Ausgabe 
16.1.1943
 
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hängigen Staatswesen bildet.

Beide, Wangtschingwei und Tschiangkaischek, sind eine weite Strecke ihres Weges als führende Poli­tiker des modernen China gemeinsam marschiert. Denn auch Wangtschingwei war, wie der Tschung- king-Marschall, ein Dünger Sunyatsens, dem er sich 1906 angeschlossen hatte. Auch er, der 1884 in Kan­ton geboren wurde und eine gründliche altchinesische Bildung genossen hatte, hat in Japan studiert und wurde dort unter dem Einfluß Sunyatsens zum glühenden Revolutionär, der sich als glänzender Redner schnell eine führende Stellung in der Er- Neuerungsbewegung errang. 1910 verübt« er in Peking ein Attentat auf den damaligen Prinz- reaenten, wurde zum Tode verurteilt, aber noch rechtzeitig von der Revolution aus dem Gefängnis befreit und war nun bis zum Tod« Sunyatsens 1925 dessen engster Mitarbeiter namentlich auf dem Gebiete der Volksaufklärung, die die wichtigste Vor­arbeit für die von Sunyatsen geplanten Reformen leisten mutzte. Während des Bürgerkrieges ist es dann häufig zu Konflikten mit Tschiangkaischsk ge­kommen, der ihn 1926 zwang, ins Ausland zu reifen, aber nach dem siegreichen Feldzug gegen die reaktionären Generale des Nordens, Wupeifu und Tschangtsolin, im folgenden Jahre schon wieder zu­rückholte und an die Spitze der Regierung der Kuomintang stellte. Sehr bald kam es sedoch wieder zum Bruch. Wangtschingwei floh 1927 abermals nach Europa, kam jedoch 1929 zurück und versuchte, eine Gegenregierung in Kanton zu bilden, die nach dem Einmarsch japanischer Truppen in der Man- dschürei 1931 eine wilde japanfeindliche Kriegs- agitation entfesselte und damit die Volksstimmung hinter sich brachte. Aber die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Wangtschingwei söhnte sich mit Tschiang- kaischek aus und wurde dessen Außenminister. Nach einem Attentat, das wegen seiner Verhandlunas- bereitschaft mit Japan auf ihn in Nanking verübt wurde, trat er Anfang 1936 eine Erholungsreise nach Deutschland an, die ihn auch nach Bad-Nau­heim führte. Nach seiner Rückkehr wurde er Vor­sitzender des Politischen Rats der Kuomintang und ist als solcher in engem Zusammenwirken mit Tschiangkaischek diesem von Nanking nach Hankau und Tfchungking gefolgt. Dm Dezember 1938 trennte er sich endgültig von dem Marschall, nachdem er erkannt hatte, daß sich dieser auf dem falschen Wege befand und eine- Rettung Chinas mir durch einen Ausgleich mit Japan möglich sein werde.

Damals veröffentlichte die japanische Regierung ihre Grundsätze für eine Neuordnung Ostasiens und einen Frieden mit China. Die Wiedergeburt Chinas und die enge Zusammenarbeit zwischen China, Mandschukuo und Japan unter Wahrung ihrer indi­viduellen Verschiedenheiten zur Gewährleistung des Friedens in Dftafien wurde als Ziel der japa­nischen Bemühungen bezeichnet. Einen sich darauf gründenden Friedensappell Wangtschingweis beant­wortete Tschiangkaischek mit dessen Aechtunq als Landesverräter. Wangtschingwei suchte daraufhin in dem oppositionellen Flügel der Kuomintang, der die Diktatur der Familie Sung ablehnte, die Grundlage für eine eigene politische Macht. Nachdem er die Japaner davon überzeugt hatte, daß ein selbstän­diges China innerhalb der ostasiatischen Wohlstands­sphäre nur auf dem Boden der Grundsätze Sun­yatsens und der Kuomintang möglich sein werde,

Der Jude JRofenman.

Die poWsche Laufbahn eines Präsidentenberaters in den US«.

