Ausgabe 
20.5.1943
 
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Ion

Aus der Stadt Gießen

Gründung eines OberheUchen Künstlerbnndes

Albert-Lesionek-Krankenhaus

nordamerikanische U-Boote ober norü- amerikanische Kampfflugzeuge seit Beginn dieies Jahres bis Ende April a n g eg r i f f e n. Bon den sieben Schiffen wurden drei, nämlich dieAribia Maru",Rual Maru" undBuenos Aires Maru", beschädigt und erlitten Verluste. Eine Notifikation, daß sämtliche vorerwähnte Schiffe Lazarettschiffe sind, war dem Feind durch die neutrale Macht, welche die japanischen Interessen vertritt, zugesandt worden."

Lustwaffenoffensive gegen Tschungking-Stühpunkte.

Schanghai, 20. Mai. (Europapreß.) Die L u f t- waffenoffensive der Japaner gegen wichtige Stützpunkte Tschyngking-Chinas wurde auch am Mittwoch weitergeführt. Besonders schwere Schäden wurden an drei Zielen in der Pro­vinz F u k i e n angerichtet. Auch in Nordhunan hatten die japanischen Flugzeuge großen Erfolg. Die von tschungking-chinesischem Militär besetzte Stadt T s ch a n g t e h wurde schwer bombardiert. Militä­rische Anlagen im Stadtgebiet und in der Umgebung von Tschangteh wurden schwer in Mitleidenschaft ge­zogen. Flakfeuer schlug den japanischen Flugzeugen nirgends entgegen, heißt es. Alle Maschinen kehrten zu ihren Stützpunkten zurück.

Angriffe gegen japanische Lazarettschiffe

Tokio, 19. Mai. (Europapreß.) Das Kaiserliche Hauptquartier teilte am Mittwochmorgen mit: ,/Sieben. japanische Lazarettschiffe wurden bei neun Gelegenheiten entweder durch.

schäften Gerstengrütze nicht vorhanden ist, können auch andere Nährmittel bezogen werden, jedoch nicht Teigwaren. Die Sonderzuteilung von Käse wird noch durch Erlaß geregelt werden. Die für Einmach­zwecke vorgesehene Sonderzuteilung von einem Kilo­gramm Zucker bedarf einer Vorbestellung. Zu die- sem Zweck wird die Reichszuckerkarte für die 51. bis 54. Zuteilungsperiode bereits jetzt mit ausgegeben. Sie enthält einen entsprechenden Bestellabschnitt, ..r. Man mit den übrigen Bestellscheinen in her nächsten Woche abzugeben ist.

Am (Sonntag Haussammlung für das

NSG. Die zweite Haussammlung für das Kriegs- hilfshllfswerk für das Deutsche Rote Kreuz, die am Sonntag, 25. Mai, zur Durchführung kommt, soll

** Feierliche Immatrikulation ait der Ludwi gs-Universität. Am Freitag. 21. Mai, 12 Uhr c. 1., findet in der Neuen Aula der Universität die feierliche Immatrikulation der Studierenden für das SS. 1943 statt.

nommen. Jetzt hat die Klinik 130 Betten. Man mag schon aus diesen kurzen Zahlenangaben ersehen, welche außerordentliche Entwicklung das Gießener- Institut, das heute unter der Leitung von Pro­fessor Dr. Walther Schultze, des Direktors der Universitäts-Hautklinik, steht, seit seiner Begrün­dung genommen hat.

Die Heilstätte, die von Patienten aus dem ge» k samten Reichsgebiet wie auch aus dem benachbarten Auslande besucht wird, hat im Laufe der Jahre ihre Behandlungsmethoden außerordentlich verfeinert und verbessert. Vor allem wird heute der Nachdruck dar­auf gelegt die Patienten in einem möglichst frühen Stadium ihrer Krankheit zur Behandlung zu er­fassen, während in den früheren Jahren in der Heilstätte zum größten Teil bereits sehr fortge­schrittene Fälle behandelt werden mußten. Es liegt auf der Hand, daß die Wirksamkeit 6er ärztlichen Behandlung und damit die Aussicht auf eine gründ- liche und dauernde Heilung um so größer sind, je

Aus Anlaß der gestrigen 30. Wiederkehr des Tages der Gründung (19. Mai 1913) fand in der Gießener Lupus-Heil st ätte eine schlichte Feierstunde statt, in deren Verlauf die Lupus-Heit- tätte den Namen Albert-Jesionek-Kran- e n h a u s erhielt. Mit dieser Umbenennung soll der Gründer der Heilstätte, der inzwischen verstor­bene langjährige Gießener Dermatologe Professor Dr. Albert Iesionek, auf sinnvolle Weise tfn der Stätte seines segensreichen Wirkens geehrt werden.

