Buben und Mädchen suchen Pflege-Eltern
Frauenhilfsdienstmädel im Betrieb.
Helfer des Arztes—Helfer des Volkes.
Forschungsinstitute des Gaues arbeiten im Auftrage der OAF.
Anzahl kinderloser Ehepaare oder Kleinfamilien bereit ist, ein Pflegekind aufzunehmen. Oft fehlt vielleicht nur die Gelegenheit, ein beiden Eltern zusagendes Kind zu finden, manchmal wissen Eheleute auch nicht, welchen Weg sie zu beschreiten haben, um ein Pflegekind zu bekommen. Ueberall in unserem Gau sind'deshalb Plakate ausgehängt, die darauf Hinweisen, daß an einem Pflegekind interessierte Eltern sich an die N S V.-D i e n st st e l l e n, die nächste Ortsgruppe oder Kreisamtsleitung der NSV. wenden können. Dort wird ihnen Auskunft gegeben und fachliche Beratung zuteil, wie sie eine so wichtige und nicht immer einfache Angelegenheit wie die Vermittlung eines Pflegekindes erfordert. Gerade heute, mitten im Kriege, werden manche Mütter, deren Söhne vielleicht schon draußen an der Front kämpfen, eine beglückende Aufgabe in der Erziehung eines Kindes sehen und mit der Aufnahme eines Pflegekindes nicht nur einem kleinen Menschen, sondern überhaupt dem Volke, dem sie angehören, und das in seinem schwersten Kampfe steht, einen großen Dienst erweisen.
Will ein Mädel einen sozialen Frauenberuf ergreifen, so hat es stets eine gute Vorbildung .für diese Berufe, wenn es zuvor die hauswirtschaftliche Lehre ableistet. Für viele soziale Frauenberufe beginnt die Ausbildungszeit erst mit 18 Jahren. Es bleibt dem Mädel also noch eine Zeit auszufüllen. Stellt es sich dem Frauenhilfsdienst für Wohlfahrt- und Krankenpflege 2 Jahre zur Verfügung, so hat cs hier in jedem Falle eine gute Möglichkeit der Vorbildung. In allen sozialen Berufen wird diese Zeit mit einem halben Jahr auf das Praktikum an- gerechnet.
Der Frauenhilfsdienst wurde von der Reichs- frauenführerin als ein Ehrendienst geschaffen. Er ist es bis heute geblieben, und wir werden ihn in Zukunft in wachsendem Maße zur Unterstützung aller Stellen benötigen, die zur Betreuung der schäft senden Volksgenossen eingesetzt sind.
Auskunft über den Frauenhilfsdienst erteilen die Kreisdienststellen des Deutschen Frauenwerkes des Gaues Hessen-Nassau.
Folgen, die sich aus solcher Voreiligkeit ergeben. Die Ueberraschungen sind kontrastreich eingeführt und ergeben sich ohne jeden Zwang. Die Figuren sind die Typen der Stegreifkomödie. Musikalisch ist das Werk anspruchsvoll und verlangt wie die echte Komische Oper in besonderem Maße darstellerische.Fähigkeit. Das Schwergewicht liegt bei den Sängern. Gesangslinie, Intervall und Rhythmus charakterisieren deutlich den gutmütigen Dandolo, den sanguinischen Notar, den trottelhaften Diener. Es gibt nicht das, was wir Leitmotiv nennen, aber jede Szene hat doch ein kurzes Motiv, eine kleine Melodie oder ihren eigenen Rhythmus. In dem Sprechaesang erinnert die Oper oft an den „Rosenkavalier , mit dem sie nach ihrer Entstehungszeit auch zeitlich zusammenfällt. Das reiche kontrapunktische Gewebe der Musik ist ohne Zugeständnisse an einen billigen Geschmack.
„Die Dell dankt Behring."