Von unserer Berliner Schristleitung.

konnte er am 30. März 1940 in Nanking die chme- ische Nationalregierung ausrufen, mit der am 30. November des gleichen Jahres Japan einen Friedensvertrag schloß, in dem es feinen Willen kundtat, die dem Tschungking-Regime entrissenen chinesischen Gebiete, soweit dies mit den Geboten der Kriegführung vereinbar ist, der Selbstoerwal- tuna der chinesischen Nationalregierung zuruckzu- geben. Der nun einsetzende Konsolidierungsprozeß in diesen Gebieten war deshalb schwierig, weil die Fronten nicht klar verlaufen und Tschungking einen Bandenkrieg entfesselt hat, der unterstützt von der ungeheuren Weite des Raumes oft auch im Macht­bereich der japanischen Truppen auflodert. Zudem bedurfte es großer Derhandlungskunst Wangtlching- weis, um sich auch in Nordchina, wo sich schon 1937 eine japanfreundliche Regierung gebildet hatte, und in den großen Wirtschaftszentren Lankau und Schanghai, deren Finanzgewaltige noch vielfach tm Banne anglophiler Vorstellungen stehen, durchzu- "6b"5 sind vermutlich auch di- Grund- weshalb Wangtschingwei, der schon am 25. November 1941 nach 9ber Anerkennung durch Deutschland, Italien und ihre Verbündeten dem Antikominternpakt b getreten war, erst jetzt zur Kriegserklärung Natto- nalchinas an England und die Vereinigten Staaten entschlossen hat. Heber die Bedeutung dieses Ent- fchlusses haben wir hier schon gesprochen. Japan

fängnis brachten. Er und Rosenman waren Person- lich und beruflich jahrelang eng befreinwet diejenigen, die die Nuancen und die Psychologie solcher'Freundschaften kennen, werden verstehen, daß der junge Rechtsanwalt und Politiker ein wertvoller Mitarbeiter für Hines war, der ihn zum Stimmen­fang in den besseren Kreisen benützte."

Das ist nun ein klassisches Eingeständnis und spricht beredt für die Unbefangenheit, Die sich Duden in den Vereinigten Staaten erlauben zu rön­ne nglauben. In denselben Vereinigten Staaten, die die Welt mit ihrer Kultur begnaden wollen. Zu dem Bild gehört es, daß Rosenman und Hmes in dem- selben Haus am Central Park West wohnten. Dann aber trennten sich die Geschicke. Jimmy /M es sitzt heute in dem Zuchthaus Sing-Sing. Er hatte Pech. Gr wurde von dem jungen Staatsanwalt Dewey, der unlängst zum Gouverneur von NeUyork gewählt worden ist, als Helfershelfer des Gangsters Dutck Schulz angeklagt. Sami Rosenman aber wurde Ober* richter und Präsidentenberater. Er war einer der Verfasser der Kominreden des Präsidenten und sei­ner Kongreßbotschaften, gleichzeitig auch Heraus geber der bisherigen Memoiren Roosevelts.

hat in Wangtschingwei, der erst tm Dezember 1942 zu einem Staatsbesuch in Tokio weilte und dabei von dem Tenno besonder- Eg-z-ichn-t wurde den Mann erkannt, unter dessen Führung sich das chinesische Volk in einem neuen unabhängigen Staatswesen zusammenfinden wird. Japan ist des­halb gewillt, seine Autorität mit allen Mitteln zu stärken und also von sich aus den wesentlichsten Beitrag zu leisten, damit dieser wichtigste Schritt Chinas zur Beendigung der anglo-amerikanischen Vormundschaft und.zum Beginn eines neuen Ze - alters der politischen Unabhängigkeit und wirtschaft­lichen Prosperität ein endgültigerem^

Chinas Abkehr

vom amerikanischen Erziehungssystem.

Dtanting, 16.San. (DNB.i Präsident Wang, tschingwei erklärte auf einer tiigung ber Kuo- mintang, dah die Chinesen zur W.ederherstellung Chinas aus Gedeih und Verderb mit Sapan verbun­den seien. Eine Entschlteßung der gartet besagt die Abkehr vom amerikanischen Er- z i e h u n g - s Y st - m. Lehrfächer werden der Pano- siani-mu-, die drei Dvlksprinzlp.en Sunyatsenr. bi- R-d-n und Schristen Wangtsch'ngw-i, und die Richtlinien derneuen Burgerbewegung .

