Ausgabe 
18.1.1943
 
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fein gesponnenes Netz hineingepfuscht? So ober an­ders, jedenfalls ist das Werk nicht sofort gelungen. Irgendwo klappte es nicht, ein kleiner Haken hatte die Sache verdorben: die französische Flotte hatte Toulon trotz aller Rufe nicht verlassen, sie hatte sich den Gegnern der Achse nicht sofort angeschlossen, Biserta nicht besetzt, wie es von ihr erwartet wor­den war. Einige Tage später, als die Amerikaner die tunesische Grenze schon überschritten hatten, stießen sie bereits im Gebirge westlich der Haupt­stadt von Tunis und auf dem Küstenwege von Algier nach Biserta auf heftigen deutschen Wider­stand. Das war für sie eine höchst unangenehme Ueberraschung. In ihrem Operationsplan war das ja nicht vorausgesehen. Und bis die Alliierten in größerer Stärke ankamen, hatte sich die Truppe ihrer Gegner so wett ausgedehnt, daß sie auch die Hauptstadt nicht nur besetzen, sondern auch halten und selbst zum erfolgreichen Gegenangriff über­gehen konnte. Seitdem wurden von ihr verschiedene wichtige Berghöhen und Pässe, darunter die Stadt Tebvurba westlich von Tunis erobert. Die deutsche Luftwaffe spielte dabei eine hervorragende Rolle: sie brachte Truppen, Artillerie und selbst Panzer­wagen über den Sund von Sizilien, bombardierte den Nachschub der Alliierten, die von ihnen besetzten Häfen in Algier usw.

Der USA.-General Anderson hat inzwischen auch schon andere Schwierigkeiten mit seinem Nach­schub verspürt, die französischen Wege und Brücken sollen nicht stark genug für die schweren amerikanischen Kampfwagen sein und die Bevölke­rung soll sich nicht freundlich genug zu den neuen Herren verhalten, die so ungeniert in ihrem Lande auftreten. Noch mehr Ueberraschungen hat aber der Generalissimus Eisenhower in Marokko und Algier erfahren, wo eingeborene Soldaten ihren abtrünnigen Offizieren und den Amerikanern den Gehorsam verweigern. Die persönliche Zwietracht der französischen Generale hat die ohnedem unge­nügende Ordnung im Lande noch wetter ins Schwanken gebracht, das fremde Geld, das die Ame­rikaner zu einem sehr niedrigen Kurs eingeführt haben, findet bei der Bevölkerung kein Vertrauen und die gewaltsame Beschlagnahme der Nahrungs­mittel stößt auf bittersten Widerstand nicht der Araber und Marokkaner allein, sondern auch der französischen Bürger, die darin mit Recht eine Miß­achtung ihrer nationalen Staatshoheit wittern.

Alle diese Schwierigkeiten könnten mit der Zeit überwunden werden, wenn nur die Hauptfrage des regelrechten Nachschubs aus den USA. oder England gesichert wäre. Solange das nicht der Fall ist, müssen sie im Gegenteil wachsen und sich ver- vielfültigen. Der ganze Nachschub der Alliierten geht aber über See und ist vom vorhandenen Schiffsraum abhängig, der aber alles andere als ge­sichert ist. Schon in der ersten Woche nach ihrer Landung in Nordafrika wurden über 400 000 BRT. der feindlichen Transportschiffe entweder versenkt oder so schwer beschädigt, daß sie auf längere Zeit ihre Seetüchtigkeit verlieren mußten. Kann dieser Verlust ersetzt werden? Es ist erlaubt, daran zu zweifeln, dm Mttelrneer werden auch weiter fast täglich feindliche Schiffe versenkt, die Enasperre von Sizilien ist fester als je in oen Händen der Achsen­mächte, d e jetzt ihre beiden Küsten mit dem Stütz­punkt Bi erta sowie die stark ausgebauten Jnsel- feftungen Pantelleria, Lampedusa und Linosa da­zwischen besitzen, und die Straße von Gibraltar wird augenscheinlich sorgsam von deutsch-italieni­schen U-Booten kontrolliert. Wenn da auch ab und zu einzelne Schiffe des feindlichen Nachschubs durch­schlüpfen, so sind das Ausnahmen, die die allgemein gültige Regel einer wirkungsvollen Blockade nicht umstoßen können. Das beweisen nicht die Versen- kungsziffern allein, die für Deutschland im vorigen November die neue Rekordsumme von 1035 000 BRT. feindlichen Schiffsraumes erreicht haben, son­dern auch die sich mehrenden Stimmen der anglo­amerikanischen Sachkundigen, die den sinkenden Schiffsraum als dietödliche Gefahr Englands" kennzeichnen. So sagte Admiral Calvin vor einigen Tagen im Londoner Nachrichtendienst, daß alles Gerede vom Nachlassen der U-Boot-Gefahr falsch sei. Von der Tonnageschlacht hänge das Schicksal Englands ebenso ab, rote die Kontrolle des Mittel­meeres von der Beherrschung der Sizilischen Meeres- enge abhängig ist. Diese Meeresenge sei aber heute mehr als je der Wirkung der Achsenwaffen aus­gesetzt ...

