Glück auf, Renate!
Roman von Ernst Grau.
- 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Eine ausgesprochene Bitte lag in diesem verzichtenden Bedauern. Aber er ließ es dabei. Sich aufzudrängen war nicht seine Art.
In Köln kam jedoch alles ganz anders, als Renate vorher gedacht hatte.
Um sieben Uhr traf sie mit ihrem Vater, wie verabredet, im Zentral-Hotel zusammen, und schon eine knappe Stunde später saßen sie wieder im Wagen und fuhren zum Flugplatz nach Nippes hinüber. Die fahrplanmäßige Maschine nach Berlin stand schon startbereit. Renate mußte sich mit dem Einsteigen sehr beeilen und hatte kaum Zett, sich von dem Vater zu verabschieden.
„Mach's gut, Mädel!" rief er ihr noch nach. „Und sag ihr, daß ich am Dienstag nicht starten werde, wenn sie nicht dabei ist." ~
„Sie wird kommen, Papa. Sei unbesorgt, ich , den Rest verstand er nicht mehr. Ihre 9ßorte verwehten in dem aufbrausenden Lärm der Motoren.
Noch einmal winkte sie ihm zu.- Dann wurde die Kabinentür geschlossen. Und die Maschine sauste mtt blitzenden Propellern über das weite Feld oahrn- Wenige Minuten später war sie im Dunst des aussteigenden Abends verschwunden.
Walter Hammerkott sah ihr noch eine Weile nach und ging dann nachdenklich zu seinem Wagen, um in die Stadt zurückzufahren.
Settsam, dachte er dabei, in den Frauen kennt sich, unsereiner nie aus, selbst wenn cs sich dabei um die eigene Tochter handelt, die einem sozusagen unter den Fingern groß geworden ist, und dre man zu kennen glaubt wie sich selbst. Neulich noch bis MM letzten Augenblick diese abgrundtiefe Abneigung
gegen Thora, eine Abneigung, gegen die nichts aufkam, an der Thora selbst scheitern zu müssen glaubte, und heute — acht Tage später, ist sie wie ausgewechselt. Eine einzige Woche auf Hammerkott hat genügt, ihr verständlich zu machen, daß auch ich noch ein wenig Anspruch darauf habe, mir ein neues Glück aufzubauen.
Aber richtiger muß es wohl heißen: acht Tage Hellingrath, lächelte er still in sich hinein. Geschwärmt hatte sie ja genug von ihm. Walter Ham- merkott dachte an den Morgen, an dem er das letztemal auf der Zeche war und sah den blonden Riesen mit den gutmütigen, blauen Augen vor sich stehen, der wegen — was war es doch gleich — ach, ja, wegen eines gerissenen Förderseils mit ihm gesprochen hatte. Ein aufrechter, gerader Kerl, nichts dagegen zu sagen. Und Renate?
„Sei einmal ganz ehrlich, Renate", hatte er sie gefragt, „liebst du diesen Hellingrach?"
„Und wenn es so wäre, Papa —", war es etwas kleinlaut zurückgekommen.
„Also, es ist so, Mädel. Gut. Und er weiß in der Tat nicht, wer du bist?"
„Er hat keine Ahnung, Papa. Bestimmt nicht. Terbrügqen ist der einzige, der darum weiß."
„Ich hoffe, du bist dir darüber im klaren, daß dieser Umstand entscheidend ist» Renate?"
„Aber was soll das, Papa? Ich habe dir doch erzählt, wie ich ihn kennengelernt hgbe. Woher sollte er also wissen, daß ich —"
,Gewiß. Aber wenn er nun ttotzdem etwas erfahren hat und nun unter dem Schutz einer angeb- lichen Ahnungslosigkeit versucht, die Erbin von Ham- lerkott zu erobern, was dann? Die Möglichkeit be- ^^Nein^ Ein solcher Fall ist völlig ausgeschlossen, Papa! Ich würde ihm auch eine solche Hinterhältigkeit niemals zutrauen."
Er hatte sich schließlich damit zufrieden gegeben. Zumal Hellingroth ihm nicht unsympathisch war. Und wenn sich wirklich alles so verhielt, wie Renate sagte, warum sollte er sich dagegenstemmen? Dem
ihm aber auch wertvolle Anregungen für seine weiteren Betrachtungen der Welt der Sonnen zu geben.
