Ausgabe 
23.3.1943
 
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Botschafter von Mottke qesiorSen.

Madrid. 22. März. (DNB.) Der deutsche Bot­schafter Dr. Hans von Moltke ist am Mon- togmorgen um 3.04 Uhr plötzlich an den Folgen einer Blinddarmentzündung 'N einer hiesigen fpa* Nischen Klinik verstorben. Die Nachricht hat in den der Botschaft nahestehenden Kreisen um so mehr tiefste Anteilnahme ausgelöst, als es dem

Verstorbenen in der kurzen Zeit seines Hierseins gelungen war, sich nicht nur in der deutschen Ko­lonie, sondern auch in spanischen Kreisen allge- meiner Wertschätzung zu erfreuen. Er ließ es sich nicht nehmen, trotz stärkster dienstlicher Dean- fpruchuna immer wieder Veranstaltungen durch seine persönliche Anwesenheit zu ehren. Selbst nicht mehr jung an Jahren, gab er sowohl seinen Mit­arbeitern als auch allen denen, die nur mittelbar mit ihm zu tun hatten, durch seine ständige Be­reitschaft ein leuchtendes Vorbild.

Hans Adolf von Moltke war noch im Anfang seiner neuen ihm vom Führer gestellten Aufgaben. Mitte Januar trat der Sechzigjährige seinen Ma­drider Posten an, nachdem ihn vorher seine diplo­matische Karriere vor dem ersten Weltkrieg nach Athen, nach dem Zusammenbruch von 1918 in die Oberschlesienkommission, dann nach Konstantinopel, schließlich als Ostdirigenten ins Auswärtige Amt, 1931 nach Warschau und nach Ausbruch dieses Weltkrieges ins Außenministerium geführt hatte. Botschafter von Moltke hinterläßt seine Gattin und acht Kinder. "

Der Führer hat Frau von Moltke telegraphisch sein Beileid übermittelt, ebenso Reichsaußenminister von Ribbentrop. Der spanische Außenminister, Ge­neral Graf Jclrdana, begab sich in die Bot­schaft, um im Namen des Staatschefs und der spa­nischen Regierung das Beileid zum Ausdruck zu bringen. Später übermittelte der Chef des militä­rischen Kabinetts des Staatschefs, der frühere Kom­mandeur der Blauen Division, Munoz Gran­des, noch einmal das persönliche Mitgefühl von General Franco. Seit den frühen Nachmittagsstun­den besuchen spanische Minister, hohe Beamte, Ge­nerale, Mitglieder der befreundeten und neutralen Nationen sowie der päpstliche Nuntius die Botschaft, wo der Verstorbene inmitten eines Blumenmeeres aufgebahrt ist.

Der spanische Staatsanzeiger veröffentlicht folgen, des Dekret des spanischen Staatschefs:Als Zeichen meines tiefen Schmerzes über das Hinscheiden des deutschen Botschafters Hans Adolf von Moltke so­wie als Beweis meiner freundschaftlichen Gefühle ;u der Nation, die er so würdig vertreten, verfüge 1d): Dem Leichnam des verstorbenen Botschafters von Moltke werden die Ehren erwiesen, die das Ge­setz für einen befehlshabenden Generalkapitän vvr- sieht. Der Ueberführung der Leiche werden die Mi­nister der Regierung sowie Abordnungen -her Wehr­machtsteile und die zivilen Organisationen beiwoh­nen."

Das Urteil

im Kopenhagener Kommunistenprozeß

Kopenhagen, 22. März. (DNB.) Im Kopen­hagener Kommunistenprozeß wurde das Urteil ver- kündet. Es handelte sich um die Ermordung des est­nischen Kommunisten E l t e r m a n n, der im Fe­bruar 1936 von Moskau als Verräter an der kom­munistischen Sache gestempelt, nach Kopenhagen ge­lockt und dort in einem Sommerhause erwürgt wor­den war. Das.Gericht verurteilte den estnischen Kommunisten Neeritz-Looring wegen Mordes zu lebenslänglichem Gefängnis, den dänischen Stu­denten K a e r n wegen Beihilfe zur Freiheitsberau­bung zu acht Jahren Gefängnis, den dänischen Ar­beiter Oscar Petersen ebenfalls wegen Beihilfe zur Freiheitsberaubung zu drei Jahren Gefängnis.

Dasneue Wirtschaftssystem".

Wie Aordasrika ausgebeutet werden soll. - Das Muster für Europa.

