Ausgabe 
25.5.1943
 
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Fortschritte der japanischen Offensive am Aangtse

Zwischen Giraud und -e Gaulle

So-

23 er»

Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Giehen. Lchulftratze 7-9

such unternommen, das Programm der Ernäh­rungskonferenz umzuwerfen. Absicht der Briten und Nordamerikaner war es, auf dieser Konferenz die Ernährungsprobleme, die nachdem Kriege auftauchen werden, wenigstens auf dem Papier zu lösen. Mit dem Versuch der Sowjet­delegation, die Aufgaben der Konferenz auf d i e Gegenwart umzustellen, wird erstrebt, die

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Ankara, Mai 1943.

Kurz vor diesem Kriege schickt^ einmal ein Mann in London einen Brief an dasSekretariat der pan­arabischen Bewegung in Bagdad, Irak". Die Adresse war tadellos geschrieben, in englischen und arabi­schen Buchstaben, die irakische Post galt allgemein als findig und tüchtig, mußte aber doch einen dicken Strich durch die Adresse machen, schickte den Brief jedoch vorsichtshalber nach Damaskus in Syrien. Dort klebte die Post nach einigen vergeblichen Nach­forschungen ein Schildchen mit der AufschriftEn Damasque inconnu" auf das Schreiben und setzte mit einem FragezeichenJerusalem" hinzu. Die palä­stinensische Hauptstadt galt allgemein als Sitz aller möglichen Organisationen, warum könnte sich dort nicht auch dasSekretariat" derpanarabischen Be­wegung" befinden!? Mer nein, in Jerusalem sah sich die Post auch vergebens um, kam ober auf den Ein­fall, ihn an den Obersten Moslemischen Rat in Mekka weiterzuleiten. Aber auch diese Eingebung täuschte. Im Reiche Ibn Sauds wurde der Brief von. der Post geöffnet, festgestellt, daß der Inhalt nicht für den Empfänger bestimmt" gewesen sei und einepanarabische Bewegung" in Saudi-Ara­bien nicht bekannt sei! Der Brief ging nach England unbestellbar" zurück.

Aus dieser wahren Begebenheit erhellt, daß es

klärte Innenminister Gadrowsky, daß die Juden- die Hauptnutznießer der schwarzen Börse seien und die Markt- und Preispolitik der Regierung gestört hätten. Die Juden seien stets die Elemente der Un­ruhe, der Gerüchtebildung und der politischen Un* sicherheit. Deshalb habe sich die bulgarische Regie­rung zu diesem Schritt entschlossen.'Man erfährt, daß sich die Juden, denen die Ausweisungsbefehls zugestellt worden sind, an einzelnen Stellen der Stadt zu Protestkundgebungen $ufammenrotteni wollten. Diesen Äersuchen trat die Polizei mit Energie entgegen, so daß sie im Keime erstickt worden sind. Äon der Ausweisung werden etwa 20 000 Juden betroffen. Die Gesamtzahl der in Bulgarien lebenden Juden beträgt etwa 60 000.

Postscheck 11686 Wrankf./M. vrühlsche llniverfitätrdruckerer K Lauge

Auf der Ernährungskonferenz von Hotsprings.

Lissabon, 25. Mai. (Europapreß.) Die wjetdelegation in Hotsprings (USA.) hat den

193. Jahrgang Nr. uo Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags

Beilagen:

Gteßener Ramilienblättei Heimat imBild DieScholle

Bezugspreis:

Monatlich . RM. 1 80 Zustellgebühr. ,, -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

rien eine starke Mittelmeerposition sichern solle. Nur Tunesien werde den Franzosen vorbehalten bleiben, die fortfayren könnten, sich mit dem heiklen Problem der italienischen Besiedlung dieses Raumes auseinanderzusetzen.

Die Ausplünderung Rordafrikas.

