Ausgabe 
19.5.1943
 
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Die Krastreserven unserer Kriegswirtschast.

Eine Rede des Reichswirtschastsministers

Berlin, 18. Mai. (DNB.) 21 uf Einladung des Gauschulungsamtes des Gaue^ Berlin sprach Reichs, Wirtschaftsminister Walter Funk vor dem Führer­korps der Partei des Gaues Berlin über Lenkung, Organisation, Leistungen und Kraftreserven der deutschen Kriegswirtschaft im europäischen Lebens­raum.

Der Minister gab einen Ueberblick über die kriegswirtschaftlichen Aufgaben und die Leistungen der Kriegswirtschaft und erläuterte die Maßnahmen, die im letzten Jahr zu einer grundlegenden Neu­gestaltung und Vereinfachung der Organisation der deutschen Wirtschaft und der Bewirtschaftung selbst durchgeführt worden sind. Von 209 selbständigen Körperschaften der regionalen Wirtschaftsorgani­sation seien nur noch 59 verblieben, und an die Stelle von 441 Bewirtschaftungsanordnungen seien 59 Grundanordnungen und 34 Durchführungsver­ordnungen getreten. Nicht mehr zeitgemäße Lebens­formen in der Wirtschaft wurden beseitigt und die Wirtschaft in einem stärkeren Maße mit Lenkungs­aufgaben in eigener Verantwortung betraut.

Dieser Krieg werde nicht nur an den Fronten und in den luftbodrohten Gebieten, sondern in jedem Hause, auf dem Acker des Bauern ebenso wie in den Fabrikräumen, im Dasein des einzelnen wie in der Gemeinschaft von Familie und Volk geführt. Aber es komme darauf an, daß das, was notwendig ist, auch gründlich gemacht werde und so, daß es zum Erfolg und dem angestrebten Ziel führe. Jede Arbeitskraft müsse für die kriegsnotwendige Be­schäftigung eingesetzt werden, jede Arbeitskraft sei wenn auch nicht sogleich und voll brauchbar. Die Anwendung bolschewistischer Methoden aber sei

für uns ebenso unmöglich wie der Rückfall in em Lebenssystem liberalistisch-kapitalistischer Art, das der Nationalsozialismus in einem revolutionären Akt tiefster Umwälzung und erfolgreichsten Auf­baues überwunden habe. Der deutsche Mensch könne nicht in dem alle durch Rasse und Kultur erworbe­nen Lebenswerte bewußt vernichtenden System jüdisch-bolschewistischer Barbarei leben und schaffen, wenn er nicht von vornherein sich selbst aufgeben wolle. Auf rejn zivilisatorische Werte könne dabei, soweit dies notwendig sei, verzichtet werden.

Unsere Rationalisierung in der Kriegswirtschaft habe ihre gewaltigen Erfolge erzielt, nicht weil sie auf Profit nusgerichtet war und nicht weil sie aus einer völligen Mechanisierung der menschlichen Ar­beitskraft bestand, sondern weil das Verantwor- tungtzbewußtsein des der Volksgemeinschaft ver­pflichteten Menschen und die Entfaltung aller Kräfte, Fähigkeiten und Energien unter staatlicher Lenkung, d.h. unter Ausrichtung auf das eine, das letzte Ziel, solche Höchstleistungen heroor- gebracht habe. Wir brauchen uns. auf keine Er­örterungen über ein zukünftigesWeltgeld" einzu­lassen, denn eine Währung, die nicht in den natio­nalen Wirtschaftskräften und Arbeitsleistungen und in der staatlichen Währungsautonomie wurzelt, sei ebenso wenig lebensfähig und brauchbar chie ein Volapück oder ein Esperanto es als Weltsprache sein könne, das seien Requisiten einer vergangenen Epoche. Wir haben, so schloß der Minister seine Ausführungen, mit der Neuordnung unseres Wirt­schaftslebens eine der wichtigsten, Voraussetzungen geschaffen, um in dem erbitterten schicksalhaften Ringen gegen unsere Feinde Sieger zu bleiben.

