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Gietzener Anzeiger
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Schwere Abwehrkämpfe
vernichtete er erneut 17 bewaffnete Handelsschiffe
andauernde schwere Avgrisse des gelnbes. K Swhnjt 84-600 ML LaMnleutnmit Mohr bewies
das ge-
obwohl es sich eine Frist von 24 Stunden für die Ueb ergäbe des Ultimatums reserviert hatte, zwölf Stunden vor Ablauf dieser Frist dieses Ultimatum aus.
Die zweite Episode spielte sich im Juli 1940 ab,
jetpauzer wurden vernichtet, davon 35 bei Stalin. grat>.
Auch bei Welikije Luk 1 scheiterten feindliche Angriffe.
Südöstlich des Ilm en- und südlich des Ladogasees wurden die Sowjets in harten Kämpfen abgewiesen. Lin deutsches Armeekorps vernichtete in den letzten drei Tagen 141 feindliche Panzer. Die Luftwaffe unterstützte bei Tag und Rächt die Verbände des Heeres. Der Feind verlor 67 Flugzeuge bei vier eigenen Verlusten.
Bei auflebender Lufttätigkeit In Libyen schossen deutsche Jagdflieger in heftigen Luftkämpfen 28 Flugzeuge ab. Starke feindliche Vorstöhe in Süd- tnnesien wurden unter schweren Verlusten des Gegners abgewiefeu. Bei einem Luftangriff verlor der Feind zwei Flugzeuge. Schnelle deutsche Kampfflugzeuge beschädigten im Hafen von Bone einen Zerstörer. Vach einem Bombenangriff auf einen feindlichen Flugstützpunkt wurden ausgedehnte Brände festgestellt.
Das Eichenlaub zum ZRttterfrcut.
Berlin. 15.Ian. (DRB.) Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Kapitänleutnant Johann Mohr. Kommandant eines Unterseebootes, als 177. Soldaten der deutschen Dehrmacht.
kapitänleutnant Mohr wurde 1916 als Sohn eines Stadtbaurats in Hannover geboren und trat 1934 in die Kriegsmarine ein. Als Kommandant eines U-Bootes versenkte er den britischen Kreuzer „Dunedin" (4850 Tonnen) sowie 16 bewaffnete HaiÄels schiffe mit 103 405 BRT. Nach der am 27.3.1942 erfolgten Verleihung des Ritterkreuzes
195. Jahrgang Nr. 15 j^ricöeini täglich au feer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gietzener Familienblätter Heimat lmBild* DieScholle Be-ngSvreiSr
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haltende, das Maßvolle verwirklicht worden — und der Ausnahmen sind so wenige, daß sie kaum auffallen, und zudem fallen sie dann meist noch nicht einmal Ankara zur Last. Maßvoll ist auch das Auftreten des einfachen Mannes. Kaum ein lautes, unbeherrschtes Wort fällt auf der Straße und in den Häusern, und wo man in Istanbul aufgeregte Gestikulation, einen Aufwand von lauten Worten wahrnimmt, da zieht man hier die ruhige Klärung, oft auch das maßvolle Schweigen vor — das aber auch beim einfachsten Lastenträger voll Disziplin und keineswegs ein Ausdruck von Stumpfheit und bloßer Ergebenheit ist.
Dieser Geist des Maßes, das alles Leben dieser eigenartigen und einzigartigen Stadt durchdringt, ist eine bewußte und überlegte Züchtung, die allerdings der ruhigen, geduldigen und maßvollen Veranlagung der wertvollen und sauberen Rasse des inneren Anatoliens entgegenkam. Dieser Geist ist um so bewundernswerter, als er von sinem Manne geschaffen und gezüchtet wurde, dessen geniale Züge zutiefst im Ueberschwang zu einer Ueberschreitung , des Maßes führen mußten, wie von jeher das Genie die Barrieren der Konvention und des Maßes Überstieg. Es gelang aber diese Selbstüberwindung; und so war und ist die Türkei durch maßvolle Haltung jener „facteur de la Stabilisation du Proche- Orient“, der sie sein will und sein muß, wenn ihr das schwierige Unternehmen der Aufrechterhaltung der Neutralität gelingen soll.
