Ausgabe 
23.1.1943
 
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sich läßt, um mindestens an zwei Stellen zugleich den Durchbruch zu erzwingen. Als solche Brenn­punkte der Wintero'sfensive schälten sich bald aus dem anfänglichen Abtasten der gesamten Front der Bogen zwischen Rschew und Welikije Luki uni) das Wolaa-Don-Gebiet heraus. Am Morgen des 25. November begann im Raum von ToropezKa­linin der bolschewistische Angriff.

Er kam der deutschen Führung nicht unerwartet, denn die Bereitstellungen so gewaltiger Truppen­massen und das Dorziehen eines starken Artillerie­parkes, der mit einem mächtigen Feuerschlag aus allen Kalibern den Angriff einleitete, hatten den deutschen Aufklärern nicht verborgen bleiben kön­nen. So hatte die deutsche Führung ihre Gegen­maßnahmen treffen können. Sie konnten bei der zahlen- und moterialmäßigen Stärke des Feindes nur in den Vorbereitungen zu einer elastischen Ver­teidigung bestehen, die beweglich genug war, dort ouszuweichen, wv der hohe Einsatz, den ein Fest­balten des Stellungsabschnittes erfordert hätte, der strategischen Bedeutung des umkämpften Raumes nicht entsprochen hätte. So gelang es nach erbitter­ten und für die Sowjets äußerst verlustreichen Kämpfen einer sowjetischen Stoßarmee unter Aus­nutzung starker Schneestürme und dichten Winter­nebels, durch Massierung schwerer Artillerie und Panzerkräfte südöstlich von Toropez, in die deutsche Hauptkampflinie einzubrechen, sie wurde aber durch den Ueberflügelungsmarsch einer deutschen Panzer­division abgeriegelt und vernichtet. Die sowjetische Angriffsspitze drehte sich darauf von Süden nach Westen und suchte bei Welikije Luki, dem aus dem Vorjahr bekannten Schlachtfeld an der Toropa, einem rechten Nebenfluß der oberen Düna, einen Ausweg. Hier entstand unter dem gewaltigen Druck neu herangeschaffter Divisionen, mit denen die Sow­jets den Durchbruch forcieren wollten, zeitweise eine krittsche Lage. Aber die Besatzung dieses west­lichen Stützpunktes der deutschen Abwehrstellung, dessen östlicher Eckpfeiler der Brückenkopf Rschew ist, hielt so lange den Welle auf Welle anbranden- den Sturzseen des von allen Seiten vorgetragenen Angriffs eines übermächtigen Feindes trotz aller Entehrungen mit soldatischer Zähigkeit stand, bis der sowjetischen Führung das strategische Ziel ihres mit so hohem Einsatz unternommenen Durchbruchs­versuchs entschwunden war und die heldenhaften Verteidiger von Welikije Luki sich ohne Gefcchr für die Gesamtlage zu den zu ihrem Entsatz hercmge- sührten Truppen durchschlagen konnten.

In weit größerem Ausmaße bietet das harte Ringen im Raum von Stalingrad ein ähn­liches Beispiel für die bewegliche Verteidigung, mit der die deutsche Führung in der schweren Abwehr­schlacht dieses Winters die zahlen- und material­mäßige Ueberlegenheit des Feindes durch die über­ragende Leistung aufwiegt, die der deutsche Sol­dat dank seiner charakterlichen Ueberlegenheit und seiner besseren Ausbildung als Einzelkämpfer auf allen Schauplätzen und in allen Phasen dieses Kampfes immer wieder vollbringt. Auf dem Schlachtfeld zwischen Don und Wolga stießen die ersten sowjetischen Gegenangriffe bereits in die kritische Phase des Uebergangs der deutschen Ope­rationen von der Offensive zur Verteidigung. Die kurze Kampfpause hotte den deutschen Truppen hier nur selten Zeit gelassen zum Ausbau eines star­ken Stellun^systems. So trafen die ersten, mit ungeheurer Wucht vorgetragenen Angriffe nur auf provisorische Feldbefestigungen, die dem starken Druck nicht standzuhalten vermochten, den die Sow­jets unter Massierung ihrer Panzer und ihrer schweren Artillerie auf die Flanken des- auf das Wolgaknie von Stalingrad vorgetriebenen deut­schen' Keils richteten. Durch die sowjetischen Ein­brüche entstand hier im Raum von Stalingrad eine Insel, von allen Seiten umbrandet von dem grauen Meer der bolschewistischen Massen. Es ist gleichsam eine Igelstellung größten Ausmaßes, die nun auf sich gestellt, dem Ansturm des Feindes so lange standzuhalten versuchen muß, bis es gelingt, zu den umschlossenen Truppen die Verbindung wiederher- zuftellen. Selbst die Wehrmachtberichte in ihrer knappen soldatischen Sprache lassen erkennen, welch unerhört schwere Anforderungen diese Aufgabe des Ausharrens in erbittertem Ringen mit einem weit überlegenen, von allen Seiten anrennenden Geg­ner sowohl an die Führung stellt, die mit kühler Ueberlegung den Gang der Operationen in allen wechselvollen Phasen der Abwehrschlacht fest in der Hand behalten muß, wie an die Zähigkeit und Aus­dauer, die persönliche Tapferkeit und Opferbereit­schaft jedes einzelnen deutschen Soldaten,

