(Nachdruck verboten.)
27. Fortsetzung.
Frankreichs füd amerikanische Besitzung Guayana hat sich General Giraud angeschlossen. Die Hauptstadt Guayanas ist Cayenne, der berüchtigste Deportationsplatz für Verbrecher.
Muck auf, Renate!
Roman von Ernst 6rmi.
erklärt, Martinique habe, da die Lebensmittel Immer mehr schwinden, keine andere Wahl mehr, als sich zu ergeben. In den Berichten wird betont, daß man selbstverständlich jederzeit Martinique gewaltsam habe besetzen können, dies aber vermeiden wollte, da man das gleiche Ziel auch auf dem Wege irber die Abschneidung ssder Zufuhr erreichen konnte. Im amerikanischen Kriegsministerium wird Martinique als ein für die USA. unerläßlicher Stützpunkt in Westindien bezeichnet, den man unter allen Umständen in die Hand bekommen und niemals wieder an eine fremde Macht fallen lassen dürfe.
Für Polen keinen Finger.
Was britische Garantieerklärungen wert sind.
Berlin, 20. März. (DNB.) „New Statesman and Nation" befaßt sich mit dem sich seit geraumer Zeit unter der politischen Oberfläche abspielenden streit zwischen der Moskauer Regierung und dem . polnischen Emigrantenklüngel in London. „Die Schaffung einer bolschewistischen Einflußsphäre in Osteuropa", so schreibt das Blatt, „ist im Falle eines Sowjetsieges unvermeidlich. Kein vernünftiger Pole kann von England erwarten, daß es dagegen einen Finger rührt oder an Polen Garantien imSinne Chamberlains ohne Rücksichtnahme auf sowjetische Ansprüche gibt."
I *
Diese Erklärung kennzeichnet die Politik der briti- schen Regierung in einer Weise, an der es nichts mehr zu deuteln gibt. Angesichts dieser unmißverständlichen englischen Stellungnahme muß daran er- innert werden, daß ja gerade diese Garantie des ehemaligen Polens das war, was die britischen Kriegsverbrecher für ihre Kriegserklärung !an Deutschland zum Vorwand genommen haben. Heute, also nach nahezu dreieinhalb Jahren Krieg, rückt die britische Politik offen von ihren damaligen Garantieerklärungen ab und ist bereit, ganz Europa bedenkenlos dem' Bolschewismus auszuliefern, um die Horden der Steppe nicht als Verbündete zu verlieren, in einem Krieg, den es angeblich um das Recht der Selbstbestimmung und um die Freiheit der kleinen Nationen heraufbeschwor.
Tschungking bleibt ohne Kriegsmaterial. Genf, 22. März. (DNB. Funkspruch.) Nach Meldungen aus Neuyork plädiert Tschungkinq-China in Washington und London ständig für Lieferung von Waffen und Munition und hat sogar in Zeitschriften ganze Seiten gemietet, um Stimmung für schnelle Hilfe zu machen. Die Tschungking-Regierung erklärt, ihre Truppen an der Burma-Grenze seien so knapp an Munition, daß sie jede Patrone sparen müßten. Wenn die Japaner aber von dort weggetrieben werden könnten, werde die Burma- Straße wieder frei werden für Landlieferungen an China. Das aber, so sagt die amerikanische Zeitschrift „News Week" dazu, ist gar nicht, was London und Washington im Sinn haben. Die USA- Regierung konzentriere sich vielmehr darauf, ein Kommando der U SA.- L uf t w a f f e in China mit Lieferungen zu versehen. Keinerlei Anstrengungen würden gemacht, um die chinesische Armee zu beliefern. Was jetzt nach China geflogen werde, gehe alles an die amerikanische Luftwaffe, zu den Lieferungen an China selbst sage.man in Washington: „Das kostet mehr als es wert ist."
Kein Ersah für die Burma-Gtraße.
Schanghai, 21. März. (Europopreß.) Ein Versuch der Tschungking-Regierung, als Ersatz für die verlorene Burma-Straße einen neuen Nachschubweg von Nordindien bis zum Gebiet des Nu-Flusses' zu schaffen, wurde von japanischen Streitkräften vereitelt, melden japanische Berichte von der Duennan-Front. Japanische Truppen besetzten unter Ueberwindung des schwer zugänglichen Geländes die Stadt Pienma in der Nähe der Nordecke der Grenze zwischen Puennan und Burma. Kleine politische Nachrichten.