Nicht minder interessant waren die Darlegungen, des Vortragenden aus der Wissenschaft von den Atomen und ihrer Gesetzmäßigkeit. Auch in deser Hinsicht erhielten die Hörer zahlreiche anschaul'che Einblicke in eines der wichtigsten Gebiete der Physik, über das vor einigen Jahren der damals in Gießen, jetzt in Berlin wirtende Physiker Professor Dr. Gerchsen im Rabmen einer wissenschaftlichen Vortragsreihe unserer Universität durch Grperinrn« talvorträge außerordentlich fesselnde Aufschlüsse gegeben hatte, deren man sich bei der gestrigen ern"u- ten Bekanntschaft mit diesen wichtigen Faktoren der Physik wieder erinnerte. Der Vortragende machte die heute noch gar nicht ab'uschätzende ungeheure Reichweite der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiete anschaulich klar und ermöglichte dadurch den Hörern einen Ausblick auf neue Epochen der Wissenschaft und deren Anwendung auf die Praxis unseres Lebenskrettes.
Eine Reihe anschaulicher Lichtbilder bereicherte den fesselnden Vortrag, der sehr beifällige Aufnahme fand.
Dan'etö m't „drafif durch Freude".
DieNS.-Gemeinschaftr a s 1 durch Freude" veranstaltete am Montagabend im Gloria-Palast wieder eine Varietö-Dorstellung, die wie gewöhnlich ein ausverkauftes Haus brachte. Max W e n d e l e r , der hier sch^n des öfteren mitgewirkt hat, machte auch diesmal den Ansager, hieß die Besucher willkommen u,nü stellte das Programm unter die Devise „Freude, Frohsinn, Lebensbejahung". Er uw terhielt die Leute mit allerhand Geschichten von Adam und Eva, von Liebe, Ehe, Sport und Mu° sterung und erntete auch mit bekannten Pointen den erwar.ften Heiter^eitserfolg. Den Reigen der Darbietungen eröf'nete danach die Wiener Tanzgruppe Rose! Nanninger, die mit dem gesanglich begleiteten Frühtmgsstimmem-Walzer und später mit einem akkurat geklapperten Step-Tanz viel Applaus fand. Die vom Deutschlandsender bekannten drei R h y t h m a s servierten vor dem Mikrophon allerlei musikalische Scherze mit exzentrischen Einl-'gm wie „Die Musik", „Auf der Brücke Avignons" und ein Rumba-Potpourri; auch eine italienische Groteske und die „Rigoletto"-Parodie erweckten g^oße Heiterkeit. Das moderne Tanzpaar Dorothee und Raman begann mtt -mer <"'s dem Sühnen- tanz entwickelten gymnastischen Walzerparaphrase und brachte später einen sehr sauber und schwungvoll vorgeführten Tango Bolero. Eine ausaezeick- nete Nummer von kabarettistischer Qualität und Eigenart lieferte die Chansonette Reny I e n < e n. bte sich mit sehr sicher und aeschickt placierten Schlagerparodien (nach Marita Gründgens, Erna Sack, Za- rah Leander und Rosita Serrano) verdientermaßen stürmischen Beifallcholte. Eine apart und mit bedeutendem artistischen Können ausgebaute Nummer war der vom Duo Cereda gezeigte illusionistische Schlangentanz, der eine erstaunliche akrobatische Leistung darsttllt. Zum Schluß laben ünb hörten mir den französischen Parodisten Lamöuret, der mit seiner drolligen Ente „Dudula", der verliebten Lokomotive, dem Flugreug und der exzentrisch ausgemachten, berühmten Barbier-Arie sehr komische Wir-
inte zum Vogelschutz.
Leder den britischen Versorgungsämtern für die sowjetischen und englischen Truppen zur Verfügung gestellt werden.
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10000 Acres Land haben die USA. in C o st a rica auf die Dauer von 25 Jahren zum Anbau von Chininbäumen gepachtet. Aehnliche Pläne werden von den Vereinigten Staaten auch in anderen süd- und mittelamerikanifchen Staaten verfolgt.
Der USA.-Dizepräsident Wallace hat das Programm seiner Südamerikareise bekanntgegeben. Am 18.3. werde er in Costarica eintreffen, Er wird dann Panama, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador und Columbien besuchen. i
Kunst und Wissenschaft.
Karl Schönherr gestorben.