dagegen nicht gewillt ist, die jetzt zertrümmerte Vorherrschaft der anglo-amerikanischen Plutokratien in Ostasien durch eine japanische zu ersetzen, viel­mehr jedem Volk Ostasiens die seinen Anlagen und Möglichkeiten entsprechende Stellung zuzuweisen, das hat es durch fein Verhalten gegenüber Thai­land und Indochina sowie eben erst durch den Ver­zicht auf die bisher innegehabten Konzessionen in China bewiesen. Auf diesem Vertrauen zu Japans Großzügigkeit und Weitblick beruht Wangtschingweis Friedenspolitik. Tschiangkaischek hingegen, der erste Repräsentant des Tschungking-Negimes, hat sich trotz aller Bemühungen Japans, ihm Brücken für eine Versöhnung zu bauen, zu dieser Auffassung nicht durchzuringen vermocht. Nachdem er einmal von den radikalen Nationalisten der Kuomintang, der von Sunjatsen gegründeten chinesischen Ein­heitspartei, gezwungen war, die Führung des Krieges gegen Japan zu übernehmen, dem er gerne ausgewichen wäre, um fein Werk der inneren Be­friedung Chinas und her Errichtung eines moder­nen chinesischen Einheitsstaates fortzusetzen, ist er, der seine militärische Ausbildung zu einem guten Teil in Japan empfangen hat und eine Politik der engen Zusammenarbeit mit Japan auf sein Pro­gramm geschrieben hatte, unter dem Einfluß der mächtigen Bankiersfamilie Sung, der seine Frau entstammt und die ganz im Banne des amerikani­schen Finanzkapitals steht, zum Festlandedegen der angelsächsichm Plutokratien geworden, der offenbar völlig den Blick dafür verloren hat, daß er damit die Geschäfte der erbittertsten Feinde feines Volkes besorgt und mit seinem Starrsinn das einzige Hin« dernis für eine Einigung Chinas in einem unab-

Die wahre ßeitung der Bereinigten Staaten lieat nicht beim Kongreß liegt auch nicht bei verantwort­lichen Ministern. Sie liegt bei hem Gebeimklib. Das sind die persönlichen Berater des Präsidenten. Wäre etwas annähernd Gleiches in emer Monarchie europäischen Zuschnitts geschehen, so hatten die Judenblätter von der unkontrollierbaren Hinter- treppenpolitik einer eigensüchtigenKamarilla große Töne geredet. Da es sich aber um einen Ge­heimklub jüdischer Berater des amerikanischeni Prä­sidenten handelt, sprechen dieselben Judenblatter nicht von einer unverantwortlichen Kamarilla, son- derp von einemGehirntru st".

Eine der Hauptfiguren in dieser Gehirntrust-Ka- marilla ist Samuel Rosenman. Roosevelt, der eine fast kindliche Vorliebe für Spitznamen hat, hat ihnSammy the Rose getauft, was sich ins Deut­sche etwa mitRosen-Samuel" oderRosen-Sami übertragen läßt. Er ist einer der Juden, die den Präsidenten Roosevelt dahin gebracht haben, aus den innerpolitischen Schwierigkeiten in die Kriegs- politik zu flüchten. Unsere Leser kennen den Zusam­menbruch der Rooseveltschen Wirtschaftspolitik des New Deal im Jahre 1935. Daftn folgte das Riesen- Programm öffentlicher Aufträge, um den Schand­fleck der 13 Millionen Arbeitslosen hinweqzubrinqen. Die Staatsschulden stiegen bergehoch. Ein Zusam­menbruch drohte über kurz ober lang. Vielleicht schon vor den Präsidentenwahlen von 1940. Wenig Phantasie gehört dazu, sich die Aengste Roosevelts oorzustellen. So lieh er den aalglatten Worten von Samuel Roseman und Felix Franksurther ein wil­liges Ohr, die ihn zugleich der unbedingten Un- terstühung des Weltjudentums versickerten, wenn er sich zum Vorkämpfer derDemokratie" gegen Hitler und Mussolini aufwerfe.

Juden haben ein unbezähmbares Geltungsbedürf­nis. Und so kommt es, daß soeben Josef Israel, ein Rassegenosse von Samuel Rosemann, jetzt in derSaturday Evening Post" ein Bild desgro­ßen jüdischen Mannes" Rosenman entwirft. Die reinen Sachangaben sind schnell erzählt. Rosenman wurde 1896 als Sohn eines orthodoxen Juden in San Antonio (Texas) geboren, der in der Kon- sektionsbranche tätig war. 1920 ließ sich der junge Rosenman als Rechtsanwalt in Neuyork nieder. 1928 unterstützte er als Führer der Neuyorker Demokra­ten die Wahl Roosevelts zum Gouverneur und wurde seither der Skatfreund Roosevelts, der ihn 1932 zum Oberrichter im Staat Neuyork mit dem Gehalt von 25 000 Dollar ernannte.

