Ausgabe 
25.2.1943
 
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Ran an den Sandkasten!

Dem Erzieher ist der Sandkasten kein Unbetann-

Das

Tia b?r W hrmackt am 20. und 21. März.

Oberkommando der Wehrmacht hat Richt»

Die wie

Der im Vorjahre gestiftete Schubertpreis der :abt Wien zur Förderung aufstrebender fchöpferi-

linien für die Durchführung des Tages der Wehr« macht im Rahmen des Winterhilfswerks 1943 er» lassen. Die Straßensammlung am 20. und 21. März wird durch die Beauftragten des Winterhiliswerks vorbereitet. Als Sammler stehen die Gefolgschaften der Wehrmacht, die Mitalieder der RS.-Kriegsopfer» Versorgung und des NS.-Reichskrieaerbundes sowie bei öfientlichen Ausstellungen außerhalb der Käfer- nen Soldaten zur Verfügung. Bei der Sammlung wird diesmal eine Reihe von 20 Heften über ge­fallene Ritterkreuzträger der drei Wehrmachtteile und der Waffen-ff verkauft. Ferner sind wieder öf­fentliche Eintopfessen in den Kasernen vorgesehen.

Rach der Anordnung über Trennungszulagen im Kriege kann Trennungsgeld nicht nur dem Ehe­mann, sondern gegebenenfalls auch der Ehefrau ge- währt werden, wenn die Voraussetzungen für beide Ehegatten vorliegen. Es bestehen also keine Beden» ken dagegen, daß ein Trennungsgeld unter Umstän­den gleichzeitig an beide Ehegatten gezahlt wird. Rur müssen, wie im Reichsarbeitsblatt mitgeteilt

übrigen Veranstaltung-n der Truppe werden in den vergangenen Jahren örtlich geregelt.

Trennungszulagen an arbeitende Ehegatten.

woretischer Erkenntnisse auf dem Gebiete der Kri- m laliftit Seiner besonders entwickelten Kombina- tilisgabe verdankte die kriminalistische Wissenschaft Ab Praxis sehr viel. Er hat das Verdienst, eine ltl.he der heute allgemein gebräuchlichen Untersu- Angsmethoden zum erstenmal angewandt und häretische Erkenntnisse kriminalistisch verwertet zu Iben. Er war auch ein Künstler der Kamera, wie w von ihm auf derPressa" in Köln veranstaltete wnderausstellung aus seiner Praxis als gericht- liier Sachverständiger gezeigt hat. In Frankfurt kte er eines der vielseitigsten kriminalistischen Mu- eingerichtet. Er übernahm aus England die tcl'tyloskopie und bildete sie weiter aus. Auch die mstihrung der spezifischen Blutsera in die Krimi- Wiftit ist ihm zu verdanken.

Kunst und Wissenschaft.

Der Ariedrlch-Rückerl-Preis.

Dem Dichter und Kunstschriftleiter Julius a r i a B e ck e r in Aschaffenburg ist der Friedrich. Iückert'Preis für das Jahr 1942 mainfränkischer Kunstpreis für Schrifttum und Dichtung verliehen «orden. Der am 29.3.1887 zu Aschaffenburg ge- Ixrene Dickster erhielt diese Auszeichnung in An» «kennung seiner Verdienste um die deutsche Kultur, als zielbewußter Förderer und Interpret mainfrän» fchen Kulturstrebens und in Würdigung seines erfolgreichen. schriftstellerischen und dichterischen schaffens. Julius Maria Becker ist durch eine große M dramatischer Werke bekanntgeworden, durch Doellen und den RomanSyrinx".

Alfred Uhl

elfter Träger des Schubertpreises der Stadt Wien.

aller Stufen und Schulen seit Jahren im Gebrauch. In ihm läßt sich schon im ersten Schuljahr die engere Heimat darstellen, während er in den obe. ren Klassen zur Deranfchaulichung wesentlicher erd» tundlicher Begriffe dient:' Ein alter pädagogischer Grundsatz lautet: Die Anschauung ist das alsolute Fundament aller Erkenntnis!

