Städte, darunter
vom 15.
♦* Grüße aus dem Feld. Bier Arbeitsmänner aus Gießen und Umgegend übermitteln durch uns der Heimat herzliche Grüße aus dem Westen. Es handelt sich um die Arbeitsmänner Hans Bolz aus Gießen, Hans Schmidt aus Klein-Linden, Otto Krug aus Mainzlar und Erwin Dietz aus Odenhausen. Die Grüße werden von der Heimat mit besten Wünschen für die
Reichel veröffentlichte zahlreiche Arbeiten über Al- koholmißbrcruch, Geburtenrückgang, Arbeitshygiene, Siedlungsfragen und Rassenhygiene. — Der emer. Ordinarius der Kinderheilkunde an der Universität Rostock, Prof. Dr. Hermann Brüning vollendet sein 70. Lebensjahr. Er promovierte 1899 in Bonn imi) habilitierte sich 1905 in Rostock. 1908 wurde er a. o. Professor, 1919 Ordinarius. Aus der Reihe seiner Schriften seien genannt: „Bäder- und Kur- orttehre für das Kindesalter", „Therapeutisches Va- demecum für die Kinderpraxis" und „Das große Handbuch der Pathologie und pathologischen Ana- tomie des Kindesalters". — An der Universität -Frankfurt wird ein Lehrstuhl für Arznermittelkunde errichtet werden. Die Leitung übernimmt Pros. Dr. Zetert (bisher Wien), der sich durch Forschungen •auf diesem Gebiet einen Namen gemacht hat.
durch eine Sonderregelung noch bestimmt werden, bei der den jeweiligen örtlichen Verhältnissen Rechnung getragen werden soll.
^ineminister Moreno und der Generalkapitän von Zarcelona, General Moscardo, Platz genommen Men. *
In Bukarest wurde die rumänisch-deutsche Aus- tellung „Autobahnen und Wasserstraßen", die vom Zeneralinspektor für das deutsche Straßenwesen, Iom Generalinspektor für Wasser und Energie owie vom rumänischen Ministerium für öffentliche Arbeiten und Verkehr veranstaltet wird, in Anwesenheit zahlreicher rumänischer Regierungsmit- Meder, des Staatssekretärs Schulze-Fielitz und )es deutschen Gesandten Freiherrn von Killinger «öffnet.
bis in unsere Tage wirkt.
Denn neulich, als bei einem Fliegerangriff in einer Stadt am Rhein einer der Enkel Hab und Gut verlor und die Familie am Morgen wie gelähmt vor der Brandstätte ihres Hauses stand, da sagte plötzlich ein Urenkel: „Großmutter hätte jetzt gesagt: Kinder es gibt Schlimmeres! Ihr habt ja noch euer gesundes Leben."
Da mußten alle lächeln, und Ratlosigkeit und Jammer wurden ab gelö st von neuem Mut, Planen und Handeln^ Mich deucht, dies Sprüchlein könnte sich mancher merken. H. B.
Landgerichtsdirektor Or. Brill
50 Lahre im Lustizdienff.
Ha*
keine Privatgespräche am Fernsprecher! Du gefährdest tonst hrftschutxwichtige Gespräche!
** Ärbeitsjubiläum bei I. B^ Noll. Im Mittelpunkt eines Betriebsappells der Firma I. B. N o H , Zigarrenfabriken, Gießen, stand das 25jäh rige Arbeitsjubiläum des Obermeisters und Fabrik- konttolleurs Heinrich Bourkarde. Der stelloer ttetende Betriebsführer gedachte in anerkennenden Worten der Verdienste des Jubllars und überreicht ihm als Dank der Firma eine Ehrenurkunde nebst Geschenk. Die Glückwünsche des Kreisobmannes der Deutschen Arbeitsfront überbrachte der Kreisfach abteilungswalter Pg. Stein. Er ehrte besonders die erfolgreiche Tätigkeit des Jubilars, hob feine Beliebtheit bei der Gefolgschaft hervor und sprach sodann noch im allgemeinen über den Wert der Arbeit, ganz besonders in der heutigen Zeit des totalen Kriegseinsatzes. Nach Ueberreichung eines 1 Geschenkes der Arbeitskameraden schloß der Be
.... . •• •- r| an den
zeit — „Auf Wiedersehn, Franziska!" — gezeigt, daß er auch einer ernsthaften Erörterung von Ehe- und Berufsproblemen überzeugend gewachsen ist; hier nimmt er die Sache nicht schwerer als sie gemeint ist, und gewinnt im lustspielhaften Bereich durch Natürlichkeit und ungezwungenen Humor. Don den übrigen tun sich Mady R a h l, Rolf Weih und Harald Paulsen, in einer witzigen Diener- rolle, hervor. — (Tobis.) Hans Thyriot.
