vonn-rstag.75 Märzw-Z
Giesjener Anzeiger
Der tapfere Mensch weiß, daß für ihn nunmehr
die Stunde der Neubesinnung und Bewahrung ^e° ' kommen ist. Das Schicksal hat die Schiffe hinter ! chm verbrannt uni) befiehlt ihm, ein Neues 311
Der Kuechtsdiensk tälek. aber gerechter Krieg
neuen Licht schauen. Das Alte ist vergangen,
Bann zurückführt.
für das Verhältnis Schwedens zu fr Bedeutung sind. Das eine ist der Gc
Der totale Krieg fordert auch deine ganze Krast
Finnland von edonke einer
verstört und erschreckt ob des Grollens aus der Tiefe des Kremls — dem ja Korneitschuk nur Stimme und Ausdruck gegeben hatte —, merklich von den „polnischen Brudern" und von dem „Unionsoertrag", den sie kurz vorher noch mit großem Regie- und Reklameaufwand mit ihnen abgeschlossen hatte, ab und erklärte, man müsse erst die USA.; Großbritannien und — vor allem — Sowjetrüßland als „nächste Großmachtsnachbarn" um Rat in dieser Angelegenheit fragen.
Die nordamerikanische Regierung und vor allem aber die britische, die früher die ,Polen als ihre „dem englischen Herzen am nächsten stehenden Verbündeten" bezeichnet hatte, änderten ihre Sprache, sie traten den Bolschewisten nicht nur nicht entgegen, sondern ließen durch Churchill, Eden, Holl usw. erklären, daß „ins einzelne gehende Pläne vor der letzten Phase des Krieges keineswegs aufgestellt werden sollten", und daß vor allem „heikle Grenzfragen" streng vermieden werden müßten. Ja, es wurden sogar in der britischen Presse Stimmen laut, die kategorisch verlangten, daß Schluß gemacht werden müsse mit „solchen Chauvinisten", wie es die Polen feien, und daß sie sich wieder „hinter die Kulissen zu begeben" hätten.
Daß alle an diesem Steit Beteiligten, die Polen, die Bolschewisten, die Briten und die Nordamerikaner, den weisen Grundsatz vergessen, man teile das Fell des Bären nicht früher, denn man ihn hat, zeigt besser als irgend etwas anderes, wie sehr schon England und auch die Vereinigten
Berlin, 24. März. (DNB.) Mitten im Atlantik erfaßten einige deutsche Unterseeboote einen amerikanischen Geleitzug, dessen voll beladene Transporter für die Nordasr ikafr 0 nt bestimmt waren. In siebentägigen Operationen führten die Angriffe zur Versenkung von 15 Schissen mit 73 000 BRT.
Völker der Erde" einzusetzen. . , ,
Die tschechische Emigration, früher iieoß5 voll mit der polnischen Hand in Hand gehend, ruckte,
Die neue Versendung von 73 000 BRT. aus einem von USA. nach Gibraltar bestimmten Geleitzug und aus Mittelmeer-Geleitzügen erinnert an die Meldung vom 12. Januar über die Versenkung von 15 Tankern mit 171000 BRT., die ebenfalls von Amerika nach Gibraltar unterwegs waren. Der Kampf der U-Boote im Mittelmeer und in feinen unmittelbaren Randgebieten ist ungewöhnlich schwer. Der Seeraum ist eng und kann durch Luftuberwa- chung eben wegen dieser Enge leicht kontrolliert werden. Das Wetter ist viel klarer als im mittleren oder gar nördlichen Wlantik und' die Sichtigkeit geht bis auf über 40 Meter Wafsertiefe! Aus anderen Gründen bietet das Eismeer ähnlich große Schwierigkeiten für die U-Boote und daher hat sich die sprichwörtliche Redensart unserer U-Bootleute entwickelt, daß die „Mittelmeertonne" ebenso wie die „Eismeertonne" ein ganz besonders hohes „fpezi- fisches Gewicht" habe. In Gibraltar sind ständig recht erhebliche englische Seestreitkräfte konzentriert. Für sie ist die Nachricht besonders mißlich, daß den U-Booten der Angriff auf den englischen Geleitzug im näheren Bereich Gibraltars — sozusagen unmittelbar vor der englischen Nase — gelungen ist. Alle Erfolge der deutschen und italienischen U-Boote im Mittelmeer stehen aber unter einem noch sehr viel größeren Gesichtspunkt: Sie schlagen dem britisch- amerikanischen Nachschub für die Nordafrika-Front schwere Wunden und drängen den umfangreichen englischen Nachschub nach dem Nahen Osten und nach Indien von der kürzesten Route durch das Mittelmeer und den Suezkanal auf den 22 000=km='Unt« weg um das Kap der Guten Hoffnung herum ab.