Aber der Biograph des Rosen-Sami erzählt mit listigem Augenzwinkern seinen Rassegenossen auch die G e h e i m q e s chi ch t e dieser Karriere des Oberrichters und Präsidentensbeundes. Rosenman war der Verbindungsmann Roosevelts zur amerikanischen Unterwelt, die nir­gends mächtiger als m Neuyork, ^hikago und San Franzisko ist. Führer der amerikanischen Unterwelt war in Neuyork ein gewisser Dimmy Hines, der eigenttiche Wahl-Macher der Demokraten. ,Hines, der ein hervorragendes politisches Führertalent be­faß, unterhielt sehr anrüchige Beziehungen zu Gangstern und Racketeers, die ihn später ins Ge-

rnystischen Vorstellungen halb kommunisttscher, halb i nationaler Deheimgesellschaften entstanden war. Er ' konnte nur mit Hilfe der Fremden niedergeworfen i werden. Amerikanische Offiziere und der später im i Sudan als Verteidiger von Chartum gegen den Mahdi berühmt gewordene britstche Oberst Gordon i retteten Schanghai und Nanking vor den Verwü­stungen der Rebellen. Ihre Hilfe mar nicht un- , eigennützig. Sie forderten neue Rechte und als ihr anmaßendes Auftreten bei der gereizten Volks- ftimmung zu Zwischenfällen führte, tarn es 1857 zum Krieg mit England und Frankreich, deren Truppen Kanton und die Takuforts unterhalb von Tientsin stürmten und die herrlichen, mit unschätzbaren Kost- barfeiten altchinesischer Kunst gefüllten Kaiserpalaste vor den Toren Pekings auf barbarischste Art brand­schatzten. Im Frieden von Tientsin wurde China zur Oefsnuna weiterer sog. Verttagshäfen gezwun­gen. Es mußte fremde Gesandtschaften in Peking zulassen, freie Schiffahrt auf dem Jangtse, der großen Verkehrsader Mittelchinas und vor allem eine der einschneidendsten Eigentümlichkeiten der den Fremden gewährten Konzessionen, die Konsular­gerichtsbarkeit, zugestehen. Sie entzog alle Streitig­keiten zwischen Fremden und Chinesen den chinesi­schen Gerichten. In den Vertragsbäfen. bereit Zahl mit der Zeit auf 58 anstieg, durften die Fremden Grundstücke erwerben und eigene Handelsfirmen unterhalten. . ....

Eine weitere starke Einschränkung der chinesischen Staatshoheit zugunsten der Fremden, in erster Linie natürlich der Briten und Amerikaner, war die Gründung des Seezollamts 1863 unter ausländischer Verwaltung. Ursprünglich diente es nur der Sicher­stellung der -Kriegsentschädigung aus dem Frieden von Tientsin, dann wurde es jedoch durck die Aus­dehnung auf die Binnenzölle, auf die Hafenverwal­tungen, auf die Post unter der Leitung des briti­schen Generalinspektors Sir Robert Hart zu einer drückenden Vormundschaft für die gesamten chine­sischen Staatsfinanzen, zumal mit ihm em ganzes System fremder Monopole für Bergwerke und Eisenbahnen einberging. Gegen diese Demütigung wandte sich der Unwille der chinesischen Volksmassen in dem bekannten Böxeraufstand von 1900. Aber erst nach dem Sturz der Mandschu-Dynastie 1911 und dem Werden eines einheitlichen - chinesischen Natio­nalgefühls durch die Reformbewegung Sunyatsens wurde der Widerstand gegen die Fremdherrschaft zum politischen Programm des chinesischen Do'kes. Freilich waren die Wirren der Revolution nur dazu angetan, England und die Vereinigten Staaten zu ermuntern, ihre wirtschaftlichen und politischen Posi­tionen immer mehr auszubauen. Lediglich D e u t sch- land verzichtete in dem Friedensabkommen mit China vom 22. Mai 1921 auf eigene Konsularge- richtsbarkeit und Zolloorrechte, nachdem es schon 1917 seiner eigenen Niederlassungen in Tientsin, Hankau und anderen Orten verlustig gegangen war. England dagegen beanspruchte mehr und mehr das ganze untere und mittlere Jangtsetal als seine eigenste Interessensphäre, und die Amerikaner such­ten auf älmliche Weise in Nordchina Einfluß zu ge- winnen. Schon hieraus erhellt, welch leere Geste es ist, wenn beide nun der Tschungking-Regierung gegenüber auf ihre Konzessionen verzichteten, die sie tatsächlich längst verloren haben, denn sie lagen im Machtbereich der japanischen Waffen, die die nordchinesischen Provinzen, das untere Jangtsetal und sämtliche ehemaligen Dertragshäfen beherr­schen. Japan hingegen und zur gleichen Zeit auch Italien haben am Tage des Kriegseintritts Natio­nalchinas zu dessen Gunsten auf Rechte verzichtet, die noch sehr erhebliche praktische Bedeutung be­saßen. Sie haben der chinesischen Nationalregierung damit wesentlich geholfen, einen bedeutsamen Sckritt zur Wiederherstellung der vollen chinesischen Sou­veränität zu vollziehen, womit gleichzeitig einer der

