Oer Verteidiger von Demjansk gestorben.
Staatsbegräbnis für General Graf Brockdorff-Ahlefeldt.
Berlin, 10. Mai. (DNB.) Der heldenmütige Verteidiger des im Winter 1941/42 monatelang vom Feind umschlossenen Brückenkopfes südlich des Ilmensees, der unter der Bezeichnung „Festung Demjansk" in die Geschichte eingegangen ist, General der Infanterie Graf Brockdorff- Ahlefeldt, ist seiner schweren Krankheit am 9. Mai erlegen. Der Führer hat für den im Frieden und in zwei Kriegen hochverdienten General Staatsbegräbnis angeordnet.
General der Infanterie Walter Graf Brockdorff- Ahlefeldt war eine der markantesten Führerpersönlichkeiten des deutschen Heeres. Am ersten Weltkrieg nahm er zunächst an der Front, später in Generalstabsstellungen teil. Im gegenwärtigen Krieg führte er im Polenfeldzug und zu Beginn des Westfeldzuges die 23. Jnf.-Div., mit der er u. er. in schweren Kämpfen den Uebergang über die Maas östlich Eharleville-Mezieres erzwang und die Befestigungen der Maginot-Linie durchbrach. Am 30. Mai 1940 wurde er zum Kommandierenden General eines Armeekorps ernannt.
Im Feldzug gegen die (Sowjetunion war es vor allem feinem rücksichtslosen persönlichen Einsatz zu verdanken, daß die Festung Kownv bereits am dritten Tage nach der Grenzüberschreitung in deutsche Hand fiel. Schon wenige Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion erhielt Graf Brockdorf-Ahlefeldt für die schnelle Inbesitznahme der Festung Kowno das Ritterkreuz. des Eisernen Kreuzes. Die Truppen des Generals dran
gen dann bis an den Lowat vor, nahmen die Stadt Cholm und bildeten einen Brückenkopf, den sie in wochenlangen Verteidigungskämpfen gegen alle Angriffe der zahlenmäßig weit überlegenen sowjetischen Kräfte behaupteten. Der weitere Stoß nach Osten führte das Korps im Herbst 1941 bis in den Raum der Waldai-Höhen. Hier stand es in breiter Front, als der Einbruch des Winters zur Einstellung der deutschen Offensive führte.
Die höchste Bewcchrungsprobe ergab sich für die von General Graf Brockdorff-Ahlefeldt geführten Truppen im Winter 1941/42, als drei feindliche Ar- meen den Kampfabschnitt südlich des Ilmensees angriffen und schließlich die deutschen Truppen einschlossen. Aber alle Angriffe zerbrachen an der unerschütterlichen Tapferkeit der deutschen Grenadiere, die in enger Kameradschaft mit den unter Führung des am 26. Februar 1943 gefallenen Eichen- loubträgers ^-Obergruppenführer und General der Waffen-^ Eicke stehenden Verbänden der Waffen--- ihre Stellungen erfolgreich behaupteten. Es war General Graf Brockdorff-Ahlefeldt, der immer wieder auch die scheinbar hoffnungslosen Lagen meisterte.
Als äußere Anerkennung für die überragenden Leistungen von Führung und Truppe bei der Verteidigung der Festung Demjansk verlieh der Führer im Juni 1942 an General der Infanterie Graf Brockdorff-Ahlefeldt das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.
Japan stärker Venn re.
Von unserem W.B.-Korrespondenten.
(Nachdruck, ckuch mit Quellenangabe, verboten.) Tokio, Mai 1943.
