Liebeneiners erste Hörspiel-Regie.
„2034 zum dritten Mal!" Und wieder gibt Michael I a r y dem Orchester dort auf der Buhne das Zeichen zum Besinn. Nun werden die nüchternen Zahlen Musik, zündender Rhythmus, einschmeichelnde Melodie, werden aufgefangen von den Mikrophonen und lausen die schwarzen Kabel entlang zu dem Tonwagen draußen, in dem Prof. Wolfgang Liebe n e i n e r sitzt und selbst das musikalische Finale zu seinem neuen Film „Großstadtmelodie abhört. Diesmal scheint er zufrieden und nach den vielen, immer frisch angesetzten Proben, den Besprechungen mit Dirigent, Sänger und Tobsetzer aus der Bühne, im Parkett und neben dem Aufnahmewagen, legt er jetzs eine kleine Pause ein, in der es uns gelingt, ihn für ein Gespräch zu gewinnen, bei dem er von seiner er st en Regiearbeit vor demMikrophon berichtet.
Es handelt sich um das Hörspiel „Kunersdorf" von Eckart von Na so, das kürzlich vom Reichsrundfunk gesendet worden ist. Liebeneiner betont, daß ihn, genau wie bei der Behandlung von Filmstoffen und Schauspielen hier das rein Menschliche ergriffen habe. Bei allen Darstellungsformen kommt es ihm auf den Menschen an. Er will spüren lassen, wenn das Menschenherz ganz still wird oder ganz laut zu schlagen beginnt, denn das Menschliche ist für ihn das eigentlich Göttliche. Der Mensch Friedrich der Große mit seinem Willen des heroischen Einzel-Jchs gegenüber der Welt stand im Mittelpunkt des Hörspiels, das Zurückfinden aus tiefster Verzweiflung zu sich selbst, das letzte Zurück- finden m die große Gemeinschaft, die da Leben heißt, war sein eigentlichster Sinn.
Dies herauszuarbeiten hat Liebeneiner als das Wesentliche betrachtet. Dabei galt es Schwierigkeiten zu überwinden, die sich grundlegend unterscheiden von denen, die bei einer Theater- oder FilmiNsze- nierung auftreten. So kommt es, wie er klarlegte,
beim Hörspiel fast ausschließlich auf die plastische G e st a l t u n g des Wortes an, um dem Hörer die Unmittelbarkeit des Erlebnisses bildgerecht zu machen, d. h. um seiner Phantasie im weitgehendsten Maße entgegen zu kommen. Erst die Verbindung von Bild und Ton lieh dem Zuschauer bereits beim stummen Film die Welt auf der Leinwand glaubhaft werden, daher damals die uns jetzt primitiv' erscheinende Klavierbegleitmusik. / Beim Hörspiel nun ist der Zuhörer nur vom Akusti - schen her zu beeinflussen, und man muß das fehlende Bild daher neben dem plastischen Wort durch die rundfunkeigenen Sendemittel gestalten. Genau wie ein Drehbuchautor nur dann Erfolg haben wird, wenn er mit den filmischen Gestaltungsmitteln völlig vertraut ist, so muß, meinte Wolfgang Liebeneiner, auch der Hörspielautor die rundfunkeigenen Mittel und Möglichkeiten „weitgehend beherrschen, um ein einprägsames Hörspiel zu schaffen, denn vieles, was auf dem Papier eine ungeheure Wirkung ausstrahlt, erweist sich bei der Sendung als pathetisches Wort und macht es dem Hörer schwer, sich aus der privaten Atmosphäre seiner Umgebung zu lösen.