Der neueHilf-mit"-Wettbewerb, der unter dem LeitwortRan an den Sandkasten" ins Leben ge­rufen^ wurde, stützt sich ebenfalls darauf und stellt den Sandkasten erneut in den Blickpunkt des fchuli- schen Interesses. Die Aufgabe besteht darin, im Sandkasten Unterrichts« und darstellungsmäßig alles das zu behandeln, was die Kinder vom Leben und Kämpfen unserer Soldaten, vom großen Kriegs­geschehen wissen und kennen müssen. In Berlin fand die Eröffnung einer kleinen Ausstellung statt, in der gezeigt wurde, wie die Arbeit am Sandkasten unter diesem wehrgeistigen Gesichtspunkt gedacht ist. Da haben die Kinder Bunker, Schützengräben und bestimmte Festungswerke dieses Krieges daraestellt. An dem Wettbewerb beteiligen sich alle Alters­klassen, Knaben und Mädchen. Sie stellen aber nicht nur bestimmte Vorgänge dar, sie bilden nicht nur nach, sondern bringen Leben in ihre Sandkasten­arbeit. Darin liegt der große erzieherische Wert des Sandkastens, daß man in ihm arbeiten, ihn bewegen und beleben kann.

Eine Schulklasse demonstriert u. a. die unterricht- liche Gewinnung des BegriffesIgelstellung". Was ein Igel ist, weiß jedes Kind; daß er sich, um sich gegen einen Angreifer zu wehren, zusammenrollt, ist ebenfalls bekannt. Run wurde unter Anleitung des Lehrers die Erkenntnis gewonnen, daß die Wagenburgen unserer germanischen Vorfahren im Grunde genommen ebenfalls weiter nichts als Igelstellungen waren. Die Kinder bauten im Sand­kasten einen Wald auf, kamen mit den kleinen Mo­dellwägelchen angefahren, stellten sie im Kreise auf, setzten ein Herd feuer in Brand, stellten Wachen aus, erkannten also in lebendigem Arbeitsgange, daß diese Wagenburg eine Igelstellung war. Und dann gingen die unterrichtlichen Betrachtungen zur Klärung und Gewinnung des Begri^es ..Igelstel­lung" über, wie wir ihn aus den Frontberichten kennen. Lebendiger kann ein Unterricht nicht fein. Man muß in die Augen der Kinder geblickt haben, um zu erkennen, daß sie begriffen haben: hier geht es nicht nur um die Nachbildung von soldatischen Dingen, hier bin ich selbst Meldegänger, Vorposten, Geschützführer! Die Kinder führen an ihren Sand­kästen kleine Gefechtshandlungen durch' erstatten ihrem Truvvführer Meldungen, kurz, sie lassen un- mißverständlich erkennen, daß sie wissen, was es heißt, Soldat zu fein. Die älteren Jungen gewinnen hierbei die wichtigsten und einfachsten Kenntnisse, die sie später, wenn sie selbst das Vaterland verteidigen helfen dürfen, gut anwenden können.

Der Unterricht in den Schulen ist seit Jahren wehrgeistig ausgerichtet. Wehrgeistige Erziehung aber ist kein Unterrichtsfach, sondern ein alle Fächer durchziehendes Unterrichtsnrinzip. Der Sandkasten ist in seiner neuen Sinngebung ein einfaches, aber pädagogisch äußerst wertvolles Mittel Hierzu.

ftd UHl stammen eine Messe, die bereits der Sieb- WN jährige komponiert hat, Kammermusik (darunter chlges für Gitarre, wie die Sonate für den spani- sten Meister des Instrumentes, Segovia), ein Hei­ms Konzert für Klarinette, Bratsche und Klavier, ehe Doppelfuge für Orchester und ein symphonischer DrschRußland 1941".