Die nicht abreibende Kette der Hilfeheischenden aus dem südwestlichen Pazifik, mit MacArthur, Cur- tin, Evatt und den Neuseeländern an der Spitze, ist auch in Japan nicht unbemerkt geblieben. Ihre Reisen nach Washington, ihre Warnrufe und offen verkündeten Sorgen über eine mögliche japanische Offensive hat man hier allerdings nicht selbstgefällig, sondern lediglich als eine Rückkehr der feindlichen Militärs und Politiker zur Wirtlichkeit hingenommen. Im übrigen hat ja gerade in der letzten Zeit die japanische Luftwaffe den notwendigen Kommentar zu diesen Aeußerungen geschrieben. Der Schlacht bei den Florida-Inseln folgte der schwere Angriff auf Port Darwin und die Meldung, daß im April von den Japanern in diesem Gebiet allein 220 000 BRT. feindlichen Schiffsraumes versenkt wurden. Außerdem haben die hiesigen Militärs in erstaunlicher Offenherzigkeit nicht den geringsten Zweifel darüber gelassen, daß der Krieg in Ostasien durchaus nicht im jetzigen Stadium der Vorbereitungen und des Ausbaues der strategischen Stellungen in den eroberten Gebieten verharren würde, daß Japan vielmehr entschlossen sei, die Offensive a u ergreifen. Die überraschendste Erklärung dieser Art stammte vom Chef des japanischen Armee- Presseamtes, Generalmajor Y a h a g i, selbst. Er sagte in der vergangenen Woche in einer großen Rede, daß Japan im großen Stil Offensivvorberes- lungen treffe, eine Aeußerung, die hier um fo mehr Eindruck machte, als derartige Ankündigungen bei der japanischen Wehrmacht bisher völlig ungewohnt waren.
Wenn Yahagi dazu die Autorität besaß, so spricht das für ein beträchtliches Sicherheits- und Stärkegefühl der Ivpaner, das wieder korrespondiert mit den Besorgnissen in Austtalien und den gegnerischen Geständnissen, daß Japan strategisch im S üd w e st p a z if i k der unumschränkte Herr sei. Diese Tatsachen lagen für jeden, der klar zu sehen vermochte, zwar auf der Hand, aber die Gegenseite hatte es durch ihre alberne Agitation vermocht, sie doch länger zu verschleiern, als es dem eigenen Vorteil dienlich sein mochte. Denn MacArthur hatte ja bekanntlich bei Guadal- canar einen „großen Sieg" errungen, um den es inzwischen allerdings nicht nur sehr still geworden ist, sondern den man in aller Form durch keinen Geringeren, als den australischen Ministerpräsidenten selbst zurückpfiff. C u r t i n erklärte kürzlich in einer feiner zahlreichen Reden, daß MacArthur im Salomonengebiet „nichts Entscheidendes" erreicht habe. Das ist nicht nur das Geständnis einer Niederlage, sondern gleichzeitig die Bestätigung dafür, daß die von uns bereits in einem früheren Artikel 'beschriebene A b n u tz u n g sst r a t e gi e der Japaner Erfolge erzielt hat, die man in den Ver
einigten Staaten zunächst mit dem hochmütigen Hinweis auf den „wachsenden Strom" des Materials, auf die „gigantische Produktion" an Flugzeugen und die unerschöpflichen Hilfsquellen beiseite schieben wollte. Die letzten Ereignisse haben die Yankees eines besseren belehrt. Sie oürsten ihnen auch das Nachdenken darüber beigebracht haben, daß Generalmajor Yahagi nicht wie MacArthur aus Ruhmsucht und einem Bedürfnis nach Prahlerei solche schwerwiegenden Aeußerungen macht wie die, daß Japan sich auf eine Offensive vorbereite, sondern daß hinter diesem Wort Tatsachen stehen, die man ebenfalls auf der Gegenseite bei allen Erwägungen geflissentlich außer acht ließ. Zumindest in der Öffentlichkeit und in den Reden des Herrn Knox, der noch vor einigen Monaten „eine Insel nach der anderen" den Japanern entreißen wollte, ein Ausspruch, der dann von Roosevelt selbst nach seiner Rückkehr von der Casablanca- Konferenz mit dem unwirschen Hinweis an dis ihn bestürmenden Pressevertreter dahingehend berichtigt wurde, daß er keineswegs die Absicht habe, den Japanern den Gefallen zu tun, von einer „verdammten" Pazifik-Insel zur anderen zu springen, um so vielleicht in 50 Jahren nach Japan zu kommen!
