Ausgabe 
19.1.1943
 
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Buenos Aires, 18.Jan. (Europapreß.)

Der

aus-

die

am Montag in Chikago den Generalpostmeister Frank Walker einstimmig zum Vorsitzenden der

um als

Der ehemalige französische Boschafter in Argen­tinien, Peyrouton, ist am Sonntag in Algier gelandet, wo ihm ein wichtiger Posten übertragen werden soll. Der Dhron-Prätendent des Hauses Bourbon, Heinrich Graf von Pm^is, ist vom nord- amerikanischen Oberkommando in Algier aus Al­gerien ausgewiesen worden. Die Nordameri­kaner befürchteten die Sammlung verschiedener französischer politischer Gruppen um die Person des Grafen von Paris. __________________

britische Presse Flynn mit Glacehandschuhen an- faßt, was dieser rücksichtslose Politiker nordameri­kanischen Stils gar nicht gewöhnt sei. Seit Men­schengedenken sei mit einer Ernennung nicht so vor- beigegriffen worden wie mit der Flynns. Ein eben­solcher Mißgriff sei die Behandlung der chinesi­schen Militärmission durch Washington, die kürzlich nach Tschungking zurück fuhr, um angeblich Bericht zu erstatten, in Wirklichkeit jedoch ohne die gewünschte Zusicherung von Lieferungen abgehen mußte und in Washington lediglich einen Obersten

Das japanische Kabinett beschloß Steuererhöhun­gen in erster Linie auf dem Gebiete der indirekten Verbrauchssteuern; sie sollen für 1943 Mehrein­nahmen von über einer Milliarde Pen ergeben.

demokratischen Partei als Nachfolger Flynns, den ein beträchtlicher Skandal entstand, weil er notorischer Schieber gilt.

*

Der LondonerDaily Heralb" bedauert, daß

weg aus Freiwilligen, die besonders tüchtig und leistungsfähig sind. Es handelt sich vielfach um Berufstaucher, die sich durch ein längeres Training auf ihre äußerst schwierige und gefahr­volle Aufgabe vorbereiten.

England gegen ein Lust­monopol der LtGA.

Stockholm, 19. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent desDaily Telegraph" beschwert sich darüber, daß man in Washington immer nur von derFreiheit der Meere" spreche, die Luft aber überhaupt nicht erwähne. Di^e ame­rikanischen Monopolinteressen konzentrierten sich vor allem aus die drei großen Transat­lantiklinien, die Amerika mit Afrika und Europa verbinden. Die erste verläuft von Neuyork nach Neufundland und England, die zweite ver­bindet Miami (Florida) mit Portugal und die dritte Natal (Nordbrasilien) mit der afrikanischen Westküste. Die Amerikaner interessieren sich gong besonders für ihren Ausbau, da von den Flug­plätzen der afrikanischen Westküste der Weg weiter- ührt über Oberägypten nach dem mittleren Osten, wo der USA.-Einfluß sich immer stärker festzusetzen beginnt. Die Linie wurde von der Pan- american Airways unter großen finanziellen Op­fern ausgebaut und 1942 von der Regierung über­nommen. Der englische Korrespondent fürchtet, daß die USA., die für die Entwicklung dieser Linien viel Geld aufgewandt haben, nach dem Kriege auf den Betrieb der Routen nicht verzichten wer­den. Aber der Grundsatz derFreiheit der Luft" vertrage sich auf keinen Fall mit einem USA.- Monopol.

Oer Flynn-Glandal.

Ein öffentliches Senatsverhör des Roosevelt-Günstlrngs.

als Verbindungsmann zurückließ. Die Engländer und auch die Nordamerikaner hätten es noch nicht begriffen, die Tschungking-Chinesen als gleich­berechtigt zu behandeln und etwa den in Wa­shington verbliebenen Obersten in den Rat der Der- shington verbliebenen Obersten in den Rat der ver-

Riesige Kriegsgewinne der Rüstungsfirmen in den USA.