Professor Liebeneiner führte weiter aus, daß es wichtig sei, ein Hörspiel nicht am Tisch, sondern g rb i ch vor dem Mikrophon zu proben. Dabei feien unendlich viel Proben notwendig, eine Intensität und eine, Präzision, die vielleicht noch stärker sein müsse als beim Theater oder beim Film. Mit großem Interesse sei er an seine erste Regiearbeit beim Funk herangegangen, die ihm aus diesem Gebiet neue Wege gewiesen habe, um auch hier zu zeigen, was er schon in seinen großen Filmwerken so überzeugend därgestellt hat, daß erst, wenn der Mensch ganz zu sich selbst gefunden hat, er einfach, tief und frei werde. Dieter Fuss.
cung ausbrechen? Die soll man den grazilen Männererscheinungen die Härte ansehen, von der General Munoz Grande sprach, als er sagte: „Hart ist der russische Winter, aber härter noch ist unsere Rasse!"? Wie will man bei Bankettreden, die höflich und konventionell formuliert werden, die politische Idee erkennen, die unzweifelhaft dahintersteht und kompromißlos durchgeführt wird? „Die Luft zwischen den Dingen" in Madrid ist gefährlich wenn man sich von ihr einnehmen läßt. Das gut auch wörllich genommen von der Luft in Madrid, und das darf als Symbol dieser Stadt angesprochen werden. Hier herrscht eine Bergluft, zart und sein. Abends kommt ein leichter Wind von dem Guadarrama-Gebirge her. Davon sagen die Leute, er sei jo leicht, daß er keine Kerze zu löschen imstande lei, 'wohl aber das Leben der Menschen.
Hsidengedenktag am 21. März.
Berlin. 11. ffiärj. (DJIB-) Der Helden- gedevktag wird in diesem Jahr am,*Sonntag, dem 21.März, begangen werden. Der lag der Wehrmacht findet am 28.März statt. Am Helden* gebentfag find bis 24 Uhr abends alle öffentlichen Veranstaltungen rein unterhaltenden Charakters verboten. Darbietungen ernsten Charakters bleiben erlaubt
Mit festem Willen und äußerster Kraft.
Eine Tagung des Führerkorps der Partei.
71SG. Das Führerkorps der Partei und ihrer Gliederungen halte sich am Donnerslagnachmittag im Adolf-Hitler-Haus in Frankfurt a. M. zu einer Arbeitstagung versammelt. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger nahm in einer umfassenden Rede zur Durchführung des gegenwärtigen totalen kriegseinsahes der Heimat Stellung. Er kennzeichnete dabei die verantwortliche Aufgabe der Partei, die sich in der Führung und Betreuung der notwendigen Maßnahmen mit ihrem unbestech- Nchen, gerechten, allein von der kämpfenden Front bestimmten Urteil, das Vertrauen und die bereitwillige Unterstützung der Bevölkerung gesichert habe. Aktuelle volksführende Aufgaben erfuhren in der Rede ihre richtungweisende Behandlung und wurden dem Führerkorps als vordringliche Einsatzgebiete der Partei vermittelt Der Gauleiter schloß seine Ausführungen mit Worten festester Siegeszuversicht, deren Begründung er in dem festen Willen und der äußersten Kraftanstrengung des Volkes herausfiellte.
Auch ein „VeveridgePlan" Roosevelts.
