Ausgabe 
20.5.1943
 
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wird früher ober später der Gedanke der Verant­wortung für Europa wach werden, denn nur auf diesem Wege kann das Schicksal des eigenen Volkes zum Guten gewendet werden. Europa und die zu ihm gehörenden Völker müssen in sich gesund, stark und kräftig werden gleich einem Baum tnit starken und weitverzweigten Wurzeln, einem kräftigen Stamm und einem reichen Geäst. Wie nichts fehlen darf an diesem Baum, wie eines zum anderen ge­hört und jede Wurzel, der Stamm, jeder Zweig und jedes Blatt seine natürlichen Funktionen zu er­füllen hat, so muß es auch bei der europäischen Völkerfamilie werden. Sie braucht genügendes und gutes Erdreich, sie braucht genügend Licht und Lust, um atmen und sich entfalten zu können. Deutsch­land hat selbst zu lange am eigenen Leibe gespürt, was es heißt, verkümmert leben zu müssen, um nicht zu begreifen, daß das neue Europa nur auf aegs«seitige Achtung, Vertrauen und auch Freund­schaft aufgebaut werden kann. Die Stellung der einzelnen Völker im europäischen Raum erwächst aus ihrer Leistung, die sie für diesen Raum bringen. Es gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern der begründete Anspruch des leistungsmäßig Tüchtigeren.

Aus solchem Verantwortungsbewußtsein und Blickwinkel heraus muß auch die Mobilisierung der europäischen Arbeitskraft aesehen und beurteilt werden. Europa besitzt in seiner Arbeitskraft ein Leistungspotential, dessen geschlossener, zweckooller Einsatz einen wesentlichen Beitrag zum Sieg in diesem Krieg darstellt. Deutschland hat diesen Krieg nicht gewollt, er ist ihm aus dem Haß und dem Reid seiner Feinde aufgezwungen worden. Nun, wo wir mitten in dieser 'großen geschichtlichen Aus­einandersetzung grundverschiedener Welten stehen, müssen die letzten Reserven eingesetzt werden, um den Kampf siegreich zu bestehen. Ein solcher Aus­gang sichert die Grundlagen für friedliche Aufbau­arbeit. Europa braucht Ruhe und Frieden. Die Sinnlosigkeit der europäischen Selbstzerfleischung in ewigen Kriegen, von denen nur Die Feinde der europäischen Einigung profitieren, muß ein Ende finden.

Deutschland hat nicht dabei Haltgemacht, seine eigene Arbeitskraft zu mobilisieren, sondern es ist daran gegangen, auch die in Europa noch vorhan­denen Kräfte res erven zu erschließen. Hierbei ist es gerade bei den befreundeten Nationen, allen vorgn bei Italien, auf besonderes Verständnis und Ent­gegenkommen gestoßen. Die großen Erfolge dxr deutschen Wehrmacht haben überdies in den besetzten Gebieten neue Möglichkeiten geschaffen.

Es geht, das kann nicht oft genug betont werden, bei der Mobilisierung der europäischen Arbeitskraft nicht allein um Deutschland, sondern das, Schicksal aller europäischen Volker steht auf dem Spiel. Ent­weder siegen sie mit Deutschland und schaffen damit die Grundvoraussetzungen für die glückliche Zukunft auch ihrer Länder; oder sie trifft alle ohne Aus­nahme die Vernichtung. Deutschland ist kraft seiner Größe und Leistung Bannerträger in diesem größ­ten aller Kriege. Es führt dabei diesen Kampf nicht nach englischer Methode mit dem Blut seiner Ver­bündeten, sondern es nimmt selbst die größten Opfer an Gut und Blut auf sich. Deutschland mutet keinem europäischen Volk Belastungen zu, die es nicht selbst schon trägt. Wenn aber Deutschland in dieser Weise besondere Vorleistungen erbringt, dann ist es aus der ihm zugefallenen führungsmäßigen Verantwor­tung nicht nur berechtigt, sondern gegenüber deM Schicksal verpflichtet, auch von den übrigen euro­päischen Nationen einen angemessenen unmittel­baren Beitrag zu verlangen. Das gilt insonderheit von den besetzten Gebieten, denn auch für ihre ge­sicherte Zukunft kämpfen Deutschland und die mit ihm verbündeten Nationen diesen Kampf. Keine europäische Staatsführung kann sich der Verant­wortung im Arbeitseinsatz entziehen, nicht Deutsch­land zu Liebe, sondern «aus Liebe zum eigenen Volk, das allerdings nicht für sich allein gesehen werden Fann, sondern als Glied einer größeren Gemein­schaft, der europäischen Völkerfamilie, deren Schick­sal auf dem Spiele steht. So ergeben sich aus dieser Stellung vornehmlich im Krftge erweiterte Pflich­ten, die wiederum nach ihrer Erfüllung auch erwei­terte, weil durch Leistung erworben, Ansprüche nach sich ziehen, lieber diese Zusammenhänge muß völlige Klarheit bestehen. Die Lasten im Kriege müssen einigermaßen gleichmäßig verteilt werden.