Von unserer Berliner Schriftleitung

Als Roosevelts Truppen auf englischen Schiffen in Nordafrika landeten, hieß es, man wolle das französische Kolonialreich nur vor dem Zugriff der Achsenmächte retten und im übrigen der Bevölke­rung Glück und Segen bringen. Don diesem Glück hat die Bevölkerung Nordafrikas wenig zu spüren bekommen. Dafür haben aber Hunger und Massen­elend mit den Truppen Englands und der USA. chren Einzug gehalten. Inzwischen haben die Dollar - imperralisten ihre Maske gelüftet und zu erkennen gegeben, daß sie Nordafrika, wie alle Gebiete chres Herrschaftsbereiches, schamlos auszubeuten geden­ken. Diese Absicht wird jetzt von derNew York Times" bestätigt, deren Washingtoner Berichterstat­ter von einemneuen W i r t s ch a f t s s y st e m" in Nordafrika spricht, das auch in Europa und in allen anderen Gebieten eingeführt werden soll, die von den Streitkräften der USA. und ihrer Verbün­deten erobert kverden.

Deutlicher konnte nicht bekundet werden, daß Roosevelts Agenten Überall in der Welt nur auf Beute ausgehen, was ihnen die Engländer in Nordafrika persönlich übelgenommen haben, da sie sich nach bewährtem Muster auch gern an solchen Unternehmungen beteiligen. Auch in Zukunft wird Churchill in Nordofrika nichts zu sagen haben, denn dieNew York Times" spricht ausdrücklich davon, daß der für alle wirtschaftlichen Angelegen­heiten entscheidende Ausschuß von General Eisenhower geleitet werden soll. Dieser Aus­schuß hat fünf Unterabteilungen, ein Zeichen für die Planmäßigkeit, mit der die Ausbeutung Nord­afrikas betrieben werden soll. Eine Jmportabteilung soll sich mit der Einfuhr von Verbrauchs­

gütern im Rahmen des Leih- und Pochtpro- gramms beschäftigen. Eine andere Abteilung hat die Aufgabe, Maschinen und Werkzeuge für die nordafrikanische Industrie einzukaufen, während einer dritten Abteilung die F i n a n z k o n t r o l l e des Landes unterliegt

Die Yankees betrachten also Nordafrika in reder Beziehung bereits als ihre Kolonie, der man oor- schre'lben wird, welche Leistungen sie im Rahmen der von Roosevelt geplanten Weltwirtschaft zu über- nehmen und welche Gegenleistungen sie ba[ür zu beanspruchen hat. Eine vierte Abteilung für die Versorgung Nordofrikas mit Kohlen wird groß­mütig einem britischen Sachverständigen überlassen, weil die Lösung dieser Frage angesichts der Tovnage- not und des Brennstofsmangels sowohl in England als auch in den USA. besonders schwierig sein dürfte. Die fünfte Abteilung nennt sich schließlich Unterstützungs- und Wohlfahrtsabteilung", um der Bevölkerung Nordafrikas vorzutäuschen, daß man sich auch mit ihren sozialen Angelegen­heiten beschäftigen solle. An Versprechungen wird es diese Abteilung sicher nicht fehlen lassen. Was von solchen Versprechungen der USA.-Machthaber und ihrer britischen Helfershelfer zu halten ist, durs­ten die Bewohner Nordafrikas inzwischen zur Ge­nüge am eiaenen Leibe erfahren haben. Nach diesem Muster stellen sich die Machthaber in Washington auch eine USA.-Herrschast über ganz Europa vor, wie dieNew York Times", das Leib- und Magenblatt der Wattstreetplutokraten, andeutet. Es liefert uns damit ein^n höchst lehrreichen An­schauungsunterricht.

Bolschewistische Ämchbruchsversuche südwestlich Wjasma unter schwersten Verlusten abgeschlagen.