In verbissenem Trotz stemmen sich Verbände aller Waffen in kameradschaftlichem Zusammenwirken wie Wellenbrecher gegen den Anprall der Flut, die pe zu überschwemmen droht. Sie halten stand gegen alles Grauen der Materialschlacht, gegen alle Unoil- den eines mitleidlosen östlichen Winters, der mit Asigen Winden den Schnee über die keinerlei Schutz

1,4 Millionen polen bei dem Gowjet-Berbündelen verschwunden.

In der polnischen Emigrantenregierung, die in London sitzt, ist ein Konflikt entstanden, der so heftig ist, daß er die Öffentlichkeit beschäftigt. Der Anfang wurde damit gemacht, daß der polnische ,/Ministerprüsident" Sikorski nicht wie vorge­sehen in den letzten Wochen Moskau besuchte. Und warum nicht? Die polnische Emigrantenregierung kommt nicht um die Frage herum, wo 1,4 Mil­lionen Polen geblieben find, die die Sow­jets aus Polen verschleppt haben. Zumeist Intel­lektuelle, Gutsbesitzer, Aerzte, Lehrer, polnische Bauern und Arbeiter sind spurlos verschwunden, und die Sowjetregierung hat der polnischen Exil­regierung in London auf wiederholte Fragen mit­teilen lassen, über das Schicksal dieser Polen sei ihr nichts bekannt". Die polnische Exilregieruna hat sich deshalb an Eden gewendet, aber auch dieser konnte ihr nur achselzuckend mitteilen, er habe keine anbere Auskunft von der Sowjetregierung erhalten können.

Das seinerzeit zwischen Sikorski und Stalin ge­troffene Abkommen, in dem die Sowjetregierung sich verpflichtete, die von ihr nach Sibirien depor­tierten Polen f r e i z u l a s s e n , ja sogar die Auf- stellung polnischer Divisionen in Ruß­land zu gestatten, hat kaum zu einem praktischen Ergebnis geführt. Rach einem Bericht derNeuen Zürcher Zeitung" hat die mit der Ermittlung der in der Sowjetunion in Gefangenenlagern verstreut lebenden Polen beauftragte Kommission bisher nur 320 000 Deportierte feststellen können. Don diesen sind nur 60 COO als wehrfähia befunden worden. Aus ihnen werden die im N ahen Osten unter britischem Befehl stehenden Polen rekrutiert. Die übrigen 260 000 ermittelten Deportierten will die Sowjetre'gierung nur unter der Bedingung frei»

