Ausgabe 
18.2.1943
 
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Grenadier gegen Panzerspähwagen.

Verteidigung der Vereinigten Staaten auf Island, den britischen Inseln, in Frankreich und Spanien beginnen müsse.

Churchill verschleppt den Beveridgeplan

Stockholm, 17. Febr. (DNB.) Die großen eng­lischen Jnteressentenoerbände, deren Hauptstütze die Konservative Partei ist, verschärfen den Kampf ge­gen jedeunzeitgemäße" Gesetzgebung auf sozial­politischem Gebiet. Sie erklären, wie es im Daily Telegraph, ihrem Spitzenorgan, heißt, der Krieg könne und werde verloren werden,wenn wir un­sere Zeit durch soziale Experimente vergeuden". An­gesichts dieser hem Beveridge-Plan angesagten Fehde sah man der im Unterhaus angesetzten Debatte mit Spannung entgegen. Das Mitglied des Kriegskabi­netts Sir John Anderson hatte den Auftrag, dem Unterhaus eine ausweichende Antwort der Re­gierung zu übermitteln, die Regierung sei zwar be­reit, den Beveridge-Plan in seinen Grundlinien an­zunehmen, jedoch nicht imstande, Verpflichtungen einzugeheü. Sie müsse sich erst ein Bild von den finanziellen Verpflichtungen Englands in der Nach­kriegszeit machen. Die Schaffung eines Ministeriums für soziale Sicherheit lehne die Regierung ab.

Der zweite Tag der Unterhaus-Debatte nahm infolgedessen einen sehr viel stürmischeren Verlauf. Angehörige aller Parteien, darunter eine große An­zahl von Konservativen, wandten sich scharf gegen die zögernde Haltung der Regierung. Der Konser­vative Raikes nannte die Rede Andersons eine Bot­schaft der Verzweiflung. Der Konservative Quinton- Hoog sagte, die Regierung habe mit ihrem Versa­gen einen großen Fehler begangen. Der alte Gegner Churchills, Lord Winterton, erklärte, die farb­lose Rede Andersons sei nicht so sehr dessen Fehler, wie vielmehr ein Fehler des ganzen Kabinetts und besonders des Premierministers. Schatzkanzler Sir Kingsley Wood begründete erneut die abwartende Haltung des Kabinetts mit der Notwendigkeit, finan­ziellen Erwägungen den Vorrang zu geben.

News Ehronicle" beschuldigt die Regierung, vor dem Großkapitalismus und den Versicherungsge­sellschaften kapituliert zu haben, ehe noch ein einziger Schuß gefallen sei. DerDaily Herald" schreibt, das Unterhaus habe Versprechungen und Handlungen erwartet, habe jedoch statt dessen Prin­zipien und Plattheiten in meiner beklagenswert schlech- ren Rede erhalten.

England muß Sowjetagitation in allen arabischen Staaten dulden.

Rom, 17.Febr. (DNB.) Wie Radio Mondar aus Istanbul berichtet, hat die Sowjetunion mit Genehmigung der Engländer beschlossen, diplo­matische Vertreter in alle arabi­schen Länder dßs Nahen Ostens zu entsenden. Die bolschewistischen Abgesandten werden in diesen Ländern unter dem TitelGesandter" ihre Agita­toren- und Beobachter-Tätigkeit ausüben. Alle diese Vertreter des Stalin-Regimes unterstehen der diplomatischen Zentralstelle für die muselmanischen Länder", hinter der sich natürlich die Komintern verbirgt.

Roosevelt begehrt auch Westafrika.

Bern, 17. Febr. (DNB.) WieCouviere de Ge­nese" aus Lissabon meldet, ist man in der portu­giesischen Hauptstadt nach der Zusammenkunft Rh o - sevelts mit dem brasilianisch^ Staatspräsiden­ten Vargas in Natal und mit Rücksicht auf den immer größer werdenden Einfluß der Vereinigten Staaten in Westafrika davon überzeugt, daß dieser Teil des Schwarzen Erdteils künftig zu der Einflußzone der Bereinigten Staaten gehören wird. Die Erklärungen Roosevelts, wonach einer der wich­tigsten Gesprächsgegenstände mit Vargas diekünf­tige Ausschaltung jeder Bedrohung der amerikani­schen Küste" war, wird dahin ausgelegt, daß die Nordamerikaner eine Besetzung der westafrika- nischerl Küste durch brasilianische Trup­pen planen.