Was auf der Gegenseite in den Diskussionen nie berücksichtigt wurde, ist also die Tatsache, daß nicht nur die USA. in der Lage sind, ihre Produktion „ungeheuer" anschwellen zu lassen, sondern daß vor allem Japan über ein Heer verfügt, das nach dem ersten siegreichen Hinweqfegen der gegnerischen Stellungen — also zeitlich seit der Eroberung Singapurs, Birmas, Niederläydisch-Indiens und der Festsetzung auf den Salomonen und an der Nordküste Neuguineas — genügend Zeit hatte, sich auf kommende Dinge vorzubereiten.. Man weih heute sowohl in Washington als auch in London — und erst recht natürlich in Australien und Neuseeland —, daß die Japaner die Zeit eifrig zur Konsolidierung ihrer Stellungen und zum Ausbau vyn Flug- und Seestützpunkten benutzt haben, die auf der Gegenseite wachsende Besorgnis erregen. Diese Besorgnis wird in ihrem ganzen Ausmaß aber erst verständlich, wenn man berücksichtigt, daß den Yankees und Briten inzwischen ein Licht aufgegangen sein muß, daß Japan in der Tat ungeheure Reserven an Menschen und Material besitzt, und zwar — einsatzbereit!' lieber die Schlagkraft, über die Anpassungsfähigkeit und die militärisch-strategische Ausbildung dieser Truppen wird man sich im feindlichen Lager nach den grandiosen Landungen und dem einzigartigen Siegeszug der Japaner wohl kaum Täuschungen bin geb en. Und außerdem weiß man in Washington sehr wohl, daß die japanische Flotte im Verhältnis zur nordamerikanischen geradezu verschwindend geringe Verluste erlitten hat, also bei den kommenden
gewinnen, die ihm feiner politischen, wirtschaftliche.! und kulturellen Bedeutung nach zukommt. Der Führer hattte durch feine kluge und geschickte Staatsführung den deutschen Namen wieder zu Ehren und zur Geltung gebracht. Aus einem Volk der Hoffnungslosigkeit, des kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Zerfalls war ein Volk der Arbeit, des Glaubens an feine Zukunft und des selbstbewußten Stolzes auf seine wiedergewonnene Freiheit geworden. Wohin wir auch in Deutschland blickten, überall machte sich die Wandlung zum Aufstieg, zu einem neuen Geist bemerkbar. Im friedlichen Aufbau wandelten sich Städte und Dörfer, wandelten sich Arbeitstempo und Arbeitsethos. Die deutschen Menschen steigerten sich in ihrem Tun und Denken, im Sinn einer neuen Lebensauffassung im Rahmen der deutschen Volksgemeinschaft. Das ganze private und öffentliche Leben, die Beziehungen oer Menschen zueinander formten sich immer mehr zu einem neuen Glauben, zu einer neuen Weltanschauung, die den Menschen, Blut und Boden in den Brennpunkt des Daseins stellte und den Gedanken vom ewigen Deutschland mehr und mehr vertiefte.
Der deutschen Jugend wurde ein neues Ziel gegeben, sie trat in den Mittelpunkt des Dolksinter- effes und der staatlichen Betreuung. Und wenn wir heute unsere Jugend sehen, erfüllt von einem geradezu heiligen Idealismus im Dienst für da4 Volk und feine Zukunft, dann begreifen wir wohl am besten die Wandlungen, die sich im deutschen Volk vollzogen haben. Was uns sonst heute im deutschen Vaterland als selbstverständlich erscheint — Arbeitsdisziplin, Arbeitssicherung, saubere Verwaltung, sozialer Aufbau von in keinem Land der Welt ereichtem Ausmaß, Berufserziehung, Begabte nfördernng, staatliche Wirtschaftslenkung unter Förderung der privaten Wirtschaftsinitiative, Volks- gesundheitswesen, Bekämpfung des Verbrechertums und der asozalen Elemente und so vieles andere — ist doch in Wahrheit eine ans Wunderbare grenzende Entwicklung unseres staatlichen und privaten Lebens innerhalb eines kurzen Zeitraums von knapp sechs Jahren.