Nachahmung nationalsozialistischer Sozialmaßnahmen.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
600 Seiten umfaßt die Denkschrift, die R o o s e = velt jetzt dem USA.-Kongreß zugeleitet hat, um endlich einmal mit einem Sozialprogramm aus- warten zu können. Roosevelt ist immerhin zchn Jahre lang Präsident. Er hat also ausreichend Gelegenheit gehabt, sich über seine sozialen Absichten schlüssig zu werden. Wenn 600 Seiten notwendig sind, um sie zu Papier zu bringen, ist das nur em Beweis dafür, was in den Vereinigten, Staaten auf sozialem Gebiet alles noch zu tun ist. Höchst blamabel ist das für die Machthaber eines Landes, das von der Natur wie kaum ein anderes mit Schätzen gesegnet ist und dessen Oberschicht im Reichtum schwimmt. Zehn Jahre'lang hat Roosevelt die breiten Massen des Volkes im Elend verkommen lassen und die Finanzen des Staates zerrüttet, bis er schließlich, um seine Fehler zu vertuschen, das Land in den Krieg zerrte. Jetzt spielt er den sozialen Mann. Don Staats wegen müsse, so erklärte er, dafür gesorgt werden, daß jeder Bürger das Recht auf einen Arbeitsplatz und im Falle von Arbeitsunfähigkeit auf ein Einkommen habe. Der Bericht empfiehlt also ein umfassendes Programm ständiger öffentlicher Arbeiten. Jedem ein Arbeitsplatz!, war die Parole, die der Nationalsozialismus 1933 nicht nur verkündet, sondern auch verwirklicht hat. Seitdem gibt es in Deutschland keine Arbeitslosigkeit mehr. Dafür gab es aber einen wirtschaftlichen Aufschwung, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat, und soziale Einrichtungen, die den anderen Völkern von ihren Machthabern ängstlich verheimlicht werden. Die Plutokraten sowohl als auch die Bolschewisten befürchten, daß die von ihnen verführten Völker rebellisch werden, wenn sie erfahren, wie in Deutschland unter dem Nationalsozialismus der wahre Sozialismus in die Tat urn- gesetzt wurde, während man in Moskau, London und Washington bestenfalls leere Versprechungen zur Hand hatte.
Eine Wiederholung solcher Versprechungen ist das, was Roosevelt seinem Volke jetzt bietet. Die Juden, von denen die Pläne des USA.-Präsidenten stammen, genieren sich dabei nicht, beim nattonalsozia- listischen Programm, das sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit als höchst verwerflich in Grund und Boden verdammt haben, wieder einmal eine, geistige Anleihe zu machen. So verkündet Roosevelt jetzt das Recht auf Arbeit, auf ausreichende Sozialversicherung, auf Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit auf Erziehung, auf Erholungsmöglichkeiten . und soziale Einrichtungen für die zahlungsunfähigen Massen. Im Eifer des Gefechtes unterläuft Roosevelt-und seinen Ratgebern ein Geständnis, das ihre soziale Rückständigkeit in besonders krasser Weife in Erscheinung treten läßt. Es wird nämlich festgestellt, daß die Kosten für die neuen Vorschläge bei voller Wirtschaftstätigkeit und normalem Einkommen von der Volkswirtschaft leicht getragen werden können. Warum, so muß man bapn wohl fragen, haben die USA.-Machthaber ihre sozialen Pläne nicht schon längst verwirklicht? Es lag also nur an ihnen, daß das alles unterlassen wurde, was jetzt als unbedingt notwendig herausgestellt wird. Daß es herausgestellt wird, ist nicht etwa ein Zeichen ihres sozialen Gewissens. Die soziale Revolution, die die jungen Völker durch ihr Vorbild
eingeleitet haben, wird durch diesen von den Feinden Deutschlands leichtfertig heraufbeschworenen Krieg über die ganze Erde getragen. Das spüren auch die USA.-Machthaber, daher stehlen sie dem Nationalsozialismus geistiges Eigentum und verkünden einen verwässerten Aufguß unserer Ideen als Roosevelts Programm. Das amerikanische Volk braucht sich nur ähnlicher Versprechungen früherer Zeiten zu erinnern, um zu wissen, daß es sich dabei wieder um plumpen Schwindel handelt, denn die Plutokraten denken selbstverständlich nicht daran, die oziale Lage der breiten Massen grundlegend zu bessern. '
Die englischen Konservativen und der Beveridge-plan.
Stockholm, 11. März. (Europapreß.) Das „Komitee von 1922"; in welchem der rechte Flügel der englischen konservativen Partei vertreten war, und dem bisher nur die Back-Benchers, d. h. diejenigen konservativen Abgeordneten, welche keine Regierungsämter haben und daher auf den Hinteren Bänken des Unterhauses sitzen, angehörten, wird in Zukunft allen Abgeordneten einschließlich der Minister offenstehen. Damit verliert das Komitee den Charakter einer exklusiven Vereinigung und wird praktisch zur konservativen Unterhausfraktion. Man betrachtet diese Maßnahme in parlamentarischen Kreisen als ein Zugeständnis an die Labour-Partei, die seit den heftigen Zusammenstößen in der Beve- ridge-Debatte das „Komitee von 1922" mit großem Mißtrauen betrachtet hatte.