Eisenhower macht den Juden in Tlordafrika neue Zugeständnisse. Rom, 18. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Der jüdische Weltkongreß und der jüdisch-amerikanische Kongreß sind bei General Eisenhower vorstellig geworden, weil den Juden Französisch-Nordafrikas nicht ge­nügend Plätze in der Verwaltung ein- geräumt worden seien. Die Juden, die bereits durch die Aufhebung der seinerzeit von der Vichy-Regie­rung eingeführten Beschränkungen begünstigt wur­den, verlangen, daß ihnen ein größerer Einfluß als- früher eingeräumt werde. General Eisenhower soll bereits seine Zustimmung geäußert und den jüdischen Verbänden Zusicherungen gegeben haben.

NSG. Den deutschen Grenadier- kann im Kampf gegen die Heere des Bolschewismus nichts erschüttern. Auch mit dem feindlichen Panzerspähwagen wird er fertig, wie nach­stehender Bericht des Unteroffiziers K wr t Ziehn bei einem hessischen Grena­dier-Regiment zeigt.

Das Angriffsziel ist in unserer Hand. Unser Zug hat die Verbindung mit den beiden anderen Zügen unserer Kompanie verloren. Wir sind allein auf weiter Flur. Zwei Melder gehen zurück, um Ver­bindung aufzunehmen. Der Zug selbst mit einer Granatwerfergruppe und einem Halbzug bezieht einstweilen Sicherung am Wegekreuz. Meine Ge­wehrschützen habe ich eingowiesen und bin im Be­griff, eine ordentliche Stellung für mein MG. aus­zusuchen. Die beiden MG.-Schützen stehen noch auf der Straße, da ertönt auf einmal der SchreiPan­zer von vorn"!

Meine MG.-Schützen sind zunächst so verwirrt, daß sie sich hinlegen, wo sie gerade stehen. Ich schreie ihnen zu: ./Hinter dem Haus volle Deckung!' Im Nu sind sie weg und einstweilen in Sicherheit Wo ist mein MG.? Em paar kurze Sprünge, da steht es, und daneben eine geballte Ladung. Zu dritt und viert Liegen die Männer in den wenigen Schützenlöchern, die zufällig hinter dem Haus sind. Jeder hat ein sicheres Plätzchen gefunden und macht sich so klein wie nur möglich. Mein MG. und die geballte Ladung habe ich ausgenommen und stehe noch auf der Straße, denn das bekannte Brummen und Rasseln ist noch nicht zu hören.

Was soll ich tun? Tausend Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Plötzlich sehe ich, wie sich das lange Rohr einer Panzerkanone vorsichtig um die Hausecke schiebt. Verflucht, den habe ich ja gar nicht kommen hören, habe aber noch so viel Zeit, um hinter dem Haus zu verschwinden. Wohin nun schnell? Alle Löcher sind besetzt, und jeden Augen­blick kann der Panzer um das Haus herumkom­men, dann ist es zu spät. Das MG. und die geballte Ladung habe ich hinter einen Baum gestellt, so ist nichts zu erkennen. Ich selber presse mich an die Hauswand, um nicht gesehen zu werden. Daß ich hier aber nicht sicher bin, wird mir klar, als der Panzer um die Hausecke herumgerollt kommt. Jetzt sehe ich, daß es ein Panzerspähwagen ist. Deshalb habe ich auch das Rasseln der Gleisketten nicht ge­hört. #

Jetzt steht der feindliche Spähwagen ganz .ruhig da. Der Turm mit der langen Kanone zemt in eine andere Richtung, die Straße entlang. Na, denke ich, stellt er sich nur so, oder hat er wirklich noch nichts gesehen? Dann wird der Turm langsam nach links und rechts gedreht, der Motor wieder ange- lassen, und langsam rollt er weiter in den Ort hinein.

Das ist noch einmal gut gegangen. Ich stehe auf, um zu sehen, was der Bursche eigentlich vor hat. Kaum habe ich einige Schritte gemacht, bin eben im Begriff, meine Männer anzurufen, daß die Ge­fahr vorbei ist, da höre ich wieder Motorengeräusch, und zu meinem Erstaunen kommt noch ein zweiter Panzerspähwagen um die Hausecke. Ohne mich zu sehen, setzt- er seine Fahrt fort, hinein in das Dorf. Im Nu sind alle Kameraden wieder aus den schützenden Löchern heraus.