Alles das war erreicht, als von jüdisch-demo- kratisch^bolschewistischer Seite ein großes Kessel- treiben gegen das neue Deutschland einsetzte. Der Bolschewismus hatte z. B. — das sollten wir nie vergessen! — feinen politischen Einfluß bereits bis in das Herz Europas trorge tri eben, indem er mit den damaligen tschechischen Machthabern einen Ge° heirnvertrag abschloß, nach welchem der Sowjetarmee die Einrichtung von Flugplätzen auf tschechischem Boden zugestanden worden war. England hatte mit der damaligen polnischen Regierung seit langem konspiriert mit dem Ziel, Polen zum Mittelpunkt einer neuen Einkreisung gegen Deutschland zu machen. Je mehr sich Deutschland auf sich selbst und seine große Menschheitsmission besann, je augenfälliger die politische und geistige Neuordnung sich in der ganzen Lebensgestaltung des deutschen Volkes ausprägte, desto aktiver wurden diese jüdisch-demvkratisch-bolscbewisttschen Kräfte, die bisher die Welt und die Völker nach ihren politischen und wirtschaftlichen Interessen beherrschten.
Der Krieg, feit langem von den Mächten der Gewalt und Unterdrückung dorbereitet, war ihre Antwort an den neuen Geist, der von den jungen Völkern ausging. Jedermann in Deutschland sollte sich über die Hintergründe des jetzigen Krieges klar fein. Er wäre gekommen, auch wenn wir dis zum Weißbluten die in Versailles diktierten Reparationen weiter gezahlt hätten und Sklaven für die internationale Judencligue geworden wären. Das beütfdK Volk ist oll diesen verbrecherischen Elementen für ihre Weltmachtpläne hinderlich. Welches ihre Pläne sind, haben Moskau durch feinen Herr- schaftsanspruch über Europa und Washington durch die Zerschlagung des britischen Imperiums klar bewiesen.
Die Frage: „Was ist erreicht?" gewinnt unter Berücksichtigung dieser hier kurz skizzierten, innerund außenpolitischen Entwicklung ein besonders in- tereffantes Gesicht. Drei Weltmächte, jede mit ihren eigenen Plänen zur Weltbeherrschung, sind gegen die jungen Völker an getreten. Deutschland mar am Beginn des Krieges allein, Italien stand ihm zunächst freundschaftlich, dann mit den Waffen zur Seite. Von Monat zu Monat wurde die Zahl der Achsenfreunde größer, und heute steht |m Grunde bas ganze Europa im Kampf gegen den Bolschewismus und anglo-ameri konischen Imperialismus. Europa hat die Gefahr des Judentums überall erkannt.
Die Kampffronten aber liegen sämtlich außerhalb (Europas. Zwischen ihnen voll- zieht sich, unberührt von diesen militärischen Aktionen, der Aufbau der neuen Ordnung Europas in immer eindrucksvollerer Form. Das, was erreicht wurde, verbürgt den Endsieg der Achsenmächte mit ollen seinen Zukunftsentwicklungen für eine bessere, für eine neue Zeit. Das ist Erreicht. R. P.
Kriegseinsatz
der Geisteswiffenschasten.
Bon Dr. Hans Hartmann.
Der Satz aus Ciceros Rede „für Milop": inter arma silent leges (im Waffenlärm schweigen die Gesetze) wird auch gelegentlich umgemünzt in den Satz inter arma silent musae. Daß die Musen im Kriege schweigen, ist bis auf die jüngste Gegenwart traurige Tatsache gewesen. In diesem zweiten Weltkrieg aber ist es anders — eine Wahrheit, die aller- dings im wesentlichen auf Deutschland und, wie die itallenische Buchausstellung in Berlin gezeigt hat, Italien beschränkt ist.
Unter den neun Musen sind zwei, die es mit der Forschung zu tun höben: Klio, die Muse der Ge- schichte, und Urania, die Muse der Himmelskunde. Klio steht stellvertretend für die Gesamtheit der sogenannten Geisteswissenschaften, Urania für die Naturwissenschaften. Ader es gibt Wissenschaften, die beiden 'Bereichen an gehören und keineswegs nur etwa an der Grenze stehen; solche Wissenschaften sind Psychologie, Rasfenkunde, große Teile der Me- dizin, theoretische Physik, Geographie in ihrer heutigen Gestalt, die die Tlenfdjen und ihre Kulturen zu den geographischen Lebensräumen rechnet und ebenso gut zum Gegenstand hat wie Gebirge uh'ti Flüsse. Der Unterschied ist also grundsätzlich überlebt.
