Oie Heuchelei der Mordbrenner.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Vergeblich bemühen sich die Engländer, die Schande der von ihnen begonnenen und mit dem größten Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung der feindlichen Länder durchgeführten Luftangriffe von sich abzuwaschen. Im Unterhause hat der Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium Balfour ebenso wie Luftsahrtminister Sinclair erklärt, daß die Ziele der britischen Luftwaffe immer die feindliche Industrie sowie die Transportanlagen und das Kriegspotential gewesen seien. Mit echt englischem Zynismus haben diese Regierungssprecher damit den Versuch gemacht, die qualifizierte Mordbrennerei der britischen Flugzeugoesatzungen zu beschönigen, ihr ein militärisches oder gar moralisches Mäntelchen umzuhängen. Dieser Versuch am untauglichen Objekt ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Man braucht nur durch die zerstörten Viertel der deutschen Städte zu gehen, um sich durch den Augenschein davon zu überzeugen, daß die Helden der britischen Luftwaffe sich ganz andere Ziele ausgesucht haben.
Wir haben vom Beginn dieser verbrecherischen Unternehmungen an die durch die britischen Bomben verursachten Schäden stets sorgsam registriert. Wir haben dabei immer wieder feststellen müssen, daß es der britischen Luftwaffe niemals darauf angekommen ist, militärische oder wehrwirtschaftlich wichtige Anlagen zu treffen. Sie haben ihre Bomben in erster Linie auf die Quartiere der Zivilbevölkerung und auf deutsche Kulturdenkmäler abgeworfen. Die Engländer selbst haben in zahllosen Aeußerunaen ihrer Staatsmänner und ihrer Presse mit zynischer Offenheit zugegeben, daß es ihnen nur darauf ankommt, durch diese Angriffe auf die Zivilbevölkerung die Moral des deutschen Volkes zu untergraben. Sie betrachten diese Luftangriffe als die Fortsetzung der Fern- blockade, von deren Scheitern sie sich schon nach wenigen Monaten überzeugen mußten.
Die Engländer können uns nichts vormachen. Wir kennen sie zu genau und wissen über ihre Auffassung der Kriegführung gut Bescheid. Sie haben noch
niemals einen Krieg mit den Waffen gewonnen, sondern entweder ihre Hilfsvölker bluten lassen, wie sie es auch in diesem Kriege versuchten, oder, wie im ersten Weltkrieg, die Moral der Bevölkerung zu erschüttern versucht. Mit den Waffen ihrer Lügenagitation kommen sie diesmal an das deutsche Volk nicht heran. Das wissen sie genau, und deshalb versuchen sie es mit dem nackten, brutalen Terror, mit der Vernichtung von Wohnhäusern und mit der Zerstörung unersetzlicher Kulturwerte. Was hatten die Kulturdenkmäler von Lübeck, Rostock, Köln, Nürnberg und München, um nur einige zu nennen, mit diesem Krieg zu tun? Sie lagen fern den kriegswichtigen Zentren der Industrie, fern den Arbeitsstätten einer für unsere Front einmütig schaffenden Nation. Hier sprachen vergangene hohe Zeiten unserer Altvorderen zur Gegenwart, hier zeigte sich, was Deutschland für die Kultur des Abendlandes geleistet hatte, und keinen Fremden dürfte es gegeben haben, der nicht, wenn er in Frieoenszeiten diese wundervollen Städte besichtigte, zutiefst davon beeindruckt gewesen wäre. Nur ein gefüylloser Barbar konnte überhaupt den irrsinnigen Plan fassen, solche Weihestätten der abendländischen Menschheit zu vernichten. Daß es die Anglo-Amerikaner taten, beweißt, daß sie außerhalb der menschlichen Kultur stehen, daß sie mit dem Bolschewismus eins gemeinsam haben: die nihilistische Auffassung von allem, was die Welt verschönt. Diese Dernichtungswut ist die Verbindungsbrücke zur bolschewistischen Barbarei. Plutokraten und Bolschewisten sind sich eins. Wenn der Brite wirklich glaubt, das deutsche Volk mit seiner Mordbrennerei müde zu machen, dann ist das eine Illusion, die den Engländern teuer zu stehen kommen wird. Der Brite ahnt nicht, welches Maß von Haß, von Abscheu, von Verachtung er sich durch diese bolschewistischen Verbrechen im deutschen Volke zugezogen hat. Die Strafe, lehrt der große deutsche Rechtslehrer Ihering, ist das Recht des Verbrechers. Und dieses Recht soll den englischen Mordbrennern voll und ganz werden.