Berlin, 22. März. (DNB.) Seit dem 18.3. versuchen die Sowjets immer wieder, die nach Ab­schluß unserer Absetzbewegungen im Raum von Wjasma neugeschaffene Front einzudrücken. Sechs Schützendivisionen und drei Panzerbrigaden, unter­stützt von Schlachtfliegern, stürmten am 18.3. gegen -oie verkürzte Frontlinie im Abschnitt eines deutschen Armeekorps. Württembergisch-badische, fränkische, sudetendeutsche und bayerisch-alpenländische Divisio- ne« erteilten dem Feind in harten Schlägen neue blutige Abfuhren. Die Hauptkampflinie blieb bis auf einen begrenzten Einbruch fest in unserer Hand. Die Einbruchstelle konnte jedoch rasch abgeriegelt werden. Eine vorübergehend vom Feind besetzte Ortschaft wurde den Sowjets im Gegenstoß entris­sen. Panzerabwehr, Artillerie und Nahkampftrupps vernichteten 67 Sowjetpanzer und schossen 23 Feind- panzer bewegungsunfähig. In kühnem Handstreich erbeutete ein Frankfurter Unteroffizier einen fahrbereiten und unbeschädigten Sowjet­panzer. Vor den Stellungen einer Grenadierkom- panie stockte der Ansturm bolschewistischer Kräfte im Feuer der Abwehrwaffen. Ein Feldwebel der Kompanie stürzte sich mit sechs Grenadieren seines Zuges auf die Bolschewisten und die trieb die fast 20fache Uebermacht über ihre Ausgangsstellungen zurück.

Zur Bereinigung eines an anderer Stelle er­folgten Einbruchs feindlicher Panzer und Infan­terie traten am 20.3. zwei ©renabierregimenter, die von Sturmgeschützen unterstützt wurden, zum Gegenstoß an. Der Feind hatte sich mit 40 Pan­zern und starken infanteristischen Kräften in einem hart an der Hauptkampflinie liegenden Ort ver­schanzt. Artillerie und Sturzkampfflieger zer­schlugen die in einem Waldstück bereitgestellten sowjetischen Reserven. Während der Südteil der Ortschaft verhältnismäßig leicht zurückgenvmmen werden konnte, war der Widerstand des Feindes im West- und Nordteil zäh und verbissen. Hier mußten niedersächsische und fränkische Grenadiere jeden Trichter, jeden Hausrest und jedes Graben­stück in erbittertem Nahkampf von den Bolsche­wisten säubern. Mehr als 1500 gefallene Sowjets wurden in und bei der Ortschaft gezählt. Die Sturmgeschütze vernichteten 20 Feindpanzer, In- fonteriegeschüße weitere drei. 150 Bolschewisten traten den Weg in die Gefangenschaft an Starke Sturzkampffliegerkräfte unterstützten südwesllich Wjasma die Kämpfe der deutschen Panzerver­bände. .

Oer Wehrmachiberichi.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier. 22. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Südteit der Ostfront bis Vjetgorod fanden gestern keine Kämpfe von Bedeutung statt. Der deutsche Angriff südwestlich und nordwestlich von Kursk macht weiter gute Fortschritte. $ tib- westlich Wjasma und südlich des La­dogasees scheiterten gestern wiederum feindliche Durchbruchsversuche unter schwersten Verlusten. Allein südwestlich Wjasma vernichte- t e n unsere Divisionen, hervorragend durch die Luftwaffe unterstützt, seit dem 18.März über 27 0 Paazerkampfwagen.

Die seit drei Tagen südöstlich von Lenin­grad geführten schweren Angriffe der Sowjets sind an der entschlossenen Abwehr unserer Truppen unter sehr hohen Verlusten für den Gegner abge­schlagen worden.

3n Süd- und Mitteltunesien greifen starke englische und amerikanische Kräfte die italie­nischen Stellungen an. Schwere Kämpfe auf der Erde und in der Luft sind im Gange.

Fernkampfflugzeuge beschädigten im Atlantik ein größeres Handelsschiff durch schweren Bom­bentreffer.

Bei dem bereits gemeldeten Angriff deutscher Kampfflugzeuge auf den Hafen von Tripolis in der Nacht zum 20. März wurden drei Handels­schiffe und ein Geleitboot versenkt.

Tschungking-Offensive in yuennon vereitelt.

Schanghai, 23. März. (Europapreß.) Nach der Eroberung der drei strategisch wichtigen Tschungking-Stützpunkte Kutong Kai, Mamieng- kwan und Lengschuikau und der Hissung der japa­nischen Flagge auf dem Gipfel der Koaliehkung- Berge gelang es den japanischen Streitkräften, den tschungking-chinesischen Versuch einer Gegenoffen­sive zur Wiedereinnahme der Burmastraße zu ver­eiteln. Die feindlichen Streitkräfte erlitten durch die japanischen Angriffe schwere Verluste.

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Zu den Kämpfen in Mittel- und Südtunesten.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Neuer Generalstabschef der japanischen Ehinoarmee.

