Ausgabe 
15.1.1943
 
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kannte die Schwäche der.Gegner und wußte, wo der Hebel anzusetzen war. Und während die anderen kläfften und johlten, traf Adolf Hitler in aller Ruhe die Vorbereitungen, durch die die Wahl im Her« mannsland zu einem stolzen Sieg für die NSDAP, wurde. Er selbst war es, der die Führung der Wahl übernahm und seine ganze Person, als leuchten- des Vorbild für alle, in diesem Kampf einsetzte. An zehn Abenden sprach der Führer in sechzehn Versammlungen in den Sälen und Zelten der Lippi- schen Städte und Dörfer, und neben ihm sprachen die führenden Männer der Bewegung, u. a. Her­mann Göring, Alfred Rosenberg, Dr. Goebbels, Dr. Ley, Rust, Frick, Kerrl, Frank, Litzmann, Prinz August Wilhelm von Preußen, Kube, Börger und viele andere.

Hitler geht auf die Dörfer!" höhnten die Geg­ner und legten den konzentrischen Einsatz der Be­wegung im lippischen Wahlkampf als Schwäche aus. Sie erreichten das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigten: Wie ein elektrischer Funke zün­dete die Ankündigung der Versammlungslawine in den Herzen aller Parteigenossen. Ein unbändiges Vertrauen, ein fanatischer Wille beseelte alle. Die Müden wurden wach und die Lauen aufgerüttelt. Da gab es kein Wenn und Aber mehr, da gab es nur noch ein gläubiges Vertrauen in die Kraft der Idee. Ein allgemeiner, von gläubiger Zuver­sicht getragener Wetteifer setzte ein, von dem alle, vb Mann oder Frau, Junge oder Mädel, erfaßt und mitgerissen wurden. Jeder wußte, jetzt geht es ums Ganze. Der eisenharte Wille zum Sieg war so stark, daß man mit ihm Berge versetzen konnte. Und das war entscheidend. In diesen Tagen wuchs die Bewegung über sich selbst hinaus. Was in dieser Zeit von den Parteige­nossen, SA.- und ^-Männern und der Hitler- Jugend geleistet wurde, das war stärkster kämpfe­rischer Einsatz, ausgelöst durch gläubigen Fanatis- totus und den unbeirrbaren Willen zum Sieg!

Durch diesen siegentschlossenen, kraftvollen Ein­satz aller Parteigenossen wurden den Lügen der Gegner Tatsachen gegenübergestellt, die bewiesen, daß die Bewegung noch nie so stark und schlag­kräftig gewesen war wie im Wahlkampf um Lippe. Die Kraft der Idee entfaltete sich mit ihrer ganzen Dynamik. Aus ihr wuchs am 15. Januar 1933 der Sieg von Lippe, dem nach vierzehn Tagen die Machtübernahme im Reiche folgte.

Es hatte sich gelohnt, daß der Kampf im fana­tischen Glauben an den Sieg und mit aller Ent­schlossenheit durchgeführt wurde. Der Führer hatte recht behalten, als er erklärte: Und wenn die Geg- Ner sagen, die Bewegung gehe zurück, dann sage ich: Die Welle kommt wieder!

Zehn Jahre sind seit jenem denkwürdigen Wahl­sieg vergangen Jahre des stolzesten Aufbaues, Jahre, in denen Geschichte geschrieben wurde. Un­sere Gegner aber haben nicht geruht. Der deutsche Sozialismus war ihnen ein Dorn im Auge, und die Aufwärtsentwicklung unter der Führung Adolf Hitlers, die als einmalige geschichtliche Leistungen für immer mit dem Namen des Führers verbunden bleiben, ließ unsere Feinde vor Neid erblassen. Das Judentum suchte den Krieg, um Deutschland wieder auf die Knie zu zwingen. Es fand willige Helfer in Churchill, Roosevelt, Stalin und den an­deren Kriegshetzern. Sie brachen aus nichtigsten Gründen diesen Krieg weltweiten Ausmaßes gegen das deutsche Volk vom Zaun.