Wo aber sind die Panzerspähwagen hin? Wenn sie hinten nicht abgeschossen werden, können sie yur

Andorra

gegen unerwünschte Emigranten.

Madrid, 17. Febr. (Europapreß.) Die Lebens­mittelversorgung in Andorra ist durch die Ueber- schwemmung dieses winzigen Pyrenäenlandes mit Emigranten und Juden immer schwieriger geworden. Der spanische Bischof von Urgel, der zuftlmmen mit dem französische^ Staatschef die höchste Gewalt in Andorra innehat, sah sich deshalb gezwungen, die spanischen Behörden um Ausweisung von uner­wünschten Fremden zu bitten. Die Bevölkerung An­dorras verlangt angesichts der Verschlechterung der Ernährungslage die Ausweisung der Emigranten. Dagegen suchen die Emigranten sich zur Wehr zu setzen. Die spanischen Behörden sind entschlossen, die Mißstände zu beseitigen.

Südafrika

muß die Goldproduktron einschränken.

Stockholm, 16. Febr. (DNB.) Die Südafri- ferner haben sich bisher gesträubt, auf Anregung der Engländer ihren Goldbergbau, die wichtigste Ein­nahmequelle des Landes, im Interesse der Kriegs­produktion einzuschränken. Jetzt ist die Einschrän-

hier wieder zurückkommen. Ich gehe vor zur Straße, die geballte Ladung nehme ich mit. Da höre ich wie­der das bekannte Geräusch, und im selben Augen­blick sehe ich, wie beide Wagen wieder langsam auf uns zugerollt kommen. Sofort schreie ich:Volle Deckung!" und renne um die Hausecke herum auf die andere Seite. Die Panzerspähwagen sind noch hundert Meter entfernt, da reift in mir der Ent­schluß, den frechen Sowjets die Freude zu verder­ben. Hier ist aber nicht der richtige Platz, und ich renne wenige Meter nach rechts, wo ich vorhin einen tiefen Einschnitt gesehen habe, der neben der Straße entlangläuft. Ich kauere mich nieder, um von hier meine geballe Ladung anzubringen. Noch aber bin ich nicht soweit fertig, da kommt der erste Panzer mit ziemlicher Fahrt um die Haus- ecke und verschwindet. Ich kann ihn nicht mehr sehen, denn ein Haus versperrt mir die Sicht. _

Jetzt kann der nächste kommen, den werde ich ge­bührend empfangen. Die Abreißschnur in der Hand, voller Spannung, sehe ich zu meiner Freude, wie ein zweiter Spähwagen ganz langsam um die Hausecke kommt und auch noch stehen bleibt. Schade, die Entfernung ist für mich zu weit. Ich muß eben warten, bis er hier an mir vorüberrollt. Langsam fährt er wieder Mi.

Schnell habe ich die Entfernung abgeschätzt. Noch 20 'Dieter, noch 15 Meter, ich reiße die Schnur heraus und zähle 21 22 23 und schiebe die geballte Ladung auf die Straße. Im selben Augenblick höre ich, wie der Motor aufbrummt. Da, eine furchtbare Detonation, und der Luftdruck reißt mich nieder. Nach einigen Sekunden hebe ich den Kopf und sehe, daß der Bursche weiterfährt. Pech! Im gleichen Moment hat der Fahrer Vollgas gegeben und ist kaum darüber hinweggewesen, als die Ladung hochging. Jetzt muß ich so schnell wie möglich hier verschwinden, denn von der anderen Seite kann er mich zu gut mit seiner unheimlich langen Kanone fassen. Glücklich erreiche ich wieder das schützende Haus. Endlich scheint die Gefahr beseitigt zu sein. Wir sprechen über mein Miß­geschick, da höre ich hinter dem Haus das Motoren­geräusch schon wieder. Ehe wir noch irgend etwas unternehmen können, kommt der letzte Wagen zu­rück, bremjf hart und knallt wie wild in die Gegend. Noch schießt er nicht nach uns. Ich habe gerade noch Zeit, im Hof zu verschwinden. Zu meinem Schrecken sehe ich durch einen Spalt des Zaunes auch noch den zweiten herangerollt kommen. Jetzt ist guter Rat teuer.

