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9. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
„Laß ihn, Christian!" mahnte Frau Lina; „er muß erst eine Nacht zu Haus geschlafen haben." Dann aber, damit es am ersten Abend nicht gar zu stille werde, begann sie selbst die wenigen Erinnerungen aus des Bruders Jugendjahren auszukramen, die sie nach eigenem Erlebnis oder den Erzählungen der Mutter noch bewahrte.
Heinz hörte ruhig zu. „Und dann", fuhr sie fort, „damals, als du dir den großen Anker mit deinem
„Christian!" rief sie und kniete vor ihm hin; „mein einziger Bruder! Freust du dich denn nicht?" Der junge Man legte die Hand auf ihren Kopf: „Verzeih' mir, Lina; es kam so unerwartet; dein Bruder ist für mich noch gar nicht dageweseN; es wird ja nun so vieles anders werden." Und behutsam und verständig, wie es sich für einen wohl- denkenden Mann geziemt, begann er dann ihr darzulegen, wie durch diese nicht mehr vermutete Heimkehr die Grundlagen ihrer künftigen Existenz beschränkt, ja vielleicht erschüttert würden. Daß seinerseits die Verschollenheit des Haussohnes, wenn auch ihm selbst kaum eingestanden, wenigstens den zweiten Grund zum Werben um Hans Adams Tochter abgegeben habe, das ließ er freilich nicht zu Worte kommen, so aufdringlich es auch jetzt vor seiner Seele stand.
Frau Lina hatte aufmerksam gehört. Da aber ihr Mann jetzt schwieg, schüttelte sie nur lächelnd ihren Kopf: „Du sollst ihn nur erst kennenlernen; o, Heinz war niemals eigennützig."
Er sah sie herzlich an. „Gewiß, Lina; wir müssen uns dareinzufinden wissen; um desto besser, wenn er wiederkehrt, wie du ihn einst gekannt hast."
Die junge Frau schlug den Arm um ihres Mannes Nacken: „O, du bist gut, Christian! Gewiß, ihr werdet Freunde werden!"
Dann ging sie hinaus; in die Schlafkammer, in die beste Stube, an den Herd; aber ihre Augen blickten nicht mehr so froh, es war auf ihre Freude doch ein Reif gefallen. Nicht, daß die Bedenken ihres Mannes auch ihr Herz bedrängten; nein, aber daß so etwas überhaupt nur sein könne; sie wußte selber kaum, weshalb ihr alles jetzt so öde schien.
.ä.u die für
Sonderzüge mit erholungsbedürftigen Kindern in öen Gau Hessen-Nassau gekommen, beispielsweise 506 Kinder aus dem Gau Westfalen- Nord und 665 Kinder aus dem Gau Baden, In der gleichen Zeit fuhren 735 Kinder aus unserem Gau nach Thüringen und 630 Kinder nach Baden bzw. dem Elsaß.
Die Opferfähigkeit des deutschen Volkes ist un» erschöpflich. Jeder weiß von den Riesensummen, die das deutsche Volk 'für das Winterhilfswerk aufbringt. Daß es daneben aber auch jederzeit weiteren Opfern bereit ist, beweist wiederum Bereitstellung von so Zahlreichen Pflegestellen unsere erholungsbedürftige Jugend.
HansvnöWnzMch
Novelle von Sheo6ot Norm
Kunst und Wissenschaft.
Hebel-Preis für Jakob Schaffner.
Dem deutsch-schweizerischen Dichter Jakob Schaffner ist von Reichsstatthalter Rob. Wagner der Staatliche Preis für Literatur des Jahres 1943 (Äohann-Peter-Hebel-Preis) verliehen worden.
Spinnstoff- und Schuhsammlung 1943
Von Neichskommissar Hans Heck, Reichsbeauftragtem der NSDAP, für Altmaterialerfassung.
Einige Tage später war Frau Lina beschäftigt, in dem Oberbau die Kammer für den Bruder zu bereiten; aber auch heute war* ihr die Brust nicht freier. Der Brief, worin der Vater sein und des Sohnes Ankunft gemeldet hatte, enthielt fein Wort von einem frohen Wiedersehen zwischen beiden; wohl aber ergab der weitere Inhalt, daß der Wiedergefundene sich anfangs unser seinem angenommenen Namen vor dem Vater zu verbergen gesucht habe und diesem wohl nur widerstrebend in die Heimat folgen werde.
