Ausgabe 
18.2.1943
 
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ligeide des Prüfungsausschusses holt selbst die Gut- chten ein, er kann auch auf anderen Wegen Fest. Kettungen über den Bewerber treffen. Bei der Prü- jng wird besonderer Wert auf die geistige Reife, leschulte Denk- und Urteilsfähigkeit, Verständnis Ur die geistige Fragen und Gewandtheit im Ge- iiauch der deutschen Sprache gelegt. Bewerber, die |ie Begabtenprüfung bestanden haben, werden vom fieichsstudentenwerk für ihr Studium beraten.

Kunst und Wissenschaft.

Rudolf Dietz.

Am 22. Februar gedenken wir des 80. GÄmrts- fgs des vor zwei Lttonaten verstorbenen nassaui- jti en Heimatdichters Rudolf Dietz, der in Naurod 05 Sohn eines Lehrers geboren wurde. 1883 wurde c: nach dem Besuch des Ufinger Seminars Lehrer h Freiendiez, von wo man chn 1898 nach Wies- b/bcn berief. Hier wurde er später Konrektor. Rach­em Rudolf Dietz durch verschiedene hochdeutsche Leder und Gedichte bekannt geworden war, wandte c: sich der mundartlichen Dichtung zu. Hier kamen sein hmor und seine Liebe zur Heimat recht zum Aus- ftatet Zahlreiche Ehrungen hat man dem Dichter ziteil werden lassen, und manch heitere Anekdote I «zählt man sich von dem Verstorbenen, der mit äffendem Witz manches Vorkommnis gut zu cha- rktsrisieren wußte. Davon legen auch die, vielen prfe, die er Freunden und Bekannten widmete, i ^ugnis ab.

Ein frühes Derk Albrecht Dürers.

I Zn der Burg Rheinstein gegenüber Aßmcmns- »Men fand der Restaurator Hampke aus Schleswig liiie schon sehr beschädigte Silberstiftzeichnung, die |iud) der Wiederherstellung die Jahreszahl 1486 und Iks Signum Dürers aufwies. Das Blatt zeigt ein [Slbnis des alten Dürer, des Goldschmieds, das der pt)n also mit fünfzehn Jahren fertigte, ehe er hei prdjael Wohlgemut in die Lehre ging. In der löiener Albertina liegt ein gleiches Blatt, allerdings pne Signatur. Das im Besitz Waldemars Prinzen |itn Preußen gefundene Stück scheint, nach den Be- Whten, klarer, auch weniger scharf und kupferstich- kig durchgezeichnet zu sein als das in Wien.

Slück auf, Renate!

Roman von Ernst Grau.

i.

»So ... das wäre also erledigt. Haben Sie sonst etwas auf dem Herzen, Terbrüggen? meinte Silier Hammerkott und sah auf die Armbanduhr, v-hrend er sich gleichzeitig mit rascher Bewegung ss>ob.

I Direktor Terbrüggen, ein etwas untersetzter Minn Mitte der Vierziger, in seinem Aeußeren 'hc gepflegt, strich noch einmal wie liebkosend über vor ihm liegende Papier, das er soeben mir inneren Frohlocken aus der Hand seines 'Ms entgegengenommen hatte. Dann stand er falls auf.

Mein ... jedenfalls nichts von Bedeutung, Herr EÖimmertott. Es geht ja alles seinen gewohnten scmg. Nur dieser junge Ingenieur drübenm kracht III macht mir allerhand Schwierigkeiten, s kalter Hammerkott winkte nervös ab.

' Dieser ... wie hieß er doch Doktor Hel- nzrath, nicht wahr? Ich sprach ihn vorhin ganz Whtig, es hat da wohl auf Schacht III einen kleinen f^all gegeben? Aber verschonen Sie mich nur mit Mei Kleinigkeiten, Terbrüggen. Uebrigens gibt ;i)ien ja auch die neue Vollmacht genügend freie Benfe, um entsprechend durchzugreifen, u^nn es uÄivendig sein sollte. Besonders, wenn biejer 5)ei 4^irath den Unfall etwa verschuldet hat."

| .'Gewiß."

.-Hammerkott ging zur Tür/ Seine aufgereare portfigur stach gegen die kleine des anderen vor- rötoft ab..

| .Älso dann auf Wiedersehen. Und drucken «ie

den Daumen, Terbrüggen", fügte er lachem) I^Su, indem er dem Direktor die Hand reichte.