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zwischen Dnfepr und Donez bewiesen hat, jedem neuen Versuch der Sowjets, das Gesetz des Handelns an sich zu reißen, wirksam begegnet werden kann.
Diese bewegliche Kampfführung hat sich auch an den anderen Abschnitten der Ostfront bewährt, wo die Sowjets, freilich ohne ein anderes operatives Ziel als das der Ablenkung und Entlastung für ihre südlichen Stoßarmeen, seit Wochen mit starken Kräften immer wieder die deutschen Linien angreifen. Das gilt vor allem für den Raum von Orel im mittleren Abschnitt und von Staraja Rußja südlich des Ilmensees. Der Feind warf hier nach stärkster Artillerievorbereitung massierte Panzerverbände und Schlachtfliegergeschwader gegen die deutschen Stellungen, ohne damit die deutsche Verteidigung erschüttern zu können. Zwischen zäher Abwehr, kraftvollen Gegenangriffen und entschlossenen Absetzbewegungen wechselnd, paßt sich die deutsche Kampfführung den Erfordernissen der Situation elastisch an und vereitelt damit jeden strategischen Erfolg der Sowjets. Wenn der trotz schwerster Verluste immer wieder erneuerte frontale Massenangriff der Sowjets im Raum von Orel offenbar das Ziel hat, ein Vordringen des deutschen Gegenangriffs über den Raum von Charkow hinaus zu verhindern, so deutet der Druck auf den Lowat-Abfchnitt auf den alten Wunsch der Sowjets hin, durch einen Durchbruch nach Süden die deutsche Mittelfront von ihren Verbindungen abzuschnei- den. Die letzten Wehrmachtberichte konnten jedoch ein merkliches Nachlassen der feindlichen Angriffs- kraft melden, was neben dem anhaltenden Tauwetter auf die schweren Einbußen zurückzuführen sein dürfte, die die Sowjets an Truppen wie an Material bei ihrem sturen Anrennen erlitten haben. Die deutsche Führung hat nun auch im mittleren Abschnitt der neuen Gesamtlage durch erhebliche Frontverkürzungen entsprochen. Wie kurz vorher der über 100 Kilometer tief nach Osten vorspringende Stellungskeil von Demjansk südöstlich des Ilmensees hart am Westrand der Waldai-Höhen, der 14 Monate lang die feindlichen Offensiven auf sich gezogen und als Wellenbrecher für den 'gesamten Frontabschnitt gewirkt hatte, planmäßig und in reibungsloser Abwicklung der Truppenbewegungen geräumt worden mar, so schritt die deutsche Führung auch zur Begradigung des in Gestalt eines tiefen Vierecks gegen Moskau vorspringenden Bogens zwischen Rschew und Wjasma.