Der Führer hat dem Maler Professor Fritz Rhein in Berlin aus Anlaß der Vollendung seines 70. Geburtstages in Würdigung seiner künstlerischen Verdienste auf dem Gebiete der Bildnismalerei die Goethe-Medaille für Kunst und. Wissenschaft verliehen.
I,Ha! Sie ist es. Herrgott im Himmel, wie ich mich reue!", schrie er und hob die alte Frau leicht wie .ine Puppe zu sich empor und küßte sie in tollem liebermut schallend auf beide Wangen.
„So lassen Sie mich doch los", wehrte sie sich und atmete erleichtert auf, als sie wieder festen Boden unter den Füßen fühlte. „Sie nehmen einem ja mit Ihrer Unvernunft das letzte bißchen Leben!"
Bittend legte er seine Hände auf ihre Schultern.
„Nicht böse sein, Mutter Hühnlein. Aber ich bin ja so froh. Irgendwo muß ich doch hin mit der fielen Freude in mir!"
Sie begriff ihn nicht.
„Freude ..;?" . m .
,Za, warum denn nicht? Was meinen Sie, Mutier Hühnlein, was' Reni für Augen machen wird, nenn sie sieht, daß wir sie durchschaut haben? .
Die Alte hatte sich wieder in ihre Sosaecke gesetzt r.nb nickte ihm aus sorgenvollen Augen zu. Sie 'atte Mitleid mit diesem großen Jungen den sie immer wie ein eigenes Kind gehalten hatte. Aber laß er sich jetzt so unbändig freute, wo man nur tekümmert in die Zukunft sehey konnte, das ver- ''and sie nicht recht. ... .
„Verliebte Leute denken immer so weit sie gerade iehen können, Herr Doktor", sagte sie bann. „Aber Sie sollten auch einmal weiter denken. Denn mit ler Freude allein ist's nicht getan. Oder glauben Sie wirklich, daß der Herr Hammerkott nur daraus »artet, Ihnen seine einzige Tochter zu geben. Ich hnn’s mir nicht gut vorstellen, solang ich meine fünf Sinne beieinander habe." . er,
Er schwieg betroffen. So weit hatte er wirklich ' roch nicht gedacht. ., . /
Aber warum denn nicht, wollte er rasch sagen.
Die Heldengedenkfeier in Gießen.
Am 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp- Platz fand am gestrigen Sonntagvormittag eine eindrucksvolle Feierstunde zum Gedenken an unsere gefallenen Helden statt. Mit Einheiten der Wehrmacht und den Abordnungen der Partei und chrer Gliederungen vereinigten sich die Hinterbliebenen der Gefallenen, zahlreiche verwundete und kranke Soldaten aus unseren Lazaretten, Abordnungen der in der NS.-Kriegsopferversorgung und im NS.-Reichs- kriegerbund vereinigten alten Soldaten des ersten Weltkrieges, Offiziere der alten und der jungen Wehrmacht, Vertreter der Behörden, die Jugend und viele weitere Volksgenossen vor dem Denkmal zu der soldatisch-schlichten Feierstunde. Dor dem Denkmal hatten Doppelposten des Heeres und der Luftwaffe Ehrenwache bezogen.