Ihre Hoffnung aber, den Krieg durch die Blockade ober durch den inneren Zerfall im deutschen Volke gewinnen zu können, haben sie begraben müssen, genau wie es unsere innerpolitischen Gegner vor zehn Jahren mußten. In einzigartigen Siegen gab ihnen die nationalsozialistische Wehrmacht unter der genialen Führung Adolf Hitlers die Antwort. Heute klammern sich unsere Feinde wieder an Lügen und Verleumdungen, wie sie es damals vor zehn Jahren im Innern getan habep. Aber heute wie damals täuschen sie sich, indem sie die Kraft Deutsch­lands und seiner Verbündeten unterschätzten.

So lehrt uns der Wahlsieg von Lippe, daß wir olles erreichen können, wenn wir gläubig und ver­trauensvoll dem Führer folgen, er lehrt uns, daß wir den Sieg erringen, wenn wir die volle Kraft, den äußersten Willen zum Einsatz und zum Opfer entfalten. Genau wie damals die Bewegung, die durch ihre früheren Wahlsiege bereits die Voraus­setzungen für die Erringung des Endsieges geschaffen hatte, dieses Ziel erreichen mußte und erreicht hat, genau so hat unsere Wehrmacht durch ihre ein­maligen geschichtlichen Siege schon beute die Dor- dussetzungen für den Endsieg geschaffen.

Der Geist, der vor zehn Jahren eine verhältnis­mäßig kleine Zahl aktiver Nationalsozialisten zur

höchsten Kraftanstrengung befähigte, ist heute der Geist des ganzen deutschen Volkes. Damals wie heute ist uns der Frührer Garant des Sieges. Un­sere Kamvfparole von damals wie heute heißt: Alles für Deutschland, alles für den Führer!

Neue Verhaftungen in Nordafrika.

Tanger, 13. Jan. (Europapreß.) Nach Mittei­lung aus dem anglo-amerikanischen Hauptquartier in Algier wurden neue Verhaftungen im Zusam­menhang mit dem Mord an Darlan vorgenommen. Bei den Verhafteten handelt es sich, wie erklärt wird, um Personen, die den Mord an dem Admiral urch Hilfe und Ermutigung" unter- stützten. Das anglo-amerikanische Hauptquartier legt Wert auf die Feststellung, daß die jetzt Ver- basteten mit den von General Giraud in Haft ge­setzten 12 Personen nichts zu tun haben, sondern einem anderen Zirkel von Verschwörern angehören. Die Verhaftungen gehen noch weiter. Staatssekretär Cordell Hüll teilte der Washingtoner Presse mit, unter den in Französisch-Nordafrika Ver­hafteten befinde sicheinFreunddes Herzogs v o n W i n d f o r. Es handelt sich um einen gewissen Charles Bedeaux, einen naturalisierten USA.-Bür- ger. Der Londoner Nachrichtendienst sagt, es sei nicht klar, aus welchem Grunde Bedeaux verhaftet wurde. Es fei nicht einmal bekannt, wer die Ver­haftung veranlaßt habe, ob englische oder ameri­kanische amtliche Stellen. Bedeaux sei in der fran­zösischen Fremdenlegion während des ersten Welt­krieges gewesen. Dor einigen Jahren habe er Fran- zösrsch-Nordasrika nach Mineralquellen durchforscht. Auch an dem Plan zur Beschleunigung des Baues der Transsahara-Bahn habe er mitgearbeitet. Jetzt