Unendlich langsam fahrt der zweite noch einige Meter, und nun kracht Schuß um Schuß aus der Panzerkanone. Wohin schießen die denn? Etwa nach meinen Männern? Dieser Gedanke läßt mir keine Ruhe. Ganz vorsichtig ziehe ich mich an dem Bretter­zaun hoch ich muß doch sehen, was los ist.

Da steht der letzte Wagen, den ersten verdeckt das Haus. Schußrichtung hat er entgegengesetzt, die Turmluke hat er auf. Jetzt ober nie! Ich reiße eine Handgranate aus dem Koppel, steige auf den ober­sten Querbalken des Zaunes und kann zu meiner Freude direkt oben hineinsehen. Ein wohlgezielter Wurf, ein Poltern, ich kann gerade noch vom Zaun berunterspringsn. Ein dumpfer Knall, beide Türen fliegen auf, und heraus fliegt ein schwarzes Bündel, direkt an den Bretterzaun mir zu Füßen. Der Geg­ner ist erledigt, der deutsche Grenadier hat über den feindlichen Panzerspähwagen gesiegt.

Uffz. Kurt Ziehn.

kung jedoch auf indirektem Wege erzwungen wor­den. Die Südafrikaner.haben nämlich, um die nö­tigen Maschinen für die Bergbaubetriebe zu er­halten, eine Mission nach Washington geschickt, die sich als einvollkommener Fehlschlag" erwiesen hat. Die Lieferungen aus den USA. werden, wie der Leiter der Abordnung, Martin, feststellen mußte, in Zukunft erheblich hinter dem Bedarf zurückblei- ben. Infolgedessen muß die Untertagearbeit weit­gehend eingestellt werden. Bereits im Jahre 1942 haben 45 große Bergwerksgesellschaften des Witwatersrand^Gebietes ihre Erschließunqsarbeit um 50 o. H. ein schränken Müssen. Jetzt werden weitere Verkürzungen notwendig. Der Kriegsproduktions­ausschuß in Washington^hat seine Absage damit be­gründet, daß zuerst die wichtigsten Kriegslieferungen durchgeführt werden müßten und nicht kriegswich­tige Unternehmen überhaupt nicht berücksichtigt wür­den.

Meine politische Nachrichten.

Ein ehemaliges führendes Kongreßmitglied und 43 weitere Inder wurden verhaftet, weil sie einen Demonstrationszug gebildet hatten, der Spruch­bänder mit der AufschriftGebt Gandhi frei" mit sich führte. Der Demonstrationszug wurde vor Er­

reichung des Gefängnisses, in dem sich Gandhi 6e# findet, auseinandergeknüppelt.

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Premierminister Tojo bekräftigte erneut, daß Ja< pan nach seinem Grundsatz, allen Nationen, die dazu fähig sind, ihren Platz unter der Sonne zu gönnen, die Unabhängigkeit Thailands und die Souveränität Frankreichs in Franzosisch-Jnbochuio achten werde.

*

In Sofia wurde ein Beamter der bulgarischen Untersuchungspolizei ermordet. -Er soll sich mehrfach bei kommunistischen Verhaftungen hervorgetan Haden und hat noch in letzter Zeit Drohbriefe von kommunistischer Seite erhalten.

Der Führer hat auf Vorschlag des Reichsmink sters des Innern Dr. Frick den bisherigen geschasts- führenden Direktor und Vizepräsidenten des Robert Koch-Instituts, Prof. Dr. Gilden meist er, zuni Präsidenten dieses Instituts ernannt.

Oie neue japanische Offensive in Mitielchina.

Tokio, 17. Febr. (Europapreß.) Die neuen sid panischen Offensivoperationen in den mittelchinesi­schen Provinzen Kiangsi und Hunan richten sich ge­gen die in diesen Gebieten liegenden Nordamerika- nisch-tschungkingchinesischen Flugplätze. Während der Operationen des vergangenen Jahres tn den Provinzen Tschekicmg und Kiangsi wurden die bor« ttgen Stützpunkte der nordamerikanischen Luftwafft vernichtet. Dann hatte der Feind einen bedeuten­den Teil seiner Kräfte nach Hunan verlegt.