analysiert, filtriert; und wenn man dann, oft erst nach zwei oder drei Tagen, Stellung nimmt, ruhig, zurückhaltend, weise, bann ist das Sensationelle, das Beunruhigende, oft auch das Gefährliche bereits verrauscht. Die sprudelnde und sich schäumend gebärende Kohlensäure vom Bosporus ist ein klares, steriles, nicht mehr irritierendes Wasser geworden. Wieviele bedenkliche, richtige und falsche Parolen und Gerüchte Istanbuls erlebten in dem Filter Ankare ihre Auflösung in nichts.
Das gleiche Maß findet sich in dem persönlicheren Leben und Auftreten der Politiker und leitenden Beamten des Staates. Nichts von Pathos, korrekt, unscheinbar, gepflegt, unaufdringlich treten sie in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Das Parlament tagt ohne viel Pomp und Aufsehen; ein stilvolles, aber im Grunde bescheidenes Gebäude, ein Militärposten davor, angenehmes Licht, ein paar Autos im Hintergrund, mehr bedarf es nicht für die Repräsentanz der Volksvertretung. Zurückhaltend und maßvoll auch der architektonische Stil der Stadt, die in ihrem größten und neuen Teil in kurzen anderthalb Jahrzehnten aus dem Boden gestampft wurde, hier ist aus der Verwirrung der Baustile dieser letzten 25 Jahre im Grunde das Solide, das Zurück-
Berlin, 15. Jan. (DNB.) Im südlichen Abschnitt der Ostfront hielten die Bolschewisten ihren Druck gegen die deuffchen Stellungen und Stützpunkte mit erheblichen Infanterie- und Panzerkräften aufrecht. Die unter Bildung mehrerer Schwerpunkte vorstoßenden feindlichen Verbände trafen in der Tiefe des Hauptkampffeldes auf den hartnäckigen Widerstand der deutschen Truppen, die jeden Wasserlauf und jeden Hügel, jede Straße und jeden Waldrand zäh verteidigten, mit ihren schnellen Gegen schlügen dem Feind böse lieber» raschungen bereiteten, seine Angriffsspitzen im System ihrer Stützpunkte absingen unb, wo die Ge- fechtslage es zuließ, zu Gegenangriffen antraten, bei denen sie u. a. em sowjetisches Regiment aus seinem Stützpunkt herausschlugen. Auch i m R a u m Stalingrad setzte der Feind seine starken Angriffe fort. Die hier seit Wochen schwer kämpfenden deutschen Soldaten leisteten erbitterten Widerstand. Im nördlichen Abschnitt haben die Verbände eines deutschen Armeekorps in den nun seit drei Tagen tobenben Kämpfen südlichdes Ladogasees die feindlichen Angriffe zuruckgeschlagen. Das wolkenlose, klare Wetter ließ auch unsere Flieger zu ungewöhnlichen Erfolgen kommen, als die Bolschewisten versuchten, ihre weiteren Vorstöße durch starke, von Jägern begleitete Nah kämpf fliegerkräfte zu unterstützen.
Oer Wekrmachiberichi.
D7lB. Aus dem Führerhauptquarlier. 15. Jan. Das Oberkommando der Dehrmacht gibt bekannt:
Die schweren Abwehrkämpfe im Süden der Ostfront halten in unverminderter Heftigkeit an Im Raum von Stalingrad verteidigten sich die deuffchen Truppen in erbttterten Kämpfen gegen
Britische Erkenntnisse.
Keine entscheidenden Ergebnisse der sowjetischen Winterfeldzüge.