weile Bedeaux in Nordaftika als nordamerikanischer Sachverständigerfür industrielle Leistung". Es handelt sich also offenbar um einen Mitarbeiter der Lehmaün-Murphy-Kommission, die die Bodenschätze und das industrielle Potenttal der französischen Ge­biete in Nordafrika für die USA.-Rüstung erschlie­ßen soll. Wer also ein Interesse an der Ausschaltung dieses im nordamerikanischen Sold stehenden Fran­zosen hatte, bedarf keiner Ueberlegung. Gerüchte über ein monarchistisches Komplott in Afrika, die offenbar in Zusammenhang mit der Festnahme Roger de Saiores und des Prinzen Louis Napo­leon aufgekommen waren, entbehren, wie in Paris mitgeteilt wird, jeder Grundlage. Prinz Napoleon ist wieder auf freien Fuß gesetzt worben, während de Saivres seiner Aburteilung entgegensieht.

Roosevelts Agitationsfeldzug in (Südamerika.

Buenas Aires, 13. Jan. (DNB.) Das Büro R o ck e f e l l e r plant eine weitere Maßnahme zur Beeinflussung der südamerikamschen Presse. 100 Korrespondenten bedeutender Jbero-Republiken wur­den zu einer Reise durch die Vereinigten Staaten eingeladen, wobei sie die wichtigsten Kriegsmaterial­fabriken besuchen sollen. Für Agitatton in den Zei- hingen, Zeitschriften und im Rundfunk Jbero-Ame- rikas sind 11,8 Millionen Dollar vorgesehen. In­folge der praktischen Unmöglichkeit, Waren nach Südamerika ausführen zu können, wollten zahlreiche nordamerikanische Firmen die R e t l a m e in Jbero- Amerika einstellen. Um jedoch die Presie dieser Län­der weiter für die Vereinigten Staaten zu beein­flussen, hat Rockefeller auf der Fortsetzung der Agitations-Kampagne bestanden. Die ÜSA.-Ge- schäftshäuser müssen daher den ihnen zur Ver­fügung stehenden Zeitungsraum vielfach für eine direkte Kriegsagitation benutzen.

Aus -em Reich.

Oie Winierkleidung unserer Soldaten.

Gestützt auf die Erfahrungen des harten Winters 1941/42 auf dem östlichen Kriegsschauplatz haben die maßgebenden Stellen 6er Wehrmacht für den gegen­wärtigen Winter eine neue Schutzkleidung für Sol­daten geschaffen. Es ist dabei zu unterscheiden zwi­cken einer gewöhnlichen Witerbekleidung mit Kopf- chützer, Schals, wollenen und Pelzwesten, Leibbin- )en, wollenen Strümpfen und Unterwäsche, wolle­nen ober gefütterten Handschuhen und Wolldecken, sowie einer Sonderbekleidung, die nur den­jenigen Einheiten gegeben wird, deren besondere Verwendung sie erforderlich macht. Zum Ueber- ziehen über die Tuchbekleidung wurde ein Winter­anzug, aus Winterjacke und Winterhose, geschaffen. Die Stücke sind auf der einen Seite feldgrau, auf der anderen zur Tarnzwecken wsiß gehalten, so daß je nach dem Gelände die eine oder andere Seite außen getragen werden kann. Zum Winteranzug sind möglichst Filzstiefel anzuziehen. Weiter gehören hierzu Kopfhauben, Fausthandschuhe und Kniewär­mer. An Stelle von Winterjacken können halblange Pelze ausgegeben werden. Außerdem sind weitere Pelzsachen, wie Pelzwesten, Pelzstiefel, lange Pelz­mäntel statt Uebermäntel für Stellungstruppen und bodenständige Einheiten bereitgestellt worden. Allge­mein wurde die bisherige Feldmütze durch eine neue ersetzt, die die Möglichkeit bietet, den Umschlag tiefer herunterzuklappen und dadurch Nacken, Hals und Kinn zu schützen. An allen neuen Mänteln ist ferner der Mantelkragen verstärkt und so groß gehalten, daß er, hochgeschlagen, die untere Ge- sichtshälfte schützt und vor dem Mund geschlossen werden kann. Weiter ist an den Uebermänteln eine Kapuze, die über den Kops gezogen werden kann. »Das ganze Deutschland soll es sein."