Genf, 24. Mai. (Europapreß.) Nach einem Neuyorker Bericht desPetit Dauphinois" (Gre­noble) geht der wirtschaftliche Ausverkauf in Fran­zösisch-Nordafrika weiter. Seit November 1942 sind über 350 000 Tonnen Rohstoffe und in Nordafrika selbst selten gewordene Lebensrnittel nach den Ber­einigten Staaten und auch nad) Großbritannien ge­bracht worden. Dabei wird besonders betont, daß die Lieferungen mit Einwilligung des Ge­nerals Giraud erfolgt sind, womit bestätigt wird, daß der Ausverkauf in Französisch-Nord- afrifa mit Einverständnis derfranzösischen Pa­trioten" in Algier, Marokko und Tunesien vor sich geht. Bor allem wurden Phosphate, Eisenkobalt und Mangan ausgeführt.

Moskaus Reserven nicht unerschöpflich.

Britischer Korrespondent über die hohen Menschenverluste der Sowjets.

Stockholm, 24. Mai. (DNB.) Nach Schätzun­gen des Moskauer Korrespond-nten desDaily Ex­preß", Paul Huld, hat die Sowjetunion im Kriege gegen Deutschland 30 Millionen Menschen an Toten und Verwundeten auf den Schlachtfeldern, Kriegsgefangenen und an Hunger und Krankheit gestorbenen Zivilisten verloren. "Man dürfe deshalb nicht glauben, daß die sowjetischen Reserven an Soldaten unerschöpflich seien. Der Sowjeffoldat erhalte nie Urlaub. Der Lohn betrage 10 Rubel monatlich. Offiziere im Frontdienst verdienten bis zu 4000 Rubel monatlich. Die Familie des Soldaten werde, wenn er falle, offiziell nicht benachrichtigt, obwohl man erwarte, daß der zuständige Kommissar den Angehörigen ein Beileid zukommen lasse. Manchmal geschehe das, in den meisten Fällen aber nicht. Der Sowjetsoldat be­gnüge sich mit 1 Kilogramm Schwarzbrot und einem Becher Sauerkohlsuppe, sowie Einern Becher Grieß­brei täglich. Wenn er sich innerhalb 15 Kilometer von der Frontlinie befindet, erhalte er außerdem etwas Wodka.

Die Sowjets fordern sofortige Zufuhren.

Die Alisemanderseßmig mit dem Bolschewismus war natumotwendig.

Oer ehemalige deutsche Botschafter in Moskau, von Oirksen, über die Vorgeschichte des Krieges gegen die Sowjets.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Englandsarabische Föderation" s Von unserem ek.-Berichterstatter.

Roosevelts Kommunistentrick.

QUif) noch eine vierte Wahlperiode auf sich zu nehmen. Er hat bereits seliE geheimen Wahlapparat in Tättgkeit gesetzt, ^kch den er die Stimmung im Volk erkunden und geschickt geeignete Parolen verbreiten läßt. Seine 9T°^ePe Freundschaft mit dem Bol- schewlsmus ist aber keine gute Wahlparole für ihn, kommunistische Gefahr in weiten Krei- mnerpolitische Entwicklung des Landes sestgeftellt worden ist. Roosevelt mußte den kritisch gewordenen amerikanischen Wählermassen und auch den vielen kleineren Staaten, die er sich untertan gemacht hat den Beweis erbringen, daß es eine internationale Dolschewistengefahr nicht gibt K kam Brief an Stalin zustande mit der ein- dringlichen Mahnung, die Komintern als General­stab für die kommunistische Weltrevolution aufzu- lofen. 10

2)er JBrief Roosevelts enthält vier Punkte, die an jK mchtfur die Weltöffentlichkeit bestimmt waren. Sie bestätigen, daß er diesen Kommunisten-Trick aus Gründen i n n er p oli ti sch e r Taktik dringend brauchte. Der erste Punkt bezieht sich auf die Finnland-Politik Roosevelts, mit der er eine völlige Niederlage erlitten hat, weil Finnland all die letzten Vorkriegs- und Kriegserfahrungen nicht außer acht lassen kann. Finnland weiß aus bitterer Erfahrung, daß ein Vertrag mit Moskau keine Ge­währ für ständigen Frieden bedeutet, und daß die amerikanische Freundschaft nie selbstlos ist, sondern Gegenleistungen verlangt, die die Selbständigkeit der Unterwürfigen noch immer in Frage stellte. Finnland ist Roosevelt aber eine Messe wert, des­