Paris, 16. Jan. (Europapreß.) Der Chefredakteur des „Mattn", Stephane Lauzanne, erzählte einem Mitarbeiter von Europapreß zwei Episoden, die er als charakteristisch für den Krieqs- willen Roosevelts bezeichnete. Arn 3. September 1939 befand sich der französische nationalistische Abgeordnete Philippe Henriot bei dem damaligen polnischen Botschafter in Paris. Dieser fragte, warum Frankreich zögere, den Krieg an Deutschland zu erklären, henriot erwiderte: „Man hat uns gesagt, daß Polen sechs Monate Widerstand leisten würde. Unter diesen Umständen sollte es Polen auf 48 Stunden mehr oder weniger nicht ankommen." In diesem Augenblick läutete das Telephon. Es mar der nordamerikanische Botschafter Bullitt, der ebenfalls seinem lebhaften Erstaunen darüber Ausdruck gab, daß Frankreich noch nicht den Krieg erklärt habe. Er werbe Daladier sagen, daß Frankreich entehrt werde, wenn es nickst sofort den Krieg erkläre. Tatsächlich telephonierte er mit Daladier, und Daladier rief seinen Außenminister Georges Bonnet an, um ihm den Befehl zu geben, nicht mehr zu warten. Frankreich händigte,
Genf, 16. Jan. (DNB.) Der englische Militär- tritrfer Cyrill Falls schreibt, daß die Sowjets mit der ihnen noch verbliebenen Offenfwkraft es niemals mehr vermöchten, die ver- lorengegangenen Gebiete zurückzuerobern und Deuffchland zu bedrohen. Wie hoch man auch ihre winterlichen Gegenangriffe veranschlagen möge, so reichten sie doch nicht dazu aus, den Gegner vom russischen Boden zu vertreiben. Ein solcher Erfolg werde keiner ihrer Offensiven beschieden sein. Die Deuffchen hielten nach wie vor wertvollste Telle der Sowjetunion im Besitz. Sie hätten schon bedeutende Ernten in der Uframe erzielt, wichtige
Ankara, die Stadt des Maßes
Von unserem R.-Korrespondenten.
Rohstoffe für sich sichergestellt und die sowjettschen Öltransporte ernstlich gestört. Die Winteroffensiven der Sowjets stellten sich im Endergebnis ko st so ie liger für die Sowjets als für die Achsenmächte. Nichts deute darauf hin, daß die deutsche Verteidigung im Osten an irgendeiner Stelle der langgestreckten Front erlahme. Der U • Boot-Feldzug bleibe jedenfalls nach wie vor die e r n ft e ft e Gefahr, der sich Großbritannien gegenübersehe. Wolle man die zur Abwehr ergriffenen Maßnahmen verstärken, gehe das zweifellos auf Kosten anderer militärischer Planungen.
bereits auf ferner ersten Fahrt gegen den Feind im Angriff gegen zwei Geleitzüge, die sich unter starkem Schutz auf der Fahrt nach Gibraltar befanden, kühnes und geschicktes Anfetzen des Boote« sowie Beherrschung der Lage.
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Der Führer verlieh ferner das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Generaloberst Paulus, Oberbefehlshaber einer Armeee, als 178. Soldaten der deutschen Wehrmacht.
Oie Gchiffsnot.
Stockholm, 15.Jan. (DNB.) ,Menn der einzelne Engländer in feinem Land irgend etwas nicht mehr kaufen kann, was er früher kaufen konnte, so denkt er sofort a n die Schiffe", erklärte der Londoner Korrespondent des Columbia Bro ad« casttng Systems. Der Handelsschiffsbau auf den englischen Werften sei unbefriebigenb. England habe in diesem Kriege rund 100 000 Arbeiter weniger auf den Werften als im letzten Kriege. In englischen Reederkreisen mache man sich auch bereits Sorge wegen der Nachkriegsentwicklung. England werde dann, selbst wenn der Krieg günftig verlaufe, vor einem katastrophalen Mangel an Tonnage stehen. Der Korrespondent verweist weiter auf den hinter den Kulissen stattfindenden Kampf um den besten S ch i f f s t y p. Einige Sachverständige Englands stehen auf dem Standpunkt, daß die Tage dex Geleitzüge endgültig vorüber seien, da die langsam fahrenden Konvois ein leichtes Spiel der raschen und modernen deutschen U-Boote würden. Sie befürworten den Bau von Schiffen mit größerer Höchstgeschindigkeit. Diese könnten auch im Geleit besser den H-Booten entgehen als die langsam fahren Schiffe, die man in England und den USA. baute. Heute bestehe der größte Teil ihrer Handelsflotte aus diesen Schiffen. Sie seien wegen ihrer geringen Geschwindigkeit eine viel zu leichte Beute für U-Boote. Es sei nur klug, wenn die Alliierten so schnell wie möglich schnellere Handelsschiffe bauten, selbst wenn es dabei auf Kosten der Ladefähigkeit gehe. Demgegenüber wird in Kreisen der Admiralität erklärt, daß beinahe ebenso viele schnelle Schiffe torpediert worden seien wie langsame. Die „Daily Mail" erklärt offenbar sei Deutschland fest entschlossen, England auf See vernichtend zu schlagen und es damit zur Kapitulatton zu zwingen. Das fei eine Gefahr, die. man nicht nur erkennen, sondern mit der npan auch rechtzeitig fertig werLeu. müjfe.