Immerhin: sehr alte Ueberüeferungen und Denk- gewohnheiten fallen nicht von heute auf morgen, selbst nicht, wenn die ganze Welt im Lärm der Waffen steht. So ist kein Zweifel, daß sich die meisten beim Begriff Geisteswissenschaften etwas denken, etwa den Umkreis, der durch die folgenden Begriffe bezeichnet ist: Philosophie, Philologie, zu der auch die Erforschung der Kulturen zu rechnen wäre, Geschichte und politische Wissenschaften und verwandte, die der Neuordnung der Dinge dienen, bis hin zu Rechts- und Lebensraumfragen.
Auf dem Wege zu dem Ziele, die Geisteswissen, schäften unmittelbar mit der Gegenwart zu verbinden, Ist nun ein Vorgang von hoher Bedeutung, der sich vor den Augen her Zeitgenossen ab spielt, den meisten aber noch verborgen geblieben ist. Wir meinen den Kriegseinsatz der Geistes» Wissenschaften. Er ist ein Werk, von dem die kommenden Generationen sprechen und auf das sie, wie wir hoffen dürfen, stolz sein werden.
Professor Paul R i t t e r b u s ch hat am 7. Dezember 1941 in der Berliner Technischen Hochschule die Ausstellung „Deutsche Wissenschaft im Kampf um Reich und Lebensraum" eröffnet, deren beide Brennpunkte der Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften und die Raumforschung waren. Nachdem Reichsminister Rust bei der Eröffnung der Straßburger Universität Ende 1941 den Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften, vor aller Welt angekündigt hatte, klärte Ritterbusch in seiner Eröffnungsrede dessen Anliegen näher. Heute sind die Geisteswissen, schäften aus eigenem Entschluß angetreten, um an einer positiven Sinndeutung des Weltkrieges und an der geistigen Vorbereitung der politischen Neuordnung Europas mitzuwirken. Die Wissenschaft ist in die kämpferische Totalität des Volkes hinein- gestellt. '
Diese Deutung dessen, was da vor unseren Augen geschieht, diese Mobilisierung der Gelehrtenstuden, die Aktivierung feinster Erforschung bisher ungeklärter Zusammenhänge ist ohne Zweifel einer Miß- beutung seitens derer ausgesetzt, die nicht seyen und die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen. Sie werden schnell bereit sein zu sagen: jetzt wird also auch die Geisteswissenschaft, die man fo hochherzig dem Land der Dichter und Denker zubilligte, in den Kriegsdienst eingestellt.
So ist es nun ganz und gar nicht. Die deutsche Geisteswissenschaft ist angetreten, um das riesige Geistesgut und die Unsummen an Erkenntnis, die sie in jahrhundertelanger Arbeit erworben hat, mit in hie Waagschale der aktuellen Stunde und Ent
scheidung zu werfen. Sie fühlt mehr als je, daß die bloße Aufstapelung dieses Geistesgutes einer leben- hrgen Haltung widerspricht. Die dauernde Arbeit an diesem Gut und seine Mehrung bringen es nach den eigenartigen Gesetzen, die nur durch Verwirklichung eines Neuen sinnvoll werden, mit sich, daß nun alle Kräfte auf den Plan treten, die als Schöpfer, Verwalter und Mehrer dieser Kenntnisse und Erkenntnisse ihr Wort zur Stunde in die Waagschale werfen.