(Ein Beitrag zur Veethovenforschung.

Dr. I. Cools behauptet in dem Organ der flämi- tyen Vereinigung für WissenschaftWetenschap- Aijke Tijdingen", das Studium von Erbschafts- «gelegenheiten und Grundstückskäufen der Ahnen Uethooens ergebe, daß die Mechelner Familie van AethoveNs aus Haacht stammt. Der Haachtener Lndrick van Beethoven sei ,Küster in Putte gewesen, Lkdewijk van Beethoven Chorsänger in Mecheln. Is Begabung der Beethovens finde ihren Ur» frung in der Haachter Choralschule, die im M Jahrhundert gegründet wurde, sowie in der Tat­sche, daß Haacht im 17. Jahrhundert eine berühmte dlgelwerkstatt besaß. Im 15., 16. und 17. Jahrhun- tirt habe in Rotseläre die Familie van Bettenrode geoohnt. Dieser Name komme auch in den Haach- leier Archiven vor. Ferner finde man meh­rte Varianten wie Bettenhoven, Bethove oder Hethoffne. Aus den Akten gehe hervor, daß es P immer um eine und dieselbe Familie handelt. 3t Tildonck wurde in den Grundbüchern ein Hof ntr.er der BezeichnungDe Höffne van Brecht oft Altenrode" geführt. Der Verfasser fragt, ob hier »illeicht die Ahnen Ludwig von Beethovens zu M>en sind.

Professor Dr. Georg Popp f.

3m Alter von 81 Jahren starb in Frankfurt der wannte Gerichtschemiker Prof. Dr. phil. Dr. rer. nat. Horg Popp. Popp hatte sich durch die Schaffung Mer Untersuchungsmethoden auf dem Gebiet der Mturwissenschaften, Botanik, Zoologie, Geologie, Bernie und Physik einen angesehenen Namen ge- Wcht, namentlich durch die praktische Anwendung

yweren Erdstößen heimgesucht, die die Bevölkeruna cm e 4

fim Verlassen der Städte veranlaßt hat. Es eu£ AUS btt (SfdD< ©IC»«!* anden Erdrisse, denen Schwefelgase entströmten. ianae Häusergruppen verschwanden in Erdspalten, n Lorica ist ein ganzes Viertel am Stadtrand

»«gestürzt. Die Vulkane Tofirna und Morelu sind _____ ...__________,_________ ____________

Uisgebrochen. In der Umgebung des Vulkans Mo-1 ler. Er ist als Anschauungsmittel im Unterricht (tlu wurden an einem einzigen Tag 150 Erdstöße r-:i

»rzeichnet.

;er Begabungen auf dem Gebiete der Tonkunst irfoe dem Wiener Tonschöpfer Alfred Uhl zuer- nnt. Er war Äompositionsschüler von Franz hmidt in Wien. Dann folgten entbehrungsvolle ihre, die den Künstler weit in der Welt herum- zrten, nach Zürich, Berlin, Amsterdam, Paris, j ihen, Konstantinopel. In dieser Zeit entwickelte sich

frei) Uhl zu einem Spezialisten in der Vertonung

Kulturfilmen, in Aufnahme, Synchronisierung d Tonschnitt. Der FilmSymphonie des Was- ks" bracht Uhl die goldene Medaille auf der Bien, le Venedig. Im Dezember 1941 wurde Uhl an I 7 Ostfront schwer verwundet. Seit November 1942 t er an der Reichshochschule für Musik das Lehr- ®tt in Harmonie- und Formenlehre aus. Don Al-

ArSe'is- und Berufskleidung.

Oie Unterschiede. Neue Richtlinien.

Nach zweijähriger Erprobung der bisher gültigen Richtlinien für den Bezug von Arbeits- und Be- rufskleidung hat man sich entschlossen, neue Richt­linien zu erlassen, in denen alle bisherigen Erfah­rungen ihre Verwertung fanden. Diese Richtlinien sind den beteiligten Dienststellen zugelettet worden.