Wie aus Kiangsu gemeldet wird, ist es den Japa­nern kurz nach Beginn ihrer neuen Operationen ge­lungen, die Hauptmacht der 89. Tfchungkmgarmec einzukreisen und von ihren Verbindungen ab­zuschneiden. Etwa 20 000 Mann der Tschungking- armee sollen von der Vernichtung bedroht sein. Ein- beiten der neu aufgestellten nationalchinesischen Ar­mee haben an den Kämpfen teilgenommen.

Aus dem Reich.

Nationalsozialistische Steuerpolitik.

In der NS.-Sozialpolitik schreibt Ministerial» dirigent Dr. Haußmann vom Reichsfinanzministe« rium, die sozialistische Steuerpolitik des _ Reim« , komme am stärksten in der sozialen Abstufung per Einkommensteuer zum Ausdruck. Ein Steuerpflich« tiger mit vier Killern zahlt bei einem Jahresein­kommen von 3000 RM. nur den 20. Teil der Ein« kommensteuer eines ledigen Steuerpflichtigen bei gleichem Einkommen. Beträgt das Jahreseinkom- Men 6000 RM., so hat ein lediger Steuerpflichtigel immer noch neuneinhalbmal soviel Einkommen­steuer zu zahlen wie ein Steuerpflichtiger mit vier Kindern. Ebenso großzügig wird der Familienftand bei der Vermögenssteuer und bei der Erbschaftssteuer berücksichtigt. Die Beträge, die auf diese Weise die Familienlasten unmittelbar erleichtern helfen, er­reichen jährlich wenigstens eine halbe Milliarde. Die Berücksichtigung außergewöhnlicher Belastungen dez Steuerpflichtigen führt tu einer Ermäßigung der Einkommensteuer in Höhe von 30 Millionen RM. jährlich. Die nationalsozialistische Finanzpolitik hak aber auch die Eingehung der Ehe und die Erziehung der Kinder durch Darlehen und Beihilfen groß« zügig erleichtert. Bisher sind rund zwei Millioner Ehestandsdarlehen gewährt worden. Landarbeiter und ländliche Handwerker erhalten daneben noch» Einrichtungsdarlehen und -Zuschüsse, für die bisher rund 150 Millionen RM. ausgezahlt worden sind. Laufende Kinderbeihilfen von monatlich, 10 RM. werden für acht Millionen Kinder gewahrt. Aus- bildungsbeihilfe wird in 600 000 Fällen gezahlt. Für die Nachkriegszeit ist ein weiterer Ausbau dieser Familienlastenerleichteruna geplant, so. daß eines Tages ein vollständiger Ausgleich erreicht ist mit dem Ziele, den Kinderreichen wirtschaftlich und so­zial nicht schlechter zu stellen als den Kinderarme» und Kinderlosen.

Oos Studium ohne Reifeprüfung.

Die erhöhte Bedeutung, die angesichts der Nach- wuchslage in den akademischen Berufen, insbeson­dere auch hinsichtlich der Zulassung von Kriegsteil­nehmern zum Studium, der Begabteüprü- fung für die Zulassung zum Studium ohne R e i fe 3 e u g n i s, zukommt, hat den Reichserzie­hungsminister veranlaßt, die Prüfungsbestimmun­gen zu ändern. Während bisher der Bewerbe« selbst Gutachten beizubringen hatte, werden von ihm künftig nur die Anschriften von mindestens zwei urteilsfähigen Persönlichkeiten verlangt, die mit wissenschaftlicher Arbeit vertraut sind, das vom Bewerber gewählte Fachgebiet beherrschen unb dm Bewerber nach seinen Leistungen, seiner charakter­lichen und politischen Haltung kennen. Der Dor»

Genesung.

Von Margarete von Otfers.

Marianne hatte nach ihrer Kriegstrauung im Lazarett gepflegt. Es lenkte sie von ihrer Sorge um Gert ab, ja sie fühlte sich ihm verbundener, auch im Kriegsdienst stehend in der Pflege seiner Kamera­den. Sie war eine heitere pflichttreue Pflegerin und sehr beliebt bei den Verwundeten. Die unerschütter­liche Zuversicht, daß Gert wiederkommen, würde, machte sie stark und fähig, Kraft und Zuversicht aus­zustrahlen.