Karl Schönherr, einer der bekanntesten Dichter der Donau- und Alpengaue, ist, nur tdenige Wochen nach Vollendung feines 77. Lebensjahres, am Montag in Wien gestorben.
Schönherr, am 24. Februar 1867 in Axams n> Tirol geboren, war von Haus aus Arzt tnl lernte in ländlicher und städtischer Praxis das bäuerliche Volk seiner engeren Heimat so gründlich kennen wie die mancherlei sozialen und wissenschaftlichen Pro bleme feines ärztlichen Berufes. Seine literarische Tätigkeit begann er mit Jnntaler Mundartgedlchten und den Prosaskizzen „Allerhand Kreuzköpf'" (1895). Mit dem Drama „Die Bildschnitzer", fünf Jahre später, hatte er das eigentliche Feld seiner starken Begabung entdeckt. Mit dem üuf vielen Bühnen gespielten Trauerspiel „Glaube und Heimat" wurde Schönherr im ganzen Reich berühmt; das Werk, ein echtes Volksstück, zeigt Scyönherr als Meister dramatischer Charakterzeichnung und bühnengerechter Form, die auch — wie später in „Weibsteufel" und „Es" — mit nur ganz wenigen handelnden Personen auskam, ja gerade aus solcher Beschränkung erstaunliche Wirkungen entwickelte. Eines der besten Stücke Schönherrs ist die bäuerliche Komödie „Erde"; von den übrigen seien noch „Volk in Not", „Kindertragödie", „Vivat academia“ und der „Judas von Tirol" genannt — Schönherr erhielt den Schiller-Preis, Grillparzer-Preis, Bauernfeld-Preis und (zum 70 Geburtstage) die Goethe-Medaille.
Lin Schauspiel um Semmelweis.
Des Jgnazius Rhilipp Semmelweis. des Erforschers des Kindbettfiebers, Leben und Forschung hat der Freiburger Professor Hans K i l l i a n in den Mittelpunkt eines 12bildrigen Schauspiels gestellt, das am Bielefelder Stadtthcater seine Uraufführung erlebte. Seine Kämpfe gegen Neid, Mißgunst und Mittelmäßigkeit, die fortschreitende geistige Umnachtung und sein Ende durch die gleiche Krankheit, deren Erforschung feine Lebensarbeit gehörte, bringt uns das Schauspiel so menschlich nahe, daß der Zuhörer mitgerissen wird vom Kampf um eine wissenschaftliche Idee, dessen Ergebnis heute Allgemeingut ist. Die Bearbeitung des Stückes stammt von Dr. Alfred Kruchen, der durch Raffung der Szenen dem Schauspiel die Bühnenwirksamkeit gab.
Ha^s HoIIender.
hochschulnachrichten.
In den Kämpfen um Stalingrad fiel im Alter von 41 Jahren der Ordinarius für Geomorphologie der Universität Halle, Professor Dr. Wolf Welte, als Oberleutnant in einem Grenadierregiment. Welte wurde in Saal (Mfr.) geboren. Er studierte in Würzburg, Berlin und Königsberg und promovierte 1925 in Würzburg, wo er sich 1929 habilitierte. Nachdem er drei Jahre Assistent bei Sapper gewesen war, unternahm er Studienreisen nach Unteritalien, Westindien und dem Balkan. 1938 wurde er Ordinarius in Halle. — Professor. Dr. Kurt Hassert, enter. Ordinarius der Geographie an der T. H. Dresden, vollendet fein 75. Lebensjahr. In Naumburg geboren, studierte er in Leipzig, Berlin und Wien, promovierte 1890 in Leipzig und habilitierte sich ebenda 1895. 1899 kam er als a. o. Proftfsor nach Tübingen, 1902 als etatsmäßiger Professor an die Kölner Handelshochschule und ,1917 als Ordinarius an die T H. Dresden. Hassert hat Studienreisen nach alley Weltteilen unternommen und eine umfangreiche fachliterarische Tätigkeit enthaltet. — Im Alter von 38 Jahren starb der a. o. Professor für deutsche Volkskunde an der Universität Bonn, Dr. Erich Röhr. In Glogau geboren, promovierte er 1938 in Berlin und habilitierte sich 1941* * in Frankfurt. Im April 1942 erfolgte seine Berumng nach Bonn, wo er dann zum a o. Nrofessor ernenn* w""de. Zwei Jahre wirkte er als Gastvro'essor an der flämischen Universität Gent. Im Amt Wissenschaft des Reichserziehungsministeriums war er feit 1. 7.1942 Referent. Von seinen Arbeiten erlpähnen wir „Atlas der deutschen Volkskunde": „Die Volkstums- karte, Voraussetzung und Gestaltung": „Flämisches Volkstum".
