Unterbau seit langem fertig sein, aber die technischen Schwierigkeiten waren so groß, daß diese strategisch wichtige Schwarzmeerbahn unvollendet geblieben ist. Den Sowjets bleibt allein die über Baku verlaufende Bahn als einzige Schienenoerbindung des Nordens mit dem landwirtschaftlich und rohstoffwirtschaftlich reichen Transkaukasien. Lnnehrnen muß man allerdings, daß sie inzwischen alles darängesetzt haben, um diese Verbindung benutzbar zu machen.
Das gesegnete Klima der Schwarzmeerküste ließ an ihr zahlreiche Kurorte entstehen, die durch das Kaukasus-Massiv vor den Nordwinden geschützt sind. Da die meisten von diesen Kurorten vom Lande her schwer zu erreichen sind, befindet sich bei jedem von ihnen ein Hafen. Freilich sind das meist Häfen ohne Hinterland, die zu Fri^)enszeiten nur von Küstendampfern benutzt wurden und daher größeren Dampfern, zumal bei den im Winter herrschenden Stürmen, kaum Schutz zu bieten vermögen. Nur Noworossijsk, am Ende einer ziemlich tief in die Küste einschneidenden Bucht — neben Sewastopol der beste Naturhafen des Schwarzen Meeres im im Norden —, Tuapse etwas in der Mitte und Poti sowie Batum im Süden haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu ansehnlichen Häfen entwickelt. Noworossijsk war der große Exporthafen für das Getreide aus dem Kuban-Gebiet und dem nördlichen Kaukasus. Tuapse ist seit einiger Zeit der Endpunkt der von Maikop führenden Oel- leitung und einer Eisenbahn. Poti hat die gesegnete Landschaft Georgiens, das sagenhafte Land Kolchis, zum Hinterlande, während Datum der Endpunkt der von Baku führenden großen Erdölleitung sowie der Transkaukasischen Eisenbahn ist.
Der sowjetische Abschnitt der kaukasischen Schwarz- meer-Küste bietet somit einer Aufmarschbewegung größeren Ausmaßes keine Möglichkeit. Daher sind Die Sowjets bei der Versorgung ihrer vorgeschobenen Stellungen südlich von Noworossijsk auf den Nachschub auf dem Seewege angewiesen-, eine direkte Versorgung der Sowjets an diesen Stellungen aus dem Hinterlande, etwa aus dem Kuban-Gebiet, ist infolge des unwegsamen Charakters dieser Mittelgebirgslandschaft und der Unterbindung der einzigen zuführenden Eisenbahn und der Landstraße durch die deutschen Truppen unmittelbar bei Noworossijsk unmöglich.
Von der früher beträchtlichen Schwarzmeerflotte aus der Zarenzeit ist zur sowjetischen Zeit kaum etwas übrig geblieben. Die meisten Schiffe sind nämlich während des Bürgerkrieges 1918 bis 1920 entweder versenkt (meistens von den Mannschaften selbst) oder nach dem tunesischen Kriegshasen Bizerta entführt worden, wo ihre Reste verkosteten. Die «Bolschewisten hatten daher eines ihrer drei Linienschiffe aus der Ostsee in das Schwarze Meer über« kgeführt, sie haben mehrere alte Kreuzer ebenso wie dieses alte Linienschiff modernisiert und andere Schiffe, darunter namentlich sehr schnelle leichte Kreuzer, Zerstörer, Torpedobodte, Schnellboote und U-Boote auf den Werften von Nikolajew neu erbaut. Die Sowjets legten auf den Ausbau einer starken Schwarzmeerflotte nie großen Wert, obwohl ste in letzter Zeit an einem 35 W0-Tonnen-Schlachtschiff auf den Werften von Nikolajew zu bauen begonnen hatten. Trotzdem war die Sowjetunion die bei weitem stärkste Seemacht von allen Anliegerstaaten des Schwarzen Meeres. Nur die Türkei hat eine Flotte, die diesen Namen überhaupt verdient. Aber bei den Türken ist das alte deutsche Schiff „(Soeben" (heute Parviz) die stärkste Einheit. Rumänien und Bulgarien besitzen dagegen nur Einheiten vom Torpedoboot abwärts.
