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12.3.1943
 
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(95. Jahrgang Nr. 60

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Das Volk, das ich liebe, ist der einzige Gott, dem

jeder 73000 BRT versenkt

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Nur wenige feindliche Flugzeuge überflogen bei

Xaae und während der Nach! das Re>chrg-bi-i. "boats->rupp- den Befehl, gegen diese G-leiWge zu

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Helfer der Landsronten

Krise des Geleitschuhsystems

| Alle unsere Krast für den totalen Krieg

3n der Zeil vom 1. bis 10. Wärz 1943 wurden 6n der Ostfront 773 Sowjetpanzer durch Ver­

dis

61

Friedrich der Große an Voltaire, 12. Juni 1740.

Von der tunesischen Front wird nur ört­liche kampftätigkeit gemeldet. Durch Angriffe der Luftwaffe wurden motorisierte Kräftegruppen und Arttlleriestellungen des Feindes schwer getroffen. Deutsche Jäger schossen zwölf feindliche Flugzeuge ab.

bände des Heeres und der Waffen-^ zerstört, beutet oder bewegungsunfähig geschossen.

Am gestrigen Tage vernichtete deutsche Luftwaffe bei fünf eigenen Verlusten feindliche Flugzeuge.

Ivie U-BootÄZersenkungen haben eine Höhe er- cht, daß von einer. Krise des Geleitschutzsystems prochen werden kann. Das Geleitschutzsystem ist e uralte Erscheinung des Seekrieges. Seekrieg d Handelsschiffahrt gingen durch viele Jahr- ndsrte ineinander über: schon wegen der Gefahr : Seeräuber. Neben den Seeräubern aus eigene uff gab es nach Kaperschiffe, die unter staatlichem ivileg Seeräuberei trieben. Die englische Flotte im Kaperkrieg gegen die Spanier unter Hawkins, obisber, Drake und unzähligen anderen groß ge- irben. Dieser Seeraub war eine der wichtigsten undlagen für die englische Reichtumsbildung, aus ren Hintergrund siä) erst die industrielle Eniwick-

operieren. Die Aktionen wurden durch schwere S ch n e e st ü r m c , die die Sicht von Stunde zu Stunde laufend veränderten, sehr erschwert. Die Kampfboote mußten feststellen, daß ste lediglich ein kleines, aus 5 Schiffen bestehendes Geleit vor sich hatten, das, von Zerstörern und Korvetten gesichert, bei Seegang 8 bis 9 ohne feste Formation gegen den schweren Sturm andampfte. Durch Rudelan- griff wurden am 7.3. kurz nach Einbruch der Dun­kelheit drei Schiffe versenkt. Die Nachsuche n-ach wei­teren Daistpferpulks im gleichen Seegebiet ergab eine Reihe kleinerer Schiffskolonnen, die vermutlich

infolge des unsichtigen Wetters den Anschluß an den Geleitzug verloren hatten. Im Verlaust der nächsten 5 Tage wurden diese einzelnen Gruppen in ein?m Seegebiet von 800 Seemeilen Länge und 120 See­meilen Breite verfolgt und 16 Schisst mit 92 500 BRT. torpediert, davon wurden 13 Schiffe Mit 73 000 BRT. versenkt. Für die drei torpedierten Schiffe besteht bei der herrschenden schlechten Wet­terlage keine Aussicht, aus der Mitte des Nordatlam fit heraus noch einen rettenden Hafen zu erreichen. Bei der Versenkung von acht Munittonsd ampfern mit 65 000 BRT. wurden die Schiffe im Augenblick des Torpedotreffers vollständig zerrissen. Damit ha­ben über .100 000 Tonnen Munition und Sprengstoff das englische Mutterland nicht erreicht.

schiedene vollbeladene Schiffskolonnen aus der Mitte des Nordatlantik einliefen, erhielt eine Unterste-

es will. Wer dem Ereignis zum erstenmal beiwohnt, glaubt, es fei ein Spiel und empfindet gar nicht, wie ernst der Torero um sein Leben kämpft. Der stierkampferfahrene Spanier aber weiß genau, daß sich alles nur wenige Millimeter von den Hörnern, des zum Tode gereizten Tieres abspielt.

