schnabel überDie Entwicklung des Handelsschiffsbaues im Ausland während des Krieges" alles Wissenswerte, um ein sachlich abge­wogenes Urteil in der für den Ausgang dieses Krieges so wesentlichen Frage zu gewinnen. Wir erfahren, daß das Bauprogramm der USA. zu einem großen Teil nur auf dem Papier steht, daß es drüben hinsichtlich Material und Arbeitskräften an manchen Ecken hapert, daß aber die pluto- kratifchen Kriegsgewinnler auf jeden Fall ihr Schäf­chen ins Trockene bringen; denn der Dreis für dis primitiven Standardschiffe, deren Massenherstellung die Schlacht auf dem Atlantik für England und die USA. gewinnen soll, ist so hoch, daß in normalen Zetten solche Schiffe für die Hälfte und sogar ein Drittel des jetzigen Preises zu kaufen sind.

Nach bewährter Art bringt her neueNauticus" wieder eine Vielfalt von Aufsätzen aus den Ge­bieten der Marinepolttük, der maritimen Technik, der Handelsschiffahrt, der Luftfahrt' und des Welthan­dels und spiegelt damit den weiten Horizont des deutschen Seefahrers. Dem Ueberblick über den Ver­lauf des Seekrieges von Oktober 1941 bis Ende Sep­tember 1942 von Konteradmiral Gadow treten ergänzend zur Seite ein Aufsatz von Vizeadmiral Giuseppe F i o r a v a n z o über die italienische Ma­rine im zweiten Kriegsjahr und eineGeschichte des Kampfes der japanischen Kriegsmarine im großost- asiatischen Krieg" (bis Ende August 1942) von dem japanischen Marineattachä in Berlin, Konteradmiral Pokoi. Vizeadmiral 216mann behandeltWand­lungen der Seskriegführung", wobei die Rolle des U-Bootes und der Luftwaffe im Seekrieg der Gegen-

Namen auf wie Luther und Paracelsus, Dürer und Hutten, Kolumbus und Leonardo da Vinci, Michel­angelo und Raffael, und in ihnen erleben wir die ganze Größe der abendländischen Kultur, deren Schicksal von dem Verantwortungsbewußtsein und dem ehernen Durchhaltungswillen unseres Ge­schlechts abhängt.

Das gewiß sagenhafte Wort, das Galilei in den Mund gelegt worden ist, als die Inquisition in ihm die gefährliche Lehre des Kopernikus treffen wollte: U n d fiebewegtsichdo ch!", soll als Schlacht­ruf gegenüber einer geift- und gottlosen Welt un­serer Gegner auch der unsrige sein. Und die Zeit bewegt sich doch, und wir wollen als ihr Bannerträger und als Schwertträger zugleich gegen den Ansturm her Feinde bestehen und siegen.

Im Anschluß an die von stürmischem Beifall oft unterbrochene Rede des Reichsministers nahm der Rektor der Albertus-Universität die Verleihung von drei Kopernikus-Preisen vor. Der Preis des preußischen Ministerpräsidenten Reichsmarschalls Hermann Göring wurde dem Professor Dr. Fran­cesco Severi (Rom), dem hervorragenden Ver­treter der algebraischen Geometrie, verliehen. Die Kopernikus-Preise der Universität Königsberg fielen an Professor Heisenberg vom Kaiser-Wilhelm- Jnstitut in Berlin-Dahlem und an Professor Un- söld (Kiel). Professor Heisenberg hat sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Physik einen Namen gemacht, während Professor Unsöld besondere Ergebnisse bei seinen aftro-phy­sikalischen Messungen erzielte.

Am Nachmittag begab sich Reichsminister Rust in Begleitung von Professor Przybylick, Landes­baurat Friesen, dem Schöpfer der Kopernikus- Schausammlung nach der alten Bischofsstadt Frauenburg am Frischen Haff, um sich an Hand des Modells die geplante Gedächtnisstätte für Ko­pernikus erklären zu lassen. In der Aula her Kö­nigsberger Universität sprach am Montagnachmittag der Kopernikus-Preisttäger Prof. Alfred Kühn vor einem Kreis geladener Gäste.

Unterfeeboote versenkten in schweren Kämpfen und bei Einzeljagd zehn Schiffe mit55000 MT.

Llnd sie bewegt sich doch."

Neichsminister Nust feiert de« großen deutschen Astronomen Kopernikus als Bahnbrecher einer neuen Zeit.

Gulbransson.

Zu seinem 70. Geburtstage am 25. Mai.