Mer schwer beschädigte Frachter in Gibraltar einaelau^en.
Madrid, 25. März. (DNB. Funkspruch.) Wie ous Algeciras gÄneldet wird, liefen am Mittwoch vier stark beschädigte Frachter in Gibraltar ein, die — um das Schiff zu retten — ihre Ladung ins Meer hatten werfen muffen. Die Schiffe gehörten einem Geleitzug an, der von U-Booten angegriffen worden war.
Es ist jetzt an der Zeit, eine strategische Bilanz der großen Winterschlacht im Osten zu ziehen. Die Lage hat sich, wie auch schon der Führer in seiner Rede am Heldengedenktag betonte, geklärt, die neue Front im Osten steht fest, und das strategische Gesamturteil muß dahin lauten, daß der Feind seine weitgesteckten operativen Ziele nirgends erreicht hat. Wir wollen nicht leugnen, daß ihm zum Teil erhebliche taktische Gewinne zugefallen sind, und daß er große Geländeteile, die unsere und die verbündeten Truppen im vergangenen Sommer und Herbst erobert hatten, wÜbergewinnen konnte. Der Sprecher des deutschen Heeres im Großdeutschen Rundfunk, Generalleutnant Dittmar, hat die Gesamtlage mit dem Satz charakterisiert: „Wir haben im wesentlichen mit Gelände bezahlt, die Sowjets aber mit Blut."
Diese letzte Feststellung ist von größter Bedeutung. Bisher hatten die Bolschewisten -die Möglichkeit, alle ihre Unternehmungen trotz größter Verluste aus den operativen Reserven zu nähren, die sie hinter den Fronten der Armeen bereitgestellt hatten. In den Kämpfen der vergangenen Wochen hat sich herausgestellt, daß diese Vorräte zu Ende geben. Die Bolschewisten sahen sich deshalb vor die Notwendigkeit gestellt, aus Nachbarabschnitten starke Kräfte cchzuziehen und in die Fronten hineinzuschie- ben, die durch große Ausfälle notleidend geworden waren. Dieser Umstand kann für die weitere Kampfführung von entscheidender Bedeutung werden. Es wird abzuwarten sein, ob bereits jetzt der Zeitpunkt gekommen, ist, zu dem die Bolschewisten nicht mehr in der Lage sind, hinsichtlich ihrer Menschen- und Materialergänzung aus dem vollen zu schöpfen.
Was die operative Führung in den letzten Monaten angeht, so haben die Sowjets zweifellos die Fähigkeit der Bewegung großer Massen bewiesen. Allerdings haben sich bei dieser Gelegenheit auch die Grenzen ihrer strategischen Fähigkeiten deullich
Finnlands Nachbar
Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.
Bereit zu Abwehr und Angriff
Das operative Ergebnis der Winterschlacht im Osten.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Stalin wird noch deutlicher.
Ernennung Korneitschuks zum stellvertretenden Außenkommiffar.
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und mir fühlen, daß kein Weg mehr in feinen Das, das gib! erst dem Menschen seine ganze c \ 1 Jugend, daß er Fesseln zerreißt." Hölderlin.
OerLl-Boot-ErfolgimMittelmeer-Gebiet lieber 1OOOOO Gewichtstonnen an Kriegsmaterial erreichten nicht mehr Nordafrika. — Spürbare Entlastung unserer Tuniskämpfer.