Die Grazie Madrids ist mehr als Firnis. Der Fremde, der durch die Straßen geht, bewundert die Frauen, weil sie unsagbar schön sind. Abends zwi­schen 5 und 7 Uhr ereignet sich hier derpaseo. Dorthin kommen alle, die wissen, was vor sich geht. Es ist der Spaziergang der Anmut persönlich, be­gleitet von der Schicklichkeit. Es lächelt aus jedem Frauenmund und blinkt aus jedem Mädchenauge- Die junges Männer machen Bemerkungen. Me niuero (ich sterbe), sagt einer, und das ist etwas mehr als eine Huldigung, denn es drückt Wünsche aus, aber es ist auch viel weniger als eine Anzüg- lichkett, denn er weiß, daß die Wünsche nicht erfüllt werden.Piropos nennt man das auf spanisch. Und gerade diese Bemerkungen sind es, die den spanischen Frauen Gelegenheit geben, das ganze Maß ihres natürlichen Anstandes an den Tag zu legen.

Der Fremde, der dieses Spiel betrachtet, ist ge<- neigt, von der Grazie auf die Herzensgute zu schließen, und von der Schönheit auf Vollendung und Seelenharmonle. So geht er trunken durch die Stadt und wird jäh aufgescheucht, wenn der spa­nische Freund geschichtliche Stätten zu zeigen be­ginnt. Dort ist die Puerta del Sol, wo 1808 die Madrider im Aufstand von den Soldaten Napoleons niedergemacht wurden, dort die Stelle, wo Cana- lejas unter den Kugeln seiner Mörder zusammen­brach, drüben das Kirchenpvrtal, wo 1936 die Mu­mien der Nonnen an der Wand lehnten, der Eingang zur Tscheka, wo Rotspanier als gelehrige Schüler der Sowjetrussen ihre eigenen Landsleute zu foltern pflegten, und schließlich die Universitätsstadt, wo im Bürgerkrieg die kastilische Härte ihre edelsten Be­weise erbrachte.

Madrid ist für den Fremden wie ein Buch mit sieben Siegeln. Wie soll man sammetweichen Mäd chenaugen im voraus ansehen können, daß ihre Be­sitzerinnen beim Stjerkampf in frenetische Begeiste-

Nachschub braucht neuen Schiffsraum und setzt die­sen Schiffsraum zugleich neuer Gefährdung durch U-Boote und Flugzeuge aus. Trotz des Ueber- raschungsmomentes haben die Engländer und Pan­kees vor den Toren Tunesiens Halt machen müssen, ja dort empfindliche Rückschläge erlitten und waren gezwungen, von den Vorräten Nordafrikas zu leben.

Und nun müssen wir die U-Boot-Versenkungen in diesem Zusammenhang, der Landoperationen sehen und gewinnen damit erst den Maßstab dafür, daß sie über den Rahmen des reinen Seekriegs hinaus ein be­stimmender Faktor der ganzen Kriegführung werden. Am 22. Februar wurden 103 000 BRT., am 24. Fe­bruar 104 000, am 26. Februar 107 800, am 5. Myrz 97100, am 10. März 134 000 und am 11. März 73 000 BRT. in dem knappen Zeitraum von 18 Ta­gen, also mehr als 600 000 BRT. wertvolle Muni- tions-, Tank- und Versorgungsdamper versenkt. Von dem Verlust der Seeleute ganz zu schweigen, der immer mehr zu Buche schlägt.-Aber sehen wir ab von der Eigenbedeutung der Schiffsversenkungen. Sehen wir auch ab von den besonderen Rückwirkun­gen auf die tunesische Front. Das Wichtigste ist die ^Verbindung der ozeanischen und der Ostfront! Die ,,'horkshire Post" eine englische Provinzzeitung, die aber von altersher Einfluß hat und dem Schwie­gervater des Außenministers Eden gehört. schreibt ganz unmißverständlich:Weniger als je zuvor kann sich England in diesem Jahr Schiffsverluste leisten. Auch nicht einmal vorübergehend darf unser Gegner mit seinen U-Booten besondere Erfolge erzielen. Denn England muß die hohen Versprechungen von Casablanca einlösen, und das kostet Schiffsraum." Wir waren in diesen Tagen Zeugen recht erbitterter Presiefehden zwischen Engländern und Amerikanern auf der einen, den Kremlleuten auf der anderen Seite. Der geheime Motor dieser bitteren Ausein­andersetzungen sind unsere U-Boote, die das Unvermögen der Engländer und Amerikaner zur Errichtung der zweiten Front von einer Sonder­meldung zur anderen erhöhen. Immer wieder haben englische und amerikanische Staatsmänner ange» deutet, daß es keinen Sieg gebe, solange die U-Boot- Gefahr nicht überwunden sei. Sie sind heute von. diesem Ziele weiter entfernt denn je. Das mußte auch der britische Marineminister Alexander im Unterhause zugeben. Er mußte sich angesichts der Kritik, die an den Maßnahmen der Regierung geübt wurde, zu dem Eingeständnis bequemen, daß die Deutschen immer noch mehr U-Boote bauten, als von englischer Seite vernichtet werden können. Das ist der schlagendste Beweis dafür, wie wenig die Eng­länder und ihre Bundesgenossen heute in der Lag« sind, dem Angriffsgeist unserer U-Boot-Männe- etwas Gleichwertiges entgegenzustellen»

