treffen. Sie ist die Grundlage für eine erfolgreiche Berufsausbildung; auf beiden aber gründet sich eine spätere berufliche Höchstleistung. Besonders hat sich die praktische Berufsbesichtigung für Eltern und Jugendliche bewähri. Ministerialrat Dr. Stets beleuchtete die Anforderungen der totalen Kriegführung an die Berufsaufklärung, -nachwuchslenkung und -ausbildung. Die Ergebnisse aus den vergangenen Jahren zeigen, daß es bei sinnvoller Nachwuchslenkung möglich ist, in nachwuchsarmen Berufen den Nachwuchsschwierigkeiten zu begegnen, wenn es gelingt, das allgemeine Bild dieser Berufe zu verbessern. Oberbannführer Dr. Fricke stellte heraus, daß eine erfolgreiche Berufnachwuchslenkung voraussetze, daß die einzelnen Berufsgruppen ihre Wünsche den Gesamtanforderungen unterordnen.
Rückführung
jugendlicher weiblicher Angestellter au« dem Generalgouvernement.
Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz gibt bekannt, daß alle deutschen weiblichen Arbeitskräfte unter 21 Jahren, die aus dem Reichsgebiet zur Berufsausübung in das Generalgouvernement eingereist sind, bis zum 31. März in das Reichsgebiet zurückzukehren haben, sofern sie nicht bei Eltern, nächsten Verwandten oder Ehegatten wohnen. Behörden und Betrieben ist aufgegeben, die in das Generalgouvernement zur Dienstleistung abgeordneten bzw. von ihren» Stammbetrieben entsandten weiblichen Jugendlichen unter 21 Jahren in das Reichsgebiet zurückzuführen und, soweit erforderlich, die Gestellung von Kräften über 21 Jahre im Austauschwege zu veranlassen.
Kunst und Wissenschaft.
Musikalische Geburtstagsgrüße.
Am 13. März bringt der Deutschlandsender von 17.10 bis 18.30 Uhr eine Geburtstagssendung mit zeitgenössischer Musik. Der 50jährige Joseph'Su- d e r, gebürtig aus Mainz, Verfasser von Opern, Kammermusik und Chören, dirigiert drei Sätze aus seiner Kammersinfonie in A-dur. Reinhold Mdrten dirigiert unter solistischer Mitwirkung von Trude E i p p e r l e und Gerhard Münch die „Sin-- ionietta für Klavier und Orchester mit Sopransolo" aus der Feder des 50jährigen Joseph Meßner, Domkapellmeister in Salzburg. Das Konzert schließt mit der „Minna-von-Barnhelm-Suite", die der 65jährige, ehemals Städtische Generalmusikdirektor von Krefeld, Rudolf Siegels interpretiert.
Paris feiert Richard Wagner.
Paris gedenkt mit zwei großen Konzerten im Palais Ehaillot des 60. Todestages von Richard Wagner. Der französische Pianist Alfred C o r t o t hat ^zum Dirigentenstab gegriffen und brachte mit ; gern Konservatoriumsorchester das erste von ihm zusammengestellte Konzert zu Ehren Wagners, für den er schon früher bahnbrechend in Frankreich gewirkt hat. Auf dem Programm stand die Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer", den Wagner vor über einem Jahrhundert in dem kleinen Villenort Meu- don bei Paris komponierte, sowie der ganze erste Akt von „Tristan und Isolde". Die Isolde sang Germaine Lubin, die mit dieser Rolle in Bayreuth schon großen Erfolg hatte.
Der Santforscher Paul Menzer 70 Jahre all.
Der o. Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Halle, Dr. Paul M e n z e r, vollendet sein 70. Lebensjahr. Geborener Berliner, studierte er in Berlin und Straßburg. Von seinen Lehrern beeinflußten seine Entwicklung besonders Dil- they, Paulsen und Stumpf. 1897 promovierte er in Berlin. Seine Arbeit „Der Entwicklungsgang der Kantischen EHik" stellt ihn in die erste Reihe der Kant-Forscher. Daher wurde ihm auch später die Herausgabe der „Kant-Studien" anvertraut, ferner wurde er Mitherausgeber der Kant-Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Als Men- zer sich 1900 in Berlin habilitierte, war er bereits sine Autorität auf dem Gebiete der Kant-Forschung. 1906 wurde er außerordentlicher Professor in Mar- burg und 1908 Ordinarius in Halle. Er veröffentlichte „Kants Lehre von der Entivicklung", „Natur und Geschichte im Weltbilde Kants", ein „Philosophisches Lehrbuch" und eine „Einleitung in die Philosophie", ..Weltanschauungsfraaen", „Lebens- werte", „Persönlichkeit und Philosophie", „Das Wesen des deutschen Geistes". „Deutsche Metaphysik der Geaenwart" und „Metaphysik".
