„Der große Schatten."
Ein neuer Tobis-Film im Gloria-Palast.
Im Beiprogramm siebt man die neue Wochenschau und einen Kulturfilm ,Herbstlied" mit anmutigen Tieraufnahmen. Hans Thyriot
Lichtspielhaus: „Einmal im Jahr-.
Wie unerschöpflich, immer wieder angehend und verlockend die wandelbare Welt des Theaters und der Komödianten auch für die Kamera ist, erweist — auf ganz andere Weife und in anderem Stil als der gleichzeitig im Gloria-Palast laufende „Große schatten" — ein französischer Film (der Continental) in deutscher Sprache. Er nennt sich, sehr hübsch und treffend, „Einmal im Jahr"; er könnte auch „Abenteuer in der Silvesternacht" heißen: wieder beruht der feine, aber diesmal ganz lustspielmäßige Reiz der Geschichte auf dem Jneinandergreifen von Theater und Wirklichkeit, von Illusion und Realität, wenn eine eben nach solennem Krach der Probe entlaufene Schauspielerin im glitzernden, bunten Trubel einer friedensmäßigen Pariser Neujahrsnacht einem reichen Fabrikanten in die Hände fällt, der das vermeintliche Blumenmädchen und Aschenbrödel zu seiner Märchen Prinzessin erhebt. Wie das angesponnen und ausgesponnen wird, wie die Rollen vertauscht werden, das Spiel ernsthaft und über die eine, letzte Nacht des Jahres hinaus sich in dis Wirklichkeit eines neuen Taaes steigert, kompliziert und zuletzt von einem starken und echten Gefühl erprobt und legitimiert wird, erlebt man auf eine höchst amüsante Weise in den Einfällen des Drehbuchverfassers und Regisseurs L6o Ioannon: er gibt dem Film jenes unvergleichlich Pariserische, die Leichtigkeit und Spritzigkeit des Spiels und jene sehr stlmische, lockere und dabei sichere Form der
ein ehrgeiziger Schauspieler sich nur wünschen kann, weil in ihr alles zugleich enthalten ist: der große Komödiant und der große Schatten seiner selbst, der Vater und der Liebhaber, der Richter von Za- lamea und der Götz von Berlichingen — von jedem etwas; George faßt das alles mit einer souveränen schauspielerischen Konzentration zur Einheit zusammen, er läßt sich keine der Wirkungsmöglichkeiten entgehen, die sich hier verschwenderisch anbieten, aber er verliert über dem Theatralischen und Komödiantischen das Persönliche nicht aus den Augen und zeigt in dem wirkungsmächtigen Darsteller auch den liebenswürdigen, gütigen, überlegenen und be* mitleidenswerten Menschen. — Heidemarie Hat- Heyer ist die junge Anfängerin in aller Nervosität und Begeisterungsfähigkeit, aller Verwirrung des Gefühls, Verlassenheit und Verzweiflung. Will Quadflieg, der früher in Gießen spielte, gibt hier sehr aufgelockert und instinktsicher einen jungen Schauspieler und Liebhaber. Vom Ensemble seien die überaus naturgetreu wirkenden Intendanten von Legal und Stabl-Nachbaur, ferner Marina v o n D i 11 m a r, Ernst Schröder. Theo- bor Sanegger, Erich Pontound Erich Fied- Ie r genannt —
Die Schulreform der Jahre 1937 und 1938 hat eine durchgreifende Vereinfachung des deutschen höheren Schulwesens gebracht Die früheren Ober- realfchulen und Realgymnasien sowie die große Zahl der übrigen höheren Schulen, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden waren, sind dem Namen nach verschwunden und in die Deutsche Oberschule aufgegangen. Nur das humanistische Gymnasium ist in seiner alten Form im wesentlichen bestehen geblieben. Allerdings ist die Zahl dieser Schulen stark beschränkt worden, da an allen Orten, die eine höhere Schule besitzen, zuerst die Oberschule geschaffen werden und das humanistische Gymnasium erst als zweite höhere Schule bestehen bleiben sollte. Dieser Grundsatz bedeutete naturgemäß für viele Gymnasien die Umwandlung in die Oberschule, und weite Kreise, die den fortschreitenden Abbau des Gymnasiums mit Freuden begrüßt und gebilligt hatten, sahen den Zeitpunkt nicht mehr fern, wo diese einst so blühende Bildungsstätte, die das deutsche kulturelle Leben Jahrhunderte hindurch beeinflußt und gestaltet hatte, gänzlich verschwinden würde.