Die 1913 gegründete Lupus-Heilstätte war seiner­zeit die erste Licht-Heilstätte in Deutschland. Sie war anfänglich nur für eine Belegung mit 30 Bet­ten eingerichtet. Der erste Bau erwies sich schon bald als zu klein. In der Kriegszeit 1914/18 und der Nachkriegszeit war die Heilstätte vielfach uber- belegt, und schon 1926 mußte die Bettenzahl durch einen Erweiterungsbau auf 110 gebracht werden; 1937 wurde durch weitere bauliche Veränderungen auch noch eine eigene Kinderstation in Betrieb ge»;

bildenden Künste als der zuständigen und verant-, wörtlichen kulturellen Aufsichtsbehörde. Die Grün­der und Leiter des Oberhessischen Künstlerbundes legen besonderes Gewicht auf das Prinzip der Qua­lität, das für "die Arbeit der Vereinigung maß­gebend und für die Aufnahme von Mitgliedern allein entscheidend sein soll. In diesem Sinne sollen di^ Arbeiten eines jeben um die Aufnahme als Mit- glred in den Künstlerbund sich bewerbenden Schaf­fenden einer an strengen Maßstäben und hohen An­forderungen orientierten Prüfung unterzogen wer­den. Für die Aufnahme in den Ob erh esst scheu Künst­le rb und kommen Maler, Graphiker und Bildhauer in Betracht. Es ist, wie wir hören, beabsichtigt, im kommenden Herbst zum ersten Male mit einer Aus­stellung an die Oeffentlichkeit zu treten: sie wird auf sinnfällige Weise zu dokumentieren haben, was mit der Gründung beabsichtigt wurde, und Auskunft geben über die künstlerische Arbeit und Zielsetzung der neu geschaffenen Vereinigung; daß diese Arbeit unter einem glücklichen Stern stehe, daß sie Bereiche­rung, Förderung und Erziehung im Bereiche des kulturellen Lebens unserer Heimatprovinz bedeute, ist im Interesse der Künstlerschast wie der kunst- liebenden Bevölkerung zu wünschen. hth

üjm hergestellte Weste. Aquarelle und Zeichnungen zeigen Mottve aus der Waldheimat.

Eine originelle Ausstellung.

Die Stadtbücherei in Großenhain (Sachsen) zeigt in ihrem Schaufenster am Frauenmarkt eine Samm-

Don Gegenständen, die sich in zurückgegebenen Buchern alsLesezeichen" fanden. Es fehlt dabei nicht an ganzen Romanheften, an Streichhölzern, Nadeln und Geldstücken. Den Gipfel dieser origi­nellen kleinen Ausstellung bilden jedoch Kämme, die ja wohl so wenig in ein Buch wie neben die Butter gehören.

Neues vom Film.

Marte H a r e l l spielt eine Hauptrolle ifi dem neuen Wien-FilmVerzauberte Brautnacht", mit dessen Aufnahmen der Spielleiter Leopold Hainisch in Prag begonnen hat. Die männliche-Hauptrolle verkörpert Wolf Albach-Retty.