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Schanghai, 25. Mai. (Europapreß.) Neun Tschungking-Divisionen wurden im. Verlaufe des japanischen Vormarsches am Südufer des P an gtse bereits vernichtet, bis am 22. Mai nach­mittags die Stadt Buyangkwan in die Hände der Japaner fiel. Die japanischen Streitkräfte be­finden sich gegenwärtig in schnellem Vormarsch auf die Stadt Wuseng, 90 Kilometer südwestlich von Jtschang. Offenbar richtet sich der Vorstoß der japanischen Truppen im Vangtse-Gebiet gegen das Ende der großen Stromschnellenzone des Pangtse mit seinen Bergen und Schluchten bei Santuping. Die Besetzung von S a n t u p i n g , das den östlichen Ausgang der einige 100 Kilometer langen Strom­schnellenzone des Flusses beherrscht, würde bedeu­ten, daß der Nachschub für Tschungkings Zentral­front abgeschnitten wird. In Militärkreisen Tschung­kings bezeichnet man daher diese Entwicklung als die ernsteste seit dem Burma-Feldzug, der zur Sper- rung der Burmastraße führte.

Eine weitere Gefahr droht Tschungking von der Zwischen Burma und Tschungking gelegenen Provinz dünn an her. Hier traten die Japaner in der ersten Hälfte des Monats Mai vorn Oberlauf des Salwin-Fl'isses aus den Vormarsch an, wobei sie im Tale des Nu-Fluffes, eines westlichen Nebenflusses des Salwin, vorwärts marschierten. Die dort stehen­den Tschungking-Truppen wurden eingekreist und am 19. Mai in Stärke von zwei Divisionen nach einem heftigen Kampf um denPstrdegesichtspaß" bei Mamienkwan vernichtet. Der geschlossene Widerstand der in diesem Abschnitt stehenden Tschungking-Verbände war damit zu Ende, die Ja­vaner sind setzt dabei, die in kleinere Gruppen zer­sprengten feindlichen Streitträfte aufzureiben und das eroberte Gebiet zu säubern.

einepanarabische Bewegung" als polttische Orga« nisation im Vorderen Orient niemals gegeben hat. Sicherlich bestanden zwischen den einzelnen Völkern gemeinsame Bande der Rasse, der Religion, dec Weltanschauung, unzweifelhaft auch kulturelle und wirtschaftliche Bindungen und ein allgemeines Stre­ben nach staatlicher Selbständigkeit und völkischer Unabhängigkeit, aber das, was manPanarabis­mus" nannte, war eine rein britische Erfin­dung zu dem Zweck, die Selbständigkeitswünsche der arabischen Länder zu vertuschen und eine Or­ganisation vorzutäuschen, die dazu dienen sollte, die englische Herrschaft in diesen Gebieten zu festige« und den jeweiligen Erfordernissen geschickt anzu- passen, mit anderen Worten: die Araber von ihren nationalen Zielen abzulenken!

Aber kein britischer Agitationstrick aus imperia­listischen Gründen ist so alt, daß er nicht auch in diesem Kriege wieder herhalten müßte, um Eng­lands schwindende Mackst im Nahen Osten mit neuem Prestige zu versehen. Waren es seit dem ersten Weltkrieg wie vor 100 Jahren in erster Linie die Unabhängigkeitsbestrebungen der arabi­schen Staaten, so sind es jetzt nicht nur diese, font dern vor allem auch die Machenschaften des nord- amerikanischen Bundesgenossen, die machtmäßigen Ueberschneidungen der französischen, nordamerika­nischen, britischen und Mischen Ansprüche in

LebensmittelseNdungen für die bolschewistische Ar­mee schon jetzt sicherzustellen. Die Sowjetunion ver­langt sofort Zufuhren für ihre Armeen und hungernden Völker. Der Führer der bolschewistischen Delegation, Alexej Krutikow, erklärte, die So­wjetunion brauche für den Wiederaufbau eine be­trächtliche Zeitspanne, langfristige Kredite und Liefe­rungen an Nahrungsmitteln und anderen wesent­lichen Produkten.