Noch einmal sei es klar herausgestellt: Die Mobili­sierung der europäischen Arbeitskraft ist eine wesent­liche Voraussetzung für den Sieg, und je schneller und umfassender sie gelingt, um so schneller geht der Krieg Ende, um so schneller können wir uns dem Wiederaufbau und 'der Ausgestaltung des europä­ischen Großraumes zuwenden. Europa muß feine

gesamte Arbeitskraft einsetzen, um zunächst das Nahziel, den Sieg in diesem Kriege, und anschlie- zend das Fernziel, hie laufende Steigerung des Lebensstandards aller europäischen Völker in fried­licher Arbeit zu erreichen, lieber das Fernziel darf edoch das Nal)ziel niemals vergessen werden; es wäre mehr als sträflicher Leichtsinn.

Daß unseren Feinden die damit verbundene ge­waltige Verstärkung des europäischen Kriegspoten­tials nicht paßt, daß sie mit allen Mitteln diese Konzentration der Kräfte zu stören bzw. zu ver­hindern suchen, merkt man an dem Gift und der Galle, die sie aus ohnmächtiger Wut in ihren ver­logenen und mehr als durchsichtigen Hetzsendungen Tag für Tag spritzen. All dies ist Ausfluß einer einzigen Tatsache: sie mißgönnen den europäischen Völkern, allen opran Deutschland und Italien, das

Berlin, 19. Mai. (DNÄ.) Reichsstudentenführer Dr. Scheel hielt am Mittwoch über den Groß- deulschen Rundfunk eine Rede, in der er u. a. aus­führte:

Vor wenigen Wochen hat die Führung des Reiches die Entscheidung getroffen, daß auch im totalen Kr i e g das Studium an den deutschen Hochschulen weitergeführt wird. Ausgehend von dieser Tatsache werden sich viele über die Bedeutung der Hochschule, der Wis­senschaft und des Studiums im Kriege Gedanken gemacht haben. Eines ist sicher: diese Entscheidung bekundet eindringlich die Bedeutung der Hochschule für das Leben unseres Volkes und chre Bedeptung für den gemeinsamen Kampf um eine größere Deut» sche Zukunft. Denn eine gründliche Überprüfung hat ergeben, daß

Hochschule, Wissenschaft und Studium für die

(Erringung unseres Sieges in diesem Kriege wichtig sind.

Aus der Hochschule und dem Studium geht laufend der Nachwuchs für eine Reihe von Berufen hervor, die unmittelbar im Dienste wichtigster Aufgaben der Kriegführung stehen, z. B. der Arzt, der Techniker, der Chemiker. In allen diesen Berufen ist der Be­darf an jungen Kräften schon jetzt sehr groß und wird nach dem Kriege noch steigen. Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, daß im Unterschied zum Frieden, wo nur der jährliche Altersausfall durch den Nachwuchs ersetzt werden mußte, um diese Berufe auch zahlenmäßig auf der Höhe zu hatten, jetzt im Kriege noch eine erheblich größere Zahl von anderen Ausfällen hinzukommt. Denken wir aber auch daran, wie viele solcher Kräfte nach dem Kriege benötigt werden, wenn Adolf Hitler nach (Erringung von Freiheit urtb Brot in Erfül­lung des sozialistischen Programms den modern- st en Sozial st a a t vollenden wird.

Das deutsche Volk vermag also im Krieg und im Frieden nur mit einem ausreichenden Nach­wuchs seiner hochschulberufe die Aufgaben seines Daseinskampfes voll zu meistern.