Um so mehr zu bewundern sind die Unter- nchmun-gen der deutschen und italienischen Seestreitkräfte im Bereich des Schwarzen Meeres, insbesondere an der kaukasischen Küste, der letzten Zufluchtsstätte der sowjetischen Schwarzmeerflotte. Die Sowjets hatten im Verlaufe des jetzigen Krieges von dem Bestand an Kriegsschiffen im Schwarzen Meer — einem Linienschiff von 23 500 t, vier Kreuzern von 6000 bis 8000 t, zahlreichen Torpedobooten, Schnellbooten und Unterseebooten — bis jetzt nur verhältnismäßig wenig verloren. Gegen diese Streitmacht vermochten aber die Deutscherr und Italiener nur leichte Einheiten einzusetzen. Der Vertrag von Montreux (1936) hat das Schwarze Meer nämlich für die Kriegsschiffe der Nichtanliegerstaaten praktisch gesperrt, so daß die Achsenmächte an Seestrei tkräften in das Schwarze Meer nur das bringen konnten, was sich über die Donau oder mit der Eisenbahn befördern läßt. Aus der Erfahrung des Weltkrieges weiß man, daß man mit der Eisenbahn zerlegbare Unterseeboote und auch Schnellboote zu befördern vermag.
Wenn die deutschen und italienischen Seestrei- kräste die sowjetische Versorgungsschiffahrt an der Kaukasusküste trotz des Vorhandenseins einer kampfkräftigen sowjetischen Schwarzmeer flotte angreifen, so zeugt das von einem wahren Wikingergeist, den deutsche und italienische Seeleute auch hier an den Tag legen. Im Kampfe gegen einen weit überlegenen Gegner wird feine Handelstonnage vernichtet und seine Versorgung empfindlich gestört. <
Oer Wehrmachiberrcht vom Sonntag.
DMB. Aus dem Führerhaupfquartier, 23.2Uai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der O st f r o n t keine wesentlichen Kampf. Handlungen. Die Luftwaffe vernichtete mehrere sowjetische Nachschubfchiffe vor der Kaukafusküste und führte schwere Bombenangriffe gegen Eisen- bahntransporte und wichtige Ausladebahnhöfe der Sowjets. Leichte deutsche Kampfflugzeuge versenkten in den Gewässern des hohen Nordens ein feind- liches Handelsschiff von 3000 BRT.
3m Mittelmeerraum wurden durch deutsche 3äger und Flakartillerie dar Luftwaffe am 22. Mai 20 feindliche Flugzeuge abgeschossen.
Oer Wehrmachtbericht vom Gamstag.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier. 22. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Oertliche Angriffe der Sowjets im Raum nördlich Lisfitfchanfk und südwestlich Sucht - nitschy scheiterten teilweise im Nahkampf unter hohen blutigen Verlusten des Feindes. Die Luftwaffe unterstützte die Abwehrkämpfe des Heeres durch laufende Angriffe von Sturzkampf- und Schlachtflugzeugen.
3m rückwärtigen Gebiet des mittleren Abschnittes der Ostfront wurden 15 Banden-
lager zerstört, die Banden vernichtet und zahlreiche Beute an Waffen und Vorräten eingebracht.
An der übrigen Ostfront nur beiderseitige Späh- und Stotztrupptätigkeit.
3n den Gewässern der Fischer-Halbinsel wurde ein feindliches Frachtschiff von 4000 BRT. durch Bombenwurf versenkt.
3m Mittelmeerraum vernichtete die Luftwaffe gestern 18 feindliche Flugzeuge. Anter 3agdschuh angreifende schnelle deutsche Kampfflugzeuge bekämpften bei Tage mit guter Wirkung Flugstützpunkte auf der 3 mfel Malt a.