Verdunkelungszeit:
16. April von 21.21 bis 5.52 Uhr.
General Professor Ottorino Uffreduzzi, der die chirurgische Abteilung der Lazarette des italieni- chen Expedittonskorps Armir im Osten organisierte, verunglückte tödlich auf der Autobahn Mai- sand—Turin.
Zwischen der Türkei und Italien wurde ein Wirtschaftsabkommen abgeschlossen.
Aus aller Wett.
folgenschwere Explosion in einem portugiesischen Lisenbahnzug.
Ein Explosionsunglück, das sich in einem stark besetzten Personenzug ereignete und bei dem 18 Personen ums Leden kamen, wird aus Mirandela (Portugal) berichtet. Unter einer Bank hatte ein Reisender ein Paket mit Feuerwerks- körpern unlergebracht, das durch einen achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel in Brand gesetzt wurde. In dem ausgebrannten Wagen wurden 18 Leichen auf gefunden.
Tod im IHoor.
In einem Moor bei Gadevang (Nord-Seeland) tarnen zwei Knaben um. Als die Vermißten gefunden wurden, zeigte es sich, daß der ältere, zehnjährige Knabe, vergeblich versucht hatte, seinen achtjährigen Kameraden zu retten und schließlich zusammen mit diesem ertrunken mar.
Kunst und Wissenschaft,
hochschulnachrichten.
Der o. Professor Dr. Wilhelm Weizsäcker in Wien ist an die Deutsche Karls-Universität in Prag ■unter Ueberttagimg des Lehrstuhls für deutsche Rechtsgeschichte, bürgerliches Recht und Bergrecht berufen worden. Weizsäcker ist 1886 in Prag geboren. Er studierte in seiner Vaterstadt, promovierte dort 1909 und habilitierte sich 1922 ebenda. 1926 wurde er a. o. Professor und 1930 Ordinarius. Seine Berufung nach Wien erfolgte 1941. — Der o. Professor für privates Recht und Wirtschaftsrecht an Der Hindenburghochschule in Nürnberg, Dr. jur. Wolfgang Bernhardt, hat einen Rüf an die T. H. München angenommen. Bernhardt wurde 1904 in Kottmarsdorf (Oberlausitz) geboren. Er studierte in Berlin, München und Leipzig, promovierte 1929 in Leipzig und habilitierte sich ebenda 1935. 1940 wurde er o. Professor in Nürnberg. — Im Alter von 66 Jahren starb in Wien der emer. Ordinarius für Hygiene an der Universität Graz, Prof. Dr. med. Heinrich Reichel. Reichel studierte \ in Wien und promovierte dort 1901. Nach einer Beteiligung an der Monte -Rosa-Expedition zur physiologischen Erforschung des höheren Klimas habilitierte er sich 1910 in Wien und wurde 1933 o. Professor in Graz.
tens auf die sichere Grundlage einer physiologisch chemischen Betrachtungsweise gehoben worden.
Wenn auch die von Liebig getroffene Einteilung der Nahrung in organbildende, plastische Stoffe i eiroa den Eiweißstoffen entsprechend) und wärme bildende respiratorische Substanzen (Fette und Kohlenhydrate) in dieser Form nicht durchweg auf rechtzuerhalten war, so zeigte er doch damit, daß die einzelnen Nährstoffe in den Nahrungs- und Futtermitteln voneinander streng unterschieden werden müssen und ganz bestimmte Ausgaben zu erfüllen Haden.