Der 70. Geburlskag Professor Klapps.

Den Direktor der Chirurgischen Klinik der Univer- flöt Marburg Professor Dr. Rudolf Klapp feierten dt seinem 70. Geburtstage Partei, Wehrmacht, Staat und Wissenschaft in einer schlichten Feierstunde. Bauleiter Staatsrat Weinrich überbrachte die ^om Führer verliehene Goethe-Medaille und für -en Gau Kurhessen ein künstlerisches Bildwerk. Die Medizinische Fakultät der Philipps-Universität er- lannte Professor Klapp zum Ehrendoktorder lahnheil künde. Der Rektor Professor Dr. Meinhardt überbrachte die Glückwünsche des feichsministers Rust. Generalstabsarzt Dr. Remus staffel) würdigte Klapps Verdienste um die Kriegs- cirurgie, Professor Dr. Schmieden (Frankfurt) Mnc wissenschaftliche Arbeit. Den Glüwunsch des / feichsgesundheitsführers übermittelte Gaugesund- lntsführer Dr. Reinhardt mit den Segenswün- hen der kurhessifchen Aerzteschaft. Die Stadt Mar- birg ehrte ihren Mitbürger mit der silbernen Ge- tznkmünze der Stadt. Als Sprecher der ehemaligen (-chüler Klapps überbrachte Professor Dr. W i ed- top f (Wiesbaden) eine Festschrift und eine Büste les Jubilars. Kreisleiter K r a w i e l i tz k y über« pachte namens des Deutschen Roten Kreuzes eine Menmedaille.

Hochfchulnachrichlen.

Im Alter von 66 Jahren starb der o. Professor ir Geologie an der Reichsun-ioersität Straßburg, )r. Otto W i l ck e n s. In Bremen geboren, studierte c in Straßburg, Berlin, Heidelberg und Freiburg, ro er sich 1905 habilitierte. 1907 siedelte er nach fiann über. Don 1913 bis zur Aushebung der Kai- fc-Wilhelms-Universität durch die Franzosen war v als Ordinarius in Straßburg. An der Universität *:onn erhielt er einen Lehrauftrag für Geologie lr Rheinlande. 1942 wurde er an die Reichsuni- irsität Straßburg berufen. Seine wissenschaftliche Tätigkeit umfaßte auch die Geologie der Südpolar- :nber, Südamerikas und Neuseelands. Seit 1910 tnr er Redakteur derGeologischen Rundschau" und Herausgeber desHandbuches der regionalen Geo- lgie". Der emer. Ordinarius für Zoologie an der , flnioerfität Berlin, Prof. Dr. Richard Hesse, voll- 1 "r.hete sein 75. Lebensjahr.Lesse wurde in Nordhau- | in geboren, studierte in Tübingen und Halle, ha- Hitterte sich 1894 in Tübingep, erhielt 1903 einen Lehrauftrag für Forstschutz, wurde 1909 Professor tr Zoologie an der Landwirtschaftlichen Hochschule ^rlin, siedelte fünf Jahre später an die Untversi- i t!t Bonn über und wurde 1926 Nachfolger K. Hei« | drs in Berlin, wo er bis 1036 wirkte. Seine Ar- | t-iten betreffen besonders die Sinnesorgane der |l ^rre.

Aus -er Stadt Gießen.

An der Schwell! des Vorfrühlings.

Der deutsche Volksmund redet vonLostagen" und meint damit solche Kalendertage, aus deren klimatischer Beschaffenheit man Schlüsse auf die kommende Witterung und oft auch auf den aus ihr sich ergebenden Ernteertrag zieht. Das Wort kommt vom althochdeutschenliozan", das Los werfen, orakeln, wahrsagen, her, und diese Wetter- und Zu- kunftsorakel begründen sich zumeist auf altüber­lieferte Beobachtung und daraus resultierende Er­fahrung. Einer der auch in der Stadt bekanntesten Lostage ist derSiebenschläfer", aber es gibt im bäuerlichen Lebenskreise weit wichtigere Tage von orakelhafter und prophetischer Vorbedeutung. Ein solcher ist der 24. Februar, der im Kalender den Namen Matthias trägt. Daß er so stark beachtet wird, dürfte sich daraus erklären, daß er genau Zwei Monate nach Weihnachten liegend zumal in Süddeutschland, bereits an der Schwelle des Vorfrühlings zu liegen pflegt, also auf sein klima­tisches Verhalten begreiflicherweise gewisser Wert gelegt wird.