Beide Orte im Quellgebiet von Wolga und Dnjepr waren im Herbst 1941 nach der großen Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk von deut
schen Truppen erobert worden. Als dann m der ersten Winterschlacht die deutschen Linien von Kalinin hinter die obere Wolga zurückgenommen wurden, bildete Rschew einen Eckpunkt in der neuen Front, der wie ein Keil nach Osten vorstieß, nachdem die Sowjets sich weiter westlich über Toropez an Welikije Luki und südlich bis an die jetzt eben- falls geräumten Orte Gshatsk und Sytschewka herangeschoben hatten. An diesem Keil von Rschew zerbrachen die mit stärksten Kräften und unter schwersten Opfern geführten Entlaftungsoffensiven des vergangenen Sommers, mit denen die Sowjets ihren im Süden schwer bedrängten Armeen vergebens Lust zu schaffen versuchten. Die jetzt durchgeführte Verlegung der deutschen Linie erfolgte für die Sowjets gänzlich überraschend. Die Städte wur- den nach völliger Zerstörung aller kriegswichtigen Anlagen geräumt, und die Nachhuten konnten sich nach Rückführung allen Kriegsmaterials und Bergung aller Derforgungsgüter unbemerkt vom Feinde lösen, der über die deutschen Bewegungen gänzlich im unklaren blieb und daher auch nur zögernd folgte. Die durch die Aufgabe des Keils Rschew- Wjasma erreichte Frontverkürzung erhöht die Bewegungsfreiheit der deutschen Führung und gibt ihr auch hier die Sicherheit, künftige operative Entschlüße aus eigener Inittatlve fassen zu können. Wie der Sieg der deutschen Waffen in der Winterschlacht zwischen Dnjepr und Donez bewiesen hat, sind die deutschen Truppen auch nach den fast übermenschlichen Anstrengungen in dem erbitterten Ringen der Abwehrkämpfe während der letzten Monate durchaus in der Lage, wieder zum Angriff überzugehen, aber sie sind sich auch darüber völlig im klaren, daß die sowjetische Kampfkraft noch^keineswegs gebrochen ist. Darüber gibt sich auch bei uns in der Heimat niemand irgendwelchen Illusionen hin. Es bedarf vielmehr der äußersten Kraftanstrengung des deutschen Volkes, um der Wehrmacht diejenigen menschlichen und materiellen Reserven bereitzu- stellLn, die erforderlich sind, um im Osten eine Entscheidung zu erzwingen. Nur bei Aufbietung aller Kräfte wird der Sieg unser sein.
Dr. Fr. W. Lange.
„Oer Kreml schweigt."
Stockholm, 12. März. (Europapreß.) Bezeichnend für die schwedische Einstellung gegenüber So- wjetrußland ist ein Leitartikel in „Nya Dagligt Allehanda" unter der Überschrift „Der Kreml schweigt". „Die Beziehungen zwischen der Sowjet-
gcn, blühende Landschaften, traditionsreiche Städte zu Friedhöfen bolschewistischer Rachgier werden sollten.
Unter diesem furchtbaren weltgeschichtlichen Aspekt muß die Abwehrschlacht betrachtet werden, in der das deutsche Ostheer mit seinen Verbündeten seit Mitte Februar in dem Raum zwischen Asowschem Meer und Orel den Stoß der bolschewistischen Armeen auffing und sich in erbittertem Ringen unter Ausbietung äußerster Kräfte auch über den Südabschnitt hinaus an der gesamten Ostfront, wie der Wehrmachtbericht am 9. März feststellen konnte, zum Herrn der Lage machte. Die deutsche Absetzbewegung im unteren Donezbogen war nach der Räumung von Rostow und Woroschilowgrad a m Mi u s zum Stehen gekommen, einem neben den großen Strömen des Ostens mit 250 Kilometern nur kurzen Fluß, der in seinem Oberlauf zwischen steilen Kalksteinufern durch die hügelige Industrielandschaft des Donez-Beckens fließt, dann die Steppe durchzieht, um westlich von Taganrog in einem mehrere Kilometer breiten, von flachen, schilfbewachsenen Ufern begrenzten Liman, einem durch eine Landzunge gebildeten Haff, in das Asow sch e Meer zu münden. Gegen die hier gebildete neue deutsche Abwehrstellung rannten die Sowjets mit aller Kraft frontal an und setzten gleichzeitig aber zu einer Umfassungsbewegung von Norden her an, um die am Mius kämpfenden deutschen Divisionen im Rücken zu packen. Der Versuch endete mit der Vernichtung der hinter unsere Front am Mius gelangten sowjetischen Divisionen.