Lissabon, 18. Jan. (Europapreß.) Die nord- amerikanische Preiskommission hat festgestellt, daß die Gewinne größerer Firmen infolge der Rü­st ungsaufträge erheblich über diejenigen vor dem Kriege stiegen, wie dieDaily Mail" aus Neu­york berichtet, lieber die Durchschnittsgewinne der Jahre 1936/39 haben z. B. General Motors um 20 v.H., Bellehem Steel um 36 v.H. und Blenn Martin Airecraft um 33,6 v. H. mehr verdient.

Wirtschastsnot im Gefolge des Roosevelt-Krieges.

Lissabon, 18. Jan. (Europapreß.) Der wärtige Ausschuß des USA.-Senats hat ein öffent­liches Verhör über die Ernennung von Edward -Flynn zum UMl.^Gesandten in Australien und Sondervertreter Roosevelts angeordnet. Flynn hat seinen Posten als Vorsitzender des National-Komi- tees der demokratischen Partei niedergelegt. Der Senatsausschuß wird das Verhör auf konkrete Vor­würfe begrenzen, die durch Zeugen belegt werden können. Die demokratische Parteikonvention wählte

DieAchse verfügt über eine starke Aentralpositwll

Ei« spanischer Militärkritiker über die strategische Lage in Rordafrika.

Kleine politische Nachrichten.

Unter der Leitung des japanischen Erziehungs­ministeriums wurde ein Institut für ostasiatische Rassenforschung gegründet, um ein wissenschaftliches Studium der verschiedenen Rassen innerhalb der ostasiatischen Prosperitätssphäre zu ermöglichen. Ya- fumi Takata, Professor an der Kaiserlichen Unwer- sität Kioto, wurde zum Leiter des Instituts ernannt.

Madrid, 18.Jan. (Europapreß.)Der ftrate-- gische Umfang, mit dem die Anglo-Amerikaner in Nordofrika ihr Unternehmen anfangs zur Schaf­fung eines Sprungbrettes für neue Operationen gegen Sizilien und Sardinien zu starten schienen, ist auf eine Serie taktischer Aktionen reduziert wor­den, welche die wichtigen Positionen am Kanal von Sizilien, den in der Hand der Achse befind­lichen zenttalen Mtttelmeergürtel, zum Ziel hat­ten, um den freien Seeverkehr zwischen Gibraltar und Alexandrien zurückzuerlangen", sagt das Blatt Hoja del Sunes" in einem hier vielbeachteten Ar­tikel über die Kriegslage in Nordafrika. Es stellt fest, daß das strategische Ziel der Anglo-Amerikaner die Besetzung von Tunis und Tripolitonien sei und damit die Vernichtung der starken Achsen Positionen und ihrer günsttgen Luft- und Seeverbindungen voraussetzt .

Die anglo-amerikanischen Generalstäbe haben, nach Meinung des spanischen Militärkritikers, über­sehen, daß dieser nordafrikanische Feldzug keines­wegs ein normaler und typischer Kolonialkrieg ist, weil nämlich Nordafrika geographisch eine Fort­setzung Europas und seines Lebensraumes dar­

stellt und kurze Entfernungen die in Frage kom­menden Küsten trennen. Die Achse verfügt über die günstigsten militärischen Ausgangs- und Stütz- punkte, während England und besonders Nord­amerika riesige Entfernungen 311 über- winden haben und direkt in die U-Boot- und Luft- waffenoktionszone ihrer Gegner hinemgeraten, wo­bei sie ihre Truppen, ihr Material und ihre Schiffe einer ständigen Bedrohung aussetzen müssen.