Das geschieht allerdings nicht planlos und in einem leichtsinnigen Vertrauen, daß von her großen Masse dieses Geistesgutes schon irgendwo irgend etwas fruchtbar werden müfje. Würde man so ver- fahren, so könnte es gehen wie im Gleichnis vom vielfachen Acker, und manche Saat würde nicht auf- gehen. Vielmehr werden alle, insbesondere die jüngeren und elastischen Strafte, zusammengerufen, um im Rahmen einer sorgsam überlegten Planung ihren 'Beitrag zu leisten. Es sind zur Stunde bereits etwa 30 Bände, zum Teil sehr starke Sammelbände, erschienen, die dem Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften dienen. Es hat aber keinen Sinn, sich auf Zahlen festzulegen; denn es ist möglich, daß morgen schon einige weitere Bände vor- liegen. Das ist auch kein Wunder: wenn Hunderte von Forschern, die zum Teil nur in den Schatz ihres Erarbeiteten zu greifen und es hervorzuholen brauchen, den Anruf der Stunde verstehen, fo kann Arbeit geleistet werden wie sie nötig ist: Arbeit fo gründlich wie nur möglich, so tragfest und probe- haltig wie nur möglich, aber zugleich — das ist das Neue daran — so aktuell wie nur möglich — Aktualität allerdings im entgegengesetzten Sinne von sensationell und verblüffend verstanden. Aktualität in einem tieferen Sinne kann ja immer nur bedeuten: den Sinn einer Wandlung und alles sich „Ereignenden" so klar und leidenschaftlich zugleich zu verstehen, daß davon wirklich Kräfte der Neugestaltung ausgehen können.
So treten denn die Philosophen mit einem großen Plane hervor» Sie haben bereits in einem
Operationen eine entscheidende Rolle spielen tohb, zumal die Japaner vor einiger Zeit äußerten, daß nicht nur die USA. Schiffe bauen, sondern auch die eigene Flotte stets schlagkräftiger unb großer werde.
Von all diesen Dingen ist in den gegnerischen Kriegsberichten natürlich nicht die Rede, und gerade dieser Umstand mag zur Nervosität in Australien beitragen. Man hat die Japaner noch nirgends entscheidend fassen können, man mußte dagegen selbst schwerste Einbußen allein im Salomonen-Raum hinnehmen, und man hat bis vor kurzem immer noch so getan, als handele es sich um ein einfaches Rechenexempel, das von her USÄ.-Rüstungsproduk- tion allein gelöst würde. Dagegen ist zu sagen, daß die japanische Schiffsbaukapazität nicht geringer als did nordamerikanische und englische ist, ja daß die japanischen Werften ungleich weniger durch Reparaturen belastet find. Weiter stehen Japan alle Rohstoffe zur Verfügung, die drüben — eingestanden oder sorgfältig verschwiegen — mehr oder mim der große Engvässe bilden, ob man nun an Gummi, Zinn ober andere wichtige Metalle denkt. Zudem hat Japan in der Zeit der „großen Pause" zwischen den ersten (Eroberungen und den kommenden Ereignissen wahrhaft genial die Wirtschaft der besetzten Gebiete organisiert, es hat seine Bedürfnisse völlig auf die Kriegs-wichtigkeit umgeschaltet und sieht sich im Südwestpazifik jederzeit in her Lage, auf einer Rochadelinie zu operieren, die allein das Kopfzerbrechen der Gegner bildet. Die Frage nach dem Wo der japanischen Flotte, nach den möglichen Schwerpunktbildungen in der Zukunft beweist allein, wie unsicher man auf der Gegenseite im Dunkeln tappt, daß man aber sehr deutlich das Gefühl hat, vor einer neuen entscheidenden Phase zu stehen, bei der die Japaner die Entscheidungsfreiheit allein in der S>anb* haben.
Toio beim Tenno.
Tokio, 10. Mai. (Europapreß.) Ministerpräsident Io jo wurde am Sonntag vom Tenno in einer Sonderaudienz empfangen, in der Tojo ausführlich über seine Reise nach den Philippinen berichtete.
Neue Erfolge der japanischen Truppen.
Tokio, 10. Mai. (Europapreß.) Nach einer amtlichen Meldung des Kaiserlichen Hauptquartiers haben japanische Heeres verbände in Burma einen neuen großen Erfolg errungen. Sie erstürmten am 8. Mai Buschidon am Oberlauf ves Mayu-Flusses. Der Gegner habe seine Stellung zäh verteidigt, mußte aber dem Ansturm der japanischen Truppen nachgeben. Die japanischen Streitkräfte sind dabei, das Kampfgetänbe von den Resten der fendlichen Einheiten zu säubern.
Nachrichten von der H o n an - Front besagen, daß die japanischen Eliteverbände in diesem Gebiet weiter in Richtung auf Schishao nördlich des Tungting- Sees vordringen. Es ist den japanischen Truppen gelungen, die Derteidigungslinien der 15. Tschung- king-DiVision zu durchbrechen. ? 20 Kilometer vor der indischen Grenze.