Berlin, 22. März. (DNB.) Generalleutnant Matsui ist zum Genfralstabschef der japanischen Expeditionsstreitkräfte in China ernannt worden. Matsui gilt als einer der hervorragendsten Stra­tegen, der mit dem Gelände des chinesischen Kriegs­schauplatzes besonders vertraut ist. Er führte vor zwei Jahren jene Armeegruppe, die die Provinz Tschekiang von gut organisierten kommunistischen Streitkräften säuberte, im Malaya-Feldzua hat er als Generalstabschef Yamashitas die minutiöse Vor­bereitung zur Erooerung Singapurs durchgeführt. Zuletzt war Maffui Rcftgeber der Nanking-Regie­rung. Unter seiner maßgeblichen Beteiligung gelang es, die Nanking-Armee in eineinhalb Jahren auf­zubauen, die sich im Kamps gegen Tschungking be­reits bewährt hat.

EineAgiiaiionsredeChurchills

Berlin, 22. März. (DNB.) Der englische Pre­mierminister Churchill hielt am Sonntagabend über den Rundfunk eine verlogene Rede in der Absicht, einige politische Meinungsverschiedenheiten zu ver­einfachen und zu mildern". Nachdem Churchill ein­gangs ausdrücklich betont hatte, keine Versprechun­gen geben zu wollen und sich angesichts der derzei­tigen Situation überhaupt sehr zurückhalten zu müs­sen glaubte, konnte er doch nicht umhin, über Europa zu sprechen.Was soll mit der großen Anzahl von Kleinstaaten geschahen?", so fragte er sich und seipe Zuhörer. Seine Antwort dürfte , diese Nationen nachdenklich stimmen. Er sagte näm­lich wörtlich:An der Seite Englands, Amerikas und der Sowjetunion sollen eine Anzahl von Staa- t.engruppen oder Konföderationen erstehen, die durch eigene gewählte Vertreter ihre Meinung zum Ausdruck bringen können." Damit bestätigte der englische Premier noch einmal nachdrücklich die Ab­sicht Englands, die europäischen Staaten dem B ät­sche wi s m u s auszuliefern.

Oe Gaulle und Giraud im Streit um die Führung.

Tanger, 22. März. (Europapreß.) D e Gaulle zögert noch, die erzwungene Einladung nach Algier anzunehmen, stellt die über die Verhält­nisse Französisch-Novdasrikas aut unterrichtete Zei­tungEcho de Tanger" fest. Dieses Zögern wird nach Ansicht der Zeitung zweifellos beitärEt durch die Tatsache, daß General Giraud sich unverhohlen die erste Rotte bei der Lenkung der französischen Angelegenheiten vorbehält. Das Blatt gibt das Ge­setz wieder, in dem gleichzeitig mit der Abschaffung der Vichy-Anordnungen die Führung, Girauds für das Gesamt-Franzosentum verankert werden soll. Es sei nötig, die Frage vom juristischen Standpunkt lau§ zu studieren, meintEcho de Tanger", aber

Reue Bücher.

Heinrich Walde: Das hessisch- fränkische Fachwerk, mit 18 Abbildungen im Text und 168 Tafeln. Im Auftrag des Heimatbundes für Hessen und Nassau, Landesvereins des Deut­schen Heimatbundes e. V. Vertag XL C. Wtttlcy in Darmstadt. Der Verfasser, viele Jahrzehnte hin­durch Professor der Architektur an der Technischen Hochschule in ^Darmstadt und Denkmalpfleger für Oberhessen, unseren Lesern aus zahlreichen Bei­trägen für dieHeimat im Bild" und als Herausgeber derKunstdenkmäler des Kreises Gießen" bekannt, ist die erste Autorität aufbem Gebiet des Fachwerk­baues in un|erer Heimat. In oie|em Wert yat er das Ergebnis feiner Lebensarbeit zusammengefaßt. Wie bei all feinen Veröffentlichungen legt er auch hier besonderen Wert auf reiches Anschauungsmate­rial, das mit aufschlußreichen baugeschichllichen und architektonischen Erläuterungen den weitaus größten Teil des stattlichen Bandes einnimmt. Der Textteil beginnt mit der. Beschreibung eines Fachwerkhauses, die auch dazu dient, die handwerklichen Fachaus­drücke zu erklären. Es wird dann die daugefchicht' ttche Entwicklung des Fachwerkhaus dargestellt und die Eigenart des hessisch-fränkischen Fachwerkbaus zu dem anderer deutscher Landschaften abgegrenzt. Aus Grund dieser fundamentalen Erkenntnisse wer­den dann die einzelnen uns aus dem Mittelatter übernommenen Fachwerkhäuser beschrieben, darunter auch bas Siebener Nathaus und des Leih^che Haus in der Kirchstraße. Der weiteren Entwicklung von etwa 1500 bis zur Zeit des Verfalls um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, gilt das nächste Kapitel. Hier wird schon angebeutet, baß das Fachwerkhaus steht und fallt mit dem Vorhandensein von Eichen­holz. Die Geschichte der Bewaldung Deutschland; steht daher im engsten Zusammenhang mit der Ent- wicklmia des Fachwerkhaus und feinem landschaftlich stark differenzierten Auftreten. Zwei beigegebene Karten sind dafür sehr aufschlußreich. Von arunb» süßlicher Bedeutung ist wieder bas Schlußkapitel t über die künstlerische Gestaltung unb ben Schmuck bes Fachwerkhaus. Die Verbindung von Schönheit