Zur Erinnerung an die 50-Jahrseier der Entdeckung der Jmmuntherapie hat das Behring-Archiv in einer kleinen Auflage ein wertvoll ausgestattetes Werk herausgegeben, das im Verlag Bruno Schultz, Berlin-Grunewald erschienen ist: „Die Welt dankt Behring." Nach einem Vorwort des Leiters des Behring-Archivs, Dr, med. A, von Engelhardt, und einer Einführung von Oberregierungsrat Fritz Imhoff, bringt das Buch eine tabellarische Uebersicht der hauptsächlichsten Daten aus dem Leben Emil von Behrings. Es folgen dann Auszüge der bei der Marburger Erinnerungsfeier und der wissenschaftlichen Tagung 1940 gehaltenen Reden und Vorträge, Berichte der Gedenkfeiern des Jahres 1940 in Deutschland und im Ausland und Auszüge der Jubiläums- artikel der wissenschaftlichen Presse Deutschlands und der wissenschaftlichen Presse des Auslandes. Die Ju° ibiläumsartikel der deutschen und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften, sowie die Veranstaltungen des Rundfunks und des Films anläßlich.der 50= Jahrfeier schließen sich an. Das reich illustrierte Werk ift eine wertvolle Erinnerungsgabe.
Friß Rhein 70 Jahre all.
Einer der besten Berliner Porträtmaler, Professor Fritz Rhein, vollendet sein 70. Lebensjahr. Entscheidend für die Berufswahl des jungen Rhein wurden öre engen Beziehungen feiner Familie zu dem Kasseler Schlachtenmaler Louis Kotitz, der an der Kasseler Akademie Direktor war. 1889 bezog Rhein die Akademie. Vier Jahre später siedelte er nach München über, besuchte dort die Malschule des Ungarn Hollussy, und ging später zu Paul Höcker, einem Schüler von Dietz, der die Freilichtmalerei an die Münchener Akademie gebracht hatte. Nach vierjähriger Studienzeit wandte sich Rhein nach Berlin, o)o es ihm gelang, einen Preis der Berliner Akademie zu erringen, der ihm ein Studium in Rom ermöglichte. 1911 erhielt Rhein den Dilla-Romana- Preis, 1912 ging er nach Florenz. 1914 zog er als Kriegsfreiwilliger ins. Feld. Hier entstanden die ersten Bildnisse großer Heerführer, besondere Leistungen seiner Porträtkunst. Er gehört zu den hervorragendsten Gesellschaftsmalern, er ist niemals banal «oder konventionell, sondern ihn interessiert das Be- ffondere der Physiognomie. Mele Galerien und Pn- Matsammlungen besitzen feine Werke. Alljährlich I hingen seine Bilder im Haus der deutschen Kunst in München. Für das Museum in Linz wurden verschiedene angekauft. Der Künstler steht heute auf der .Höhe seiner Schaffenskraft, eine Reihe neuer Por- iträts sind entstanden. Von zwei Jtalienreisen brachte .er Bildnisse und Landschaften heim. A. v. Oertzen. Zeitgenössisches Konzert der Berliner Philharmoniker.
Um die zeitgenössische Musik nachhaltig zu fördern, veranstaltete das Berliner Philharmonische Orckiester unter der Leitung von Leo B o r ch a r d ein Sonder- lkonzert, das ausschließlich Werken lebender Tonsetzer gearibmet war. Der Abend bewies aufs neue, mii welcher Zielstrebigkeit die junge Komvonistengenera- tion einen prägnant stilisierten geistigen Ausdruck unserer Zeit sucht und findet. Das zeigte sich besonders in dem Klavierkonzert op. 32 des Stuttgarter Hochschulprofessors Hans B r e h m e (geboren 1904). Der straffgehämmerte erfte Satz und das fnaierte Finale drängen mit ungestümer rhythmischer Wucht vorwärts. Die geballte Kraft besänftigt sich im lang- fromen Mittelsatz einer ruhig und sicher schreitenden Sarabande, und auch der Humor fehlt nicht: das Scherzo hüpft prickelnd und grotesk dahin. Wir hörten bann eine Partita von Goffrebo Petr asst (geb. 1904), eine dreisätzige Suite, die sehr herb und aggressiv klingt, mit formbewußter Polyphonie auf- pebaut ist (Ciaconna) unb in der abschließenden lGigue eine mitreißende motorische Energie entfesselt . Als jüngster Komponist des Abends war sodann der 1918 geborene Gottfried von Einem, ein sehr begabter Schüler Boris Blachers, mit einem Capriccio vertreten einem munteren Stück, dessen asymmetrische Akkordzüge und großbogige Streicher- metobien echtes Musikcmtentum verrieten. Abgerundet wurde bas Programm burch zwei effektvolle Stücke aus Werner E g k s Ballett „Joan von Za- t'iffa" sowie durch die schmissig-eleganten Tänze aus . .Galanta" von ZoltLn K o d a l y.
