Ne
Burg Gleiberg
Verdunkelungszett:
18. Mar von 22.14 bis 4.51 Uhr.
Nach einer Teilung der Grafschaft Gleiberg 1104 erbaute der Besitzer der Osthälfte den runden Bergfried mit seinen im Fundament vier Meter dicken Mauern. (Der Eingang zu diesem befand sich in fjalber Turmeshöhe; der.' jetzige Eingang wurde 1837 gebrochen.) Die beiden letzten Grafen des ältesten Gleiberger Geschlechtes waren Wilhelm, der Gründer der Wasserburg Gießen, und Otto, der Stammvater der Solmser Grafen. Einen großen Teil des Gleiberger Besitzes brachte alsdann Wilhelms Tochter Irmgard durch Heirat an die Merenberger, die in fünf Generationen die eigentliche ritterliche Glanzzeit des Gleibergs repräsentieren. Der wuchtige Merenbergerbau entstand: mancherlei andere B-auten und Verbesserungen erhöhten die Sicherheit der Burg. — In jene Zeit heL auch die Errichtung der Vetzburg als wichtiges Vorwerk des Gleibergs.
Mit Hartrad VI. Harb 1328 das Geschlecht der
Dies Gespräch hatte eine Zuhörerin gehabt: die junge Frau- welche zu ihrem Vater wollte, hatte vor der halboffenen Tür des Bruders Namen gehört und war aufhorchend stehengeblieben. Jetzt flog sie, ohne einzutreten, die Treppe wieder hinauf nach ihrem Wohnzimmer, wo eben ihr Mann, am Fenster sitzend, sich zu besonderer Ergötzung eine Havanna aus dem Sonntagskistchen angezündet hatte. ,^Heinz!" rief sie jubelnd ihnri entgegen, wie vorzeiten ihre Mutter es gerufen hatte, „Nachricht von Hemz? Er lebt, er wird bald bei uns sein!" Und mit überstürzenden Worten erzählte sie, was sie unten im Flur erlauscht hatte. Plötzlich aber hielt sie inne und sah auf ihren Mann, der nachdenklich die Rauchwölkchen vor sich hinblies.
(Fortsetzung folgt.)
,^)a, Nachbar" — und des Erzählers Stimme wurde leiser — ,cha hat John Smidt gesagt, er heiße eigentlich Heinz Kirch, und. ob er denn auch nun noch etwas von ihm kaufen wolle. — Sie wissen es ja, Nachbar, unsre Jungens geben sich da drüben manchmal andre Namen, Smidt oder Mayer, oder wie es eben kommen mag, zumal wenn's mit dem Htuerwechsel nicht so ganz in Ordnung ist. Und dann, ich bin ja etft seit sechzehn Jahren hier: ober, nach Hörensagen, es muß Ihrem Heinz schon ähnlich sehen, das!"
Hans Kirch nickte. Es wurde ganz still im Zimmer, nur der Perpendikel der Wanduhr tickte: dem alten Schiffer war, als fühle er eine erkaltende Hand, die den Druck der seinigen erwarte.
Der Krämer brach zuerst das Schweigen. „Wann wollen Sie reisen, Nachbar?" frug er.
.-Heute nachmittag", sagte Hans Kirch und suchte sich so gerade wie möglich aufzurichten.
— „Sie werden gut tun, sich reichlich mit Gelde 3U versehen: denn die Kleidung Ihres Sohnes soll just nicht im besten Stande sein."
Hans Kirch zuckte. „3a, ja; noch heute nach, mittag."
Ahe Veranstaltung ausklang. — 6U00 Arbeiter und Arbeiterinnen gingen beglückt und neu gestärkt wieder an ihr Tagewerk.
Das Jubiläum des Darmstädter Mozart-Vereins.
Der Mo z ar t- V e re i n Darmstadt beging den Tag seines 100jährigen Bestehens mit einem Jubi- laumskonzert im Städt. Saalbau, dem tags zuvor eine Jubiläumssitzüng vorausgegangen war, in der Prof. Dr. K o e s e r als Vorsitzender die Geschichte des Kerems m großen Zügen gezeichnet hatte. Die Glückwünsche des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger überbrachte Regierungsrat Dr. Zeh, der gleichzeitig mitteilte, daß dem Verein die goldene Zelter-Plakette verliehen sei. Oberbürgermeister Wamboldt überreichte als Jubiläumsgabe die Ehrenmunze der Stadt Darmstadt.
Gemahlin Kaiser Heinrichs II.). Ein Sohn aus dieser reich mit Kindern gesegneten Ehe war Giselbert, dessen Söhne Konrad und Hermann II. eine Rolle spielen. Ersterer starb 1086 und hinterließ als Witwe Clementia, die 1129 vom Gleiberg aus "das Augustinerkloster Schiffenberg stiftete, welche Stiftung später die Gründung der Stadt Gissten veranlaßte. Hermann war jener Pfaffen- oder Knoblauchskönig, der Gegenkönig Heinrichs IV. Ein weiterer Sohn Friedrichs von Luxemburg, Hermann, hatte zwei Söhne, Hermann und Friedrich, die sich unter den Empörern gegen den jungen Kaiser Heinrich IV. befanden, ©ie mußten sich aber 1057 der Kaiserin-Mutter Agnes als Vormünderin gelegentlich des Kaiserlichen Heereszuges durch die Wetterau unterwerfen. Hermann wurde später ein treuer Freund ^Heinrichs IV. und führte ob seines entscheidenden Schlages gegen die Sachsen den.91 a- män „Unstruthelü". Unter seine Nachkommen fiel 1103 die Eroberung der Feste Gleiberg durch den nachmaligen Kaiser Heinrich V. Hierbei wurde Ne erste Burganlage, der starke viereckige Wehr- und Wohnturm, zerstört.
HM M Heinz Mch
Novelle von Meoüor Storm
8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Was die verakkordieren, Hans? Ja, leihst du mir -jetzt die hundert Taler, wenn ich dir's erzähle?"
Er wandte sich jetzt wirklich, um ins Haus zu treten.
„Nun, bleih nur!" rief sie. „Du sollst's umsonst zu wissen kriegen: dein Heinz ist wieder da!"
Der Alte zuckte zusammen. „Wo? Was?" stieß er hervor und fuhr mit dem Kopf nach allen Seiten. Die Speckhökerin sah mit Vergnügen, wie seine Hände' in den weiten Taschen schlotterten.
„Wo?" wiederholte sie und schlug den Bruder auf den krummen Rücken. „Komm zu dir, Hans! Hier ist er noch nicht;, aber in Hamburg, beim Schlafbaas in der Johannisstraße!"
Hans Kirch stöhnte. „Weibergewäsch!" murmelte er. „Siebzehn Jahre fort; der kommt nicht wieder — der kommt nicht wieder."
Aber die Schwester ließ ihn nicht los. „Kein Weibergewäsch, Hans! Der Fritze Reimers, der mit ihm in Schlafstelle liegt, hat's nach Haus geschrieben!"
„Ja, Jule, der Fritze Reimers hat schon mehr gelogen!"
Die Schwester schlug die Arme unter ihrem vollen Busen umeinander. „Zttterst du schon wieder für deinen Geldsack?" rief sie höhnend. „Ei nun, für dreißig Reichsgulden haben sie unfern Herrn Chri- ftus verraten, so konntest du dein Fleisch und Blut auch wohl um dreißig Schillinge verstoßen. Aber jetzt kannst du ihn alle Tage wieder haben! Ratsherr freilich wird ec nun wohl nicht mehr werden: du mußt ihn nun schon nehmen, wie du ihn dir selbst gemacht hast!"
Aber die Faust des Bruders packte ihren Arm: feine Lippen hatten sich zurückgezogen und zeigten
. .»Das freilich, Nachbar, und er hat auch diesmal fein eigne Schande nach Haus geschrieben Beim ^chlafbaas in der Johannisstraße haben sie abends in der Schenkstube beisammen gesessen, deutsche Seeleute, aber aus allen Meeren, Fritze Primers und noch zwei andre unsrer Jungens mit dazwischen. Nun haben sie geredet über woher und wohin: zuletzt, mo ein jeder von ihnen denn zuerst die Wand beschnen habe. Als an den Reimers dann die Reihe gekommen ist, da hat er — Sie kennen's ja wohl, Nachbar — das dumme Lied gesungen, worin sie den großen Fisch an unserm Rathaus in einen elenden Vüttt- verwandelt haben; kaum aber ist das Wort herausgewesen, so hat vom andern Ende des Tisches einer gerufen: ,Das ist kein Bütt, das ist der schwänz von einem Butzkopf", und der ist doppelt 1° lang, als Arm und Bein bei dir zusammen!'
„Der Mann, der das gesprochen hat, ist vielleicht um zehn Jahre älter gewesen als unsere Jungens, die da mitgesessen, und hat sich John Smidt ae- nannt.
"Fritze Reimers aber hat nicht geantwortet sondern weiter fortgesungen, wie es in dem 'Liede heißt: KUnb sie handeln, sagt er, da mit Macht, sagt er; hab'n zwei Böte, sagt er, und ne Jacht!'"
"Der Schnösel"!" rief Hans Kirch, „und fein Vater hat bis an feinen Tod auf meinem Schoner gefahren!"
„3a, ja, Nachbar; der John Smidt hat auch auf Den Tisch geschlagen. .Pfui für den Vogel, der sein eigen Nest beschmutzt!'"
„Recht so!" sagte Hans Kirch; „er hatte ihn nur aus seinen dünnen Schädel schlagen sollen!"
„Das tat er nicht; aber als der Reimers chm zugerufen, was er dabei denn mitzureden habe, da
Hans Kirch hatte des andern Arm gefaßt. „Da?" wiederholte er.
12 Eine kleine Scholle.
13 Ein großer Fisch von der Familie der Wale. 11 Junger Lasse.
!°d°ch das G-g-nteil beweist, /rucy oer -oet) von Tunis hatte es im Vertrauen ”1?** englisch-amerikanischen Versprechungen ab" bringen. L
1 cSLuföoIferyn« Tunesiens, die sich eng mit ihrem Herrscher verbunden fühlt, muß nun erkennen, daß sie das neueste Opfer der a r a b er feindlichen Bestrebungen des inter' s en Judentums geworden iit
freien.3ntete,[en 8onion und Washington ver-' weiter gemeldet, daß sechs *r “ ” ^fische Verwaltungsbeamte vom Kriegsgericht in Nordafrika zum Tode verurteilt worden sind, weil sie der Regierung des Marschalls Pötain loyal ergeben
Der Antisemitismus in England.
„Eine recht volkstümliche Angelegenheit." , Genf, ^17. Mai. (DNB.) Der auch in Eng. IhV1 d^ch.brechende Antisemitismus äußert N?",Einigen weiteren Zuschriften an englische -Immer wieder wird darin sest- mnn *'• .England die antisemitische Stimmten Ochentlichkeit im Zunehmen be-
es m einem von der Wochen- verbreiteten offenen .rief, der Antisemitismus ei in letzter Zeit zu einer recht volkstümlichen Angelegen.
V.r" Äan«5S>?r)>e'L- Sorttaufenb finde man her 8 ?rhIel Uhb Zuschriften, in denen
öer Versuch unternommen werde, der wachsenden Ju de n f eind lichke11 auf den Grund zu gehen und ihre Ursachen aufzudecken. Dabei fei stets von dem herausfordernden. Benehmen, das der jüdischen Rasse eigen sei die Rede. Den Hauptanstoß erreg- ten vor allem die aus dem Ausland zugewanderten Juoen.
Dreimal Lustalarm in London.
Stockholm 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Emer Reutermeldung zufolge wurde in London in ber Nacht zum Dienstag dreimal Luftalarm gegeben
das noch immer starke, vollzählige Gebiß. „Nero!" schrie er mit heiserer Stimme in die offene Haustür, während sogleich das Aufrichten des großen Haushundes drinnen hörbar wurde. „Weib, verdammtes, soll ich dich mit Hunden von der Tür hetzen!"
Frau Jules sittliche Entrüstung mochte indessen nicht so tief gegangen fein; hatte sie doch selbst vor einem halben Jahr ihre einzige Tochter fast mit Gewalt an einen reichen Trunkenbold verheiratet, um von seinen Kapitalien in ihr Geschäft zu bringen: es hatte sie nur gereizt, ihrem Bruder, wie sie später meinte, für die hundert Taler auch einmal etwas auf den Stock" zu tun. Und so war sie denn schon dabei, ihm wieder gute Worte zu geben, als vom Markte her ein älterer Mann zu den Geschwistern trat. Es war der Krämer von der Ecke gegenüber. „Kommt, Nachbar", sagte dieser, indem er Hans Adams Hand faßte, „mir wollen in Ihr Zimmer gehen; das gehört nicht auf die Straße!"
Frau Jule nickte ein paarmal mit ihrem dicken Kopfe. „Das mein' ich auch, Herr Rickerts", rief sie, indem sie sich mit ihrem Krückstöcke nach der Sttaße hinunterfühlte; „erzählen Sie's ihm belfer; feiner Schwester hat er es nicht glauben wollen! Aber, Hans, wenn's dir an Reisegeld nach Hamburg fehlen sollte?"
Sie bekam,keine Antwort; Herr Rickerts trat mit dem Bruder schon in dessen Zimmer. „Sie wissen es also, Nachbar!" sagte er; „es hat seine Richtigkeit; ich habe den Brief von Fritze Reimers selbst gelesen."
Hans Kirch hatte sich in seinen Lehnstuhl gesetzt und starrte, mit den Händen auf den Knien, vor sich hin. „Don Fritze Reimers!" frug er bann. „Aber Fritze Reimers ist ein Wind sack,' ein rechter Weißfisch"!"
10 Sie will ihm AnlagegeÜ) geben, damit er ihr etwa später nicht noch einmaf aus Geiz die Taler verweigert.
11 Windbeutel.
Jahre Nasjonal Sämling.
(Europapreß.) Die norwegische Hauptstadt stand am Sonntag im Zeichen des zehnjährigen Bestehens des Nasjonal Sämling. Die Feierlichkeiten wurden mit einem Empfang beim Ministerpräsidenten Quisling em geleitet, an dem deutscherseits Reichskommissar £ e r b o v e n mit seinen engsten Mitarbeitern teilnahm Vor dem Osloer Schloß fand ein feierlicher Appell statt, zu dem Abordnungen der Germanischen -- Norwegen, der verschiedenen Gliederungen von Nasional Sämling und der norwegischen Polizei angetreten waren. Unter den Ehrengästen be- fanben sich eine Reihe deutscher und norwegischer Persönlichkeiten sowie mehrere verwundete norwegische Frontkämpfer. Im Mittelpunkt des Appells stand eine Ansprache von Ministerpräsident Quisling, in der er die kämpferische Zielsetzung von Nasional Sämling barlegte. Anschließend marschierte Me Verbände von Nasjonal Sämling durch die feierlich geschmückten Hauptstraßen Oslos.
54 Millionen für das ORK.
Berlin, 17. Mai. (DNB.) Die am 18. April 1943 durchgeführte erste Haussammlung des Kriegs- winterhilfswerkes für das Deutsche ' Rote Kreuz hatte ein vorläufiges Ergebnis von 54 093 916,23 RM. Bei der gleichen Sammlung des Vorjahres wurden 43 633 462,36 RM. aufgebracht. Die Zunahme beträgt somit 24 v. H.
Kunst und Wissenschaft.
Hochschulnachrichlen.
Das goldene Doktorjubiläum begeht Professor Dr. O. I a n s o n , der bekannte Zoologe der Universität Köln und Direktor des dortigen Naturhistorischen Museums, jetzt in Bonn: er wurde in Marburg am 16. Mai 1893 zum Dr. phil. promoviert. Danach war er von 1893 bis '1896 Assistent am Marburger Zoologischen Institut. Er ist der Dichter des preisgekrönten vielgesungenen Liedes, das er der Marburger Hochschule zu ihrer Jubelfeier im Jah?e 1927 widmete.
Ungarisches Gastspiel in Frankfurt.
Die elegante Komödie „Blaufuchs" des Ungarn Franz Herczeg erlebte in neuer Bühnengestaltung von Theodor A b o n y vom Nationaltheater Budapest als Gast eine Aufführung, die auch durch das Bühnenbild von Janos Horvath (Budapest) eine künstlerische Auffrischung des vielgespielten Stückes bot. Prachtvoll war der Blick über Brücken und Wasser auf die ungarische Donaustadt. Den Pros.
1837 gründete sich der Gleibergverein, der im Lause von nun über hundert Jichren den Glei. berg zum rechten Wahrzeichen unserer Gegend erhob und in das öffentliche Blickfeld rückte. Professor Dr. Hugo von R i t g e n , der bekannte Wieder- Hersteller der Wartburg, werkte auch auf Burg Gleiberg zu ihrer stilgerechten Ausgestaltung. 1879 ging das Eigentumsrecht der Burg vom preußischen Staat auf den Gleibergverein üb§r, der das ihm anvertraute Gut als ein heimatliches Kleinod hegt und pflegt zum Nutzen und zur Freude aller Volkskreise. E. Praß.
$ür unsere Verwundeten.
Das größere Leid.
Jedem von uns hat dieser Krieg seine Last auf- gebürbet. Und jeder glaubt von sich, daß er am schwersten daran zu tragen habe. Der Mensch sieht nun eben zuerst einmal alles aus dem Gesichtswinkel seines eigenen, engbegrenzten Lebenskreises heraus, und das ist verständlich. Ein Leid, das ihn oder seine Nächsten betroffen hat, schmerzt ihn mehr als das Unglück, das dem Nachbarn Wunden schlug. Mag jener auch ungleich schwerer heimgesucht worden sein, — das eigene Leid lähmt das Mitgefühl, das er sonst vielleicht dem Betroffenen entgegengebracht hätte. So aber sieht es aus, als verschlösse 61 sich 9egen die Tränen des anderen und erwarte allein für sich Anteilnahme.
Auch bas Leid sollte ein Lehrmeister sein. Gewiß ssi die (Eigenliebe, die es im Gefolge hat, menschlich begreiflich, aber sie führt-zwangsläufig zur Un- gerechtlgkett gegenüber ber Umwelt. Man soll nicht glauben, daß bas eigene Schicksal das Gleichgewicht der Umgebung erschüttert, ebensowenig wie man annehmen darf, daß es sie unberührt läßt. Wenn man aber meint, die letztere Feststellung machen zu müssen, dann sollte man sich stets fragen, ob nicht anderswo doch größeres Leih ist, gegen das ber eigene Kummer kleib wird. Auch im Leid sollte man immer erst der anderen gedenken, ehe man Mitleid für sich erwartet. Denn wie schwer hat es manche getroffen! Und wie tapfer tragen sie es, die oft sogar den weniger Geprüften noch Tröster werden, jenem die vielleicht nur materiellen Verlust nach einem Terrorangriff beklagen.
Paulus spielte Adolf Peter Hoffmann, feinen Freund Sandor Fritz Saalfeld. Cläre Kaiser war „ungarischer" als Elinor yon Wallerstain, und völlig „budapestisch" schien uns ünd anderen der Baron Tritt, den Konrad Georg mimte. Es .gab herzlichen Beifall und einen Lorbeerkranz der Stadt Frankfurt für die ungarischen Gäste. Ludwig Beil.
Diener Philharmoniker unter Furtwängler vor 6000 Rüstungsarbeitern.
Wilhelm Furtwängler dirigierte am Mon- taa ein Konzert der Wiener Philharmoniker in ber Werkhalle eines großen Berliner Rüstungsbetriebes Schuberts „Unvollendete" und Richard Sttauß' „Till Eulenspiegels lustige Streiche" begeisterten alle Hörer. Die Künstler und ihr Dirigent konnten sich nur durch eine Zugabe loskaufen: Den Strauß - schen „Frühlingsstimmen-Walzer", mit dem die fest-
Am Mittwoch, 26. Mai, oergnftaltet die Studentenführung der Universität Gießen auf dem Gleiberg eine Schlageter-Gedenk- feier. Aus diesem Anlaß tritt der Gleiberg wieder einmal besonders in den Vordergrund.
Allenthalben steht die heimatliche Flur im Lenzes- fchmuck. In all der Pracht und Herrlichkeit, in all dem Grünen und Blühen zeigt sich ein Landschaftsbild, wie es anmutiger und reizvoller nicht zu denken ist: die Höhe des Gleibergs. Der wunderliche Gegensatz des ein Jahrtausend alten Ruinengemauers zu dem fvrießeüden Leben der Natur macht den Berg befonoers liebenswert. Weit- um reicht ber Blick: Teile bes Vogelsberges, bes Taunus, bes Westerwaldes und bes hessischen Hinter- lanbes, den ganzen Lahngau von Marburg bis Wetzlar und darüber hinaus kann überschauen, wer von dem Schloßhof oder dem über 30 Meter hohen Bergfried Rundschau hält. Und interessant wie die Fernsicht ist auch die Geschichte der Burg. Tausend- jahnge Heimatgeschichte, aufs engste verknüpft mit der deutschen Reichsgeschichle, steht gleichsam im basaltenen Stein der Burg Gleiberg eingeschrieben.
In den ersten Jahrzehnten nach 900 haben fränkische Grasen, die den Lahngau regierten, die erste Burganlage geschaffen. Vielleicht waren es Eberhard und Otto, die beiden Brüder des deutschen Königs Konrad I. (911 bis 918) oder deren Oheim Gebhard in ber Wetterau, bic sich hier auf beherrschender Höhe bes Lahnbeckens einen Stützpunkt schufen. Wahrend wir von Otto nichts wissen, war der andere Bruder Eberhard derjenige, der dem Aufttag seines sterbenden Bruders Konrad gemäß, dem Sachsenherzog Heinrich — unter persönlicher Verzichtleistung auf die Königswürde — die Reichskleinodien überbrachte (Heinrich am Vogelherd).
In die dunklen Anfänge ber Gleiberger Geschichte leuchtet als erster Lichtsttahl eine Urkunde, nach der ein gewisser Heribert als Besitzer bes Gleibergs zu erkennen ist. Dessen Tochter, unbekannten Namens, heiratete ben Grafen Friedrich von Lu^em- berg (die Schwester Friedrichs, Kunigunde, war die
Mvor klugerweise seine Tochter Gertrud mit bem Grafen Johann I. aus dem begüterten Hause von Nassau verlobt hatte. Mit ber Eheschließung 1333 aing bas Merenberger Besitztum im Gleiberger ßanb an Nassau über. Fortan gab es auf dem Gleiberg keine ständige Hofhaltung mehr. Er wurde Sitz der gräflichen Beamten des „Amtes Gleiberg". Nach 1550 entstanden der Nassauer und Albertus- bau ber Unterburg.
Bis fast zum Ende bes Dreißigjährigen Krieges blieb jegliches Ungemach ber Burg fern. Doch bann geschah die tragische Zerstörung im Frühfom- mer bes Jahres 1646, tragisch deshalb, weil die beiden in Fehde liegenden Herrschaften Hessen- Darmstadt und Hessen-Kassel die Kamvfhandlungen in das neutrale Gleiberger Amt des Nassauer Landes trugen. Die von den Darmstädtern besetzte und verteidigte Burg wurde von den kasselschen Truppen beschossen, belagert und schließlich erstürmt. Das stolze Merenberger Ritterschloß ging in Flammen auf; fein Ruinengemäuer ragt noch heute wie m stummer Anklage empor. Der Bergfried und die Bauten ber Unterburg blieben glücklicherweise erhalten.
Noch am Anfang bes 19. Jahrhunderts glich Burganlage einem Trümmerhaufen, aus bem die Einheimischen oft Steinmaterial für ihre Bauzwecke suchten. 1734 wurde die Amtsverwaltung nach Atzbach verlegt, und und es unterblieb die Instandhaltung ber unversehrten Gebäude. Der Gleiberg schlief einen Dornröschenschlaf, auch noch nach 1816, als Nassau-Weilburg die Herrschaft Gleiberg an die Krone Preußens abtrat; sie wurde bem neugebildeten rheinischen Kreis Wetzlar zugeteilt, der 1932 zur Provinz Hessen-Nassau kam, wodurch nun wieder Burg Gleiberg zum alten Nassauer Heimatland gehört.
Im Aufttage des Oberkommandos der Wehrmacht und in Zusammenarbeit mit bem Sonderreferat „Iruppenbetreuung" im Reichsministerium für Volksaufkläruna und Propaganda führte die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in hiesigen La- zaretten folgende Veranstaltungen durch: Mit der Dortragsfolge „Wien in Klang und Wort" wurden die Verwundeten in zwei Lazaretten erfreut. Die Sopranistin Grete Zoll fang Lieber von Schubert und Wiener Lieder. Kon^zertstücke von Mozart und Franz Ries spielte Ruth Pattberg (Violine). Die Begleltuna ber Künstler am Klavier hatte Fritz Malata übernommen, welche die Veranstaltung mit einem Straußschen Walzer eröffnete. Der Sprecher Dr. Max Wauer brachte Wiener Geschichten und allerlei Lustiges in echt Wiener Art. Starker Beifall dankte den Künstlern. — In einem Lazarett zeigte eine Künstlergruppe ein reichhaltiges Dari ete-PrograMm unter dem Motto „Dies und das ‘ für jeden etwas." Ernst Stade gab mit Humor unb Frohsinn die Ansage und war im Laufe ber Vortragsfolge ein luftiger Plauderer. Der 62jährige Ernesto Lenardo zeigte sich als ausgezeichneter Equilibrist. Tänze der verschiedensten Art führte Anny Jung vor. Die Sängerin Thessy Cordova erfreute mit ihren Liedern und Gesangsparobien. Eine luftige Sache war Thomasini als Schnellmaler unb Karikaturist. Einen Musikalakt am Xylophon boten die zwei Berrys. Thea und Ellen Reutinis brachten einen akrobatischen Kombinationsakt. Den Schluß bildete Eifa Traber, die ihre Kunst am Trapez zeigte. Den musikalischen Teil und die Begleitung der Künstler am Flügel hatte Marion Muhlmann übernommen. Die Künstler verstanden es, ben Verwundeten einige schöne Stunden ber Erholung zu bringen unb erzielten verdientermaßen tarfen Beifall. — Der Gesangverein Harmonie" Großen-Linden, gestaltete in einem Lazarett ein Konzert. Unter der Leitung von Chormeister Schütter, Gießen, wurden Chöre und Lieber von Seibert, Sonnet, Zerlett, Silcher unb Gorr ge-. ungen, die reichen Beifall auslösten. — Kinder ber Kindergruppe Mitte ber NS.-Frauenschaft besuchten unter Leitung ihrer Führerin Pgn. Beinlich die Verwundeten eines Lazarettes. Nach Gesang unb Flötenspiel der Schülerin Kasten wurden selbstgebastelte Maibäumchen auf die Zimmer gebracht—
Zu allen Vorstellungen im Laufe ber Woche M-r-nb-rg-r im öer »•*«*«*
Aus der Gia di Gießen.
. Qft es denn wirklich ein so großes Unglück, wenn einer feinen ganzen materiellen Besitz verliert? Es hat mal einer eine Antwort gegeben, die beispielhaft 'war. Ein Landser hatte erzählt, baß man ihm wahrend seines Fronturlaubs bas Haus zertrümmert hätte. Nichts war ihm von seinem einstigen Besitz geblieben. Und nun befand er sich wieder auf bem Wege nach Osten. „Wie furchtbar", beklagte ihn da eine Frau, „bann sind Sie ja jetzt ganz arm." Der Soldat sah sie an, bann ging ein Lächeln über fein Gesicht: „Arm, meinen Sie? Nein, reich bin ich trotzdem immer noch, liebe Frau!" ®r zog eine Photographie aus der Tasche und zeigte '^^^,^^enübersitzenden. ,^ch habe doch den noch! Alles andere ist nur ein Dreck dagegen." 2Iuf bem Bild war fein kleiner Junge, ein Knirps oon vielleicht zwei Jahren, auf den Armen ber Etter zu sehen. Und für diese beiden Menschen W er wieder an die Front.
Natürlich ist es nicht jedem gegeben, diesen Maß, stab an ben Wert ober Unwert der Dinge zu legen, aber man sollte sich in jedent Fall doch' vor Ueder- schatzung hüten, um nicht ungerecht zu werden.
Getetttes Leid ist halbes Leid, heißt es in einem schonen Hort. Denn geteiltes Leid ist kleineres Leid, müßte man es in dieser Zeit ergänzen. Und bas' ist es, was uns dieses Leid lehren soll: die Hilfe dessen, der selbst geprüft ist, ist doppelte Hilfe! Denn den größten Trost gibt ber, ben es selbst getroffen hat. Thtl