Einige in Westdeutschland abgeworfene Bomben verursachten unbedeutende Gebäudeschäden. Vier feindliche Flugzeuge wurden zum Absturz gebracht.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, sind unsere Unterseeboote weiter im An­griff. Seit Tagen hielten sie Fühlung an einem von Nordamerika nach England steuernden Geleit­zug. Unterseebootrudel schlossen heran und schos­sen in vielfach wiederholten Angriffen 13 voll mit Kriegsmaterial beladene Schiffe mit 73 000 VRT. heraus. Drei weitere Dampfer wurden torpediert.

Damit konnte die llnterseeboolwaffe innerhalb 2 4 Stunden insgesamt die Versenkung von 36 Schiffen mit zusam­men 207 000 VRT. melden. Unter diesen Scksiffen befanden sich acht Munitionsdampser, die bei der Torpedierung in die Luft flogen.

stens durch einzeln fahrende Fracht-Schnelldammer ergänzen^ wollen. Die Fracht-Schnelldampfer sollen dank ihrer Geschwindigkeit sich den UBootangriffen entziehen können. Das U-Boot ist eine der langsam- sten Seewaffen, auch wenn seine Geschwindigkeit durch den großen technischen Fortschritt in den Ma- schinenanlagen gegenüber 1914/18 wesentlich erhöht wurde. Sehr bezeichnend ist, daß die Forderung nach schnellfahrenden Frachtschiffen vor allem von den Seeleuten vorgebracht wird, die durch die U- Bootversenkungen enorme Verluste erlitten haben. Das schnellfahrende Frachtschiff ist aber viel schwerer als Serienfrachtschiff zu bauen als die langsamen Kästen. Eine Steigerung der Durchschnittsgeschwin­digkeit von 20 auch auf nur 28 Stundenkilometer bedeutet einen Mehraufwand an Material und ins­besondere an fachkundiger Arbeitskraft um 50 v. H. Die englischen Reeder fürchten außerdem, daß diese sehr viel teuereren Schiffe nach dem Krieg im Fracht­geschäft nicht rentabel sein werden, we-il auch ihre Betriebskosten wesentlich höher sind. Auch erklärte der Marineminister Alexander bezeichnenderweise, daß schnelle Schiffe zwar ein Ideal seien, daß aber England dem Verhängnis ausgeliefert wäre, wenn man versuchen würde, nur schnelle Schiffe zu bauen, weil der E i n f u h rb ed ar s des Landes zu groß sei. Es bleibt also dabei/daß auch weiterhin der Versuch gemacht werden muß, die für England not­wendige Einfuhr mit Hilfe der Geleitzüge auf die Insel zu schaffen. Infolgedessen werden Dfe deutschen U-Boote auch weiterhin lohnende Objekte für ihre Torpedos finden.

1OOOOO Tonnen Munition vernichtet.