und Zweckmäßigkeit wird als Merkmal für die Blüte­zeit des Fachwerkhaus besonders herausaestellt. Der Bildertsil, auf dessen Reichhaltigkeit wir schon hingen wiesen haben, ist in seiner sorgfältigen Zusammenstel­lung und Glieoerung mit den mahl ohqcunqu;cn Anmerkungen eine ganze Baugeschichte für sich, eine Unerschöpfliche Fundgrube der Erkenntnis für jeden, der sich mit Liebe in alle Einzelheiten versenkt. So ist dies Werk in seiner sachlich sauberen Ausstat­tung ein schönes Zeugnis für ben burch bie Kriegs- eit ungebrochenen Kulturwillen aller an feinem Zustandekommen beteiligt. Es spricht weit über ben Kreis her Fachwissenschaft hinaus jeden an, der sich den Sinn für die Heimatgeschichte und für die Schönheit alter Bauformen als hervorragendste Denkmäler heimatlichen Volk^ttlms bewahrt hat. Wir möchten dem Walbeschen Werk daher wünschen, daß es für unser Hefsenland zu einem ruhten Haus^ buch werden möge. Dr. Fr. W. Lange.

Walter Bauer: Degen und Harfe. Sechs Erzählungen. 96 Seiten. Geb. 2,40 RM Propyläen-Verlag, Berlin. Walter Bauer, he- kannt geworden in letzter Zeit durch seineTage­buchblatter aus Frankreich", die NovelleBis zum Hahnenschrei" unb bie schönen Künstlergeschichten 1)05 Lichte unb das Dunkle", bie alle seinerzeit hier besprochen rmrvden, vereinigt in seinem jüngsten $U e$s Erzählungen, von denen bie vier letzten, um Michelangelo, Rembrandt, Goya und Caspar DE Friedrich kreisend, bas Thema jener Künstter- geschichten wieder auf nehmen; diesmal lieat der Ak­zent ein wenig mehr auf menschlichen Erlebnissen als auf der schöpferischen Besonderheit unb Ent­wicklung der Daraesteltten obmahf bie Entstehung aeschichten berühmt gewordener Bilder (GoyasEr­schießung der Aulständischen" und Rembrandts Mann mit dem Golbhelm") sich unbezweifelbar a'lch tn ben Stoftkreis i-nes Miheren Buchen einae- fügt haben würden .Sie lasten den behutsam ge­lenkten Leser einen Blick in bie Seelenhaltung und Daseinsmitte überragender schöpferischer Persönlich­keiten gewinnen, währendin verwandten Lebens- kreisen bie TitelerzahlungDegen unb Harfe" non ben letzten Tagen bes bei Kunersdorf ge-sattenen Majors Ewald von Kleist berichtet, dem Lestinq in

Minna von Barnhelm" ein großartiges Denkmal errichtet hat, und die so schlichte wie geftihlsftarke GeschichteDie Geburt des Lächelns" ein mensch­lich bezwingendes und erwärmendes Erlehnis des großen Erziehers und Menschenfreundes Pestalozzi schildert. Hans Thyriot.