Nach dem Aufmarsch der Fahnen schritten Oberstleutnant Knobel als Vertreter des Wehrmacht- Standortältesten und K«eisstabsamtsleiter Weber als Vertreter des Hoheitsträgers der NSDAP, im Kreise Wetterau die Fronten gh und entboten den Hinterbliebenen und den Verwundeten ihren Gruß. Dann leitete der MUsikzug der SA.-Standarte 116 unter Musikzugführer Obersturmführer Hermann die Gedenkfeier mit Beethovens Trauermarsch ein. Nach einem Vorspruch, gesprochen von einem Grenadier, hielt Oberstleutnant Knobel die Gedenkansprache, in der er das Opfer unserer Gefallenen des ersten Weltkrieges und des gegenwärtigen Ringens um unsere Freiheit und Zukunft in den Mittelpunkt aller Gedanken stellte. Mit unserer Trauer um die gefallenen Söhne unseres Volkes verbinde sich aber die Zuversicht und der stolze Glaube an das Fortbestehen unseres Volkes und Vaterlandes. In diesem Glauben -hatten unsere Gefallenen bis zuletzt gekämpft, und in diesem Glauben gelte es weiterzukämpfen für das vom Führer geschaffene Großdeutsche Reich und seine Zukunft. Wie ernst vor dem ersten Weltkrieg unsere Feinde nur mit Neid und Mißgunst aufr das Deutsche Reich blickten, so hätten sie auch in den Jahren des Aufbauwerks des Führers mit Neid und Mißgunst das Wiedererstarken unseres Volkes dank der vom Führer vorge
zeichneten Wege betrachtet. Um unser friedliche« Aufbauwerk zu zerstören, hätten unsere Feinde im Westen uns den Krieg aufgezwungen, denen sich dann die große, unser deutsches und das ganze eu< ropäische Leben bedrohende Gefahr des Bolfchewis« mus hinzugesellte, beide einig in dem Ziele, unser Volk-und Reich zu vernichten. In dem Kampf für unsere Freiheit und das Fortbestehen unseres Dol« kes setze jeder Soldat stets alles, und ohne Zögern auch sein Leben ein, um den Sieg zu erringen. In dem Glauben an den totalen Sieg, der unser Volk freimache und seine Zukunft sichere, seien unsere Gefallenen auf dem Felde der Ehre geblieben. Schmerz und Trauer bewegten unsere Herzen, und nie werde unser Volk seine Helden vergessen. Darum werde auch in dieser Stunde der gefallenen Kämpfer in Ehrfurcht und Dankbarkeit mit stolzer Trauer im Herzen gedacht. Insbesondere gelte dabei unsere ehrfürchtige und dankbare Erinnerung den heldenhaften Kämpfern von Stalingrad.
Während nun die Fahnen gesenkt wurden und bi< Musik das Lied vdm guten Kameraden spielte, legten Oberstleutnant Wolf für die Wehrmacht und Kreisstabsamtsleiter Weber namens der Partei Kränze am Denkmal nieder, während die Ehren-» posten mit präsentiertem Gewehr und die Feier» gemeinschaft mit dem Deutschen Gruß die Gefallenen ehrten.
Oberslleutnant Knobel ließ dann feine Gedenk» ansprache mit dem Bekenntnis zum ewigen Bestand der deutschen Natton ausklingen. Dafür seien unsere gefallenen Helden in den Tod gegangen, ihr Der» mächtnis an uns fei es, für Deutschlands Größe und Freiheit unter der Führung Adolf Hillers zu kämpfen und alle Kraft einzusetzen, damit chr Der» mächtnis erfüllt werde.
Der SA.-Musikzug spielte darauf das Lied „Volk ans Gewehr", an das sich der Gruß an den Führer und unsere siegreiche Wehrmacht und der gemeinsame Gesang der Lieder der Nation anschlossen. Mit dem Abmarsch der Fahnengruppen und der Einheiten fand die Feierstunde ihren Abschluß.
Aus der Siadi Gießen.
Oie drei Wünsche.
Es gibt ein altes Märchen von den drei Wünschen,' und wenn wir es als Kinder hörten, dann überlegten, wir wohl, was w i r uns wünschen würden, wenn uns einmal die Fee aus dem Märchen erschiene und uns drei Wünsche freigäbe. Wir wollten klüger sein als der reiche Monn, der sich mit seiner Ungeduld das Pferd tot und die Frau auf den Sattel wünschte und dem zum dritten Wunsche nichts Übrig blieb, als sie wieder herunter zu wünschen. Und wir wollten nicht so bescheiden sein wie der Arme, der sich, nachdem er sich seiy Plätzchen im Jenseits gesichert, das tägliche Brot und Ge und- heit wünschte. Wir dachten daran, die Wun chfee ein wenig zu prellen, indem wir uns zum Beispiel einen Geldbeutel, der nie leer würde, wünschten, oder ein Königreich oder was uns sonst als ein Mittel zur Erfüllung aller weiteren Wünsche erschienen sein mag.