Aus btt Siadi Gießen. I
Es ist Krieg .. .
Jeder Soldat aus dem vorigen Weltkrieg kennt den Satz: „C‘est la guerre“. Die Franzosen, bei denen man im Quartier lag, sagten es seufzend und beschwichtigend und zuckten die Achseln. Es bedeutete ungefähr: Eine stärkere Gewalt ist über uns. In der Inflationszeit hieß das auf wienerisch noch passiver: „Da kann man nix machen."
Wenn wir heute einem zurufen: „Es ist Krieg!" — so meinen wir ganz etwas anders. Nämlich, daß der Krieg Härteres von uns verlangt als der Frieden, daß es selbstverständlich ist, auf manches Angenehme zu verzichten, und daß es nur darauf ankommt, das Notwendige zu tun.
„Es ist Krieg!" — das ist eine Erinnerung an die Wirklichkeit, in der wir leben, und der mir uns nicht entziehen können und wollen. Man sollte diesen Hinweis niemals verwenden, wenn der Krieg nicht tatsächlich die Ursache für das ist, was man so erklären will. Wenn der Unhöftiche versuchen wollte, seine eigene Tonart zu entschuldigen: „Es ist Krieg!" — so müßte ihm deutlich zu verstehen aeaebeii werden, daß feine Ruppiakeit mit dem Kriege njcht das G"rinaste zu tun hat. Wenn uns diese Redensart leichtfertig und nur aus Bequemlichkeit entgenengehnlten wird, so empfinden wir das als eine Ungehörigkeit.
Seien mir foarfam mit diesem Hinweis. Er sollte nur dort geäußert werden, wo uns das Gesetz des Krieges vorschreibt, daß wir so und nicht an^r* zu handeln haben. z R. G.
Das Kn'eqeverdrenstkreuz.
Der 'Obergefreite Fritz Högy aus R u p v e r t s - bürg wurde mit dem Kriegsverdienftkre iz II. Klaffe mit Schwertern ausgezeichnet.
Don der Universität Gießen.
Unter Zuweisung an die Philosophische Fakultät, Abt. II, der Universität Gießen wurde der Dr. phil. habil. Erwin Kessel in Gießen wurde zum Dozenten für das Fach Zoologie ernannt.
Dozent Dr. Kessel stammt aus Rheinhessen, wo er als Sohn des Lehrers Kessel in Schwabs- burq am 2. Oktober 1908 geboren wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Binnen und der Ostern 1927 dort bestandenen Reifevrüfuna studierte er Naturwissenschaften an den Universitäten Frankfurt a. M, Freiburg, Marburg und Gießen. Im Februar 1932 bestand er in Gießen die Staats- Prüfung für das höhere Lehramt, im Februar 1933 promovi-rte er an unterer Universität. Dann erhielt er in Gießen und Mainz feine nöbagogifthe Ausbildung und bestand 'm März 1934 das Afieffor- Eram-n. Seit dem Wintersemester 1935/36 ist er a*s Assistent im Zoologischen Jnstifttt der Universität Gießen tätia. Am 11. Juni 19^1 erwarb er den Grad eines Dr. phil. habil. Dr. Kessel steht zur Zeit im Felde.
Jugendlich« und Kinobesuch.
Die Polizei hat in jüngster Zeit wiederholt fest- gestellt, daß Jugendliche und Kinder in Lichtspiel- theatern weilen, obwohl die gezeigten Filme für Jugendliche und Kinder nicht zuaelassen waren. Ob ein Film ftir Kinder bis ,3um 14. Lebensjahr bzw. für Jugendliche vom 14. bis zum 18. Lebenswahre verboten oder erlaubt ist, geht aus den jeweiligen Anzeigen der Lichtspieltheater und aus den Anschlägen an den Kinokassen hervor.