wertvolle Zuwendung
an die Münchener Puppentheatersammlung.
Der Stadtbibliothekar i. R. Georg Zink, Heidelberg, hat der Münchener Puppentbeatersammlung 300 Figuren, 30 Dekorationen, 120 Theaterzettel und ' Plakate und 640 Druckschriften über das Puppen- piel geschenkt.
Glück auf, Renate!
Roman von Ernst Erarr.
Ist. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
„Hier ... einen kleinen Brief möchte ich gerne nod) geschrieben haben ... da ist die Adresse: Norddeutsche Seeversicherung in Bremerhaven. Schreiben Sie den Leuten, daß sie das zweifelhafte Vergnügen haben werden, mich am Montag bei ihnen zu Ishen ..." r r.
Er deklamierte das so todernst, daß sie nun doch nieder lächeln mußte.
,T)H, Sie verreisen?"
„Der Not gehorchend."
„Das sollten Sie nicht sagen. Ich fahre über das Wochenende auch fort und freue mich sehr darauf.
„So, etwa auch nach Bremerhaven?" fragte er Ivelustigt und zugleich gespannt.
„Nein ... wie kommen Sie darauf? Ich fahre iber Sonntag nach Köln."
„Aber solch ein Zufall! Das trifft sich ja ganz ’ großartig", rief er, blitzschnell überlegend. Alter
Erschrocken fuhr sie auf.
,Hch störe, hoffentlich nicht?"
Meinders pfiffiges Komödiantengesicht sah zur Tür herein. ,
„Wieso?" Ihre Gedanken schienen von weither iurückzukommen.
Mit einer luftigen Grimasse trat er ein.
„Sie waren eben so in Gedanken versunken ... ts sah beinahe so aus, als ob Sie Kummer hätten."
Unwillkürlich mußte sie lächeln. Dieser Meinders ivar mitunter wie ein großer Junge. Man konnte ihm so leicht nicht böse sein.
— aber was bringen Sie denn? i£ine fühlbare Abwehr lag in den letzten Worten.
Er ging sofort darauf ein.
Aus der Stadt Gießen.
Oer Tauber rüst.
Weit draußen hinter dem erst flachwelligen und dann hügeligen Lande liegt die große Höhe und der große Forst. „Vogelsberg" nennen ihn die Leute, sie wissen meist nur wenig von ihm, und die meisten finden sich damit ab, daß er dahinten am Horizont, fernab von ihrer Feldmark liegt. Still ist es an den kahlen Berghängen und einsam in den meilenweiten Wäldern. So aber wollen es nicht nur die Tiere haben, die in dieser Waldwelt leben, culch die Bergbauern sind es zufrieden, und so bleibt der Vogelsberg in manchen Bezirken oft für sich allein. Seine Tierwelt lebt so abgeschieden ihr Leben in den Bergwäldern, wie die Bauern, deren Gemarkungsgrenze in ihrem Bergbachtal jeweils dort verläuft, wo der abendliche Glockenklang der Dorfkirchenuhr gerade noch zu hören ist und dann am nächsten Waldhang schon erstirbt.
So ist es gerade dort für jedes menschliche Empfinden, das einer ungestillten Sehnsucht harrt, als sei die Stille dieser Wälder das eigentliche Klima, das von diesem Bergland heilend ausgeht, und als sei die Einsamkeit der Höhen der Wunderquell, der Lebensbrunnen, der die Menschen segnet.