In einem Antrag von 41 konservativen Unter* Hausabgeordneten unter Führung von Lord Hi- chingbrooke wirh die sofortige Errichtung eines Ministeriums für soziale Fürsorge gefordert. Wie schwedische Korrespondenten hierzu melden, dürfte die englische Regierung dieser Forderung kaum ftattgeben, da sie unter dem Druck reaktionärer Kreise nach wie vor bemüht ist,, den Beveridge-Plan aufdielangeBankzu schieben und jeder neuen Debatte darüber auszuweichen.
„Oer Wolf in Schafskleidern.'"
Genf, 11.März. (DNB.) Der'Londvner Daily Telegraph ist äußerst besorgt über die Bemühungen der englischen Kommunisten, auf dem Umwege ü b e r d i e Labour-Partei zu erhöhtem Einfluß zu gelangen. Zwar haben sie durch den Exe- kuttv-Ausschuß der Arbeiterpartei eine scharfe Zurückweisung einstecken müssen, aber sie geben sich, nachdem sie offenbar von Maisky, dem Sowjetbotschafter in London, Weisungen erhalten haben, damit noch nicht geschlagen, führen vielmehr einen heftigen Feldzug gegen den Exekutivausschuß, um ihn durch die Parteikonferenz desavouieren zu lassen. Daily Telegraph versucht, der Labour-Partei den Rücken zu stärken, in dem er auf die Unzuverlässigkeit der englischn Bolschewisten hinweist, die während des Krieges einen „Rekord an Meinungsänderungen" ausgestellt hätten. Die Arbeiterpartei würde „politischen Selbstmord" begehen, wenn es „diesen Wolf in Schafskleidern" aufnehme. Den britischen Plutokraten wird also nun doch langsam
vor den Expanfionsgelüsten Moskaus bange, denn daß Stalin hinter den Machtansprüchen der englischen Kommunisten stcht, scheint jetzt selbst in der Oefsentlichkeit Englands zu dämmern.
Britische Lockungen für Ibn Saud.
Ankara, 11. März. (Europapreß.) Aus Kairo werden Versuche der britischen Diplomatie bekannt, Ibn Saud „an der Lösung der s y r i s ch e n F ra g e zu interessieren". Durch Einschaltung der saudischen Dynastie in die syrischen Jnteressenkämpfe hofft die britische Diplomatie offenbar, Saudisch-Arabien aus feiner Neutralitätspolitik herauszumanövrieren und es den unter britischer Kontrolle stehenden vorder- asiattschen Araber-Staaten zu nähern. Ibn Saud, der offenbar die Hintergründe dieser britischen Machenschaften erkannte, lehnte indessen jede Erwägung der britischen Anregungen ab.
Montgomery wartet auf gutes Wetter.
Genf, 11. März. (Europapreß.) Der Untted- Pretz-Vertreter nn Hauptquartier General Montgomerys verbreitet die Meldung, die Lage in Tunesien sei so, daß Montgomery mindestens sechs bis acht Wochen gutes Wetter haben müßte, um in Südtunesien eine Offensive „größten Sttls" auslösen zu können.
Zapanifche Fortschritte in Mittel-China.
Schanghai, 11. März. (Europapreß.) Nach Überschreitung des Jangtse-Flusses besetzte die japanische Vorhut H w a j u n g, eine wichtige Stellung des Feindes im Norden der Provinz Yünnan, nahe der Grenze zwischen Mnnan uno Hopeih. Weiter wurden Tschiangpotu, ein strategisch wichtiger Platz des Feindes am Zusammenfluß des Wangtfchia-Flusses,mit dem Jangtse, von japanischen Truppen genommen, die vorher Schi schau in Süd-Hopeih besetzt hatten.