Wer entoeaen der gesehsichen Vorschrift' Kinder ober jugendliche zu einer für diese Nicht zuaelasse- nen Filmvormhrung mitnimmt'oder als Erziehungsberechtigter den Besuch einer solchen Vorstellung gestattet, macht sib strafbar. Ebenso strafbar,ift der Jugendliche, der sich in unrechtmäßiger Wette Zutritt zu einer wr ihn nicht zuaelassenen Filmvor- führuna verschafft. Kindern bis zum 14. gebens- fahre ist auch in Begleitung von Erwachsenen der Besuch nur solch"r Kinovorstellurwen ertaubt, die ausdrücklich für Kinder gestattet sind. Kinder dis 3um 6. Lebensjahr dürfen auch in Begleitung von Erziehungsberechtigten lediglich log. Kinderrorstel- lunaen besuchen. Jugendliche dürfen in den für sie zugelaffenen Vorft'hrungen nur bis 21 Uhr allein verweilen, nach 21 Uhr dürfen sie nur noch in Be- gl-itung des Erziehungsberechtigten oder eines volljährigen Beauftragten in dem Kino anwesend fein. J'-wendliche, die um 21 Uhr allein im Kino sind, müssen sich um d'efe Zeit brw. schon bei Einbruch der Dunkelheit au? kürzest-m Weae nach Hause begeben. Auf Anaehörige der Wehrmacht und des Reichsarbeftsdienstes findet das vorerwähnte Verbot keine Anwendung.
1Tm Verstoße gegen die gesetzlichen Vorschriften auf biefem Gebiete und mancherlei daraus er- wachsende Unruträgsichkeiten künftighin zu unterbinden, sind unsere Volizeibeamten zu verschärften
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Zu den nützlichsten Vögeln gehören unsere Höhlenbrüter, wie die Meisen, der Gartenrotschwanz, der Trauerfliegenschnäpper, der Star usw., die sich alle sehr leicht durch Aufhängen von Nistkästen an den Menschen und seine Behausung heranziehen lassen und, einmal eingewöhnt, immer wiederkommen.
Die Beschaffung von Nistkästen ist heute nicht ganz einfach. Wer aber etwas Geschick besitzt, kann sie sich leicht selbst Herstellen. Man soll nur die ungefähren Ausmaße kennen, die für die einzelnen Sogeiarten verschieden sind, je nach der Große der Vögel. Der Durchmesser für Nistkasten für die hier genannten Vogelarten beträgt etwa 6 cm im Innen! gemessen, kleinere Abweichungen nach unten oder oben machen nichts aus. Anders ist es Dagegen mit der Fluglochweite; für Meisen beträgt sie 32 mm, auch Baumläufer und' der Kleinspecht können diese Höhlen benutzen, und sie tun es mit Vorliebe. Leider suchen aber auch die weniger erwünsch- ten Spatzen diese Kästen auf. Hat man Blaumeisen, Sumpf-, Weiden-, Tannen- und Haubenmeisen in der Nähe, dann mache man das Flugloch nur 27 mm groß, die Höhle ist dann nicht nur gegen den Haussperling, sondern auch gegen den Feld- sperling geschützt. Für den Star und den großen Buntspecht, der auch gern diese Nistkästen annimmt, muß das Flugloch etwa 46 mm weit sein.
Die Nistkästen für die Kleinoögel sind an Bäu
men anzub'ringen, oder wenn diese noch zu schwach sind, an Stangen zu befestigen und dann so aufzustellen, daß sie in der Baumkrone stehen, von den Zweigen und Blättern also gewissermaßen umgeben sind. Kästen für Stare kann man auch an Hauswänden anbringen. Die Kästen sollen stets etwas nach vorn übergeneigt sein, um zu verhindern, daß der Regen hineinschlägt. Dazu läßt man auch das Dach des Kastens-etwas Überstehen. Auch die Höhe, in der die Kästen angebracht werden, ist verschieden. Kästen für Meisen sollte man nicht über 3 Meier hoch hängen, während man die anderen größeren Kästen 5 Meter und darüber hoch hängen kann. Selbst Kästen, die nur 1 Meter vorn Erdboden entfernt sind, werden von Meisen angenommen, doch sollte man sie so niedrig nur aufhängen, wenn die Gegend von Katzen oder sonstigem Raubzeug frei ist.