Bei einem Tagesluftangriff des Feindes in die D e ust f ch e Bucht Halle die Bevölkerung Verluste. 3n den Stadtgebieten von Wilhelmshaven und Emden entstanden größere Schäden. Durch 3äger fowie durch Flakartillerie der Kriegsmarine und der Luftwaffe wurden 17 der angreifenden viermotorigen Bomber abgefchof- f e n. Zwei deutsche 3agdflugzeuge gingen hierbei in Lufttämpfen verloren. Bei Einflügen in die besetzten Westgebiete wurden vier feindliche Flugzeuge vernichtet.
3n der Nacht zum 22. Mai bekämpften schnelle Bombenflugzeuge erneut militärische Einzelziele im Gebiet von London und an der S ü d k ü st e Englands. Ein Flugzeug ging verloren.
Einzelne feindliche Slö'rflugzeiwe überflogen nachts das westliche und nördliche Reichsgebiet.
Schwere britische Flugzeugverluste über Sizilien.
In Reggio 33 Säuglinge durch britischen Luftterror umgekommen.
Rom, 23. Mai. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht gibt bekannt, daß an der algerisch-tunesischen Küste ein 8000-DRT.-Dampfer von Torpedos der Luftwaffe getroffen wurde und sank; ein Tanker von gleichfalls 8000 BRT. explodierte und versank. Ferner wurden ein 7000-DRT.-Darnpfer und ein Torpedojäger im zentralen Mittelmeer getroffen. Feindliche Einflüge auf Zentren in Sizilien verursachten Opfer und Schäden von geringem Umfange, lieber der Insel wurden sechs- undzwanzig feindliche Flugzeuge a b - geschossen.
Am Vortage hatten feindliche Flugzeugoerbande an der Straße von Messina, auf Sizilien, Sardinien und auf Pantelleria angegriffen. In Messina und Reggio Calabria entstand beträchtlicher Schaden in Wohnvierteln. In Reggio Calabria erhielt das Findelhaus einen Bombentreffer. 33 Säuglinge, 14 Ammen und eine Nonne wurden getötet. Die Ammen hatten versucht, die Wiegen an einen geschützteren Platz zu bringen. Dabei fanden alle durch einen Volltreffer den Tod. Das Findelhaus trug deutlich erkennbar die Schutzzeichen der Internationalen Konvention. Der Feind verlor 27 Flugzeuge..
Auf Anregung Roosevelts.
Roosevelts Brief an Stalin.
Lissabon, 22. Mai. (Europapreß.) Erste Andeutungen über Roosevelts Brief an Sta - l i n werden hier aus Kreisen der Achsengegner ae= Macht, nachdem der Akt der Ueberreichung dieses Briefes an Stalin durch Roosevelts Sonderbotschafter Davies zwei Tage zurückliegt. Hiesige Nordamerikaner, die mit Senatoren in Washington Fühlung haben, machen kein Hehl daraus, daß Roosevelt konkrete Forderungen an Stalin gerichtet hat.
1. Roosevelt richtet das eindringliche Ersuchen an Stalin, in der politischen Taktik mit größerer Vorsicht als bisher vorzugehen, da durch die frühzeitige Veröffentlichung der polittschen und militärischen Zielsetzung Moskaus die beabsichtigte Herauslösung Finnlands aus der Front der Gegner der Sowjetunion gescheitert sei.
2. Roosevelt empfiehlt Stalin ebenso nachdrücklich besondere Vorsicht in der Bekanntgabe von sowjetischen Kriegszielen gegenüber den anderen westlichen Nachbarn der Sowjetunion, insbesondere gegenüber Polen, den Balkan- Mächten und der Türkei, da auch hier die Gefahr bestehe, daß diese Staaten durch eine vorzeitige Enthüllung sowjetischer Annektionspläne in ihrem Abwehrwillen gestärkt und immer größeren Widerstand leisten würden.