Was ist Arbeits- und was ist Berufskleidung? Arbeitsbekleidung ist Bekleidung, die vornehmlich bei der Arbeit getragen wird, aber auch außerhalb der Arbeit getragen werden kann. Berufsbeklei- dung dagegen ist solche Bekleidung, die ihrer Be­stimmung nach nur bei der Ausübung der Berufs- tätigteit getragen wird. Beide Bekleidungsarten sind bezugsbe'schränkt. Beide Arten werden, wie bisher, entweder auf Punkte der Reichskleiderkarte wie jede andere Zivilkleidung zum vollen Punktwert oder auf Bezugscheine bezogen, die die Kartenstellen ausge- den, wobei die in den Richtlinien vorgeschriebene ermäßigte Anzahl von Kleiderkartenpunkten (bei Ar- beitsbeflerbung etwa ein Drittel, bei Berufsbeklei­dung etwa ein Fünftel der normalen Punktzahl) ab- getrennt wird, sofern nicht ausdrücklich Ausnahmen zugelassen sind.

Die Richtlinien sind als Anlage mit einem Beritts, gruppenverzeichnis, das alle Berufsgruppen für Männer und Frauen aufführt, die überhaupt Be- zugscheine für Arbeits- und Berufsbekleidung er­halten können, sowie mit einem Warenverzeichnis ausgestattet worden, das die als Arbeits- und Be- rittsbekleidung in Betracht kommenden Bekleidungs- stücke aufzählt. In diesen Anlagen zeigt sich die Er­fahrung der beiden letzten Jahre. Die Dienststellen sind auf Grund dieser Erfahrungen genau darüber im Bilde, wer Arbeits- oder Berussbekleidung be­nötigt und unter welchen Voraussetzungen si" ge­geben werden darf. Es hat deshalb gar keinen Sinn, wenn der Einzelverbraucher sich und den Dienst- stellen das Leben schwer macht, sofern er schon von vornherein erkennen kann,- daß seine Anträge nutz­los sein müssen.

Einmal ist zu bedenken, daß ebenfo wie bei der zivilen Bekleidung auch bei der Berufs- und Ar­beitskleidung im vierten Kriegs'ahr das zur Ver- fügung stehende Kontingent nicht überreichlich groß fein kann, da in erster Linie die Wehrmacht zweck­entsprechend gekleidet werden muß und wir in der Heimat uns mit dem durchhelfen müssen, was wir

eben haben. Zum andern füllte jeder daran denken, daß in erster Linie diejenige Berufskleidung herge- stellt werden muß, die die Berufe benötigen, die be­sonders starken Verschleiß an Berufskleidung haben (z. B. bestimmte Kategorien von Metallarbeitern, Bergbau usw.). Deshalb ist die Ausstellung von Be­zugscheinen zum Bezug gegen ermäßigte Punktzah­len auch an oerhättnismäßig strenge Voraussetzun­gen geknüpft. Die Gründe^ die die Anschaffung er­forderlich machen, müssen 'in jedem Fall durch eine Bescheinigung des Betriebsführers ober seines Stell­vertreters und, soweit vorhanden, des Betriebs- ob mann es nachgewiesen werden. Diese wissen, da sie entweder selbst im Besitz der Richtlinien sind ober sich bei ihrer Fachgruppe bzw. dem Obermeister beim Handwerk schnell erfunbigen können, für welche Berufsgruppen überhaupt Arbeits- ober Beruisbe- kleidung vorgesehen ist und welche Bekleidamgsstücke im einzelnen in Frage kommen.