bietende Steppe fegt, gegen alte Entbehrungen an dem zum Leven Nötigsten, denen unsere tapferen Transportflieger nur selten abhelfen können. Sie kennen die ungeheuer schwere Verantwortung, die auf ihnen liegt. Sie wissen, daß es darum geht, mit aller Kraft, deren sie fähig sind, zu verhindern, daß aus Einbrüchen in die deutsche Front, wie sie bei der Uebermacht des Feindes und der Eigenart der Kriegführung hingenommen werden müssen und hingenommen werden können, ein Durchbruch wird, der aus dem örtlich begrenzten Erfolg, den jede mit geballter Kraft geführte Offensive durch Massie­rung ihrer Angriffswaffen in ihrem Anfangssta­dium haben kann, ein operativer Erfolg wird, der sich auf die Gesamtlage auswirken würde. Sie wissen darum und bieten daher das Letzte an Standhaftigkeit und Treue auf als Kämpfer für Deutschland, dessen Grenzen sie mit ihren Leibern schützen fast zweitausend Kilometer von der deut­schen Heimat entfernt. Niemals wurde sich diese deutsche Heimat der Größe des strategischen Er­folges der beiden SommerfeDzüge im Osten so sehr bewußt wie jetzt, wo Stalin gezwungen ist, zwi­schen Wolga und Don mit dem Rücken gegen den verkehrstechnisch unerschlossenen, ernährungspolitisch unzureichenden Raum, der einen modernen Krieg unmöglich macht, die Entscheidung suchen muß, statt etwa an der Demarkationslinie von 1939, die das heutige Generalgouvernement teilte. Solche Ueber­legung verdoppelt die Dankbarkeit, die wir unseren Soldaten zollen, deren heldenmütiger Einsatz in den Winterschlachten des Ostens die furchtbare Gefahr bannt, daß deutsche Städte und deutsche Fluren jemals in den Bereich bolschewistischer Kriegführung rücken.

Die ganze Größe dieser Gefahr für das ganze euro­päische Abendland wird offenbar durch die Feststellung eines amerikanischen Journalisten, daß die Machthaber des Kreml zwanzig lange Jahre hindurch die Sow­jetvölker in unsagbarem Elend hielten, um alle ma­teriellen Mittel einzig und allein auf eine gigan­tische Aufrüstung zu verwenden, nach deren Voll­endung sie mit bewaffneter Hand das Banner der bolschewistischen Weltrevolution nach Europa zu tragen gedachten. Nur diese Anhäufung einer Kriegsproduktion Zweier Jahrzehnte, in denen Mil­lionen und aber Millionen unter den erbärmlichsten Lebensbedingungen Frondienste leisten mußten für den Aufbau und die Erzeugung einer mit rücksichts­loser Energie zu Höchstleistungen vorangetriebenen Rüstungsindustrie, nur dies in der modernen Ge­schichte einmalige Phänomen macht es erklärlich, daß die Sowjets trotz der gewaltigen Verluste, die sie in den Feldzügen der vergangenen Jahre erlitten hatten, für ihre neue Winteroffensioe ein so unge­heures Kriegsmaterial, vor allem an schweren Pan­zern und an Artillerie größten Kalibers, bereitstellen

lassen, daß sie nach Latein-Amerika aus- w andern. Wie dies im Kriege bewerkstelligt werden soll, bleibt ein Geheimnis. In jedem Falle besteht kein Zweifel darüber, daß die Sowjetregie­rung eine systematische Ausrottung des Po­le n tum 5 in ihren Gebieten betreibt.

DieBasler Nationalzeitung" berichtet, daß Si­korski allmählich erkenne, daß er sich in bepug auf die Gefühle Stalins gegenüber einer polnischen Re­stauration Illusionen hingegeben habe. Das Blatt schreibt, es sei mehr als unwahrscheinlich, daß die Sowjets bereit wären, im Falle ihres Sieges zwischen sich und Mitteleuropa ein Groß-Polen be­stehen zu lassen. Es ist schwer zu beurteilen, inwie­weit diese Erkenntnisse eines Schweizer Blattes sich den polnischen Emigranten mitgeteilt haben. Die polnische Emigrantenregierung in London ist jeden­falls noch nicht einmal imstande, ihre Landsleute vor dem bolschewistischen Henker zu retten. Der ein­zige Ort der Welt, wo das Polentum heute ruhig und in Frieden leben kann, ist das General- gouDernement Dort sind ihm nicht nur die Grundlagen einer wirtschaftlichen Existenz und eines kulturellen Fortlebens, sondern auch die Vor­teile einer nach westeuropäischem Vorbild im Auf­bau befindlichen Verwaltung gegeben. Jrn Reiche selbst finden polnische Arbeiter unter den gleichen Bedingungen Brot wie die Angehörigen aller übri­gen europäischen Nationen. In der Sowjetunion leben die Polen hinter Stacheldraht. In Großbri­tannien und in den USA. werden sie von einem Vorzimmer ins andere geschickt, ohne etwas zu er­reichen. Nur als Kanonenfutter sind ihre Dienste noch willkommen. Im neuen größeren Europa haben dagegen auch die Polen einen Lebensraum.