Die Umwandlung zahlreicher Gymnasien durch die Schulreform erweckte vielfach den Glauben, man plane eine völlige Aufgabe dieser Bildungsanstalten, und veranlaßte viele Eltern, ihre Kinder in die Oberschule zu schicken, wodurch die Schülerzahl in den unteren Klassen der Gymnasien stark zurück-
’ Aus der Siadi Gießen.
Grüne Stangen.
Es gab eine Zeit, da war der Lauch sehr ge- । schätzt. Schon in der Edda wird er als „laukr" er- , wähnt, die allen Römer und Griechen bauten ihn in i^ren Gärten an und aßen ihn als Salat und Gemüse, und als Gemüsepflanze empfahl auch Karl der Große seinen Anbau. Allmählich aber wurde er von den im Laufe der Jahrhunderte herangezüchte- ten anderen Gemüsegewächsen mehr und mehr verdrängt und schließlich fast nur mehr als „Suppen- ?run" verwendet, bis man sich während des Welt- rieges endlich wieder auf ihn besann, denn der Lauch oder Porree gehört zu unseren schmackhaftesten Wintergemüsen. Dazu kommt noch ein besonders wichtiger Vorteil: Lauch fordert nur eine kurze Kochdauer. In einer Zeit, wo die berufstätige Hausfrau beim Kochen mit jeder Viertelstunde rechnet, wirkt sich diese gute Eigenschaft des Lauchs also unbedingt aus.
Ein weiterer Vorteil des Lauchs ist der, daß der Winterlauch, wenn es nicht allzu kalt ist, auch während des Winters im Freien bleiben kann — es gibt aurf) ganz kältefeste Sorten — und daß er daher im Laufe der Wintermonate bis zum Frühjahr hin als Frischgemüse verbraucht werden kann. Zum Unterschied vom einjährigen Sommerlauch wird der Winterlauch zweijährig gezogen. Hochwertiger L-auch soll einen dicken Schaft und keine oder möglichst wenig Seitentriebe haben. Die Lauchzwiebel selbst ist zwar nur schwach ausgebildet, läßt sich aber dennoch sehr gut als Ersatz für die bisweilen knappen Zwiebeln verwenden.
Die Auswahl an schmackhaften Gerichten, die uns bie „grünen Stangen" bieten, ist gar nicht so gering und auch nicht einförmig. Die Reihe wird angeführt durch die Lauchsuppe, zu der man die Stangen in feine Scheibchen schneidet, in einer hellen Einbrenne dämpft, bann kurz burchkocht. Verfeinert wird die Suppe durch Brotwürselchen, nahrhafter kann man sie durch kleine Beigaben von Hefe machen und, wohlschmeckender, wenn man beim Kochen etwas Sellerie dazu gibt, wie sich denn der Selleriegeschmack dem des Lauchs überhaupt immer gut anpaßt. Dann folgt das Lauchgemüse, das ebenfalls nicht viel Kocharbeit macht und bald fertig ist, weil die geputzten Stangen nur in etwa fingerlange etücfe geschnitten, in Salzwasser gekocht — wobei sie aber nicht zu weich werden dürfen — und hernach in einer Einbrenne schnell fertig gedünstet werden. Gut schmeckt das Gemüse auch, wenn man den in kleinere Stücke zerschnittenen Lauch, ohne ihn vorher abzukochen, gleich in Fett weichdünstet und dann Wasser ober Suppe aufgießt. Zum Würzen tun, wenn Pfefferersatz nicht zur Hand ist, auch Paprika und eine Spur Knoblauch gute Dienste. Hat man ein wenig mehr Fett zur Verfügung, so kann man die auf ungefähr 15 bis 20 Zentimeter lang zugeschnittenen Lauchstangen, zum Kartoffelbrei ober zu Salzkartoffeln, auch in Fett braten. In den Gemüseeintopf bringt eine Lauchzugabe einen würzigen Beigeschmack.
