Ausgabe 
24.3.1943
 
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195. Jahrgang Nr. 70 Erscheint täglich, nutzer .VormtagS und sreiertags

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Der Wille zum Sieg.

Cs ist die tiefste Erkenntnis von der Unbesieg­barkeit des Lebendigen, daß kein Unglück hoff­nungslos, keine Not unwiderruflich und selbst der Tod nicht endgültig ist, wenn nur im Volke als der Quelle und dem Urgrund des überzeitlichen Lebens der einzelnen der Wille zum Widerstand und zur Tat und der Glaube an die Zukunft lebendig sind? Und wie für den einzelnen gilt dies für das Volk- wenn man sich nicht selber aufgibt, ist man nicht verloren, und, nach einem Worte Schillers, was man nicht selber aufgibt, das hat man nicht verloren.

Gerade mir Deutschen haben das in unserer Ge­schichte oft genug erfahren, und zuletzt erst wieder vor 25 Jahren, als Deutschland im tiefsten und nach dem Willen feiner ^Feinde unwiderruflichen Sturz in den Untergang geschleudert worden war, weil trotz der vom ewigen Ruhm bekränzten Tapferkeit der kämpfenden Fronten dem deutschen Volk der letzte Mut und die letzte klare Erkenntnis seines Schicksals versagt geblieben war. Diebin einer kleinen verspotteten und verfolgten Bewegung

zusammenaeschlossenen Freiwilligen des Führers waren es damals, die Deutschland nicht aufgaben -r- und darum war Deutschland nicht verloren und konnte aus der Kraft, des Willens und des Glau­bens jener unter dem neuen Banner sich sammeln­den Freiwillillgen bis zum Beginn der großen deutschen Erfüllung sich emporschwingen.

Aus dieser Kraft sind wir heute stark, unseren Weg durch die schwere und opfervolle Zeit des Entscheidungskrieges als der letzten Bewährung und der großen Erprobung unseres Volkes zu gehen. Und der Sieg ist uns in alleji Kämpfen und Gefahren gewiß, weil wir niemals mehr uns selber und Deutschland aufgeben, das uns darum in Ewigkeit unverlierbar ist!

Durch Krieg und Kampf besteht diese Welt; es stirbt sogleich, was hier nur ruhen will. Gerüstet und gewappnet sollen wir immer fein; immer schlagfertig, immer als die, die dem Feinde be­gegnen sollen: wir sollen Krieger, sein!"

Ernst Moritz Arndt.

Der Abwehrfleg -ei Drei.

Wie das DKW. am Dienstag mitteilte, ist in den harten Kämpfen, die seit acht Wochen im Raume von Drei andauern, ein vorläufiger Abschluß ein- aetreten. Der feindliche Großangriff, der die deut­schen Stellungen in diesem Frontabschnitt abschnüren sollte, ist auf der ganzen Linie gescheitert. Wo im­mer es den Bolschewisten gelungen war, in die deutsche Hauptkampflinie einzudringen, wurden diese Einbrüche alsbald abgeriegelt und der Gegner wie- dch: hinausgeworfen. So ist der strategische Gewinn der Bolschewisten in diesem erbitterten Ringen gleich Null gewesen. Der feindliche Angriff hatte das Ziel, die Flankenbedrohung zu beseitigen, die durch die deutschen Stellungen bei Drei für die damals vor- dringenden Südarnreen der Bolschewisten entstand. Der Gegner hat diese Angriffe mit sehr erheblichen Verlusten bezahlen müssen. Die blutige Einbuße von über 150 000 Mann zuzüglich 10 000 Gefangenen beweist, daß hier ganze Armeen zerschlagen worden sind. Das gleiche läßt sich aus der Zähl von über tausend erbeuteten oder vernichteten Panzern und fast 500 Geschützen entnehmen. Es ist also eine Nie­derlage auf der ganzen Linie, die herbeigesührt zu haben das Verdienst der deutschen Truppen ist, die dort in härtestem Kampf mit einem überlegenen Gegner standen, und ihn restlos abzu'ertigen ge­wußt haben. Für die gesamte Kampfsührung im Osten ist die Tatsache von gar nicht abzuschätzender Bedeutung, daß in den schwierigen Wintertagen die Bastion von Drei unerschütterlich hielt. Hieran konnte die Aufrichtung einer neuen Verteidigungs­linie weiter im Süden angelehnt werden. Die tap­feren deutschen Kämpfer von Drei haben sich damit ein bleibendes Verdienst um die Abwehr der bolsche­wistischen Welle erworben.