Als dann an dem bezeichneten Sonntagabend das junge Ehepaar zu dem vor dem Hause haltenden Wagen hinausgetreten war, sahen sie bei dem Lichtschein, der aus dem offenen Flur fiel, einen Mann herabsteigen, dessen wetterhartes Antlitz mit dem rötlichen Vollbart und dem kurzgeschorenen, braunen Haupthaar fast einen Vierziger anzudeuten schien; eine Narbe, die über Stirn und Auge lief, mochte indessen dazu beitragen, ihn älter er= Icheinem zu lassen, als er wirklich war. Nach ihm kletterte langsam Hans Kirch vom Wagen. „Nun, Heinz", sagte er, nacheinander auf die Genannten hinweisend, „ das ist deine Schwester Lina und das ihr Mann Christian Martens; ihr müßt euch zu vey- fragen suchen."
Ebenso nacheinander streckte diesen jetzt Heinz bie Hand entgegen und schüttelte die ihre kurz mit einem trockenen „Very well". Er tat dies mit einer unbeholfenen Verlegenheit; mochte die Art seiner Heimkehr ihn bedrücken, oder fühlte er eine Zurückhaltung in der Begrüßung der Geschwister; denn freilich, sie hatten von dem Wiederkehrenden sich ein anderes.Bild gemacht.
Nachdem alle in das Haus getreten waren, geleitete Frau Lina ihren Bruder die Treppe hinauf nach feiner Kammer. Es war nicht mehr dieselbe, in der er einst als Knabe geschlafen hatte, es war
'hnenchre eigene Begeisterung für ein ftpbh»nb^ -5 ümnJanb, eitL Än Sortaoala verbrachte nnh« Xne2-UnJ. klebte sie die Erhebung Finn- r ■ blß kämpfende Mannschaft kaum Lassen, viel weniger Ausrüstung und Verpflegung bm>'§r"uen in den Jahrzehnten vorher nff är hi ihrer Männer geteilt hatten,
hn b ^eren Aufträge übernehmend, auJ • unverdächtiger erschienen, so stellten sie sich Lamps an ihre Seite. Mitten im Kampfge- f. ^rnchtete Fanm ßuuftonen eine Verpslegungs- Freiheitskämpfer und schaffte mit ihren r un,agliche n Mühen die notwendigen Lebensrnittel herbei. Zum erstenmal übernahm sie damit vor der Oessentlichkeit einen Auftrag. So gradlinig wie bisher ihr Leben verlaufen war, so klar ergab sich nun ihr Aufstieg in der finnischen Frcmen- SJäÄ' 2)enn, "US den spontan gebildeten Hilfs- gememschaften entwickelte sich in ' kurzer Zeit der «oh S- a r d, der als Schwesterorganisation neben das nnmsche «chutzkorps trat, für den sie auf lange Zeit hinaus die Ausrüstung, Verpflegung und Sanita selnr.chtungen herbeischaffte, bis der Staat diese Aufgaben zum Teil übernahm. Aus den Er- ersten Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus kam es außerdem zu einer Vorberatung der mauen für einen großen Teil der rückwärtigen Dienste der Wehrmacht, so vor allem für bte .N^^nübermittlung. Fanni Lüukkonen, die zunächst Kreisfuhrerin, dann Generalsekretärin und seit 1929 Präsidentin des Lotto Svärd ist, behielt die unmittelbare Leitung dieser Nachrichten-Lotten und der Kanzlei-Lotten, deren sie früher selbst eine ge- wefen war, bei. Das bedeutet, daß sie neben ihrer allgemeinen Verwaltungs- und Führungsarbeit sich speziell der militärischen Tätigkeit der Lotten ver- vuuden fühlt. Soweit sie schriftstellerisch hervortrat, geschah es deshalb vornehmlich auf diesem Gebiet.
9m zweiten und dritten Krieg Finnlands gegen den Bolschewismus hat sich die Lotta-Organisation aufs vorzüglichste bewährt und damit ihrer Präsidentin das schönste Erfolgszeugnis ausgestellt. An Hingabe und Opferbereitschaft haben sich die Lotten von niemand übertreffen lassen.