3. Roosevelt ersucht Stalin um einen wirksamen Beitrag zur Entlastung der mnerpolitischen Spannung in England, und den USA. Zu diesem Zweck schlägt er eine sofortige zumindest formale Auflösung der internationalen Organisation des Kommunismus und die Liquidierung der kommunistischen Internattonale vor.
4. Als Gegenleistung für die Erfüllung dieser Forderungen ist Roosevelt bereit, sich zu verpflichten, bei Friedensschluß Stalin völlig freie Hand in allen jenen Gebieten in Europa zu lassen, an denen die Sowjetunion interessiert ist.
Roosevelts Sonderbotschafter Joseph Davies las das Handschreiben des USA.-Präfidenten an Stalin im Arbeitskabinett Roosevelts im Weißen Hause, ehe es dort sorgfälttg versiegelt und ihm mit auf die Reise gegeben wurde. Die Behauptung, Davies kenne den Inhalt des Schreibens nicht, geht auf die Befürchtung Roosevelts zurück, ein vorheriges Durchsickern wesentlicher Punkte feines Briefes könne den Erfolg der Mission Davies' gefähr- oen. In dem Roosevelt-Brief wurde auch die Frage der „globalen Kriegs st rategie" angeschnitten, wenn auch in ganz summarischer Form. Die grundsätzliche Bereitschaft zur Errichtung einer zweiten Front in Europa wird — als Verbeugung von Stalin — wiederholt. Zugleich aber werden hemmende Momente, wie der U-Boot-Krieg und die Schwierigkeit, ein größeres Offensivheer zu konzenttieren, aufgezählt. Vor allem wird auf das Drängen Tfchiangkaifcheks, der austtalischen Regierung und der nord amerikanischen Opposition hingewiesen, noch in diesem Sommer größere Offensivhandlungen gegen Japan zu unternehmen. Roosevelt schlägt unter Hinweis darauf vor, daß die Sowjetunion den USA. Stützpunkte in Sibirien, insbesondere auf der Halbinsel Kamtschatka, einräume für den Luftkrieg gegen Japan und zur Sicherung eines neuen Nachschubweges. Der Brief schließt mit der erneuten Anregung einer Konferenz zwischen Stalin, Roosevelt, Churchill und Tschiangkaischek, auf der die Fragen der „globalen Strategie" und der politischen Taktik geklart werden sollen.
Es wird sich nicht« ändern.
Oie Tarnung erkannt. - Eine Erklärung Lavals.
V ichy, 23. Mai. (Europapreß.) Zu der Auflösung der Dritten Internationale erklärte Minister- Präsident Laval am Sonntagoormittag vor seiner Abreise nach Paris gegenüber deutschen Pressevertretern in Vichy, Stalins Maßnahme überrasche keineswegs, da es im Wesen des Bolschewismus liege, sich an eingegangenen Der-pflichtUngen nicht zu halten. Als Beispiel nannte Laval den 1932 zwischen Frankreich und der Sowjetunion geschlossenen Nichtangriffspakt. Dieser enthielt die Klausel, daß Sowjetrußland jede Einmischung in innerftanzö- sche Angelegenheiten vermeiden wolle. Die weitere Entwicklung in Frankreich habe aber gezeigt, daß Moskau sich nicht im entferntesten an diese' Abmachung gehalten habe. Es fei sogar vorgekommen, daß man eine Abstimmung in der französischen Kammer um einige Stunden habe verschieben müssen, weil die kommunistischen Abgeordneten noch Weisungen aus Moskau hätten einholen wollen. Ein klareres Beispiel für die EinmschungMoskaus könne es wohl kaum geben. Man könne mit Sicherheit annehmen, daß die Auflösung der Komintern keineswegs die kommunistische Propaganda in den einzelnen Ländern zum Erlöschen bringen werde.
Oie Londoner Kommunisten zufrieden.