Sollte der anglo-amerikanische Asritaplan miß­glücken, so wird das für England eine neues nie- mento mori, und zwar ein sehr ernstes memento sein. Denn der in diesem Abenteuer verlorene Schiffsraum ist auch jetzt schon bedeutend und kann

Die 470=Mrfeier der Münchener Universität.

Ehrung Sven HedinS durch Universität und Akademie.

HK. 9m Rahmen der Münchner Universitats- woche beging die Ludwig-Marimilians-Universität in München die Feier ihres 470jährigen Bestehens. Unter den Ehrengästen sah man Reichsminister Dr. h. c. Rust, Reichsschatzmeister Schwarz, Reichs­statthalter General Ritter von Epp, Reichs­leiter Oberbürgermeister F i e h l e r und Reichs- studentenführer, Reichsstatchalter Dr. Scheel. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Wüst, zeich­nete ein lebendiges Bild des Werdeganges der Münchener Alma mater. Wir wollen uns mit ihrem Alter nicht brüsten, sagte der Rektor, aber wir be­kennen uns zu diesem Lob des Herkommens, well aus dem ehrwürdigen Alter ewige und nie unge­straft vergessene Daseinsmächte sichtbar werden. Mit überzeugenden Beispielen legte der Rektor dar, wie die Universität nicht ein Leben neben dem Volke führt, sondern in unermüdlichem Einsatz und ent­sagungsvoller Arbeit die Quellen unserer Kraft aufzeigt und die durch den Krieg eintretenden Be­schränkungen mit doppelter Energie ausgleicht. Mit der Ankündigung bedeutsamer wissenschaftlicher Neugründungen, vor allem der Gründung eines Instituts'Sven Hedin für Snneras-en- forschung verband der Rektor die Ehrung her­vorragender Förderer und Träger des Münchener UniVersitätslebens.

Sodann verlieh der DKcm der naturwissenschaft­lichen Fakultät Professor Dr. Deurlen dem schwe­dischen Forscher Dr. Sven Hedin, der mit feiner Tochter und Mitarbeiterin Alma Hedin bei der Feier anwesend war, die Ehrendoktorwürde. Die Fakultät ehrt damit den kühnen Erforscher Zentral­asiens, der mit unermüdlicher Hingabe die Hoch­gebirge und Wüsten dieses Raumes erschlossen, die Gehemmtste untergegongener Kulturen entschleiert und durch seine Zentralasienexpeditionm ein groß­artiges Beispiel der wissenschaftlichen Zusammen­arbeit schwedischer und deutscher Gelehrten gege­ben hat. Sie bekundet damit zugleich ihre Dereh- rung für die edle Vornehmheit des Mannes, der nie gezögert hat, mannhaft für dis Geltung deut­

scher Kultur einzutreten. Sven Hedin dankte mit herzlichen Worten für die Ehrung. Er betrachte es als eine besondere Ehre, in der geschichtlich so bedeutungsvollen Stadt München und von ihrer altberühmten Universität zum Ehrendoktor ernannt worden zu sein. Mit Verehrung gedachte er der großen deutschen Asienforscher, wie Ferdinand von Richthofen, und gab seiner Freude über die Er- richtung des Soen-Hedin-Jnstttuts für Innerasien- forschung Ausdruck, dem er eine große Zukunft vorhersagte. Er schloß mit der Versicherung, daß nach seiner festen Ueberzeugung Deutschland nie­mals besiegt werden könne.