Auf einer Tagung der Akademie für Jugendfüh­rung in Braunschweig erläuterte der Reichsleiter für die Jugenderziehung der NSDAP., Baldur von S ck i r a ch, an einer Fülle eindrucksvoller Beispiele, woyin wir wohl kämen, wollten wir die Geistes­heroen unseres Volkes mit der Schneiderelle des Tages messen. Wer sich der Vielfalt beglückender Zeugnisse einer eigenen großen Kulturentwicklung bewußt sei, empfirtbe auch Achtung vor frembem Volkstum. In ihm Wert und Leistung zu über­sehen, hieße einen Mangel von persönlicher Kultur an den Tag legen. Sehr spät erst hätten wir uns

selbst in unserer völkischen Gemeinschaft gefunden. Diese Tatsache erkläre, warum oft Alltäglichkeiten mit dem AttributDeutsche" versehen würden, ob­wohl dies ganz überflüssig scheine. Schirach warnte auch vor einer falschen Ueberheblichkeit, vor der sich der besonders hüten müsse, der gewohnt fei, Siege zu erringen. Die junge Generation müsse sich bewußt bleiben, Diener des Reiches und damit Bei­spiel eines Ganzen zu fein, worin es auch immer Ausdruck fände, in Leib, Geist, Kunst oder Wissen­schaft, denn, so hob er hervor,bas ganze Deutschlanb soll es fein!"

Ausländische Abordnungen beim Reichsmarschall.

Berlin, 14. Jan. (DNB.) Anläßlich des 50. Ge- burtstages überbrachten dem Reichsmarschall meh­rere Sonderdelegationen verbündeter Länder die Glückwünsche, Handschreiben und Geschenke ihrer Regierungen. Don Italien erschienen der Unter» staatssekretär im Luftfahrtministerium, General­oberst Fougier, Botschafter Graf Martin-Franklin und General Jlari. Der ungarische Reichsverweser ließ feine Grüße durch den Honved-Minister Gene­raloberst von Nagy übermitteln. FeldmarfchaU von Mannerheim ließ Finnlands Grüße durch oen Ober­befehlshaber der finnischen Luftstreitkräfte General­leutnant Lundquist übermitteln. Kroatien war ver­treten durch den Chef der kroatischen Luftstreitkräfte General Kren. Telegraphisch haben u. a. ihre Glück­wünsche übermittelt: der japanische Botschafter Oshima, der rumänische Staatsführer Marschall Antonescu, König Doris von Bulgarien, ber slowa­kische Staatspräsident Tiso sowie die diplomatischen Vertreter von Dänemark und Thailand. Ferner überbrachte der schwedische Militärattache Oberst Juhlin-Dannfeldt die Glückwünsche sämtlicher aus­ländischer Militärattaches.

Deutsch-japanische Akademiker-Tagung

In St. Christoph am Arlberg fand die 5. Deutsch- Japanische Akademiker-Tagung statt. An der Spitze ber japanischen Teilnehmer stand Professor Komoni, der Vorsitzende des Japanischen Akademikervereins in Deutschland. Von deutscher Seite nahmen neben Reichsamtsleiter Dr. Gmelin die Studentenführer und Ritterkreuzttäger Oberleutnant Schmidt und Oberleutnant Ringler tell. Als Vertreter des Reichs- erziehungsministeriums war SA.-Gruppenführer Schormann Gast der Arbeitstagung. Der japanische Botschafter General Oshima und Reichsstudenten­

führer Gauleiter Dr. S ch e e l nahmen an dem feiev- lichen Ausklang in Innsbruck teil.

Kleine politische Nachrichten.