Roosevelts Botschafter drängte Frankreich znm Kriege
L
Ankara, Januar 1943.
2n bestimmten Zeiten zwischen den Kriegen liebten es manche Franzosen, ihr Vaterland als „le pays de la moderation", als das Land des Maßes zu bezeichnen. Es soll dahingestellt bleiben, ob die französische Republik diesen Titel für sich mit Recht in Anspruch nehmen konnte und ob nicht mit ebensoviel oder mehr Recht vieles ins Feld geführt werden könnte, das dem mittelalterlichen Ideal der „mäze" im Frankreich der dreißiger Jahre kaum entsprach. Es bleibt aber, daß das Maß, das Maßvolle, die Mäßigung in unserem Kulturkreis seit vielen Jahrhunderten als bewundernswert und groß gilt und daß sich von jeher viele Gemeinschaften und Individuen, ja — wie man sah — auch Staaten um dieses Maß bemühten.
Wenn man längere Zeit in der Türkei, diesem Lande zwischen zwei Welten, lebt, wenn man besonders in Ankara seinen Aufenthalt hat und die verschiedenen Phasen des Auf und Ab und des scheinbaren Stillstandes der Politik erlebt, dann drängt sich einem mehr und mehr der Eindruck auf, daß die Hauptstadt dieses jüngsten Staates der europäischen Familie gewollt oder ungewollt, wahrscheinlich aber gewollt, dem Ideal des Maßes, der maßvollen Beschränkung und Vorsicht, der zurückhaltenden Disziplin in fast 'allen feinen Äußerungen nahe kommt; näher als mancher Staat, der )em europäischen Kreis seit Jahrhunderten angehört und sich nicht erst durch den Willensakt eines klugen Mannes vor zwanzig Jahren zu ihm bekannte.
Diese Erscheinung ist um so erstaunlicher und bewundernswerter, als dieses Land auf Grund seiner historischen Vergangenheit wie auf Grund seiner geographischen und klimatischen Gegebenheiten eigentlich >u allem anderen als einer maßvollen Zurückhal- ung prädestiniert ist. Seit vier Jahrtausenden und änger lösten sich auf diesem blut- und kulturen- lebüngten Boden die Rassen, die Herrscher, die Systeme, die Zivilisationen, die Religionen und jeiftigen Ueberzeugungen ab, und wenige von deren Persönlichkeiten und Erscheinungen sahen in der mäze" der Weisheit und Vollendung Schluß, tüma und geographische Lage haben zudem das !and zwar für die reiche Geschichte der Menschheit geeignet gemacht, spenden dem Lande heute wie Hedem Fruchtbarkeit und Segen der Götter; von Näßigung, von Ausgeglichenheit kann aber bei iesem Klima keine Rede fein, das ganze Land- 'haften dieser Halbinsel d erb rannt, das in Abständen -rie mit unerträglicher Sonnenglut so mit Erd- >eben und Erschütterungen Land und Menschen eimsucht.