1 wichtigsten Programmpunkte der Erneuerungsbe­wegung Sunyatsens erfüllt ist.

Dies festzuhalten, ist deshalb notwendig, weil sich in diesem Punkte die Einstellung des chinesischen Volkes zum gegenwärtigen großen Weltkonflikt merklich scheidet. W a n g t s ch i n g w e i, der Staats­präsident der chinesischen Nationalregierung in Nam ding, sieht in dem Krieg Japans gegen die beiden anglo-amerikanischen Plutokratien die einzigartige Gelegenheit für das chinesische Volk, die Vormund' schäft des westlichen Kapitalismus für alle Zeiten abzuschütteln und in einem vom fremden Imperia­lismus befreiten Ostasien die Stellung einzunshmen, die ihm nach seiner Volksstärke, seiner alten Kultur und immer bewiesenen inneren Tüchtigkeit wie nach den großen wirtschaftlichen Reichtümern seines Landes zukommt. Wangtschingwei weiß, daß China dies Ziel niemals aus eigener Kraft, sondern nur als Verbündeter Japans erreichen kann, das mit ungeheuren Energien daran geht, die Fundamente für eine Erneuerung Ostasiens zu legen. Daß es babti als einzig modern getüftete und straff orga­nisierte Macht "unter den ostafiatifchen Völkern die Fichrung beansprucht, ist selbstverständlich. Daß es

Eine Afrika-Konferenz der Alliierten.

Lissabon, 15.Ion. (Europapreß.) Als Er­gebnis des in den letzten Wochen fieberhaft geführ­ten Meinungsaustausches zwischen Washington und London steht eine nordamerikanisch»englisch-franzö- ische Schlichtungskonferenz bevor, von der sich be- anders die Gaullisten eine Klärung der Lage ver- prechen. Mmi will den Versuch unternehmen, die ür die gegenseitigen politischen Beziehungen recht abträglichen Reibungen, die sich in zunehmendem Maße auch auf den militärischen Einsatz in Nord­afrika negativ auswirken, zu beseitiben. Die Initia­tive zu der Konferenz, an der möglicherweise Chur­chill selbst teilnehmen will, scheint von brttischer Seite ausgegangen zu sein, da die letztem Monate das britische Prestige am meisten belastet zu haben scheinen. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß die Konferenz in Afrika stattfindet.

Unter der UeberschriftFrische Luft ist nötig" fordertNew York Herald Tribüne, daßder undurchdringliche Mantel mißtrauiscker Geheimnis­tuerei und Verwirrung, der über die nordafrika­nische Entwicklung geworfen wurde", endgültig ge­lüftet werde. Großbritannien und die USA. seien Demokratien. Man könnenicht vom demokratischen System der Aufklärung der Oeffentlichkeit abweichen, ohne eine Katastrophe zu riskieren". Gegen den per­sönlichen Botschafter Roosevelts und Berater des USA.-Oberbefehlshabers in Französisch-Nordafrika. Murphy, wendet sichWashington Post". Das Blatt sagt, daß man mit diplomatischen Intrigen die Schwierigkeiten in Nordafrika nicht meistern könne. Nordafrika sei ein hochexplosives Gebiet, und mit den von Murphy angewendeten Maßnahmen komme man dort nicht zum Ziel.

AUFMÖNCKEBERG

ist det "Taumel los.