Für Arbeitsschutzdekleidung ist eine Sonderrege­lung vorgesehen. Diese Bekleibung fällt daher n'cht unter die Bestimmungen der Richtlinien, kann aber ebenfalls nur gegen Bezugscheine bezogen werben. Aehnlich verhält es sich mit ben aus hygienischen Gründen vorgeschriebenen Bekleidungsstücken, z. B. Bäckermützen, für die keine V unkte ab getrennt wer­den. Neu ist die Regelung für bestimmte Wäsche­stücke. Nach den alten Richtlinien gehörte'che mit aanz wenigen Ausnahmen nicht zux Arbeits- und Berufsbekleidung. Nach der neuen Regelung sind Hemden, die bann stets als Berufsbekleibung gelten, für eine bestimmte Anzahl von Berufstätigen in die neuen Richtlinien einbezoqen worben. Selbstver­ständlich erfolgt die Bewilligung von^ Bezugscheinen auch hier nur für die notwendigsten Fälle und dann auch nur gegen 2tbtrennuna der vorgeschriebenen, allerdings beschränkten Tlnzahl von Punkten.

Eine nur vorübergehende kurzfristige Betätigung in einem Berufe genügt nicht zur Begründung eines Anspruchs auf Arb"tts- ober Berufsbekleidung, son­dern es ist dauernde Tätigkeit Voraussetzung. Dagegen können bei Berufswechsel Kleidungsstücke bewilligt werden. Für die Bewilligung weiterer Bezugscheine über gleichartige Bekleidungsstücke sind jetzt Min« destzeitabschnitte vorge schrieb en worden, die bei Be« ritisbetIeibimg mindestens vier Monate und bei Ar* beitsbekleidung mindestens acht Monate betragen.

wird, beide von ihrem Wohnort so entfernt arbei­ten, daß sie nicht täglich nach Hause zurückkehren können. Ob sie im gleichen Betrieb oder in verschie­denen Betrieben und Orten arbeiten, ist hierfür un­erheblich. Voraussetzung ist jedoch, daß der gemein­same HaushM aufrechterhalten wird. Ist der Haus­halt dagegen aufgelöft worden, so ist die Zaylung eines Trennungsgeldes nicht zulässig. "

Zur unsere Verwundeten.

Die NSG.Kraft durch Freude" führte im Laufe der vergangenen Woche im Auftrage des Oberkom­mandos der Wehrmacht und in Zusammenarbeit mit dem SonderreferatTruppenbetreuung" im Reichs­ministerium für Volksaufklärung und Propaganda in hiesige« Lazaretten folgende Veranstaltungen durch:

Unter der Programmfolge Weiteres aus Spiel­opern" hatte ein Lazarett eine fröhliche Unterhal­tung. Ans den schönsten Opern kamen Arien, Duette, Quartette und Terzette durch die 5künstler Alexander Rosalewicz (Baß), Christian Hufnagel (Tenor), Elisabech Geiße (Alt), Gerda Brühl (Kolo­ratur-Sopran) und Käthe Armbrust (Sopran) zu Gehör. Die Begleitung am Klavier lag bei W. Wem- heuer in besten Händen. Die Sprecherin Katrin Burghardt gab kurze Einführungen zu den Opern­partien und erfreute durch nette Geschichten. Rei­cher Beifall dankte den Künstlern für die genuß­reichen Stunden. In drei Lazaretten wickelte sich eine Variets-ProgrammDie Klamottenkiste" ab. Die Tänzerinnen Maja und Griet erfreuten mit ver­schiedenen Tänzen, wobei der indische Tempeltanz besonders charakteristisch war. Der Kopfspringakt von Dechnik und der komische JongleurOriginal Resch" zeigten beste Artistik: letzterer erzielte starke Lachsalven. Der Elastikmusikalakt von Atra war gleichfalls eine sehr gute akrobatische Leistung. Irene Weitzmann zeigte mit ihrer Partnerin einen Tau­bendressurakt mit erstaunlichen Leistungen. Den Schluß bildete akrobatische Arbeit der3 Renz", welche, wie das gesamte Programm, reichen Bei- fall fand. Die Kapelle desCaf6 Wien" hatte sich in einem Lazarett mit musikalischer Unterhaltung zur Verfügung gestellt. Die schöne Vortragsfolge fand dankbare Zuhörer.