In Oberdonau sagt man:Mattheis bricht's Eis; hat er koans, so macht er oans!" Das bedeutet, daß mit dem Matthiastage der Winter merklich zu Ende geht oder nach unwinterlichen Wochen jetzt Rückfälle einzutreten pflegen, eine oft bestätigte Erfahrung, die aber nicht jedesmal zutreffen muß. In Mittel­deutschland sagt man:An St. Mattheis geht kein Fuchs mehr übers Eis", und anderswo reimt der Volksmund:An Sankt Mattheis trinkt die Lerche aus'm Gleis"; gemeint sind die Fahrrinnen der nunmehr aufgetauten Landstraßen. Aber anderen- falls sagt man:Wenn es in der Matthiasnacht friert, so bleibt der Frost noch vier Wochen", Dies Entweder oder" der Wetterprophetie findet deutlichen Ausdruck auch in dem Sprichwort der Lausitz:Matthias schließt die Erde auf oder zu." In Westfalen sagt man, der milderen Lage West­deutschlands entsprechend:Matchis werpt eenen heeten Steen in't Js." Wo aber der 24. Februar rauh ist, gilt er als Verkünder eines schönen Lenzes: Wenn das Eis an Matthias kracht, strahlt das Frühjahr in goldener Pracht". Immerhin sind die Vorzeichen des Jahreszeitwechsels schon deutlich ge­nug.Matthiasschnee hält nit meh", sagt man in Schwaben, und in Pommern meint man scherzhaft: Matthias bringt etwas Neues, und sollte es nur ein Gänseei fein"; denn nun fängt das Geflügel wieder besser zu legen an.

Bemerkenswert für die Stellung des Lostages im deutschen Volkstum ist es, daß man erzählt, zu mitternächtiger Stunde werde Wasser zu Wein; auch kann man in dieser geheimnisvollen Nacht Geister umgehen sehen und Schätze heben, Sonderlichkeiten, die sonst nurhohen Zeiten" des Jahres zugeschrie­ben werden, z. B. der Weihnacht, dem Johannistage und der Pfingstzeit.

Verdunkelungszeit:

18. Februar von 18.39 bis 7.03 Uhr.

Professor ©r. Ernst Günther

70 Lahre alt.

Der emeritierte plänmäßige außerordentliche Pro, feffor für Volkswirtscha ftslehre an der Universität Gießen, Dr. Ernst Günther, vollendet am kom­menden Samstag. 20. Februar, fein 70. Lebensjahr. Professor Dr. G'ün the r stammt aus Greiz. Jahre­lang war er zunächst technischer Leiter einer Papier - fabrif, die seine Eltern schon besessen hatten, und erst nach dieser langen Tätigkeit in der Industrie begann er sein Studium der Nationalökonomie bei Schmoller in Berlin. Im Jahre 1915 habilitierte er sich in Gießen, wo er 1920 zum außerplanmäßigen und 1923 zum planmäßigen Extraordinarius und Mitfeirektor des Staatswissenschaftlichen Seminars ernannt wurde. Am 1. November 1933 trat er auf eigenen Antrag unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten langjährigen ausgezeichneten Dienste in den Ruhestand. Zahlreiche größere und kleinere Arbeiten des Gelehrten betreffen vor allem finanz- und sozialpolitische Fragen, die er 1930 in einer ArbeitSozialpolitik" zusammengefaßt hat. Dem Jubilar gelten unsere herzlichen Glückwünsche.

Die Sprachkurse

her ASS. ,Krost durch Freude«.