Sern, 23. Mai. (DNB.) Der Londoner Korrespondent der „Suisse" berichtet zu dem „Moskauer Szenenwechsel": Die Maßnahme komme zur rechten Zeit. Aus dem Gebiete der englischen Innenpolitik ist große Genugtuung bei den Kommu- nisten festzustellen, sie sind der Ueberzeugung, daß diese Maßnahme es der Labour Party sehr schwie- rig machen wird, ihre Einwände gegen die Ausnahme der KomTnunistischen Partei aufrechtzuerhalten. Die Kommunisten erklären, daß jetzt die Eisenbahner, die für die Aufnahme waren, von der wichtigsten Gewerkschaft, den Metallarbeitern, Zi;zug erhalten werden.
Moskauer Taschenspielerei.
Das Echo in Spanien.
Madrid, 23. Mai. (Europapreß.) Die spanische Zeitung „A r r i b a" stellt fest, daß sich der Welt- kommunismps stets den Umständen und dem Zweck der Komintern angepaßt habe. Das Blatt bezeichnet die Moskauer Beschlüsse als Taschenspielereien. Es sei sicher, daß der Kreml feine Entscheidung nicht getroffen hätte, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, daß die kommunistischen Zellen in allen Ländern weiter tätig sein würden. Praktisch werde die Existenz der Dritten Internationale durch das Dekret nicht berührt.
-„Die ganze klägliche und traurige Geschichte der Sowjets und der Dritten Internationale", schreibt „ABC.", „ist ein Gewebe von Falschheit und-Betrug gewesen. Der Kreml benutzte feine Internationale als Instrument, um die Welt anzugreifen und zu beherrschen. Nun löst sich ia Dritte Inter.
nationale auf Befehl der gleichen Falschspieler und Derwandlungskünstler auf. Das soll den Eindruck erwecken, als verzichte der Kreml auf die Weltrevolution. Aber wie kann man im Ernst an diesen Frontwechsel glauben? Die Geschichte der komnru- nistiscken Partei war in ihrem Verlauf nichts weiter als eine Anhäufung von Verrat. Man kann daher nicht an ihren guten Willen glauben. Die Auflösung der Dritten Internationale ist eine belanglose und lügnerische Angelegenheit wie hundert andere vorher."
BedeutungsloseGesteStalins
Schwedische Pressestimmen.
Stockholm, 23. Mai. (Europapreß.) Die Stellungnahme der Stockholmer Presse beweist, daß es auch in Schweden kaum jemand gibt, der daran glaubt, daß die Auflösung" der Komintern gleichbedeutend sei mit dem Verzicht auf Einmischung in die innenpolitischen Verhältnisse anderer Länder. „Die 'Geste, die wir jetzt erleben, kann für Stalin nicht sehr kostspielig gewesen sein", schreibt,/Svenska Dag- bladet". „Dagens Nyheter" schreibt: „Die Kommunisten sind darin geübt, alle Dinge, denen sie huldigen oder die sie planen, glatt zu leugnen." Die Zeitung „Allehanda" schreibt: „Daß diese Maßnahme irgendwelchen realen Inhalt hat, können wir schwerlich glauben. Es gibt gewiß keine Veranlassung, daß die Sowjets plötzlich bereit sein sollten, den Einfluß aufzugeben, den sie sich durch ihre sklavisch ergebenen, mehr oder minder legalen Parteien in verschiedenen Ländern verschafft haben.
Die kommunistische Agitation erleichtert
Genf, 23. Mai. (Europapreß.) „Wer an die wirkliche Auflösung der Internationale glaubt, der kennt nichts von den in kommunistischen Kreisen üblichen Tarnungsmethoden", kommenttert die Zeitung „La Suisse" die Auflösung der kommunistischen Internationale. Vielleicht glaubt Stalin, daß die Lage nach fast vier Kriegsjahren schon schwer genug ist, um jeder kommunistischen Agitation eine günstige Entwicklung auch ohne Unterstützung aus Moskau zu ermöglichen. Indem er der kommunistt- scheu Partei jedes Landes den Schein der Unabhängigkeit gibt, e r 1 e i d)teA:t er ihre Agitation, den« er befreit sie von der schweren Belastung, die in ihrer Moskauer Herkunft lag.