Ein Unternehmen wie das anglo-amenkanische m Nordafrika erfordert eine von langer Hand vor­bereitete Planung. Man begreift daher die Not­wendigkeit einer konzentrischen Befehlsgewalt, deren Mangel schließlich zu einer Serie isolierter und unharmonischer Operationen führte, die nicht ver­hindern konnten, daß die Achse sich eine solide und starke Position im Zentrum Nordafrikas ausbaute. Ihre Luftüberlegenheit erwies sich seit Beginn der afrikanischen Schlacht und erleichterte daher die Landungen in den tunesischen Häfen, so daß der deutsch-italienische Generalstab mit Ruhe der wei- teren Entwicklung an dieser Front entgegensehen kann.

uruguayische Außenminister Guani gäb auf der Durchreise nach den USA. als Grund seiner Reise die großen Schwierigkeiten an, unter denen Uru­guay zu leiden habe und die er in Washington be­kanntgeben wolle. Zugleich mit den Schiffen, die früher die Häfen Uruguays anliefen, erklärte Guani, seien auch die Zolleinkünfte der Re­gierung verschwunden. Der Mangel an Petrleum sei so groß geworden, daß es sich jetzt nicht mehr allein um den Mangel an Benzin für Auto­mobile handele, sondern um den Stillstand ganzer Industrien,wodurch hunderttausende bisher darin Beschäftigte arbeitslos geworden seien. Die USA. hätten nun Uruguay eine Anleihe von 50 Millionen Dollars für öffentliche Arbeiten ge­währt. In der argentinischen Hauptstadt haben die Erklärungen Guanis um so stärkeren Eindruck ge­macht, als Uruguay das erste Land war, das bei der Vorbereitung des nordamerikanischen Kriegs­eintritts an die Seite der USA. trat

Oie Zweimann-Torpedos.

Rom, 18. Jan. (DNB.) WiePopolo di Roma" berichtet, handelt es sich bei den beim Angriff auf Schiffsziele im Hafen von Algier eingesetzten Zwei- Mann-Torpedos um eine rein italienische Erfindung, eine Fortbildung jenes Sturm­kampfmittels, das bereits im ersten Weltkrieg zum Einsatz gelangte. Es ist eine Art Torpedo oder bes­ser, ein winziges U-Boot, dessen aus zwei Mann bestehende Besatzung sich nicht im Innern befindet, sondern es von zwei kleinen auf seinem Rücken befindlichen Sitzen aus steuert. Die zwei Sitze befinden sich am Heck hintereinander. Vor federn Sitz ist ein Welleiürrecher angebracht, unter dem sich die mit Leuchtzifferblättern ausgestatteten Steuerungen sowie ein Kompaß befinden. Die Be­satzung kann dadurch die Richtung auch bei voll­kommener Dunkelheit und unter Wasser einhalten. Der Antrieb des Sturmkampfmittels ist völlig ge- iräuschlos und gestattet wie bei einem U-Boot die -Fahrt sowohl an der Oberfläche als auch unter Wasser. Die beiden Besatzungsmitglieder stecken in Tauch er anziigen, die mit Sauerstoffappara- ien ausgerüstet sind.

Das Sturmkampfmittel wird von der Besatzung bis unmittelbar an das Ziel gebracht. Dort das ist der wesentliche Unterschied zwischen dem Sturm- fampfmittel und einem gewöhnlichen Torpedo löst die Mannschaft denVord erteil desFahr­zeuges", der die Sprengladung enthält, vom Heck los. Dieser Vorderteil wird vermittels einer beson­deren Vorrichtung am Kiel des feindlichen Schiffes angebracht. Sodann wird der Zeit­zünder auslöst, der diesen nunmehr in eine Mine verwandelte Torpedo im gegebenen Augen­blick zur Explosion bringen wird. Der jetzt von seiner gefahrvollen Sprengladung befreite Hinter­teil des Sturmkampfmittels tritt dann schleunigst tn untergetauchtem Zustand die Rückfahrt an, um zu seinem U-Boot-Mutterschiff zuruckzukehren. Die Besatzungen dieser Sturmkampfmittel bestehen durch-

Aus aller Wett.

Berühmter Rosenzüchter gestorben.

Im Alter von 90 Jahren starb in der Rosenstadt Sangerhausen Professor Ewald ®nau, der Gründer und Betreuer des weltberühmten Rosa- riums, eines großen Versuchs- und Dttlstergar- tens für Rosenkultur. Er hatte auch die Geschäfts« führung des Vereins der deutschen Rosenfreunde und redigierte die Rosen-Zeitung.