Tokio, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Mit der Einnahme von Bushidon (Buthidaung) hat der Feind, wie Domei ergänzend meldet, seine letzte befestigte Stellung am Oberlauf des Mayu-Flusses auf burmesischem Boden verloren. Die japanischen Truppen befinden sich jetzt nur noch 20 Kilometer von der indischen Grenze entfernt.
Rumäniens Gtaaisfeiertag.
Bukarest, 10. Mai. (Europapreß.) Das rumänische Volk stand heute im Zeichen des (Staatsfeier- tages, her alljährlich am 10. Mai zum Gedenken dreier Marksteine in der Entwicklung Rumäniens festlich begangen wird. Am 10. Mai des Jahres 1866 traf Prinz Carl von Hohenzollern-Sigmarin- Sals erwählter Landesfürst auf rumänischem en ein, um die Regierung der beiden vereinten Fürstentümer Moldau und Walachei zu übernehmen. Am 10. Mai 1877 proklamierte das rumänische Parlament die Unabhängigkeit von der bis dahin getragenen osmanischen Oberhoheit, und am 10. Mai 1881 fand die Krönung des Fürsten zum ersten König Rumäniens statt.
Die Tatsache, daß sowohl die Unabhängigkeit Rumäniens als auch die Königswücde seines Herrscherhauses auf den rumänischen Waffentaten in der Schlacht von Plevna beruhen, bringt es mit sich, daß an diesem Staatsfeiertag seit jeher die militärische Feier im Vordergrund steht. Das gilt heute ganz besonders. Die Ereignisse an den Kampffronten im Osten haben dem rumänischen Volk die Verbundenheit seines nationalen Schicksals mit der Wehrmacht und ihren Daten zum lebendigen Erlebnis werden lassen.
Ein Parademarsch rumänischer Truppen, einer gemischten deutsch-rumänischen Abteilung und ein
Sammelband das Deutsche in der deutschen Philosophie herauszuarbeiten vermocht. Sie stehen unter Leitung des bekannten Gestaltphilosophen und Verfassers einer „Metaphysik Goethes", Professor Ferdinand W e i n h a n d l, Kiek.
In gleicher Weise ist bas Bild des Krieges in) deutschen Denken zum wahchaft großartigen Thema eines Sammelbandes geworden. Werke zur systematischen und politischen Philosophie, ebenso wie zur Kunstphilosophie und Psychologie, vor allem auch ein Band zur neuen europäischen Zusammen- arbeit her Philosophie Europas, nacydem die frühe» ren internationalen Philosophenkongresse innerlich wie äußerlich unmöglich geworden sind, werden vorbereitet.-
Eine weitere große Planung gilt der deutschen Kunst und ihrem Wirkungskreis unter Pinder und Sedlmaier, Kiel, sie wird in zrv'lf Abteilungen alles Wesentliche, was zur europäischen Kunst zu sagen ist, zu sagen versuchen, aber auch in einer Reihe von Bänden die Sonderleistungen der deutschen Kunst behandeln. Diesen Bänden wird man mit besonderer Spannung entgegensehen, denn das wissen zu wollen fühlen wir alle unser besonderes ureigenstes Recht zur Stunde: wie sich deutscher Geist in Schöpfungen von ihm und nur ihm eigentümlicher Art offenoart habe. Es ist zu hoffen, daß,aud> die Musik noch als Gegenstand der Kriegseinsatz-Forschung ausgenommen wird.
Romanistik und Anglistik werden die Auseinandersetzung mit Westeuropa tragen; das neue Bild her Antike soll herausgearbeitet werden. Geschichte, Völkerrecht und Germanistik haben sich umfassende Aufgaben gestellt, die Lebensraumfragen europäischer Völker treten ebenso wie her Orient um der ferne Osten in den Blickpunkt, und alle Arbeit gipfelt schließlich in den Forschungen, die der Idee und Ordnung des Reiches, unter Einbeziehung her rechtlichen Neugestaltung und Volksordnung, und dann der Nouschöpfung Europas Neuen.