Sofia wird judenfrei.

Sofia, 24. Mai. (DNB.) Das bulgarische In­nenministerium hat alle Juden der Landeshaupt- tadt aufgefordert, binnen drei Tagen Sofia zu verlassen. Die Juden sollen sich in die Provinz be­geben und dort Wohnung nehmen. Der Presse er=

Golfes an der australischen Westküste traf den südlichsten Punkt, der jemals in Australien ange­griffen wurde. Er veranlaßte fieberhafte australische Derteidigungsmaßnahmen, vor Ellern eine Verstär­kung der Küstenbatterien. Japanische Spezialkom­mandos räumen in kürzester Zeit alle von den Australiern angelegten Minenfelder.

Japanische Erfolge im Aleuien-Gebiei.

lo t i o, 24. Mai. (Europapreß.) Einheiten der japanischen Marineluftwaffe griffen am Sonntag im Gebiet von Attu nordamerikanische Kriegsschiffe an. Ein Z e r ö r e r wurde versenkt und ein Kreu- z er schwer beschädigt. An Bord eines weiteren Zerstörers, der von mehreren Bomben getroffen wurde, brach Feuer aus. Die Japaner erlitten keine Verluste. Ein japanisches U-Boot griff am 22. Mai feindliche Schiffe im Aleuten-Gebiet an. ®in Schlachtschiff und ein Kreuzen wurden schwer, zwei weitere Kriegsschiffe leichter beschädigt. Der japanische Angriff richtete sich gegen die gleichen Schiffe, unter deren Schutz die USA.« Truppen am 12. Mai auf Attu gelandet waren. Das Schlachtschiff und der Kreuzer, die Torpedo­treffer erhielten, sind so schwer beschädigt roorben, daß der Untergang nicht ausgeschlossen ist. Die ja­panische Marine im Seegebiet um Attu hat zahl­reiche Minenfelder gelegt. Es kann daher ange­nommen werden, daß den Nordamerikanern auch durch Minen Verluste beigebracht worden sind. Wie also imitier auch der Kampf um Attu ausgehen wag, Japan fügt den Nordamerikanern Verluste zu, die in keinem Verhältnis stehen zu der strate­gisch keineswegs entscheidend wichtigen Position von

Dordringenanden australischen Küsten. 2e.r eftir die Japaner bedeutsamere und vor , q . qy. . . ollem wirkungsvoller ausgebaute und gesicherte

Stockholm. 24. Mai (DNB.) Em Angriff der Stützpunkt in der Inselkette der Meuten ist die japanischen Luftwaffe im Gebiet des Exrno uth- Insel Kiska

Lissabon, 24. Mai. (Europapreß.) Die letzten Vorschläge, die General C a t r 0 u x als Beauftrag­ter des franzosistschen Nationalkomitees aus Algier von feinen Verhandlungen mit Giraud nach London am Montag mitgebracht hat, wurden an- jeblich von de Gaulle akzeptiert. Catroux, 0 erfährt man aus diesen Kreisen weiter, werde sich wieder nach Algier zurückbegeben und Giraud eine freundliche Antwort" von de Gaulle übermitteln. De Gaulle werde noch in dieser Woche in Algier ein treff en. Man hält es für ausgemacht, daß zwi- cyen England und Amerika eine Verständigung in dem Sinne erzielt worden sei, Algerien und Tunis enffprechend ihrer stark links orientierten Bevölkerungsmehrheit künftig als Einfluß- phäre de Gaulles zu betrachten, während Marokko und Französisch-Westafrika mit ihrer mehr konservativ gesinnten Beamten- und Offiziersbevölkerung sich unter Nordameri­ka n i s ch e m Schutz jeder politischen Veränderung enthalten. Nordamerikanische Korrespondenten in Algier behaupten, daß künftig die atlantischen Ge­biete, also Marokko und Westafrika, der wirffchaft- lichen und politischen Durchdringung Nordamerikas überlassen würden, während England sich in Alge-

halb rät er Stalin für die Zukunft Vorsicht für seine polttische Taktik an.