Italienisches Hotel abgebrannt

Einem Großfeuer ist das auf dem 1500 Meter hohen Mottarone bei Strefa am Lago Mag« aiare gelegene Hotel Mottaro ne-Delta zum Opfer gefallen. Bisher wurden sechs verkohlte Leichen geborgen, doch bleibt zu befürchten, daß unter den rauchenden Trümmern noch weitere Opfer ne gen. Der Schaden beläuft sich auf rund 5 Millionen Lire, wozu noch die Schäden der Gäste des voll­besetzten Hauses kommen. Die Ursachen des Bran­des sind noch unbekannt. x

Lawinen in der Schweiz.

Die Eisenbahnlinie Martigny Chate* l a r d ist durch den Niedergang schwerer Lawinen blockiert worden. Riesige Schneemafsen türmen sich auf den Geleifen. Auch bei Sion mußte infolge Schneefalles der Postdienst ausgesetzt werden. DlS Briefpost wird im Schlitten ausgetragen. Für viels Ortschaften kann die Post nur mit Saumpferden be­sorgt werden, da ein Befahren und Begehen nor» maler Wege unmöglich geworden ist.

Hitzewelle in Argentinien und Brasilien.

Südbrasilien und Nordargentinien werden von einer großen Hitzewelle heimaesucht. Die Tempera­tur stieg im Schatten bis auf 44 Grad, eine Hitze, wie sie feit 32 Jahren in dieser Gegend nicht mehr vorgekommen ist. Man hat deshalb Befürchtungen um die Ernte. In einem argentinischen Bahnhof ging ein Zug, der mit Heu beladen war, infolge der Hitze durch Selbstentzündung in Flammen auf. 3t Eisenbahnwagen wurden zerstört.

Kunst und Wissenschast.

Karl hestelbacher f.

In Baden-Baden ist der Schriftsteller Kirchenrai D. Karl Hesselbacher im 72. Lebensjahr ge­storben. Seine Kenntnis von Land und Leuten, in erster Linie des Bauerntums, bereicherte in dichte­rischer volksnaher Form die Heimatliteratur. Weit­hin bekannt wurde fein Name durch die.Veröffent­lichungSilhouetten neuerer badischer DichterEr war Ehrendoktor der Universität Heidelberg.

Hochschulnachrichten.

Dem Professor Dr. Friedrich Wentzlass« E g g e b e r t von der Preußischen Akademie bet Wisstnschaften in Berlin wurde die ordentliche Pro­fessur für deutsche Philologie an der Reicksunver- fität Straßburg verliehen. Der vor allem als Erforscher der Mathematikgeschichte hervorgetretene frühere Oberstudiendirektor Wilhelm Lorey voll­endet fein 70. Lebensjahr. In Frankfurt a. M. ge­boren wirkt er auch jetzt noch dort. Wir danken ihm denBriefwechsel von Leibniz mit Gießener Mathmatikern", wie Arbeiten über die Mathe­matik an der Universität Gießen und über dis mathematische Vergangenheit an der Universität Münster. Weitere Gegenstände seiner Untersuchun­gen sind: Eine Zahlenspielerei Kants, Jurist und Mahematik vor 200 Jahren, Lebensbeschreibungen bedeutender Mathematiker und deren Leistungen, z.B. von Gauß, I. L. Lagrange, L. Euler, Regio- montan, I. I. Bernouilli, auch babylonische Kehrt- werttafeln lld. a. Im 84. Lebensjahr starb in Berlin Geh.Regierungsrat Dr.-Jng. Joses Brix, ehemaliger Ordinarius an der T. H. Berlin. Aus Rosenheim (Oberbayern) stammend, hatte Drix nach langjähriger praktischer Tätigkeit als Ingenieur feit 1904 an der T. H. Berlin den Lehrstuhl für städti­schen Tiefbau (Straßenbau, Wasserversorgung und Entwässerung der Städte, Städtebau) inne. Die Technische Hochschule München ernannte ihn zum Ehrendoktor, die T. H. Berlin zum Ehrenbürger und Ehrensenator. Der Ordinarius für Augenheil- künde an der Universität Marburg, Professor Dr. Wilhelm Grüter wurde wegen der erfolgreichen Behandlung des spanischen Ministers für öffent­liche Arbeiten, Alfonso Pena-Boeufs, zum Korre­spondierenden Mitglied der Königlich Spanischen Akademie der Medizin und zum Ehrenmitglied bei? . Sociedad-Oftalmologica Hispano-Americana er­nannt. Grüter ist bekannt durch seine Forschungen , auf dem Gebiete der herpethifchen Hornhauterkrant , tungen. Es gelang ihm, durch eigene operative Me- : thoden einzelnen Blinden das Augenlicht wiederzitt - geben. Die Universität Heidelberg hielt eine Ge» dächtnisseier für den verstorbenen großen Chirurgen t Martin Kirschnerab, bei der fein Nachfolger Dr.