In einem Lazarett hielt Oberst a. D. von Hay­

ner einen interessanten Vortraa überEngland im End kämpf". Die Verwundeten folgten den Ausfüh­rungen des Redners mit großer Aufmerksamkeit. Bei den Vorstellungen des Theaters der Universi­tätsstadt Gießen waren wieder Verwundete zu Gast geladen. Zu dem farbigen Lichtbilderoortrag von Kuno Schweers überSüdseeforschung" in der Aula hatte die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" im Rahmen der Vortragsvereinigstng eine Anzahl Verwundete eingeladen.

Die Kreisamtsleitung der NSV. Wetterau ließ für die Verwundeten Gebäck und Bonbons durch die Setreuerinnen aus der Frauenfchaft und den Lazarettbetreuer der NSKOV. verteilen. Bei der Großkundgebung der NSDAP, in der Aula mit Reichsredner Prinz zu Schaumburg-Lippe waren Verwundete anwesend.

Die Musikgruppe der Volksschule Gambach untet Leitung von Lehrer Lahm bot in zwei Lazaretten frohe Volksmusik. Eine Schülerkapelle spielte mit Harmonikas, Flöten, Gitarren und Schlagzeug Märsche, Lieder und Tänze. Zwanzig Blockflöten­spieler ließen Volkstänze erklingen. Marga Stork sang mit guter Stimme Lieder aus Filmen und Volkslieder. Karl Heinz Stork und Karl Heinz Hol­ler spielten auf demSchifstrklavier" frohe Weisen. Als Sprecherin wirkte Gerturd Beck, die auch die Ansage übernommen hatte. Reicher Beifall dankte den Misizierenden.

KameradschastehemaliaerLeibgardiffen

Arn Sonntag hielt die Kameradschaft ehemaliger Leibgardisten in Gießen ihren Jahreshauptappell ab. Kalneradschaftsführer Kreuter gedachte zunächst der für Deutschlands Freiheit und Größe gefallenen und der im letzten Jahve in der Heimat verstorbenen Kameraden, wobei er ermahnte, sich der Gefallenen und dep im heldenhaften Kampfe für Deutschland stehenden Soldaten' allezeit würdig zu erweisen und auch in der Heimat mit allen Kräften zur (Erringung des Sieges beizutragen. Nach dem Bericht des Kas­senwarts und dem Bericht des Rechnungsprüfers wurde dem Rechner mit Dank für seine Mühewal« tung Entlastung erteilt Nach einer Ergänzung des Führerbeirats wurden verschiedene kleinere Ange- legenhetten und vor allem der Schießdienst bespro­chen, wobei auf die große Bedeutung der Schießaus-

(Nachdruck verboten.)

Fortsetzung.

lück auf, Renate!

Roman von Ernst 6rmi.

,Du denkst an Thora Kersten", fragte er mit einem fftchenden Blick.

.,2Iber ich bitte dich, Papa", versuchte sie feinen Iuvurf abzuwehren.

tSteine Widerrede, Renate", sagte er ernst, aber Äie Bitterkeit.Ich sollte dich dock einigermaßen wen. Aber selbst, wenn ich Thora Kersten heiraten Me, die Zeche kommt in keine anderen Hände, als pie deinen. Das möchte ich dir heute schon gesagt

Wen."

.Sie stand auf und trat ans Fenster. Diese Aus- imndersetzung machte ihr keine Freude.