Schon deshalb müssen die Hochschulen des Groß­deutschen Reiches auch jetzt im Zeichen des totalen Krieges geöffnet bleiben. Es wäre aber ein schwer­wiegender Irrtum, wenn angenommen würde, daß der Wert der noch nicht erwähnten anderen Stu­diengebiete für unser nationales Leben kleiner sei. Ihr Nutzen für unser Volk tritt nicht in so direkter und anschaulicher-Weise zu Tage, ist aber im Er­gebnis genau so groß. Es liegt im Wesen der Wis­senschaft, daß im Unterschied zu den meisten an­deren beruflichen Tätigkeiten ihre Arbeit oft nicht sofort produktive und sichtbare Früchte trägt, son­dern erst auf lange Sicht. Hochschule und W i s- s e n s ch af t sind eine Einheit, deren einzelne Gebiete in vielfältiger Wechselwirkung einander er­gänzen und gegenseitig trage«.

Da also aus höchstem Volksinteresse im Kriege das Studium weitergeführt werden muß, so fragt sich, wer jetzt studieren soll und in welcher Form das Studium in einer Zeit überhaupt durchgeführt werden soll, in der gerade die jüngeren Jahrgänge in der Wehrmacht stehen. Es gibt wohl auf Grund der Jahrgangslage der Studenten keine Gruppe des deutschen Volkes, deren Männer wie bei uns im Studententum heute zu praktisch 100 v.H. Soldaten sind. Das Studententum wahrt damit

Recht zum fiebert, das diese Völker nur über das dauernd gesicherte Recht auf Arbeit erreichen kön­nen. Sie widersetzen sich der Einigung der euro­päischen Völker, um sie ewig in der früheren Be­vormundung und Abhängigkeit zu erhalten. Die Völker Europas aber sind selbständig und leistungs­fähig genug, um ihr Schicksal aus eigener Kraft zu gestalten. Sie spüren es von Tag zu Tag mehr, daß der Weg zu diesem Ziel nur über den Weg der Wiedergeburt und des Neuaufbaues einer ge­sunden Völkerordnung unseres ehrwürdigen Konti­nents geht. Der europäische Arbeitseinsatz, der sich im Kriege zwangsläufig in einer stärkeren Beteili­gung an der europäischen Waffenschmiede in Deutschland abspielt, ist ein notwendiger Weg zu diesem großen Ziel.

seine beste Tradition, die von den Freiheitskriegen über das Wartburgfest der Burschenschaften, den Kampf für Großdeutschland und den Opfergang bei Langemarck bis zu dem Freiburger Studenten S ch l a g e t e r und dem Berliner Studenten Horst Wessel führt und in diesem Kriege tausendfache Bestätigung gefunden hat. .

Wehrhaftigkeit ist höchstes Vermächtnis der deutschen Studentengeschichte, und mit Stolz sehen wir, wie diese Gesinnung sich in den vielen Taufenden unbekannter Studenten, die teilweise seit drei, vier, fünf Jahren und mehr bei der Wehrmacht stehen, ebenso erfüllt wie in den 68 Wannern aus unseren Reihen, denen der Führer das Ritterkreuz verliehen hat.

Von diesen Frontstudenten wurde bisher ein Tell derer, die längere Dienstzeit hinter sich haben, in gewissen Zeitabschnitten für ein falbes Jahr zum Studium beurlaubt. Unsere männliche Studenten­schaft besteht heute fast vollständig aus beurlaubten, kommandierten oder verwundeten Soldaten. Eine weitere Gruppe bilden die Studentinnen, die sich ihren berechttgten Platz im Hörsaal längst erkämpft haben, lieber die normale Studienpflicht hinaus lei­sten unsere Studentinnen während des Studiums und während der Ferien genau so wie unsere Stu­denten Arbeitseinsatz für Volk und Rüstung, der nach Möglichkeit in einer denk Berufsziel des Stu­dierenden entsprechenden Beschäftigung Durchgeführt wird.

Die Entscheidung des Reiches über die Wei­terführung von Hochschule und Studium im to­talen Krieg ist mit der Bestimmung verbunden, daß eine allgemeine Überprüfung aller Stu­dierenden darüber einseht, ob sie nach Leistung und Haltung für ein Studium im Kriege wür­dig sind.