In den von der Volksbildungsstätte Gießen der NSG.Kraft durch Freude" auch im vergangenen Winterhalbjahr durchgeführten Sprachkursen herrschte reges Leben. Es liefen 12 Kurse in 7 Sprachen mit einer Eesamtbesucherzahl von 118- Personen. Die von tüchtigen Fachkräften geleiteten Kurse haben sich ständig wachsender Beliebheit erfreut Unter den Teilnehmern befanden sich nicht nur solche aus Gießen, sondern auch Teilnehmer aus Heuchelheim,

,Hch werd's diesmal bestimmt nötig haben. Bis zu dem großen Tag auf der Berliner Avus sind es nur noch knappe acht Tage. Und ein paar sehr ge­wichtige internationale Namen stehen uns da gegen­über. Da heißt es, die Ohren steif halten rnb jede Stunde zum Training ausnutzen. Die Wetteraus­sichten sind auch nicht sehr günstig. Doch von alle­dem verstehen Sie ja wohl nichts ... , lachte er erneut auf.

Wenige Minuten später saß Walter Hammerkott wieder am Steuer seines großen Tourenwagens und ließ die Hebel spielen. Langsam, mit gebändig­ter Kraft fuhr die schwere Maschine durch das hohe, steinerne Tor der Zeche Hammerkott, un draußen auf der freien Straße sofort in das gewohnte rasche Tempo zu fallen.

Tefbrüaqen stand am Fenster fees Privatkontors und sah ihm nach. Die davotbefliffene Miene war gewichen. Er lächelte still in sich hinein.

Wieder einen Schritt vorwärts, dachte er befrie­digt. Es war doch wirklich ein ganz unvorstellbares Glück, gerade diesen Walter Hammerkott zum Chef zu haben. Denn Walter Hammerkott war ein Mann, der in den Augen seines Direkto-s ein rech­ter Narr war. Der nur Sinn hatte für seine Mo­toren, Rennmaschinen und Rekorde, und der sich von dieser Neigung auch nicht hatte abbringen lassen, als ihm durch den plötzlichen Tod des Bru­ders die Zeche Hammerkott mit ihren gewaltigen Kohlenlagern und riesigen Maschinenanlaaen als Erbe zuaemllen war. Ein Mann, der die Mitte der Vierzig schon längst überschritten hatte und sich noch immer lieber als den bekannten und enolm:eichen Renniahrer feiern ließ, als sich um das Werk zu kümmern, das sein Vater in einem Menschenalter voll harter Arbeit aufgebaut hatte. Walter Ham­merkott genügte es vollkommen, seinen Besitz in guten Händen zu wissen und die Summen zur Ver- fügung zu haben, die fein kostspieliaer Sport und sein unstetes Leben verschlangen. Er dachte nicht daran, sich hierher zurückzuziehen. wo er sicherlich ein ruhigeres Leben gehabt hätte als auf seinen

Der

ix:

ille zum gegenseitigen Helfen.

Wie wirkt sich die Tlachvarschastshilfe im Dorfe aus?

NSG. Wir unterhielten uns kürzlich mit dem Ortsbauernführer und einigen Bauern eines- Dorfes in unserem Gau, in dem die Nachbarschaftshilfe vorbildlich durchgeführt wird, über die Möglichkeit zur Bewältigung der in diesem Jahr durch vermehrte Embe- rufungen noch größer gewordenen Ausgaben in der Landwirtschaft.

Wenn seither so hieß es die Anforderungen bis an die Grenze des Möglichen gegangen feien, so ist die Lage gegenwärtig wesentlich angespannter. Das Land habe bis jetzt nur die nötigsten Reserven zurückbehalten, z. B. einmal einen Schlepperführer oder in ganz seltenen Fällen einen Betriebssichrer, dem die Füyrung mehrerer Betriebe oblag, so daß heute, nachdem auch diese letzten Kräfte heraus- gezogen würden, hier und da große Lücken auszu­füllen sind. Die Verordnung des Reichsmarschalls vom 7. März 1942 über den Einsatz zusätzlicher Ar­beitskräfte für die Ernährungssicherung des deut­schen Volkes bilde auch in diesem Jahr die Grund­lage für den zusätzlichen Arbeitseinsatz und damit die Gewißheit, die Situation zu meistern.

Die Praxis lehre nun so wurde des weiteren betont, daß zwei größere Betriebe zusammenzu­koppeln und die Führung davon zu übernehmen leichter sei, als neben einem kleinen Betrieb einen weiteren Hof mitzuführen, denn in letzterem Falle fehle ja dort mit dem Betriebsführer zugleich die Hauptarbeitskraft. In Höfen, wo noch ein alter Bauer lebe, oder ein aus der Schule entlassener Sohn da fei, könnte man oft durch einen Rat bei der Arbeits- und Betriebsplanung, bei der Aufstel­lung des Anbauplanes, des Düngeroerteilungs- planes, in geschäftlichen, finanziellen und amllichen Angelegenheiten helfen. Jedoch auf Höfen, wo die Frau allein stehe, mitunter auch die nötige Disziplin bei fremdländischen Arbeitskräften aufrechtzuerhal­ten ist, sei es nicht immer leicht.