So kann denn auf dieser Dölkerbrücke Maß und Näßigung im allgemeinen nicht Ideal und Kri- crium sein. Istanbul, das zwar glänzende, märchen- iafte, das dabei aber nur gar zu unzuverlässige, leroöfe, hastige, levantinische, das von einem )utzend Rassen und ihren Mischungen und Ver- chlechterungen Verwirrte, kann nie dieses Maß für ich in Anspruch nehmen, könne in tausend Unklareren und noch mehr Skandalen nie solchem Ideal uflreben. Auch dies ist sicher ein Grund dafür, daß le Gründer dieses Staates, der Disziplin und Maß rauchte, dem zauberhaft-lasterhaften Istanbul en Charakter einer Hauptstadt nehmen mußten nd das Zentrum des Staates in das wirkliche fentrum des Landes verlegten. Denn hier in An - ar a, das durch das weite Band der Steppe nd der Hochebenen wie mit einer Isolierschicht egen alle unerwünschten und krankhaften Ein- lüffe und Beunruhigungen geschützt und gesichert >t, war der Geist des Maßes leichter und eher u züchten und zu halten, den der junge Staat auch n Zeiten nötig hatte, als die unerhört schwierige Situation einer bewaffneten Neutralität inmitten iuten Kriegslärmes diese Haltung noch nicht als 'nzig mögliches Mittel zum Fernbleiben aus dem Lcltenbrand anfehen ließ.
Nichts an dieser Stadt, an ihrem Geist, an ihrer frf, an der Haltung der Männer, der schwierigen Etischen Probleme Herr zu werden, läßt dieses ftafj vermissen; nichts ist unbeherrscht, unüberlegt, unbedacht, ohne Maß. Vielleicht hat dieser Geist er Zurückhaltung der positiven Diskretion um eben Preis, der unbedingten Disziplin diese ffaatsmetropole ein wenig langweilig gemacht — trie es ihr oft vorgeworfen wird. Es gibt in ihr l'ine besonderen Sensationen, weder auf politischem Gebiet noch im privaten Bereich, an Festen, Der- Siügungen, Betörungen. Das einzige, was man er zur Ablenkung, zur Erbauung geschaffen hat, t die kultivierte Pflege einer kulttvierten Musik — und ist nicht die Musik, wenigstens da, wo sie den donysischen Rausch verlassen hat, fast das Sinn- bild der „mäze"? Aber diese Nüchternheit, diese kisziplin — eine Art von nach Kleinasien verpslanz- tkm Potsdam wird diese Stadt von manchen genannt — stellt die Voraussetzung für die Möglich- feit dar, diese delikate Politik in einer noch delika- ttren Situation zu betreiben und aufrechtzuerhalten, tiefe Nüchternheit, mit Konsequenz gepflegt, führte auf einem anderen, aber nur scheinbar unpolitischen Gebiet dazu, daß Ankara die Großstadt mit der geringsten Kriminalitätsziffer der ganzen Welt I wurde. In einer Welt, in der „verba docent, exempla trahunt", dürfte das ein absoluter Beweis fir die Disziplin dieser Stadt sein.
Wenn Istanbul — das heute nicht mehr das ausschlaggebende Wort zu sprechen hat, das oftmals gar nicht mehr gehört werden kann — von „rumeurs" nervös zittert, wenn es feine unruhigen uni) alarmierenden Informationen durch den Draht schickt, dann antwortet der hastigen, gepeitschten Frage vom Bosporus eine ruhige, maßvolle Stimme. Ss ist, als ob alles hier ein anderes, klareres, ruhigeres, gemäßigtes Aussehen bekäme. Vielem wird durch die hiesige beherrschte Betrachtungsweise b e Spitze abgebrochen; anderes wird bjer mit gleichem wissenschaftlicher Methode geprüft, rmtersucht.
General-Anzeiger für Oberheffen
WanMingweis Entschluß.