ROMAN VON OLAF BOUTERWECK

16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Solange aber derartige Widersprüche bestehen, muß ich den Fall als ungeklärt betrachten. Meine Gewissenhaftigkeit läßt es nicht zu. irgendwie vor­eilig zu handeln und einem möglicherweise unschul­digen Menschen Unannehmlichkeiten zu bereiten. Und keiner würde es mehr begrüßen als ich, wenn Ihre Schuldlosigkeit sich Herausstellen foUfe!"

Axel ergriff in einer warmen Aufwallung Rauch­eisens Hand und drückte sie kräftig.

Ich danke Ihnen für diese Worte, Herr Kom­missar!" sagte er herzlich.Ich ersehe zwar daraus, daß Sie gewissermaßen mit einem Auge immer nach nach mir als dem mutmaßlichen Täter sehen das ist ja auch Ihr Recht und wohl auch Ihre Pflicht! aber Ihre Ehrlichkeit fordert mich zu der Die gewiß beruhigenden Erklärung heraus, daß ich sehr wohl ein hieb» und stichfestes Alibi, habe!"

Na also!" sagte Raucheisen mit erleichtertem Auf­atmen. Aber aus dem Klang seiner Stimme war auch zugleich eine leise Enttäuschung herauszuhören. Wo waren Sie also in der fraglichen Zeit, Herr Holm?"

Axel schüttelte lächelnd den Kops: '

So habe ich es nicht gemeint, Herr Kommissar. Wenn es wirklich zum Aeußersten kommen sollte, dann werde ich Ihnen persönlich und ganz im Vertrauen meinen Aufenthalt während der kriti­schen Stunden bekanntgeben. Aber vorläufig be­trachte ich es noch als meine Pflicht, über diesen Punkt strengstes Stillschweigen zu bewahren!"

Raucheisen hatte schon den Mund zu einer ener­gischen Erklärung geöffnet, als plötzlich laut und misdr-ngUch her Fernsprecher zu läuten begann. Axel

wandte sich um und wollte den Hörer abnehmen, aber der Kommissar kam ihm mit einer schnellen Be­wegung zuvor, wobei er zugleich eine abwehrende Geste machte.

Bitte?" fragte er, indem er den Tonfall und die heisere Stimme des Dieners Friedrichfen nach­zuahmen suchte.

Eine Frauenstimme meldete sich.

Hier spricht Sigrid von Mönckeberg. Sind Sie am Apparat, Herr Friedrichsen?"

Bitte? Gnädiges Fräulein?" antwortete Rauch- eisen in dem gleichen heiseren Tonfall, während er vorsichtigerweise die halbe Sprechmuschel mit der Hand verdeckte.

.^Zunächst mein herzliches Beileid zum Verlust Ihres Herrn, Herr Friedrichsen! Ich las heute früh in der Zeitung von dem schrecklichen Unglück. Es tut mir so leid um den Herrn Professor. Er war stets so nett und liebenswürdig zu mir und hat mir sehr genützt."

Sigrids Stimme schwankte ein wenig, und einen Augenblick schwieg sie. Dann fuhr sie mit fester Stimme fort:

Hören Sie, Herr Friedrichsen, ich rufe auch noch aus einem anderen Grunde an: Sie wissen doch, daß der Herr Professor vor fünf Monaten etwa fünfzig Bucher aus meiner Bibliothek übernahm. Professor Beierfeld hat bann später davon fünfund­dreißig Bücher fest gekauft und auch gut bezahlt, während er sich für die übrigen fünfzehn ober sechzehn Bände poch eine längere Frist erbat, um die ihm unbekannten Werke in Ruhe prüfen zu können. Do ich nun nickt weih, was jetzt mit dem Nachlaß des Herrn Professors geschieht, möchte ich Sie bit­ten, dafür zu sorgen, daß diese Bücher sichergestellt werden. Sie haben nämlich zum Teil einen beträcht­lichen antiquarischen Wert, wie mir der Herr Pro­fessor damals erklärte"

Hm Augenblick, bitte!" murmelte Rauckeisen. Er schwieg eine Weile und sagte bann in feinem normalen, schwingenden Bariton (be$ ihm POtt sei«

ten feiner Frau den SpitznamenBrummbär" ein­getragen hatte):

Ja hier ist Kriminalkommissar Raucheisen!"

Sigrid war offenbar vor Ueberraschung einige Sekunden lang völlig stumm.