Wenn der DKW.'Bericht weiterhin mitteilt, daß von der gesamten übrigen festgefügten Dftfront mit Ausnahme des Raumes südlich des Ladogasees, wo feiiÄliche Angriffe erneut .zufammenbtachen, und des Abschnitts westlich Kursk, wo eigene Truppen erfolgreich vorgehen, nur noch Kampshandlungen von örtlicher Bedeutung stattfanden, dann ist dies das Zeichen dafür, daß die Lage im Offen sich weit­gehend gefestigt hat. Es handelt sich hierbei zum Teil um die Ruhepause, die durch die Frühjahrswitterung und die dadurch hervorgerufenen Geländeverhält­nisse bedingt ist, zum anderen Teil aber auch durch die Erschöpfung des Gegners, der in den Kämpfen der vergangenen Monate überall schwerste Verluste

erlitten hat, auch im Süden, wo er zunächst erheb­liche Erfolge und Geländegewinne davontragen konnte.

Oer Wehrmachiberichi.

DAV. Aus dem FÜHrerhocuptquarlier, 23. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Der eigene Angriff westlich Kursk gewinnt trotz schmieriger Geländeverhältnisse gegen hart­näckigen Widerstand der Sowjets weiter an Boden. Südlich des Ladoga-Sees brachen erneute feindliche Angriffe in erbitterten Kämpfen zusam­men. von der gesamten übrigen fest gefügten O st f r o n t werden nur Kampfhandlungen von ört­licher Bedeutung gemeldet.

Der im Januar begonnene, von Norden und Süden zur Abschnürung des Raumes um Orel ge­führte feindliche Großangriff, ist an deyl entschlos­senen Widerstand der deutschen Truppen gescheitert. In den achkwöchigen schweren Kämpfen der Winter­schlacht um Orel verloren die Sowjets 10 594 Gefangene und über 150 000 Wann an blu­tigen Verlusten. 1061 Panzer, 485 Geschütze und ungezählte sonstige Waffen aller Art wurden erbeutet oder vernichtet.

In Süd - und Witteltunesien gehen die heftigen Kämpfe welker. Gegenangriffe deutscher Truppen warfen den Feind an einigen Stellen zu­rück. An anderen Frontabschnitten siehen deutsch- italienische Verbände, durch die Luftwaffe unter­stützt, in schweren Abwehrkämpfen. 15 feindliche Flugzeuge wurden über dem Wiltelmeer- raum abgeschossen, drei eigene Flugzeuge werden vermißt.

Feindliche Bomber griffen gestern aus großer höhe norddeutsches Küstengebiet an. Die Bevölke­rung, vor allem in Wilhelmshaven, hatte Verluste. Iäger und Warineflakartillerie schossen fünf feind­liche Bomber ab.

Schwere deutsche Kampfflugzeuge bombardierten in der vergangenen Rächt den Schiffsbauplatz und Verforgungshofen Hartlepool an der englischen Ostküste.

Veraltete Prinzipien."

England legt das »Gleichgewicht der Kräfte^ zu den Akten. - Europa wird dem Bolschewismuszur Neuregelung nach-em Kriege" überantwortet.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Der Weg zu Führer und Gemeinschaft.

Zur Verpflichtung der Jugend am 28. März.