Daß Lauch auch als Solot nicht übel schmeckt, wußten, wie gesagt, schon die alten Römer. Zu diesem Zweck braucht man biie kurz vorgekochten Stangen nur in mundgerechte Stücke zu schneiden und mit Essig, den entsprechenden Würzzutaten oder irgendeiner fertigen Salatsoße oder auch zu einer Soße verrührtem, gewürztem Quark an- ■ machen, wobei ein Spritzer Del zwar nicht zu verachten, aber auch durchaus nicht notwendig ift Nur soll man den Lauch, falls er als Salat zubereitet > wird, nicht kalt anrichten und verspeisen, sondern immer so lange er noch nicht ganz ausgekühlt ist. •
Zuletzt mag noch daran erinnert werden, daß von ■ den beim Zurichten der Lauchstangen abfallenden : äußeren Blättern ein gut Teil als Suppengrün I verwendet werden kayn. M. A. v.L <
Ritterkreuzträger spricht in Gießen.
Vom humanistischen Gymnasium
Von Oberstudiendirektor Dr. Wolkewitz, Gießen.
Milliarden Dollar zu bringen. Neuyorker Presse- Meldungen besagen, daß Roosevelts neuer Kriegs- ^"^allsplan eine Belastung von 819 Dollar für jeben Mann, jede Frau und jedes Kind, die in den -üeremtgien Staaten leben, mit sich bringe. Wenn man diesen Betrag vom laufenden Einkommen bezahlen wollte, wurden 75 P r o z e n t de s n a ti o - k °_m mens verschlungen weiden, das im .Haushaltsjahr schätzungsweise 135,
im nächsten 145 Milliarden Dollar erreicht. Im letzten Jahre vor Kriegseintritt der Vereinigten Staa- tenbetrug das USA.-Volksemkommen rund 70 Milliarden, wahrend der Wirtschaftsdepression 1929 sogar nur 40 Milliarden Dollar.
Kleine politische Nachrichten.
* Die in dem Pro.zeß wegen des Attentats auf den oeuWn Botschafter von Papen zu hohen Freiheits- strafen verurteilten Angeklagen Addurrahman, Pawlow und Kormlow haben nun auch das neue Urtell angefochten Der Angeklagte Süleyman hat die gegen ihn verhängte Strafe angenommen.
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Der schweizerische Bundesrat beschloß, den schweizerischen Gesandtschaften in Stockholm und Helsinki ie einen Militärattache zuzuteilen.
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Das Hauptquartier General Francos während des spanischen Bürgerkrieges in Burgos wurde zum Nationaldenkmal erklärt. Von dort aus leitete Franco den Kampf gegen^den Bolschewismus.
Der kanadische Premierminister Mackenzie King bie ®rnt"nuna von L. D. Tilgreß zum kana- dlschen Gesandten bei der Sowjetregierung bekannt. Zum Militärattache wurde der Brigadegeneral H. Lefeore ernannt. J
Aus dem Reich.
Erst vom kommenden Sommersemester ab.
Durch eine äenlerung der Bestallungsordnung für Aerzte ist der Krankenpflegedienst der Studierenden der Medizin von sechs Monaten auf picr Monate verkürzt und seine Ableistung Hochschulferien gestattet worden. Diese Neuregelung tritt jedoch erst am L April 1943 in Kraft. Die Aufnahme des Studium der Nedizin ohne vorherige Ableistung des Kranken- pslegedienstes ist also erst mit Beginn des Kommerjemefters 1943 und die Zulas- jung zur ärztlichen Vorprüfung nach nur vier- monatigem Krankenpflegedienst von Ende des Sompiersemesters an möglich. Bis dahin gelten die bisherigen Bestimmungen unverändert weiter.
Schnelle Justiz gegen Kriegsschieber.