Dieser Tage kam mir das alte Märchen wieder in die Hand, und ich mußte an die schlauen Kinderwünsche denken. Nein, in einem Geldbeutel, der nie leer wird, liegt sicherlich nicht das Glück, und auch ein Königreich ist eine heikle Sache. Wir müßten uns heute nicht lange nach den besten Wünschen um- sehen: Sie stehen jeden Tag lebendig in tausend Herzen, und wenn wir auf die Straßen gingen und fragten da nach den drei größten Wünschen, so würden uns wohl alle antworten: „Daß wir siegen", „Daß der Krieg bald zu Ende geht" und die Mütter würden sagen ,Laß mein Bub gesund heimkommt".
Das sind heute die Wünsche aller Wünsche. Und sagt nun nicht, es sei niemand da, der nach ihnen frage und sie erfülle. Mit den Soldaten muß das Glück und die Liebe des Volkes fern, die beiden anderen Wünsche aber zu erfüllen, sind wir alle da — du und ich, jeder von uns! Sy.
GA.-Oberführer Lutter gefallen.
NSG. In den letzten schweren Kämpfen im Osten ist SA.-Oberführer Martin Lutter, der Führer der Standorte 116, als Hauptmann und Bataillonskommandeur im Kampf für Großdeutschland gefallen. Mit seinem Heldentod betrauert nicht nur die SA.-Gruppe Hessen, sondern die gesamte Partei den Verlust eines ihrer bewährtesten und aufrechtesten Vorkämpfer.
SA.-Oberführer Sutter, ber im 58.Lebensjahre im heldischen Einsatz für Führer und Vaterland gefallen ist, stammte aus Hannover. Er war von Beruf Apotheker und als solcher zunächst in seiner Vaterstadt, später in Mainz tätig. Den ersten Weltkrieg machte er bei den Pionieren mit, bei denen er zuletzt Leutnant und Adjutant eines Bataillons war. Seine hervorragenden soldatischen Verdienste an der Front wurden mit der Verleihung der beiden Eisernen Kreuze anerkannt.
Nach dem Kriege widmete et sich wieder seinen beruflichen Obliegenheiten, die er jedoch wegen seines Einsatzes für die' Bewegung des Führers Ende 1932 nicht mehr erfüllen konnte. Schon 1930 in die Gefolgschaft des Führers eingetreten und bald darauf zur SA. gestoßen, war er als politischer Kämpfer und SA -Führer Adolf Hillers unermüdlich tätig. Im Jahre 1933 wurde ihm die Führung der SA.-Standarte 116 Gießen übertragen, an deren Spitze er bis zuletzt als Standartenführer stand. 1941 wurde er zum SA.-Oberführer befördert.
Neben seinen Ausgaben als Standartenführer wurde er 1933 mit der Leitung der Polizeiverwaltung in Bad-Nauheim beauftragt. Im Jahre 1934 wurde er zum Regierungsrat ernannt. Nach der Zusammenlegung der Polizeiämter Gießen, Bad- Nauheim und Friedberg im Jahre 1938 wurde er zum Polizeidirektor dieser vereinigten drei Verwaltungen mit dem Sitz in Gießen beftirnntt; dieses Amt übte er bis zum Ausbruch des jetzigen Krieges aus.
Bei Ausbruch des jetzigen Ringens eilte Oberführer Lutter sofort wieder zur Wehrmacht, in dexen Reihen er zunächst im Westen kämpfte,,dann in Norwegen Dienst tat und schließlich freiwillig an die Front im Osten ging, um hier für Führer und Volk mitZukämpfen. Seine Verdienste im Westfeldzug wurden mit der. Spange zum Eisernen Kreuz II. Kl. anerkannt, für seinen vorbildlichen Einsatz im Osten war er zur Verleihung der Spange zum Eisernen Kreuz. I. Klasse und zugleich zur Beförderung zum Major eingereicht. Sein soldatisches Leben hat nun in den Kämpfen im mittleren Abschnitt der Ostfront seine letzte und höchste Erfiillung gesunden.