Von Hauptbannführer Otto Zander, K.-Chef des Kulturamtes der Reichsmgendführung.

und bereits die auf den Führer ausgerichtete poli-

Ueber eine Million Jungen und Mädel werden nach den ersten vier Jahren ihres jungen Einsatzes aus dem Deutschen Jungvolk bzw. Jung- mäüelbund entlassen, um nunmehr im Rahmen der Hitler-Jugend bzw. des Bundes Deut­scher Mädel ihre Aufgaben der weltanschaulichen, körperlichen und musischen Erziehung zu erfüllen. Zugleich bedeutet der Tag der Verpflichtung für die meisten Jugendlichen den Abschluß ihrer Schul­zeit und den Eintritt in das Berufs­leben der^llation. Damit wird dieser Tag auch zu einem Feiertag des Volkes, der deutschen Fa- milie und der deutschen Schule.

lieber eine Million Jungen und Mädel eine gewaltige Zahl! Und doch ist fie. nur ein Aus­

tische, geistige und seelische Einheit der deutschen Jugend verkörpert, es ist das stolze Bewußtsein auch vom Wert des einzelnen jungen Deutschen, das uns diesem 28. März mit einem Gefühl des Stolzes und des Glücks entgegensetzen läßt.

Der Führer selbst hat uns den Wert jedes ein« Seinen deutschen Volksgenossen' wieder ins Bewußt­sein gerufen. Er hat uns gelehrt, daß über Zahl und Masse die seelische.Kraft unseres Volkes, sein Glaube und sein Wille triumphieren, daß es im Leben des deutschen Menschen größere Dinge gfbt als nur die fo genanntenrealen", die mit den Augen zu sehen und mit den Händen zu greifen sind. Der Glaube an die große Zahl und an die Masse war der Aberglaube unserer Gegner, dem der

Der Tag derVerpflichtung der Jugend" nimmt | schnitt aus der alle umspannenden Gemeinschaft im nationalsozialistischen Feierjohr eine besondere! der Jugend, ist nur der Lebensausschnitt der Vier- Stellung ein; er ist der wichtigste Feiertag der zehnjährigen.-Aber es ist nicht die große Zahl, die deutschen Jugend, denn an ihm werden die vier- uns dobei beglückt, denn wir sind nicht zahlen­zehnjährigen Jungen und Mädel vor t Z' r......

Eintreten, um sich mit dem GelöbnisIch oer spreche, allezeit meine Pflicht zu tun m Liebe und < .. , _ , , . ,

Treue zum Führer und unserer Fahne" ihm und Herkunft, Bildung und Konfession überwunden hat seinem Werk für ihr ganzes Leben zu verpflichten. nnin

;n . uns hob ei beglückt, denn wir sind nicht zahlen­

den Führer gläubig und sind keine Massenanbeter! Es ist Dieb >Ich vor- mehr das Bewußtsein von der inneren Kraft einer solchen Gemeinschaft, die die Schranken der

ebensowenig Platz in Europa ist wie für dasver­altete Prinzip" der Neutralität. Ausdrücklich heißt es in dem Artikel:Unter den modernen Ver­hältnissen ist der Status der Neutralität vielleicht noch bei einigen Ländern, wie z. B. bei der iberi­schen Halbinsel und der Schweiz anwendbar, die ihre isolierte Lage den besonderen geographischen Gege­benheiten verdanken. Für die große Mehrheit der kleinen europäischen Staaten bildet der Status der Neutralität in Friedenszeiten ebenso wie in Kriegs­zeiten keinerlei Sicherheit mehr. Es ist eine un­bedingte Notwendigkeit, die Wege und Mittel zu finden, um die Unabhängigkeit der großen und klei­nen Staaten mit der wachsenden Militär- und W ir tscha f ts macht auf einer Basis des gegenwärtigen Einverständnisses in Einklang zu bringen, was die einzige Alternative ist, um einer­seits eine Anarchie und andererseits den Hitlerismus auszuschalten." Die Erwähnung desHttlerismus" ist das willkommene Sprungbrett, um den ahnungs­losen Tröpfen in Europa zu sagen, daß sie den Sowjets zum Fraß vorgeworfen werden sollen.