Europa. Davor müssen die alten Gegensätze und Dogmen verschwinden. Das haben große franzö­sische Geister schon in früheren Zeiten voraus- gesehen, nicht nur Napoleon. Victor Hugo und Renan. So ist in diesen Tagen wieder aus einen Ausspruch von Alexis de Toquevielle, Mnister der zweiten Republik, hingewiesen worden, der schon damals seinen Landsleuten gegenüber einer ganz Europa drohenden Gefahr im Osten,' die er schon damals voraussieht, zurief:.Der Zustand der Welt gestaltet sich neu. Wir müssen unsere alten Maximen ändern und dürfen nicht davor zurückschrecken, un­sere Nachbarn zu stärken, damit wir imstande sind, eines Tages zusammen mit ihnen den gemeinsamen Feind zurückzuwerfen."

Oie neuen Eichenlaubträger des Heeres.

Berlin, 18. Mai. (DNB.) Der Führer ver­lieh, wie bereits gemeldet, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an

Generalmajor Willibald Borowietz, Komman­deur einer Panzerdivision, und an

Hauptmann Hans-Günther Stetten, Abtei­lungskommandeur in einem Panzer-Regiment.

Generalmajor B o r o w i e tz hatte das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes bereits zu Beginn des Feld­zuges gegen die Sowjetunion als Oberstleutnant und Führer einer Vorausabteilung erhalten. Nordwest­lich Tarnopol stieß die Vorausabteilung nach Brechen heftigen Widerstandes auf zahlenmäßig weit über­legene Kräfte, die sich vor allem in dem Straßen­knotenpunkt Zalosce einen starken Stützpunkt ge­schaffen hatten. In kühnem Nachtangriff brach Oberst­leutnant" Borowietz an der Spitze seiner Panzer­grenadiere ohne Rücksicht auf starkes FlankenfeUer in die Ortschaft ein und zwang den Feind zum eiligen Rückzug: Hier und bei der kurz darauf er­folgten Einnahme von Zbarac erbeutete oder ver­nichtete die Vorausabteilung Borowietz 39 Panzer, vier Batterien und fünf- Flak. Auch im Wmter 1941/42 bewährte sich Oberstleutnant Borowietz als Führer einer zusammengesetzten Kampfgruppe her­vorragend.

Bei den letzten schweren Kämpfen in Tune­sien stand Generalmajor Borowietz als Komman­deur einer Panzerdivision westlich Tunis. Der Feind griff hier mit erdrückender Uebermacht sowie stärk­ster Unterstützung von Artillerie und Luftwaffe die deutschen Linien an. In heldenhaftem Kampf er­wehrte sich der Divisionskommandeur an der Spitze feiner Truppen des feindlichen Ansturms. Vor der Uebermacht ausweichend, bezog er vor Tunis neue Abwehrstellungen, aus denen er dem Feinde schwerste Verluste zufügte. Wieder beronnte der Gegner mit zahllosen Panzern die Stützpunkte und abermals leistete der General mit nur wenigen Sol­daten in vorbildlicher Tapferkeit Widerstand bis zum letzten. Dadurch wurde Zeit gewonnen für die Zer­störung aller kriegswichtigen Anlagen in der Stadt Tunis und für den Aufbau neuer Abwehrstellungen. Die hervorragenden Leistungen der Division unter Generalmajor Borowietz wurden im Wehrmachtbe­richt vom 11. Mai 1943 besonders gewürdigt.

Generalmajor Borowietz, am, 17. 9. 1893 als Sohn des Oberzahlmeisters Christian B. in Ratibor ge- borein, trat nach Ablegung der Reifeprüfung am Realgymnasium in Eilenburg 11914 als Fahnen­junker beim JR. 156 Beuchen ein, in dem er 1915 Leutnant wurde. Während des Weltkrieges fand er als stellvertretender Regiments- und Bataillonsadju­tant und später als Kompanierführer Verwendung. Als Angehöriger des Grenzschutzes Schlesien zeichnete er sich besonders aus. Von 1919 bis 1935 war er bei der Sicherheitspolizei in Breslau, Gleiwitz, Kreuz­burg und Berlin. 1931 wurde er zum Pokizeimajor befördert und 1935 als Major in die neue Armee übernommen. Zunächst war er in der Kraftwagen- Kampftruppenschule und später im Stab der Panzer- Truppenschule tätig. 1939 Kommandeur einer Pan- zerMbwehr-Abteilüng, 1941 Kommandeur eines Panzer-Grenadier-Regiments, wurde er 1943 zum Generalmajor befördert.