Kleine politische Nachrichten.
Aus einem feindlichen Geleitzug wurde von einem Verband italienischer Torpedoflugzeuge zwischen Bougie und Algier ein 15 OOO-BRT.-Dampfer versenkt, ein weiterer großer Dampfer uyd ein Zerstörer schwer beschädigt. Damit versenkte die italienische Luftwaffe seit Kriegsbeginn eine Million BRT. feindlichen Schiffsraumes.
*
In Essen überreichte Stabschef Lutze zahlreichen SA.-Männem, die sich bei her Abwehr britischer Luftangriffe besonders bewährt haben, die ihnen von Reichsmarschall Göring verliehenen Kriegsverdienstkreuze und das Eiserne Ki'euz und sprach ihnen seine Anerkennung aus.
*
Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt durchgeführten Heimkehreraktion trafen mit dem Dampfer „Magallanes" 330 Deutsche aus Guate
mala in Lissabon ein. Sie wurden von dem deutschen Gesandten von Hoyningen-Hühne begrüßt und werden voraussichtlich am Samstag die Weiterreist antreten.
Britische Flugzeuge überflogen in der Nacht zum Donnerstag erneut schwedisches Gebiet. Die schwedische Luftabwehr trat in Tätigkeit.
Das Repräsentantenhaus der USA. hat mit 407 ■ gegen 6 Stimmen die Dauer des Leih- und Pachtgesetzes um ein Jahr verlängert.
Der Moskauer USA.-Botschafter Standley hatte am Mittwochnachmittag im Kreml eine längere Besprechung mit dem Sowjetaußenkommissar Molotow.
Aus dem Reich.
Kein Einkommensteuerbescheid für 1942.
Sötinifterialbirigeni Dr. Haußman n teilte mit. daß die Finanzämter für das Steuerjahr 1942 feine Steuerveranlagungen vornehmen und keine Steuerbescheide erteilen würden, um die Arbeitsbelastung der Beamten zu vermindern. Im Frühjahr 1944 sollten die beiden Bescheide für 1942 und 1943, nach Zahlen getrennt, aber auf dem gleichen Formular, erteilt werden. Jedoch werde bei Wegfall der Steuerpflicht durch Todesfall oder Wegzug im Jahre 1942 , eine Veranlagung stattfinden, ebenso wenn der Steuerpflichtige im Laufe des Jahres 1942 von beruflicher Selbständigkeit in* ein Arbeitnehmerverhältnis übergegangen fei, und schließlich auch dort, wo an Hand der Steuererklärung große Unterschiede zwischen dem Einkommen von 1942 und 1941 fest- gestellt würden, um den Steuerpflichtigen nicht für 1944 eine zu große Abschlußzahlung aufzuerlegen. Sei das Einkommen 1942,geringer gewesen als 1941, so sei zur Herabsetzung der weiteren Vorauszahlungen ebenfalls eine Veranlagung notwendig.
Berufsnackwuchü'enkung im Kriege.
Zum Abschluß der Berufsaufklärungsaktton führten das Reichsarbeitsministerium und die Reichsjugendführung unter dem Vorsitz von Stabsführer Möckel eine Arbeitsbesprechung durch. Die Berufsaufklärung wendet sich nicht allein an die dic Schule verlassende Jugend, sondern ebenso an die Eltern, um sie über die augenblicklichen, gegen früher oft veränderten Berufsverhältnisse zu unterrichten. Die Einsicht, daß die Jugend heute kriegs- . wichtige und nachwuchsbedürfyge Berufe ergreifen muß, hat auch in diesem Jahre alle Ueberlegungen zur Berufswahl bestimmt. Der Jugendliche muß eine feinen natürlichen Neigungen und Interessen entsprechende Berufswahl
Nation im Freiheitskampfe.
Der Aufruf „An Mein Bott" vor 13v Jahren.