Nicht nur in den Kreisen der Partei und vor allem.der SA. wurde Oberführer Lutter in hohem Maße geschätzt, sondern auch in weiten Devölke- rungskreisen und namentlich bei den ihm unterstellten Polizeibeamten erfreute er sich großen Ansehens und ebenso wie in der SA. der treuen Ge
folgschaft aller seiner Männer. Sein unermüdlicher Einsatz als ncttionalfozialistischer Kämpfer und SA.- Führer wie als vorbildlicher Soldat und Offizier läßt ihn auch in Gießen und der oberhessischen Heimat allezeit in guter Erinnerung fortleben.
Iugendfilmstunde des Bannes 416.
Der Bann 116 (Gießen) der Hitler-Jugend hatte zur Jugendfilmstunde am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus eingeladen. Im Vorprogramm wurde außer der neuen Wochenschau, die schon gesondert besprochen würde, zum ersten Male eine Folge der Filmschau „junges Europa" gezeigt. Hier sieht man u.a. Bilder von der Wehrertüchtigungsarbeit der Jugend in Spanien und Norwegen; ferner VDM. beim Rollschuhlauf; den unvergeßlichen Hauptmann Marseille im Kreise der Hitler-Jugend, von seinen siegreichen Luftkämpfen berichtend; Jungmädel betreuen Soldatengräber; Hitlerjungen beim Flugzeugmodellbau, beim Kriegsdienst, im Ernteeinsatz, im Fabrikeinsätz und in einem KLV.- ßager in Ungarn; den Abschluß der Folge bildet ein lustiger Bildstreifen gegen verderbliche und leichtfertige Gerüchtemacherei. —
Das Hauptereignis der Jugendfilmstunde war ein zum größten Teil von Pimpfen als Darstellern bestrittener Film unter dem Titel „H ände hoch!" Er schildert in sehr gelungenen, gut photographierten und vielfach lustigen Bildern das Leben und Treiben in einem Kinderlandverschickungslager in der Slokaweü Man sieht die Buben beim Reiten und beim Unterricht, beim Essen, beim Waschen, im Schlafsaal und beim zünftigen Fußballspiel, und man hat seinen Spaß an dem Feuereifer und dem natürlichen Darstellungstalent, mit dem die Jungen bei der Sache sind. Aber eines Tages, bricht eine Landregenperiode über das Lager herein; anfangs wird sie mit Spielen und Basteln und einem hochfeinen ßagerabenb wirkungsvoll bekämpft, — aber schließlich, als die Regenflut, dem Laubfrosch zum Trotz, noch immer kein Ende nehmen will, müssen die ßagerführer zu stärkeren Beschwörungen greifen, und die Sache bekommt die Spannung einer richtigen Kriminalaffäre, als sich die Jungen zü Wasser und zu ßande, zu Fuß- zu Pferde und auf Rädern auf die Spur zweier flüchtigen Verbrecher setzen, die über die Grenze zu entkommen trachten, aber von den Verfolgern nach allerhand komischen Zwischenfällen und Ueberraschungen umstellt, dingfest gemacht und im Triumph ins ßager geschleppt werden, wo der Fall unter bedeutendem Hallo seine heitere ßösung findet. — Die jugendlichen Zu
schauer folgten den Ereignissen auf der Leinwand mit viel Vergnügen und herzhafter Anteilnahme,'
Hans Thyriot.
Für unsere Verwundeten.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude* führte im Laufe der vergangenen Woche im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht und in Zusammenarbeit mit dem Sonderreferat „Truppenbetreuung" im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in hiesigen Lazaretten folgende Veranstaltungen durch:
Verwundete aus allen Lazaretten wohnten einer Groß-Dariet6oeranstaltung unter dem Motto „Artistik ist Trumpf" bei. Die Koloratur-Soubrette Elly Engel fang Arien aus bekannten Operetten und Wiener Lieder; sie sagte auch die Dortragsfolge an. In verschiedenen Tänzen zeigte Dina van Drey ihre Kunst. Der Jongleur Albert Schweizer arbettete Mit Bällen, Hütest und Zylinder. Karin Marmulla musizierte auf Geige, Saxophon, Klarinette und Bandonium. Die zwei Bienarths traten als Jong^ leur-Equilibristen auf. Ellen Berry war eine tanzende Trompeterin. Viel Stimmung und Humor brachte der Münchener Komiker Max Lampel. Fräulein Mühlmann (Klavier) und Herr Bachmann (Violine) sorgten für die musikalische Umrahmung der mit starkem Beifall aufgenommenen Veranstaltung.