Berl in, 11. März. (DNB) Zu dem erfolgrei­chen Angriff eines U-Boot-Rudels auf einen von Nordamerika nach England laufenden Geleitzug teilt das OKW. noch folgendes mit:

Am 7. 3., als die ersten Sichtmeldunc^n über ver»

Der Wehrmachtbericht.

DNV. Aus dem Führerhauptquartier, (1. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront des Kuban-Vrücken- kopfes lebte die Kampftätigkeit wieder auf. 3n mehreren Wellen vorgetragene Angriffe des Feindes wurden in schweren Kämpfen verlustreich abge- Ichlagen. *

Im Raum von Charkow warfen unsere Angriffsdivisloyen den Feind auf die Stadt ; u r Ü ck. Am nördlichen und westlichen Stadtrand wird gekämpft. Durch umfassenden Angriff wurden zwei Sowjetregimenter vernichtet. Kampf- und Rahkampfgeschwader zerschlugen zu- i-ückweichende feindliche Kräfte.

Im Frontabschnitt von O r e l führte der Gegner mehrfach wiederholte starke Angriffe. Die deutschen Truppen errangen einen großen Abwehrerfolg. Alle Angriffe der Sowjets wurden unter schwersten blu- igen Verlusten abgeschlagen. 26 Panzer blieben zer- tört vor unseren Stellungen liegen.

Die Bewegungen unserer Truppen im mittle­ren Frontabschnitt verliefen ohne Störung durch den Feind planmäßig.

Südlich L h o l m griff der Feind mit starken In- santerie- und Panzerkräften nach heftigem Artil- ierietrommelfeuer unsere Stellungen an. Die An- (iciffe brachen im Abwehrfeuer zum Teil in har- ien Nahkämpfen zusammen. Im Kompfgebiet von Staraia Rußja ist die Angriffskraft des Fein­des erschöpft.

Madrider Atmosphäre

Von unserem U.-Korrespondenten.

dert als der Entschluß des Anführers: zu siegen oder zu sterben. Dieser allein entscheidet nun zwischen Unterjochung und Freiheit." Festigkeit des Charak­ters, Treue und Kraft des Herzens. Aufopferung bürgerlicher Ruhe vor den Notwendigkeiten des Krie­ges diese moralischen Kräfte müssen in einem entscheidenden Kampfe aufgebracht werden. Mit einem Mute, dessen Weite und Kraft selbst die Zö­gernden mitriß, schuf Schornhorst in den Jahren der Schmach das Heer der Freiheitskriege. Unge­beugt von der scheinbar hoffnungslosen politischen Entwicklung schrieb er aus Memel im November 1807 an Clausewitz:Man muß der Nation das Gefühl der Selbständigkeit einflößen, man muß ihr Gelegenheit geben, daß sie mit sich selbst bekannt wird, daß sie sich ihrer selbst annimmt. Erst dann wird sie sich selbst achten und von anderen Achtung zu erzwingen wissen."

Im Frühling 1813, in dem Aufbruch des ganzen Volkes erwies sich, was Scharnhorst von der Er­ziehung der Nation zu Wehrwillen und Opfergeist erhofft hatte, woran er seine ganze Kraft gesetzt. Tapferkeit, Aufopferung, Standhaftigkeit sind die Grundpfeiler der Unabhängigkeit eines Volkes wenn für diese unser Herz nicht mehr schlägt, so sind wir schon verloren auch selbst in dem Laufe der gro­ßen Siege." O. G. F.

Madrid, im März.

Madrid ist eine Stadt, die den Fremden betrügt Sie legt Grazie an den Tag und trägt Härte im Herzen. Beides findet man in dem, was die Spanier ambiente nennen. Der deutsche Kunsthistoriker I u st i hat diesen Begriff einmal mit derLuft zwischen den Dingen" übersetzt. Sie zu sehen und zu begreifen, dazu gehört in Spanien sicher so viel wie in der übrigen Welt nötig ist, um ,has Gras wachsen zu hören". Man weiß, daß die Ge­gend, in der sich Madrid befindet, Kastilien ge­nannt wird. Das war früher das Grenzland zwi­schen dem christlichen Teil Spc/niens und demjeni­gen, der noch von den Mauxen besetzt war. Man hatte £)ort zahlreiche Burgen errichtet, die das Grenzgebiet sichern sollten. Auf spanisch heißt Burg castillo, und das Land hat danach den Namen Ka­stilien erhalten. Damit ist zunächst einmal der mili­tärische Ursprung dieser Gegend und seiner Haupt­stadt gekennzeichnet.