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Hauptmann Hans-Günther Stetten hatte das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes bereits als Leut­nant und Führer einer Panzerkompanie im West­feldzug erhalten. Insbesondere hatte er bei Chalons durch entschlossenes Zupacken 900 vor der Abteilung ausweichende Franzosen . gefangen und zahlreiche schwere Infanteriewaffen erbeutet. Am gleichen Tage vernichtete er in scharfem Feuerwechsel einen feind­lichen 52-Tynnen-Panzer.

In Astika gehörte er zu der im Wehrmachtbericht vam 11. 5. besonders heroorgehobenen 15. Panzer­division unter Generalmajor Borowietz. Hauptmann Stetten hat sich mit seiner Abteilung schon in der Mareth-Stellung hervorragend bewährt. In zwei Nächte und einen Tag dauernden Kämpfen hat et immer wieder die zürn Gegenangriff antretenden

Grenadiere unterstützt, vom Feind besetzte Bunker niedergekämpft und dadurch zur Bereinigung der kri­tischen Einbrüche ausschlaggebend beigetragen.

Ende März hat er westlich Gabes einen gefähr­lichen Angriff von 20 Panzern in die Flanke seiner Division in kühnem Gegenstoß an der Spitze von nur acht eigenen Panzern zurückgeworfen. In schwerem Kampf schoß er fünf britische Panzer ab und ermög­lichte dadurch, daß die 15. Panzerdivision in­zwischen eine neue Widerstandslinie gewinnen konnte.

Hauptmann Stetten, am 7. 10. 1916 als Sohn des Obersten Paul St. in Berlin-Charlottenburg ge­boren, trat nach dem Besuch des Realgymnasiums in Hannover 1934 als Reiter in das 2. RR. Dres­den ein. Im Panzer-Regiment 3 wurde er 1937 zum Fähnrich ernannt, 1938 wurde er zum Leutnant und 1942 zum Hauptmann befördert.

Mit festem Glauben bis zum Sieg.

Tagesbefehl

des italienischen Generalstabschefs.

Rom, 19. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Gene­ralstabschef des italienischen Heeres, General Rossi, richtete am 13. Mai einen Tagesbefehl an das italienische Heer, in dem es. heißt:

Die 1. italienische Armee hat auf Befehl des Duce ben Kampf eingestellt. Nach einem übermenschlichen Kampf haben die Ueberlebenden vieler Schlachten, die stets auch im wechselvollen Schlachtenglück die Ehre der italienischen Waffen hochhielten, vor einer gewaltigen Uebermacht an Menschen und Material weichen- müssen. Der Feind hat sie nicht be­siegt, sie sind vom Schicksal getroffen worden, das durch Opfer der Besten das Recht zum Leben der Völker, die an den sittlichen Wert des Opfers glauben, bestätigt. Bevor er den Befehl ausführte, richtete der heldenhafte Befehlshaber der 1. Armee, Marschall Messe, folgende Botschaft an seine Truppen:Im Augenblick, da die 1. italienische Armee angesichts der ungeheuren lieberlegenbeit des Feindes zum letztenmal ihre glorreichen Fahnen einholt, spreche ich den Befehlshabern und den ita­lienischen und deutschen Truppen meinen Dank und meine lebhafte Anerkennung aus. Die glorreichen Kämpfe der 1. Armee haben für immer den Kampf­geist und die Tapferkeit der italienischen und deut­schen Soldaten bestätigt. Es lebe das unsterbliche Italien! Es lebe Deutschland!"