Noch steht das Wipfelmeer der Buchenwälder violettbraunkahl auf seinen Kämmen, noch wagt sich aus dem bräunen Laubhang nur schüchtern tastend an den frostgeschützten Hängen der erste grüne Hauch der nackten Lärchen durch, verstohlenes- Blühen regt sich hier und da an allen Rinnsalrändern und dringt behutsam sichernd vor. Der Seidelbast, wagemutiger im Vorwärtsdrängen, hat schon .seit Tagen lila-rosenfarbig den braunen Haselstrupp beiseitegeschoben. Das Scharbockskraut beleuchtet gelb die jaftnaß-moosverfilzten Wiesen, und in dep Buschwindröschen auf dem laubbedeckten Buchenboden und in den Leberblümchen an den Heckensäumen schlägt der Frühling seine Augen auf.
In großen Höhen streben hastig Tauben. Sie fliegen frei und hoch und sind etwa ihrer zwanzig: Wandergesellschaften auf der Heimreise. Das Leben fließt in seine Hochwaldwelt zurück, die lange Zeiten ausgestorben war. Schon ist der Buchfink über den ersten zaghaft rollenden Wirbel hinaus; das Geläut der Kohlmeise wird voller; der Zaunkönig bringt sich an allerhand verlassenen Orten wieder in Erinnerung, obwohl er auch heuer noch nicht weiß, wo er „nun sein Nest bauen soll und lustig weitermacht mit seinen Bauplätzen, die nie so ganz vollendet werden; das Rotkehlchen knickst und schnickert wieder an den vergrasten Waldwegen; die Stare haben der Stadt Valet gesagt und begrüßen sich auf der Wohnungssuche schwatzend und flirrend in den hohen Bäumen. Und drüben, in den nassen Bruchflächen, in denen alte Stubben modern, neue Laubholzjugend sich nach der Sonne drängt, und wo sich um die Dämmerstunde, die Ulenflucht, die Amseln und die Singdrosseln am ausdauerndsten zu Worte melden, gab es inzwischen ganz auserlesenen Besuch. Die Schnepfe ist aus Afrika zurück-gekehrt und wurmt mit Emsigkeit in den versumpften Rischgraskuhlen, die noch vor einer Atemlänge richtige Eisglasspiegel waren.
Dort aber in der dunkelgrünen Insel, die sich am Laubwaldsaume finster abhebt, sitzt der alte Tauber reisemüde und plustert die blaugrauen Federn auf, um den jungen Sonnenstrahlen seiner neuen Heimat weiten Einlaß zu gewähren. Er spreizt die Flügel weitab von sich und dreht sich hundertmal im warmen Schein. Und diese.Wärme, die in ihn dringt, weckt Verborgenes und längst entschwundene Gefühle: plötzlich strafft sich das Gefieder, das erste Frühlings-Rucksen hallt weit durch den Wald. Dann schlagen Flügel klatschend in den Fichten, die Wipfel bäumen sich und fuchteln durcheinander, ein kurzer Prahlflug setzt hochaufsteigend zu inniger Begrüßung ein: auch seine Taube ist soeben eingetroffen. Natur ist rundherum erwacht, und es wird Zeit, daß man auch in der, Einsamkeit von Berg und Wäldern ans neue Frühjahr denkt! K. R. F.
Zur Meldunq aufgerufen.
Das Arbeitsamt Gießen ruft in einer Bekanntmachung in unserem heutigen B^tte einen weiteren Personenkreis ;ur Vorlage des Meldebogens zwecks Entscheidvna über den Arbeitseinsatz auf. Die Meldung muß bis zum 18. März erfolgt fein. Der Kreis her neuaufgerufenen Personen ist in dem Aufruf des Arbeitsamtes gekennzeichnet.
Ran an die Bomben!
Die Bekämpfung der von den Engländern vielfach abgeworfenen Phosphorbrandbombe läßt sich genau so sicher und er'olgreich durchführen wie die der bekannten Stabbrandbombe. Bei entschlossenen disziplinierten Vorgehen mit Sand und Wasser wird jeder mit allen Brandabwurfmitteln der britischen Flieger fertig. Wichtig ist die.Volksgasmaske.