Aus der Giadi Gießen.
Das Streichholz.
Wenn man Berichte darüber liest, wie umständlich unb schwierig es in früheren Zeiten war, ein Feuer zu entfachen, so müssen wir uns heute glücklich preisen, burch das Streichholz dieser Nöte enthoben zu sein. Das Zündholz ist für uns zu einem sü wichtigen unb selbstverständlichen Gebrauchsartikel geworden, daß man es sich zunächst nur schlecht vorstellen kann, baß es noch keine 150 Jahre alt ist.'
Im allgemeinen wird bas Jahr 1832 als das Geburtsjahr des Zündholzes angesehen. An sich waren auch schon vor dieser Zeit ähnlich konstruierte Zündkörper bei verschiedenen europäischen Völkern bekannt. Jedoch erst im Jahre 1832 war deren Entwicklung soweit abgeschlossen, daß man sie als wirklich gebrauchsfähig bezeichnen konnte. Da die Zündhölzchen damals überall fast gleichzeitig auftauchten, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, wer ihr eigentlicher Erfinder ober zumindest das Ursprungsland gewesen ist.
Nach 1832 wurde das Zündholz fortlaufend weiter verbessert und auch bald schon fabrikmäßig herge- stellt. Trotzdem hafteten ihm noch immer schwerwiegende Mängel an. Entzündete man z. B. so ein Streichholz damaliger Herstellungstechnik, so explodierte es mit heftiger Feuerwirkung unb lautem Knall. Auch Selbstentzündungen waren damals an der Tagesordnung. Außerdem war die seinerzeit gebräuchliche Verwendung von weißem Phosphor als Zündmasie überaus gesundheitsschädlich.
Es ist ein Verdienst des deutschen Professors Böttger, diese Mängel beseitigt zu haben, Er ersetzte 1848 den gesundheitsschädlichen weißen Phosphor der Streichholzkuppe durch den ungefährlichen roten Phosphor. Der Vorgang beim Entzünden der Hölzchen spielt sich dabei folgendermaßen ab: Durch die Reihwärrne beim Anstreichen wird ein Teil des roten Phosphors in weißen umgewandelt, der sich unb bas Hölzchen enzr ndet.
Wenn auch im Laufe der Zeit noch weitere kleine Verbesserungen hinzukamen, so haben sich die Streichhölzer seitdem doch nicht mehr wesentlich verändert. Die Zündmasse besteht heute aus einer Mischung von Kaliumchlorat, Schwefel, Lehm usw. unb ist absolut gesundheitsunschädlich. Zur Herstellung der Hölzer benutzt man meistens Pappel-, Linden- ober Weidenholz, das möglichst frisch ift.
Wenn man bedenkt, oaß allein im Jahre 1928 in Deutschland 132 Milliarden Streichhölzer her- gestellt wurden, so kann man sich leicht ein Bild von den gewaltigen Holzmengen machen, die jährlich für die Zündholzproduktion bereitgestellt werden müssen. Diese Zahlen sollen aber nicht allein unsere Hochachtung vor der wirtschaftlichen Bedeutung des Zündholzes wecken, sie sollen zugleich jedem Verbraucher deutlich vor Augen führen, wie berechtigt die Mahnung ist: Seid sparsam — auch mit den Streichhölzern!
Sprechstunde des Kreisteiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 18. 3., nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.
Amt für das Landvolk.
Die Sprechstunde des Amtes für das Landvolk findet am Donnerstag, 18.3., nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, .Alicenstraße 10, statt.
Buchhandlungen verleihen Bücher.