*

^.Gustav Ucicky, der Spielleiter des Wien- FilmsAm Ende der Welt", hat die Atelierauf­nahmen zu dem Film, dessen Drehbuch Gerhard Menzel verfaßte, beendet. Hauptdarsteller sind Attila Hörbiger und Brigitte Horney.

wiederum eine unseren Feinden gebührende Ant­wort auf ihre Terrorangriffe gegen Frauen und Kinder sein. Schon die erste Haussammlung 1943 brachte im Gau Hessen-Nassau gegenüber der glei­chen Sammlung im Vorjahr eine Steigerung von 34,55 v. H., nämlich die stattliche Summe von 2152196,40 NM. Die Bevölkerung unseres Gaues wird auch bei der zweiten Hausfammlung die Ge­legenheit ergreifen, durch ihre erhöhte Opferbereit-- schäft ihren Willen zum Sieg zu beweisen. Gibt es einen eindeutigeren Ausdruck für das unbedingte Vertrauen unseres Volkes in seine Führung und für die allgemeine Siegeszuoersicht als die noch ftänt big wachsende Spendefreudigkeit? Jeder weiß, auch auf seinen Beitrag am Schicksalskampf des deutschen Volkes kommt es an!

verdunkelungszett:

20. Mai von 22.17 bis 4.48 Uhr.

Da« heimliche Päckchen.

Es gibt Menschen, die immer froh und tapfer daherkommen. An solche wenden sich gern die Schwächeren, laden all ihren Jammer ab und lassen sich von ihnen trösten mit Rat und Tat. Und das ist so in Ordnung. Denn der inwendig Starke hat die Kraft, des andern Lasten mitzutragen, er besitzt den lebhaften Geist, Auswege zu ersinnen, dazu ist ihm der Wille eingeboren, helfend den Schwächeren zu führen.

Nun geschieht es aber nicht fetten, daß diese Starken geradezu magnettsch die Schwachen an sich ^ehen und dabei in Gefahr sind, über ihre Kräfte belastet zu werden. Am häufigsten erlebt man das wohl bet den Müttern, von denen man gewöhnt ift, daß sie immer Rat wissen, immer noch eine Arbeit auf sich nehmen, immer bereit sind, zu Gunsten anderer auf etwas zu verzichten.

Und da fafin es leicht fein, daß die Umgebung es verlernt, darauf zu achten, ob nicht die Mutter auch einmal überlastet ist, Schmerzen hat oder der Ruhe bedarf, daß sich von neuem ihre Kräfte sam­meln können!

Zuweilen findet man auch Aerzte, denen vom Morgen bis zum Abend Leiden des Leibes und der Seele anvertraut werden, und von denen erwartet wird, daß sie bei Tag und Nacht bereit sind, sich für ihren Beruf zu opfern. Ob sie sich einmal krank fühlen oder überarbeitet sind, danach fragt keiner; denn der Kranke ist in den meisten Fällen nur mit sich selbst beschäftigt.

Die eignen sorgenvollen Angelegenheiten sehen wir immer groß und vergessen darüber, daß der andere, der uns nur feri und stark erscheint, viel­leicht auch seine Lasten mit sich schleppt, denn ohne Leid ist keines Menschen Leben. Oft ist sogar die Kraft des Starken erst entstanden, weil er Herr wurde über das eigene Ich mit allen Schmerzen des Leibes und der Seele.

Deshalb denk an des andern Sorgen, wenn er den deinen willig fein Ohr leiht. Auch ihm wird es wohltun, einer Aufmerksamkeit zu begegnen, am meisten dann, wenn er es nicht gewohnt ift.

Meine Großmutter, die eine kluge Frau mar, sagte einmal zu mir:Kind, eins vergiß nie: jeder Mensch ohne Ausnahme trägt sein heimliches Päckchen!" H.B

Die neuen Lebensmittelkarten.

Die Lebensmittelkarten für die 50. Zuteilungs­periode vom 31. Mai bis 27. Juni werden in diesen Tagen verteilt. Die wesentlichen Veränderungen sind bereits bekannt. Auf Grund der neuen Be­stimmungen erhalten Normalverbraucher über 18 Jahre jetzt wöchentlich 250 Gramm Fleisch, Kinder und Jugendliche von sechs bis achtzehn Jah­ren 300 Gramm, Kinder bis zu sechs Jahren 100 Gramm. Die Ration der Lang- und Nachtarbeiter beträgt 450 Gramm, der Schwerarbeiter 600 Gramm und der Schwerstarbeiter 850 Gramm. Wie bereits gemeldet wurde, fehlen die gleichzeitig vor­gesehenen Monatszulagen von 300 Gramm Brot und 50 Gramm Fett auf den neuen Karten noch und erscheinen dafür auf den Lebensmittelkarten der 51. Zuteilungsperiode doppelt mit entsprechender Borgriffsmöglichkeit. Die zusätzliche Verteilung von Nährmitteln erfolgt in den vier nächsten Karten­perioden, so daß in der 50. Periode zunächst 250 Gramm Gerstengrütze verteilt werden. Die 216gäbe erfolgt auf einen besonders gekennzeichneten Ab­schnitt der Reichsfleischkarten. Soweit in den Ge-