Freund, dachte er dabei, also deshalb soll ich schon am Samstag fahren. „Ja wirklich ... Fräulein Schmidt", fuhr er auf ihren zweifelnden Blick fort, „ich habe nämlich in Köln vorher noch eine private Sache zu regeln, die mir febr nm Herzen liegt. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie auf meinem Motorrad mit/'
Sie sah ihn zögernd an. Diese Einladung kam ihr eigentlich) sehr gelegen. Es war ja nichts dabei und verpflichtete auch zu nichts ... aber ... irgend etwas schien ihr dagegen zu sprechen. Ihr Zögern entging ihm nicht.
„Fräulein Schmidt", bat er mit komischer Geste, „Sie machen mir wirklich ein" große Freude. Ja, ^"stimmt' Pnh fi* teil 't auch, denn Sie ersparen sich die umständliche Bahnfahrt."
Er brachte das mit so gewandter Sorglosigkeit heraus, daß sie vergeblich nach einem glaubwürdigen Grund zu einer Ablehnung suchte.
„Also abgemacht", sagte sie zustimmend. „Morgen nachmiftaa am Buhnhof Hammerkott. Wenn Sie nicht pünktlich find, nehme ich den Fünf-Uhr- Zug. Einverstanden? Gut. Aber nun muffen Sie hier verschwinden, sonst werde ich heute nicht mehr mit meiner Arbeit fertig."
Hoffentlich ist er nicht pünktlich, mußte sie gleich darauf denken. Sie hätte diese Einladung wohl lieber doch nicht annehmen sollen.
Nie in meinem Leben werde ich pünktlicher sein als morgen, dachte er, während er in das Privatkontor hinüberschlenderte. Schweigend setzte er sich Terbrüagen gegenüber und vertiefte sich in seine Ar- Veit. 'Aber er war nicht so recht bei der Sache. Wiederholt schielte er zu dem anderen hinüber und mußte sich zusamm"nnehmen, um seine innere Heiterkeit nicht allzu deutlich zu zeigen Was für ein' blitzdummes Gesicht würde der gute Terbrüagen wohl machen, wenn er morgen sehen mußte, daß seine schöne Rechnung doch nicht so glatt awfoing.
Denn daran zweifelte Meinders nun nicht mehr, daß es mit diesem Fräulein Schmidt eine besondere Bewandtnis haben mußte, und daß Terbrüggen
Oer Kriegseinsah der Hitler-Jugend.
Da« Arbeitsprogramm für den kommenden Gommer.
Entsprechend der vom ReichsjugendführFr Axmcmn für 1943 ausgegebenen Parole „Kriegseinsatz der Hitler-Jugend" ist von der Reichsjugendführung jetzt der Sommerdienstplan herausgegeben worden, der das Arbeitsprogramm der Jungen und Mädel bis einschließlich August umfaßt.
Neben dem planmäßigen Pflichtdienst kann danach aus kriegsbedingten Gründen auch ein zusätzlicher Pflichtdienst der Gebiete von Fall zu Fall angeordnet werden. Großer Wert wird darauf gelegt, daß die HJ.-Führer und BDM.-Führerinnen laufend Verbindung mit den Eltern halten. In jedem Bannbezirk ist allmonatlich eine Elternsprechstunde anzu- setzen. Die zuständige Stelle für schriftliche Vorstellungen von Eltern ober Lehrherren und Betriebsführern ist der Führer des Bannes bzw. die Mädelführerin des Bannes.
Der Kriegseinsatz der Jugend vollzieht sich auf acht reichseinheitlichen Gebieten: Osteinsatz und Erntehilfe, Erweiterte Kinderlandverschickung, Wehrertüchtigung, Feldscher- und Gesundheitsdienst- Mädelausbildung, Werkarbeit, Sammlungen, Elternbetreuung und Stoßaktionen. Außerdem werden zwölf örtliche Einsatzmöglichkeiten aufgeführt: Haushalts-, Kindergarteneinsatz, Geschäfts-, Nachbarschaftshilfe, Einsatz bei der Wehrmacht, Wehrmacht- und Lazarettbetreuung, Einsatz bei Luftschutz, Feuerwehr, Reichspost, Verkehr und Transport, in den Fabriken, bei her Schädlingsbekämpfung und Gartenhilfe. Jungen, die in der Wehrertüchtigung stehen, sind vom allgemeinen Kriegseinsatz weitgehend freigestellt. ‘
Den kulturellen Einsatz in Lazaretten, Krankenhäusern ober Altersheimen Haden die Jungmäbel, Mädel und BDM.-Werk-Mädel durchzuführen. Jungen und Mädel, die in ihren Ferien ober im Urlaub freiwilligen Kriegseinsatz leisten, werben zum Abschluß in befonberen kulturellen Veranstaltungen, z. B. Theaterbesuch, zusammengefaßt, wo ihnen für den Einsatz gedankt wird.