Lehrte somit Liebig einerseits durch die Einführung der chemischen Analyse die einzelnen Nähr ftoffe mit bestimmten physiologischen Funktionen festzustellen, so hat er anderseits damit auch den Anstoß für die laufende Untersuchung unserer §ub ter- und Nahrungsmittel, also die Futter- und Nahrunasmittelkontrolle gegeben. Die für die Praxis so wichtige und unendlich segensreiche Heber- wachung des Handels mit Futter- und Nahrungsmitteln ist somit letzten Endes durch feine Anregung begründet worden; sie beschränkte sich naturgemäß in der Folgezeit nicht nur auf chemische Methoden, sondern wandte auch biochemische, botanisch-mikroskopische und mikrobiologische Verfahren an. Neben der eigentlichen Futter- und Nahrungs Mittelkontrolle wurde damit eine Entwicklung ausgelöst, deren vorläufigen Gipfelpunkt wir in den modernen Forschungsbestrebungen erkennen, immer mehr den Sonderwert der einzelnen Futter- und Nahrungsmittel durch das Studium der Qualität Probleme zu ergründen und festzustellen, in welcher Weise man durch Düngung der Pflanzen imstande ist, in ihnen den Gehalt an den für das Leben von Tier und Mensch wesentlichen Energieträgern und Schutzstoffen anzureichern und z. B. Eiweißkörper von beftimmter wertvoller biologischer Zu sammensetzung oder Fette besonderer Beschaffenheit zu erzeugen bzw. den Gehalt an wichtigen Mine- ralstoffen, Vitaminen ober sonstigen Wirkstoffen in der Nahrung zu erhöhen. Wenn heute unsere agrikulturchemischen Forschungsstätten, seien es nun Universitäts- oder Hochschul-Jnstitute, seien es landwirtschaftliche Versuchsanstalten und Un»
Justus von Liebig und die Entwicklung der Tierernährungslehre
Von Professor Dr. Karl Scharrer, Direktor des Agrikulturchemischen Instituts der Universität Gießen.
Am 18. April 1943 sind 70 Jahre seit dem Tode des Begründers der modernen Agrikulturchemie Justus von Liebig verflossen. Da seine Leistungen auf dem Gebiete der tierischen Ernährungslehre weniger bekannt sind als jene über die Pflanzenernährung, haben wir den Inhaber des Lehrstuhls für Agrikulturchemie, Professor Dr. Karl Scharrer, um einen Beitrag über Liebigs Wirken auf dem Gebiete der Dierernährungslehre gebeten.
Wir dürfen bei aller Würdigung der Leistungen Liebigs auf dem Gebiete der Pflanzenernährung nicht vergessen, daß auch die Tierernährung und die allgemeine Ernährungslehre überhaupt durch ihn mächttg gefördert worden sind, und zwar vor allem durch das im Jahre 1842 von ihm herausgegebene Buch: ,Me organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie". Wenn im Dezember 1942 die UniversiM Gießen, an der Liebig über ein Diertelsahrhundert wirkte und seine experimentellen Großtaten schuf, hier somit die fruchtbarsten Jahre seines arbeitsreichen Lebens zubrachte, ihn durch eine akademische Feier ehrte und im Verein mit Staat, Partei und Wirtschaft einen Justus-Lie- big^Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiete der reinen und angewandten Chemie einschließlich der Agrikulturchemie stiftete, so war nickst zuletzt die Wahl für den Zeitpunkt dieser Gedenkstunde mit dadurch bestimmt, daß vor hundert Jahren das erwähnte Buch Liebigs erschienen ist.
Zur Zeit der Begründung der Landbauwissen- schaften durch den Arzt Albrecht Thaer machte sich zuerst das Bestreben geltend, die in der Praxis oer Fütterung verwendeten Nahrungsmittel des Tieres zu bewerten. Er versuchte den Wert der verschiedenen Futtermittel dadurch festzustellen, daß er sie mit mittelgutem Wiesenheu verglich, und führte auf diese Weise die „Reduttion auf Heu" ein, womit zu. nächst noch ohne tiefere physiologische Grundlage der Nährwert der pflanzlichen Futterstoffe auf eine gewisse vergleichbare Basis gebracht werden sollte.