Von den Hochschulen entfernt werden alle die­jenigen, die sich einem strengen Maßstab nicht g e w a cd s e n zeigen. Ausgemerzt werden insbesondere alle, die nicht ernsthaft Den alsbaldigen Abschluß ihres Studiums und eine Berufsausbil­dung anstreben, ferner die Elemente, die vielleicht nur deshalb die Hochschule besuchen, um sich vom Arbeitseinsatz zu drücken. Durch lausende Ueberprü- fung werden wir sichern, dah sich solche Menschen, die "eine schwere Belastung für die Hochschule dar­stellen, nicht drücken können. Es sind zum Glück nur wenige, die von der Hochschule verwiesen wer­den müssen; aber gerade diese wenigen sind es, die das Bild Der Hochschule stören. Die Front- studenten werden für diese Ausmerzung sorgen und auch in allen anderen Fragen die Verantwor­tung dafür tragen, daß in unserem Studententum jener achte Idealismus lebendig bleibt, Der eine feiner wertvollsten Eigenschaften ist. Diese Frontstudenten erfüllen als Studentenführer den großen Auftrag, Den der Nationalsozialistische Deutsche Stüdentenbund jetzt verstärkt innerhalb der gesamten Studentenschaft besitzt. Gerade sie wissen, daß nur Der ein wirklicher Student ist, der sich be­müht, über, sein fachliches Können hinaus zugleich ein Glaubensträger feines Volke s, d. h. ein begeisterter Glaubensträger des Füh­rers zu sein.

Der Soldatendienst Der Reichsstudentenführung hat es sich zur Aufgabe gestellt, daß kein Kriegsteil­

nehmer mehr sinanzlelle Sorgen für oder WÄhrentz seines Studiums haben soll.

Es ist unser großes Ziel, daß jeder begabte junge Deutsche, ohne Rücksicht auf Herkunft und väterlichen Geldbeutel, studieren kann.

In den Hochschulferien aber werden alle Studen­ten und Studentinnen, Dafür habe ich die Verant­wortung vor der Nation übernommen, auf den verschiedensten Arbeitsplätzen stehen und fick) restlos für Deutschlands Rüstung und derv Sieg einsetzen, Schulter an Schulter mit Den kämpfenden und schaf­fenden Millionen in leidenschaftlicher Pflichterfül­lung verbunden. Der Führer wird sich in dieser Schicksalsstunde voll und csanz auf seine Studenten verlassen können.

Die Lebensmiitetteuerung in Aegypten.

90 Prozent der Bevölkerung hungern.

A n t a r a , 19. Mai. (Europapreß.) Die fi e b e n s« Mittelteuerung hat in Aegypten jetzt der- artige Ausmaße angenommen, daß in den beiden Kammern des ägyptischen Parlaments über diese Frage erneut sehr erregte Diskussionen ftattfinben. Der Senator Dr. Abulakikselim wies darauf hin, daß 90 v. H. derBevölkerung nicht mehr imstande sind, das Lebensnotwendigste zu kaufen. Unter dem Dtuct der Parlamentskritik verkündete der Wirt- schaftsminister, daß er dem Kabinett einen neuen Gesetzesoorschlag zur Bekämpfung des Lebensmittel­wuchers unterbreiten werde.

Der ägyptische Handelsminister warnte vor dem Optimismus, zu glauben, daß nach der Besetzung von Tunis durch dieAlliierten" die Schiffahrt im Mittelmeer wieder normal fei und Aegypten nunmehr große Mengen von Waren über das Mit­telmeer erhalten werde. Der Minister erklärte, Die amerikanischen und englischen Streitkräfte benötigten im Gegenteil jeden Schiffsraum für den Transport von Kriegsmaterial. Aegyp­ten müsse sich daher noch für längere Zeit auf die eigene Produktion verlassen.

Iudenboylott gegen Antisemitismus.