. tine Weile war es still zwischen ihnen. Sie ,ah f! ben Park hinaus. Fast unheimlich still ging es H diesem Hause mit feinen weißen Korridoren zu. »^Zunächst lebst du ja noch, Papa, und wirst das WF entlief) noch recht lange tun. Warum sollen mir [Jis heute schon das Herz schwer machen? Und was 1 Kle ich wohl mit einem solchen Werk an fangen, tu hatte wirklich noch niemals ernstlich darüber Iuhgedacht, wie es werden würde, wenn ihr dieses Erie einmal zufiel.Ich bin em Mädchen"

L,Stimmt!" fiel er wieder gutgelaunt ein.2Iber [tken Einwand lasse ich nicht gelten. Du bist em kluges Mädchen, und du hast überdies Zeit Ifiug, dich genügend in Harnmerkott.umzusehen. gleicht hast du Glück und findest mal einen Mann, |*r etwas von der Sache versteht, bann wäre alles F schönster Ordnung." f.. ä <

I Cie sah sich um und mußte nun unwillkürlich auch piöer lachen. .

[ »Dann kann ich ja gleich deinen Direktor m ^mmerkott heiraten." .

Gi tat, als nahm er diesen Vorschlag durchaus

ernst. Eigentlich doch ein recht erfreuliches Mädel, meine kleine Renate, dachte er schmunzelnd.

Derbrüggen? Ja warum nicht es wäre eine Möglichkeit, die man erwägen könnte. Ich bin weder für, noch gegen ihn eingenommen. Soweit ich ihn bisher kennengelernt habe, scheint er ein ganz tüchtiger Kerl"

Ihr Helles Lachen flatterte leicht durch das kleine Zimmer.

Aber Papa", sie trat wieder zu ihm ans Bett, du glaubst dock nicht etwa im Ernst"

Doch er ließ sie jetzt nicht zu Worte kommen. Nach feiner Meinung hatte man schon viel zuviel nutzloses Zeug geredet.

Also nun höre einmal, Reni. In allem Ernsi möchte ich dir setzt folgendes sagen: ich will, daß du möglichst bald nach Hammerkott gehst und dich dort in den Betrieb einlebst. Du bist jetzt alt und vernünftig genug, dich nutzbringend zu betätigen, und das kannst du nirgends besser als in Hammer- fott, das du morgen ober übermorgen einmal zu verwalten haben wirst"

Es würbe noch manches Für unb Wider in biefer Stunde besprochen. Renate kam her väterliche Be­fehl völlig überraschend, aber als sie bann ben Vater verließ, schieben sie in vollem Einvernehmen. Sie fühlte sich innerlich reich beschenkt, baß er sie nicht als Mädchen, sondern als einen vollwertigen Part­ner betrachtete. Ein frohes Leuchten stand in ihren Augen, als sie sich in der geöffneten Tür noch einmal zu ihm zurückwendete.

Aber dieses Frohsein schwand, als sie auf dem weißen Korridor neben der Schwester die große, schlanke Figur einer Frau auf sich zukommen sah. Vertraulich hatte sie schon lange hier gewartet, bis Renate das Zimmer wieder verlassen würde. Als sie einander nahe waren, zögerte sie mit einer unbe- stimmten Semegung^ats wollte sie Renate die Hand reichen. Doch bas Mädchen übersah diese Geste, und mit einem kurzen, flüchtigen Kopfnicken gingen sie aneinander vorüber Den Blick geradeaus gerichtet, ging Renate ben Korridor hinunter. Hinter sich

hörte sie bas Geräusch einer Tür. Die Schwester hatte die Frembe in bas Zimmer bes Vaters ge­führt.

Thora Kersten vielleicht bald Thora Hammer- kott. Renate liebte ihren Vater über alles aber dieser Frau gönnte sie ihn nicht.

*

So eng auch Werner Hellingrath mit ben Dingen um sich her oerbunben unb verwachsen war, mit feiner gewiß nicht leichten Arbeit, mit ber Grube, mit ben in ber Tiefe schaffenden Menschen, so sehr sehnte sich sein junges, ungestümes Blut an manchen Tagen auch hinaus aus dem zermalmenden Einerlei des Alltäglichen, aus der düsteren, sonnenlosen Welt ber Kohle, bie alles mit ihren schwarzen Schleiern von Staub unb Rauch überzog. Menschen unb Tiere, Häuser unb Straßen, Bäume und Sttäucher, in weitem Umkreise war alles an Leib und Seele von ber Kohle gezeichnet, ber unumschränkten, tyranni­schen Herrscherin biefer Stätte.