Als kürzlich in der Presse eine Besprechung darüber erschien, daß sich die neuen Unterziehanzüge, die in diesem Winter unseren Soldaten in den Kampfgebieten des Ostens und des Nordens erstmalig zur Verfügung gestellt wurden, hervorragend als Schutz gegen die Kälte bewährt haben, empfanden mir ein Gefühl der inneren Befriedigung, das sich dann aber zur stillen Freude steigerte, als wir in hiesem Zusammenhang erfuhren, daß diese Unterziehkleidung aus Reißwolle hergestellt wurde, die der letzten Spinnstoffsammlung entstammte. Diese Feststellung ist für uns alle, die wir gern unsere Spende der Sammlung zuführten, die Bestätigung der Verwirklichung unseres guten Willens, durch unsere bescheidene Gabe unseren tapferen Soldaten zu helfen, ihre schweren Kämpfe des Winters ohne allzu starke Beeinttächtigung durch die Einwirkung der Kälte erfolgreich durchzustehen. Die Front erkennt auch hierin wieder die Verbundenheit mit der Heimat und dankt ihr immer wieder diese Fürsorge durch ihren täglichen und stündlichen kämpferischen Einsatz!
Dieses Zusammenstehen von Front uhö Heimat verpflichtet uns alle, ebenso wie in der Vergangenheit auch in kommender Zeit alles zu geben, was der Soldat gebraucht, und zwar in jedem Falle dringender benötigt als wir, die wir unter seinem Schutze in der Heimat den Krieg nicht in der Härte ZU spüren bekommen wie er, der bereit ist, im Kampf um Deutschlands Freiheit alles, selbst sein Leben opferfreudig hinzugeben. Ist es da zu viel verlangt oder gar ein Opfer der Heimat zu nennen, wenn wir uns in den kommenden Wochen, dem Appell des Reichswirtschaftsministsrs folgend, der kleinen Mühe unterziehen, einmal in unserer Wohnung Umschau zu halten, um festzustellen, was für die „Spinnstoff- und Schuhsammlung 1943" entbehrlich ist und zur Ablieferung bereitgestellt werden kann? Gewiß, der Krieg verlangt von uns äußerste Sparsamkeit im Verbrauch aller Lebensgüter, so auch bei unserer Kleidung und Wäsche, ja, selbst bet Flicklappen und besonders bei Schuhen. An diesem Grundsatz soll in keiner Weise gerüttelt werden, doch ist es Pflicht jedes einzelnen, sich die Frage vorzulegen, ob er diese „Schätze", die er in Schränken und Truhen sorgsam hütet, wirklich noch gebraucht. In den meisten Fällen ist es übertriebene Vorsicht ober auch eine gewisse Sorge um das eigene Ich, öie uns zurückhält, das in normalen Zeiten längst
fammenlegte; „Heinz, mein Bruder, du sollst recht sanft hier schlafen!"
Er hatte den Rock abgeworfen und war mit aus- gestreiften Aermeln an den Waschtisch getreten. Jetzt wanöte er rasch den Kopf; und seine braunen, blitzenden Augen ruhten in den ihren. „Dank, Schwester", sagte er. Dann tauchte er den Kopf in bie Schale und sprudelte mit dem Wasser umher, wie es wohl Leuten eigen ist, die dergleichen im Freren zu verrichten pflegen. Die Schwester, am Türpfosten lehnend, sah dem schweigend , zu? ihre Frauenaugen musterten des Bruders Kleidung, und sie erkannte wohl, daß alles neu geschafft fein mußte; dann blieben ihre Blicke auf den braunen, sehnigen Armen des Mannes haften, die noch mehr Narben zeigten als das Antlitz. „Armer Heinz", lugte sie, zu ihm hinübernickend; „die müssen schwere Arbeit getan haben!"
Er sah sie wieder an; aber diesmal war es ein wildes Feuer, das aus feinen Augen brach.„ve- monio!" rief er, die aufgestreckten Arme schüttelnd; „allerlei Arbeit, Schwester! Aber — basta y basta!" Und er tauchte wieder den Kopf in die Schale und warf das Wasser über sich, als müsse er, Gott weiß was, herunterspülen.
Beim Abendtee, den die Familie zusammen einnahm, wollte eine Unterhaltung nicht recht geraten. „Ihr seid weit umhergekommen, Schwager", sagte nach einigen vergeblichen Anläufen der junge Ehemann; „Ihr müß uns viel erzählent."