Wesentlich weiter kam man erst, als Liebig die physiologische Chemie begründete und die chemische Analyse der Futtermittel einführte. Dadurch erkannte man, daß es falsch sei, ganze Futtermittel als solche miteinander zu vergleichen, und daß man zunälbst die einzelnen Nährstoffe oder mindestens Nährstofsgruppen des jeweiligen Futtermittels kennen muß. Erst mit der Einführung des Nährstoffbegriffes durch Liebig ist somit die Tierernährungs- lehre aus dem Zustand des empirischen Herumta-
Am gestrigen Donnerstag konnte der Landgerichtsdirektor Dr. Ernst Brill am Landgericht Gießen fein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Landgerichtsdirektor Dr. Brill hat sich während dieser langen Dienstzeit in allen Dienststellen hervorragend bewährt und sich als volksnaher Richter erwiesen, der sich allgemeiner Wertschätzung erfreut. Der Reichsminister der Justtz hat dem Jubilar in einer Urkunde in anerkennenden Worten für seine treuen Dienste gedankt. Der Landgerickstspräsident hat ihm, zugleich im Namen des Oberlandes- ;erichtspräsidenten und für die gesamte Gefolgschaft »er Beamten und Angestellten des Landgerichts, feine herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen. Er gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß es Dr. Brill noch recht lange vergönnt fein möge, in der gleichen körperlichen und geistigen Frische und Tatkraft wie bisher seine bewährten Dienste der Ju-- stizverwaltung zur Verfügung zu stellen.
Lichtspielhaus: »Meine Krau Teresa^.
Dieser Film unterscheidet sich von manchen andern dadurch, daß er und sie sich nicht erst zu kriegen brauchen, sondern daß sie sich schon haben. Sie smd sogar bemerkenswert glücklich verheiratet. Aber eine Ehe ist eine Ehe, und ein Roman ist ein Roman: dies ist etwa, in kurzen Worten, die Lehre, welche aus dem Drehbuch, geschrieben von Willy Clever unter Mitarbeit von Ellen Fechner, der Verfasserin des Romans „Meine Frau Teresa", zu ziehen wäre; eine neuartige Abwandlung des allen Satzes, daß aud) Bücher ihre Schicksale haben. Der glückliche Ehemann ist nämlich ein Schriftsteller, und fein Einfall, den Roman seiner Ehe zu schreiben, ist zwar literarisch gar nicht schlecht, denn der Roman wird ein gewaltiger Bucherfolg, aber für den Verfasser persönlich führt er zu ganz unvorhergesehenen und peinlichen Ueberrafdjungen, weil nämlich Teresa durchaus nicht damit einverstanden ist, daß ihr privatestes Privatleben auf diese Art unter die Leute kommt. Es ist fein Zweifel, daß dem Thema em ernsthaftes und nachdenkliches Problem zugrunde liegt, aber auf dessen Erörterung hatten es die Hersteller nicht abgesehen; ihnen war es bloß um den lustspielhaften Spaß zu tun. Der Spielleiter Arthur Maria R a b e n a 11 bringt mit allerlei drolligen und grotesken Situationen die Leute zum Lachen; alles ist auf einen leichten, lockeren, unverbindlichen Ton gestimmt, und der witzige Dialog läuft manchmal so geschwind ab, daß man Mühe hat, alle Pointen mitzukriegen.
<Nfie Mayerhofer ist die sehr Niedliche und zierliche kleine Frau Teresa; man kann ihr ihren Kummer nachfühlen. Hans Söhnker hat seiner-
S o m m e r f e r i e n für bie fünf größten hesiycheu darunter auch für Gießen, auf die Zeit ___Juli (erster Ferientag) bis 18. August (letzter Ferientag) festgesetzt. Die Sommerferienzeit für die kleineren Städte und die Landgemeinden mirb
Aus der (Statt Gießen.
Es gibt Schlimmeres!
Großmutter sagte immer, wenn eins von ihren Enkeln hinfiel und schrie: „Kind, es gibt Schlimmeres! Danke Gott, daß du kein Bein gebrochen hast." Und verblüfft über ihr Wort, hörten wir auf zu schreien.
Einmal aber brach einer der Enkel ein Bein. Es war ein arger Bruch und schon des schreiens wert. Die Mutter schlug verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen; doch da stand Großmutter schon an ihrer Seite: Kind, es gibt Schlimmeres! Wenn er nun das Genick gebrochen hätte!" das faß. Und sich zusarmnennehmend, begann die Mutter sogleich das Notwendige zu tun.