Ein erheblich weiter gestecktes Ziel hatten sich die Sowjets weiter nördlich gesetzt. Der Wehrmachtbericht vom 22. Februar kennzeichnete es als den großangelegten Versuch, mit einer weitausholenden Um- fassung zwischen Donez und Dnjepr die Verbindungen zu unserer Front im Donez-Gebiet abzuschneiden. Während sie über den mittleren Donez in heftigen Angriffe.n frontal auf die deutschen Stellungen drückten, stießen sie mit motorisierten Verbänden und Kavallerie — die Auswahl gerade dieser Truppen deutet auf die weitgesteckte Zielsetzung der sowjetischen Umfassungsoperation — aus dem Raum südlich Charkow heraus nach Süden hinunter, um die deutsche Donez-Front von Nordwesten her zu umfassen und weitergreifend das Ostknie des Dnjepr etwa in Richtung auf Dnjeprope- trowsk zu erreichen. Aber schon der Wehrmachtbericht vom 23. Februar konnte feststellen, daß den angreifenden sowjettschen Armeen das Schicksal bereitet werde, das sie den im Donez-Gsbiet kämpfenden deutschen Divisionen zugedacht hatten. In einer Bewegungsschlacht großen Stils übernahmen die deut, scheu Divisionen sehr bald die Rolle des Angreifers. Am 28. Februar wurden Kramatorskaja und Loso- waja erstürmt, und am 3. März der deuffche Gegenangriff im Raum von Isjum auf bretter Front an den mittleren Donez herangettagen. Auch weiter östlich, im Raum von Slowjansk am Nordrand der welligen Höhenzüge des Donez-Plateaus mußte der Feind zurückweichen. Die tief in das Land zwischen Donez und Dnjepr hineingestoßenen sowjettscheu Heeresverbände wurden durch den deutschen Gegen- angriff ab geschnitten, umfaßt und vernichtet. Der Wehrmachtbericht vom 12. März meldet den siegreichen Abschluß der Winterschlacht «zwischen Dnjepr und Donez, der die Hoffnungen der Bolschewisten auf eine Wiedergewinnung der Ukraine zunichte machte.
Die deutschen Angri-ffsÄivisionen blieben dem nach Norden zurückweichenden Feind hart auf den Fer- sen. Am 9. März nahmen sie bei ihrem Vormarsch auf Charkow die Städte Walki und Ljubottn, durch, brachen zwei Tage später bereits die ttefgeftaffelte feindliche Schutzstellung vor Charkow und drangen von mehreren Seiten in die Stadt ein. Auch nördlich und nordwestlich der Stadt konnte der Feind nach Osten zurückgeworfen werden. Die Monatsmitte sieht also den Südabschnitt der Oststont, den die Sowjets dazu ausersehen hatten, den Durchbruchskanal zu bilden, durch den die bolschewistischen Massenheere sich nach Westen ergießen sollten, im Zeichen wachsender Stabilisierung. Von den großen Ueberflüge- lungs- und Umfassungsoperattonen. Mtt denen die sowjetische Heeresleitung sich ihre strategische Freiheit erkämpfen wollte, ist keine Tatsache geworden. Die deutsche Führung hat auch in gefährlichsten Situationen die Initiative nicht aus der Hand gelassen und mit ihrer beweglichen Kampfführung, die auf die Moral des deutschen Soldaten und auf seinen hohen Ausbildungsstand baute, sich gegen die Uebermacht des Feindes an Menschen und Material durchgesetzt. Doch wenn der aus der östlichen Steppe heranbrausende Sturm nun gebändigt scheint, so wäre es voreilig, zu glauben, daß damit die Gefahr vorüber ist. Aber die kaltblütig? Entschlußkraft der deutschen Führung, die statt Prestige erfolgen nachzujagen dem Gebot militärischer Notwendigkeiten nach, kam. hat durch ihre radikalen Maßnahmen zur Ab- setzung vom Feinde sich so stabile Ausgangsstellung gen geschaffen, daß von ihnen aus, wie die Schlacht
Glück auf, Renate!
Roman von Ernst Gran.
20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nach Bremerhaven komm ich noch früh genug, Herr Terbrüggen. Auf ein paar Stunden kommt es gewiß nicht an. Aber zunächst habe ich Fräulein Schmidt versprochen, sie nach Köln zu bringen."
Renate sah erstaunt auf.
„Ja ... aber ...", versuchte sie, sich einzumischen.
„Ich entbinde Sie gern davon."
Doch ihr Einwand ging in dem erregten Wortwechsel der beiden ungehört unter.
„IhH Privatverpflichtungen spielen hier gar keine Rolle, Herr Meinders!" herrschte ihn Terbrüggen an, der sich unter den Augen des Mädchens sicher fühlte. „Bitte", wendete er sich im gleichen Atemzuge an Renate und wies auf den offenstehenden Wagenschlag, „ich werde Sie nach Köln mitnehmen, ich fahre ohnedies in der Richtung. Herr Meinders reist jetzt im Interesse der Zeche nach Bremerhaven!" Er sagte das alles so schnell und bestimmt, daß auch der sonst so gewandte Meinders nicht zu Worte kam.