Am 5. Dezember 1942 wurden in einem Betrieb bi.Deuschendorf (Oberfteiermart) Schiebungen Jiit Zucker aufgedeckt, welcher der Werksküche tiefes Betriebes zugeteilt war. Der Betriebsbeamte Gruber veruntreute mit Hilfe des Lagerhalters Hoffmann davon etwa 800 Kilogramm. Die beiden veräußerten den Zucker zu Ueberpreifen und gegen Eintausch von Zigaretten an Bekannte, den Werksan- zchörigen Salchenegger, den Werkmeister Fuer- ftnger forme an Öen Zigarettenhändler Fleischhacker, i ^as Sondergericht in Leoben oerurteilfe bereits am । 18. Dezember die Kriegsverbrecher zu Zuchthaus- । strafen von 7 bis l1/» Jahren. i
Schnelle Sühne.
ging. Dieser Abwärtsentwicklung, die die Freunde des humanistischen Gymnasiums mit tiefem Kummer und größter Sorge erfüllte, wurde durch den Erlaß des Herrn Reichserziehungsministers vom Februar 1938 Einhalt geboten. Er betonte ausdrücklich, daß die Erhaltung des Gymnasiums notwendig fei und daß es als Sonderform des höheren Schulwesens eine Aufgabe zu erfüllen habe, die von einer anderen Schule auf absehbare Zeit nicht zu lösen sei. Der Erfolg dieses Erlasses blieb nicht aus. Der kürzlich veröffentlichte neue „Wegweiser durch das höhere Schulwesen des Deutschen Reiches" berichtet nach dem Stand vom 15. Mai 1940, daß der Abbau der Gymnasien nicht allein zum Stillstand gekommen ist, sondern daß chre Zahl auch wieder anfteigt. Auch die Zahl der Schüler zeigt wieder eine erfreuliche Aufwärtsbewegung. Insbesondere liegen die Aufnahmen in die 1. Klasse des Gymnasiums im Berichtsjahr 1940 um 25,6 v. H. höher als im Vorjahre, während die Oberschule nur 17,7 v. H. Mehraufnahmen zu verzeichnen hat. Die gleiche Aufwärtsbewegung bringt, auch das Jahr 1941, und im Schuljahr 1942 sind wieder neue Gymnasien eröffnet worden.
Möge diese Aufwärtsentwicklung auch weiterhin anhalten und das Gymnasium in alle Zukunft bestehen bleiben zum Wohle unserer engeren Heimat und zum Segen unseres großen deutschen Vaterlandes.
Das Drehbuch schrieb Harald Bratt, dem der Film bereits so eindrucksvolle Manuskripte verdankt wie „Die Insel"; die Fabel des „Großen Schattens", die in einer sehr filmgerechten Rahmenhandlung entwickelt wird und dadurch eine überzeugende Rundung und Geschlossenheit erhält, wurde von Paul Verhoeven in Szene gesetzt, einem Manne, der vorn Theater herkornrnt und selbst Schauspieler ist, also die Dinge, die hier gespielt werden, aus persönlicher Arbeit und eigenem Berufserlebnis genau kennt; das merkt man — nicht nur in den Szenen, die unmittelbar zwischen den Kulissen, auf der Probe oder im Jntendanzbüro vor sich gehen.— Den Schauspieler Conrad Schroeder gibt Heinrich George; es ist eine Rolle, wie sie nicht allzu häufig vergeben wird, wie sie Werner Krauß und Agnes Straub vor ihm zu spielen hatten, wie sie
Der FUm „Burgtheat-er" und die Komödie „Schauspielerin", die beide vor geraumer Zeit auch in Gießen gezeigt wurden, gehören zu den markantesten und gelungensten Beispielen für eine alte Vorliebe des Publikums und für die ganz unerschöpfliche Anziehungskraft, welche die Welt des Theaters und des Schauspielers sowohl auf das Theater selbst als auch auf die jüngere Schwesterkunst des Films ausübt. Das in ungezählten Bühnenstücken und Filmen im Zentrum oder nur am Rande der Ereignisse auftauchende Thema beherrscht die Fabel im „Großen Schatten" mit einer inbrün- tigen Ausschließlichkeit: man erlebt Glanz und Elend eines großen Komödianten, man erlebt die immer wieder faszinierende und bestürzende Parallelität zwischen den Vorgängen auf der