konnten, wie es sich in den ersten Wochen der Ab­wehrschlacht gezeigt hat, und daß trotz der schweren Einbußen in diesen ersten Wochen, die bereits weit über die im vorjährigen Winterfeldzug erlittenen hinausgehen, ihre Angriffsstärke noch keineswegs nachzulassen scheint. Gewiß steht hinter allen An­strengungen, hinter der brutalen Rücksichtslosigkeit, mit der Menschen und Material ohne Zahl in den Kampf geworfen werden ohne zu fragen, ob sie jemals wieder ersetzt werden können, die Kraft der Verzweiflung, das eherne Muß für Stalin, noch in diesen kurzen Wintermonaten, die ihm bleiben, mit allen Mitteln, aber auch allen, den Versuch zu machen, das Kriegsglück zu wenden. Der deutsche Ostkämpfer, in härtester Abwehrschlacht vor schier übermenschliche Aufgaben gestellt, überbietet sich selbst an zähem Kampfeswillen und hingebender Ausdauer, weil er weiß, daß es um Freiheit und Leben seines Volkes geht. Die Heimat dankt ihm mit härtester Pflichterfüllung und dem Einsatz auch der letzten Kraft für den Sieg. Dr. Fr. W. Lange.

Die LlGA. und Nordafrika.

Lissabon, 23.Jan. (Europapreß.) Die nord- amerikanische Presse macht ihrem Unwillen über die verfahrene Lage in Nordafrika nun dadurch Luft, daß sie die Entsendung einflußreicher Persönlich­keiten dorthin vorschlägt, die mit den jetzigen Zu-' ständen aufräumen sollen. Zum Teil scheinen sich solche Pläne zu verwirklichen. So wird bekannt, daß der USA.-Generalftabschef, General Marshall, dem­nächst das Oberkommando in Nordafrika selbst über­nehmen wird und wahrscheinlich schon dahin unterwegs ist. Ferner soll sich der Beauftragte für das USA.-Rundfunkwesen, der Schriftsteller Ro­bert Sherwood, ein enger Freund Roosevelts, auf dem Wege nach Nordäfrika befinden, um die Handhabung der Zensur zu überprüfen. Das Neu- yorker BlattP. M." fragte, worum nicht Unter­staatssekretär S u m n e r Welles, der Londoner Botschafter W i n a n t oder Henderson, der bis­herige Preiskommissar, nach Nordafrika geschickt würden, um dort aufzuräumen. Warum gehe nicht Vizepräsident Wallace selber hinüber?

Saudi-Arabien protestiert gegen Nichteinhaltung der Lieferverträge.

Rom, 23. Jan. (Europapreß.) Die Regierung von el Riad hat bei dem diplomatischen Vertreter der USA. wegen der Nichteinhaltung der Liefer- oerträge protestiert. Der Regierung Ibn Sauds wa­ren von den USA. und England verttagliche Zusa­gen für die Aufrechterhaltung des Handels gemacht worden, auf deren Einhaltung die Regierung jetzt

An die Gewehre!

In Abständen von zehn Tagen werden im Wehx. machtbericht die Zahlen der abgeschossenen Sowiet- panzer veröffenllicht./ In der Zeit vom 1. Dezember 1942 bis 20. Januar 1943 sind an der Ostfront 4950 Sowjetpanzer abgeschossen und vernichtet worden. Uns interessiert jetzt in diesem Zusammenhang mchti was die Sowjets verloren haben; uns mteresflert nur, was w i r selbst bauen müsse n. Dl- Situation ist von durchsichtiger Klarheit: Die Dinge gehen an uns zurück, an unser en Will e n , an unsere Kraft, an unsere Beständigkeit. W i r stehen vor der Frage, ob wir die Dinge treiben lasten oder meistern wollen. W i r stehen vor der Frage, ob wir den Krieg gewinnen wollen und das Andenken unse­rer Kämpfer ehren können, oder ob wir aus dem Buch der Geschichte gestrichen werden und auf Den Ruhm die Vergessenheit folgen lassen.