„Weit genug", erwiderte Heinz; aber zum Erzählen kam es nicht; er gab nur kurze, allgemeine Antwort.
wie ich schrie, als du so verbrannt nach Hause kamst, und wie dann der Physikus geholt wurde. Aber" — war es denn nicht auf dein linken Unterarm?"
Heinz nickte: „Mag wohl fein; das sind fo Jungensstreiche."
„Slber Heinz, — es ist ja nicht mehr da; ich meinte, fo was könne nie vergehen!"
„Muß doch wohl, Schwester; sind verteufelte Krankheiten da drüben; man muß schon oft zufrieden sein, wenn sie einem nicht gar die Haut vorn Leibe ziehen."
Hans Kirch hatte nur ein halbes Ohr nachdem, was hier gesprochen wurde. Noch mehr als sonst in sich zusammengesimken, verzehrte er schweigend sein Abendbrot; nur bisweilen warf er von unten auf einen seiner scharfen Blicke auf den Heimge- kehrten, als wolle er prüfen, was mit diesem Sohn noch zu beginnen sei.
--Aber auch für die folgenden Tage blieb dies wortkarge Zusammensein. Heinz erkundigte sich weder nach früheren Bekannten, noch sprach er von dem, was weiter denn mit ihm geschehen solle. Hans Adam frug sich, ob der Sohn das erste Wort von ihm erwarte, oder ob er überhaupt nicht an das Morgen denke; „ja, ja", murmelte er dann und nickte heftig mit seinem grauen Kopfe; „er ist's ja siebzehn Jahre so gewohnt geworden."
Aber auch heimisch schien Heinz sich nicht zu fühlen. Hatte er kurze Zeit im Zimmer bei der Schwester seine Zigarre geraucht, so trieb es ihn wieder fort; hinab nach dem Hafen, wo er dem oder jenem Schiffer ein paar Worte zurief, oder nach dem großen Speicher, wo er teilnahmslos dem Abladen der Steinkohlen oder andern Arbeiten zusah. Ein paarmal, da er unten im Kontor gesessen, hatte Hans Kirch das eine oder andere der Geschäftsbücher vor ihm aufgeschlagen, damit er von , dem gegenwärtigen Stande des Hauses Einsicht nehme; aber er hatte sie jedesmal nach kurzem Hin- und Herblättern wie etwas FreMes wieder aus der Hand gelegt.
(Fortsetzung folgt)
als entbehrlich fortgegebene „alte Zeug" heute zurückbehalten und uns in eigennütziger Weise, meist unüberlegt — darüber hinwegzusetzen, daß die im Kriegseinsatz stehenden Menschen — das sind unsere Soldaten, unsere Frontarbeiter und unsere Rüstungsarbeiter — die bei uns in Form von alten Sachen schlummernden Rohstoffe viel dringender gebrauchen, als wir sie je für uns selbst benötigen" werden! Nach Kriegsende, wenn die gefüllten Läden ' wieder zum Einkauf einladen, geben wir sowieso alles das fort, was wir heute zur „Spinnstoft- und Schuhsammlung 1943" und damit als wertvollen Beitrag unserer Rohstoffreserve zuführen sollen!
Wenn also am Sonntag, 23. Mai 1943, bie Abnahmestellen der Partei sich öffnen und uns mahnen, unsere selbstverständliche Pflicht auch bei dieser Sammelaktion zu erfüllen, dann geben wir alles, was in unseren Kräften steht! Das überzählige Kleid, der alte Frack, die Uniform des vorigen Weltkrieges, die vielen Flicklappen und die Abfälle im Lumpensack der Hausfrau, die zerrissene Unterwäsche, der alte Hut, die mottenzerfressenen Strümpfe und Schals sowie die mehr oder weniger verschlissenen Haus- und Straßenschuhe, die zu enge Fußbekleidung und der einst so schmucke Lackschuh, sie alle warten auf ihre Auferstehung als kriegswichtige Rohstoffe und ihren Einsatz bei der Erringung unseres Endsieges. Der totale Krieg verlangt von uns gebieterisch die Herausgabe aller dieser Sachen, ganz'gleichgültig, ob sie sich als entbehrliche Stücke noch in einem brauchbaren Zustande befinden ober aber auch dann, wenn sie völlig zerrissen ober verschmutzt finb. So werben auch bie vermeintlich minderwertigen Alttextilien, wie das zerfetzte Abwaschtuch und ber- verfettet)» Bohnerlappen, sowie ber schmutzige und zerrissene Teppich gebraucht, sie sind gerade gut genug, um als Rohstoff der Pappenindustrie zu dienen und nicht nur ber Front, sondern auch der bombengeschädigten Heimat Dachpappe zu liefern! Ebenso werden von dem zerschlissenen Schuh noch wertvolle Teile gebraucht, um bei der Fertigung von Arbeitsschuhen wieder verwandt zu werden.