Nach einer Ehrung der Gefallenen und der Ueber­lebenden des Tunesien-Feldzuges, die bis zum äußersten für die Ehre ihrer Fahne kämpften, be­tont der Tagesbefehl, daß das Opfer dieser Soldaten nicht vergeblich sein wird und daß sie für das ge­samte italienische Heer ein Vorbild sind.In dieser schweren Stunde gibt es keine Grenzen für die Pflichterfüllung des einzelnen. Heute gibt es nur

eine Parole: den Willen stählen, um mit festemGlaubenbis zum Sie g zu kämp- f e n."

Weiter schwierig und gefährlich/'

Stockholm, 19. Mai-. (Europapreß.)Solange Italien die Flugzeugstützpunkte auf Sizilien und Sardinien beherrscht, befindet sich die Mittel­meerschiffahrt der Achsengegner,iy großer Gefahr", erklärte nach einer Meldung des'Evening Stan­dard" Lord Win st er. Langsame Geleitzüge müsse man nach wie vor um das südafrikanische Kap herumschicken. Auch dürfe man nicht übersehen, er­klärte Lord Winster, daß Italien noch immer über eine mächtige Flotte verfüge,, ganz ab­gesehen davon, daß die Deutschen hüt ihren U-Booten weiter die feindliche Schiffahrt im Mittelmeer stark bedrohten. Man könne somit also nur feststellen, daß der Seeverkehr im Mittelmeer für die Achsengegner weiter schwierig und ge­fährlich" bleibe.

Zehnfaches Versailles.

Eine groteske Parodie auf die Gerechtigkeit.

Stockholm, 18. Mai. (Europapreß.) Unter der UeberschrrftTriumph des Hasses" beschäftigt sich ,^)elsingborgs Dagblad" mit dem von Reuter ver­breiteten Vorschlag einer Gruppe englischer Parla­mentsmitglieder für ein U eb e r- V e rsa i ll e s. Endlich, so schreibt das Blatt, lüfte man einen Zip­fel des über den englischen Friedensplänen liegen­den Schleiers und lasse die Welt wissen, wie man sich in einflußreichen englischen Stellen denFrie­den" denkt. Die Stimmung-und der Geist, die aus. diesen Vorschlägen atmeten, seien zugleich auch eine Lehre für das viel zu optimistische schwedische Volk. Von' irgendwelchen Rechtsbegriffen sei in diesem eigenartigen Dokument überhaupt nichts mehr zu spüren, es laufe vielmehr einzig und allein darauf hinaus, unter Außerachtlassung aller Gebote der Moral und der Menschlichkeit dem Geg­ner einen Siegerfrieden zu diktieren, der zu seiner vollständigen Vernichtung führen müsse. Schon die Forderung nachBestrafung der Kriegsverbrecher" sei eine groteske Parodie auf die Gerechtigkeit, solange der "sowjetrussische Mord an 10 000 polnischen Offizieren aus machtpolitischen Er­wägungen überhaupt nicht ermähnt werde. Aber diese Frage sei noch verhältnismäßig unwesentlich. Wesentlich sei der Kernpunkt des ganzen englischen Neuordnungsvorschlages: Die Ausrottung der deutschen Nation, denn er laufe auf nicht weniger hinaus als auf ein zehnfaches Ver­sailles. Die deutsche Wehrmacht und die deutsche Wirtschaft sollen vernichtet und das Reich z e r - ft ü cf eit werden. Der Zweck dieses Todesurteils über die deutsche Nation, schreibt ,^Helsingborgs Dagblad" abschließend, sei angeblich, es Deutsch­land unmöglich zu machen, einen neuen Krieg zu

Sanni Luukkonen.

Unser Bild zeigt: Fanni Luukkonen (Mitte) bei ihrer Ankunft in Berlin. (Scherl-Bilderdienst.)

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Es gibt wenig Frauen in Europa, die sich neben Fanni Luukkonen, die Leiterin der finnischen Lotta-Svärd-Organisation, stellen können. Einer Einladung der Reichsfrauenführerin folgend, erwi­dert Fanni Luukkonen in diesen Tagen den Besuch von Frau Scholtz-Klink in Finnland und nimmt gleichzeitig an der Eröffnung der ersten geschlossenen. Ausstellung finnischer Künstlerinnen und Kunst- handwerkerinnen in Deutschland teil.