Renate sah ein wenig verzagt und ohne rechtes Verständnis auf die beiden Männer, die sich mit zornfunkelnden Augen gegenüberstanden. Herrgott, was habe ich hier nur angerichtet, dachte sie. Hätte ich nie etwas von dieser Reise erwähnt: gleich im ersten Augenblick habe ich gefühlt, daß es besser gewesen wäre, nein zu sagen. Am besten, ich laufe ihnen davon und erreiche vielleicht noch den Zug. Mögen sie ohne mich sehen, wie sie auseinander kommen.
Aber da fuhr drüben auf der anderen Seite, gerade als sie sich hilfesuchend umsah, ein kleines grünes Auto an. Und am Steuer dieses so wohlbekannten Wagens saß ein Mann, der aus hellblauen Augen wie ein guter, alter Dekanntex zu
ihr herüberlachte. Jetzt winkte er ihr zu, die beiden anderen waren inzwischen so aneinander geraten, daß sie keine Augen hatten für das, was hinter ihrem Rücken geschah, und ehe Renate noch recht wußte, was sie tat, war sie hinübergelaufen. Einen Augenblick später saß sie schon neben dem Mann, der sofort Gas gab und in schnellem Tempo davonfuhr. Erst in einiger Entfernung drehte er sich noch einmal um. Die beiden Zurückgebliebenen schienen plötzlich allen Streit vergessen zu haben. Sie standen wie angewurzelt und sahen dem „Laubfrosch" nach.
Nun wendete sich Werner dem Mädchen zu, und auch sie hob den Blick.
„Also zunächst einmal—"
„Also zunächst einmal —"
Wie auf Verabredung hatten beide in demselben Augenblick das gleiche gesagt, und ein helles, befreiendes Lachen stieg aus diesem Gleichklang auf.
„Also zunächst bin ich einmal dran —", begann er von neuem.
„Nein! Zuerst ich", begehrte sie auf. „Warum haben Sie mich neulich —"
Doch er ließ sie nicht zu Worte kommen.
„Gar nichts habe ich!" siel er rasch unterbrechend ein. „Sie haben! Jawohl, Sie? Sie haben mich neulich nicht aussprechen lassen. Und das muß ich jetzt zu allererst nachholen Also erlauben Sie mir, daß ich mich endlich einmal vorstelle: Doktor Werner Hellingrath."
Entgeistert sah sie ihn an. Den Namen kannte sie. Der hatte auf der Liste gestanden.
„Ja, ja, lachte er. „Und nun, bitte, jetzt sind Sie an der Reihe. Hier —", er zog das Taschentuch hervor, ließ es vor ihren Augen aufflattern und steckte es gleich wieder ein. „Was heißt R.H.? Bitte sich dazu zu äußern."
Sie sah und hörte nichts.
„Allo, dann sind Sie ja doch auf Hammerkott —?" sagte sie endlich nach einer langen Pause. In ihrem Ton lag etwas, als sei ihr ein großes Glück wider» ishren. Aber war es denn auch faßbar, daß (le bis
her an eine Lüge geglaubt hatte? Daß sie diesen offenen Zügen, diesem geraden Blick eine Unwahrheit zugetraut hatte? Dann war ja mit einem Schlag alles gut! Nur etwas blieb noch. „Warum wohnen Sie dann aber nicht im Beamtenhaus —?" schloß sie fragend.
. Ueberrascht sah er auf.
„Wie bitte? Sie haben also schon nach mir gesucht?" Eine Helle Freude überkam ihn.
„Eingebildet sind Sie wohl gar nicht", erwiderte sie nun wieder schlagfertig. „Aber ich selbst wohne zufällig seit einigen Tagen im Beamtenhaus."
„Auf Hammerkott?" fragte er ungläubig. „Und das soll ich Ihnen noch glauben?" .
„Aber ja!" Sie freute sich über seine Bestürzung, die sich deutlich in seinen Mienen zeigte. „Ich bin das neue Fräulein Schmidt, das den Posten von Fräulein Lohmann übernehmen wird. Hat sich das noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen?" Sie sah ihn dabei so selbstbewußt an, als handele es sich um eine altbekannte Tatsache.