Auf Vorschlag des Leiters des deutschen Buchhandels hat der Präsident der Reichsschrifttumskammer angeordnet, daß künftig alle Buchhandlungen einen Teil der Buchvorräte für Ausleihzwecke bereithalten müssen. Damit ist allen Volksgenossen Gelegenheit gegeben, sich in Buchhandlungen auch neuerschienene Bücher auszuleihen und auf diese Weise das weltanschauliche und schöngeistige Schrifttum unserer Zeit kennenzulernen. Soweit der Buchhandel von einzelnen Büchern größere Bestände vorrätig hat, wird der Buchverkauf weiterhin aufrechterhalten. Schulbücher und Fachbücher sind von dieser Regelung ausgenommen.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehoerteilungsmarkt) in der Viehversteige- rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 40 bis 41 Rpf., Bullen 35 bis 50, Kühe 19 bis 44, Färsen 27 bis 50, Kälber 28 bis 57, Schafe 32 bis 44 Rpf. je Vi kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg unb mehr) 1,45 NM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,43, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,41, c (100 bis 119,5 kg) 1,37, d (80 bis 99,5 kg) 1,31, e bis f (unter 80 kg) 1,25, gl (fette Specksauen) 1,45, i (Alischneider) 1,41, g2 (anbere Sauen) 1,31, h (Eber) 1,31 RM. Marktverlauf: alles zugeteilt.
NSG. Es sind neben der Unehelichkeit häufig schicksalhafte Umstände, durch die zahlreiche Kinder die erzieherische Betreuung ihrer Eltern einbüßen. Nicht immer ist es möglich, solche Kinder in Der- wandtschaftskreisen unterzubringen, da .diese oft wirtschaftlich nicht in der Lage sind ober burch bie Erziehung eigner Kinder, vielleicht auch durch Berufstätigkeit, als überansprucht angesehen werden müssen. Die NSV. hat deshalb für alle Kinder, die nicht in \ber eigenen Familie auf wachsen können, die Vermittlung von Pflegeeltern übernommen unb ist bemüht, solche Kinder in eine geordnete Fa- mil-rengemeinschaft einzureihen. Den Kindern gilt es eine vollwertige Heimat zu schaffen, wo sie zu einem wertvollen Glied der Volksgemeinschaft heranreifen können.
Als Pflegefamilien kommen natürlich nur solche in Betracht, von denen erwartet werden kann, daß ein Pflegekind wie ein eigenes Kind behandelt und betreut wird. Erbgesundheit und Erziehungsfähigkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen bei den Pflegeeltern.
Die Erfahrungen haben gezeigt, daß eine große
NSG. Der Frauenhilfsdienst für Wohlfahrt- und Krankenpflege, den bie Reichs fr auen führerin zur Entlastung von sozialen unb pflegerischen Frauenberufen vor einigen Jahren schuf, hat hn Gau Hessen-Nassau für viele Einrichtungen der NSV., für Krankenhäuser usw. Entlastung bringen können. Durch den oerftärkten Kriegseinfatz der Frau und die wachsenden Anforderungen, die dadurch an bie sozialen Detriebsarbeiterinnen größerer Werke gestellt werben, hat es sich als besonders erfolgreich erwiesen, Frauenhilfsbien st mädel den sozialen ^Betrieb5arbeitertnnen als Helferinnen beizugeben.
Die Mädel hoben hier gute Möglichkeit, sich in soziale Fragen praktisch einzuarbeiten. Sie Häfen der sozialen Betriebsarbeiterin bei Hausbesuchen der Betriebsmitglieber, sie übernehmen manchen Fall ber Nachbarschaftshilfe für bie Mitglieder des Betriebes, helfen nebenbei bie schriftlichen Arbeiten der sozialen Betriebsarbeiterin erledigen unb lernen manchen Handgriff in der Krankenhilfe bei ber Behandlung von leichten Betriebsunfällen.
NSG. Arzt fein heißt nicht allein leidenden Menschen zu helfen, chre Schmerzen zu lindern, oder ihnen bie vorübergehend verlorene Gesundheit zu> rückzugeben. Arzt sein heißt vor allem auch, zur 'Gesunderhaltung des Volkes beizutragen und darüber zu wachen,' daß alle irgendwie auftretenden schädlichen Einflüsse auf ein Mindestmaß herabgesetzt werben, daß der Mensch eben gesund ist und bleibt.