Der Eintritt der chinesischen Nationalregierung an der Seite Japans in den Krieg gegen die beiden anglo-amerikonischen Plutokratien stellt für den> bedeuffamen Teil des chinesischen Volkes, der heute in Wangffchingwei seinen politischen Führer sieht, nun endlich die Kampffront her, die aus der Geschichte des modernen Chinas sich allein begründen läßt. Denn die letzten hundert Jahre der chinesischen Geschichte waren ein einziges verzweifeltes Sich- aufbäumen gegen das Eindringen der Fremden in das Reich der Mitte und vor allem gegen die rücksichtslose wirtschaftliche Ausbeutung durch Briten und Amerikaner, die zur Sicherung ihres ertrag« reichen Geschäfts auch vor schwerwiegenden politischen Uebergriffen nicht zurückschreckten^ Die gewaltsame Deffnung Chinas für den fremden Handel begann mit dem Opium-Krieg, den England in den Jahren 1840 bis 1842 gegen China führte, um die Opiumeinsuhr aus Indien nach China zu erzwingen. Das Monopol des Handels mit China besaß damals die Britisch-Ostindische Kompagnie. Als es 1834 abgelaufen mar, übernahm die britische Regierung selbst den Schutz der Interessen der vor allem in der großen südchinesischen Stadt Kanton ansässigen britischen Kaufleute. Einer ihrer Haupthandelsartikel war das Opium, dessen Rauchen die chinesische Regierung als die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit untergrabend ihren Untertanen verboten hatte. Als der Gouverneur eine große Ladung Kisten mit dem entnervenden Gift verbrennen ließ, erschienen britische Kriegsschiffe auf dem Perl-Fluß, bombardierte« Konton und landeten Truppen auf der Insel Hongkong. Zwei Jahre dauerte der Krieg, dann mußt- China, das den modernen Waffen der Engländer nichts Gleichwertiges entgegensetzen Fannie, sich zn dem schändlichen Verttag von Nanking verstehei>, der die Opiumeinfuhr erlaubte, die Insel Hirngkong den Engländern überließ, die hier die starke See- feftung anlegten, die fast genau hundert Jahre später so überrafchend schnell dem Sturm japanischer Truppen erliegen sollte, und fünf Häfen, darunter Schanghai, dem brittschen Händel öffnete. Das war der Auftakt zu einer Politik der Konzessionen poI-U tischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Art, mit der vor allem England, später in geringerem Umfang auch andere Nationen sich einen maßgebenden Einfluß im chinesischen Handel sicherten und die vom chinefischen Volk um so schimpflicher empfunden wurde, als sie mit dem Niedergang der Mandschu^ Herrschaft einherging, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts die Ming-Dynaftie abgelöst hatte, das Reich, das für Fremde streng verschlossen war, noch einmal zu großer geistiger und wirtschaftticher Blüte emporgeführt und seine Grenzen bis nach Turkestan, Tibet, Nepal, Burma und Ann am ausgedehnt hatte, dann aber durch Untüchtigkeit und Schwäche immer mehr verfiel.
Der Opiumkrieg, mit dem sich Englands brutale Ausbreitungspolitik ein Denkmal ewiger Schande gefetzt hat, war der erfte Stoß gegen die von den Mandfchus bis dahin geübte Ab schließ ung Chinas von fremden Einflüssen, die in der alten konfuzia» Nischen Kultur des chinesischen Volkes begründe^ durch dis geographische Lage des Landes, die ein« autarke Wirtschaft erlaubte, begünstigt worden war. Eine weitere Etappe war der T ai p i n g-> A uf- stand, der aus Unzufriedenheit mit dem politischen und wirtschaftlichen Niedergang unter bet Mandschu-Herrschaft in Verbindung mit religiös-
als Paris schon von den Deutschen besetzt war. Damals war Murphy, der jetzige Vertreter Roosevelts in Nordafrika, noch als Geschäftsträger der USA. in Paris und betrieb eine scharfe Hetze gegen die Franzosen, die den WassensMstand mit Deuffchland unterschrieben hatten. Murphy zeigte Lauzanne einen Bericht an seine Regierung, den er gerade abgefaßt hatte. Einige Tage vorher war Laval nach Paris gekommen und hatte bei einem Frühstück eine Ansprache an die amerikanischen Pressevertreter gehalten. Murphy nahm an diesem Empfang teil, und es kam dc»ei zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen ihm und Laval, als Murphy diesem erklärt hatte, dessen Pvlittk fei unerträglich. Schon in diesem Augenblick hätten die USA. dies getan, um Frankreich wieder in Blutbad hineinzustoßen,, aus dem es gerade kommen fei.