Wie viele Fälle gab es in der Familie, wo dieser Ausspruch Trost spendete und Kraft! Ja, dieser kleine Satz wurde zu einer Art Vermächtnis, das
jungen Männer herzlich erwidert.
♦* D i e Schulferien in Gießen. Die feit einigen Tagen laufenden Osterferien enden am
2. Mai. Der Unterricht wird am Montag, 3. Mai, j Geschenkes der Arbeitskameraden schloß in allen Schulen wieder aufgenommen. Eine Der- triebsobmann den Appell mit dem Gruß fügung der Landesregierung hat nunmehr die Führer.
(Nachdruck verboten.)
6. Fortsetzung.
Fälle freue ich mich, daß Sie jetzt für Und das Thema wechselnd: „Wie n
iie war die lieber»
noch einmal an Dos Passos; „Vielleicht überlege^
Vom Schicksal verweht
Roman von Holla Gutkelch
wehrt Dos Passos das Lob ab.
„Glück hat immer nur der Tüchtige! Auf alle Fälle freue ich mich, daß Sie jetzt für uns arbeiten."
fahrt?"
Dos Passos lacht rauh auf. „Magnifico, mir hatten einen herrlichen Sturm. Man konnte sich an Deck kaum aufrecht halten. Aber Kampf muß sein, sonst lohnt sich das ganze Leben nicht!"
Der Professor lachte halb schmerzlich, halb ironisch. „Na, Herr Kollege, in dieser Beziehung werden Sie sich bei uns nicht zu beklagen haben. Fragend blickt Dos Passos auf den bekümmert dreinschauenden Forster.
Da ertönt hinter den beiden Männern eine kräftige Stimme: „Hallo, Dr. Dos Passos!" Sie gehört dem Journalisten Will Rubber, der schlendernden Schrittes näher kommt. Wer ihn sieht, hält es für unmöglich, daß er der gerissenste und gewissenloseste Zeitungsreporter der Alten und der Neuen Well ist. Treue, fast naiv blickende Augen stehen in einem breiten Gesicht, über dem meist der heitere Abglanz einer Seele ohne Falsch liegt. Der ganze Rubber wirkt, obwohl in einem tadellosen neuen Tropensakko steckend, auf eine bärenhaft tapsige Weise gemüllich. »Ich gehe schon an Land.— kommen Sie nicht mit?" fragt er Dos Passos. Zwanglos stellt er sich Forster vor: „Pardon me — Will Rubber." Als er den Namen des Professors
hört, bemerkt der Journalist interessiert: „Ah, Sie brauche ich auch. Don Ihnen werde ich mir nachher Unterlagen holen. Also auf später, meine Herren!" Jovial hebt er die Hand zum Abschied, läßt sie aber plötzlich sinken, und während ein pfiffiges Lächeln seine Mundwinkel umspielt, wendet er sich
Forster sieht in der Tür der bezeichneten Kabine einen großen, schlanken Mann stehen. In sein klar geschnittenes Gesicht mit der geraden Nase hat ein wechselvolles Leben viele Linien eingegraben. Silbergraue Fäden ziehen sich durch feine Schläfen und den kurz geschnittenen Bart, der das Kinn bedeckt. Der stählerne Blick feiner Augen ist ungewöhnlich in diesen südlichen Breiten. In der linken Hand hält er einen verwitterten Panamahut, feine Rechte streckt sich dem Leiter des Hygiene-Departements Puntamarras entgegen. „Professor Forster? Ich bin Dos Passos aus Venezuela!"
Forster schüttelt die ihm hingestteckte Hand. „Freut mich, Herr Doktor. Ich habe schon viel von Ihnen gehört und gelesen, ©ie haben ja drüben mit ihrer prophylaktischen Persisttn-Behandlung einen Riesenerfolg gehabt!" sagt er herzlich.
„Halt, stop mal, ich habe auch Glück gehabt!"
„Aber mich? Mich lassen Sie gehen!" kommt es Litter von Bob Lewis Lippen.