Mit unermüdlichem Forschergeist, oft unter Hintansetzung des eigenen Lebens, haben bie Aerzte sich bemüht, ihre Erkenntnisse über die Zusammenhänge des menschlichen Organismus zu vertiefen. Jede neu errungene Erkenntnis barg zugleich eine Fülle neuer Probleme in sich, und so mutzte bald eine Spezialisierung auch des Aerzteberufes eintreten. Aus dem Wundarzt wurde der praktische Arzt, dem jedoch bei besonderen Fällen der Spezialarzt zur Verfügung steht. So bildeten sich neue Arzttypen; einer ber letzten hierbei ist wohl der Betriebsarzt.
Die Aerzte finden in ihrem täglichen Aufgaben-' bereich oft eine Fülle von Problemen vor, bie sie als -Praktiker nicht allein zu lösen imstande sind. Es muß dabei berücksichtigt werben, baß auch die Aufgaben des Betriebsarztes im wesentlichen ganz neu sind. Um ihm aber über sein akademisches Studium unb seine betriebliche Erfahrung hinaus bas notwendige wissenschaftliche Rüstzeug zur. Verfügung zu stellen, schuf die Deutsche Arbeitsfront bei ihrem Amt „Gesundheit und Volksfchutz" eine Reihe von Instituten für Arbeits- und Leistungsmedizin.
So besteht in Frankfurt a. M. und Wiesbaden ein „Forschungsinstitut für Arbeitsgestaltung, Altern und Äusbrauch", in dem unter Leitung von Professor L. Brauer die praktische und wissenschaftliche Bearbeitung von Aufgaben der Gemeinschaftsverpflegung behandelt werden. Hinzu treten dort noch die Forschungen über Alters- unb A*'- brauchserscheinungen unb bie Forschungen über Wege zu frühzeitiger Erkennung von Berufskrankheiten.
Im Auftrage des gleichen Amtes führt die
Dermatologische Universitätsklinik Gießen Untersuchungen auf dem Gebiete ber Reinigungs- und Hautschutzmittel für Betriebe durch, wobei es in erster Linie darum geht, jegliche Hauterkrankungen durch gefährliche ober gefährdende Jn- bustrieerzeugnisse zu vermeiden. Die gleiche Aufgabe, wie sie hier Professor Dr. W. Schultze übertragen wurde, hat das „Institut für Kolloid- forschung, Abteilung Hautumweltforfchung" in Frankfurt a. M. zu erfüllen, wobei vor allem bie Versuche zur Schaffung guter Reinigungsmittel in Stuckform das Hauptziel find, bas außer den Untersuchungen ber chemischen Einflüsse von Staub auf bas Lungengewebe erreicht werben soll.
In enger Zusammenarbeit mit diesem Institut ift ber „Ausschuß zur Verhütung gewerblicher Haut- erkrankungen" tätig, ber alle in dieser Hinsicht gewonnenen Erfahrungen zusammenfaßt und gleichzeitig bie für bie Schaffenden bestimmten synthetischen Reinigungsstoffe überprüft, eine gerade jetzt sehr Wichtige unb verantwortungsvolle Aufgabe.
Die Deutsche Arbeitsfront hat außerdem im Gau Hessen-Nassau zwei weitere für bas Gesamtreich arbeitende wissenschaftliche Forschungsstellen festgelegt. Es sinb dies das „Kaifer-Wilhelm-Jnstitut für Biophysik", das vor allem für den Uran-Pechblenden- Bergbau arbeitet sowie das Institut für vegetative Physiologie" an der Universität Frankfurt, wo unter Leitung von Professor Felix in einem Sonderauftrag gewisse Leberfunktionsprüfungen vorgenommen werben.
Alle diese Arbeiten, so sehr sie sich auch im stillen abwickeln mögen, tragen in einem Maße ihre unmittelbaren Früchte, wie es ber einzelne kaum zu überschauen vermag. Erhält doch der gesundheitliche Berater und Betreuer der Schaffenden, ber Betriebsarzt, burch sie bie notwendigen Unterlagen in absolut einwandfreier unb vor Zufälligkeiten bewahrter Form, bie es ihm ermöglicht, an der Gesunderhaltung aller Schaffenden nicht nur jetzt im Kriege, sondern zukunftweisend auch für später maßgeblich mitzuwirken.__
Glück auf, Renate!
Roman von Ernst Grau.
23. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Dann stand. sie in einem kleinen, gemütlichen Salon, dessen gediegene, alle Möbel sicher noch aus iem Hamburger Patrizierhause des Senators Hagendröm stammten. Doch Renate, bie sich sonst gern mit vlchen Dingen abgab, hatte jetzt keine Augen bafur. Sie trat ans Fenster unb sah auf bie fonntagsftme Straße hinunter, wahrend sie noch einmal au es aberdachte, was sie sich zu sagen vorgenommen hatte.
Aber als sie sich bann nach kurzen Minuten des üöartens auf bas Geräusch ber sich öffnenben Tur amroenbete unb sich einer durchaus nicht ablehnend ireinbüdenben Frau gegenübersah, bie ihr sogar iad) kurzem Zögern mit einem herzlichen Lachem He Hanb entgegenstreckte, ba war alles, was sie sich ben noch zurechtgelegt hatte, wie ausgelojcht. Sie and kein Wort. Sie sah nur bas vergebende Lächeln, bas alles Ungemach vergessen zu haben schien, )'Q5 biefe Frau während eines langen Jahres willig -eingenommen hatte.
„Es ist schön von Ihnen, Renate, daß Sie nun ) och noch ben Weg zu mir gefunden haben , jagte Thora Kersten frohen Blickes, das Mädchen mit einer freundlichen Bewegung zum Sitzen einladend.
Renate blieb beschämt unb verwirrt bei ihr stehen. Sie hatte sich diese erste Begegnung anders gedacht, ire hatte geglaubt, schenken zu können, und mußte es tun hinnehmen, daß sie selbst bie Beschenkte war.
„Ich weiß — ich hätte früher kommen sollen —", intgegnete sie enblich. „Ich habe ja so unenblich viel oteber gutzumachen, Frau Thora."
„Aber nun sind Sie ja ba, Renate. Unb damit ft boch alles gut."
Was sie unter der Mißachtung dieses Mabchens
auch gelitten haben mochte, in diesem Augenblick hatte sie alles vergessen.
„Nein?" Renate schüttelte hefttg ben Kopf, als wollte sie es sich selbst nicht leicht machen. „Es war ja alles so grenzeiilos bumm von mir, Frau Thora. Ich bin doch kein Kind mehr —"
„Doch, Renate", sagte Thora voll Güte unb Verstehen. „<$ie sinb ein Kind, ein Kind, das feinen Vater zu verlieren glaubte."
Der warme, mütterliche Ton in diesen Worten bezwang das Mädchen.
„Ja —", kam es nach einer Welle leise. „Sie haben recht — so war es wohl. Und es reizte mich manchmal sogar, daß Sie es so einfach Hinnahmen —", gestand Renate fast gegen ihren Willen.
Mit einem nachsichtigen Lächeln stand die Aeltere neben ihr unb ihre betben Hände lagen auf den Schultern des Mädchens. >
,Lch habe bas alles sehr gut verstanden, Renate. Aber was sollte ich tun? Ich liebe ben Kampf nicht. Katnpf ist nun einmal Sache bes Mannes. Und ich bin eine Frau, nichts weiter, unb will auch nichts weiter sein. Ich habe sehr früh lernen müssen, zu verzichten. Es ist schon lange her, und ich habe dann später gesehen, daß man auch darin ein wenig Glück zu finden vermag." .
Renate sah zweifelnd zu ihr auf. Emen geliebten Menschen aufgeben unb dennoch —
„Glück im Verzicht —?" fragte sie verwundert. „Da kann ich Ihnen nicht folgen. Frau Thora."
Sie saßest nun einander gegenüber und jede schien in ben Augen der anderen zu suchen.
„Doch. Es ist so. Renate", nickte Thora nach einer kleinen Paufe. „Mehr als uns bas Schicksal geben will, erreichen wir auch im Kampfe nicht. Denn jedem ist sein Quäntchen Glück zugemessen, unb ber Kampf würde bann nur mit einer Niederlage enden. Aber jede Niederlage verbittert den Menschen nur und macht ihn unglücklich, treibt ihn zu neuen Kämpfen unb damit zu neuen Niederlagen.
„Ich sehe es anders, Frau Thora", gab Renate rasch zurück. „Alles Leben ift Kamps ..."
„Sie sind noch jung", warf die andere voll Nachsicht ein. „Das Leben läßt uns nicht immer die Wege gehen, bie wir gern gehen möchten."