In diesen Zeiten kommt unser Empfinden aufs lebhafteste allen Persönlichkeiten entgegen, die ihrem Volke iyr Leben widmeten. Selten geschah dies in so klarer und schön'er Form wie bei Fanni Luuk­konen. Schon der Zwölfjährigen, Tochter aus einem sehr nationalhewußten Hause, war es aufgegangen,.' daß die Frauen Finnlands Volkstum und Sprache zu wahren und sich in ihrer Familie der Russifizie- rung entgegenzufetzen haben. Dieses Wissen ver­dankt sie ihrer Mutter. Die Sechzehnjährige ent­schließt sich daher, wie viele andere junge Mädchen Finnlands, Lehrerin zu werden und dazu beizu­tragen, daß die finnische Sprache wieder Geltung erhält. Sieben Jahre unterrichtet sie in ihrem Hei­matort Oulu, im Westen Finnlands. Dann zieht es sie in den Osten, dorthin, wo der russische Druck sich am stärksten bemerkbar macht, nach Karelien. Am Lehrerinnenseminar in Sortavala bereitet sie junge Mädchen auf ihre völkischen Aufgaben vor

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beginnen. Wenn die Engländer wirklich im Verein mit dem blutbefleckten Sowjetrußland Deutschland besiegen und nach den von Reuter verbreiteten Plänen vorgehen sollten, so wäre das ein Ver­brechen ohnegleichen.

Schwere Zerstörungen in Cardiff.

Berlin, 18. Mai. (DNB.) Ein starker Verband schwerer> deutscher Kampfflugzeuge griff in der Nacht zum 18. Mai bei hellem Mondschein mehrere Rüstungswerke und die Dockanlagen des füdwest- englischen Hafens Cardiff an. Kurz vor 3 Uhr morgens begann der konzentrische Angriff, der etwa etwa eine halbe Stunde dauerte- und schwere Zer­störungen in den kriegswichtigen Anlagen hervov- rief. Vergeblich versuchte der Feind, mit Flakab­wehr und Nachtjägern den Angriff zu verhindern. Mehrere Volltreffer verursachten in einem Zentral, werk der britischen Eisen- und Stahlindustrie eine Reihe von Explosionen sowie wirksame Zerstörun­gen in den Hafen- und Dpckanlagen. Die deutschen Besatzungen beobachteten bei ihrem Abflug 20 Großbrände und zahlreiche mittlere Brände im Ziel­gebiet. -

Wieder zweimal Lustalarm in London.

Stockholm, 19. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie das britische Reuterhüro berichtet, wurde in Lo n- b o n in der Nacht zum Mittwoch zweimalLuft- alarm gegeben.

USA -Imperialismus im Irak.

Ankara, 19. Mai. (Europapreß.) Die Kon­zes f i o n e n für die Schiffahrt auf den beiden gro­ßen Strömen des-Irak, dem Euphrat und bent Tigris, sollen an eine USA. -Oelgesell- schäft erteilt werben. Verhandlungen zwischen ben irakischen Behörden und den Vertretern der Gesell­schaft finden gegenroärtig in Bagdad statt.

Die Verlobten.

Goethe und Lili Schönemann.

Es war ein seltsamer Beschluß des hohen über uns Waltenden, daß ich in dem Verlauf meines wundersamen Lebensganges doch auch erfahren sollte, wie es einem Bräutigam zumute fei" so heißt es in Goethes Selbstbiographie an der Stelle, wo der Greis mit spürbar klopfendem Her­zen fein jugendliches Liebensabenteuer mit Elisabeth Schönemann erzählt. Denn ein Abenteuer wird man diese Begegnung im Januar 1775, die fast zu einer Ehe geführt hätte, wohl nennen dürfen. Eine allzu eifrige FreuMn der Schönemannschen Familie, die sich berufen fühlte, das Schicksal zu spielen, erzwang die Entscheidung, und ehe man sichs recht versehen konnte, war man ein verlobtes Paar. Kaum aber war der Bund geschlossen, als wir Goethe auch schon geschäftig sehen, ihn wieder zu entknäueln. Gar zu plötzlich war das Verlöbnis, das die Erfüllung heißester Wünsche und Fessel zugleich war, über ihn gekommen. Um sich selbst und sie auf die Probe zu stellen, reift er Hals über Kopf in dje Schweiz, und jeder neue Eindruck bestärkt ihn doch nur in der schmerzlichen Gewißheit, wie vergebens Liebe vor Liebe flieht. Noch eben hatte er sich in dem GedichtSilis Park" mit dem tapsi­gen Bären verglichen, der feiner holden Wärterin gehorsam die Schuhe küßt, und die Götter gebeten, dieses dumpfe Zauberwerk zu enden", aber auf den Gipfeln über dem Züricher See seinen Blick oaterlandwärts, liebwärts" schweifen lassend, muß er sich doch eingestehen:

Wenn ich, liebe Lili, dich nicht liebte, Welche Wonne gäb mir dieser Blick!

Uüd doch, wenn ich, Llli, dich nicht liebte,

Fänd' ich hier und sänd' ich dort mein Glück?"

Sehnsuchtsvoll und ängstlich zugleich nach Frank­furt zurückgekehrt, sieht er feine Voraussage, es werde dem Bären dort nur noch schlimmer ergehen

als vorher, vollauf bestätigt. Noch monatelang schleppt sich das seltsame Verhältnis, bei dem auf seiner Seite Liebe und Ehescheu sich die Waage halten,, unentschieden hin. Silis Verwandte, ge­wohnt, auch die delikatesten Beziehungen durch das trübe Glas der bürgerlichen Konvention zu sehen, beginnen zu zischeln. Goethe selbst verschärft durch sein Verhalten das Peinliche der Situation, bis schließlich der Ruf des jungen Herzogs Karl August nach Weimar dem für beide Teile unerträglichen Verlöbnis das im stillen längst ersehnte Ende be? reitet. Der Bär ist seiner Fesseln ledig, und Silis Menagerie" ist um ein Exemplar ärmer geworden.

Man hat den Grund für das Auseinandergehen der Siebenden in den inneren Gegensätzen und in noch manchen anderen äußeren Umständen sehen wollen. Der zuweilen gegen Sili erhobene Vorwurf, sie sei doch viel zu sehr Weltdame gewesen, als daß sie ein Genie wie Goethe auf die Dauer wahrhaft hätte beglücken können, hält jedoch einer gewissen­haften Prüfung nicht stand. Als Gattin und Mutter hat sie in ihrer bald danach geschlossenen Ehe mit dem Bankier von Türckh e im bewiesen, daß-sie Goethes würdig gewesen wäre.. In dem quälenden Hin und Her ihres sonderbaren Brautstandes hat sie mit dem Tiefblick der wahren Siebe die letzten Beweggründe von Goethes Versagen wohl richtig erkannt. Goethe selbst wird noch als Greis nicht müde, dem hohen Sinn und der Charakterstärke seiner ehemaligen Braut Bewunderung zu zollen. In der Figur der Stella hat er sie in den Reigen der Unsterblichen aufgenommen, und noch in seiner Dorothea glaubt man bestimmte Züge von ihr er­kennen zu können.

Wenn irgendwo, so waltet in Goethes Perhält- nis zu Sili jenes schwer Durchschaubare, das wir Schicksal nennen und das sich mit den Maßstäben der landläufigen bürgerlichen Moral nie richtig beurteilen läßt. Was die beiden trennte, war die in Goethes Wesensart geheimnisvoll verborgene Not­wendigkeit, gerade da verzichten zu müssen, wo ein Uebermaß von Glück sein inneres Gleichgewicht be­drohte und dem erhabenen Bau feiner Daseins-

Pyramide gefährlich werden mußte. Auch mit Sili geht es ihm' wie mit dem Barbiergesellen im Mär­chen von derNeuen Melusine", der den goldenen Ring der Liliputanerprinzessin durchfeilt, weil er das Zwergendasein nicht ertragen kann und ein Maßstab voriger Größe in ihm ist, der ihm die Ehe als eine Beeinträchtigung seiner geistigen Un­abhängigkeit. erscheinen läßt. Der durchgefeilte Ring aber ist mehr als nur der Ausdruck eines unbän­digen Freiheitsdranges, er ist auch das ernste Sym- bohl eines in fortwährenden Entsagungen sich voll­endenden Lebens. Ernst v. Niebelschütz.