Wie oft hat uns schon das berühmte Ei des Ko­lumbus auf den verschiedensten Gebieten überrascht. In der Karikaturenzeichnung löste uns das Rätsel Olas Gulbransson, ein Mann von größter Ruhe und Gelassenheit, einem lyrisch zarten Gemüt und einet strotzend gesunden Konstitution und Le­bensauffassung. Was er erst mühsam auf her nor- , wegischen Zeichenschule gelernt und noch als Mit­arbeiter der ZeitschriftTransvilsposten" verwandt, was er in der Prioatkunstschule des Bildhauers Colarossi in Paris um 1900 geübt hatte: die durch Stricheln und Schattierungen gewonnene Plastik einer Flächendarstellung das ließ der merkwür­dige, seit 1902 ganz auf München und denSim- plicissttnus" versessene Norweger fort und behielt nur noch die Umrihlinie

So fing er in diese Umrißlinie alles ein, was ihm in den Weg kam, Zeitgenossen und die Zeitgeschichte selbst; ab anno 1902 bis zu diesem Jahre, dem siebzigsten seines Lebens. Er wurde her stärkste deutsche Karikaturist der Zeichenfeder, und wie er die Weltpolitik in seine Umrißlinien spannte, das war so voll Verbissenheit, Humor und. Philosophie, daß man einfach perplex war. Wie es Gulbansson mit der Politik trieb, wie er die Größen im Lager unserer Feinde 19141318 und auch dieser Kriegs­jahre alles Flitters entblößte, so trieb er's etwas freundlicher gesinnt auch mit den Litera­turgrößen seines eigenen Herkunftslandes. Sonst hat er im allgemeinen mehr für höllische als für himmlische Figurinen Verständnis und hat mehr­mals auch für dgs Münchener Marionettentheater Entwürfe zu Charaktermasken entworfen, Kas­perln, gehörnten Teufelchen usw.

Er ist gut verheiratet, und von seiner Frau wie von seiner Tochter Inge gibt es ein paar sehr schöne Umrißzeichnungen aus seiner Hand. Am

meisten ist -er mit München verheiratet. Dort, wo einst Wilhelm Buschs zeichnerische Philosophie so ertragreich wucherte, war auch für Gulbranssons philosophierende Wahrheitsliebe die richtige Humus­erde. So hat er das Nordische mit dem Münchneri- schen, die Kristiania-Boheme mit der Dult in Ein­klang gebracht. Gunnar Heiberg, der norwegische Kritiker, hatte einst als erster in der Zeitschrift Verdens Gang" auf den jungen Gulbransson in her Heimat aufmerksam gemacht, doch dessen Heimat wurde bald Europa. Heute freuen wir uns an der Jugend seiner klassischen Zeichenkunst.

Rudolf Adrian Dietrich.

3«t Tuileriengarten.

Von Theodor Heinz Köhler.

Hinter schwarzem Gitter lockte die schattige Kühle der Kastanien, weiß brachen die Blütenkerzen dar­aus hervor, und der junge Mann betrat, jäh ange­zogen und von einem plötzlichen Taumel des Ent­zückens befallen, den Jardin des Tuileries, nach dem VielgefchauteiN ein wenig in die Stille des Gartens zu verweilen.

Auch hoffte er wohl, im Jardin seine Gedanken ordnen zu können, als gäbe es ein Loslösen von dieser Stadt innerhalb ihrer Mauern, das ihm erlaubte, sich besinnend, zurückzutreten; jene Bilder wenigstens im gröbsten zu scheiden, die angesichts der königlich erhabenen Plätze, Straßen in niege- sehener Breite und Prächtigkeit, Gebäude in einer düster-schönen Schrecklichkeit, aber mehr noch vor dem Unaussprechlichen, das alles gemeinsam aus­atmete und verdichtete, auf ihn eingeströmt waren.

Es war die Stunde des frühen Nachmittags, an einem Sonntag im Mai, und arbeitsbefreite Pari­ser ergingen sich dort, hatten die Bänke lesend ober auch nur vor sich hinsehend belegt, das heitere, lichtdurchwirkte Bild zu genießen, das sich hem (Ein- getretenen in einem tanzenden Sonnenflimmern

bot. Auch saß man auf kipplichen CiseKstühlen, die scheinbar ohne jede tiefere Einfügung, indes die Ordnung des Schönen nicht störend, aufgestellt waren. Betroffen sah der junge Mann die Zufällig­keit, in der sie standen, und er glaubte, sie als ein Zeichen des Gefühls zu erkennen, mit dem die Men­schen dieser Stadt Besitz ergreifen von dem, das ihnen liebenswert ist: nicht so, daß sie es unan­getastet lassen im Willen, zu schonen, sondern daß sie ihr Leben in seine Mitte stellen.