* Heinrich Bauer die Gedächtnisrede hielt.

die sich formell in den Kampf gegen die Achien- mächte einschaltet. Man macht aber einen Unter­schied zwischen der Regierung Nuri Said, die, völlig von London abhängig, weisungsgemäß den Krieg erklärt hat, und dem irakischen Volk, das gefühlsmäßig mitfeinen Wünschen keineswegs auf Seiten der angelsächsischen Staaten steht. Die formelle Kriegserklärung ändert also an dem tatsächlichen Stand der Dinge im Verhältnis zwischen dem Irak und den Achsenmächten nichts und beeinflußt insbesondere in keiner Weise bas militärische Kräfteverhältnis. Man glaubt auch nicht, daß die anderen arabischen Völker sich durch ein derartiges Manöver ein zweites Mal täuschen lassen, da die Araber ihre Erfahrungen mit eng« jjschen Zusagen aus dem vorigen Kriege noch keines­wegs vergessen haben.

König Faruk lehnte den Kriegseintritt Aegyptens ab.

Ankara, 18. Jan. .(Europapreß.) Nach den Kairoer Besprechungen des Königs von Transjor- hanie^i Abdullah und des irakischen Minister- siräsiÄnten Nuri Said versuchten die britischen Diplomaten, in Verhandlungen mit der Regierung R a h a s Pascha, auch den Kriegseintritt Aegyptens zu erreichen. Während sich Ministerpräsident Nahas Pascha bis zu einem gewissen Grade gefügig zeigte, scheiterte der ägyptische Kriegseintritt schließlich am täte gor if djen Widerspruch König Fa­ruks. Es kann jedoch kein Zweifel bestehen, daß die britische Diplomatie weiter bemüht ist, den Kriegseintritt Aegyptens zu erreichen, und daß Nahas Pascha geneigt bleibt, den britischen Wün­schen entgegenzukommen, wenn von drittscher Seite Entsprechende Garantten für die ägyptische Sou­veränität in der Nachkriegszeit gegeben werden. Andererseits soll der König nach wie vor die Auf­fassung vertteten, der Kriegseintritt Aegyptens dürfe nicht Gegenstand eines politischen Geschäftes fein, das erhebliche Risiken für das Land in sich berge.

Waffen für Ibn Gand gegen wirtschaftliche Konzessionen.

S 0 f i a, 18. Jan. (Europapreß.) Der für die Ver­sorgungsfragen des mittleren Ostens zuständige britische Minister, Lord Moyne, hat mit König Ibn Saud einen Vertrag abgeschlossen, wonach gegen Gewährung von wirtschaftlichen Konzessionen in Saudi-Arabien an die faudistische Armee 20 000 Gewehre, 10 Geschütze, Ausrüstungsgegenstände, Me­dikamente und 30 000 Tonnen Lebensmittel geliefert werden. Auch der nordamerikanifche Gesandte in Kairo, Kirk, hatte eine Besprechung mit dem König über die Erdölquellen in Saudi- Arabien.