Am Freitag hatte ebenfalls im Rahmen der Münchener Universitätswoche die Bayerische Akademie der Wissenschaften eine Sit­zung abgehalten. Der Präsident der Akademie, Pro­fessor Dr. Alexander von Müller, gab einen Ueberblick über den großen Anteil, den die Aka­demie im letzten Jahrhundert an Forschungen und Forschungsreisen in fremden Erdteilen genommen hat und überreichte Dr. Sven Hedin alsdem kühnen und erfolgreichen Pionier wissenschaftlicher Asienforschung" und dem treuen Freunde Deutsch­lands, derin zwei Weltkriegen unerschrocken für die Rechte des Deutschen Volkes und Reiches ein­getreten ist", die goldene Medaille der AkademieBene merenti". In einem Vor­trag über dieRohstoff- und Energievorräte der Welt" wies Prof. Dr. Klaus Clusius darauf hin, daß die Zukunft in ganz anderer Weise als bisher darauf bedacht fein müsse, mit den Rohstoff­vorräten der Welt hauszuhalten. Der Energiebe­darf sollte nicht aus der wertvollen, ein einmaliges Kapital darstellenden Kohle, sondern aus den in der Sonnenstrahlung der Erde dauernd zufließen­den Zinsen, die uns in Wasser- und Windkraft zu­gänglich sind, gedeckt werden. Die Entwicklung eines Landes und feine geopolitische Stellung werde künftighin ganz von dem Stande feiner natur­wissenschaftlichen Forschung abhängig sein. A. R.

im Kriege nicht mehr ersetzt werden: der Schiffsbau Englands und der USA. reicht dazu bei weitem nicht aus. Ob Transporter oder einfache Frachter jedes versenkte Schiff erhöht aber die tödliche Gefahr, die England zu vernichten droht.

Segen die Inden-Einwanderung in Syrien.

Rom, 16.Jan. (Europapreß.) Kundgebungen gegen die Regierung des Ministerpräsidenten Tagza haben in allen Städten Syriens stattgefunden, weil das syrische Volk gegen die Maßnahme der syri­schen Regierung, Mische Einwanderer nach Syrien hereinzumssen, empört ist. In TripM, Aleppo und Homs wie auch in Beirut und Damaskus haben die Kundgebungen zu Schießereien und Massenver­haftungen geführt. In Damaskus wurde der zweite Sohn des Ministerpräsidenten Tagza ermordet. Die Unruhen find auf die englischen Maßnahmen zu- rückzuführen, denen zufolge die Juden, die in Pa­lästina nicht untergebracht werden können, in Sy­rien angeliebelt werden sollen.

England gegen die Tanger-Besetzung Spaniens.

Stockholm, 16. Ian. (Europapreß.) Die bri­tische Regierung betont durch eine Verlautbarung des Reuterbüros noch einmal, daß sie die Besetzung der Tanger-Zone durch Spanien im November 1940 de jure nicht anerkenne, sondern ihre Rechte nach wie vor aus den Abmachungen der Jahre 1925 und 1928 herleite. Die Veranlassung dazu war eine Erklärung des spanischen Oberkom- missars in Marokko, General Orgaz, über die geplante Einverleibung der Tanger-Zone in das Gebiet von Spanisch-Marokko. Bis zu der spani­schen Besetzung wurde die an der Straße von Gi­braltar gelegene Stadt von einer Internationalen Kommission verwaltet, die sich aus achtzehn Einhei­mischen (9 Mohammedaner und 9 Juden) sowie aus je sechs Engländern, Franzosen und Spaniern zu- fammensetzte. Die Rechtsprechung erfolgte nach fran­zösischem Recht.

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Die britische Tanger-Erklärung findet in Rom starke Beachtung. Gayda stellt fest, daß Spanien Tanger als zu Spanien gehörend betrachtet. Des­halb habe die englische Erklärung das Aussehen einer versteckten Drohung. Schon die Freilassung der Rotspanier in Französrsch-Nordafrika fei von der Mcwrider Regierung nicht unbeachtet geblie­ben.Popolo di Roma" schreibt, Spanien habe ge­genüber dem anglo-amerikanischen Ueberfoü auf Nordafrika, der eine Bedrohung Spanisch-Marok­kos bedeute, ein begründetes Recht, die Tanger- Zone vor Ueberraschungen zu schützen.

Oie irakische .Regierung" erklärt den Oreierpaktmächten den Krieg.