Diele Millionen Deutsche arbeiten und werken. In Stadt und Land. Sie hin noch etwas mehr: sie schuften. Und sie tun es gern. Sie mochten eg gar nicht anders haben. Sie würden sich wehren, wenn ihnen jemand das Ansinnen stellen wurde^ über einen gelegentlichen freien Tag oder auch einige Urlaubstage hinaus das Leben von del leichten Seite zu nehmen, es sich irgendwie bequem zu machen, die Dinge an sich herankommen zu last sen. Sie wollen arbeiten, weil sie mit Herz und Sinn bei den kämpfenden Brüdern an den Front sind, sie wollen arbeiten, weil jeder von ihnen aus Instinkt das Schicksal mit emporftenN men will, das unser gemeinsames Schicksal ist.

Die Menschen sind nicht gleich. Es gibt auch Deutsche, in denen die Flamme nicht so hell brenn^ die zögern oder vielleicht nur sich treiben lassen, die auf das Stichwort warten. Wir machen ihnen keine Vorwürfe, aber sie können nicht verlangen, daß wir sie übersehen. Der Zeiger der Uhr rückt vor, und die Stunde hat geschlagen. Dieser Stundens schlag ist unüberhörbar. Ueberall ohne Aus­nahme wird die Frage gestellt werden, wer noch eine Arbeit tut, die nicht unbedingt lebens* wichtig ist oder wer eine langsame Arbeit tut oder wer keine Arbeit tut. Arbeit ist im Kriege niemals Scheinarbeit. Arbeit ist im Kriege nur gegenständ, liches, greifbares Schaffen. Gemächliche Arbeit ist halbe oder Viertel- oder Zehntel-Arbeit. Es han­delt sich nicht um die Zahl der abgesestenen Stunde«! und nicht um den Umfang des durchgewetzten Ho«! jenbobens. Es handelt sich um Waffen, Waffenj und nochmals Waffen! Und um Männer für die Front und das weite Gebiet zwischen Front und Heimat. Wo die Männer fehlen, müssen die Frauen einspringen, wie es Millionen anbere Frauen schon getan haben, ohne an Leib und Seele Schaden zu leiden.

Wir dürfen nicht ins Hintertreffen geraten. Wenn wir in den PK.-Berichten lesen, daß' die Sowjets nach den ersten gut ausgerüsteten Wellen auch Ju­gendliche und alte Männer und kaum aufgefüllte Divisionen in den Kampf werfen, so ist das kein An­laß für uns, uns auf die andere Seite zu drehen und zu träumen. Die Zahl Der Engländer im Mut­terland beträgt 46 Millionen. Sie hatten eine Armee im großen Stil erst aufzubauen. Sie haben sich selbst ustd auch ihre Bundesgenossen mit Kriegsma­terial auszurüsten. Sie haben auf alle ihnen erreich­baren Arbeitskräfte zurückgegriffen. Auch in ihren überseeischen Gliedstaaten. Der kanadische Rüstungs­minister Howe hat am 11. Dezember 1942 zur ®e* gründung von Frauenarbeit auf den Werften er­klärt:'Die seit Kriegsbeginn eingetretenen Verlusts der Achsengegner an Handelsschiffsraum stellen eine doppelt so große Tonnage dar, wie die Ersatzbauten ausmachen." Er hat gewußt, was er sagte und warum er es sagte. Das Rezept gilt auch für uns» Es genügt nicht, sich an den unsagbaren Helden­taten unserer U-Bootleute zu begeistern. Das ist zu billig. Nur die helfende Arbeit gilt. Und nur Der, Der Hilst und arbeitet, hat das Recht, sich über den Sieg zu freuen. Dr. Ho.

Drängt. Saudi-Arabien lebte bis vor einiger Zell hauptsächlich von Reiseinfuhr aus Bri« tifch-Indien, die mit den Mitteln bezahlt wurde, welche dem Lande durch die alljährlichen Pilgerfahrten der Mohammedaner aus allen Län» Dem nach Mekka und Medina zuflosten. Sowohl die Pilgerfahrten als auch der Reisexport nach Saudi- Arabien sind durch die Gefährdung der englischen und nordamerikanischen Schiffahrt im Indischen Ozean unmöglich geworden, so daß Saudi-Arabien sich finanziell und wirtschaftlich in großen Schwie­rigkeiten befindet. In dem saudi-arabischen Hr» fen Dassorah sind kürzlich nordamerikanische Stteilß fräfte an Land gegangen mit der Aufgabe, die Pe- troleumvorkommen in Saudi-Arabien zu übermd# chen und die Interessen der USA. zu schützen.