In Berlin starb im Alter von 74 Jahren General der Infanterie a. D. Konrad Krähe, dessen vorbild­liche Leistungen im ersten Weltkrieg durck Ver­leihung des Ordens Pour le mörite mit Eichenlaub Anerkennung fanden. Als Abteilungschef im ftrie-gs« Ministerium wie uls Chef des Stabes der Inspek­tion der Infanterie in der Reichswehr war er maß­geblich an der Neuorganisation der Infanterie und deren Ausstattung mit ber Maschinengewehr- und Minenwerferwaffe beteiligt. Auch um die Heraus» gäbe der neuen Ausbildungsvorschriften erwarb er sich große Verdienste. Zuletzt war er Infanterie« Führer V in Stuttgart.

*

Einer Einladung des Reichsministers der Finan-. zen Grafen Schwerin von Krosigk folgend, traf der kroatische Finanzminister Dr. Vladimir Kosak in der Reichshauptstadt ein. Im HotelKaiserhos" fand zu seinen Ehren ein (Empfang statt.

Der Poglavnik ernannte den Führer ber deutschen Volksgruppe in Kroatien Branimir Altgayer zum Staatssekretär im Ministerpräsibium.

Kunft und Wissenschaft.

Rudolf huch f.

Der Dichter Rubolf Huch ist, wie aus Berlin ge« meldet wird, im Alter von 81 Jahren g e ft o r b c nt er war ber Bruber Ricarda Huchs und der Onkel Friedrich Huchs und lebte zuletzt als Rechtsanwalt und Schriftsteller in Bad Harzburg. Am 28. Fe­bruar 1862 in Porto Allegre (Brasilien) geboren« studierte Rudolf Huch in Heidelberg und Göttingen« ließ sich 1888 in Wolfenbüttel als Anwalt niebet* wurde Notar, ging 1897 nach Bad Harzburg, 1915 nach Helmstedt und 1920 wieder nach Harzburg, wa er fein Leben beschloß. Rudolf Huch, der als jungen Mensch noch an Wilhelm Raabes Tisch gesessen, und dessen erste ltterarische Versuche Raabe wohl« wollend beurteilt hatte, gab nach demTagebuch eines Höhlenmolches" eine gegen den Naturalist mus gerichtete SchriftMehr Goethe!" heraus, bis ihm feinen Aufstieg als Schriftsteller nicht gerabd erleichterte. Die Leitsterne feines Lebens mären) Shakespeare, Goethe und Bismarck. Don feinen Bite chern, vorwiegenb erzählenben Inhalts, feien weiter genannt ,^Hans der Träumer",Der Frauen wun« derlich Wesen",Familie Hellmann",Die beibeit Ritterhelms",Altmännersommer" und bas Er« innerungsbuchEnges Leben".

Das Rachlaßwerk Carl von Bremens.

Das Nachlaßwerk des 1941 im Nördlichen Eis« meer im Kampf gegen den Bolschewismus gefalle« nen Dichters des Doberaner Kreises Carl vonBre» men, des Schöpfers derSchifferwiege", trägt den TitelGeschichten aus dem Nordischen Krieg, vom Heldenkampf gegen Moskau unter Karls XII. Fah­nen." (Verlag Junge Generation, Berlin.) Carl von! Bremen stellt hier in feiner männlich-herben, fchö« nen Sprache als klarer Schilderer fpannenbe, jd dramatisch bewegte Ereignisse aus jener Zeit bar, die heute besonders aktuell ifte Gleich die erste Er* zählung,Der Brandklepper", verrät die künstlerisch» Darstellungskraft. Nicht ber Mensch, sondern ein Pferd Karls XII. ist hier Held der Erzählung. Das eigene schwere Jugendschicksal des Dichters, ber 13jährig nach Verlust ber Heimat durch die Bolsche­wisten und Sibirien-Verschleppung feiner Familie nach Deutschland kam, findet eine Parallele in ber ErzählungGeschick eines Knaben im Nordischen Krieg." Abschiedsworte an den Dichterfreund schrieb Theodor Jakobs. Erich Heinzel.