Tatsächlich darf man, um Madrid zu begreifen, die Stadt niemals allein sehen, sondern immer nur im Zusammenhang mit den anderen Städten Ka­stiliens. Die Vergangenheit Madrids steht in To­ledo, Valladolid und Burgos an den Wänden der Häuser geschrieben, und Madrid selbst ist nichts anderes als eine Gemeinde, die durch die Gunst der Könige in die Lage versetzt wurde, den kasti­lischen Städten mit großer Vergangenheit Gegen­wart und Zukunft zu nehmen. Aber die heutige Hauptstadt Spaniens ist tatsächlich die organische Fortsetzung der anderen. Die männlichen und heroi­schen Züge von Burgos und Valladolid haben sich in das Charakterbild Madrids eingefügt, wenn man auch Leichtigkeit und Grazie zur Schau trägt

Es gibt ein Volksspiel, das wie /fein anderes die wirklichen Regungen der spanischen Hauptstadt offenbart. Wir meinen den Stierkampf, der gerade hier sakralen Charakter annimmt. In dem Stier­kampfplatz von Madrid haben sich kastilische Grazie ebenso wie kastilische Härte ein verblüffendes Stell­dichein gegeben. Es ist nicht wichtig, ob dem Frem­den die Stierkämpfe gefallen oder ob er sie ablehnt. Sie sind ein Volksvergnügen, und jedes Volk hat das Recht, .sich so zu vergnügen, wie seine Tradition

Selten ist die enge Verbindung zwischen See- und Landkrieg so augenscheinlich gewesen wie in den letzten Tagen. Der Kampf der U-Boote hat eine unmittelbare Rückwirkung auf die Landfronten, auch auf die allgemeine politische Lage. Nicht um­sonst war zu der Besprechung zwischen Roosevelt und Churchill in Casablanca Lord Leathers, der britische Minister für Kriegstransporte, zugezogen. Denn worüber gingen die Besprechungen in Casa­blanca? In der amtlichen Mitteilung, die Churchill und Roosevelt Herausgaben, heißt es:Völliges Einvernehmen wurde zwischen dem Präsidenten und dem britischen Erstminister und ihren Stabschefs üb$r die Kriegspläne erreicht sowie über die Unter­nehmungen, die im Laufe des Jahres 1943 gegen Deutschland, Italien und Japan geführt werden sollen, mit dem Ziel, den größtmöglichen Nutzen zu ziehen ... Der Präsident und der Erstminister anerkennen in vollem Umfang die ungeheure Kriegs­last, die die Sowjetunion an der ganzen Landftont trägt, und betrachten es als ihr Hauptziel, so viel Truppen wie möglich von dem sowjetischen Kriegs­schauplatz dadurch abzuziehen, daß der Feind an den bestgewählten Punkten so schwer wie möglich in den Kampf verwickelt wird."

Hier gefttert die zweite Front. Aber die Pläne von Casablanca hängen von der Größe des ver­fügbaren Schiffsraumes ab. Well der feindliche Schiffsraum schwer in Mitleidenschaft ge­zogen worden ist, riskierten Engländer und Pan­kees nicht die zweite Front im Jahre 1942. Sie gaben sich Rechenschaft darüber, daß ein solches Unternehmen ohne Gewähr eines glücklichen Ausganges nach den verunglückten Probelan­dungen von St. Nazarre, Boulogne, Dieppe usw. einen Schiffsraum von- Millionen Bruttoregister­tonnen kosten würde. Dieser Schiftsraum steht den Engländern und Amerikanern einfach nicht zur Verfügung. Darum verfielen sie gegen Ende 1942 auf die Wahl nicht des bestmöglichen Lande­platzes zur Errichtung einer zweiten Front, sondern des bequemsten Landeplatzes. Sie bewegten sich auf der Linie des geringsten Widerstandes und ver­suchten ihr Glück in Französisch-Nordafrika. Für dieses kleine Unternehmen, bei dem höchstens 200 000 Mann zu befördern waren, brauchten sie zwei Millionen BRT., wovon sie mehr als ein : Viertel auf den ersten Anhieb hin verloren haben!