Die Vortragsfolge „Liebesleid und Liebesfreud* erfreute die Verwundeten in einem Lazarett. Margot Eberspach (Sopran) sang Lieder von Franz Schubert und Joh. Brahms. Otto Drumm (Violine) und Fritz Malata (Klavier) spielten Konzertstücke und Melodien von Ludwig van Beethoven, Max Reger und Robert Schumann. Gedichte von Lilien- cron, Lenau und von Goethe sowie „Fröhliches" von Wilhelm Busch sprach Dr. Max Wauer.
Am Donnerstag fand eine ftohe Kaffeestunde statt, zu der eine große Anzahl Verwundeter aus allen Lazaretten geladen war. Der Kreisamtleiter der NSKOV. begrüßte die Gäste im Auftrage des Kreisleiters, Oberbereichsleiters Backhaus. Mit Liebe und Fleiß versorgten die Betreuerinnen' der NS.-- Frauenschaft die Verwundeten mit Kaffee und reichlich Kuchen, der vortrefflich mundete. Die Kuchen waren von der Kreisftauenschaft in Gießen gespendet worden. Die Kreisamtsleitung der NSV. hatte Zigaretten verteilen lassen. Vertreterinnen der Orts- frauenhaften in Annerod, Daubringen und Langd waren neben der Vertreterin der Kreisfrauenschaft, Frl. Fröhlich, und dem Vertreter der NSKOV,,
Doch damit kam auch schon die Erkenntnis. Wie ein eisiger Reif fiel es auf seine eben noch so him- melhochjauchzende Freude. Warum nicht? Warum? Narr, Ser du bist, schalt er sich selbst. Die Erbin der Zeche Hammerkott ... und daneben ich, der Herr Werner Hellingrath, der Herr Habenichts, dem man so überaus witzig gerade heute den Stuhl vor die Tür gesetzt hatte. Vielleicht sogar schon auf höheren Befehl. Und der nun zusehen durfte, wo er wieder ein warmes Nest zum Unterkriechen finden würde. Nein, nein, das Schicksal wußte schon, was es tat.
Er trat ans Fenster und sah in den langsam verglühenden Tag hinaus. Lange, dichte Rauchschwaden hingen über der Zeche und mischten sich in die glutenden Farben der untergehenden Sonne. Mit einem tiefen Seufzer drückte er die heiße Stirn an das kühle Glas.
Immer schon war es in seinem Leben so gewesen. Jmstier, wenn er an einer bedeutsamen Wende stand, hatten sich die Hindernisse vor ihm aufgetürmt, immer hatte er zu kämpfen gehabt, wo andere mühelos zugriffen, nichts hatte ihm das Schicksal von selbst in den Schoß gelegt.
Aber immer hatte er bisher diese Hindernisse auch bezwungen, hatte sich durchgeschlagen und durchgerungen, hotte dem Schicksal abgettotzt, was es ihm nicht gutwillig geben wollte. Und diese Erkenntnis beruhigte ihn wieder, das Bewußtsein der eigenen Kraft und Stärke stimmte ihn wieder froh und zeichnete die-Zukunft in lichteren Farben. Hol's der Geier, sagte er zu sich selbst, wenn das Mädel so- will wie ich, dann wird es auch ohne ober gegen Hammerkott gehen! Wenn man zwei Arme hat, auf die man sich verlassen kann ...
Die Alte hatte ihn nicht aus den Augen gelassen. Sie fühlte, was in ihm vorging.
Nun wendete er sich ins Zimmer zurück.
„Also passen Sie auf, Mutter Hühnlein: ich werde sie ganz einfach selbst fragen."
„Wie ein Bär! Natürlich! Warten Sie doch ab, bis sie von selbst ..."
Er ließ sie nicht aussprechen.
„Sie sind die beste Frau der Wett, Mutter Hühn-1 lein", sagte er chr siegessicher ins Gesicht, „aber davon verstehen Sie nun gar nichts oder haben es wieder vergessen. Vielleicht ist es heute auch anders. Jedenfalls werde ich morgen mit ihr einfahren ..."