„Gewiß. Aber sich im voraus besiegt geben ... nein, das kann nicht ber rechte Weg fein." .
Der Helle Eifer des Mädchens gefiel Thora. Sie ist ganz Hammerkotts Tochter, dachte sie.
„Für Sie auch nicht, Renate. Aber wir Menschen find nun einmal verschieden. Unb das ift gut so. Für manche aber gibt es keinen anderen Weg, wenn sie sich im Kampfe nicht nutzlos zerreiben wollen, weil sie noch andere Pflichten haben. Sehen Sie, Renate, Ihnen ist jetzt der Vater das Liebste. Aber Sie würden vielleicht auf ihn verzichten, wenn ein Mann in Ihr Leben träte, ber Ihnen mehr bedeutete ..."
Thora Kersten schwieg, ohne den Satz zu vollenden. Sie sah, wie ein heißes Gefühl dem Mädchen Helle Röte in die Wangen trieb. Sie verstand dieses jähe Aufflammen und lächelte mütterlich.
„Du brauchst mir nicht zu antworten, Kind", sagte sie und zog das große Mädchen zärtlich an sich. „Nun verstehe ich erst ganz, warum du heute zu mir kommst. Du konntest ja gar nicht eher kommen. Aber nun wird alles gut."
„Thora, du beschämst mich mit jedem Wort ..." „Du großes Kind, du."
„Unb- ber Vater ...? Er erwartet mich heute abend zurück ... was soll ich ihm sagen ...?
„Daß er mich am Dienstag sehen wird, wenn er auf dem Nürburgring startet."
*
Werner Hellingrath sollte sich nicht getauscht haben, als er sich sagte, baß Meinders ober Ter- brüggen bei allernächster Gelegenheit auf bie Ereignisse des vergangenen Samstags zurückkommen würde. Er hatte sie durch fein Dazwischentreten doch in eine zu komische Rolle gedrängt, als baß sie bas so ohne weiteres vergessen würden. Es er- hetterte ihn im füllen jetzt noch, wenn er die beiden vor sich sah. wie sie in grenzenloser Verblüffung feinem „Laubfrosch" nachstarrten, dessen plötzliches
Auftauchen ihrem Streit ein so unerwartetes Ende gemacht hatte.
So saß er bann am Montagvormittag in seinem kleinen Werkbüro neben dam Maschinensaal der Förberanlage beim Frühstück, als Terbrüggen ejn= trat.
Daran war zunächst weiter nichts Auffälliges, denn auf feinen Kontrollgängen durch das Werk kam er sehr häufig hierher. Ungewohnt war nur seine betont freundliche Miene, die erkennen ließ, daß er diesmal nicht ohne besondere Absichten kam.
„Sie wollen einfahren, Herr Direktor?" fragte Hellingrath nach kurzer Begrüßung.
„Ja. Ich habe ba eben Ihren letzten Wochenbericht vorgehabt und sehe, daß Sie mit dem Streckenvortrieb auf Sohle fünf nicht recht vor- wärtskommen."
„Leider. Aber es ist fo. Wir find da auf eine sehr brüchige Stelle im Hangenden gestoßen, so daß die Zimmerleute mit ihrer Arbeit verschiedentlich ..."
„Gut. gut", fiel Terbrüggen unterbrechend ein. ,Zch will mir bas einmal selbst ansehen."
Hellingrath packte fein Frühstücksbrot zusammen und wollte sich erheben.
„Aber nein, so ift bas natürlich nicht gemeint, lieber Doktor", wehrte Terbrüggen leutselig ab. Er zog sich einen kleinen Hocker heran und ließ sich neben Hellingrath nieder. „Ich will Sie beileibe nicht um Ihre Frühstückszeit bringen. So sehr brennt es mir nicht."
Der ungewohnt freundliche Ton erfüllte ben andern mit Mißtrauen. Doch er verrnieb jede Gegenrede und wickelte fein Brot wieder aus.
„Also, wenn Sie nichts dagegen haben, Herr Direktor", meinte er mit einem halben Lächeln. „Essen unb Trinken hält bekanntlich Leib und. Seele zusammen."
Der andere nickte verstehend.
„Unb nicht zu vergessen: die Liebe", bemerkte er mit vertraulichem Zwinkern.
(Fortsetzung folgt'