(Senf, 19. Mai. (DNB.)Durch die Welle des Antisemitismus, die zur Zeit über England hinweggeht, fühlen sich die Dort lebenden Judenarg bedroht, teilt die englische Pressefachzeitschrift Worlds Preß News" mit. Den Jude« passe diese Seite der demokratischen Redefreiheit in Eng­land nicht, von der weite n icht j Üd i sch e Kre ise Gebrauch machten. Die Juden seien jetzt zur Gegenoffensive" übergegangen, indem sie auf die jüdische Geschäftswelt einen Druck ausüben, keine kleinen. Anzeigen an solche Zeitungen und Zeitschriften zu geben. Die sich irgendwie einmal judenfeindlich eingestellt haben. Schon vor einigen Wochen hätten zwei Manchester Zeitungen, Die einenoffenen Brief an die Juden" veröffent­lichten, die Rache der Juden zu spüren bekommen. Denn gleich nach Erscheinen diesesoffenen Briefes" habe eine große Elektrizitätsgesellschaft unferbem Druckdes jüdischen Kapitals diesen beiden Blättern die Anzeigen-Abonnements gekündigt.

Jüdische Schieberpraxis in LIGA.

Auch der Mariueminister war dabei.

Berlin, 19. Mai. (DNB.) Washington steht im Mittelpunkt eines Äriegsgeroinnlerffan» Dais. Ein Sonderausschuß des Abgeordnetenhauses hat sich mit Der Affäre befassen inüssen und hat einen gewissen John P. Monroe vernommen, der ein Jude ist. Er heißt gar nicht Monroe, sondern Kaplan und ist aus Galizien Mach Den USA. eingewandert. Monroe-Kaplan hat zugegeben, daß in Dem Roten Haus in der R-Straße, das er gemietet hat, üppige Gelage mit hohenUSA.-Beamten und nach Kriegsgewinnen hungernden Fabrikanten stattgefunden hätten. Das Peinlichste an der ganzen Sache ist, daß sich auch Der U S A.- M a r i n e m i n i° ft er Knox an diesen (gelogen beteiligt hat.

Monroe versuchte sich als Vertreter von großen Fabrikunternehmungen auszugeben, der sich bemühe, für feine Klienten Kriegsaufträge hereinzu­holen. Er meinte, dazu müsse man schon gute Be­ziehungen zu hohen Beamten und Offi­zieren haben, sonst fei es bei den in Washington herrschenden Verhältnissen nicht möglich, auch nur einen Auftrag zu erhalten. Der Jude gestand weiter.

Das Hochschulstudium im totalen Krieg.

Eine Rede des Reichsstudentenführers.

Die Gchlaffameraden.

Von Johann Peter Hebel.

Eines Abends kam ein frember Herr mit feinem Bedienten im Wirtshaus zu DerGoldenen Linde" in Brassenheim an und ließ sich bei Dem Nachtessen beiderlei wohl schmecken, nämlich Das Essen selbst und Das köstliche Getränk. Denn Der LinDenwirt hat Guten. Der Bediente aber an einem anderen Tisch Dachte: Ich will meinem Herrn keine Schande machen, und tränt wie im Zorn ein Glas und ernt Bouteille nach der anderen aus, sagend zu sich selbst: Der Wirt soll nicht meinen, daß wir Knicker sind." Nach Dem Essen sagte Der Herr zu Dem LinDenwirt: ,j)err Wirt, ich hab' an Euerem Roten sozusagen eine gefährliche GntDeefung gemacht. Bringt mir noch eine Flasche voll in das Schlafstüblein!" Der Bediente hinter Dem Rücken des Herrn winkte Dem Wirt:Mr auch eine!" Denn fein Herr ließ sich vieles von ihm gefallen, weil er auf Reisen auch sein Leibgardist war und immer mit ihm in Der nämlichen Stube schlafen mußte, und je einmal, wenn er sich zuviel Freiheit herausnahm, war der Herr billig und dachte: Ich will nicht wunderlich sein. Es ist ja nicht Das erstemal, daß er es tut. Also trank an seinem Tisch Der Herr und fas die Zei­tung, und am anderen Tisch dachte der Bediente: Es ist ein harter Dienst, wenn man trinken muß anstatt zu schlafen, zumal so starken. Gleich­wohl, als er Dem Herrn Die zweite Flasche holen mußte, nahm er für sich auch noch eine mit vom nämlichen. Der Herr fihg endlich an, laut mit Der Zeitung zu reden, Und Der Bediente nahm wie ein Echo zwischen Der Tür und Dem Fenster auch Anteil daran, aber wie? Der Herr las von dem großen Mammutknochen, Der gefunden wurde. Der Bediente, Der eben Das Glas zum Munde führte, lallte für sich:Soll leben. Der Mohammedknochen!" Oder als der Herr von Dem Seminaristen las aus dem Seminarium in Pavia, Der mit Lebensgefahr eines Schristgießers KinD aus den Flammen rettete, ergriff er das Glas, undBravo" sagte er,wacke­rer Seminarist?" Der Bediente aber stammelte für sich:Soll leben, Der wackere Seeminister!" und goß richtig das halbe Glas über Die Liber ei hinab.Hast du es gehört, Anton? So eine Tat wiegt viele Me­riten auf", fuhr Der Herr fort.Sollen auch (eben,