Bühne und im Leben, den erschreckenden Einbruch des wirklichen Schicksals in das auf der Szene nur — wiewohl mit großer Kunst und vollkommener Routine — gestellte, man erlebt das verwirrende und erregende Jneinanderspielen von privater und künstlerischer Existenz im Dasein eines auf der Hohe feiner Leistungskraft und im Zenit seines Erfolges stehenden Schauspielers (bis in die Ausstrahlungen des berühmten Bajazzo-Motivs hinein), wenn dieser Mann mit dem verpflichtenden und bedeutenden Schauspielernamen Schroeder die junge, schwärmerisch zu ihm aufblickende Anfängerin, die er gefördert und väterlich betreut hat, an den jüngeren Kollegen und, in einem bestimmten, schmerzlichen Sinne auch an das Theater verliert, dem er sie doch recht eigentlich gewonnen hat; wenn er, nicht genug damit, dazu noch die Tochter verliert in einer Verstrickung der Beziehungen, gegen die er als Mensch und Vater machtlos ift", und gegen die er als Künstler wiederum nur in der einzigen Form zu protestieren und aufzubegehren vermag, die ihm feinem innersten Wesen und Beruf nach gegeben ift: als Schauspieler nämlich, in einer Rolle, welche unversehens eine tödliche und schrecklich drohende Realität gewinnt und mit einem furchtbaren Zusammenbruch endet. —
Der Ritterkreuzträger Major d.R. Meiners spricht, wie am Samstag von uns bereits berichtet, am kommenden Sonntag, 17.Januar, in Gießen. Den ersten Vortrag wird er um 11 Uhr im Gloria-Palast halten, zum zweiten Male an diesem Tage wird er um20Uhr tnder Aula der Universität sprechen.
3m Lustschuhraum soll niemand frieren
NSG. Geht nicht leicht gekleidet und mit Pantoffeln in den Lustschutzraum. Ihr erkältet euch und könnt im Ernstfall nicht helfend eingreifen. Zieht wanne Kleidung und feste Schuhe an. Nehmt unbedingt eure Wintermäntel mit, sie sind schwer zu ersetzen. Nicht zu vergessen sind im Winter warme Getränke und etwas zu essen, denn der Fliegeralarm kann mehrere Stunden dauern, und jeder muß immer einsatzbereit fein und arbeitsfähig bleiben.
Am 3. Januar 1943 Haden die in Deutschland be- fdiäftiaten ausländischen Arbeiter van Leeuoen wid L a r d i n o i s, die schon längere Zeit einen Raubüberfall planten, die 31jährige Ehefrau Steffie Fiedler imStadtbahnzugOranienburg — Berlin ermordet und beraubt. Frau Fiedler, die von einem Besuch kam, bestieg in Oranienburg einen Wagen der 8-Bahn, in dem sich außer den beiden Verurteilten niemand befand. Kurz nach der Abfahrt des Zuges schlug van Leeuven Ms die Frau mit einem Holzhammer ein, während Lordinois ihr mehrere Messerstiche beibrachte. Nach- Lem sie ihrem Opfer die Handtasche entrissen hatten, warfen sie die schwerverletzte Frau aus dem fahrenden Zug. Sie wurde später tot neben den Gleisen «nifgefunben. Nach der Tat kehrten die Mörder in ihr Arbeitslager zurück und teilten die nur geringe Amte von acht Mark und einigen Lebensmittelkarten. Bereits nach wenigen Tagen waren die Teter dank der vorbildlichen Arbeit der Berliner Kuminalpolizei und der Mitwirkung des Publikums ermittelt, sie wurden in den frühen Morgenstunden des 11. Januar dem Gericht zugeführt. Äoch M gleichen Vormittag verurteilte das Schwurgericht ii» beiden Täter wegen Raubmordes zum Tode. ^Jine Stunde nach der Urteilsverkündung wurden eit Täler hingerichtet.
AUF MÖNCKEBERG ist del “Teufel los.
ROMAN VON OLAF BOUTERWECK
; 12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
v Oer Schupo-Wachtmeister, der am Gartentor Woche stand, hatte den Kommissar bereits erkannt;
ti öffnete ihm das Tor und grüßte stramm.