Er schüttelte den Kopf.
„Schwindeln Sie mich jetzt nicht wieder an?"
„Danke! Aber Sie haben scheinbar die Szene von vorhin vergessen. Oder kannten Sie die beiden nicht?"
Der Ernst in seinen Zügen wich einem herzlichen Auflachen.
„Doch, doch. Nur zu gut sogar. Aber ich kümmere mich wirklich sehr wenig um die Dinge, die sich in der Umgebung des Herrn Terbrüggen abspielen. Und außerdem — so ganz stimmt das wohl doch nicht, was Sie mir da erzählen. Hier — ich habe Ihnen das schon einmal gezeigt —", wieder ließ er das Taschentuch im Winde flattern, „hier steht R. H. und das heißt bestimmt nicht Schmidt."
Eine kleine Weile sah sie schweiaend vor sich hin während er bas Tuch wieder zu sich steckte. Es fiel ibr schwer, daß sie jetzt diejenige sein mußte, die mcht bei der Wahrheit blieb. Wie gern hätte sie jetzt gesagt: ja es stimmt, du hast recht, ich bin Renate Hammerkott. Aber was hätte st- damit erreicht?
Oie rechte Gesinnung.
Dieser Krieg geht heute an keinem von uns vok« bei; er fordert das Letzte, das Höchste von uns allen. Er fordert die volle gültige Bewährung aller Deutschen, im kleinen wie im großen. Der heroische Kampf unserer Soldaten gegen eine Uebermacht cm Massen und Material verpflichtet uns alle zu einer starken Haltung, zu einer des Ernstes und der Größe der Zeit würdigen Gesinnung.
Diese Haltung und Gesinnung dokumentieren sich gerade auch in den Spendenaufkommen zum Kriegs- winterhilfswerk. Nicht daß eine hohe Spende uns; auch nur um ein Geringes von den Pflichten entlastet, die wir gegenüber Front und Heimat zu er« füllen haben. Die Front setzt ihr alles ein, und dieser höchste Einsatz kann niemals durch noch so hohe Spenden, sondern nur durch Taten, durch äußerste Anstrengung aller Kräfte, durch unermüdliche, hingebungsvolle Mitarbeit zu einem geringen Teil abgegolten werden. Aber als Bekundung unserer Verbundenheit zum Heldenkampf der Front, als ein überall verständliches Zeichen unserer Kampf- und Siegesentschlossenheit, als Bekenntnis zum Führer und feinem Freiheitskampf ist jede Spende zum kommenden Opfersonntag von größter Bedeutung. Mit unserer Spende zum Heldengedenktag, mit mit einem wirklichen, namhaften Opfer ehren wir den kämpfenden Frontsoldaten, gedenken wir der sorgenden Tapferkeit der Millionen Mütter und Frauen und bekennen uns erneut zum Kampf und Sieg der deutschen Waffen.
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„Ein Volk geht darum noch nicht zugrunde, weil es ein oder zwei Jahre hindurch Anstrengungen machte die es zehn oder zwanzig Jahre hindurch nicht aus- halten könnte ... Es ist nichts so wahr, als daß außerordentliche Unglücksfalle, wenn der Mensch sich einmal entschließt, ihnen mit außerordentlichen 7Mt- teln zu begegnen und alle seine Kräfte gegen sie zu richten, dazu dienen, ihn über sich selbst zu erheben und die Kräfte des Gemütes und Verstandes in ihm aufregen, von deren Dasein er selber nichts ahntet
Clausewitz.
Union und den Westmächten entwickeln sich nicht so reibungslos, wie es zwischen Verbündeten der Fall sein soll", schreibt die Zeitung. „Trotz aller Bemühungen Englands verstärkt sich in der ganzen Welt der Eindruck, daß das Verständnis zwischen Moskau, Washington und London nicht groß ist. Sowjettußland erhebt nicht nur in Polen, im Baltikum und in Rumänien, sondern auch in Finnland und in Iran territoriale Forderungen, die deutlich die,Zielsetzung des roten Imperialismus anbeuten. Kein Wunder, daß London und Washington sich bestürzt fragen, was mit ihren Plänen geschähe, falls Sowjetrußland Europa beherrschen würde." Abschließend meint die Zeitung, daß Washington, um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, sich gegenwärtig bemühe, eine Zusammenkunft zwischen Roosevelt und Stalin herbeizuführen.