AUF MÖNGKEBE«® ist det Teufelt&S,

ROMAN VON OLAF BOUTERWECK

82. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Geistesabwesend richtete Axel sich aus seiner ge­bückten Haltung auf; er nahm gedankenlos das Glas entgegen und trank den Inhalt mit einem Schluck aus.

Nun auch das noch", murmelte er kopfschüttelnd. Ein Mord und ein Selbstmord in einer Nacht- bas ist selbst für starke Nerven ein bißchen viel!"

Herr Holm", sagte Raucheisen väterlich,Das Beste ist sicherlich, Sie sprechen sich jetzt mal richtig aus! Deshalb kamen Sie ja wohl auch hierher! Da Frau Stallings tot ist, sind Sie ohnehin von jeder Schweigepflicht entbunden, und wir können offen miteinander reden, wie es sich unter Männern geziemt."

Axel nickte:

Sie haben recht, Herr Kommissar! Ich will Ihnen jetzt die volle Wahrheit sagen ..." Er stockte schon wieder, Denn er wußte in seiner erst halb über­wundenen Verwirrung nicht recht, wo er beginnen follte. Raucheisen kam ihm zu Hilfe:

Hatten Sie sich gestern abend eigentlich mit Frau Stallings verabredet? Oder haben Sie ...?"

Nein, das nicht, Herr Kommissar. Ich hatte gestern abend keinen festen Plan, und deshalb fuhr ich zunächst zur Flamingo-Bar. Dort verkehren, was Ihnen bekannt fein wird, viele Künstler, und mei­stens treffe ich auch einige Derufskamsraden an.

Als ich nun gestern abend die Bar betrat, war es erst halb neun, und zu dieser für ein solches Lokal verhältnismäßig frühen Stunde waren nur wenige Gäste anwesend. Zu meiner Ueberraschung traf ich dort Frau Stallings, die ganz allein bei einem

schweren Burgunder in einer Ecke saß. Da wir alte Bekannte waren, setzte ich mich natürlich zu ihr..."

Seit wann sind Sie mit Frau Stallings be­kannt?"

Seit etwa vier Jahren, Herr Kommissar! Ich hatte Frau Stallings einige Wochen nicht mehr ge­sehen und war erschrocken über die Veränderung, Die mit ihr vorgegangen war. Obwohl sie jünger ist als ich, schien sie inzwischen um Jahre gealtert zu fein, und an ihrem seltsamen Benehmen erkannte ich sofort, daß mit ihr irgend etwas nicht in Ord­nung war.

Auf meine Fragen machte sie dann auch einige Andeutungen, so daß es mir nicht schwerfiel, die Zu­sammenhänge zu erraten. Aber es ist wohl bes­ser, Herr Kommissar, wenn ich zu 3frrer Unterrich­tung hier etwas guriitfgreife:

Vor zwei Jahren heiratete Frau Stallings den Autorennfahrer Werner Frobenius. Obwohl es eine ausgesprochene Neigungsheirat war, schien die Ehe von Anfang an nicht recht glücklich zu sein. Die Schuld tag hauptsächlich auf feiten des Mannes, Denn Frobenius ist ja als außerordentlich leicht­lebig bekannt.

Das Derhälnis besserte sick etwas, als Frau Stallings vor etwa einem Jayr ihrem Gatten ein Töchterchen schenkte. Aber diese Besserung hielt nicht lange an, und als das Kind gar vor Drei Monaten starb, kam es zwischen den Gatten nach häßlichen Szenen zu einem schweren Zerwürfnis. Seit dieser Zeit lebte Frobenius von feiner Frau getrennt, und er sprach auch davon, daß er sich scheiden lassen wolle. Frau Stallings, die an sich schon etwas zur Schwermut und zu Trübsinn neigte, nahm sich diese harten Schicksalsschläge sehr zu Herzen.

Als sie gestern abend vor mir saß, machte sie auf mich einen verzweifelten und völlig nieder­geschmetterten Eindruck. Aus chrem ganzen ©eba= rett glaubte ich entnehmen zu können, daß sie die

Absicht hatte, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, und später entschlüpften ihr gar einige unbedachte Aeußerungen, die meinen Verdacht bestätigten.