SHs Raucheisen die Diele betrat, kam Stobbe ifyr entgegen und erstattete im Flüsterton eine kurze Meldung, wobei er einige Male zu Axel hoim hinübersah, der zigarettenrauchend in einem rrfel saß und finster vor sich hinstarrte. Vor ihm auf dem Tisch stand ein kaum berührtes Frühstück, ito der Diener Friedrichsen ihm gebracht hatte.
Holm blickte erst auf, als Der Kommissar dicht vor ihm stand und feinen Namen nannte. Er erhob sich, drückte die Zigarette aus und machte diu knappe Verbeugung: „Axel Holm!"
Raucheisen streckte die Hand aus:
^Äftatten Sie, daß ich Ihnen mein Beileid aus» Mücke, Herr Holm! Ich bedaure sehr, daß unsere Wekanntschaft unter solch traurigen Umständen er- I .Keiner empfindet dies schmerzlicher als ich! I »ber jedenfalls danke ich Ihnen, Herr Kommissar!
- "Bitte, wollen Sie Platz nehmen?"
» Während Raucheisen sich am Tisch niederließ, | Rie er seine Eindrücke und Empfindungen zu ipren:
IL^el Holm war etwa zweiunddreißig Jahre alt. ft war groß und breitschulterig (obwohl er bei Oiihm nicht die athletische Gestalt Raucheisens er- HMte). Sein sonnengebräuntes Gesicht verriet, daß -rfch auch sportlich beschäftigte oder sich zumin- '!r,! viel im Freien aufhielt. Er hatte einen fesseln-
Charakterkopf: das energische Kinn, der her» phe Mund und die scharfgezeichnete Nase standen Meinem gewissen Widerspruch zu den großer^ ver
träumten Augen und der hohen, leicht zurück- fliehenden Stirn. Sein volles kastanienbraunes Haar war locker und leicht gewellt und machte — wie die ganze Persönlichkeit — einen sehr gepflegten Eindruck.
Raucheisen faßte sein Urteil dahingehend zusammen, daß Holm ein energischer und zugleich phantasievoller Mensch sein müsse, sehr gescheit, aber auch sehr lebhaft und begeisterungsfähig und daher ein wenig zur Tollkühnheit neigend.
Die Frage, ob man Holm wohl eine Tat wie bie hier geschehene zutrauen dürfe, wagte Rouch- eisen nicht bedingungslos zu bejahen. 2lber es brauchte sich ja hier schließlich nicht um einen vorbedachten und kaltblütig ausgeführten Mord zu handeln, denn danach sah Holm eigentlich nicht aus; dagegen war ihm eine Tat in der höchsten Erregung ohne weiteres zuzutrauen.
Raucheisen wandte sich um und warf dem Hilfskommissar Stobbe einen bedeutsamen Blick zu.
Stobbe, der sofort verstand, nickte; er ließ sich im Hintergrund nieder und zog Stenogrammblock und Bleistift hervor. Ihm würde nichts entgehen.
Axel Holm, tief in Gedanken versunken, merkte nichts von diesen Vorgängen, die sich hinter seinem Rücken abspielten. Erst als Raucheisen sich räu^ fperte, wurde er aufmerksam; er hob den Kopf und sah Raucheisen fragend am
"Wie ist es eigentlich möglich, Herr Holm", fragte Raucheisen, „daß Sie so schnell etwas von — von diesem Unglück erfahren haben?"
"Dank Ihrer freundlichen Fürsorge. Herr Kommissar!" antwortete Holm ohne Zögern, und Raucheisen hatte den Eindruck, als ob ein klein wenig Spott in dieser Antwort liege.
«Das verstehe ich nicht ganz, Herr Holm? Wollen Sie nicht die Liebenswürdigkeit haben, mir das etwas genauer zu erklären ...?"
"Gern, Herr Kommissar: Sie hatten die Freundlichkeit, heute schon in aller Frühe in meinem Hause vorzusprechen. Nach Ihrem Fortgang rief mein Diener Otto mich gn und teilte mir das Ge
schehene mit. Natürlich eilte ich sofort hierher. Ich „Aber selbstverständlich, Herr Kommissar! Fra-
war von dieser Nachricht derart erschüttert, daß ich mir nicht einmal Zeit zum Ankleiden genommen habe — da! Sehen Sie selbst!"