Berlin, 17.Jan. (DNB.) Wie bezeichnender­weise der Londoner Nachrichtendienst mitteilt, gab die irakische Gesandtschaft in London bekannt, daß sich die von England ausgehaltene irakische Regie­rung als mit Deutschland, Italien und Japan im Kriegszustand befindlich betrachte. Schon vor feiner Marionettenrolle als Ministerpräsident von Englands Gnaden wurde der sogenannte Minister­präsident Nuri Said von England bezahlt. Er hat nach vielen Kabinettsänderungen nun endlich in den drittklassigen Politikern, die er in seinem Kabinett um sich versammelt hat, die willenlosen Werkzeuge gefunden, die Englands Agitationsrum­mel einer Kriegserklärung ohne Volk und Armee mitmacht.

Oie Lehre von Lippe.

Detmold, 17. Jan. (DNB.) Zur 10. Wieder­kehr des Wahlsieges von 1933 sprach Reichsorga­nisationsleiter Dr. Ley über Kampf und Opfer. Er sagte, daß es im gegenwärtigen Ringen nicht um irgendeine Provinz ober um mehr Bergwerke, um mehr Eisen gehe, sondern darum, ob die Mensch­heit durch diesen Kampf einen Abschnitt in ihrer Erkenntnis weiterkommt, ob sie wiederum auf eine höhere Stufe der Kultur und der E n t w i ck l u n g gelangt. Wir treten dem Schicksal als Meister und nicht als Knechte entgegen. Jeden deutschen Menschen in der Heimat und an der Front müssen wir mit dem Glauben unseres heiligen Rechtes erfüllen.Solange man siegt, ist es leicht

Alt glauben. Aber wenn bet Kampf Mtifäe Formen annimmt, erweist es sich, wer wirklich glaubt Rur die Feigheit drückt den Menschen zu Boden. Erst wenn man Nicht mehr kämpfen will, dann kommt der Niedergang Der Wille vermag aÄes, Es gibt keine Geister, die den Sieg als Geschenk bringen. Wenn wir siegen wollen, müssen wir die< sen Krieg total führen, und jeder von uns muß Sonderwünsche zurückstellen. Wenn der Krieg ge­wonnen ist, wird die Erfüllung viel großer werden, als der Wunsch heute ist. Begreift die Lehre von Lippe! Wie damals, so kommt es auch heute auf unsere Haltung an."

Zum Abschluß des Lippe-Trefiens sprach m Mun­ster Alfred Rosenberg. In diesem totalen Kriege, so sagte er, rängen Lebensgefühle, Traditio­nen und Weltanschauungen miteinander, me schon seit Jahrhunderten die Geschicke der Völker be- stimmten. Wir hätten nur die Wahl gehabt, entweder das durch Arbeitslosigkeit und Wehrlosigkeit ausge- plünderte deutsche Volk unseren Feinden zu über­lassen ober den Kampf aufzunehmen. Wir wissen, daß das Weltjudentum uns nicht verziehen hat, daß seine Macht an einer Stelle gebrochen wurde. Es gehe darum, den Glauben an die nationale Sub­stanz zu erhalten.

Kriegsarbeitstagung der deutschen presse.

In Berlin fand eine Kriegsarbeitstagung der beute fchen Presse statt, auf der Reichspressechef Dr. Diet- rich die publizistische Aufgabe im gegenwärtiges Stadium des Krieges umriß, der neben dem soldati­schen Einsatz durch die technischen Fähigk,eiten einen Nation, ihren Glauben und ihren Idealismus, ihren Willen, ihre Nerven, ihre Härte und ihre Aus­dauer und nicht zuletzt durch ihre Fähigkeit zum Heroismus gewonnen werde. Die Kraft zum Siegs erwachse nur aus letzter Entschlossenheit. Jeder müssS Träger dieses Glaubens, Erwecker des Willens und ein Fels der Zuversicht fein. Diesen Geist zu er* wecken und wachzuhalten, das sei die vornehmstE Aufgabe der deutschen Presse.

NS.-Volkskulturwerk Hessen-Nassau.