Ein wenig später nur gibt dieDimes" im selben Artikel selbst einer solchen^Auslegung recht, wenn sie die Ansicht vertritt, daßder Mangel an Vertrauen in Osteuropa dabei ein Hindernis bilden könnte, und daß das bolschewistische Rußland bei der Schaffung einerAtmosphäre von Ver­trauen" . eine besonders wichtige Rolle zu spielen habe, eine Rolle, die es eigentlich bereits übernom­men habe." Für diejenigen unter den kleinen Staa­ten, dje diese Ausführungen derTimes" vielleicht doch noch nicht in ihrer ganzen Folgenschwere ver­standen haben, und vielleicht doch lieber an die veralteten",ungemäßigten, unmodifizierten und unmodernen" Begriffe von Freiheit und Selbstbe­stimmungsrecht zu halten wünschen, wird dieTi­mes" noch deutlicher, indem sie meint, daß die an­gelsächsischen Verbündeten der Sowjetunion nun die Aufgabe übernehmen müßten, die bei verschiedenen Völkern dieser Erde bestehenden Befürchtungen, die ihre Wurzel in der Geschichte des Bolschewismus fyaifen, zu entkräften. Man müßte so will es die Times" den Bolschewisten dieselben Rechte in der Völkeroereinigung und bei der Neuregelung Eu­ropas nach dem Kriege zugestehen, wie sie selbst hätten und ihnen ein ebenso großes Wort bei der

Frage, die ihre ,Lebenssicherheit aus dem Boden Europas" betreffen, gewähren.Europa und nicht allein Europa wird untergeh en" so schließt baeTi­mes" ihren zweispaltigen Reklameleitartikel für den Bolschewismus für eineModifizierung" der alten Begriffe von Freiheit und Selbstbestimmungsrecht wenn jetzt nicht ein vollkommenes Einoerständms zwischen den USA., der Sowjetunion und England erzielt wird."

Einen weiteren Kommentar brauchen diese Sätze nicht mehr. Sagt es da doch selbst das konservativste Blatt Englands, die Zeitung deroberen Zehn­tausend" und aller derjenigen, die in Politik und Wirtschaft in Großbritannien das große Wort führen, daß Europa, allen Erklärungen und vor allem der Atlantik-Charta zum Trotz, dem Bol­schewismus aus geliefert bzw. ihm zur Neuregelung nach dem Kriege" überantwortet werden soll. Es ist kein Zufall, daß der erste Ar­tikel derTimes" unmittelbar vor der Abreise Edens nach den Vereinigten Staaten, der zweite Artikel während seines Aufenthaltes in den Ver­einigten Staaten geschrieben wurde. Sckon am 1. Februar hatte der aus Jassy- stammende Jude Constantine Brown imWashington Star" eine Herrschaft der Sowjets über Europa alsdie viel­leicht beste Nachkriegslösung der europäischen Pro­bleme" bezeichnet. Wenige Tage später meldete sich ein anderer USA.-Jude zum Wort, der schon wäh­rend der Versailler Verhandlungen das Sprachrohr Wilsons war und jetzt wieder durch feine engen Beziehungen zu Roosevelt bekannt ,ift. Waller Lippman gab in derNew Vork Herold Tribüne" den europäischen Klein- und Mittelstaaten den guten Rat, sich von aller Machtpolllik fernzuhalten und zugleich ihre Außenpolitik den Sowjets anzu­passen. Der frühere Moskauer Korrespondent der Daily Mail", Negley Farson, entwickelte dann dieneue Phase sowjetischer Außenpolitik", die auf ein ausgedehntes Annexions- 'unb Sicherungsprv« -gramm von Persien über die Meerengen und die Donaumündung bis Hangö und Petfamo hinaus« läuft Der nüchterne Tatbestand ist also so: Eng­land opfert das Gleichgewicht der Kräfte in Europa den Sowjets und wirft das Prinzip der Neutralität hinterdrein.

Ll-Boot-Tanker versorgt Kampfboote im Güdatlantik.

Da sie es drüben auf der Feindselle nicht leugnen können, in ihrer Atlantikertläruna allen Volkern dieser Erde Frechell und Selbstbestimmunasrecht versprochen zu haben und dies mit ihrer. Politik jetzt durchaus nicht vereinbar ist, versuchen sie nun diese Atlantikerklärung zu umgehen, ohne die in ihr angesprochenen kleinen Nationen noch die eige­nen Völker, die unter dem Banner dieser Erklärung zu kämpfen glaubten, allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. So beginnt jetzt dieTimes eine Kam­pagne, die es den angelsächsischen Mächten ermög­lichen soll, diese Atlantikerklärung mit ihrer eige­nen Raubpolitik unter einen Hüt zu bringen.