die Minoriten!" erwiderte der Diener; und so oft jener zum Beispiel sich räüsperte oder gähnte, räusperte sich und gähnte der Anton auch. Endlich ägte Der Herr:Anton, jetzt wollen wir ins Bett." Der Anton sah seine Flasche an und erwiderte:Es wird ohnehin niemand mehr auf fein in der Wirt­schaft." Denn seine Flasche wax leer. Aber in der Flasche des Herrn war noch ein Restlein. Früh gegen zwei Uhr weckte es Den Anton, daß noch ein Rest­lein in Der Flasche des Herrn sei. Also stand er auf und trank es aus.Sollst vernecht es", sagte er. Als er aber sich wieder legen wollte, kam er ein wenig zu weit rechts an das Bett seines Herrn. Denn beide Betten standen an Der nämlichen Wand mit Den Fußstätten gegeneinander. Also legte sich Der Anton neben seinen Herrn, mit Dem Kopf unten und mit Den Füßen oben, neben Des Herrn Gesicht, weil er meinte, er liege wieder in feinem eigenen. Eine Stunde vor Tag aber, als der Herr erwachte, kam es ihm vor, er wußte selbst nicht recht wie. Soll ich Denn gestern abend haben Backsteinkäs heraufkommen lassen?" Als er sich aber umdrehen wollte^ ob ein Schränklein in Der Wand sei, fühlte er auf einmal neben sich etwas Lebendiges und Warmes, und das Warme und Lebendige bewegte sich auch. Jetzt rief er:Anton, Anton!" mit ängst­licher und letfer Stimme, daß der unsichere Schlaf- tameraD nicht aufwachen sollte, und Derjenige, den er wecken wollte, war doch Der Schlafkamerad.An­ton!" schrie er endlich in Der Herzensangst, so laut er konnte.Was befehlen Ihrs Hochwürden?" er­widerte endlich Der Anton. Jomm mir zu Hilfe! Es liegt einer neben mir." ,Zch kann nicht, neben mir liegt auch einer", erwiderte Der Bediente und wollte sich strecken, so zwar, daß er mit dem linken Fuß unter des Herrn Kinn kam.Anton, Anton", rief der Herr,meiner reißt mir Den Kopf ab", und suchte ebenfalls mit den Füßen eine Habung.Mei­ner will mir Die Nase aufschlitzen", schrie noch viel ärger Der Anton,Wirf Deinen hinaus", schrie Der Herr,und komm mir zu Hilfe!" Also faßte der Bediente seinen Mann an den Beinen, und dieser als er ernst sah, faßte feinen Mann ebenfalls an den Beinen und rangen also Die beiden mitein­ander, daß keiner Dem anderen konnte zu Hilfe kommen; und Der Bediente fluchte wie ein Türk, der Herr aber fluchte zwar nicht, doch rief er Die unsichtbaren Mächte an, sie sollten feinem Gegner

Den Hals brechen, was auch fast hätte geschehen können; Denn auf einmal hörte unten Der Wirt, der schon auf mar, einen Fall, daß alle Fenster zitterten und Der Perpendikel an Der Wanduhr sich in Die Ruhe stellte. Als er aber geschwind mit Dem Licht und Dem Hauptschlüssel hinaufgeeilt war, ob ein Un­glück sich zugetragen habe, Denn er kannte seinen Roten, lagen beide miteinander ringend auf Dem Boden und schrien Zeter Mordio um Hilfe. Da lächelte Der Wirt in feiner Art, als ob er sagen wollte. Der Rote hat gut gewirkt, die gefährliche EntDeckung. Die beiden aber schauten einander mit Verwunderung und Staunen an.Ich glaube gar, Du bist es selbst, Anton", sagte Der Herr.So seid nur Ihr es gewesen?" erwiderte Der Diener, und legten sich wieder jeder in sein Bett, worein er gehörte.