Die in den großen Ferien vorgesehenen Leisiungs- wochen bilden den Höhepunkt im Sommer-Pflicht- bienst des Jungvolks und der Jungmäbel. Für die Leistungswochen, über deren Termin die Eltern rechtzeitig verständigt werden, sind nur die Stadteinheiten vorgesehen. Einmal im Jahre werden hierbei Pimpfe und Jungmäbel zu ganztägigem Dienst erfaßt, um ein besseres Ergebnis ber Erziehungsarbeit der HI. zu erreichen. Pimpfenprobe, Jungmädelprobe, verstärkter Kriegseinsatz, Unfertigen von Spielsachen usw. sind Aufgaben für die Leistungswochen, deren Schlußkundgebung dem Heldentum der Front gewidmet ist.
In jedem Gebiet erfolgt ferner im Sommer 1943 eine „Woche der schaffenden Jugend", die gemeinsam mit den Jugendbienststellen ber DAF. unter ber Parole: „Unser Kriegseinsatz heißt Disziplin und Leistung" durchgeführt wird. Jugendbetriebsappelle, Berufskundgebungen, Ausstellungen von Werkstücken Jugendlicher sind dabei vorgesehen. Besondere Veranstaltungen sind u. a. Frühjahrsge- länbelauf, Hallenkampfspiete, Reichssport- und Reichsschwimmwettkämpfe.
Die Mietbeihilfe für den Handel.
Durch die jüngste Entwicklung hat das Mietbeihilfeverfahren, das für die Handelskreise schon im Dezember 1939 eingerichtet wurde, erhöhte Bedeutung für niete selbständige Kaufleute erhalten. Im Januar hat nun der Reichswirtschaftsminister neue Bestimmungen über die Handhabung des Mietbeihilfeoerfahrens erlassen. Die Mietbeihilfen sind bald nach Kriegsbeginn eingeführt /Dorben, um die ordnungsgemäße Erfüllung ber Mietverpflichtungen gegenüber den Grundbesitzern seitens der Handelsbetriebe, deren Tätigkeit eingeschränkt werden sollte, sicherzustellen. Während früher bestimmt war, daß der Antrag auf Gewährung der Mietbeihilfe nur bann gestellt werben konnte, wenn der Miet- unb Pachtvertrag bereits am 1. September 1939 bestan- ben hatte, spielt jetzt biefer Termin keine Rolle mehr. Die Anträge können nunmehr auch gestellt werden, wenn die Miet- und Pachtverträge später abgeschlossen worden sind.
Die Beihilfe kann gewährt werden, wenn ber Antragsteller infolge eines Umsatzrückganges aus Anlaß des Krieges seine laufenden Miet- und Pachtverpflichtungen nicht im vollen Umfange mehr allein tragen kann, so baß dadurch bte Weiterführung oder spätere Wiedereröffnung des Geschäftes in Frage gestellt wird. Die Beihilfe kann auch gewährt werden, wenn der Betrieb infolge der Dienstverpflichtung des Inhabers, einer Notdienstverpflichtung ohne Anspruch auf Familienunterhalt ober Mangels an Arbeitskräften oder Waren vorübergehend geschlossen werden muß.