, Das britische Blatt glaubt dabei höchst geschickt zu Werke zu gehen, wenn es jetzt zwei Jahre nach Veröffentlichung der Atlantik-Chaüa ein­fach festgestellt wissen will, daß die in ihr ange­sprochenen Begriffe von der Freiheit unb dem Selbslbestimmungsrecht der kleinen Volker, von der strikten Neutralität und der kollektiven «icherheit ja gar nicht das beinhalteten, was sie vor dem zweiten Weltkrieg ausgedrückt haben Sie feien zu veralteten Prinzipien" gestempelt denn es sei nicht mehrdie" Freiheit,das Selbstbestim- mungsrecht,öie" kollektive Sicherheit,die strikte Neutralität damit gemeint, die man vor vier fah­ren darunter verstanden Hobe, sondern diese allen, verrosteten, verbrauchten Begriffe hatten einen neuen, zumindesten starkm o b i f i z i erten Inhalt. Es müßte eine neueAuslegung der unmodern gewordenen Begriffe nun stattfinden. Das bedeute z. B., daß in Zukunft der Begrrss Unabhängigkeit" durchein Prinzip, der Ab­hängigkeit der einzelnen Staaten untereinander ges mäßigt werden müsse". Alles dies heißt auf deutsch: Die von England und US.-Amerika den kleinen Nationen dieser Erde gegebenen. Zusicherungen von Freiheit und Selbstbestimmungsrecht mußten so­weit diese Fragen Europa betreffen in bas Prin­zip der Abhängigkeit von der ö o ro i e t *

.Unionmodifiziert" werden, und soweit Afrika oder Asien in Frage kommen in eine Abhängig­keit von Groß d r itannien und vor allem von den USA. , oemäßiot" werden.

Weller sagt der- offiziöse Leitartikel derDimes", derBegriff N e u t r a l ll ä t, der für die Heineren und schwächeren Länder ((Europas) erstrebenswert und eine Garantie der Sicherhell bedeutete, ist zu einem veralteten Prinzip gestempelt worden". Die kleinen Mächte würden in Europa sich künftighin eine Isolierung nicht erlauben dürfen, dennin diesem Sinne ist die Politik des Gleichge­wichts der Mächte ebenso überlebt", schreibt dieTimes", wie die Politik einer strikten Nep- tralität überlebt ist. Man muß, um den Abstand zur Gegenwart recht zu ermessen, sich vor Augen hallen, daß daseuropäische Gleichaewicht" eine englische Erfindung aus jenen Tagen Wilhelms III., des Draniers, ist, den die Wighs, also die Ver­treter der aufkommenden englischen Plutokratie, 1689 nach Vertreibung der Stuarts auf Englands Thron beriefen. Im Namen dieser Gleickigewickts- theorie hat England nacheinander Spanien, Hol­land, Frankreich bekämpft, im Nomen dieser Er­findung stand Englgnd dem Einheitsstreben Deutsch­lands feindlich gegenüber, auch dem damaligen libe­ralen Deutschland, wie die Geschichte von 1848 be­weist. Das sogenannte Gleickgewicht der europäischen Mächte, der Grundsatz, nach dem es keine feftlän» dische Macht geben dürfe, die den Einfluß Eng- lcmds auf dem europäischen Festland zu schmälern geeignet wäre, hat' England durch ein System kunstvoller Koalitionen bis in diesen Krieg hinein aufrechtzuballen versucht. Der Krieg gegen das er­starkende Mitteleuropa von 1914 hat in englischen Augen die gleichen Ursachen wie dieser Weltkrieg. Um so ungeheuerlicher ist der Bruch, der jetzt ganz klar verkündet wird.

DieTimes" setzt den kleinen Nationen weiter auseinander, daß, im Grunde genommen, für sie

Von Kriegsberichter Dr. Hanskarl Aanrgs.