Geschichten um Max Reger.

Als der liebe Gott Den Humor verteilte, habe ich halt zipeimalHier" geschrien, hat Max Reger oon' sich selbst gesagt. Besonders gern machte er seine eigene Person zum Gegenstand seines Spottes. So trug er sich einmal in Das Fremdenbuch eines vornehmen Hotels alsAkkord- arbeiter" ein und amüsierte sich köstlich über das entsetzte Gesicht Des Portiers. Verhaßt war ihm jebes An geschwärmt- oder auch nur Angestarrt­werden. Als einmal in Der «ommerfrische an den Nachbartischen alle Leute jede seiner Bewegungen beobachten, sprang er wütend auf, pflanzte sich in ganzer Größe und Breite in die Mitte Des Saales und schrie:Jawohl, ich bin's" Eine Her­zogin, Die ihn als Dengroßen Mann" vorstellte, unterbrach er mit Den Worten:Ja, ein Meter unD achtzig." Eins Prinzessin des Meininger Hofes, Die ihn besonders verehrte, äußerte eines Tages bedauernd zu ihm, es fei so schade, daß sie wäh­rend Der Aufführungen immer nur seinen Rücken bewundern könne. Reger, auf seinen Namen an= spielend, Den man rückwärts genau so lesen konnte wie vorwärts, erwiderte gemütlich:Das hat nichts auf sich, Hoheit: Es ist nämlich eine Eigentüm­lichkeit von mir, daß ich von hinten grab so aus- schau wie von vom." * '

Reger mußte auf einer feiner Konzertreisen in

einem kleinen Dorf bleiben, in dem die Dorfkirche gerade von Dem Gutsherrn ein Geschenk erhalten hatte, nämlich eine neue Orgel. Der Kanwr war aber mit Der Klangfülle Des Instrumentes nicht recht zufrieden, und da er nicht wußte, ob Die Unzulänglichkeit vielleicht nur auf feine mangel­hafte Kunst zurückzuführen fei, so eilte er zu Reger, als er von Der Anwesenheit des berühmten Or­ganisten erfuhr, und klagte ihm fein Leid. Reger war sofort bereit, Die Orgel zu prüfen. Er ging mit Dem Kollegen in Die Kirche und spielte. Aber so sehr er sich anftrengte, auch ihm gelang es nicht, Dem Instrument eine befriedigende Klang­fülle zu entlocken. Da kletterte er von Der Orgel­bank herunter, klopfte dem Kantor tröstend auf Die Schulter und sagte:Es ist nun mal nicht anders, lieber Freund: Einer geschenkten Orgel sieht man nicht in die (Borget!"

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Reger fuhr an einem wunderschönen Juitttag von Jena nach Leipzig. Mit ihm saßen zwei ältere Damen im Abteil. Reger ließ sich durch Das geöffnete Wagebfenster den Sommerwind um Die Nase wehen. Plötzlich erhob sich Die eine Dame und schloß Das Fenster.Ich friere- in diesem Luft­zug!"

Schon sprang Die andere empört hoch und ließ das Fenster wieder nieDerglerten.Ich ersticke ohne frische Luft!"

Dieses Auf- und Zumachen wiederholte sich vor Dem immer erstaunter dreinblickenden Reger meh­rere Male. Schließlich schlug Reger Den beiden vor Wut zitternden Kämpferinnen für und wider Die frische Luft vor:Meine Damen, vielleicht machen wir es so: zuerst bleibt Das Fenster solange zu, bis die Lufthungrige von Ihnen erstickt ist, dann öffne ich Das Fenster und lasse Die aiwere er­frieren."

Ms Reger in ^Meiningen einmal ein Wagner- Konzert Dirigierte, war Der Saal völlig aus ver­kauft. Reger kam erst im letzten Augenblick vor Beginn, und Der Pförtner, Der ihn nicht kannte, keinen Platz mehr bekommen!"Nur keine Angst", rief ihm zu:Alles ausverkauft! Sie können sagte Reger lächelnd,ich habe schon meinen festen Stehplatz und fetzte feinen Weg zum Podium fort. C.K*