Schon einmal hat wie in diesen Tagen unser Volk vor einem Kampfe gestanden, bei dem es sich im wahrsten Sinne um Sein oder Nichtsein handelte, und nicht ohne tiefe Bewegung lesen wir heute die Worte, mit denen es damals zum Kampf aufgerufen wurde. In den erregten Märztagen des Jahres 1813 sanden in Breslau, wo König Friedrich Wilhelm III. sich aufhielt, an jedem Abend im Amtszimmer des Staatskanzlers von Hardenberg Besprechungen der Lage statt, an denen außer diesem selbst Schamhorst, Gneisenau, Thiele und andere führende Männer teilnahmen; auch der Regierungsrat von Hippel war dabei, dem die Aufgabe übertragen wurde, den Aufruf zu entwerfen, mit dem sich der König an das Volk wenden sollte, um es zum Kampfe aufzufordern. Ein von Ancillon sehr Gründlich ausgearbeitetes Manifest, durch das der
Jrieg öffentliche Tatsache werden sollte, war viel zu umständlich, und Hippel hatte dazu bemerkt, „Preußen befinde sich nach allen der Welt bekannten Vorgängen, in so augenscheinlichem Recht, daß eine einfache öffentliche Anrede an das Volk genügen werde". Dieser Vorschlag traf das Richtige und wurde vom König genehmigt, und so entwarf auch Hippel den Wortlaut des Aufrufs, der am 17. März veröffentlicht wurde; er faßt in feiner monumentalen, ergreifenden Sprache alles zusammen, was das ganze Volk damals bewegte und was in vielem auch jetzt gesagt sein könnte. Der vom König unterzeichnete Ausruf lautet:
„An mein Volk.
So wenig für Mein ireues Volk als für Deutsche bedarf es einer Rechenschaft über die Ursachen des Krieges, welcher jetzt beginnt. Klar liegen sie dem unverblendeten Europa vor Augen.
Wir erlagen unter der Uebermacht Frankreichs. Der Frieden, der die Hälfte Meiner Untertanen Mir entriß, gab uns feine Segnungen nicht; denn er chlug uns tiefere Wunden, als selbst der Krieg. Das Mark des Landes ward aufgesogen, die Haupt- festungen blieben vom Feinde besetzt, der Ackerbau ward gelähmt so wie der sonst so hoch gebrachte Kunstfleih unserer Städte. Die Freiheit des Handels ward gehemmt, und dadurch die Quelle des Erwerbs und des Wohlstandes verstopft. Das Land ward ein Raum der Verarmung.
Durch die strengste Erfüllung eingegangetier Verbindlichkeiten hoffte Ich Meinem Volke Erleichterung zu bereiten und den französischen Kaiser endlich zu überzeugen, daß es sein eigener Vonheil sey, Preußen seine Unabhängigkeit zu lassen. Aber Meine reinsten Absichten wurden durch Uebermuth und Treulosigkeit vereitelt, und nur zu deutlich sahen wir, daß des Kaisers Verträge mehr noch wie seine Kriege uns langsam verderben mußten. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo alle Täuschung über unfern Zustand aufhört.
Brandenburger, Preußen, Schlesier, PoMmem, Litthauer! Ihr wißt, was Ihr seit fast sieben Jahren erduldet habt, Ihr wißt, was euer trauriges Loos ist, wenn wir den beginnenden Kampf nicht ehrenvoll enden. Erinnert Euch an die Vorzeit, an den großen Kurfürsten, den großen Friedrich. Bl^bt eingedenk der Güter, die unter ihnen unsere Vorfahren blutig erkämpften: Gewisfenfreiheit, Ehre, Unabhängigkeit, Handel, Kunstfleiß und Wissen- schatt ...
Große Opfer werden von allen Ständen gefordert werden; denn, unser Beginnen ist groß, und nicht geringe die Zahl und die Mittel unserer Feinde. Ihr werdet jene lieber bringen, für das Vaterland, für Euren angeborenen König, als für einen fremden Herrscher, der wie so viele Beispiele lehren. Eure Söhne und Eure, letzten Kräfte Zwecken widmen würde, die Euch ganz fremd find. Ber-
trauen auf Gott, Ausdauer, Muth, und der mächtige. Beistand unserer Bundesgenossen, werden unseren redlichen Anstrengungen siegreichen Lohn gewähren.