Ritterkreuz für einen Oberheffen.

Berlin, 19. Mai. (DNB.) Der Führer oer« lief) auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luft­waffe, Reichsmarschall Göring, das Rittern kreuz des Eisernen Kreuzes "an Major Lau§ Kommodore eines Kampfgeschwaders.

Major Heinrich Lau, am 15. 9. 1911 in Nie« der-Erlenbach (Kreis Friedberg) get boten, ift ein hervorragender Kampfflieger und vor­bildlicher Geschwaderkommodore. Auf nahezu zwei­hundert Feindflügen im Kampf gegen Frankreich, England und die Sowjetunion errang er große Er­folge, die oft eine wirksame Unterstützung der Ope­rationen des Heeres bedeuteten. Seinen Besatzungen voranfliegend, gab er ihnen stets ein leuchtendes Beispiel persönlicher Einsatzbereitschaft und Tapfer­keit.

n°|/r $ontßn bei zwei Washingtoner Banken unter- halte und monatlich dort 28 000 Dollar einzahle Als £afr^n fhQ9te' ?°her er das Geld habe, antwortete G-dÄni- 6r nid,t' er ein schlechte-

J?er Juden ein- und aus- h n9 ^a.mnJfmkn,ftCxr Oberst Knox konnte nicht um- hin, emzugestehen, daß er am 26. März zu ammen nieht eumr & be gespeist habe. Natürlich 3rmhmhnH lT5itDlwen' sondern weil er einen tfregnö dort habe treffen wollen, der aber merk- nKU .gekommen ist. Auch der Ches L/nin^ssn^^e-Feldzeugmeisterei, Generalmajor ! Aborte zu den Gästen Mon- orn Jj x n3te H b*1 seiner Vernehmung hin- ter der 2lusrede, er habe die Einladung durch einen anderen Offizier erhalten und habe dort den Erz ° c.?:9 ? ' den berüchtigten Habsburger

R?s?biing, der sich in Judenkreisen besonders wohl- fuhlt, treffen wollen. Die Vernehmung vor dem Un­terausschuß endete damit, daß der Vorsitzende er- f aIte/ tx werde der Sache auf den,Grund gehen.

ex vermutlich bleiben, denn es ist nicht Sn £ & ö,c ^cn und höchsten Weißen Hauses noch weiter zu blamieren ^vvsevelts Hausjuden werden schon dafür breitgetreten mirb.Cm"*e nicht weiter

_ Sowjetspionage in Schweden.

ys ckholm, 19. Mai. (Europapreß.) Großes mprhpnh1r®9£ ^ier ein neuer Fall in der endlos n Spionagefällen, die der S o w j e t r c g i e r u n g ge- leitet und finanziert werden. Verhaftet wurden in Olejem Zusammenhang bisher der Schwede Jssak x V c^vnd die Schwedin Sylvia Lindberg, beide 21 Jahre alt, sowie ein nicht namhaft gemach- £x 1 aIs Verbindungsmann zwi-

Itpen Edvall und Lindberg und der sowjetrus- fi chen Spionaaezentrale tätig war. Ed- oall, der trotz feiner Jugend bereits eine äußerst be= megte Vergangenheit hinter sich hat, besuchte regel­mäßig schwedische Werften und Industrieanlagen .viußte sich auch sonst gewisse ausländische Machte interessierende Angaben zu verschaffen. Un­terstützt wurde er hierbei von Sylvia Liiwberg, mit ocr zusammen er auch einige Einbrüche verübte. Die von diesem Paar gemachten Beobachtungen und aus ausländischen Quellen zusammengetragenen Tat- lachen wurden durch Vermittlung des ungenannten Auslanders an die sowjetrussische Spionagezentrale m Stockholm weitergeleitet.