Der unbekannte Spatz.

Von Richard Gerlach.

Jeder meint ihn zu kennen, wir sehen ihn alle Tage, wir brauchen bloß das Fenster zu öffnen, fo hören mir fein Schilpen. Und doch gibt er den Beobachtern manche Rätsel auf.

Das Haussperlingsmännchen hat einen aschgrauen Oberkopf und einen schwarzen Latz, das schöne Kasta­nienbraun des 2(ugenftreifs und Hinterhalses tritt im Frühjahr erst richtig hervor, und der Schnabel, der im Winter braun war, ist nun schwarz gewor­den. Genau betrachtet, ist der Spatz ein ganz hübscher Kerl. Die Spätzin trägt ein schmuckloseres Gewand.

Der Spatz hält sich nur in der Nähe mensch­licher Ansiedlungen auf, in Deutschland meidet, er die einsamen Gebirpsdörfer, die keine Kornfelder um sich haben, und die Halligen. Aber obwohl er fein Nest an unseren Häusern baut, wissen wir nicht einmal genau, ob er sich mit dem Weibchen nur für eine der drei jährlichen Bruten zusam- rnenschließt, ober ob die Spatzenehe einen Som­mer über ober vielleicht noch länger dauert.

Das Nest wirb immer ziemlich hoch angelegt, unter Dachrinnen, zwischen Verschalungen, unter wilbem Wein, und manche Spatzen bauen sogar ein fteistehends Nest oben in einem Baum, dar

bann aber überdacht wird und ein seitliches Flug­loch bekommt. Die Nester werden wärmer aus« gepolstert als andere Vogelnester; denn der Spatz ist gegen Kälte empfindsich. Darum plustert er im Winter oft fein Gefieder auf und erscheint dadurch rund und dick.

Sehr auffallend ist, daß die Sperlinge ihre Nester ungeniert dicht nebeneinander anlegen und sich dabei sehr gut vertragen. Streitigkeiten und Eifersüchteleien zwischen den Männchen kommen kaum vor, aber diese fallen in Gesellschaft manch­mal schimpfend über ein einzelnes Weibchen her. Das hängt vielleicht mit einem Instinkt zu­sammen, nach dem sich die Weibchen während der Brutzeit in der Nähe des Nestes aufzuhalten haben. Machen sie trotzdem Ausflüge, so forbern sie die Empörung sämtlicher Männchen heraus.

Höchst sonderbar ist die Spatzenbalz. Ein schil­pendes Männchen läßt die Flügel hängen, stellt den Schwanz hoch und hüpft wie ein aufgezogenes Spielzeug um das Weibchen herum. Dieses aber scheint gar nicht auf ben Verzückten zu achten, und wenn es ihr zuviel wird, beißt sie sogar nach ihm. Haben sich die Paare aber erst einmal zu- sammengefunben, so wirb das Weibchen sehr zu- tunlich unb kann ihm dann ein zärtlichesDie die die" entgegenflöten.

Die Spatzen suchen die Nähe des Menschen zwar, aber sie trauen ihm keineswegs ganz, unb wo einem von ihnen einmal ein Schabernack ge­spielt wurde, nehmen sich hinfort auch die anderen in acht. Sie passen also scharf auf, unb dieser Vor­sicht verdanken sie auch chr prächtiges Gedeihen allen Verfolgungen zum Trotz. Seitdem die Sper­ber unb Baumfalken ihnen nur noch selten in die Stäbte folgen, hätten sie kaum noch Feinde, wenn ihnen nicht in nassen Sommern der Luftröhren- wurm verhängnisvoll würde. Unter ben Vögeln hat sich kein anderer so an die Welt anzupassen verstanden, die der Mensch verändert hat, wie der Spatz. In dem kleinen Spatzengehirn steckt eim oeachtliche Intelligenz.