Josef Hofmiller: Vom Wandern. 16 Setten.,60 RM. Karl Rauch Verlag, Dessau. Der vor nicht langer Zeit verstorbene ausgezeichnete bayerische Publizist Joses Hosmiller, auf dessen rei­ches Lehenswerk als Literarhistoriker und Ueber= setzer hier schon gelegentlich der Besprechung seiner im gleichen Verlage erschienenen Briefsammlung hin­gewiesen wurde, hat während eines ungemein ar­beitsreichen und fruchtbaren Daseins von Jugend an Entspannung, Belehrung unb vielfältige An­regung auf seinen Wanderfahrten gefunden und einen nicht geringen Teil seiner profunden Bildung auf Reisen erworben oder vertieft. Wie Hofmiller bas1 richtige Reisen vornehmlich in seiner ur­sprünglichen, aller Natur und Kultur am nächsten kommenden Form der Fußwanderung als eine auf reicher Erfahrung gegründete, genußvoll zu übende Kunst betrachtete, davon gibt bie anmutige, sehr kultiviert geschriebene BetrachtungDom Wanbern" einen Begriff, die als Nr. 3 der Neuen Folge der Reuchlin-Drucke bei Rauch in Dessau erschienen ist unb für kommende Reisetage in Friedenszeiten allen Wanderfreunden als Vade- mecum ans Herz gelegt fei. .Hans Thyriot.

Harald Busch: U-Boot auf Feind- f ahrt. Ein Bikdbuch vom Einsatz im Atlantik. Mit 90 ganzseitigen Originalphotos. In Großformat. Geb. 5,50 RM. C. Bertelsmann Verlag Gütersloh. Wie oft erreichen uns die Meldungen bes Ober­kommandos der Wehrmacht, die wieder einmal von vielen Zehntausenben Brutto-Registertonnen feind­licher Handelstonnage berichten, die deutsche U-Boote auf Fernfahrt versenkten! Gedenken wir dabei auch der Wochen härtester Seefahrt unb bes letzten Ein­satzes von Boot und Mannschaft, bie eine einzige Meldung vom Erfolg unserer U-Boote erst ermög­licht? Darum wurden diese Oriainalaufnahmen nnn Arbeit, D^nst. Kampf vnh Eriolg im harten Alltag eines U-Bootes geschaffen, vom Auslaufen

zur Fahrt geaen den Feind bis zur Heimkehr in den Stützpunkt. So wird dieser Bildbericht zu einem wertvollen Dokument des deutschen Seekrieges.

Richard Gerlach: Die Gefiederten. Eine Galerie quicker Vögel. 235 Seiten. H. Goverts Verlag, Hamburg. Hölderlins schöne Verse von den Lieblingen des Aethers, den glücklichen Vögeln, diewohnen und spielen vergnügt in der ewigen Halle des Vaters", stehen als Motto vor dem ebenso belehrenden wie unterhaltsam und anregend zu lesenden Buche von Dr. Richard Gerlach über das unzählige Volk der Gefiederten in Deutschland und in der weiten Welt. Der kundige Verfasser, unseren Lesern aus zahlreichen, überwiegend zoologischen Beiträgen zum Feuilleton bekannt, hat ben riesigen Stoff, geschickt auswählend, so airigeteilt unb an­geordnet, daß dem wißbegierigen, aber unbewander­ten und unvorbereiteten Leser nicht gleich vor lauter Gelehrsamkeit und Systematik bie Lust vergeht Noch einer Einleitung, die sich mit einigen bioloqi- fchen Wesenselemynten deraus leichterem Stoff" gemachten Geschöpfe befaßt und auch an die Rotte bes Vogels in der Mythologie und, der bildenden Kunst erinnert, findet man die großen Gruppen der Sänger, der Flieger, der Schöngefiederten, der Bau­meister, der Wastervögel und der Raubvögel in be­sonders charakteristischen Vertretern knapp und lebendig, in vielen Fällen aus persönlicher An schauung und Beobachtung geschildert: ein Kapitel ift denseltsamen Gestalten" aewidmett unter denen man dem Strauß und dem Auerhahn, der seufzen­den Taube, dem Schuhschnabel und dem Sekretär, dem Flamingo unb den Pinguinen begegnet. An­dere Abschnitte befassen sich mit den interessanten, noch immer geheimnisvollen z Erscheinungen des Vogelzuges und mit ben Vogelfteunden, den er­lauchten Namen der Ornithologie, von Aristoteles und Plinius bis zu Naumann unb Brehm und ben Vogelkennern von heute. Das klar und anschaulich geschriebene, übrigens noch recht friedensmäßig aus* aeftattete~ Buch scheint uns dazu an^-tan, auf so liebenswürdige wie unanfechtbare Weife in ein grobes, vielfältig reizvolles Gebiet her Biologie ein« zuführen und hen Leser zu eigenen Studien unb Be» obachtungen in der Natur anzuregen. Hans Thyriot.

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