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wagen. Er antwortet auf diesen Ruf des Schickillls nicht mit wehleidigem Klagen, sondern spürt, daß er im Grunde seines Wesens längst auf diesen Ruf gewartet hat. Hatte sein bisheriges Planen und Tun nicht alles Gewicht verlören? War chm, ein Leben, das seine Kraft nicht mehr voll in Anspruch nahm, nicht schal erschienen? Nun aber ist alles in ihm neu und jung geworden! Er sieht sich wieder Aufgaben gegenüber, deren Meisterung seinem Leben einen neuen Inhalt gibt.
Für unser Volk ist heute die große Stunde der Bewährung gekommen, in der es die Dinge in einem neuen Licht erkennt. Fragen wir aber nach der Quelle dieses Lichtes, dann wird die Antwort lauten: Es ist der helle Glanz der Idee des Reiches! Oeffnen wir unsere Herzen und Sinne und unseren Willen diesem Glanz ohnegleichen, der von der Erkenntnis ausstrahlt: es geht um unser Reich! Jeder, der dies tut, weiß, dann um seine höchste und letzte Pflicht. Ihm wandelt sich das Gebot der Stunde in die freie Tat seines Willens — und im ewigen Licht der Idee J&es Reiches findet er die Vollendung des eigenen Wesens. K. Rh.
Stockholm, im März 1943.
Wenn die Neutralität das Leitmotiv der schwedischen Politik ist, so steht seit den Tagen des Winterkrieges 1939/40 dieNachbarfchaftzu F i n n - land an zweiter Stelle unter den Grundsätzen, welche Schwedens Haltung in diesem Krieg bestimmen. Finnland ist auch das einzige 'kriegführende Land, zu dessen Gunsten ober um dessentwillen Schweben Zugeständnisse verschiedener Art gemacht hat, welche es unter anderen Umständen mit Rücksicht auf seine Neutralität verweigert haben würde. Allerdings bedeutet das nicht, daß nicht auch die Nachbargefühle der Schweden an der Neutralität ihre Grenze finden. Sie sind, wie das meistens bei wirkungskräftigen politischen Motiven der Fall zu fein pflegt, eine Mischung aus Selbstsucht und Idealismus.
Das Schicksal Finnlands, welches gegenwärtig im Mittelpunkt vieler Gespräche an schwedischen Kaminen, aber auch in den Beratungszimmern verantwortlicher Männer steht, hat schon zweimal vorher in unserem Jahrhundert die schwedische Politik beunruhigt und das Land vor die Frage gestellt, wie weit Schweden im finnischen Interesse gehen wolle oder dürfe. Das erste Mal liegt gerade 25 Jahre zurück. Damals hatte in Finnland der Freiheitskampf begonnen. Unter Manner- heirns Führung kämpften die weißen Truppen gegen die bolschewistischen Scharen, die sich im Süden des Landes festgesetzt hatten und ganz Finnland der in der Entstehung begriffenen Sowjetunion einverleiben wollten. Die Bereitschaft, zu helfen, war größer als heute. Die schwedischen Freiwilligen rn Finnland bildeten eine eigene Brigade von über 1000 Mann.
Liest man heute vom politischen Kampf, der damals innerhalb Schwedens ausgefochten wurde, so scheint das Hin und Her während des Winter- krieges 1939/40 vielfach eine getreue Wiederholung dieser Ereignisse zu sein. In beiden Fällen hat Schweden Opfer gebracht, um seinem Nachbarland gegen die bolschewistische Gefahr zu helfen. Beide Male fehlte aber auch der Wille, den einmal ein- geschlagenen Weg zu Ende zu, gehen, weil die Gefahren für Schweden allzu groß erschienen. Beide Male war Schweden im Weltkrieg neutral. Der Unterschied war nur, daß 1918 der Krieg zu Ende ging, wahrend er 1939 kaum begonnen hatte. Der Schwung der Begeisterung war daher das zweite Mal größer und echter, aber größer auch die Abneigung dagegen, in den allgemeinen Konflikt hineingezogen zu werden. Beide Male zeigte sich, daß der Wille zur Neutralität stärker war als die Liebe zum Nachbarn.