„Gewaltsam annektiert."
Die Sowjet-Methoden gegenüber den baltischen Ländern.
S t o ck h o l m, 12. März. (Europapreß.) ,/Svensku Dagbladet" veröffentlicht einen Aufruf, b-en Vertreter der estnischen, lettischen und litauischen Intelli- gein der schwedischen Oeffentlichkeit übergaben und in dem gegen die bolschewistische Lüge protestiert wird, daß die baltischen Staaten seinerzeit freien Willens Gliedstaaten der Sowjetunion geworden seien. Der Aufruf stellt eindeutig fest: „Es entsprach nicht dem freien und einmütigen Willen des estnischen, lettischen und litauischen Volkes, daß ihre Staaten der Sowjetunion einoerleibt wurden. Dis Sowjetunion hat sie gewaltsam annektiert durch Ausnutzung ihrer militärischen Uebermacht und durch Wahlmethoden, die aller Demokratie, politischen Anständigkeit und jedem elementaren Rechtsgefühl Hohn sprechen. Dies wird hinreichend durch die MyssenVerhaftungen, Hinrichtungen und Deportationen bewiesen. Gegen diesen gräßlichen Hinter« gründ muß man die sowjetrussische Lüge betrachten, daß kein Einfluß auf die „freie Wahl" ausgeübt worden sei, die den Willen der drei Völker aus-» drücken sollte. So auch muß man die angeblich rechtmäßigen Gründe der Sowjetunion für' ihren Anspruch auf Einverleibung der estnischen, lettischen und litauischen Völker betrachten, die ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Dolkskultur, ihrer Weltanschauung, ihrer Religion und Lebensführung nach d e c Sowjetunion völlig wesensfremd ge* genüb ersteh en."
Was wäre dann aus diesem herrlichen Sommemachmittag geworden? Hätte er sich Hammerkotts Tochter gegenüber ebenso unbefangen gegeben, wie der gleichgestellten Kollegin? Zumal er sich neulich so offenherzig über ihren Vater ausgesprochen hatte? Wohl kaum. Und dann? Dann war es vielleicht nichts mit diesem schönen Nachmittag, bann war es vielleicht für immer aus und vorbei. Und das — nein, das wollte sie nicht. Sie mußte eine andere Gelegenheit abwarten, bei der sie ihm ihren Namen sagen konnte.
„Das Tuch gehört eigenttich einer Freundin —", kam es nach einer Weile leise, und sie sah dabei sinnend geradeaus auf die schnurgerade vor ihnen liegende Straße. Und bang mit einem Lächeln zu ihm gewendet: „Sind Sie nun zufrieden ober verlangen Sie Beweise?"
„Natürlich glaube ich Ihnen", sagte er so strahlend und voll Vertrauen, daß sie schuldbewußt feinen Blick mied. „Na —- und wo wollten Sie denn nun mit diesen beiden da hinter uns eigentlich hin? Sie haben übrigens alle beide reichlich dumme Gesichter gemacht, schade, daß Sie das nicht gesehen haben."
„Ich kann es mir aber lebhaft vorstellen, Herr Hellingrath. Und Sie —?" wich sie feiner Frage aus, „wohin fahren Sie mickßAun?"
„Bestimmen Sie nur — eigWlkh wollte ich heute nach Essen —" ,
„Gut. Dann setzen Sie mich bokr E'dch will noch weiter — nach Köln."
„Nach Köln?" .
-,Ia. Ich — ich habe Verwandkd^bort, die ich übe» bas Wachende besuchen will."
„Aber meine Reise nach Essen hat sich inzwischen erledigt. Ich könnte Sie ganz gut —"
. Nein, Herr Doktor, diese Melodie kenne ich jetzt schon. Vermutlich haben Sie nun auch ebenso wie Terbrüggen und Meinders in Köln zu tun und nehmen mich so nebenbei mit. Ist's nicht so?"
Er sah sie nur an.
(Fortsetzung folM