Tfchungking-China in schwerer Krise.

,S ch an gha i, 19. Mai. (Europapreß.) Tschung- k i n a - C h i n a ist in eine lebenbedrohende Krzse geraten, so wird von gutunterrichteter Seite erklärt. Die seit längerer Zeit immer wieder aufs neue an die britische, vor allem aber an die nord- amerikanische Regierung gerichteten Hilferufe sind bitter ernst zu nehmen. Auch die Reise von Frau Tschiangkaffchek ist nur als Ausdruck der großen Besorgnisse zu werten über die entscheidenden japa- nischen Erfolge der letzten Zeit? Briten und Nord­amerikaner schweigen sich aus, weil sie zur Zeit außerstande sind, den durch sinnlose Versprechungen m den selbstmörderischen Krieg gehetzten Tschung- kl»tg-Chinesen wirksam zu helfen?

Marschall Tschiangkaischek rief am Diens- i rag in höchster Eile feine Generalstäbler zusammen. U. a. nahmen daran der Krieqsminister Hoying- : Uch'ng und General Peitsunghsi teil. Wie roentq . Marschall Tschiangkaischek sich auf seine Truppen verlassen kann, beweist die Tatsache, daß im An­schluß an die Generalstabsbesprechung für alle Korn- 1 manbeure schärfste Ueberwachungsrnaß- nahmen eingeleitet worden sind.

Kunst und Wissenschafi.

Rofegger-Ausslellung in Krieglach.

w^."^^eglach, wo Peter Rosegger seine letzte Ruhestätte fand, wurde zum Gedächtnis des Hei­matdichters eine mit viel Liebe und Sorgfalt be- reitete Ausstellung Eröffnet. Der Eröffnungsfeier wohnte auch der Sohn des Dichters Dr. Sepp Rosegger bei. In mehreren Zimmern der Krieg- lacher Volksschule ist die Ausstellung aufqebaut. oic enthält u. a. eine Plastik Roseggers, Manu- ftripte, Urkunden und Gebrauchsgegenstände des Dichters, darunter auch das von dem Schneiderge­sellen Rosegger benützte Bügeleisen und eine von

Auf Anregung des Landesleiters der Reichs- kammer der bildenden Künste wurde dieser Tage der Ob erhessische Künstlerbund" mit dem Sitz in Gießen gegründet und vom Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste bestätigt. Der Zweck des Vereins ist nach den Satzungen, die deutsche Kultur im Gefühl der Verantwortung vor Volk und Reich zu pflegen und zu fördern, in "erster Linie durch Ausstellungen und sonstige künstlerische Veranstaltungen, ferner den Zusammenhalt unter seinen Mitgliedern sich angelegen sein zu lassen. ^Weitere Ziele des Bundes sind die Zusammenfassung aller qualifizierten, schöpferisch ausübenden Kräfte im Bereiche der bildenden Kunst Oberhessens, end­lich die nachdrückliche Pflege einer fruchtbaren Zu­sammenarbeit mit allen kulturellen Stellen der Partei, des Staates unö* des öffentlichen Lebens.

Die organisatorische Zusammenfassung aller schöp­ferischen und durch einwandfreie Leistung quali­fizierten Kräfte auf dem Gebiete der bildenden Kunst geschieht für den Umkreis unseres engeren Heimatgebietes Oberhessen mit innerer Begrün­dung und ausdrücklich im Sinne und mit Zustim­mung der Landesleitung der Reichskammer der

rlovtllt von Theodor Storm

10. Fprtsetzung. (Nachdruck verboten.)

In einem aber schien er, zur Beruhigung des jungen Ehemannes, der^Schilderung zu entsprechen, die Frau Lina an jenem Vormittage von ihrem Bruder ihm entworfen hatte: an einer Ausnutzung feiner Sohnesrechte schien der Heimgekehrte nicht zu denkend