NSG. In Frankfurt wurde das NS.-Dolkskultur« werk im Gau Hessen-Nassau gegründet. Dabei sprach der Leiter des Hauptkulturamtes der NSDAP« Z e r f f über die Aufgaben, die dem NS.-Dolks^ kulturwerk gestellt sind. Die kulturellen Aufgaben bedeuten nicht Flucht aus dieser Zeit, sondern einen Schritt in diese Zett. Es gelte, alle Kraft auf dis Aufgaben dieses Krieges abzustellen, alles Volks­fremde auszuschalten, jene Werte zu vermitteln, dis uns neue Kraft für den Alltag geben, den Menschen im Künstler zu erziehen und eine klare Ausrichtung aller gewissenhaften Kulturarbeit zu erzielen. Diese Arbeit habe nur bann Wert und Sinn, wenn dis wahre Stimme des Volkes zum Volke spreche und die ewigen Gesetze als Grundlage genommen wer­den, auf der alle Kulturarbeit aufgebaut ist. Es fei nicht Aufgabe der im NS.-DolkskulturVerk zufanv mengeschlostenen Verbände, ihre Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Ereignissen zu machen oder diese zahlenmäßig zu erhöhen. Den Besuchern solle ein inneres Erlebnis vermittelt werden. Der besonders Dank des Redners galt der seitherigen Arbeit bet volkskulturellen Verbände, die aus der privaten Inttiative heraus und aus Liebe zur Sache entftan< den feien. Ihre Arbeit im Interesse des Volts­ganzen nun gemeinsam fruchtbringend weiterzufüh­ren, die Hev-nziehung d§s Nachwuchses und dis Förderung junger Talente werden eine der vor­nehmsten Aufgaben des NS.-Dolkskulturwerkes fein.

Oer Kriegseinsatz des RAD

Der Ehef des Stabes beim Reichsarbeltsführeh Obergeneralarbeitsführer Dr. Decker, weist Im Reichsverwaltunasblatt" darauf hin, daß der ge­samte RAD. im Kriegseinsatz stehe. Die gefurcht)eit* liche Förderung der Jugend im RAD. wurde vor allem durch erhöhte Verpflegungssätze ermöglicht. Seit 1940 arbeiten zahlreiche Abteilungen auch am Abbau der Maginotlinie. An her Eismeerküste und in Lappland haben die RAD.-Männer die von ihnen im Sommer gebauten Straßen im Winke« von Schnee freigeholten, gegen Heckenschützen ge« sichert und die kämpfende Truppe in mühseligen Märschen mit Lebensmitteln, Munition und Brenn­holz versorgt. Eine Ausbildung mit der Waffe wurde notwendig, weil im Osten die Arbeitsmän­ner ihre Baustellen oft gegen feindliche Angriffe« verteidigen müssen. Während der großen Abwehr» schlacht bei Rschew standen Arbeitsmänner fünf

Fuchs im Rauhreif.

Von Kurl Knaak.

Die alte Pappel am Fließe greift heute so traum­haft verschwommen gen Himmel, daß ihr dicker Stamm nur wie ein schwacher Schatten wirkt. Ihr Astwerk fließt ganz weich in das Nebelgewölk hin­aus, und so sehr sich auch die Augen anstrengen und ergründen möchten, wo die Krähen hocken, die da so großen Lärm schlagen, heute gelingt es ihnen nicht. Nein, wirklich, in dieser frühen Morgenstunde sind weder die feinen Zweige oes Baumriefen noch die fchroarzen Vögel daraus zu erkennen, die hier regelmäßig um dieselbe Stunde auf ihrem Lugrns- land den Hellen Tag erwarten.

Korrak, krraak, kraak!" ruft einer mit rauher Stimme.Klong klong!" antwortet ein anderer, und dann rauschen ' die Schwingen, es flattert und krächzt, und ein dürres Zweiglein stürzt auf die Wiesennarbe Hemieder, daß List Leisegang, der Rot­fuchs, fein Spüren fein läßt und ein wenig irre wird, ob dieser Gruß ihm galt. Im Augenblick nicht wissend, wohin er sich wenden soll, schaut er empor. Da erkennt er die Hoffnungslosigkeit seiner Begierde und schnürt dicht am Fließenuser entlang.