Empfindliche Folgen der Schiffsverluste Brasiliens.
BuenosHlüres,23. Mai. (Europapreß.) Ein Viertel des Bestandes der brasilianischen Han- desflotte vor Eintritt Brasiliens in den Krieg ist bisher verloren gegangen, die Verluste konnten nur zum Teil ersetzt werden, gab der brasilianische Wirtschaftskommissar Barros in Rio de Janeiro bekannt. Die Folgen des Mangels an Schiffsraum feien Ei n- schränk ungsmaßnahmeninderErnäh- rungswirtschaft. Neben der Butter- und ZuLercknapphvtt müsse ibie brasilianische Bevölkerung
damit rechnen, daß in Kürze auch Schweineschmalz knapp werde. Die Käseherstellung müsse völlig oert boten werden, um alle verfügbare Milch für dis Butterprodukttvn zu verwenden.
Oer Kampf auf Atiu.
Tokio, 22. Mai. (Europapreß.) Auf der Ale* uten-Jnsel Attu hat die kleine dort stationiert^ Einheit der Japaner an der Ostküste der Insel feste Positionen bezogen und greift den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner immer wieder an. Der int Keim erstickte Landungsversuch der USA.-Truppeni an der Ostküste wurde bisher noch nicht wiederholt. Hingegen werden die im Süden von Attu gelang beten Einheiten täglich verstärkt. Ihnen ist anscheinend die Hauptrolle bei dem Kampf zugedacht. Seit dem 16.Mai haben sie Tanks und schwere Artillerie landen können, dank der starken Unterstützung durch See- und Luftstreitkräfte. In der Nackt zum 16.5. haben die Japaner ihre vorgeschobenen Küstenpositionen im Süden aufgegebem und sich nach Osten in die Berge zurückge, zogen. Die im Norden von Attu gelandeten amerifai nischen Truppen werden ebenfalls ständig vermehrt. Sie planen anscheinend, die Verbindung mit dem im Süden stehenden Einheiten aufzunehmen. Nach japanischen Schätzungen beläuft sich die Stärke der Nordamerikaner im Augenblick auf eine mit schweren Waffen ausgerüstete Division. Ihr wurden be; trächtliche Verluste an Menschen und Material durch heftige japanische Gegenangriffe zugefügt.
„An die Erde gefesselt."
Kein Treibstoff für die USA.-Flieger in Tschungking-China.
Nanking, 24. Mai. (Europapreß.) Die im Tschungking-China stationierten Bomberkommandos der USA.-Luftwaffe werden immer mehr an bia Erde gefesselt, heißt es in einem Bericht von gut unterrichteter Seite. Benzinmangel zwingt sie sogar zur Einschränkung ihrer Mwehrtättakeit. Die japanischen Flieger machen Tagesangriffe auf wichtigs Stützpunkte, ohne wesentliche Behinderung durch bid gegnerische Luftwaffe. Benzin-Nachschub kommt feit der Sperrung der Burmastraße nur noch auf dem Luftwege. Die Flugstrecke von Indien über die 5000 Meter hohen Berggipfel ist aber die gefährlichste der Welt. Die USA.-Piloten, die die schweren Transportflugzeuge von Indien nach Tsck>ung- king-China steuern, nennen sie die „Milchstraße . Die ungünstigen Wetter Verhältnisse sind auf dieser Strecke ein fast ebenso gefährlicher Feind, wie die japanischen Jagdmaschinen vom Zero-Typ, die von. ihren Horsten am Sattveen-Fluß in Burma aus operieren. Luftangriffe von den Tschungking-Basen aus gegen Japan, die mit Hin- und Herflug die Bewältigung einer 5000 Kilometer langen Strecke erfordern würden, hält man unter diesen Umständen in japanischen Militärkreisen für kaum durchführbar.