Dasselbe tut er hinsichtlich der Kriegsziele «talins. Er möchte chn für die plutokratifche Taktik gewinnen: mit dem Gebetbuch in der Hand ewigen Frieden zu predigen, um damit die Opfer um so dichter für sich einzufangen. Stalin ist den offene­ren, brutcüeren Weg gegangen, sein Ziel ist die bolschewistische Weltrevolution, er hat es nie ver­leugnet und sah deshalb auch keinen Anlaß, dieses letzte Ziel auch des jetzigen Krieges zu verschleiern. Das hat ungünstige Wirkungen auf die politische Gesamtlage der jüdisch-plutokrattsch-bolschewistischen Kriegshetzer gehabt.

Den Punkt, der ihm am meisten zu schaffen macht, nennt Roosevelt zusetzt: die innerpolitischen Spannungen, die sich aus seinem Bündnis mit den Bolschewisten ergeben haben. Er weiß, daß er durchschaut ist und versucht deshalb, seinen politischen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit der scheinbaren Auflösung der'Dritten Internatio­nale, mit der Erklärung: es gibt keinen internatio­nalen Bolschewismus, will er seine Gegner ent­waffnen.

Der vierte Punkt des Roosevelt-Briefes an Stalin ist die Parallele zu Churchills Erklärung, daß Eu­ropa nach dem Kriege ohne Einschränkung den Bol­schewisten ausgeliefert werden soll. Vielleicht hofft Roosevelt, damit den Bolschewismus auf Europa und Asien beschränken zu können, um den Rest der Welt für sich in Anspruch nehmen zu können. Das würde bedeuten, daß Stalin das Programm des Bolsche­wismus einschrankt. Stalin müßte nicht Stalin sein, wenn er sich nicht ein solches Opfer, selbst wenn es nur scheinbar ist, teuer bezahlen ließe.

Führers vom März 1933 und durch sonstige posttioe. Einstellung seine friedliche Gesinnung bekundet habe, hätten in Moskau die radikal-bolschewistischen und die jüdischen Einflüsse die Oberhand gewonnen über die gemäßigte Richtung und eine Erkaltung herbeigeführt.

Trotz aller Schwierigkeiten sei es aber gelungen, den Frieden zu erhalten, bis ein neues Moment dazu kam, das die beiden Staatssysteme mit solcher Wucht und Unversöhnlichkeit aufeinanderprallen ließ, daß der Krieg unvermeidlich wurde: das Wie­dererwachen der russischen Ländergier in der Form des Sowjet-Imperialismus. Nach durch­geführter Aufrüstung Ende der dreißiger Jahre habe die sowjetische Staatsführung auf einen Augenblick gelauert, wo sie den Vorma.rschnach W e st e n wieder würde antreten können. Diesen Augenblick habe sie nach Ausbruch des Krieges 1939 für gekommen erachtet. Da habe sie die Bal­tenstaaten, Bessarabien, das Buchenland erobert, Finnland sich ganz einoerleiben und ihren Macht­bereich auf Südosteuropa ausdehndn wollen. Ihre Angriffspläne gegen Deutschland habe sie an dem Tage demaskiert, als sie im April 1941 ein Bünd­nis mit der jugoslawischen Putschregierung des Generals Simowitsch geschlossen habe. Sie habe damit gerechnet, daß Serbien einige Monate dem deutschen Ansturm würde standhalten können, bis Moskau selbst zum Angriff gegen Deutschland bereit war. So sei eine lebensgefährliche Bedrohung für Deutschland entstanden und der Krieg unver­meidbar geworden.