Lin Vorkämpfer der Zellforschung.

Der frühere Ordinarius der Zoologie und ver­gleichenden Anatomie an ber Universität Bonn, Prof. Dr. Adolf B o r g e r t, vollendete sein 75. Le­bensjahr. Borgert wurde in Hamburg geboren. Er begann seine Studien in Jena, promovierte in Kiel 1891 auf' Grund von Untersuchungen über eine von ihm entdeckte Gruppe von Geißeltieren, die er wegen ihres Kieselgehäuses Kieselgeißlev (Silico-flagellaten) nannte. Es folgten bann mehl rere Jahre Forschertätigkeit an der Zoologischen Station in Neapel. Die Frucht dieser Zeit bildeten Arbeiten über die Fortpflanzung gewisser Radiola* rien. Hiermit gelang es Borgert, die äußerst kompli« gierten Dermehrungsvorgänge dieser einzelligen) Tierformen aufzuklären. Die Tatsache, daß es Or­ganismen mit mehr als tausend Kernfäden gibt# stellte gleichzeitig für die allgemeine Zellforschungß

19. Jichrh-underts.

Rudolf Adrian Dietrich.

Neben dem eigentlichen Bettachter des Gemäldes, über das Gegenständliche hinaus hat, begreift die Dies- ^Männer la Betrachtung des Mondes" -um Wesensverwandtschaft zwilchen dem Frauengesicht

Und wenn man nun, von der Landschaft her, wieder zu Waldmüllers Genremalerei kommt, wenn man Landschaft und Genre nacherlebt, bann wach­sen einem aus dem, was mit dem BegriffBieder­meier" uns zunächst an Kleinstadtanekdote und allzu unbeschwerte Behaglichkeit erinnert, nun auch die Tiefen seiner Porttätbilbnisse zu, des Jüng­lings mit der Laterne" ober jenes Meisterwerkes berTante bes Künstlers". In biefem alten Frauen- gesicht ist ber ganze Herbst eines vollen, mit dem Herzen gelebten Menschenlebens. Und wer den Blick

und dem alten Baum im Wiener Prater: begreift das die ganze Natur mit gleicher Liebe umfassende, weitgeöffnete Gemüt dieses Wiener Meisters des

zahlreiche Formen, angefangen von der primitiven) unmittelbaren Tauschwirtschaft bis zum Handel mit Kurswerten und Girokonto. Und da ber Briefmarken­tausch und -handel in allen Ländern gepflegt wird, gibt es sogar ein Transferproblem. Und weiter: ES gibt Sachverständige, die in Zweifelsfällen die Mar­ken unter die Lupe nehmen, Brlefmarkenbörsen, auf denen sich Kaufleute, Arbeiter, Schüler und Pro­fessoren zum Marken- und Erfahrungsaustausch tteft fen, dazu berühmte Auktionen und Ausstellungen,

Und nun die Marken selbst, ber Stolz unb biö Sorge des Sammlers: meist sind sie rechteckig, aber auch die Form des Dreiecks und des Parallelo­gramms findet sich; sie sind wasserecht ober haben einen empfindlichen Mangel an Farbtechnik, können Kunstwerke alter und neuer Graphik fein, Druck­fehler aufweifen, Wasserzeichenn haben, historisch- Stätten, nationale Symbole oder Helden zeigen, die Fauna und Flora entfernter Landstriche bar­stellen ober nur die Nüchternheit einer Zahl enH halten. Kurz, was Zeichner und Drucker aufs Papiev bringen können, das findet sich auch auf Briefmar­ken; sie sind Urkunden ber Vergangenheit und Gegenwart wie Tagebücher, Zeitungen, Plakate und Filmstreifen. Jebe große politische Wendung finbd auf ihnen ihren dokumentarischen Niederschlag. Da­her sind die Postwertzeichen noch mehr als früher zum Spiegel des Weltgeschehens geworden. In ruhigen Zeiten geben die Postverwaltungen all» Jahrzehnte eine Serie von Briefmarken in verschie­denen Werten heraus. Je bewegter aber das Zeit­geschehen, um so häufiger wechseln die Marken- bilber.