„Ich habe Ihnen schon oft gesagt: Ich mag feie gerne, Bob, sehr gern. Wir sind immer gute Kameraden gewesen, und es wird mir schwer fallen, ohne -Sie zu arbeiten." „ , , . o .
„Dann kommen Sie doch mit", beharrt Lewis -eigensinnig. „Es braucht ja nicht Oklahoma zu sein, wir können auch anderswo an einem Krankenhaus -arbeiten, oder wir machen irgendwo eine eigene ^®feSVirginia erwidern kann, springt Lewis auf. Er setzt sich auf die Lehne ihres Sessels. „Wir wollen doch einmal offen miteinander reden, Virgin. Sie wissen, daß ich mich nur Ihretwegen auf dieser ayttverlassenen Insel vergraben habe und daß ich oie nie aufgeben werde. Nie! Ich hebe Sie und ich will, daß Sie meine Frau werden — wie oft habe ich Sie schon darum gebeten! Und Sie sagen doch selbst, daß Sie mich auch gern haben/
Virginia denkt daran, wie sehr sie sich um fein Leben gesorgt hat. Ihr Widerstand ist nur noch schwach. ,Za, Bob, sehr gern sogar, aber ich ... Die brennende Gewißheit, daß sie einen anderen Mann niemals vergesien kann, wird sie nicht los.
..Virgin, für mich gibt es kein .Aber', ich mochte nur eins wissen: Willst du meine Frau werden. Sein Atem streift ihre Stirn, fein jarjer2Be en will von ihr Besitz ergreifen. Sie sehnt sich n chl nach einer Vereinigung mit ihm, aber fie wird viel- leicht nicht mehr so allein fein wie fett Dielen Jahren. Darum schlägt sie «roß?te Augen zu dem Mann auf. Er lieft in ihnen die Bestätigung feiner Wünsche. „Ja?" Ueberglücklich, fast ungläubig, sagt er das kleine Wort. ....
Virginia nickt. „Wenn Sie zuruckkommen, Bob
„Aber ich fahre doch nicht fort. Ich bleibe jetzt natürlich hier!" lacht Lewis befreit auf.
Virginias Gesicht ist ernst. „Doch. Bob. Sie müssen — du mußt fahren. Du warft solange nicht auf Urlaub, und ich brauche auch etwas 3eIt- .
„Seit? Wozu?" fällt Lewis ihr betroffen ms
Mit großer Ehrlichkeit sieht sie ihn an „Du mußt mich nicht falsch verstehen, Bvb, 'ch mar fo viele Jahre allein. Ich muß mich erst daran gewoh ntn, daß ich es jetzt nicht mehr fern werde.
Lewis lächelt, er zieht Virginia fester an sich, um sie zu füffen. Unter der dünnen Seide des Kleides spürt er ihre Brüste. Der süße schwere Duft chres Parfüms verwirrt ihn. Als Bob merkt, daß sie unbewußt eine ab wehrende Bewegung macht, denkt er seine langen Bartstoppeln fmb der Grund dafür. „Entschuldige — ich sehe wohl schlimm aus, was?" Er läßt sie los, läuft zum Waschtisch. „Oooooooh!" sagt er entsetzt nach einem Blick in den Spiegel. Und dann sehr weich und zärtlich zu Virginia: „Verzeih!"
Während sie ihm zusieht, wie er nach dem Rasierpinsel und der Seife greift, tut ihr das Herz weh, und sie weiß nicht, warum. —
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Das große Ereignis Puntamarras ist die all« monatliche Ankunft des Passagierdampfers im Hafen. Die Neugier hat heute viele Einwohner der Jnselhauptstadt ihre Angst vor Malaria-Ansteckung vergessen lassen. Erwartungsvoll stehen die drei Töchter Mr. Sedgewicks, alle lang und hager wie der Vater, am Kai. Die Jüngste hält einen Strauß rotblühender Zweige im Arm. Sicher wollen sie irgendeine Freundin, die die große Well sah, vom Schiff abbolen. Alsbald haben die drei Professor Forster unter den Wartenden entdeckt. Sie bestürmen ihn mit unzähligen Fragen. „Wie war Papas Nacht?" „Es geht ihm heute früh doch gut, nicht wahr?" „Die Gefahr ist vorüber, ja?", als habe Mr. Sedgewick gerade erst eine schwere Operation über- standen. Dabei ist er gestern bereits mit feinen Töchtern im Garten des Hospitals spazieren gegangen und hat ihnen energisch klar gemacht, daß sie für ihre neuen Hüte entschieden zu viel Geld ausgegeben haben. . . _ .