Das Wasser plappert und flutet schwärzlich dahin. Von fernher quäken Wildenten. Eins weiße Feder schwimmt auf dem Wellen spiegel. Gleich beeilt sich der Fuchs. Längst ist die Pappel hinter ihm im Nebel verschwunden, lieber ebenes Wiesengelände ist der Rote gewechselt, hat einige Rinnsale über­sprungen und folgt behende einem Grabenlaufe bergauf. Hafenwitterung liegt ihm im Windfange. Vorsichtig schleicht er an der Böschung entlang. Die Schierlingsstauden, die gestern noch unansehnliches Stroh darstellten, schimmern heute wie mit Zucker überkrustet, glitzern in der auftommenben Morgen­röte wie eitles Geschmeide. Das Farnkraut gleicht dem teuersten Filigran. Ein jeder Grashalm ist ein Prunkstück, ein Kunstwerk für sich. Immer wenn der Fuchs mit feinem kostbaren Winterpelz daran entlangftreift, rieselt das Blendwerk herab und üherstäubt den Gesellen, daß er ganz und gar damit über fangen ift

Ein Zaunkönig zetert im Weidengestrüpp. Der Fuchs achtet nicht auf dm schwanzwippenden Fir­lefanz. Er hat anderes im Sin«.

Die Bewegungen feiner Glieder sind geschmeidig. Wie leicht und sicher er feine Läufe niedersetzt! Da ist nicht zu viel an Kraft und nichts zu wenig, kein Schwanken und Zaudern, sondern ebenmäßig gleitet fein Leib über alle Hindernisse hinweg, staut sich vor den Maulwurfshügeln und überroinbet sie mit einer bewunderungswürdigen Sicherheit, daß der alte Hinrichs, dem das Revier gehört, und der in der hohlen Uferweide den Morgenstrich der Enten abwarten wollte, gar nicht mehr das Glas vom Gesicht herunternehmen mag. So gefällt ihm der rote Bursche.

Jetzt duckt sich der Fuchs. Was mag es geben? Hinrichs fitzt auf feinem Jagdstock unbeweglich, als plötzlich aus dem Graben ein Hase springt und vfeil- geschwind dem Walde zustrebt. Gleich löst sicy die Spannung des Fuchses. Er schießt hinterdrein. Nach kaum zwanzig «Sprüngen verharrt er, von der Nutz­losigkeit feines Unternehmens überzeugt. Langsam schnürt er zur verlassenen Sasse des Meisters Lampe zurück, um sich an dem warmen Körperdunste zu be­rauschen. Danach wendet er querfeldein und pirscht nach Mäusen. Hinrichs schaut ihm mit verlangendem Herzen zu. Schwapp, hat List Leisegang eine beim Wickel. Da flitzt feine weiße Luntenspitze über den reisigen Grund.

Die Enten scheinen den Mäusejäger vergessen zu haben ... Aber nein!

In dem Fließe lockt ein Erpel laut und breit. Dies hat gezündet. Im Nu steht der Fuchs darauf zu. Hinrichs wird dabei wohl und wehe zugleich. Keine zwanzig Schritte rudert der feiste Enterich vor ihm im Wasser, bequem mit dem Drilling zu erreichen. Der Fuchs dagegen ist noch weit entfernt Wenn der Schwimmvogel noch einmal locken möchte, denkt der Alte, und siehe da, der Erpel bräkt wieder aus vollem Halse los. Der Wind trägt eilig den Laut davon, und der Fuchs kommt näher, aber bann verhofft er wieder und bleibt unschlüssig stehen. Irgend etwas in feiner Nase beunruhigt ihn und macht ihn stutzig Er hat den Geruch von Zweibein darin, er wittert das frische Wasser, hört abermals den Erpelruf, und jetzt zirpt es zu allem Ueberflusse auch noch so verlockend von den Mäusen aus her Weide, daß ihm ganz dummerig zumute wird und er sich auf die Keulen setzt, um ganz sicher zu gehen. Mause, Enten, Zweibein, Zweibein, Enten. Mäuse- was ist da -u tun? Unschlüssig äugt

der Fuchs. Selten ist er vor solch schwere Entschei- düng gestellt worden. Der Wind kühlt fein Gesicht, der Hunger macht ihn hörig. Darum vergißt er ganz den Erpelruf, als er wieder die Mäuslein in der Weide zirpen. Nach Zweibein duftet es nicht mehr, also darum und dessentwegen, wer die Wahl hat, hat die Qual, zuerst den kleineren von den Ge­nüssen, und Tritt auf Tritt schiebt sich der Fuchs näher zum Baume heran.

Hinrichs schmunzelt und kneift die wasserblauen Aeugloin vor Vergnügen zusammen. Wie schön der Fuchs auf sein Müuseln kommt! Naturgetreu klingt der Lockruf aus feiner zittrigen Hand. Das freut den Mann dann ja aud), und er beeilt sich, den Tra­banten durch das Astloch aufs Korn zu nehmen. Nun ist es geschehen ...