Eine umfassende Klarstellung erfahren die Bestimmungen über die Beihilfe durch die Klärung ber Frage, mann eine Beihilfe nicht gewährt werben bars, die in dem Runderlaß enthalten ist. Danach darf die Beihilfe nicht gewährt werden, wenn
a) ber Hanbeltreibende in der Zeit vom 1. Januar 1937 bis zum 1. September 1939 währenb mindestens dreier, auch nicht zusammenhängender Monate Wohlfahrts- ober Arbeitslosenunterstühung. bezogen hat, weil aus dem Unternehmen eine selbständige Existenz nicht gewährleistet ist, ober
b) der Hanbeltreibende schon vor dem 1. September 1939 nicht in der Lage war, ohne Gefährdung des Unternehmens den steuerlichen Vervflichtungen aus dem Handelsbetrieb und den laufenden Verpflichtungen der Gefolgschaft gegenüber regelmäßig nachzukommen, ober von der Gewerbe- ober Einkommensteuer freigestellt war, ober
c) für ben Betrieb des Handeltreibenden auf Grund der Vorschriften des Familienunterhalts- rechis WirFchaftsbeihilte gewährt wird, und
d) wenn das Unternehmen, unabhängig von den Auswirkungen des Krieges, wirtschaftlich nicht gesund ist. Als wirtschaftlich nicht gesund sind insbesondere Unternehmen anzusehen, die eine selbständige Existenz n-cht gewährleisten.
lieber die Höhe der Beihilfe wird gesagt, daß ein Zuschuß bei fortgeführten Betriebenen der Höhe
gezahlt wird, daß 80 v. H. ber vertraglichen Miete oder Pacht gebeckt sinb. Bei Schließung des Betriebes wirb die Beihilfe vom Zeitpunkt ber Antragstellung ab soweit gewährt, daß ebenfalls 80 v. H. ber vertraglichen Miete ober Pacht gedeckt sind.
Die Beihilfe kann an alle Mitglieder der Wirt- schafts- und Fachgruppen gezahlt werden, die zur Reichsgruppe Handel gehören. Anwendung findet die Vorschrift auch auf gewerbliche Garagenbesitzer und Autowäschereien sowie bei Betrieben des Saatgut-, Satnen- und Futtermitteleinzelhandels, obwohl diese nicht Mitglieder der Reichsgruppe Handel sind. Betriebe des Reichsnährstandsgroßhandels werden ebenso behandel^ desgleichen die Unternehmungen des Auskunfts- und Jnkafsogewerbes.
,Der Antrag ist über den Leiter der zuständigen Wirtschaftsgruppe (bezirkliche Stelle) an die Verwaltungsbehörde erster Instanz, also an die Landräte, zu richten. Die Reichsnährstandsbetriebe haben ihre Anträge bei den zuständigen Fachschaften einzureichen. Die Beihilfe wird meist dem Antragsteller selbst ausgezahlt, kann aber auch dem Vermieter oder Verpächter überwiesen werden. Bei Besserung der wirtschaftlichen Lage des Antragstellers ist der Antragsteller verpflichtet, davon Mitteilung zu machen. Unter einer Reihe von Voraussetzungen kann später die Beihilfe zurückgefordert werden. Beihilfen, die während der Dienstverpflichtung des Inhabers gewährt worden sind, brauchen nicht zurückge-- zahlt zu werden.
ExpreßgugendunaenmitLebensimiteln an Wehrmachtanqehörioe.
Vielfach können Erpreßgutsendungen mit Lebens. Mitteln an die als Empfänger angegebenen Wehr- machtangehörigen in der Garnison nicht abgeliefert werden, weil der Empfänger inzwischen zum Front- einsatz gekommen ist. Wenn auch solche Sendungen, soweit sie das Gewicht von 5 Kilo nicht überschreiten, unverzüglich an den Absender zurückgefandt werden, so ist doch in vielen Fällen zu befürchten,' daß empfindliche Lebensrnittel während ber Rückbeförderung verderben können. Ueber solche Lebensmittel wird hoher, wenn keine anderweitige Anweisung von dem Absender vorliegt, im Einvernehmen mit dem zuständigen Emährungsamt verfügt. Es besteht aber die Möglichkeit, diese unanbrin glichen Lebensmittel- fentgingen kostenlos einem Lazarett oder Webrrnacht- krankenhaus zuzuführen, wenn der Absender Hn Einverständnis damit auf der Expreßgutka^te erklärt hat Die Rüchsbahn bittet, von dieser Möglichkeit weitgehend Gebrauch zu machen.
llr'aub für uktenifcke Arbeiter.
NSG. Diejenigen Betriebsführer, die ukrainische Arbeiter (aus der Westukraine, Regierunas- bezirk Lemberg) beschäftigen, werden, falls für letztere Urlaub in Frage kommt, gebeten, sich mit dem
mehr davon wußte, als er nach außen hin zuaab. Um was es dabei ging, nun ... das würde sich schon Herausstellen.