Und noch ein Zweites war dem Frauenauge nicht entgangen. Wie der Bruder einst mit ihr, der so viel jüngeren Schwester, sich herumgeschleppt, ihr erzählt und mit ihr gespielt hatte, mit ihr und wie sie von der Mutter wußte ftüher auch mit einer anderen, der er bis jetzt mit keinem Worte nachgefragt, und von der zu reden sie ver­mieden hatte, in gleicher Weise ließ er jetzt, wenn er am Nachmittage draußen auf dem Beischlag saß, den kleinen Sohn des Krämers auf feinem Schoß umherklettern und sich Bart und Haar von ihm zerzausen; dann konnte er auch lachen, wie Frau Lina meinte es einst im Garten ober auf jenen Sonntagswanderungen, mit der Mutter von ihrem Bruder Heinz gehört zu haben. Schon am zweiten Tage, da sie eben in Hut und Tuch aus der Haus­tür zu ihm treten wollte, hatte sie ihn so getrop fen. Der kleine Bube stand auf seinen Knieen und hielt ihn bei der Nase:Du willst mir etwas vor- lügen, du großer Schiffer!" sagte er und schüttelte derb an ihm herum.

Nein, nein, Karl, by Jove, es gibt doch Meer- sraue-n; ich habe sie ja selbst gesehen."

Der Knabe ließ ihn los.Wirklich? Kann man die benn heiraten?"

Oho, Junge! Freilich kann man das! Da drü­ben in Texas, könnt'st allerlei da zu sehen bekom­men, kannte ich einen, der hatte eine Meerfrau; aber sie mußte immer in einer großen Wasser tonne schwimmen, die in feinem Garten stand."

Die Augen des kleinen Burschen leuchteten; er hatte nur einmal einen jungen Seehund so ge­sehen, und dafür hatte er einen Schilling zahttn müssen.Du", sagte er heimlich und nickte seinem bärtigen Freunde zu,ich will auch eine Wasser­stau heiraten, wenn ich groß geworden bin!"

Heinz sah nachdenklich den Knaben an.Tu das nicht, Karl; die Wasserfrauen sind falsch; bleib lieber in deines Vater Store" und spiel' mit deines Nachbarn Katze."

Die Hand der Schwester legte sich auf seine Schuller:Du wolltest mit mir zu unserer Mut­ter Grabe!"

Und Heinz setzte den > Knaben zur Erde und ging mit Frau Lina nach dem Kirchhof. Ja, er hatte sich später auch von ihr bereden lassen, den alten Pastor, der jetzt mit einer Magd im großen Pfarr­haus wirtschaftete, und sogar auch Tante Jule zu besuchen, um die der Knabe Heinz sich wenig einst gekümmert hatte.

So war der Sonntagvormittag herangekommen, und die jungen Eheleute rüsteten sich zum gewohn­ten Kirchgang; auch Heinz hatte sich bereit erklärt. Hans Kirch w.ar am Abend vorher besonders schweigsam gewesen, und die Augen der Tochter, die ihn kannte, waren mehrmals angstvoll über des Vaters Antlitz hingestreift. Jetzt kam es ihr wie eine Beruhigung, als sie ihn vorhin den großen Flurschrank hatte öffnen und wieder schließen hören, aus dem er selber seinen Sonntagsrock hervorzu- hölen pflegte.

Als aber bald danach die drei Kirchgänger in bas untere Zimmer traten, stand Hans Kirch, die Hände auf dem Rücken, in feiner täglichen Klei­dung an dem Fenster und blickte auf die leere Gasse; Hut und Sonntagsrock lagen wie unordent­lich hingeworfen auf einem Stuhl am Pulte.

Vater, es ist wohl an der Zeit!" erinnerte Frau Lina schüchtern.

Hans Adam hatte sich umgewandt.Geht nur!"

y Ladea.

sagte er trocken, und die Tochter sah, wie feine Lippen zittterten, als sie sich über den starken Zäh- nen schlossen.

Wie, du willst nicht mit uns, Vater?"

.Heute nicht, Lina!"

»Heute nicht, wo Heinz nun wieder bei uns ist?" Nein, Lina", er sprach die Worte leise, aber es war, als müsse es gleich danach hervorbrechen; ,/ch mag heut nicht allein in unfern Schisferstuhl."