AUF MÖNCKEBERO ist diel "Teufel tos,

ROMAN VON OLAF BOUTERWECK

18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Als Sigrid mit ihrem Bericht schließlich zu Ende war, fragte Raucheisen:Sie Haden doch wahr­scheinlich eine Liste jener Bücher, die Professor Beierfeld von Ihnen übernahm?"

blieb. Später erhöhte der Professor dann von sich aus sein Angebot auf dreitausend Mark mit der Begründung, daß für ihn außer dem antiquarischen und wissenschaftlichen noch ein gewisser Liebhaber- wert hinzukomme, und daß er mich in keiner Weise übervorteilen wolle. Er bestätigte mir dann schrift­lich, daß mit Zahlung dieser Summe fünfundreißig namenllich angeführte Bücher in seinen Besitz übejr- gegangen seien. Für die restlichen fünfzehn Werke, die ihm inhaltlich unbekannt waren, erbat er sich eine längere Frist, um sie in Ruhe prüfen und ge­gebenenfalls einen angemessenen Preis festsetzen zu können."

Ja, ich habe die Lifte mitgebracht, Herr Korn- miffar!" fiel Sigrid ein. Sie öffnete ihre Hand­tasche und reichte Raucheisen einen zusammengefal­teten Bogen.

Der Kommissar las die Liste aufmerksam durch. Es handelte sich ausschließlich um sehr alte Werke, deren Verfasser schon seit Jahrhunderten tot waren. Die Bücher trugen vielfach lateinische und mittel­hochdeutsche Titel.

Wie kam es, Fräulein von Münckeberg, daß Sie diese Bücher gerade dem Professor Beierfeld anboten?"

,Hch habe sie ihm ja gar nicht unmittelbar an- geboten! Als ich nach dem Tode meines Vaters fast mittellos dastand, mußte ich mich zum Verkauf eines Teiles der Bibliothek entschließen. Aus meine Anzeige in einem Fachblatt bekam ich unter ande­ren auch eine Anfrage von Professor Beierfeld, und er war dann derjenige, der mir noch der Be­sichtigung von allen den Anfragern das höchste An­gebot machte."

Darf ich wißen, wieviel Professor Beierfeld Ihnen für diese Bücher gezahlt hat?"

Ursprünglich bot er mir für die fünfzig wert­volleren Werke, die ja überhaupt nur in Frage

Wahrscheinlich ein Trick des guten Professors! dachte Raucheisen. Auf diese Weise erhielt er die Verbindung mit Sigrid aufrecht und damit die Möglichkeit, seinen Plan in bezug auf Sigrid und Axel vielleicht doch eines Tages verwirklichen zu können. Raucheisen hatte ferner den Eindruck, daß sich der Professor bet der Wertermittlung der ge­kauften Bücher mehr von persönlichen als litera- risch-wissenschafttichen Erwägungen hatte leiten las­sen; denn der gezahlte Preis erschien Raucheisen erstaunlich hoch. Aus diesen Gedanken heraus fragte er:Waren Sie eigentlich öfter hier im Haufe, Fräulein von Mönckeberg?"

Ja, etwa vier- oder fünfmal! Zwischendurch rief Professor Beierfeld mich wiederholt an und besprach diese und jene Einzelheit mit mir. Und er war dabei stets außerordenllich liebenswürdig und gütig zu mir."

Trafen Sie hier im Haufe bei Ihren Besuchen auch mit Herrn Holm zusammen?"

Nur einmal, Herr Kommissar, und zwar bei meinem ersten Besuch vor etwa fünf Monaten. Professor Beierfeld muß übrigens sehr an feinem Neffen gehangen haben, denn er sprach sehr häufig und stets mit großer Liebe von ihm ... Heute sah ich Herrn Holm zum erstenmal wieder."

Wann haben Sie denn den Professor zum

kamen, zweitausend Mark an, während das Gebot der übrigen Kauflustigen nicht einmal die Hälfte _________ , ....

tpefer Summe erreichte, meist aber weit darunter letztenmal gejehen, Fräulein vorr Mönckeberg?'

Sigrid dachte eine Weile nach.

Das ist schon ziemlich lange her", antwortete sie überlegend.Etwa sieben oder acht Wochen. Allerdings hatte er mich für einen Abend der ver­gangenen Woche eingeladen, aber ich mar im letzten Augenblick leider verhindert und mußte noch tele­phonisch absagen."

An welchem Tage war das?" fragte Raucheisen schnell.

Am Samstag, Herr Kommissar."

So am Samstag", wiederholte Raucheisen nachdenklich. Am Samstag hatte Professor Beier­feld auch Axel Holm zu sich gebeten; es war also offensichtlich, daß der Gelehrte an diesem Abend einen entscheidenden Vorstoß zur Verwirklichung seines Lieblingsplanes beabsichtigt hatte. Damit war Axel Holm allerdings in dem einen Punkte entlastet; denn die Meinung, daß bei dem letzten Zusammensein zwischen Beierfeld und seinem Nef­fen eine ernste Auseinandersetzung wegen der Erb­schaft stattgefunden haben könnte, ließ sich jetzt kaum noch länger aufrechterhalten. Die Gründe für die Begegnung waren ja jetzt aufgedeckt.

Raucheifen führte das Gespräch wieder auf den merkwürdigen Einbruch bei Sigrid zurück. Irgend­wie schien ja tatsächlich zwischen diesem Einbruch und der Ermordung des Professors, die genau vier­undzwanzig Stunden spater erfolgte, ein ursäch­licher Zusammenhang zu bestehen.

Auf Grund seiner langen Erfahrungen lehnte Raucheifen denZufall" ab; er hielt ihn zumindest für unwahrscheinlich, denn er wußte, daß Zufälle immer nur durch das unmittelbare und genaue Zu­sammentreffen zweier oder mehrerer Reihen von Ursachen und Wirkungen entstehen können.

War es nur ein Zufall, daß Sigrid am Abend des Einbruchs entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit nicht zu Hause war, weil siezufällig" mit einem jungen Studenten ausging, derzufällig" mal für zwei Tags w Berlin weilleL"

Raucheisen fragte Sigrid eingehend über Frank Duderstädt aus; aber was er da hörte, ließ weder einen Verdacht auf den jungen Studenten zu, noch brachte es überhaupt einen Lichtblick in die ganze rätselhafte Angelegenheit.

Während Raucheifen sich noch mit diesem Gegen­stand beschäftigte, wurde plötzlich die Haustür ge­öffnet, und der Schupo, der gerade am Gartentor Wache stand, kam herein.

Dicht hinter ihm schritt der Sekretär und Diener Otto mit einem großen Koffer in der Hand.

,Herr Kommisfar", sagte der Schupo,dieser Herr behauptet, daß er hier im Hause erwartet wird."

Stimmt! Danke schon gut!"

Der Polizeibeamte entfernte sich, und Otto traf langsam näher. Er warf dem Kommissar einen nicht gerade freundlichen Blick zu und machte dann vor der jungen Dame, die ihm bekannt war, höflich eine tiefe Verbeugung.

Sigrid konnte ihr jähes und tiefes Erschrecken nicht verbergen, als sie so unoorbereitet in das von gräßlichen Narben entstellte Gesicht des Mannes blickte.

Otto biß sich auf die Lippen: er wandte schnell den Kopf fort und sah den Kommissar fragend an.

Gehen Sie dort hinein!" sagte Raucheisen, in* dem er auf die Tür zur Bibliothek zeigte.

Schrecklich!" sagte Sigrid leise, nachdem Otto die Tür hinter sich geschlossen hatte.Wer ist der Mann?"

Raucheisen gab ihr einige kurze Erklärungen, unt sich dann sofort roieber dem unterbrochenen Gespräch über Frank Duderstädt zuzuwenden ...

Als der Kommiffar zehn Minuten später in ziem­lich schlechter Laune die Bibliothek wieder betrag war Axel gerade dabei, sich die Krawatte zu bin­den. Otto stand vor ihm und hielt ihm einen Hand­spiegel, während Stobbe scheinbar teilnahmslos ant Schreibtisch saß und eine Zigarette rauchte»

(Fortsetzung jolM