Am Horizont ist schon vor einiger Zeit der Schornstein eines Dampfers aufgetaucht, er wird größer und größer und zicht eine schwarze Rauchfahne hinter sich her. Endlich erreicht das Schiff den Hafen, mit lang gezogenem Ton heult die Sirene. .
Die drei Sedgewicks stürmen mit ihren langen Beinen auf das Schiff, sobald die Mattosen den Laufsteg am Kai festgemacht haben. Forster sieht noch, wie sie, alle zu gleicher Zeit, eine Kreolin mit schwarzen Tianbeiaugen umarmen. Dann geht er den Kabinengang entlang. An ihm vorbei drängen sich Passagiere, einige grüßen den bekannten Arzt. Stewards tragen elegante Kabinenkoffer ins Freie.
„Verzeihung, welche Kabine hat Dr. Dos Passos?" fragt der Professor einen oarbeicilenben । Schiffsoffizier. „Nummer zwölf!" lautet höflich । lächelnd der hübsche Junge m der weißen Uniform mit den blitzenden Knöpfen»
Sie sich in der Zwischenzeit, ob wir uns nicht doch chon mal getroffen haben. Bye bye!"
Kopffchüttelnd blickt chm Forster nach „Wer ist denn das?"
Kalt und seltsam irritiert antwortet Dr. Dos Passos: „Ein Reporter, W. R. von den.London News', lebt davon, daß er seine Nase in anderer Leute Dinge steckt. Augenblicklich in meine!"
Jetzt ist Forster neugierig. »Kennen Sie ihn denn von früher?"
„Ach wo, ich habe ihn erst hier an Bord kennengelernt!" wehrt Dos Passos kurz ab.
Der Professor bemerkt seine Verstimmtheit. Mit der ihm eigenen beweglichen Liebenswürdigkeit fragt er: „Wollen wir nicht gehen?"
Ein Steward bringt den Koffer des Arztes und möchte wissen, wohin das Gepäck gebracht werden soll.
„In den Countty-Club", ordnet Forster an. Mil einer dienstbeflissenen Verbeugung verschwindet der Steward. Erklärend fügt der Professor hinzu: „Sie her Dos Passos, wir müssen Sie für die ersten Tage im Klub einquartieren, bei uns sind nämlich alle Zimmer mit Kranken belegt." Der Arzt nickt abwesend, er denkt darüber nach, daß hier em weites Arbeitsfeld auf ihn wartet.
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„Miß Larsen — Miß Larsen!" Tommy läuft den Korridor, von dem die Prioattäume der Aerzte ab- gehen, entlang.
„Was ist denn, Tommy?" lächelt Virginia. „Er fein angekommen, er sein beim Professor, er fein eine große Doc!" Atemlos berichtet der Kleine das neueste Ereignis der jungen Aerztin. „Gut, Tommy — aber reg dich doch nicht fo auf!" meint Virginia begütigend. Doch fein Redestrom ist nicht aufzuhalten. „Er haben Tommy Silberpeso gegeben." Virginia muß lachen. „2lh so — na, dann darfst du aufgeregt sein!"
Bob Lewis hat ihre Stimme draußen gehört. Er öffnet die Tür seines Zimmers. Liebevoll umfaßt sie fein Blick. „Virgin — ich habe mir eine wundervolle Ueberraschung für dich ausgedacht." Mit Entzücken sieht er, wie sie den Kopf seitlich neigt und die Stirn nachdenklich kraust. „Ich bringe dir von meiner Reise einen lebenden Papagei mit!"
„Aber Bob, erstens besitze ich einen wunderbaren Ara, und zweitens, wenn du mir wirklich noch einen schenken willst, bekommst du den doch hier viel leichter."
Lewis spielt den Ueberrafchten. „Da hast du eigentlich recht, dann brauche ich ja morgen gat nicht Zu fahren."
(Fortfehung folgt,)