An solchen Tagen überkam ihn ein heftiges Ver­langen, biefen strahlend blauen Himmel einmal ohne die dort oben hängenden Rauchfahnen zu sehen, bann brängte es ihn, über faftiggrüne Wiesen zu gehen, statt über bie wenigen, armseligen Halme, bie sich zwischen ben Schienenschwellen ber Gruben­bahnen hervorwagten ober im Schatten ber Färber- türme und Werkhallen ein kümmerliches, unbeachte­tes Dafein fristeten. Dann träumten Auge und Ohr von hohen, musikerfüllten Räumen, und alles in ihm gierte nach sorglosen, unbeschwerten Menschen, nach lockenden Frauen mit Märchenaugen unb wei­ßen, weichen Hänben. Wenn biefes Drängen und Wünschen ihn überkam, bann waren alle seine Ge­danken auf ben fommenben Sonntag mit seiner Feierschicht gerichtet, unb bie letzten Stunden der sick neigenden Woche wurden ihm zu endlosen Ewig­keiten.

Denn diese Sonntage brachten wenigstens einem Teil seiner Wünsche (Erfüllung. Er besaß seit eini­ger Zeit einen kleinen, billigen Wagen, ein leichtes, grünlackievtes Wägelchen, das aus den Namen

Laubfrosch" getauft war unb bas ihn an solchen Tagen in kurzer Zeit aus dem Bereich von Ham- merkott I) in aus führte. In einer guten Stunde konnte er ohne Mühe ben Rhein bei Düsseldorf erreichen, konnte er unter einem freundlicheren Himmel in­mitten frohbeschwingter Menschen auch die lebten Spuren bes schwarzen Staubes von seiner Seele schwinden fühlen. Werner Hellingrath stellte ja keine unerfüllbaren Ansprüche an das Leben. Eine harte Jugend, eine noch härtere Studienzeit hatten ihn genügsam gemacht, hatten ihn gelehrt, nur nach erreichbaren Dingen zu greifen.

Es war schon ein herrliches, unsagbar kostbares Gottesgeschenk, nach Tagen unb Wochen angespann­ter, verantwortungsvoller Arbeit hier einmal für em paar kurze, flüchtige Stunden sorgenlos im weichen Gras liegen zu Dürfen unb ohne zu denken in die Sonne blinzeln zu können, ben beiten, stol­zen Strom zu Füßen, auf dem die vollbesetzten Ausflüglepdampfer nach Köln und weiter hinauf nach Koblenz vorbeirauschten, umtanzt von Schwär­men kleiner Boote, weißen Seglern und fünfen Motorbooten. (Ein buntes, lebensprühendes Bild für ben Mann, dessen Augen sonst nur gewohnt waren, in das Reich ber Kohle zu blicken, dessen Ohr keine andere Musik kannte, als bas ewige Keuchen und Rasseln der Förderwagen, das Kreischen ber Bohr­hämmer unb Schrämeisen.

Den Heimweg pflegte Werner Hellingrath an solchen Tagen schon rechtzeitig anzutreten, wenn es ihm meist auch recht schwer fiel, biefe lichten Stun­den freiwillig zu verkürzen, aber einesteils liebte er bas unfinnige Dahinrafen auf der Landstraße nicht, andererseits mußte er ausgeschlafen haben, wenn er Montag beim Einfahren der ersten Sckicht pünklich zur Stelle fein wollte. Unb Unpünktlicykeit hätte er sich persönlich übelgenommen. Außerdem war er felsenfest davon überzeugt, daß Terbrüggen mit Vergnügen jede Gelegenheit benutzen würde, ihm eins auswischen zu können. Da hieß es also, auf ber Hut fern, um sich keine Blöße zu geben.

(Fortsetzung folgt.)