Vor allen Dingen, so führte der Ortsbauernführer -aus, habe er beispielsweise schon in feen vergange­

nen Jahren dafür gesorgt, daß zur notwendigen Zeit die Arbeitsspitzen dieser Art gebrochen wurden, und zwar dadurch, daß die Arbeitskräfte von Betrieben, die mit ihrer Arbeitsspitze, z. B. Frühjahrsbestellung oder Fruchternte, schon fertig waren, zuerst auf je­nen Höfen eingesetzt wurden, die noch nicht so weit waren, ehe sie im eigenen Betrieb Weiterarbeiten durften. Diese Methode habe sich als gut erwiesen und werde entsprechend weiter beibehalten werden.

Die Nachbarschaftshilfe durch Ausleihen von Ge­spannen pber Maschinen oder auch durch Austausch habe sich ebenfalls bewährt. So haben sich Feldnach- baiii, die ihre Grundstücke nebeneinander liegen ha den, die Arbeit gegenseitig so vereinfacht, daß der eine beide Felder pflügte und dadurch den Aufwand an Zeit für die Wege des anderen Gespannes ein­sparte, das in der Zwischenzeit eine gemeinsame Fuhre erledigte.

Kleinste Betriebe verfügten feiten über eine Sä­maschine. Oft könne ein kleinerer Acker von dem Bauern, der das angrenzende Feld innebat, mitbe- wirtschaftet und mitgesät werden, während die Ar- beitsfräfte des kleineren Betriebes auf dem größe­ren Bauernhof eingesetzt seien.

Im Herbst bei der Kartoffelernte fei der Kartoffel­roder reihum gegangen. Diele Bauern hätten ihre Kartoffeln gepeinfam ausgemacht.Kannst du mir heute einmal mit deinem Gespann aushelfen? Meine Kinder helfen dir auch beim Kartoffelnauslesen!"

Wir kamen immer wieder zu dem gleichen Schluß: Die Nachbarschaftshilfe läßt sich nur auf Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfe schnell und sicher aufbauen. Sie muß in den Dörfern ebenso selbst verständlich werden wie die gegenteilige Hilfeleistung von Ver­wandten und Freunden untereinander. Aller klein­liche Hader und Zwist, die zwischen manchen Fami­lien herrschen, müssen vernünftiger Einsicht weichen. In Anbetracht der Gefahr, gegen die unsere Sol­daten Frau und Kind, Haus und Hof verteidigen, dürfen wir selbst unter größter Arbettslast feem Nachbarn unsere Hilfe nicht versagen.

Daubringen, Annerod, Bieber, Lich, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Staufenberg, Treis, Burg­solms, Nidda, Laubach und Weilburg.

Im April beginnend sind neue Kurse ausgeschrie­ben, darunter erstmalig auf Wunsch einer für Ara­bisch, dessen Leiter lange Zeit in arabischen Ländern wissenschaftlich tätig war. Alle seitherigen Kurse wer­den weitergeführt. Es gibt sich schon heute lebhafte Nachfrage durch Neuamneldungen kund, darunter solche sogar aus 6er Gegend von Limburg. Alles Nähere ist aus den Plakaten und den Anzeigen in den Tageszeitungen zu entnehmen.

Aufruf zum Arbeitseinsatz.

Der Leiter fees Arbeitsamtes Gießen veröffentlicht in unserem heutigen Blatte einen Aufruf zur Vor­lage des Meldebogens für feie zum Arbeitseinsatz meldepflichtig gewordenen Personen. Die Meldebo­gen müssen bis zum 25. Februar dem Arbeitsamt oder feinen Nebenstellen eingesandt werden. Wei­teres in feer Be kann im achung.

Lichtspielhaus:

»Ihr erste« Rendezvous^.