Aber der Garten, von dem er sich Klärung er­hofft hatte, svrach,selbst in seiner leichtlebkgen Hei­terkeit ihn als ein Bild in solch zwingendem Ein- ftrömen an, daß es davor kein senkendes Bestehen mehr gab. So sah er, an das Bassin herantretend, dessen Fontänen ihr Wasser zerstäubend gegen das Licht warfen, die Kinder im Spiel mit weißbesegel­ten Booten, ungestört, ja von den Erwachsenen, unter denen der Polizist nicht fehlte, umstanden. Sie ergötzten sich an dem eleganten Gleiten der Segler, als sei es ihr Spiel und gäbe es nichts sonst in ihrem Leben, das sie forderte.

Lange stand der junge Mann so, sah, wie ein prächtiges Boot königlich mit geblähten Segeln sich unter dem Sonnensprühregen der Fontäne seitwärts neigte, fah chas sanfte Grün des Wassers, hörte die lebhaften Rufe der Zuschauer und wurde von einem Jungen mit Baskenmütze im Eifer zurückgedrängt, her sein an der diesseitigen Ufereinfassung glücklich gelandetes Schiff in Empfang nehmen wollte. Ent­schuldigendes Lächeln des weißhaarigen Herrn, der denParis midi in der linken Tasche seiner schwar­zen Jacke trug, kühl und doch von einem Zauber bestrickender Höflichkeit erfüllt.

Und der Himmel war makellos rein, von dem hellen, ätherhasten Blau, unter dem wie das Un­nennbare, das über einem Glas Champagner auf- steigt, der prickelnde, sich verlierende Hauch der Stadt lag. Betörend strömte den Kastanien der Duft ihrer Blüten aus. Dort, in den Alleen wanderten Menschen auf und nieder, beschwingt und gelöst von allem Schatten-, den die Welt birgt.

Kopernikus-Bildnisse.

Heber die Frage, wie Kopernikus ausgesehen habe, stellt der frühere Direktor der Danziger Städt« bibliothek, Dr. F. Schwarz, eine Untersuchung an in der GedächtnisschriftKopernikus, Persönlichkeit und Werk". Er weist darauf hin, daß bei den Künst­lern, die zur Zeit des Kopernikus gelebt haben, das Gefühl für Lebensnähe und Ähnlichkeit nicht sehr ausgeprägt gewesen sei und daß ungünstige Um­stände es nicht oft dazu hätten kommen lassen, daß Kopernikus gemalt worden sei. Das älteste Bildnis, ein Holzschnitt von 1587 aus einem Sammelwerk Contrafakturbuch", stammt von Tobias (»immer. Es ift angefertigt nach einem Bildnis an her Uhr des Straßburger Münsters, für das ein Brudersohn von Kopernikus' Freund Giese ein Bild von Koper­nikus besorgt hatte;Autographon" wird es ge­nannt. Gassendi berichtet, Kopernikus habe in seiner Krakauer Zeit auch Malstudien betrieben und sich mit Hilfe eines Spiegels gemalt. Schwarz hält das für eine erfundene Erzählung, weil sie nirgendwo sonst eine Andeutung dieser Art fände. Er möd)te dasAutographon" auch nicht mit Selbstbildnis übersetzen, sondern deuten alsBild mit eigen­händiger Unterschrift" oder so ähnlich. Jedenfalls war Giese derjenige, her es verschaffte und dem Künstler lieh, der das Bildnis an der Uhr des Straßburger Münsters malte, und das gibt dem Verfasser die Gewißheit, das das Straßburger Bild wirklichkeitsnah gewesen sei. (»immer, der ein guter Künstler war, habe also sein Bild nach einem Ori­ginal gemalt, das nach dem Leben geschaffen mal* Die große Reihe von Kopernikusbildnissen, die es gibt, seien auf Grund des Holzschnittes im Contra­fakturbuch von Nikolaus Reusner geschaffen wor­ben. Das Autographon ist leiber verschwunden. Ein mehrfach erwähntes repräsentatives Oelgemälde in Frauenburg ist ebenfalls verschollen, und das im 18. Jahrhundert von Bischoff Kromer geschafft Denkmal wurde zerstört. DKD-