Das stets aufgeschlossene Verständnis unseres Volkes für die Notwendigkeiten unserer Kriegführung und die daraus resultierende Opferbereitschaft, die sich in diesem Kriege immer wieder offenbarte und bewährte, wird auch der kommenden Spinnstoff- und Schuhsammlung 1943 zum Erfolg verhelfen!
bei vielen die Schnelligkeit, mit ber sich der ganze Entwicklungsvorgang abspielt. Die eilige Entwicklung der im Laubwalde heimischen Frühlingsvflan- zen findet in den Lichtverhältnftsen des Standortes ' und in dem Assimilationsvermögen der im Laubwalde gedeihenden Frühjahrsblüher ihre Erklärung. Mit einigen Bemerkungen über die hochalpinen Gewächse, über die Färb folge und den Farbwechsel in der 'Frühlingsnatur und über die der künftigen Erforschung der Frühlingspflanzen vorbehaltenen Aufgaben schloß Professor K ü st e r seine ungemein interessanten, allgemeinverständlich-belehrenden Darlegungen,' die, durch Abbildungen und charakteristische Beispiele lebender Pflanzen bereichert, ungeteilte Aufmerksamkeit und lebhaften Beifall fanden. Nach anmutigem, altem Brauch wurden zum Schluß die den Saal verschwenderisch schmückenden Frühlingsblumen unter die Zuhörer verteilt, und die liebenswürdigen Gaben des Jahres werden auf dem Heimwege manche nachklingende Betrachtung über das Gehörte begleitet haben, über die merkwürdigen und wunderbaren Erscheinungen im Leben von Lerchensporn und Scharbockskraut, von Herbstzeitlose. und Troddelblume, oder über die langsame Wanderung des Frühlings von Oberitalien bis zu den Grenzen des Nördlichen Eismeeres.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 42 Npf., Bullen 38 bis 44, Kühe 18 bis 40, Färsen 35 bis 46, Kälber 20 bis 57, Hämmel 20 bis 40 Rpf. je % kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,45 RM., b} (135 bis 149,5 kg) 1,43, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,41, c (100 bis. 119,5 kg) 1,37, d (80 bis 99,5 kg) 1,31, e bis f (unter 80 kg) 1,25, gl (fette Specksauen) 1,45, i (Altschneider) 1,41, g2 (andere Sauen) 1,31, h (Eber) 1,31 RM. Marktverlauf: alles zugeteilt.
Verdunkelungszeit:
19. Mai von 22.16 bis 4.50 Uhr.
Aus ber (Stabt Gießen.
Gesunder Schlaf.
Da der Schlaf sich nach außen hin wie eine . Narkose oder eine Lähmung der Gehirntätigkeit auswirkt, kommen immer wieder Menschen auf Öen Gedanken, mit Schlafmitteln diesen Zustand , künstlich herzustellen. Sie sind dann oft überrascht, daß sie ttotz langen, todähnlichen Schlafes nicht ■ >risch und ausgeruht sind. Der Schlaf ist eben keine passive Angelegenheit, bei der die Gehirntätigkeit völlig ausgeschaltet ist, sondern er entsteht durch eine aktive Handlung des Schlafzentrums im Ge- mrn, das genau wie die anderen Zentren, z. B. Sprech-, Hör- oder Schreibzenttum, auf Reize bin arbeitet. So erklärt sich auch die Kraft der ,zrische, die vom tiefen, natürlichen Schlaf ausgeht, selbst dann, wenn er von noch so kurzer Dauer ist.