Beispiel weisen nur nochmals auf das Wunder der Landschaft, der Natur hin und diese selbst wiederum ist voll von Geheimnis, ist von Metaphysik durch­tränkt. lieber den Menschen uhb sein Verwundern erhaben! Bei Waldmüller ist die Landschaft die Heimat des Menschen. Unb zumal in seinen spä­teren Bildern ber vierziger Jahre, biesen meister­lichen Derkünbigungen des Sonnenlichts, ber be­glückenden Warme feiner Sommerwelt, atmet ber Mensch zwischen Waldesluft und Wiesenblumen die frohe Schönhett der Muttererde.

Aber auck ohne diese Figurinen ber Naturwan­derer unb oeglückten Menschenkinder, die ihr Wie­ner Gemüt nun auch draußen zwischen Bergen unb Triften im Sonnenlichte haben auch die Erscheinungen ber Natur selbst, wie ganz anders, wie entgegengesetzt zur Zeit ber Romantik er­scheinen sie. Man bettachte einen entlaubten Baum von Kobell, ein Gebüsch auf seinem Tegernseer Bild, bie Bäume auf C. D. Friedrichs Gemälden, die immer zu frieren scheinen, sei es im Mond- fdjein ober in ber Frühdämmerung, die eigentlich ohne Lichtsättigung und womöglich entwirklicht sind, silhouettenhaft, mit entsinnlichten Konturen. Genial nur wie Visionen eine Art früher Surrealis­mus. Unb man sehe sich daraufhin Ferdinand Wald- müllersBäume im Prater" an, mit dem einen großen Baum im Vordergrnub, ber halb zerstört von Unwetter und Alter, halb noch grünend und leuchtend über ber Wiese aufragt, auf ber bahinter die anderen Bäume und zwei zum Bettachter überleitende Menschen im Grünen ihre Schatten werfen, daß man auch dadurch die Sonne, bas Leben, die Lebensfreude spürt.

Aber nicht nur die Briefmarke für sich betrachtet der Sammler, er geht auch ihrer Verknüpfung mit den Menschen und Geschehnissen nach. Briefmarken­sammeln ist also weder eine zufällige Laune noch eine müßige Neugier. Markensammeln weitet den Honzont. Dieses Pathos scheint uns durch dl- Aeußerung eines angesehenen Schriftstellers gerecht­fertigt, der kürzlich angesichts feines MarkenschatzeL gestand, daß er fein Wissen zu einem Teil auch seinem Markenalbum verbanke.

Allerdings darf ein Sammler nicht nur feinen} Stern vertrauen, einiges Wissen von der postalische- c ! * er. 3U Beginn feiner Sammeltätigkeit fchoH haben. Mit jebem neuen Stück wird sich bann soi«F

-----iKHoUfces*

Gammeln Gie auch?

Die Briefmarke als Beispiel.