Für einige Vogelarten, z. B. die weiße Bachstelze, den Hausrotschwanz, den grauen Fliegenschnäpper, die besonders gern den Menschen aufsuchen, hin und wieder auch für Rotkehlchen und Zaunkönig, empfiehlt sich die Verwendung von sog. Halbhöhlen. Das sind Nistkästen, die nicht ganz die Höhe der üblichen Kästen haben, deren Vorderseite aber nur zur unteren Hälfte mit einem Brett verschlossen ist, während die obere Hälfte frei bleibt. Diese Hcftb- höhlen bringt man ,am besten aq Hauswänden unterhalb des Daches, an Schuppen und Ställen an.
Überprüfungen der Kinos angewiesen worden. In verbotswidriger Weise dort weilende Jugendliche und Kinder sind sofort zu entfernen, außerdem ist Anzeige zu erstatten, wobei natürlich für den gesetzlichen Vertreter, d. h. für den Vater oder die Mutter, ein gehöriger Straftettel herauskommt. Wer sich solchen Unannehmlichkeiten nicht aussetzen will, meide als Jugendlicher oder Kind den verbotenen Kinobesuch bzw. halte die feiner Obhut anvertrvu- ten jungen Menschen von solchen Stätten fern, soweit nicht der Besuch ausdrücklich durch das Gesetz gestattet ist.
Vorsicht, Blindgänger!
Blindgegangene Bomben sind nur von den zuständigen Sprcngkommandos zu vernichten. Eltern, macht eure Kinder immer wieder darauf aufmerksam, daß Bomben und andere Sprengkörper nicht a n g e f a ß t werden dürfen!
Don (Sonnen und Atomen.
Der Gießenet Vortragsring (Kulturelle Vereinigung, Goethe-Bund und Volksbildungsstätte Gießen der NSG. „Kraft durch Freude") vermittelte am gestrigen Montagabend in der Aula der Universität einer starken Hörergemeinfchaft einen fesselnden Lichtbilderoortrag über das Thema „Von Sonnen und Atomen".
Der Vortragende Robert Henseling führte ferne Hörer in etwa zweistündigen Darlegungen in die gewaltige und geheimnisvolle Himmelewelt ein und bot die Möglichkeit zum Kennenlernen wenigstens der wich!ilgsten Gesetze der Atome und ihrer Bedeutung. Einleitend machte er in großen Umrissen mit einem der wichtigsten und für die Forschung auf dem Gebiete der Physik und der Astronomie bedeutsamsten Instrument bekannt, nämlich bem qröß- ten Fernrohr der Welt, das in Amerika in m:hr als zehnjähriger Arbeit unter Aufwand riesiger Mittel gefchaffen und mit den feinsten Einrichtungen der Optik versehen wurde, so daß mit diesem Jnstru- m"nt u. a. Messungen bis zu 40 OOOstel Millimeter möglich sind. Daneben erinnerte er auch an andere große Instrumente dieser Art, die bei der bisherigen Erforschung der Himmelsmelt zu wichtigen wissenschaftlichen Ergebnissen verhalfen.
Dann schilderte der Vortragende, ausgehend von den wissenschaftlichen Erkenndnisfen der deutschen Forscher Lambert und Kant und der von diesen aufgestellten Gesetzmäßigkeiten, die wundervolle und rätselhafte Welt der Sonnen. Dem Laien wird es nicht leicht gewesen fein, dieser Schilderung einer weit vom Alltagsinteresse abgelegenen Fachwissenschaft zu folgen, ober jeder Hörer konnte doch aus diesen Berichten über die Welt der Sonnen so viel Interessantes entnehmen, daß dem Vortragenden die gespannte Llufmerksamkeit der Hörergemeinlchaft nicht versagt blieb. Was man hier über die Gesetze der Welteninseln im Weltall, hie Nebelflecken, die Lichtstärken der Millionen von Sonnen und die Geschwindigkeit der Lichtjahre ulw. hören konnte, war in der Tat geeignet, auch den Laien in starkem Maße zu fesseln und ihn über manche Wahrnehmung, die er selber bei gelegentlicher Betrachtung des Himmelsblldes gemacht hat, wenigstens in großen Umrissen oder in Anhaltspunkten aufzuklären, ..................................... iimt——i1 ■ riiiri'n
unguten Beispiel des Senators Hagenström würde er gewiß nicht folgen.
Das schönste Ereignis dieses Tages jedoch war für ihn, daß Renate ihren Widerstand gegen Thora vergessen zu haben schien. Jetzt, wo sie selbst mit chrem Herzen gebunden war, jetzt verstand sie ihn.