Heute sind nun neben Neutralität und Nachbarschaft noch zwei weitere Faktoren a^eten, welche
gezeigt. Dies geschah in dem Augenblick, als die feindliche Offensive den Höhepunkt erreicht hatte, den jede Offensive einmal findet und der die Führung vor die dringende Aufgabe des Maßhaltens und unter Umständen der Umgruppierung der Kräfte stellt. In diesem Augenblick hat die bolsche- wistffche Führung offenbar versagt, denn sonst hätte sie die schwere Niederlage vermeiden müssen, die ihr bei dem Versuch, die deutsche Donezstellung von der nördlichen Flanke her aufzurollen, von den deutschen Truppen beigebracht wurde.
Das Gesamtergebnis ist für uns nach den kritischen Momenten der vergangenen Wochen durchaus positiv und erfreulich: die Abwehrfront ist gefestigt, das Gesetz des Handelns ist in unserer Hand, operative Reserven sind bereit, um in Abwehr und auch in Angriff allen Befehlen der Führung zu entsprechen. Was der Feind künftig tun wird, bleibt abzuwarten. Es muß durchaus damit gerechnet werben, baß er einen neuen Versuch ^unternehmen wird, die verloren gegangene Initiative wieder an sich zu reißen. Aber was immer im Osten künftig geschehen wird, die deutschen Truppen werden unerbittlich die Zerschlagung der sowjetischen Kampfkraft fortsetzen, bis eines Tages das von uns erwartete Ziel erreicht ift
Wichtige Eisenbahnbrücke über den Don zerstört.
Berlin, 24.März. (DNB.) Aus dem Luftbild deutscher Aufklärer geht die Zerstörung der Eisen- bahnbrücke über den Don bei Bytschkow, die vor einiger Zeit von Kampffliegern mit Bomben belegt wurde, hervor. Diese wichtigste Brücke der aus dem Dongebiet nach Stalingrad । führenden Hauptbahnstrecke stand nach fieberhaften Bauarbeiten kurz vor der Vollendung. Der Angriff erfolgte an dem Tage, da die Schwergewichtslage der aufgeschobenen Eisenkonstruktion am empfindlichsten war. Die noch nicht vollkommen auf dem Oberbrückenbau aufgeschobens Eisenkonstruktion
193. Jahrgang Nr. 71
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mus, ihnen vorschreibt. sonst noch irgendwelche Völker auf dieser Erde, zu
Stalin aber hat nun durch die Ernennung Kor- schonen, sondern daß er nur das als Gesetz feines
nellfchuks, des Mannes, her Sprachrohr war bei Handelns anerkennt, was geeignet ist — dem
diesem seinem ersten Vorstoß gegen Europa, zum 25jährigen Wunschtroum entsprechend —, den Pvl-
stellvertretenden Kommissar für auswärtige An- schewismus über die Welt zu tragen; immer weiter,
gelegenheiten erneut feinen Verbündeten brutal zu zu tragen, bis er sie in die fernsten Winkel hinein verstehen gegeben, doß er gar nicht daran denkt, beherrscht und ihre Menschen zu seinem willenlosen sich an irgendwelche Erklärungen — selbst wenn er Werkzeug gemacht hat.
Staaten mit allem einverstanden sind,Isie seinerseits gebilligt haben sollte — zu halten, was Stalin, der Exponent des völkerverschlingen- Er hat ihnen gezeigt, daß er gar nicht daran denkt, den, kultur- und menschenzerstörenden Bolschewis- irgendwelche „Verbündete", wie die Polen ober sonst noch irgendwelche Völker auf dieser Erde, zu
Als der Gleitzug entdeckt wurde, herrschte spiegelglatte Ske. Selbst der Schaumstreisen, den bas ausgefahrene Sehrohr nach sich zieht, ist an solchen Tagen auf weite Entfernungen zu sehen. Jede Annäherung an das Geleit kann daher vom Gegner schon früh erkannt werben, und so mußten unsere Fühlung haltenden Boote außerordentlich vorsichtig operieren. Trotzdem gelangen schon in der zweiten Nacht die ersten Versenkungen. Nun versuchten die Reste des Geleitzuges, sich durch einen scharfen Zack nach Norden her Verfolgung zu entziehen. Sie holten nördlich der Azoren zu einem weiten, Zeit und Brennstoff fressenden Umweg aus. Die starke Sicherung versuchte unsere Boote abzubrücken. Sie ließen sich aber nicht ab schütteln. Am 4. Tage war es den wenigen Booten, die die Fühlung hielten, gelungen, die feindliche Abwehr zu Zermürben. Nun folgte bis dicht vor Gi - braltar ein Angriff auf den andern.