Der Erwachsene braucht mindestens-sieben Stunden Schlaf, um gesund und leistungsfähig zu'blei- oen; Kinder und Jugendliche müssen entsprechend lunger schlafen. Es ist aber nicht so, daß diese Stunden zu einer bestimmten Zeit und nacheinander durchgeschlafen werden müssen. Unser Körper hat die Eigenschaft, sich umzustellen und an- zupassen und sich auch durch öfteren, kurzen Schlaf völlig auszruhen.
Die horizontale Lage ist die bequemste für den tocblaf; aber auch in jeder anderen beliebigen Lage sind Schlaf und Ausspannung möglich. Das haben wir bei unserem Soldaten erfahren, die bei anstrengenden Märschen und Strapazen jede Minute zum Schlaf liegend oder stehend ausnützen. Starke Geräusche, selbst starke Detonationen können ihre Ruhe nur wenig beeinflussen. Sie schalten alles bewußt aus, was ihren Schlaf beeinträchtigen könnte. Selbstverständlich bringen sie es auch fertig, wenn sich Zeit und Gelegenheit ergibt, vierundzwanzig Stunden ununterbrochen zu schlafen. Ihr Geist und Körper richten sich nach den Möglichkeiten des Schlafes und empfinden ihn jederzeit als Wohltat.
Von vielen körperlichen Funktionen wissen mir, baß sie einen bestimmten Tag- und Nachtthyth- mus einhalten. Man beobachtet z. B, daß Herz-- und Blutkreislauf sich am Tage anders verhalten als in der Nacht; auch andere Organe weifen regelmäßige tageszeitliche Schwankungen auf. Besonders bei der Leber ist dies von praktischem Interesse, denn sie produziert ihre Galle, die für bie Verdauung so nötig ist, hauptsächlich am Tage. Sie tut es auch bann unbeirrt weiter, wenn ber Mensch z. B. wochenlang eine umgekehrte Lebensweise hat, also am Tage schläft und in der Nacht arbeitet und ißt. Daß dann Beschwerden auftreten, ift unvermeidlich, denn bei mangelnder Galle gehk die Verdauung nur sehr schwer' vor sich. Es soll darum jeder, selbst wenn er in ber Nacht arbeitet, [eine Hauptmahlzeit am Tage einnehmen, well sie ihm bann weit zuträglicher ist.
5Benn wir in der Bahn ein Nickerchen machen können, dann ist das ein gutes Zeichen. Wir haben eben gelernt, uns anzupassen, den Lärm um uns nicht mehr zu hören und zu jeder Zeit zu schlafen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Auch im Luftschutzraum sieht man oft Volksgenossen friedlich schlafen. Man kann eben lernen, bewußt alles jederzeit auszuschalten, was den Schlaf und die Erholung rauben fönpte.
Auch mit seelischen Belastungen kann man bewußt fertig werden. Man braucht sich nicht seinem Kummer hinzugeben, sondern man kann es erreichen, sich ttotz asiem frisch und gesund zu erhalten. Entspannung und Ruhe bringt aber nicht nur der Schlaf; auch ein schönes Konzert, eine Theater- oder Hinoaufführung, ein gutes Radioprogramm können dadurch, daß sie uns von der Arbeit und den Sorgen ablenken, einen Ausgleich schaffen und erfrischen.
In einem lebensverbundenen Rhythmus zwischen Arbeit, Erholung und Schlaft wird es jedem möglich sein, den Krieg, ber uns alle geistig und körperlich bis zum letzten beansprucht, ohne gesundheitlichen Schaden zu überstehen. Dr.J. M.
Kinderlandverschickung auch im vierten Kriegsjahr.
NSG. Neben der erweiterten Kinderlandverschickung, bie ausschließlich Kindern aus luftgefährdeten Gebieten zugute kommt, ist seit einem Jahr auch wieder die allgemeine Kinderlandverschickung der NSV. aufgenommen worden, die in Friedens- Zeiten so beispiellose Ausmaße angenommen hatte, : daß die ganze Welt voll Bewunderung und Neid auf diese soziale Leistung blickte. Es spricht für die ' fast unerschöpfliche Leistungsfähigkeit des deutschen . Verkehrswesens, daß die NS.-Volkswohlfcchrt noch i im vierten Kriegsjahre die Durchführung von gro- : Ben Kindertransporten möglich machen kann. i
Allein im Monat Mai 1943 find bis jetzt mehrere i
Linne-Dortrag 1943.