Einmal im Jahr" hieß der anmutige Film, in dem sich die französische Schauspielerin Danielle D a r r i e u x dem deutschen Publikum vorstellte, und der vor kurzem auch in Gießen gezeigt wurde.Ihr erstes Rendezvous" ist eine Produktion-der gleichen Firma (Continental) in deutscher Sprache und wie­der mit der Darrieux in der Hauptrolle.Einmal im Jahr" erzählte auf eine heiter beschwingte und phantasievolle Weise die lustspielhasten Abenteuer einer Pariser Schauspielerin in der Silvesternacht. Daserste Rendezvous" ist die Geschichte eines blutjungen Waisenhausmädchens, das eines Tages aus ihrem streng bewachten Institut ausbricht, um sich, in die Freiheit gelockt von der Lektüre eines schwärmerischen Zeitungsittferates, zu einem ersten Stelldichein zu begeben. Das gelingt ihr mit vieler Lift und Mühe, aber statt des erwarteten jungen Herrn Pierre findet das ahnungslose Fräulein Miche­line einen minder ansehnlichen älteren Lehrer im Cas6 vor, der sie einigermaßen väterlich in Empfang nimmt. Wie Micheline aus dem Waisenhaus, in ein feudales Gymnasium gerät, was ihr dort zuftößt, wie sie Pi-rre fennenlernt mit ihm ihr mißlungenes erstes Rendezvous nachholt, wie sie ins Waisenhaus zurückgebracht und zum guten Schluß endgültig daraus befreit wird und mit Pierre davonfährt, das macht den weiteren Inhalt des von Henri D e c o i n geschriebenen und in Szene gesetzten Films aus.

halsbrecherischen Fahrten auf feen Rennbahnen aller möglicher Herren Länder.

Terbrüggen trat kopfschüttelnd vom Fenster zurück. Seinem ausgeprägten Geschäftssinn, seinem nach unumschränkter Macht verlangenden Geltungsbedürf­nis waren solche Ydeen ftemd. Davon verstand er wirklich nichts, wie Hammerkott ganz richtig bemerkt hatte. Aber deshalb konnte ihm ein solcher Chef nur recht fein. Mit der neuen Generalvollmacht, feie Hammerkott eben beim Notar unterzeichnet hatte, konnte er sich hier schon immer als Herr fühlen. Und wer weiß wer konnte in die Zukunft sehen vielleicht war die Zeit nicht mehr fern, wo er auch ohne eine solche Vollmacht hier regieren konnte Hammerkott war Witwer. Renate Hammerkott, die jetzt in Berlin Chemie studierte, war feine einzige Tochter und damit zugleich die Alleinerbin der Zeche Hammerkott. Zwar hatte Hammerkott die Absicht Geäußert, sich demnächst wieder zu verloben. Wie es hieß, mit der Witwe eines höheren Beamten, die, wie Terbrüggen aus den sofort einaswgenen Er­kundigungen wußt< außer ihrer Witwenpension nicht mehr viel besaß, als einen neunzehnjährigen Sohn. Es war also immerhin mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die fünftige Frau Hammerkott ver­suchen würde, diesen Sohn an der Erbschaft zu be­teiligen. Nun, er, Terbrüggen, würbe schon auf feer Hut fein. Er spielte sein eigenes Srnel; es ging um einen lohvnden Einsatz, und er mürbe sich so leicht von niemandem in die Karten sehen lassen. Zunächst wollte er einmal diesen Doktor Hellingr-ath aus dem Hause schaffen, der ein wenig zu felbstherrisch auf­trat und absolut keinen Respekt vor ihm haben wollte.

Er nahm den Hörer des Werktelephons zur Hand und drückte auf einen der vielen Knöpfe des Appa­rates.

Terbrüggen! Wer? Schachtmeister Giese? Gut veranlassen Sie bitte, daß Doktor Helling­rath sofort zu mir kommt wie? Dann mästen Sie ibn eben suchen, aber sofort ich bitte darum!"