Tschungking fordert Offensive im Pazifik.
Schanghai, 23. Mai. (Europapreß.) Eine Stärkung der japanischen Position befürchtet Tschun- king, wenn die Alliierten Japan weiterhin uie Festigung seiner Erfolge und die Ausbeutung der besetzten Gebiete gestatten, erklärte Schao Pulin, der Leiter der Informationsabteilung des Außenministeriums in Tfchunking. Die Zeit, so sagte er, arbeite unter den gegenwärtigen Umständen für Japan. Die Alliierten sollten keine Zeit verlieren und ihre abwartende Strategie durch eine Offensive im Pazifik und auf den ostasiatischen Kriegsschauplätzen ablösen. Unter Hinweis auf die japanische Lustoffensive betonte er den Bedarf Tschun- kings an weiteren Flugzeugen und die Notwendigkeit, die Lieferungen zu beschleunigen.
Das Lustfahrtmonopol der LlSA. in Afrika.
Stockholm, 23. Mai. (Europapreß.) Im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Intensivierung der zivilen Luftfahrt Englands und der bitteren Kritik, die in diesen Tagen von allen Seiten an der Regierung geübt wird, berichtet Ward P r i c e, der soeben von Nordafrika nach England zurückgekehrt ist, in der Londoner „Daitq Mail", daß er m den letzten Monaten weit über 10 000 Meilen über Afrika in der Lust zurückgeleegt habe, dabei aber nicht ein einziges Transp ort- oder Bombenflugzeug englischer Herkunft gesehen hätte. Die Nordamerikaner hätten England längst den Rang abgelaufen, und man könne sagen, England habe schon jetzt seine Nachkriegsposttion in der zivilen Luftfahrt verloren.
Volksdeutsche aus Rumänien bei der Waffen-tt
Bukarest, 22. Mai. (DNB.) Mit großer ®e* geifterung stellen sich in den deutschen Siedlungsgebieten Rumäniens, in Siebenbürgen, dem Banat und dem Bergland die Männer der Volksgruppe zur Musterung für die ©offen« ff. Der erste Transport von ff-Rekruten wurde auf einem Bahnhof bei Kronstadt von Volksgruppenführer Andreas Schmidt bereits verabschiedet, in einer Ansprache wies er darauf hin, daß die Deutschen Rumäniens bisher im Rahmen der rumänischen Armee an der Ostfront ihre Pflicht in höchstem Maße erfüllt haben und die meisten von ihnen auf dem feldgrauen Rock die rumänischen Tapferkeitsauszeichnungen tragen. Die Volksdeutschen in den rumänischen Fronteinheiten, ein Teil der Offiziere und Unteroffiziere und die für Spezialaufgaben ausgebildeten Volksdeutschen verbleiben auch weiterhin in den Reihen des rumänischen Heeres.
Oeichbruch am Mississippi.
Lissabon, 23. Mai. (Europapreß.) Ein unerwarteter Deichbruch des Mississippi hat die Gegend von St. Charles am Missouri überschwemmt, lieber tausend Menschen sind dadurch von der Umwelt abgeschnitten worden. Ihre Rettung erscheint, zweifelhaft. St. Charles liegt etwa 30 Kilometer oberhalb der Mündung des Missouri in den Missisi sippi. An dieser Stelle nähert sich der Mississippi in großem Bogen feinem Nebenfluß bis auf wenige Kilometer. Hier hat der Mississippi die Dämme durchbrochen. Seine Fluten haben Eisenbahnen und Straßen unterbrochen, so daß Bergwerken und wichtigen Rüstunasbetrieben die Weiterarbeit unmöglich wurde. Petroleum-Kommissar Ickes schätzte den Verlust durch Brüche der Del* leituna von Taxas nach Illinois, als Folge der Überschwemmungskatastrophe, auf 200000 Fis täglich,