Scheltend stiebt der Erpel aus dem Wasser, daß die Tropfen nur so pladdern. List Leifegang ruht gestreckt auf der bereiften Matte.

Umständlich befreit sich Hinrichs aus dem Faul- stamm und schreitet über die Gemarkung, mit aller­lei Rauchwerk behangen und erfüllt von den Ge­danken eines fröhlichen Jägerherzens.

Flaschenpost von 1871.

Eine hermetisch verschlossene Metallröhre, die Briefe aus der Zeit des Krieges von 1870/71 ent­hielt, wurde jetzt in der Seine bei Mellon aufge­funden; die Entdeckung wurde von Tauchern im Laufe von Baggerarbeiten im Flusse gemacht. Wäh­rend der Belagerung von Paris sandte man aus den Orten, die am Oberlauf der Seine liegen, die Post in die französische Hauptstadt, indem man diese Röhren in die Strömung warf, in der Hoffnung, daß sie am Bestimmungsort gesehen und aufgefischt werden würden. Fünfzehn Sendungen dieser Art sind, so weit man weiß, gemacht worden, aber keine Röhre ist während der Belagerung an dem Bestim­mungsort elngetroffen. Fünf wurden im Jahre 1892 im Unterlauf der Seine aufgefischt und zwei im Jahre 1911. Nachdem nun die achte Röhre entdeckt ist, fehlen immer noch wenigstens sieben. Die Briefe stellen heute einen beträchtlichen Wert dar, weil sie mit Briefmarken der Zeit freigemacht sind, die von den Sammlern fefcr gejucht werden«

Was Herr Biedermeier erfand.

Es ist noch gar nicht so lange her, daß das E« findungswefen der Tummelplatz für allerlei merk­würdige Kauze war. Besonders zahlreich gab es solche in der Zeit des Biedermeier. Wenn man dis Zeitungen und Zeitschriften aus der Zeit vor 100 Jahren durchblättert, findet man immer wieder Kurioses aus der schrullenhaften Welt der Bieder meier-Erfinder. 1829 brachte derSächsische 2ronu peter" diesen Bericht über musikalische Suppentellerr In Schleswia bereitet eine Fayencefabrik Tellers die Musik machen. Die Teller sind hohl und fangen* sowie eine heiße Flüssigkeit hineinkommt, an zu tönen, und da jeder Teller auch auf einen gewissen Ton gestimmt werden kann, so kann eine suppen- essende Gesellschaft sich auf das allerbequemste vor» treffliche Tafelmusik verschaffen."

Eine Erfindung, die man in der Kälte ganz gut brauchen könnte, waren heizbare Kleiderstoffe.Sie werden aus wasser- und luftdichtem Stoff verfertigt und hinten ist, wie eine Patronentasche, ein kleiner zierlicher Ofen angebracht, der mit Spiritus geheizt wird und die erwärmte Luft durch die hohlen Zwi­schenräume des Kleides versendet. Dreht man den Ofen nach vorn hin, so dient er zugleich als Laterne?

Dem Hang zur Sparsamkeit kamen die Patent» möbel eines Herrn Eckhard entgegen, bei denen dis Stühle gewendet werden konnten, so daß für den Alltagsgebrauch der schlechtere Bezug, bei Besuch aber der feinere oben war.

Aber nicht nur für die privaten Bedürfnisse, son­dern auch für den allgemeinen technischen Fvrt^ schritt hatten die Erfinder merkwürdige Einfälle. «So meldete damals dieVossische Zeitung", daß her Hamburger Professor Danzel auf einer Alsterarche eine hydraulische Maschine aufgestellt habe, mit bei? man ein Schiff bei Windstille fortbewegen fönnfl ja, sogar einen Luftballon wollte der gelehrte Hett mit diesem Apparat lenken.

Und für die Sicherheit wollte der Erfinder einet Kutsche sorgen, in der einem nichts geschehen konnte, selbst wenn man von einer ganzen Räuberbande umzingelt werden sollte.Rund um den Boden des Kutschkastens befinden sich 100 Schießapparate, und mit einem Fingerdruck entladen sich ebenso vietß l Feuerschlünde auf dis Bösewichte«^ firft