Axel knöpfte den hochgeschlossenen Staubmantel auf und zeigte, daß er darunter nur mit einem seidenen Schlafanzug bekleidet war.
Raucheisen biß sich auf die Lippen.
"Sehr bemerkenswert?" sagte er ärgerlich. ,Zch stelle also fest, daß Ihr Diener Otto heute früh bei seiner Vernehmung wissentlich eine falsche Aussage machte; denn auf meine Frage nach Ihrem augenblicklichen Aufenthalt erklärte er, diesen Aufenthaltsort nicht zu kennen!^
gen dürfen Sie, soviel und sooft Sie wollen. Aber oh ich darauf antworte, das ist natürlich eine an« bere Sache! Und in diesem Falle muß ich leider die Beantwortung Ihrer Frage ablehnen."
„Warum?" fragte Raucheisen überrascht.
„Nun, ich habe dafür meine Gründe."
"Das heißt also: Sie haben vor der Polizei etwas zu verheimlichen!" stellte Raucheisen mit NackAruck fest.
Axel zündete sich eine frische Zigarette an und sagte gelassen:
,Leider ein Irrtum von Ihnen, Herr Kommissar! Otto hielt sich ftreng an die Wahrheit, denn er wußte ja wirklich nicht, wo ich mich aufhielt!"
„Sie sagten doch eben, daß er Sie anrief!" „Allerdings?"
„Na also! Folglich muß er nach den Gesetzen der Logik doch auch gewußt haben, wo Sie sich aufhielten! Wollen Sie mir, bitte, diesen Widerspruch erklären!"
„Gern, Herr Kommissar!" Arel blieb gleichmäßig ruhig und freundlich. „Wie gesagt: Otto wußte nicht, wo ich mich befand; aber er besitzt f^hr viel Klugheit und eine bewunderungswürdige Folgerungsgabe. — Was tut denn ein Mensch in feiner Sage? Er ruft nacheinander und planmäßig Diejenigen Stellen an, wo ich vielleicht fein könnte!
Dadurch kam er allmählich auf meine Spur unb beim fünften oder sechsten Anruf hatte er mich erreicht? — Sehr einfach, nicht wahr?" „In der Tat, sehr einfach!" spöttelte Raucheisen, x eU,,ett diese Darstellung für eine leere Aus- rebe, die — völlig unglaubwürdig — nur dazu angetan war, den Verdacht gegen Axel Holm selbst zu verstärken.
„Darf ich fragen Herr Holm, wo Ihr Diener Otto Sie dann glücklich erreichte?" *
Arel Holm lächelte liebenswürdig.
„Gestatten Sie mir, Herr Kommissar, einen neuerlichen Irrtum Ihrerseits richtigzustellen: Wenn ich die Beantwortung Ihrer Frage ablehne, so geschieht es nicht deshalb, weil Sie zufällig von der Polizei sind, sondern weil ich überhaupt jedem Dritten die Antwort in diesem Falle verweigern würde."
„Ah, ich verstehe!" bemerkte Rauchessen höhnisch. „Sozusagen eine Diskrete' Angelegenheit? Nun fehlt nur noch die etwas abgebrauchte Ausrede, daß Sie mit einer offenen Antwort auf meine jjrage eine acfytbare Dame bloßstellen wurden, und daß man das von Ihnen als Kavalier nicht verlangen kann."
unterschätzen mich, Herr Kommissar!" be« merfte Sljef mit höflichem Lächeln, indem er forg» seiner Zigarette ausdrückte. „Wenn id) Ausreden erfinde, dann pflegen sie in der Regel etwas geistreicher zu fein!"
Raucheisen nahm den Hieb hin, ohne etwas Be» sttmmtes darauf zu erwidern.
„Kommen wir zur Sache!" sagte er in schlecht verhohlenem Aerger. „Sie erklären also, daß Sie für die vergangene Nacht Ihr Alibi nicht beibringen können — oder vielleicht auch nur nicht beibringen wollen?"
•7?°. man es auch ausdrücken, Herr Korn» - ^L^ber wozu brauche ich denn überhaupt em Alibi? Sie glauben doch nicht etwa daß ich meinen Onkel getötet habe?" '
(Sortierung folgt)