Aber Vater, du tust das ja immer", sprach Frau Lina zagend;Christtan sitzt ja auch stets unten be i mir."

Ei was, dein Mann, dein Mann!" und ein zorniger Blick schoß unter den buschigen Brauen zu seinem Sohn hinüber, und feine Stimme wurde immer lauterdein Mann gehört dahin; öder die alten Matrosen, die mit sünfunddreißia Jahren noch fremde Kapitäne ihres Vaters Schiffe fahren lassen, die längst ganz anderswo noch sitzen sollten, die mag ich nicht unter mir im Kirchstuhl sehen!"

Er schwieg und wandte sich wieder nach dem Fenster, und niemand hatte ihm geantwortet; bann aber legte Heinz bas Gesangbuch, das seine Schwe­ster ihm gegeben hatte, auf das Pult.Wenn's nur das ist, !ßater", sagte er,der alte Matrose rann zu Hause bleiben; er hat so manchen Sonn­tag nur den Wind in den Tauen pfeifen hören."

Aber die Schwester ergriff des Bruders, dann des Vaters Hände.Heinz, Vater! Laßt das ruhen jetzt! Hört zusammen Gottes Wort; ihr werdet mit guten Gedanken wiederkommen, und dann redet mitein­ander, was nun weiter werden soll!" Und wirklich, mochte es nun den heftigen Mann beruhigt haben, baß er, zum mindesten vorläufig, sich mit einem Worte Luft geschafft, was sie selber nicht er­wartet, hatte, sie brachte es dahin, baß beide in die Kirche gingen.

Aber Hans Kirch, während unten, wie ihm nicht entging, sich aller Blicke auf den Heim gekehrten richteten, saß oben unter den andern alten Kapi­tänen und Reedern und starrte, wie einst, nach der Marmorbüste des alten Kommandeurs; das war Uruch ein Stadtjunge gewesen, ein SchulmeistersMn,

wie Heinz ttn Schulmeistersenkeft wie anders war der heimgekommen!

Eine Unterredung zwischen Vater und Sohn fand weder nach dem Kirchgang noch am Nachmittage statt. Am Abend zog Frau Lina den Bruder in ihre - Schlafkammer: ,9lun, Heinz, hast du mit Vater schon gesprochen?"

Er schüttelte den Kopf:Was soll ich mit ihm sprechen, Schwester?"

Du weißt es wohl, Heinz; er will dich droben in der Kirche bei sich haben. Sag' ihm, daß du dein Steuermannsexamen machen willst; warum hast du es nicht längst gesagt?"

Ein verächtliches Lächeln verzerrte fein Gesicht: Ist bas eine Gewaltsache mit/ dem alten Schiffer- stuhl!" rief er.Todos diabolos16, ich alter Kerl noch auf der Schulbank! Denk' wohl, ich habe manche alte Bark auch ohne das gesteuert!"

Sie sah ihn furchtsam an; der Bruder, an den sie sich zu gewöhnen anfing, kam ihr auf einmal fremd, ja unheimlich vor.Gesteuert?" wiederholte sie leise;wohin hast du gesteuert, Heinz? Du bist nicht weit gekommen."

Er blickte eine Weile seitwärts auf den Boden; dann reichte er ihr die Hand.Mag sein, Schwester", sagte er rubig; .aber ich kann noch nicht wie ihr; muß mich immer erst besinnen, wo ich hinzu- treten habe; kennt das nicht, ihr alle nicht, Schwe­ster! Ein halbes Menschenleben, ja, rechne nach, mehr als ein halbes Menschenleben kein ehrlich Haus­dach überm Kopf; nur wilde See oder wildes Volk oder beides miteinander! Ihr kennt das nicht, sag' ich, das Geschrei und das Gefluche, mein eignes mit darunter; ja, Ja, Schwester, mein eignes auch, es lärmt mir noch immer in die Ohren; laßfs erst stiller werden, sonst es geht sonst nicht!"

Die Schwester hing an (einem Halse.Gewiß, Heinz, gewiß, wir wollen Geduld haben; o. wie gut, daß du nun bei uns bist!"

10 Alle Teufel!

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