Auf dem Wege zu den nordafrikanischen Landungsplätzen im Mittelmeer wurde der feindliche Nachschub erneut gefaßt. Hier stand er in Küstennahe unter stärkster Luftüberwachung, die mit Zerstörern und Korvetten zusommenarbeitete. An die in Tunesien kämpfenden deuffchen und italienischen Truppen denkend, setzten unsre Boote zu kühnen Angriffen bis in Landnähe an. Weitere Erfolge wur- ' den erzielt. Die Gesamtstrecke dieser Operationen belief sich nach siebentägiger Dauer auf 15 Schiffe mit 73 000 BRT. Heber 10000 OGewichts- tonnen wertvollsten Kriegsmaterials erreichten somit den afrikanischen Kriegsschauplatz nicht mehr. Mit ihrer Versenkung haben unsere Boote zur Entlastung der deutsch-italienischen Truppen beige- ' tragen, die gerade jetzt starken feindlichen Angriffen . > in Tunesien standzuhalten haben.
Es war vor nicht langer Zeit, als die Welt unserer Feinde aufschreckte aus ihrem gedankenlosen Dahin-treiben-lassen und nur- das Nächstliegend e- oor-Augen-haben, weil ihr die Initiative dieses Krieges schon längst entglitten, ist und sein Zweck und Ziel nie klar war. Sie wurde unsanft geweckt durch •bie Stimme eines Bolschewisten, Korneitschuk mit Namen der im Moskauer Rundfunk und in der „Prawda" brutal deullich höhnte: „Nur hoffnungslose Toren glauben, daß Lemberg und die Bevölkerung der Westukraine auf die Polen warten, und daß die Ukrainer in den westlichen Distrikten zu Analphabetentum, Arbeitslosigkeit, Besitzlosigkeit und zu nationaler und sozialer Unterdrückung durch blutrünstige polnische Nationalisten verurteilt werden wollen."
Die Folgen jenes „Prawda"-Artikels des Herrn Korneitschuk sind bekannt. Die polnische Em i - Igration, auch schon früher „wenig wünschenswert", ja „beklagenswert", aggressiv gegen hie Sowjetunion — wie sich Londoner Beobachter damals ausdrückten —, weil der Kreml-Diktator sich nicht zu einer bindenden Erklärung darüber herbellassen wollte, wie er sich die Zukunft des neu zu errichtenden polnischen Staates und seine Grenzziehung hachte; schwang leidenschaftlicher und wilder denn je die Fahne der Atlantik-Charta, die Roosevelt und Churchill in einem schwachen und gedankenlosen Moment der Welt und vor allem den kleinen Nationen in die Hand gedrückt hallen. Und noch vehementer als zuvor beriefen sie sich aur die Zusicherung der angelsächsischen Nationen, sich für alle „unterdrückten
In neuem Licht.
Der Urlauber, der nach langen Monaten des Fvonteinsatzes nach Hause kommt, entdeckt die Heimat neu. Es fft aber nicht mehr die alte Heimat, die er vorfindet. Sie erscheint ihm enger und traulicher, und obwohl nun sein Ferntraum Wirklichkeit geworden ist, tastet er doch prüfend ihre Konturen ab und sucht die zarten Beziehungen herzustellen zwischen feinem Traum von der Heimat und ihrem Urbild, in dem er atmend, fühlend und tätig steht.