Aber mit Der Landung ist es nicht getan. Es muß dauernd Nachschub herangeführt roerbep. Dieser

Auf die moralischen Kräfte kommt es an.

Wenn mir die Geschichte der Kriege durchlaufen, so sinden wir, daß zu allen Zeiten nicht nur die vhysischen Kräfte entschieden, sondern daß es ebenso­sehr auf die moralischen ankam " Mit diesen Wor­ten beginnt die Denkschrift, die Scharnhorst im April 1806, sechs Monate vor Jena und Auerstedt, dem preußischen König übergeben ließ. Sie war der letzte tapfere Versuch, die drohende Katastrophe 31F lerhindern und das Gewissen der Nation aufzuvüt- eln. Was d^r große Soldat in diesem Mahnruf aus der Tiefe seines starken, -durch nichts zu ent- nuttgenben Herzens schöpfte, ist bis in unsere Zeit gültig geblieben. Es sind die großen Forderunaen res totalen Volkskrieges um Freiheit und Ehre oer Ration, die Scharnhorst 1806 und in den folgenden Jahren der Not und des Aufstiegs prägte.

Bewaffnung der ganzen Volksmasse", Schaffung einer Nationalmiliz, Weckung des militärischen Gei­les in der ganzen Nation das verlangte Scharn­horst zur Rettung des Vaterlandes. Ader nicht al- ein die bewaffnete Armee hat den Kampf zu füh­ren.In einem Kriege, wo ein jeder einen großen Anteil an dem glücklichen Ausgang desselben hat, wo die Nation für ihre Freiheit und Unabhängig-. 'eit ficht, wo sie mit Unterjochung oder Beraubung

*unq vollzog. * . .

, Im 19. Jahrhundert hielt man das Geleitschutz- 'pstem für überwunden. Aber schon tm ersten Welt- irieg kam England darauf zurstck, um die Gefahren bes U-Bootes abzuschwächem Der Versuch war mchl «tanz erfolglos, denn die deutschen U-Boote operier­en im ersten Weltkrieg nur aus dem engen .Kaum ter Deutschen Bucht. Schon damals zeichneten sich :ber Nachteile des Gelettschutzsystems ab: Die Schifte mußten sich erst sammeln, was erhebliche Zeit be­anspruchte, und die Fahrgeschwindigkeit eines (8e= eitzuges wurde durch das langstunste Schift be- timmt. ' \ . . 1 «.

In diesem Weltkrieg nahm England losort die Erfahrungen von 1914/18 auf und betrachtete das üeleitschutzsystem als eines der wichtigsten 'vchutz- Ttittel gegen Die U-Bootgefahr. Die stimmen der iritik häüfeii sich aber in den letzten Monaten. Die ^chutzwirkung des Geleitschutzsristems ist oiel genn- wr als im ersten Weltkriea. Die deutschen U-Boote *aben die aanze Atlantikküste als Ausgangsbasis iur Verfügung. Ihre Reichweite und ihre Schnelllg- 3eit ist gestiegen. Die von Großadmiral Dönitz emge- führteRudeltaktik" läßt nicht mehr em U-Boot operieren,- sondern veranstaltet ein regelrechtes Kes- Jeltretibeu auf Den Gegner. Die Erfolge der U-Boote Info enorm und Die verstärkte Bewaffnung der Han- elsschiffe, ihre Begleitung durch IPBootjager uno Korvetten, ihre verstärkt^ Sicherung durch Flug- euge haben die U-Bootgesahr nicht bannen können.

So mehren sich Die -Stimmen, die Das Geleit- ichutzsystem, wenn nicht aufgeben, so doch nnnde-

oedroht wird, da vertritt Der allgemeine

Wille das, wozu unter anderen Umständen Die >ch diene. Weine Pflichk ist mein höchster Gott, zrößte Weisheit erfordert wird. Ist die Notwendig- kett eines Krieges einmal von einem Volke erkannt, so wird nichts weiter zu unsterblichen Taten erfor-