Die Alte schüttelte den Kopf. Ja, es war jetzt wirklich eine andere Zeit.
,/Sistd Sie denn ganz von Gott verlassen ..
„Wdrum?"
„Das ist doch geg»n die Vorschriften", versuchte sie einzuwenden. f
„Weiß ich alles", gab er strahlend "zurück. „Aber ich bin ja nun schon einmal entlassen, was kann mir da also noch geschehen?"
„Sie sind doch immer derselbe ..." lächelte sie verstehend.
„Na also! Und sehen Sie, Mutter Hühnlein, wenn sie dann neben mir dort unten steht, dort unten, wo das eigentliche Reich der Hammerkotts ist, dann frage ich sie. Es ist ja im Grunde genommen so furchtbar gleichgültig, ob sie eine Hammerkott oder ein ^beliebiges Fräulein Schmidt ist. Wenn es nicht gerade um die Zeche ginge, wäre mir das letzte sogar tausendmal lieber. Aber die Grube, Mutter Hühnlein ... können Sie begreifen, was es für mich heißen würde, hier an einer bevorzugten Stelle stehen zu können? Eine unbeschreibliche Freude müßte es sein, den kalten Geschäftsgeist der Terbrüggen und Konsorten einmal gründlich hinaUsjagen zu dürfen und dafür das in den Vordergrund zu rücken, auf dem hier alles beruht: die Arbeit unten vor der Kohle! Herrgott, Mutter Hühnlein, ich wüßte mir nichts Schöneres ...!"
„Schon aut", nickte die Alte, und in ihren Augen spiegelte sich das Leuchten, das aus seinen Worten brach. „Und der Koffer — was wird mit dem —?" Er lachte wie ein großer Junge.
„Auch das entscheidet sich morgen dort unten, Mutter Hühnlein ..."
Der Dienstag zog herauf und wurde ein Tag, der den Menschen auf Hammerkott viele Enttäuschungen und manches Leid bringen sollte.
Schon in den ersten Morgenstunden begann es. Es war, als wollte die Natur selbst einen düsteren Rahmen um diesen Tag und sein schicksalhaftes Geschehen spannen.
Nach dem gestrigen schönen Abend hatte man eigentlich auch für heute einen sonnig-heiteren Mor* gen erwarten dürfen. Aber in der Nacht hatte sich von Westen her in breit ausladender Front ein Gebirge schwarzer Gewitterwolken herangeschoben, urtb in den frühen Morgenstunden brach über Ham merkott das Toben eines Unwetters los, wie man es in dieser Gegend seit langem nicht mehr erlebt hatte. Unaufhörlich zuckten in rascher Folge die Blitze, und in ihrem grellen Feuer sprangen schattenhaft die schweren Umrisse der Fördertürme und Schornsteine auf. Das dumpfe Getöse des dahin-- rollenden Donners glich gewalttgen Detonationen, unter denen alles zusammenzubrechen schien. Ein ungebärdiger Sturzregen peitschte das Land und jagte die Menschen vor sich her, die die Sirene unerbittlich zur'Schicht, zur Arbeit rief.
„Ein schönes Wetter bringen Sie mit", knurrte Terbrüggen, als sei Meinders„ der in den ersten Vormittagsstunden von seiner Reise zurückkehrte, schuld an diesem Unwetter. ,Haben Sie wenigstens etwas erreicht?"
Meinders sah ihn forschend an, und ein undurchdringliches Lächeln umspielte seinen Mund, ffr wußte nicht, woran es lag, aber er hatte das Gefühl, daß mit Terbrüggen eine Veränderung vorgegangen sein mußte.
„Das schon", entgegnete er ruhig und entnahm seiner Mappe einige Papiere, die er dem anderen hinüberreichte. „Hier, die Versicherung zahlt natürlich. Wenn ich etwas in die Hand nehme, mache ich gewöhnlich ganze Arbeit. Aber mir scheint er schnupperte mit krauser Nase herum, „mir scheint, als ob es nicht nur draußen gewittere — es sieht ganz so aus, als läge auch hier etwas in der Luft. Na, ist's nicht so?" Sein Blick blieb wieder an Ter« brügaen hängen. „Ans meine Nase kann ich mictz hn allgemeinen verlassen." (Fortsetzung folgt)