Danielle Darrieux, jung, hübsch, mit großen, staunenden Augen, schüchtern, hilflos und ahnungs­los, spielt die Micheline; gernartb Ledoux, Jean Tissier und Louis Jourdan haben feie wichtig­sten Männerrollen. Im ganzen wirkt dieser Film nicht so einheitlich in feer Erfindung und im Dar- ^hellungsstil roteEinmal im Jahr": er schwankt zwischen romantischen und stellenweise fast possen­haft grotesken Elementen; das Publikum hält sich vorwiegend, an die unbestreitbar heiteren Situatio­nen. Wie neulich sind aber auch hier feie Schwierig­keiten und kaum oermeidbaren Unzulänglichkeiten der Synchronisatton zu berücksichtigen, die, vor allem was die Sprachmelodie und das Sprechtempo an­geht, nur einen ungefähren Eindruck vom Original vermitteln können. Im Beiprogramm sieht man die neue Wochenschau und einen interessanten Kul­turfilm vom Burgenland. Hans Thyriot.

Ersatz-Keller auf Reichskosten.

Gelegentlich der Sicherung von Luftschutzräumen für die Hausgemeinschaften hat mancher Mieter seinen Kellerraum abtreten müssen. Nicht immer ist es möglich, entsprechenden Ersatz zu beschaffen. Das Reich, das die Luftfchutzkosten weitgehend erstattet, ist auch hier bereit, großzügig für Abhilfe zu sorgen. Das ergibt sich aus einem Einzelfall, wo es wegen Benutzung eines Kellerraumes als Luftschukraum ebenfalls nicht mehr möglich war, allen Mietern einen kleinen Kellerverschlag zuzuweisen. Der Haus­eigentümer ließ darauf im Hose einen kleinen Schuppen in einfachster Ausführung errichten. Der Schuppen bient zur Unterbringung von Vorräten, die früher üblicherweise in Kellerräumen gelagert werden konnten. Infolge des Baues dieses Schuppens konnten wieder alle Mieter einen Platz für Koblen, Vorräte ufw. zugewiefen erhalten. Wie aus dem Reichsfinanzministerium mitgeteilt wird, sind die Kosten für den Bau des Schuppens von der Reichs­kasse im Rahmen der Uebemahme der Luftschutzauf- wendunaen durch das Reich zu erstatten. Weiter wird zu dieser Frage aus dem Reichsfinanzministe'- rium in derDeutschen Steuerzeitung" noch klar- gestellt: Ein Hauseigentümer war durch die Orts-

Seufe beginnt unser neuer Vornan

Glück aus, Renale!

Don Ernst Grau

Das Geräusch der hinter ihm ins Schloß fallenden Tür ließ chn das Gespräch beenden.

Nanu warum denn so eilig?"

Terbrüggen blickte ärgerlich auf, während er den Hörer wieder auf die Gabel zurücklegte. Ohne son­derliche Freude sah er in das lächelnde Gesicht feines Privatsekretärs Karl Meinders, der eben eingetreten war und sich ihm lästig gegenüberfetzte.

Nun das hat ja diesmal offenbar ganz famos geklappt"» nickte Meinders gutgelaunt und nahm mit Interesse die auf dem Tisch liegende Vollmacht zur Hand.Sieh mal an hm alles in bester Ordnung ich glaube, da darf man wirklich gra­tulieren."

Sonderbarerweise schien Terbrüggen die so wenig respektvolle Redeweise seines Sekretärs ganz in Ordnung zu finden.

Geben Sie schon her, Meinders", rief er nur ungeduldig und riß mit unwilliger Geste das Pa­pier wieder an sich. ,^ch habe, weiß Gott, lange genug warten rtiüffen, bis sich Hammerkott endlich dazu entschloß. Es wird auch höchste - Zeit, daß einige Gesichter hier verschwinden, die mir nicht mehr recht zusagen."

Meinders entging nicht der feindselige Blick, der ihn bei diesen Worten traf.

Zum Beispiel das meine", warf er trocken ein. Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen, daß Ihnen meine Nase nicht besonders oefällt."

Terbrüggen warf sich in seinen Stuhl und trom­melte mürrisch auf der Tischplatte. Diese täglichen Malicen wurden geradezu unerträglich.

Reden Sie doch keine Torheiten. Meinders. Was hat das alles für einen Zweck? So wie wir zu­einander stehen, wissen Sie doch ganz gut, daß ich Sie nicht entbehren kann. Aber da ist zunächst dieser Hellingrath, der mir mit der Zeit reichlich auf die Nerven gefallen ist, und den ich mir sobald als möälich vom Halse schäften werde. Sein Vertrag läuft ohnedies in den nächsten Monaten ab,"

(Fortsetzung folgt)