Seine Freude über den Wiederbesitz der Heimat und ihre bleibende Gestalt strahlt ihm aus den unscheinbarsten und alltäglichsten Dingen entgegen — sei es ein Blumentopf am Fenster, ein Bild an der Wand oder eine alte Gartentür, die immer noch etwas schief in den Angeln hängt und beim Oeffnen einen Ton vernehmen 'äßt, der aus zelllosen Gefilden zu stammen scheint ... Nicht die Heimat hat sich gewandelt, wohl aber der Heimkehrer. Der Krieg geht an keinem spurlos vorüber. Der große | Zerstörer ist zugleich der mächtige Gestalter neuer Werte und Menschen, die sie erfüllen.
' Aehnlich wie dem Urlauber ergeht es allen Menschen in der Heimat, denen' die Wirklichkeit des Krieges einmal mit, voller Deutlichkeit ins
Bewußtsein trat Eine große Leiderfahrung, die Tuchfühlung mit dem Tod oder die Begegnung mll in ©efinnung und Haltung hervorragenden BnCa,IS„lra|1 wlel) U0EE MEIEa,tEE KC1E8
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- - - 1 Jarbe der Sonne, daß man ms Feuer es wirft!
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Nordischen Union und das andere bie Furcht vor den Sowjets. Während die schwedischen Beiträge zu der Diskussion über die politische Form Gesamteuropas* nach dem Krieg enffprechend der Neutralität des Landes ziemlich spärlich sind, gibt es um so mehr Stimmen, welche die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der nordischen Staaten und Völker betonen. Es will sogar scheinen, als sei die Begeisterung für den Norden* gerade hier im Lande um so mehr gewachsen, je weniger Aussicht auf Verwirklichung dieser Gedanke während des Krieges bekam. Tatsächlich haben kaum je zuvor die fünf nordischen Länder — auch Island gehört dazu — so verschiedenartige Schicksale gehabt wie in diesem Kriege. Trotzdem gewinnt die „V e r e i n i g u n a Nor - d e n", die wichtigste Trägerin des nordischen Gedankens, ständig Mitglieder und Freunde in Schweden.
Der natürliche Gegenpol des nordischen Geban- kens ist die Abneigung gegen die Sowjets, welche sich in vielen Fällen bis zur Furcht vor der Großmacht im Osten steigert. In früheren Jahrhunderten mar Schweden die Seele des Kampfes gegen die russische Expansion, und die Erinnerung an die ruhmvolle, aber auch opferreiche Zeit ist noch nicht verlorengegangen. Schweden hält sich heute noch für die führende Macht des europäischen Nordens und nächst Deutschland für die wichtigste Ostseemacht. Das Vordringen Rußlands an die Ostsee war von jeher ein Alpdruck der schwedischen Politik. Die Besetzung der baltischen Staaten durch Sowjsttrup- pen im Herbst 1940 wurde daher mit Besorgnis verfolgt, und heute betrachtet man diese Gefahr noch keineswegs als gebannt. Wichtiger aber noch als ein selbständiges oder wenigstens nichtrussisches Balli- fum ist den Schweden ein unabhängiges Finnland. Deshalb wurde der bolschewifllfche Angriff gegen Finnland im Dezember 1939 als unmittelbare Bedrohung der Sicherhell Schwedens betrachtet, und deshalb sieht Schweden auch heute noch im Kampf Finnlands ein Eintreten für die schwedische Sache.
Die Widersprüche, welche sich aus diesen Voraussetzungen der schwedischen Politik ergeben, liegen auf der Hand. In Schweden beftreitet man sie nicht, hat aber auch noch keine Lösung gekirnt)en. Dv'-ch den Hinweis, daß auch die finnische Politik nicht ohne Widersprüche sei, kommt man im Grunde nicht viel weiter. Gewiß haben Schweden und Finnland gemeinsam den Wunsch, ihre Unabhängigkeit und ihre nordische Art zu erhalten. Während aber Finnland hierfür in den Krieg gezogen ist, glaubt Schweden das gleiche Ziel besser auf dem Wege der Neutralität erreichen zu können. Allerdings ift Schweden bis heute noch nicht vor die Frage „Ärieg ober Knechtschaft?" gestellt worden. Sollte es je dazu kommen, fo müßte die Antwort, geboren aus dem nordischen Geiste, anders ausfallen.