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Das Heulen der Werksirene hallte dumpf und herrisch über das weite Gelände der Zeche.
Feierabend!
Der Ton ber Sirene war heute derselbe wie an allen anderen Wochentagen. Aber für die Menschen ber Gruben lag an den Samstagen etwas Festliches, Befreiendes in diesem Aufheulen, es war wie ein Signal der Freude, denn heute rief die Sirene nicht wie sonst die Menschen zur Nachtschicht herbei, heute kündete sie den Abschluß einer arbeitsreichen Woche unb gleichzeitig ben Beginn eines unendlich langen und schönen Feierabends an. Heute verstummte auf ihr Geheiß bas Lärmen der Maschinen, erstarrten Silhouetten, blieben die För- berbarme leer auf der Hängebank stehen, verlöschten die Feuer in den sonst so lebendig ratternden Lokomotiven der Grubenbahnen. Kein arbeitender Mansch wußte diesen Ruf zum Feierabend so zu schätzen wie der Bergmann. Eine schier endlos lang dünkende Reihe von Stunden lag nun vor ihm. die er in Licht unb Sonne unter den Seinen verleben bürste, ehe hie Sirene ihn am M-mtagwornen unerbittlich aufs neue hinabrief zu seiner harten Arbeit in Nacht unb Dunkel.
Karl Meinders hatte sich heute unter Hinweis auf seine ReisevlTrbereitungen schon am Vormittag von Terbrüaaen verabschiedet, und dieser hatte ihn mit grober Genugtuung wecwehen sehen. Meinders hatte also genügend Zeit, sich selbst und seine schmucke Maschine so vorteilhaft und einnehmend herzurickten, daß alles nur so blitzte und blmterte, als er eine reichliche Viertelstunde vor ber festgesetzten Zeit vor bem kleinen Bahnhofsgebäude ber Station Hammerkott ftanb und erwartungsvoll Umschau hielt.
Renate sah ihn schon von weitem, unb sie war verstimmt über sich selbst, daß sie sich zu dieser gemeinsamen Fahrt hatte überreden lassen. Sie hatte
im geheimen noch immer gehofft, daß im letzten Augenblick doch noch etwas dazwischenkommen würde. Viel lieber hätte sie jetzt den Zug nach Essen genommen, um ihre noch dort stehende Masch'.ne abzuholen und bann allein weiterzufahren. Vielleicht wollte es der Zufall, daß sie auf der Landstraße bann wieder ein kleines, grünes Auto traf ... vielleicht ...
Aber damit war es nun nichts. Sie mußte sich in das Unvermeidliche schicken. Meinders hatte sie ebenf-iHs schon erspäht unb winkte ihr zu. er kam ihr sogar entgegen und bot ihr freundschaftlich die Hand.
„Wirklich furchtbar nett von Ihnen, daß Sie Wort gehalten haben, Fräulein Schmidt", strahlte er. „Sie sind die pünktlichste Frau der Welt."
„Finden Sie etwas Besonderes dabei? Ich hab's Ihnen doch versprochen ..."
Ein lautes Huven unterbrach sie. Beide sahen sich überrascht um. Neben ihnen fuhr rafch eine große, blaue Limousine an und hielt mit jähem Ruck. Der Schlag sprang auf, unb Terbrüggen stand jpor ihnen.
Die drei Menschen sahen sich an.
„Ich denke, Sie sind auf bem Wege nach Bremerhaven?" fuhr er bann Meinbers erregt an.
Der verzog keine Miene.
„Das bin ich ja auch, wie Sie sehen", gab er mit Gemütsruhe zurück.
In den etwas tieftiegenben Augen Terbrüggens glomm es brohenb auf.
„Lassen Sie bitte biefe dummen Scherze!"
Er war außer sich über diesen unerwarteten Streich. „Ich verlange, daß Sie fetzt sofort eine Fahrkarte lösen und den nächsten Zug benutzen!"
Meinders hob die Schultern. Er wollte in Gegenwart des Mädchens nicht zuviel sagen, aber er wollte auch bem anderen gegenüber nicht klein beigeben.
(Fortsetzung folgt)