*
Renate sah hinab auf das Land tief unter ihr, das sich jetzt langsam in nächtliches Dunkel hüllte und zur Ruhe begab.
Dort unten lag das im letzten Widerschein des Täges matt aufglänzende breite Band des Rheins, zu beiden Seiten hie Häuser Kölns, der großen Stadt, aus der viele Straßen hinausführten nach Nord und Süd in das deutsche Land.
Auf einer dieser Straßen fuhr er jetzt wohl wieder heimwärts, dachte sie mit suchenden Blicken. War es nicht möglich, daß er gerade in diesem Augenblick hinaufsah zu dem schwarzen Schatten, der am Himmel dahinraste, und dessen Motorengedröhn die Luft erzitterri machte, nicht ahnend, daß sie zu ihm hin- untersah, daß sich ihre Blicke vielleicht irgendwo begegneten? Doch aus dem Dunkel kam keine Antwort auf diese Frage. Nur die roten Warnungslichter der hoben Fabrikschlote fliegen wie Leuchtkäfer zu ihr auf und flogen vorbei.
Glück ist Zufriedenheit, dachte sie weiter. In dieser Stunde fühlte sie, daß sie erst jetzt die tiefe Wahrheit begriff, die in diesem Worte lag. Was sie sich selbst nicht eingestehen wollte, das hatte der Vater auf feine Weise, die immer rücksichtslos gerade auf das Ziel losging, ausgesprochen. Ja, es war so, sie liebte den Mann, der so plötzlich und auf so wunderliche Weise in ihr Leben getreten war, den sie erst zweimal gesehen und gesprochen hatte, und dessen Wesen dach ihr ganzes Sein und Denken bis in die letzten Ecken und Winkel ergriffen hatte. Was sie bisher nur als eine Woge unbekannter und widerstreitender Gefühle in ihrem Innersten mit sich herum- getragen hatte, das war durch die einfache Frage des Vaters zu einer schönen, strahlenden Wirklichkeit
geworden. Ihr mar, als fei sie damit durch ein hohes, goldenes Tor geschritten, hinein in eine andere, schöne Welt, in der Sonne und Glückselig-- feit alles Leben überflutete. Alles Wünschen und Hoffen war ein glückliches Zufriedensein geworden. Und welch ein größeres Glück stand ihr noch bevor' für den Tag. an dem sie vor ihn hintreten und ihm die volle Wahrheit sagen würde.
Sie sah schon jetzt, wie er vor Freude rot wurde, wenn er hörte, daß er hier auf diesem Grund und Boden, dcm er seine ganze Liebe, fein ganzes Können und Walten schenkte, daß er hier auf Hammer- ko tt nach eigenem Willen schalten und walten durfte. Renate war von glücklichen Zukunftsträumen so a"nz erfüllt, daß ihr die weniaen Stunden des Fluges wie flüchtige Minuten vergingen.
Am Sonntagvormillag stand sie dann nach einer sorglos durchschlafenen Nacht vor der Tur. über deren Klingelknopf ein kleines, schmuckloses Messing- fchild hing, das den Namen Thora Kersten trug.
Bis zu dieser Tür war Renate Hammerkott unbekümmert ihren Weg gegangen. Aber beim Anblick dieses Namens zoa-rte sie nun doch, ehe sie in ihrem überströmenden Glücksgefiihl dem Vater bedenkenlos versprochen, alles wieder gutzumachen, was sie bisher je gegen Thora Kersten gefehlt batte, fieute hieß es nun, dieses Versprechen zu erfüllen. Worte in Taten zu wandeln. Nur noch diese eine Tür trennte sie jetzt von der Frau, über die sie bisher so anmaßend hinweggesehen hatte, und die von nun an auch an ihrem eigenen Leben teilnehmen sollte. Die vielleicht die Hand der Versöhnung, die sie ihr bieten wollte, ebensowenig beamten würde, wie sie es einst selbst getan hatte. Die heute sogar ein Recht dazu hatte, wenn sie gewillt war. Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Endlich läutete sie nun doch, und ein Mädchen öffnete ihr. Ohne ihren Namen zu nennen, ließ Renate sich melden. So erreichte sie zunächst einmal, daß Thora Kersten den unverhofften und vielleicht auch unverwünfchten Besuch nicht einfach ablehnte.
(Fortsetzung folgt)