Ich versuchte nun, sie zu trösten, und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Scheinbar gelang es mir auch, Denn sie wurde allmählich ruhiger, und schließlich bat sie mich, sie in meinem Wagen nach Hause zu bringen ..."

Wie spät war es da?" fragte Raucheifen.

Etwa zehn Uhr oder kurz zuvor. Unter­wegs wurde sie wieder unruhig; ihre nervöse Ge­reiztheit nahm mit jeder Minute zu, und als wir vor ihrem Hause in Der Kaiserallee hielten, betqm sie sogar einen Weinkrampf.

Ich bat sie, doch für einige Tage ein Sanatorium aufzusuchen, und nannte ihr auch eins, aber sie lehnte meinen Vorschlag in großer Erregung und mit einer Heftigkeit ab, die wirklich das Schlimmste befürchten lieh.

Unter diesen Umständen wagte ich es einfach nicht, sie allein zu lassen. Ick brachte sie in ihre Wohnung hinauf, wo sie sich unter meinem Zu­spruch zwar bald wieder beruhigte. Aber es gefiel mir nicht, daß ihre tiefe Niedergeschlagenheit nun plötzlich in eine krampfhafte Lustigkeit umschlug.

Gegen Mitternacht endlich glaubte ich, es verant­worten zu können, mich zu entfernen; aber bei der ersten Andeutung, daß ich gehen wollte, begann Frau Stallings zu meinen. Sie bat mich, ich solle sie doch nicht allein lassen, Denn sie fürchte sich in Der großen, öden Wohnung. Außerdem sei es ohne­hin kein Vergnügen, mitten in der Nacht noch nach Kladow hinauszufahren, und darum wolle sie mir für Den Rest der Nacht ein Gastzimmer zur Ver­fügung stellen.

Nach einigem Zögern erkannte ich, daß mir nichts anderes übrigblieb, als auf ihren Vorschlag einzu­gehen, wenn ich die kaum überwundene Gefahr nicht erneut heraufbeschwören wollte. Daher ver­sprach ich, zu bleiben.

Ich ging dann noch einmal hinunter rrr meinem^

Wagen und holte den Koffer mit meinen Sacher^ und nachdem Frau Stallings mir abermals vev» sprachen hatte, daß sie jetzt endlich vernünftig sein wolle, verabschiedete ich mich von ihr und begafl mich in Das mir angewiesene Zimmer.

Ich habe dann im Bett noch etwa zwei Stunden gelesen, bis ich endlich einschlief. Gegen sieben Uhf früh wurde ich aber schon wieder durch das Läuten des Fernsprechers geweckt. Mein Diener Otto rief mich an. Der inzwischen erfuhren hatte, daß ich gestern abend in Frau Stallings Begleitung in bet Flamingo-Bar gewesen war, und der dadurch culls meine Spur kam.

Als ich von dem furchtbaren Geschehen im Haust meines Onkels hörte, war ich Derartig bestürzt, daß ich mir nicht einmal Zeit zum völligen Ankleiden nahm. Ich warf meine Kleider in den Koffer, klopfte im Vorbeigehen an Fr-cvu Stallings Tür und rief, daß ich dringend zu meinem Onkel müfffl aber ich würde sie gegen Mittag wieder aufsuchen. Sie könne auf mich rechnen.

Frau Stallings murmelte als Antwort etwas, das ich Durch die Tür leider nicht verstehen könnt« ich rief ihr noch einen Gruß zu und entfernte mich eilig.

Das ist alles, Herr Kommissar, und ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich die reine Wah» heit gesagt habe!"

Einen Augenblick blieb es sttü im Zimmeri dcmn fragte Raucheisen:

Me spät mar es denn, als Sie heute früh die Wohnung der Frau Stallings verließen?"

Es war etwa Mischen sieben Uhr und siebe« Uhr fünfzehn, Herr Kommissar! Genauer kann ich es nicht sagen."

Raucheisen dachte eine Weile nach. Dann rief erneut das Friederiken-Krankenhaus an. Nachdem Der leitende Arzt sich gemeldet hatte, fragte Rauch« elfen ihn nach der Art des Giftes aus, das Fr«1 Stallings genommen hatte.