Dann hieß es eines Tages, daß Gert vermißt wurde. Die Angst drang nicht bis in Mariannes Herz, nein, für sie war er nicht vermißt, konnte er nicht vermißt fein, sie fühlte ja seine Nähe, und daß er da war über all die Fernen des Ostens hin­weg ... Plötzlich wird er vor ihr stehen, solch eine Zueinandergehöriqkeit wie zwischen ihnen konnte nicht mit einem Mal zerrissen werden.

Und doch kam die Nachricht, daß er gefallen sei. Marianne wurde davon getroffen wie eine Blume, die der Schnitter mäht. Sie brach zusammen, sie mar so fassungslos, wie sie vorher gefaßt war. Erst als ihre Eltern sie nach der ersten Trauerzeit wieder nach Hause auf den ostpreußischen Landsitz nehmen wollten und sacht nach einer Neugestaltung ihres Lebens tasteten, erwachte Marianne aus ihrer stummen Verzweiflung. Nein, nach Hause wollte sie nicht mehr, nie mehr. Sie hatte ja ihr eigenes Leben in der ehemaligen Junggesellenwohnung Gerts, in der sie kurze Wochen des Glücks verbracht hatten, nicht in das Elternhaus zurück wie ein mm- be& Vöglein in das warme Nest. Sie wollte selb- ständig bleiben.

So raffte sie sich auf Md zwang sich zum Han­deln. In ein Frontlazarett wollte sie zunächst. In den Osten, näher zu Gert heran, wie er Kälte unb Entbehrungen tragen und das Leben aufs Spiel setzen. Das eigene Leben galt ihr nichts mehr. Nun

war sie nur noch da für die Verwundeten, für die Leidenden.

Dort im Osten blieb Marianne und dachte nicht an Urlaub. Es war, als hätte sie Angst, nach Ost­preußen auf das väterliche Gut zurückzukehren, viel­leicht schonte sie auch absichtlich ihre Kräfte nicht, was lag ihr denn am Leben ohne Gert?

So war mehr als ein Jahr seit der Todesnach­richt vergangen, als Marianne unten in der Krim ein Brief ihres Vaters erreichte. Mariannes junger Bruder,' der achtzehnjährige Henning, war bei feinem ersten Einsatz in Afrika gefallen. Wenig Worte machte der Vater, er fand kein Wort der Klage, er bat auch nicht um Mariannes Rückkehr, er schrieb nur, daß ihm das Herzleiden der Mutter Sorge mache, und was aus Budlaken, dem Gut, werden sollte, nun, da Henning tot sei, wüßte er auch nicht ...

Marianne sann noch. Sie faß im Schein des Nachtlichtes unb wachte bei einem jungen Ver­wundeten. Er stammte auch aus Ostpreußen, aber er würde die Heimat nie wieder sehen ... Er sprach in seinen Phantasien van einem Strom, an dem er roobnte es muß wohl die Memel sein, über­legte Marianne, der Fluß, in dessen Nähe auch ihr Budlaken lag, und sie fing an, rückwärts zu blicken und dem Kranken mit leiser Stimme von der Heimreise zu erzählen:

Es fährt eine Bahn durch weites, weites Land, die nennt man denrasenden Littauer", aber bann muß man umsteigen in ein Bimmelbähnchen ... wie mühsam das durch den Schnee pufft ... Und da rft eine kleine Wellblechbube mit der Ueberschrift Budlaken, dort steigen wir aus. Ein Schlitten hält da. mit jungen Stuten bespannt unb mit einem sehr alten Kutscher auf dem Bock, es ist der Petti- kat, der einen schon als Zweijährige hoch aufs Pferd gefetzt hat. Er spricht wenig, aber an seinem breiten Lachen, das über das ganze Gesicht geht, merkt man, daß er sich freut. Und man fährt los, unb der Schnee stiebt auf, unb es ist, als ginge es gerade­wegs in den goldenen Abendhimmel hinein. Aus