Bei der Kriegsmarine, im März. (DNB.) Erwartungsvoll sahen wir dem Tage entgegen, än dem wir auf unserer Fernfahrt zum ersten Male Versorgung" bekommen sollten, wie es in der U-Bootsprache heißt. Fast alle an Bord kannten von früheren Fahrten schon die U - T a n k e r , die auch den verwöhnten U-Bootsahrer immer wieder- mit irgendwelchen Ueberraschungen aus ihren dicken Bäuchen erfreuen. So erreichen wir eines Abends eine Stelle des Südatlantiks, wo -das Versorgungs­boot auf uns treffen muß. Am nächsten Morgen ist die ganze Besatzung in Festtagsstimmung. Wir bleiben aber trotz allen Suchens zunächst allein auf weiter Flur. Der Dberfteuennann nimmt mit dem Sextanten noch mehrere Bestecke auf, wir stehen richtig. Die Sonne steht schon hoch, da wird an der Kimm ein dunkler Punkt entdeckt. Das ist er. Bald kann man die Brücke eines U-Bootes unterscheiden, und schon kommt der graue breite Leib des Der- forgungsbaotes durch das blaue Wasser.

Nachdem der U-Tanker gewendet hat, setzt er sich mit langsamer Fahrt neben uns. Wir starren hin­über: An der Brücke rft achtern eine'richtige Brause angebracht, die, offenbar uns zu Ehren, jetzt unauf­hörlich aufs Oberdeck sprudelt. Und dann ziehen sich drüben einige Männer aus und vollführen unter den Wasserstrahlen Freudentänze. Als wir gebüh­rend lange die Wasserkünste drüben betrachtet ha­ben, ziehen sich unser Ingenieur und seine Männer zu einer Beratung darüber zurück, wie wir wohl aus Bordmitteln uns auch so etwas bauen könnten. Die beiden Kommandanten aber stehen, beguzm über das Brückenschanzkleid gelehnt, mll dem Mega­phon am Mund, und halten einen kleinen Speech.

Schnell sind die Schlauchboote klar gemacht. Denn zunächst beginnet die gegenseitigen Besuche. Als erster erscheint der Sanitätsoffizier bei uns. Dann wird mit der Brenn st offübernahme begon­

nen. Schläuche werden an Oberdeck gelegt, «Staffo troffen ab gerollt, Ventilstucke angeschraubt, und nun saugen wir wieder neue Kraft in uns ein für viele raufende Seemeilen Fahrt. Natürlich sind zahlreiche Ausgucks auf Posten, um jeder feindlichen lieber« raschung sofort begegnen zu können.

Für die Proviantübernahme wird ein Fernverkehr eingerichtet, über je eine Talje an der Brücke unseres Bootes und an der Back des Tankers rollt eine dicke Leine, ein Jollenläufer, an dem wiederum mit einem Stropp das Schlauchboot befestigt ist. Wenn das eine Leinenende von ein paar Mann im Laufschritt über unsere Back ge­zogen wird, llitzt das Schlauchboot zu uns. So findet eine Fülle guter Dinge ihren Weg zu uns herüber, mit liebevollem Eifer von unseren Män­nern in Empfang genommen und verfrachtet.

Unterdessen erscheinen auch schon einige jpngs Matrosen mit Feldpostbriefen auf der Brücke. Sie wollen sich die Gelegenheit nicht ent­gehen lassen, Post nach Hause zu schicken, in der sie» an Stelle der üblichen AngabeOrtsunterkunft ' als Postort schreiben könnenSüdatlantik". Dis Mannschaften genießen daher den Ausnahmetag vom täglichen Einerlei. Rings um die Boote schwimmen sie in dem klaren, blauen Wasser, legen sich dann auf bas Vorschiff in die Sonne und lassen sich braten.

Endlich ist es soweit. Die Seinen werden gelöst, die Schlauchleitungen sind schon abmontiert, und mit dem Aufbrummen der Diesel setzen beide Boote sich in Bewegung.Weiter gute Fahrt und auf Wiedersehen an Land!" Mützen werden ge­schwenkt, unsere Sirene beult, während das Der- sorgungsschiff schnell kleiner upd kleiner wird, bis es ganz verschwunden ist, und mir für lange Zeit wiede'.- allein sind mit unserem winzigen Boot auf dem großen Ozean.