Eine überaus stattliche Gemeinde von Naturfreunden füllte gestern abend den Hörsaal des Botanischen Instituts bis auf das letzte Plätzchen, um den traditionellen L i n n e - V o r t r a g zu Horen. Der Vertreter der botanischen Wissenschaft an unserer Universität, Professor Dr. Küster, der sich für dieses Jahr* das anregende und zeitgerechte Thema „Vom Frühling gewählt hatte, hieß als Hausherr zu Beginn die Hörer willkommen und gedachte einleitend des in diesem Maimonat (23.5. 1707) geborenen großen Linn6 als des erlauchten Patrons unserer botanischen Forschung. Nicht der astronomische, sondern der durch die Erscheinungen der Vegetation gekennzeichnete Frühling, so bemerkte der Redner, den Stoff abgrenzend, sei der Gegenstand seines Vortrages. Er erläuterte an der vor etwa hundert Jahren durch sächsische Beobachter ausgestellten Einteilung des Jahres nach den Erscheinungen der Blüte und Reife besonders die in Hessen durch Hoffmann (geft. 1891 in Gießen) unö Ihne in Darmstadt so erfolgreich gepflegte phanologische Forschungsweise. Die Frühlingspflanzen waren stets das bevorzugte Objekt der Phänologen, d.h. derjenigen Biologen, die nach dem Zeitpunkt und der zeitlichen Dauer der in der Natur beobachteten Entwicklungsoorgänge fragen. Der Vortragende erläuterte weiterhin die Vorgänge des Erblühens der Frühfahrspflanzen, ihre Ausstattung mit unterirdischen Speicherorganen; auffallend ist
Oer Ueichsstudentenführer spricht im Rundfunk.
Reichsstudentenführer Dr. Scheel spricht am heutigen Mittwoch, 19. Mai, um 19.45 Uhr über alle deutschen Sender über „Studententurn und Hoch schule im Kriege".
Aus aller Wett.
50 000-RrN.-Gewinn auf Lotterie-Nummer 3873.
In der Zweiten Klasse der 9. Deutschen Reichs- lotterie fielen gestern drei Gewinne von je 50 000 RM. auf die Nr. 3873.
Riesiger Schwarzhandel in ber Schweiz aufgedeckt.
Eine große Schwarzhandelsaffäre, die sich auf mehrere Kantone der Schweiz, darunter Wallis, Waadt, Aargau und Genf erstreckt, wurde von der Polizei aufgedeckt. Mehrere Personen, darunter ber Direktor bes kantonalen Kriegswirtschaftsamtes in Aarau, würben verhaftet. Nach den ersten Feststellungen sind Rationierungsausweise für etwa 550 000 Kilo rationierter Lebensmittel im Kriegswirtschafts- amt in Aarau entwendet worden. Es handelt sich um die größte Schwarzhandelsaffäre, bie bisher in der Schweiz vorgekommen ist.
Jüdischer Dankräuber in Bukarest verhaftet.
Die Bukarester Polizei verhaftete den Juden Jancu Broittmann, einen berüchtigten internationalen Bankräuber. Broittmann ist 16mal wegen Bankraubes vorbestraft. Er begann seine verbrecherische Tätigkeit in Amsterdam, ging dann nach Frankreich und von dort nach Zürich, Budapest und Bukarest. In Budapest wurden ihm allein elf Bank- räubereien nachgewiesen.
Jüdische Vanknotenfalfcher in Brasilien feslgenommen.
hier oben ja alles neu geworden; aber er schien nicht darauf zu achten. Die junge Frau legte das Reisegepäck, bas sie ihm nachgetragen hatte, auf den Fußboden. „Hier ist dein Bett", sagte sie dann, _________________ vvulclH
indem sie die weiße Schutzdecke abnahm und zu- Namen auf den Arm geätzt hattest! Ich weiß noch.
In Bahia hat bie Polizei von San Salvador bie beiden jüdischen Geschäftsleute Salamao Nergel- wann und Abrajac Rateman festgenommen, als diese versuchten, gefälschte USA.-Noten umzuwechseln. Die beiden Juden hatten U'SA.-5-Dollarnoten, die sie von Angehörigen der dortigen USA.-Garnison /.. gehandelt hatten, durch Manipulationen in 50- Dollar-Noten verwandelt.