Nein, welch ein Zufall!" rief sie dann verwun­dert.Hier spricht Sigrid von Mönckeberg ... Wis­sen Sie, Herr Kommissar, daß ich Sie bereits vor einer halben Stunde im Polizeipräsidium anrief?1 Leider vergeblich!"

Nein!" bekannte Raucheisen und war nun seiner­seits ein wenig verwundert.Darf ich fragen, aus welchem Grunde Sie mich angerufen haben?"

Ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen, die vielleicht für Sie von Wichtigkeit fein könnte!"

Hm!" machte Raucheifen, indem er aus den Augenwinkeln einen schnellen Blick zu Axel hinüber­warf.

Axel, der ganz in der Nähe stand, hielt den Kopf etwas vorgeneigt; er schien angestrengt mit auf das quäkende Summen in der Hörmuschel zu lauschen.

Hm!" machte Raucheisen noch einmal.Ist es Ihnen recht, wenn ich Sie jetzt sofort aufsuche?"

Natürlich, Herr Kommissar!" antwortete Sigrid. Das heißt: Lieber märe es mir eigentlich, wenn ich zu Ihnen hinauskommen könnte, weil ich nämlicy ohnehin eine Kleinigkeit in der Villa Beierfeld zu erledigen habe. Da ich hier in Steglitz unmittelbar an der Dahlerner Grenze wohne, kann ich in acht Minuten dort fein; wenn ich schnell gehe, auch in sechs! Ist es Ihnen recht, Herr Kommissar?"

Sehr sogar!" rief Raucheisen vergnügt.

Also, es ist gut, Herr Kommissar! Ich werde mich jetzt sofort auf den Weg machen."

Raucheisen antwortete nicht. Mit der Hörmuschel am Ohr, hielt er den Kopf etwas vorgeneigt. Sein Gesicht zeigte den Ausdruck angestrengten Lau­schens, obwohl es in der Leitung nichts weiter zu hören gab als nur ein leises Summen. Dann, als er sicher war, daß Sigrid angehängt hatte, brach er plötzlich in ein dröhnendes Gelächter aus.

^Hahaha! Ausgezeichnet Netzer Kollegel" rUf er

fröhlich.Aber ich glaube nicht, daß Sie auf diesem Wege wirklich etwas erreichen werden! Wie? Jetzt sofort? Leider nicht möglich Herr Kollege!"

Er setzte das Scheingespräch noch eine Weile fort, bis er mit diesem Trick den beabsichtigten Zweck erreicht hatte: Axel war über den Sinn des ge­führten Gespräches nun gänzlich im unklaren und völlig verwirrt, wie sein enttäuschtes Gesicht den Kommissar erkennen ließ.

Mit einigen passenden Worten ,-verabschiedete" Raucheisen sich dann von dem angenommenen .Herrn Kollegen" und legte den Hörer auf die Gabel.

Der Mann hätte eigentlich längst penftoniert werden müssen!" brummte er kopfschüttelnd, indem er nach seiner Meerschaumpfeife griff, um die kurze Wartezeit bis zur Ankunft Sigrids angenehm aus­zufüllen.

8. Kapitel.

Raucheisen hatte Axel Holm unter einem glaub­haften Vorwand in die Bibliothek gebeten, wäh­rend der Hilfskommissar Stobbe inMischen vom am Gartentor stand, um Sigrid gleich in Empfang zu nehmen.

Raucheisen versprach sich sehr viel von diesem unerwarteten Zusammentteffen, dieser Gegenüber­stellung, denn er glaubte, daß Axels hartnäckiges Schweigen über seinen nächtlichen Aufenthalt irgendwie mit Sigrid in Verbindung stehe. Wenn Mischen den beiden irgendwelche Beziehungen be­standen und nach Sigrids Anruf nahm Rauch- eisen es ttotz Axels gegenteiliger Behauptung als gewiß an dann würden sie sich auch befhmmt in der ersten Ueberraschung verraten. Die Haupt­sache war nur, daß es mit derVorführung" richtig klappte! Und Raucheisen zeigte sich als geschickter Regisseur, denn es klappte in der Tat vorzüglich.

Stobbe, der sich streng an die ihm erteilten An­weisungen hielt, öffnete die Tür der Bibliothek und ließ Sigrid hinein gerade m dem Augenblick, als Raucheisen m Begleitung Axels den Raum Ver­lage« wollte Fortsetzung folgt.).