dem Schnee tauchen Gehöfte auf, geduckt unter einer viel zu schweren weißen Last. Und bann kommt der Gutshof. Uralte Linden stehen kahl davor und heben doch gütig schirmend die Aeste um das lang­gestreckte alte Haus. Der Schlitten hält, unb die Haustüre geht auf, die schwarzen Dackel blaffen unb sind toll vor Freude ... Alls des Vaters Zim­mer fällt ein Lichtschimmer, und die Tür geht auf: ,Da bist du, Kind<, sagt der Vater, als wäre man nie fortgeroefen ober als hätte er immer da gestan­den auf der ßinbenterraffe und auf einen gewartet. Aber er ist so alt geworden. Und die Mutter kommt da eilig herzu, so klein und zart, den grauen Schal um die Schultern. .Willkommen zu Hause', sagt sie, und es ist, als hätte sie einen niemals entlassen aus diesem Zuhause ihres Herzens, mochte man sich auch noch so sehr dagegen wehren, weil alles so wund in einem war ..."

Der junge Verwundete hörte von Vater und Mut­ter sprechen, unb fein gequältes Gesicht wurde merk­würdig ruhig.Zu Hause zu Haufe", wieder­holte er, ja er lächelte ein wenig.Die Mutter war- tet schon, und der Vater steht an der Tür." Sacht strich Marianne ihm das feuchte Haar aus der Stirn.Jo, sie warten", sagte sie,und niemals mehr lassen wir sie vergeblich warten, wir kom­men ..." Der Verwundete sah empor, ihm rauschte der Fluß der Heimat, und die Eltern riefen ihn. Er starb friedlich.

Bald darauf reichte Marianne Urlaub ein unb reifte nach Haufe. Und es war ganz so, wie sie es dem jungen Sterbenden geschildert hatte. Der Schlitten mit dem schweigsamen Petri tat auf dem Bock stand an der Station, und bann kam die rasche Fahrt burch den stäubenden Schnee, und bas alte Guts- haus taucht auf gegen den goldenen Abendhimmel. Die Türen öffneten sich, und die Eltern standen vor Marianne im warmen Lichtschein, aus ihren guten Auaen strahlte die Wiedersehensfreude.Kind, Kind", sagte die Mutter und nahm Mariannes Ge­sicht in ihre weichen Hände,wie schmal du gewor­den bift!*

Als sie allein mit dem Vater war, fragte « zögernd:Wie lange hast du denn Urlaub? ÄH brauch dich nämlich sehr nötig hier. Der Inspektor ist eingezogen ..." ,Lch habe vier Wochen Urlaub', antwortete Marianne zögernd.

Dabei blieb es vorläufig. Sie sah sich in den nächsten Tagen in der Heimat um. Die Schwestern­tracht hatte sie mit einem ländlichen Kleid, kurzem Rock, Pelzjacke und Wasserstiefels, vertauscht. Sie war viel im Freien. Sie ging in die Ställe, fuhr in den Wald und in die Nachbarschaft. Es war« ihr wohl sehr einsam in Budlaken geworden, hättr sie nicht dort drüben ihren alten Spielkameraden Jürgen getroffen.

Das war so eine Kinderfreundschaft zwischen ihm. und Marianne gewesen, beginnend mit Raufe? reien unb dummen Streichen unb schließlich be' Jürgen njit einer leidenschaftlichen Verliebtheit en.- benb. Marianne hatte damals über den Jungen ge­lacht unb sich mit dem erheblich älteren Gert oer lobt unb verheiratet. Jetzt tat es ihr aber wohl, Jürgen über die gemeinsame Kindheit zu spreche» unb ihm von ihren Kriegserlebnissen zu erzähle» Auch wollte si« viel Rat auf dem Gebiet der ßan&' wirtschaft von ihm, dem Erfahrenen, haben. Seit- dem Henning nicht mehr war, hiett Budlaken fit fest. Dieser Heimatboden war ihr nun ebenso fehl Vaterland, um unb für bas gekämpft werden mußte wie das zu Schützende und Pflegende draußen a» der Front.

Und als ber Vorfrühling kam, die wilde» Schwäne mit schimmernden Flügeln unb scharfef» Schrei über das Land zogen. Die Birken rötliÄ schimmerten, der Schnee schmolz unb die Ferne vor­weichem Blau war, löste sich auch Mariannes Her^ die Erstarrung wich, sie fühlte, daß sie nicht langes entwurzelt sei, daß sie fest in ber Heimat ftarv unb eine Ausgabe für die Zukunft hatte, m Treu^ und im Gedächtnis für ihren unb für alle <9ef* lenen ...