Der Menfck mache sich nur irgendeine würbige Gewohnheit zu eigen, an der er sich die Lust der heiteren Tage erhöhen und in trüben Tagen aufrichten kann." Goethe. DerTag ber Briefmarke" hat den Briefmar­kensammlern wieder einen besonderen Auftrieb ge­geben. Die alten Sammler sind noch eifriger ge­worden und neue haben sich dazu gesunden. Brief- markensammeln ist eine schöpferische Liebhaberei. Aber die blaue Mauritius ist in festen Händen oder besser im verschlossenen Safe; wie der Sammler auch sein edles Steckenpferd reitet und anfpomt ans Hiel, weiß er, kommt er niemals. Wenn er, Vollständigkeit seiner Sammlung ersttebend, sich den Bereichen hoher und höchster Werte nähert, kommt unfehlbar einmal der Tag, an dem er Verzicht leisten muß. Aus dieser Not wird allgemein eine Tugend gemacht, nach dem Motto: In der Begren­zung zeigt sich erst ber Meister. Schallt's aus dem Album: Höher gehtis nimmer! so legt er sich ein fesselndes Bilderbuch mit Marken jüngerer Daten ober bestimmter Länder an aber sammelt nur Mar­ken, auf denen Köpfe von Heerführern zu sehen sind, Landschaften, Städte oder Tiere, je nachdem, ob er seine Bild- und Begriffswelt ber politischen Geschichte ober ber Erd- und Naturkunde erweitern will. Denn die Welt des Sammlers hat Ausweich- Möglichkeiten, hat Weite unb Breite für jeden. Und für jugendliche Sammler ist ein Markenalbum auf­regend wie eine abenteuerliche Reifebeschreibung, bie Wunderwelt aller Breitengrade tut sich ihnen beim Durchblättern auf.

Wie selten sind Liebhabereien, die In einer Ge­meinschaft von Mitspielenden Sport und Studium

Ferdinand Waldmüller.

Zum 150. Geburtstage des Malers.

Das Anekdotische, bas uns vielleicht zunächst am Unmittelbarsten in ber Malerei bes Biedermeier dnspricht, es zeigt nur die eine Seite. Wir haben das bei Spitzweg, bei Porträts von Friedrich IWaßmann und Friedrich Gröger, es ist bei W a l d- Müller gleichfalls mit in den Genre- und Por­trätgemälden vor allem ber dreißiger Jahre. Aber viese Note, die selbst Berlin, Hamburg und Wien den drei wichtigsten Zentren der deutschen Bie­dermeiermalerei einen Zug von Kleinstädtischem verleiht, also gleichsam tontrapunktisch zu dem be­ginnenden Drängen ber Zeit ins Große, Wettmän- ttische unb Jnbustrielle steht ober wie eine Fer­mate auf bem letzten Ausklang derguten alten Zeit" liegt, dieses reicht keineswegs aus, Die Malerei bes Biedermeier, unb zumal etwa bes Wiener Bie­dermeier zu begreifen. Ist bie Frische unb Heiter­keit, bie musikalisch in Lanners ober Sttaußens Walzern erklingt, auch hier in der Wiener Genre­malerei ber dreißiger und vierziger Jahre das mlt- wirkende Element (sehr anders als in ber herberen gleichzeitigen von Berlin und Hamburg), so trifft erst die andere Seite, die sich in ber Landschafts- Malerei ausspricht, den vollen harmonischen Zu- fammenklang bes damaligen Lebensgefühls.

Waldmüllers Landschaften gingen ihrer Bedeu­tung nach eigentlich erst einer späteren Zeit auf, der zweiten Hälfte unb dem Ausgang bes 19. Jahr- hunberts, als man überhaupt wieder nicht nur im Impressionismus -- ein Verhältnis zur Land­schaft gewann. Und nun zeigte sich, worin eigentlich diese Landschaftsmalerei der Wiener Biebermeier­künstler wie Walbmüller, ©auermann, Pettenkofen ihre Besonderheit hat. Eben im Kontrast zur Ro­mantik.

Wenn man die stärksten Talente beider Epochen gegeneinander vergleichen will, also Waldmüller neben Caspar David Friedrich stellt, so wird einem bas unmittelbar bewußt unb herrlich offenbar. Bel Friebrich ist ber Mensch in der Landschaft eine Art zweiter Betrachter dieser Landschaft

In einem sind! Dazu muß der Brlefmarkensamm- ler ein Rechner fein, ja auf die Pfennige sehen, das erhöht erst den Reiz des Sammelns. Auch diese y_VM. ltvcm llKU Seite der manchmal lMpieligen Sach« umIchlieHt Sßelttenntnis mehren