Am Montagvormittag hielt Boffchafter a. D. v 0 n Dirksen, der in den Jahren 19281933 das Deutsche Reich in Moskau vertrat, vor der Deut­schen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwisfen- schaften einen Vortrag, in dem er aus seiner, be­sonderen Kenntnis der sowjetischen Politik den Nachweis -führte, daß der Krieg zwischen Deutsch­land und der Sowjetunion unvermeidbar war, weil es auf Grund der dem Sowjetstaat und dem Bolschewismus innewohnenden Tendenzen und Eigenschaften mit innerer Notwendigkeit zu einem Zusammenstoß mit dem nattonalsozialistischen Deutschland kommen mußte. Dieser Nachweis wurde von der wehrpolitischen wie von der staatspolitischen Seite her geftihrt.

In wehrpolitischer Beziehung waren es insbe­sondere zwei Tatsachen, die Konfliktsmöglichkeiten in sich trugen: zunächst der Aufbau einer g e - wattigen Armee, die durch eine gleichzeitig durch geführte Industrialisierung mit den modern­sten Kampfmitteln ausgestattet wurde und ihre Quartiere zum größten Teil längs der Westgrenze i der Sowjetunion bezog, sodann aber vor allem der Geist und die Zielsetzung der Roten Armee. Sie diente nicht in erster Linie der nvtio- ' nalen Verteidigung, sondern der Verbreitung der Weltrevolution in anderen Län­dern. Diese Zielsetzung ist auch nie verheimlicht worben, sondern wurde durch Hunderte von Aeuße- ' rungen verantwortlicher Bolschewistenführer und Mttitärs belegt. Für Deutschland ergab sich somit die bedrohliche Tatsache, daß es in der Sowjetarmee einem einmaligen Sonderfall gegenüberstand, näm­lich einem offensiven militärischen Instrument von Gewaltiger Kraft, das in. dem Augenblick zu einer schweren Gefahr werden mußte, wo die Absichten der Sowjet-Staatsführung Deutschland gegenüber bedrohlich oder offen aggressiv wurden.

Ein einmaliger Sonderfall ist die (Sowjetunion auch oonderstaatspolitischenSeiteher, weil kaum je in der Geschichte eine kleine Minder- ; heit die Überwiegende Mehrheit eines Volkes so lange brutalisieren konnte wie die Bolschewiken, und weil ferner in der Sowjetunion die Regierungs- ; gemalt von Stellen aus geübt wird, die nach außen hin gar nicht in Erscheinung treten, während die / Volkskommissare und anderen Beawten nur Ma­ri rionetten in der Hand dieser vier Organisationen -! sin-d: des Politbüros, der Komintern, der GPU. und der Zentralen Kontroll-Kommission. Auch vom staats- I politischen Gesichtspunkt aus wirkte die welt- revolutionäre Zielsetzung des Sowjet- | ftaates höchst bedrohlich, weil die Lehre von der ' Weltrevolution nichts anderes bedeutet als die zum Prinzip erhobene Einmischung in die inneren An­gelegenheiten anderer Länder mit der Tendenz der Herbeiführung eines inneren Umsturzes.

I Der Botschafter untersuchte sodann das Wesen und j die Gestaltung der deutsch-sowjetischen Beziehungen, Er wies nach, daß die Hoffnung auf eine N0 r ma - lisierung des Sowjefftaates, auf der die Be­gehungen ' beider Länder zu einem guten Teil be­ruhte, sich als trügerisch erwiesen hatte: trotz aller Ansätze zu einer Normalisierung wahrend Ser Nep-Periode, während der Durchführung des ersten Fünffahresplans und bestn Eintritt der Sowjet­union in die Genfer Liga habe sich immer wieder der radikal-bolschewistische Kurs durchgesetzt.

Deuffcherseits sei während der zwanzigjährigen Dauer der beiderseitigen Beziehungen keine Muhe . gescheut worden, um mit einem so gefährlichen ötaat in zufriedenstellende Beziehungen zu gelangen. 21ber vergeblich. Die Periode des Rapallo- V e r trä­ges habe ihr Ende gefunden durch die ständigen . weltrevolutionären Einmischungsversuche des Bol­schewismus: die wirtschaftliche Zusammenarbeit I während des ersten Fünfjahres p l a n s sei von Moskau aus unterbrochen worden: und als das J mitt0nalfozialistifche. Deuffchland durch tue Rede des

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen