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Me Lage im burmamsch-indischen Grenzgebiet.

Seit einigen Tagen hat sich die Kampftätigkeit im südlichen Abschnitt der Burma­front wieder belebt. In diesem Gebiet machte General W a o e l l vor einiger Zeit den vergeblichen Versuch, auf die von den Japanern besetzte Hafen­stadt A k y a b vorzustoßen. Die gegenwärtigen Kämpfe spielen sich in der Gegend von R a t h e - dang, 60 Kilometer nördlich von Burma am lin­ken Ufer des Mayu-Flusses ab. Innerhalb vyn 24 Smnden haben die Japaner das vor Rathedanq an­gelegte Derteidigungsyrerk der anglo-indischen Trup­pen aufgebrochen und sie zu einer Ruckverle- -gung ihrer Stellungen gezwungen. Damit beseitig­ten die Japaner die Bedrohung Akyabs von Norden her. ll^enn auch mit einem britischen Vorstoß wegen des Umschlagens des Monsuns und des dadurch her­vorgerufenen schlechten Wetters vorerst nicht zu rech­nen war, bestand die Möglichkeit eines britlscben Unternehmens gegen Akyab im Spätsommer Die Japaner haben inzwischen die Besatzung von Akyab verstärkt und umfangreiches NachschubmateMal aus dem Seeweg herangebracht Eine Landverbindung zwischen Akyab und dem Jrawadi-Tal besteht nicht. Der japanische Nachschub-durch den Golf von Ben­galen ist ein Beweis für die absolute Luft- und Seeherrschaft der Japaner in diesem Gebiet.

Die Geländebedingungen, mit tropischen Dschun­gelwäldern in entlang der Grenze verlausenden Ge- birgszügen ohne Querverbindungen, machen alle Operationen stärkerer Verbände und den Transport schweren Materials fast unmöglich. Dagegen ist auf, beiden Seiten die Luftwaffe äußerst rege mit dem Ziel, die Bodenorganisation der gegnerischen Luftwaffe zu zerschlagen und diese selbst möglichst niederzuhalten. Dabei beschränkt sich die bvittsche Luftwaffe aber nicht auf den legitimen Kampf gegen

japanische Flugplätze und andere militärische Ziele, sondern richtet fast täglich Terrorangrfffe gegen tue Wohnviertel, besonders von Rangun. Ebenso wie in Deutschland, verfehlen diese Angriffe aller- dings auch hier ihr Ziel, die Moral der Bevölke­rung zu brechen. Im Gegenteil, der Haß der Bur- manen gegen ihre Zwingherren von gestern wird dadurch nur stetig geschürt.

Im Norden der Burma-Front, inderProvinz A ü n n a n, erreichte der schwierige japanische Vor­marsch den Zipfel zwischen den Flüssen Salwin und Jrawadi, mit dem die Provinz Pünnan nach Burma hineinreicht. Die dortigen chinesischen Streit­kräfte sind einqekreist und gehen ihrer Vernichtung entgegen. Im Stromgebiet des Nu-Flusses (Oberlauf der Salwin), welcher in dieser Gegend in nordsüd­licher Richtung im großen und ganzen parallel zur Grenze auf chinesischem Gebiet verläuft, ist es den Japanern gelungen, beträchtliche örtliche Vorteile zu erringen, obwohl es sich um besonders schwieriges Gelände handelt: steile Berghänge mit undurch­dringlichem Urwald, bedeckt mit tief eingeschnittenen canonähnlichen Flußtälern. Straßen sind in diesem Gebiet so gut wie gar nicht vorhanden.. In den höheren Lgen liegt noch Schnee. Auf ihrem Vor­marsch fanden die Japaner zahlreiche Leichen , von Tschungking-Soldaten, welche auf dem Rückzug nach den Kämpfen des vorigen Jahres offenbar durch Hunger umgekommen waren. Der Befehlshaber der Tschungking-Truppen am Nu-Fluß hat dringend um Verstärkungen ersucht. In KweiliN haben Konferen­zen zwischen chinesischen Generalen und dem Kom­mandeur der nordamerikanischen Luftwafe in China stattgefunden, um diesen zum Einsatz von USA.- Flugzeugen an der Yünnan-Front zu veranlassen.

kraftung der Innenpolitik die Ursache dafür, daß die Ermüdungserscheinungen der Nach­kriegszeit nicht überwunden wurden. Die Kabinette Baldwins und Mac Donalds begnügten sich fast ganz mit der Verwaltung und verzichteten darauf, außenpolitische Ziele zu setzen und zu verwirklichen. Als Neville Chamberlain, bestimmt durch die Er­innerung an die glanzvolle Zeit seines Vaters, eine Außenpolitik wiederherzustellen versuchte, war es bereits zu s p ä t.

Der Krieg hat auch in England alle Kräfte wach­gerufen. Es überrascht daher nicht, daß die Eng­länder jetzt, da ihnen das Blut wieder schneller durch tue Adern pulst, auch versuchen, an ihre außenpolitische Tradition anzuknüpfen. Eine andere Frage ist, ob auch die Möglichkeit dazu besteht, ob die innenpolitischen Voraussetzungen vorhanden sind oder wenigstens In absehbarer Zeit geschaffen wer­den können. Aus diesmal findet sich wieder die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Politikern und Staatsmännern und dem parlamentarischen Organismus, nur daß diesmal das Schwergewicht unverkennbar auf Seiten der Individuen liegt. Da­mit soll nicht gesagt werden, daß England heute über eine große Schar bedeutender politischer Kopse verfügt. Aber der Verfall der Parteien ist so weit fortgeschritten, daß die wenigen Männer schwerer wiegen, als es früher der Fall gewesen wäre.

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen des po­litischen Lebens im heutigen England es, daß derjenige Mann, den die Nation als die tteibende Kraft ihrer Krieasanstrengungen betrachtet, einer Wiederbelebung der Außenpolitik hindernd t m Wege steht. Churchill ist an politischen Pro­blemen im Grunde uninteressiert. Er konnte n u r im Krieg Premierminister werden. Er beschäftigt sich nur mit der Führung des Krieges und wird mit dem Ende des Krieges wieder-von der Bühne abtreten. Er weiß das und hat daher für alles, was nach dem Kriege geschehen wird oder kann, nur sehr wenig Interesse. Außenpolitik kann sich aber heute nur mit Zukunstsproblemen befassen. Die Gegenwart dient allein nur der Führung des Krieges. Diese Veranlagung Churchills steht aber nicht nur unmittelbar der Wiederbelebung der Außenpolitik im Wege, sondern auch noch mittelbar dadurch, daß er die Bildung neuer Parteien oder die Reform der alten verhindert. Churchills Pro­gramm ist es, Krieg zu führen. Die Sammlung der Nation um Churchill stellt damit zwangsläufig eine befristete Einigung dar. Die Gruppen von morgen können sich nur um die Ideen von morgen bilden. Solche Ideen aber hat Churchill nicht.

Dieser eigenartige Zustand, der die Reformen des parlamentarischen'und des' innerpolitischen Lebens überhaupt verhindert, kann auch eine Wiederbele­bung der Außenpolitik unmöglich machen, sofern nicht genügend treibende Kräfte vorhanden sind, um trotz Churchill die Grundlagen einer neuen Außen­politik zu legen. Den' Ehrgeiz, dieses zu tun, hat zweifellos Anthony Eden. Daß er die Kraft dazu habe, wird in England von seinen Gegnern, deren Zahl besonders in maßgeblichen Kreisen nicht ge­ring ist, bestritten. Er müßte, wenn ihm seine Auf­gabe gelingen sollte, nicht nur außenpolitische Ideen und Grundsätze entwickeln und vertteten, sondern dazu auch in der innerpblitischen Arena eine Ge­folgschaft um sich versammeln können, welche ihm um dieser Ideen willen anhangt, und nicht nur um das nackte Leben zu retten.

England verteidigt seine Kolonien gegen die LlGA.

S t o ck h o l m. 17. März. (Eurovapreß.)Die 93er- waltung der britischen Kolonien muß auch weiter­hin einzig und allein in der Hand Groß­britanniens bleiben", erklärte Churchill unter lebhaftem Beifall des Unterhauses und fügte hinzu, daß die britische Regierung für ihre Kolonien die weitgehendste politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungsmöglichkeit innerhalb des bri­tischen Empire-und in enger Zusammenarbeit mit den benachbarten und befreundeten Nationen wahrnehmen wolle. Damit hat Churchill gegenüber dem Roosevelt-Imperialismus die Haltung der bri«

tischen Regierung in der Kolonialfrage festgelegt. Der britische Kolonialminister Oliver Stanley hatte be­reits vor einigen Tagen in Oxford erklärt, daß die britische Regerung nicht daran denke, ihre Kolonien einer internationalen Verwaltung zu unterstellen.

Kritische Kliegeroffiziere werben für den Bolschewismus

Stockholm, 17. März. (DNB.) Die Londoner Times" berichtet über in ganz England veranstal­tete Massenkundgebungen fänden Bol­schewismus und verzeichnet dabei die bemerkens­werte Tatsache, daß auf dem Londoner Trafalgar Square auf einer rotdrapierten Rednertribüne s o - gar britische Fliege raffiniere das Wort ergriffen haben. Die Weltöffentlichkeit erhält somit die Bestätigung dafür, daß die fortschreitende Bol- schewisterung Englands selbst bis in die Reihen seiner Offiziere um sich greift. Mochten ein paar unverbesserliche Optimisten vielleicht noch geglaubt haben, daß die Sympathiebeteuerungen englischer Politiker für die Sowjetunion lediglich den Zweck verfolgen, Moskau auch weiterhin für die Sache Englands zu erwärmen, so werden sie jetzt nicht leugnen können, daß über eine rein zweckpolitisch be­dingte Partnerschaft zwischen den Londoner Pluto­kraten und den Bolschewisten hinaus die geistige Annäherung zwischen England und der Sowjetunion immer stärkere Fortschritte macht.

Franco warnt vor der bolschewistischen Gefahr.

M a d r i d, 17. März. (Europapreß.) Der spanische Staatschef Franco eröffnete die Cortes mit einer Rede, in der er erklärte: Die Hauptsache bleibe die furchtbare Bedrohung durch den Bolschewismus. Nicht in der Kraft der bolschewistischen Heere liege die Hauptgefahr, sondern in der Losung von der Weltrevolution. Die bolschewistischen Heere brauch­ten gar nicht erst die Grenzen der anderen Natio­nen zu überschreiten, um Unheil und Tod zu brin­gen. Europa habe viel größere und wichtigere Pro­

bleme zu lösen als die vielen hicherlichen Dinge, über die sich manche heute den Kopf zerbrechen. Die Gegenwart der Sowjetunion an der Seite der einen kriegführenden Partei habe den Erfolg, daß der Kampf auf Leben und Tod gehe.

Das Eichenlaub für Oberleutnant Tiordmann.

Berlin, IZ.Blärj. (DNB.) Der Führer verlieh am heutigen Tage an Oberleutnant Theodor Nordmann, Gruppenkommandeur In einem Sturz kampfgeschwader, als 214. Soldaten der deut­schen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte an den Beliehenen nachfolgendes Telegramm:In dankbarer Würdi­gung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 214. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Adolf Hitler."

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Oberleutnant Nordmann wurde 1918 in Dorsten (Westfalen) als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Nach Besuch des Gymnasiums trat er als Fahnen­junker in die Luftwaffe ein und wurde Flugzeug­führer. 1940 kam er in ein Sturzkampsgeschwader. Am 1.10.1941 wurde er Oberleutnant, nachdem er am 17.9.1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet war. Oberleutnant Nordmann hat auf allen Kriegs­schauplätzen, besonders im Kampf gegen die Sowjet­union, große Erfolge aufzuweisen. v

Das Eichenlaub für Major Langesee

Vertin, 17. März. (DRV.) Der Führer verlieh dem Major Karl Langesee das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte ihm folgendes Telegramm:3n dankbarer Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zu­kunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 211. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler." *

Major San g cf e e-, Bataillonskommandeur rt einem bayerischen Jägerregiment, führte im Januar 1943 einen Gegenstoß zum Entsatz vom oeinb ern- geschlossener rumänischer Kampfgruppen. Selbst vom Gegner eingeschlossen, schlug er sich in schwerem Kampf zu einem anderen Bataillon durch. Beide wehrten nun ohne Nachschub von Munition und Verpflegung und ohne Artillerieuntersttitzung drei Tage die Angriffe feindlicher Uebermacht ab, von der die deutsche Kampfgruppe erneut von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnftten worden mar. Als er den Befehl erhielt, sich du rchzu schlagen, schleuste Major Langesee in meisterhaften Absetz­bewegungen ohne weitere Verluste die beiden Ba­taillone mitten durch den Feind und wehrte in der neuen Stellung wiederum eine Woche lang den An­sturm einer sowjetischen Division ab. Hierbei verlo­ren die Bolschewisten über 1000 Tote. Major Lange- see wurde 1910 als Sohn eines Apothekers in Vilsbiburg (Bayreuth) geboren. 1928 trat er nach dem Besuch der Realschule in Freising als Schutze in das Infanterie-Regiment 20 ein. 1935 wurde er Leutnant, 1936 in das Jns.-Regt. 62 versetzt und 1943 Major.

Oer Adlerschild für Wilhelm Krez«.

Berlin, 17.März. Der Führer verlieh Pro- fe-ffor Wilhelm Kreis als einem der größten deut­schen Baumeister der Gegenwart zu seinem 70. Ge­burtstag am 17. März den Adlerschild des Deut­schen Reiches. Reichsminister Dr. Goebbels über­reichte in Gegenwart von Reichsminister Speer dem Jubilar die hohe Auszeichnung und würdigte da­bei die Verdienste des großen Meisters, dessen Schaffen alle Gebiete der Baukunst umfaßt und dem bedeutende baumeisterliche Aufgaben oei der Neu­gestaltung der Reichshauptstadt und als Geyeral- baurat für die Gestaltung deutscher Kriegerfriedhöfe bei der Schaffung der deutschen Heldenmäler dieses Krieges übertragen worden sind. Von Dr. Goebbels und Reichsminister Speer wurde der Jubilar durch Ueberreichung zweier Kunstwerke besonders geehrt. Reichsminister Dr. Frick übersandte Professor Dr. Kreis ein Glückwunschschreiben.

Kunst und Wissenschaft.

Pros. Voß Direktor der Dresdener Gemäldegalerie.

Der Führer hat den bisherigen Leiter der Städtt- schen Gemäldegalerie in Wiesbaden, Professor Dr. pkil. Hermann Voß, als Nachfolger des im Dezember vorigen Jahres verstorbenen Dr. Hans Posse die Leitung der Staatlichen Gemäldegalerie in Dresden übertragen. Professor Dr. Voß hat sein neues Amt angetreten.

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Professor Dr. Hermann V ö ß wurde am 30. Juli 1887 in Lüneburg geboren und studierte nach dem Besuche des Gymnasiums feiner- Vaterstadt in Hei­delberg und Berlin Kunstgeschichte als Schüler von Henry Thode und Herman Grimm. Nachdem er 1906 zum Dr. phil. promoviert worden war, be­gann er seine Tätigkeit 1907 an den Berliner Mu­seen, wo er von dem damaligen Leiter, der staat­lichen Sammlungen, Wilhelm Bode, wertvolle An­regungen erhielt. Vorübergehend war er auch am Kunstgeschichtlichen Institut in Florenz tätig. Von 1913 bis 1922 wirkte Voß als Abteilungsleiter am Museum der bildenden Künste in Leipzig, wo er als Kustos das graphische Kabinett betreute. Seit 1919 Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität

Erbe -er Freiheitskriege.

Das Volk in Waffen.

Von Heinrich hon Treitschke.

Die Begeisterung und der Sturm der Frei­heitskriege hatten wenigstens im preußi­schen Bereich die allgemeine Wehr- S flicht tatsächlich verwirklicht. Noch vor em endgültigen Friedensschluß wurde sie für immer gesetzlich verankert. Das war weit mehr als ein militärisches Ereignis. Die klüg­sten Männer der Freiheitskriege wußten sehr genau, daß alle staatlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Volksbelange durchs die allgemeine Wehrpflicht berührt wurden. . In ihr lagen die Kräfte, um die natürlichen Erstarrungen langer Friedens^eiten zu über­winden. Mag dieDeutsche Geschichte" Treitschkes an manchen Stellen den leidenschaftlichen politischen Tageskämpfer ver­raten: in der aus dem voll erfaßten Geist der Zelt entworfenen SchiDerung der allge­meinen Wehrpflicht, ihrer Einführung und ihrer Folgen erhebt er sich zu einer groß­artigen Höhe in der Darstellung dieses wah- ren Erbes der Befreiungskriege.

Schon am 3. September 1814 erschien das Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienste, von dem Könige und sämtlichen Ministern unterzeichnet ein Grundgesetz des preußischen Staates, einer jener epochemachenden Akte der Gesetzgebung, welche mit siegreicher Beredsamkeit erweisen, daß alle Ge­schichte wesentlich politische Geschichte ist, daß die Historie nicht die Aufgabe hat, einen Volta unter seinen Froschschenkeln zu beobachten oder aus den Funden der Topfgräber die Entwicklung der Lam­pen und der Trinkgeschirre nachzuweisen, sondern die Taten der Völker als wollender Personen, als ötaateu, erforschen soll. Das Wehrgesetz von 1814 hat die sittlichen und politischen Grundanschauungen der Preußen auf Generationen hinaus bestimmt, in alle ihre Lebensgewohnheiten tiefer einbegriffen als jemals ein4 wissenschaftliche EnHeckung oder eine technische Erfindung.

Das Gesetz begann, wie einst Scharnhorsts Entwurf, mit einer Wiederholung jener monumen­talen Worte Friedrich Wilhelms I.:Hetzer Einge­borene ist zur Verteidigung des Vaterlandes ver­pflichtet"; doch jetzt machte man unerbittlich Ernst mit der altpreußischen Regel. Der König erinnerte nochmals daran, wie die allgemeine Anstrengung seines treuen Volkes, ohne Ausnahme und Unter­schied, die ^Befreiung des Vaterlandes bewirkt und dem Staate seinen heutigen ehrenvollen Stand­

punkt erworben, hätte. Die E-inriHtungen also, die riesen glücklichen Erfolg heroorgev rächt und deren Beibehaltung die ganze Nation wünsche, sollten als Grundlage für alle Kriegseinrichtunaen des Staates dienen, doch lo> daß die Fortschritte der Wissen­schaften und Gewerbe nicht gestört würden;denn in einer gesetzmäßig geordneten Bewaffnung der Nation liegt die sicherste Bürgschaft für einen dauernden Frieden". Statt der alten zwanzigjähri­gen Dienstzeit der Kantonisten ward allen Wehr­fähigen für neunzehn Jahre die Waffenpflicht auf­gelegt. Sie dienten fünf Jahre im stehenden Heere, davon drei Jahre bei den Fahnen, zwei Jahre als beurlaubte Reservisten und traten im sechsundzwan- zigsten Lebensjahre auf sieben Jahre.in das erste Aufgebot der Landwehr ein. Dies Auf­gebot war in Kriegszeiten, wie das stehende Heer, zum Dienste im In- und Auslande verpflichtet, hielt an bestimmten Tagen in der Heimat kleinere Hebungen ab und vereinigte sich alljährlich einmal mit Abteilungen des stehenden Heeres zu längeren Manövern. Das zweite f g e b o t der Landwehr, ebenfalls mit siebenjähriger Dienst­zeit, wurde während des'Friedens nur in der Hei­mat und an' einzelnen Tagen versammelt, diente im Kriege zunächst zur Verstärkung der Garnisonen; doch behielt sich der König vor, auch diesen Teil der Landwehr im allgemeinenzur Verstärkung des Heeres" zu verwenden, so daß eine Verwenoung im Auslande nicht ausgeschlossen war. Der Land­sturm endlich, nur für den äußersten Fall zur Abwehr feindlicher Angriffe bestimmt, sollte alle irgend Waffenfähigen vom siebzehnten bis zum fünfzigsten Jahre umfassen. Die Söhne der gebil­deten Stände, die sich selber ausrüsteten, dienten nur ein Jahr bei der Fahne, traten schon nach drei Jahren in die Landwehr ein und hatten den ersten Anspruch auf die Offiziersstellen der Landwehr.

Roch nie hatte ein moderner Staat in Friedens­zeiten so harte Forderungen, an sein Volk gestellt; die Blutsteuer, welche Preußen seinen Bürgern auf­erlegte, war unleugbar schwerer als alle' anderen 'Steuern zusammengenommen. Selbst die Anhänger der allgemeinen Wehrpflicht wollten kaum ihren Ohren trauen, als sie erfuhren, daß alle Männer bis zum neununddreißigsten Jahre, allerdings bei völlig freier Wahl des Wohnsitzes wie des Be­rufes, sich zum Waffendienste bereit halten sollten. Es war ein radikaler Bruch mit allen Neigungen und Vorurteilen einer friedlich erwerbenden Gesell­

schaft, ein Wagnis ohne jeden Vorgang, das nur darum gelingen konnte, well der Stamm der Land­wehr bereits vorhanden war und die hochherzige Erregung der Kriegszeit noch nachwirkte. Der König verbarg sich nicht, welchem zähen passiven Wider­stande die neuen Institutionen namentlich in den neuen Provinzen begegnen würden, und befahl da­her eine schonende, schrlttweis vorgehende Ausstih- rung.

Die kurze Dienstzeit zwang die Mannschaft und mehr noch die Offiziere zur Anspannung aller Kräfte; das FreiwNligenjahr bot das einfache Mit­tel, den höheren Ständen die ungewohnte Last er­träglich zu machen.

Das Wehrgesetz gab ein unzweideutiges Zeugnis für die friedfertigen Absichten der Regierung; mit einer Feldarmee, die zpr größeren Hälfte aus Landwehren bestand, ließ sich eine Politik des un­ruhigen Ehrgeizes schlechterdings nicht führen. Gleichwohl sprach aus dem Aufgebote der gesamten Nation zugleich der bestimmte Entschluß, die wieder- errungene Großmachtstellung der Monarchie zu be­haupten. Daher denn an allen Nachbarhöfeu leb­hafte Beunruhigung. Mochten einzelne Generale der alten Schule über das preußischeMilizwesen" verächtlich absprechen, die Kriegstaten dieses Heeres standen doch noch in zu frischer Erinnerung. Der französische Kriegsminister Dupont zog sogleich mit ersichtlicher Sorge bei dem preußischen Gesandten Erkundigungen ein und erhielt die trockene Ant­wort,wir wollen große Stteitkräfte ohne ein un­verhältnismäßig großes stehendes Heer". Noch be­sorgter war die Hofburg; sie fürchtete nicht bloß das Erstarken des alten Nebenbuhlers, sondern sie er- tamite auch in dem Wehrgesetze einen Triumph der militärischen Jakobiner des schlesischen Heeres und witterte unheimliche demokratische Bestrebungen.

Boy e"n aber sah in seinem Gesetze das köstliche Vermächtnis des Befreiungskrieges; er sagte sich mit frohem Stolze, daß die Eigenart des preußi­schen Staates in diesen Institutionen sich verkörperte; daß Preußen in der Ausbildung seines Heerwesens allen anderen Staaten überlegen war und keine andere Großmacht jener Zeit wagen durfte, ihrem ganzen Volke Waffen in die Hände zu geben. In wie großem und freiem Sinne er sein Werk auf­faßte, wie freu er die Ueberlieferungen der Stein- Scharnhorstschen Tage in seinem Feuergeiste be­wahrte, das hat der anspruchslose Mann'erst nach Jahren öffentlich ausgesprochen, als er zum fünf- undzwanzigsten Jubelfeste der Landwehr jenen Aus­spruch Gneisenaus über den dreifachen Primat in poettscher Form wiederholte und die Verse schrieb: Der Preußen Losung ist die Drei Recht, Licht und Schwert!"

Der Schweigsame liebte Deutschland mit der ganzen tiefen, verhaltenen Leidenschaftlichkeit des echten Ostpreußen; aber dem unbestimmten Ideal­

bild e einer deutschen Bundeskriegsverfassung wollte er das eigenartige Wesen seines preußischen Volks- Heeres nicht opfern. In eurer ausführlichen Denk­schrift schilderte er dem Staatskanzler, wie in Deutschland vier grundverschiedene Systeme der Kriegsverfassung beständen: das österreichHche, das- rheinbündisch-französische, das englisch-haMooerschc und das preußische; nimmermehr dürfe Preußen den deutschen Charakter fbines Heeres einem Kom­promiß mit diesen ausländischen Systemen zum Opfer bringen.Man wird doch nicht, well der leib­eigene Böhme, Mize, Bukowiner, der Landes­meinung wegen, nach harten Gesetzen behandelt werden soll, den Pommern und Brandenburger, bloß um der lieben Uebereinftimmung willen, .strengeren Vorschriften unterwerfen wollen? Preu­ßen kann seinen Standpunkt in Europa nur be­haupten, wenn es die größere Uebereinftimmung feiner Einwohner, die bessere Bildung seines Adels und Bürgerstandes auf das kräftigste zu einem eige­nen Kriegs system benutzt. Wer diese nationalen Vorzüge einer augenblicklichen philanthropischen Idee aufopfern wollte, wäre nicht allein ein Feind Preußens,1ondern er vernichtete auch die Willens­kraft, durch die sich Preußen seit dem großen Kur­fürsten in Europa hielt." Darum mag der künftige Deutsche Bund wohl den größeren Fürsten, den Kreisobersten, die militärische Führung ihrer Kreise ano er trauen und von allen Bundesgliedern sehr große militärische Leistungen verlangen:Preußen hat in diesem Kriege 60 000 Mann von der Million gegeben. Dies sei der Maßstab! Wer mehr geben will, wirdbelobt" Ab et in die Organisation unse­res Heeres darf sich der Bund nicht einmischen. Wer mehr in die deutsche Kriegsoerfasiung legen will, schadet sich und auch Deutschland."

So die Meinung des berechtigten preußischen Partikularismus, der zugleich bewußte deutsche Ge­sinnung war. Mochten die Kleinstaaten noch eine Weile ihre französischen und englischen Institutionen behalten, da sie doch vorderhand weder die Kraft noch den Willen besaßen, die Geschenke der Frem­den aufzugeben. Unterbeffen wuchs und reifte in Preußen Scharnhorsts Werk, die deutsche Striegs- uerfaffung, und einmal doch mußte die Zelt kom­men, da das ausländische Wesen in den kleinen Staaten sich überlebte. Dann konnte das preußische Volksheer sich zum deutschen Heere erweitern. Bei Großgörschen stand seine Wiege, wer mochte wagen, ihm die stolzen Siegesbahnen seiner Zukunft vor- berzubestlmmen? Boyen trug in seiner verschlossenen öeele die sichere Ahnung, daß dies nationale Heer dereinst noch reichere Kränze um seine Fahnen win- den würde als weiland die Soldaten Friedrichs.

Derweil in Wien.der große Friedenskongreß zu- fammentrat, erhob sich in Preußen eine neue Größe der deutschen Geschichte: dgs Volk in Waffen.