Aber, welche Opfer auch von Einzelnen gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen Güter nicht auf, für die mir sie hingeben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu seyn.
Es ist der letzte entscheidende Kampf, den wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unfern Wohlstands keinen andern Ausweg giebt es, als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet Ihr getrost entgegen gehen um der Ehre willen, weil ehrlos der Preyße und der Deutsche nicht zu leben vermag. Allein wir dürfen mit Zuversicht vertrauen: Gott und unser fester Willen werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklichen Zeit."
*
Am gleichen Tage erschien auch ein Aufruf zur Bildung der Landwehr; jetzt war die Zeit erfüllt, da Scharnhorst den seit langen Jahren gehegten Gedanken, die Errichtung einer Landwehr und eines Landsturms, ausführen konnte, und er hatte die Landwehrordnung bereits im Februar vollendet. „Mit Rührung werde ich die Beweise des Wunsches, den Ihr hegt, vom fremden Druck Euch zu befreien, gewahr", heißt es darin, „in dem Eifer, mit welchem alle Stände, Alter und Geschlechter wetteifern, ihre Vaterlandsliebe an den Tag zu legen. Ein mit Muth erfülltes Heer steht mit siegreichen und mächtigen Bundesgenossen bereit, solche Anstrengungen zu unterstützen. Diese Krieger werden kämpfen für unsere Unabhängigkeit und für die Ehre des Volkes; gesichert aber werden beide nur werden, wenn jeder Sohn des Vaterlandes diesen Kampf für Freiheit und Ehre theittl" C. K.
42 Jahre quf dem Eiffelturm.
Nach einer Tätigkeit von 42 Jahren hat sich im Alter von 82 Jahren Madame Pouchois, die Wirtin des Restaurants auf dem Eiffelturm und als solche eine in Paris bekannte Persönlichkeit, in das Privatleben zurückgezogen. Als Inhaberin des höchsten 'Ausschanks in Europa hat sie alljährlich etwa eine Million Besucher in Friedenszeiten an ihrem Schanktisch vorüberziehen sehen und ihnen Schnäpse, Kaffee und Brötchen, außerdem aber auch ^Reiseerinnerun- gen verabreicht. Es konnte nicht ausbleiben, daß - Mme. Pouchois bei diesem Anlaß von Vertretern der Presse ausgesucht wurde und ihnen von ihren Erinnerungen erzählte, die eine der bewegtesten Zeiten in der Pariser Geschichte umfassen. Sie hat der ersten Verlobungsfeier auf dem Eiffelturm beigewohnt, die vor vielen Jahren zwischen dem Theaterdirektor Quinson und der Schauspielerin Suzette' Nelson- stattfand.- Sie hat den Erbauer des technischen Wunders, den Ingenieur Eiffel, persönlich gekannt, der als Sechzigjähriger es sich nicht nehmen ließ, die vielen hundert Stustn hinaufzuklettern, um Paris aus der Höhe zu bewundern und mit der liebenswürdigen Wirtin zu plaudern. Sie war auch zugegen, als kurz vor dem Weltkrieg die erste Rundfunkstation auf dem Turm eingerichtet wurde. Dreißig Jahre lang verschmähte Mme. Pouchois es durchaus, den Fahrstuhl zu benutzen, und zog es vor. Tag für Tag zu* ihrem Restaurant hinaufzu- fteigen, bis schließlich die Gebrechen des Alters sie doch zwangen, sich der bequemen Beförderung zu bedienen. Heute ist der Lift jedoch ftiügelegf, und fo mußte auch Mme. Pouchois nach 42 Jahren von der Höhe ihres Restaurants herabsteigen, in dem sie so beliebt war, um die letzten Lebensjahre in Frieden auf ebenem Gelände zu verbringen.


