Ausgabe 
11.3.1943
 
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herrei

gemacht.

10. März. (Europapreß.) Die Rundfunk- der USA. beherrscht jetzt an Stelle der

Rom,

USA -Rundfunk im Roten-Meer-Sebiet

sei erstaunlich, daß die Erträgnisse dieser Schatz­kammer so lange in die Taschen einer Handvoll holländischer Kapitalisten hätten fließen dürfen. Jetzt endlich werde der unvergleichliche Reichtum dieser Gebiete für die Förderung der Wohlfahrt und des Glückes, der gesamten Menschheit nutzbar

gemalt worden seien. Auch bei der Vertreibung der letzten deutschen und italienischen Techniker aus dem Lände versäume die Bevölkerung keine Gelegenheit, um ihre-Sympathien für diese um das Land wohl­verdienten Leute zu zeigen.

Neue Verhaftungswelle in Syrien.

Sofia, 10. März. (Europapreß.) Im Einver­nehmen mit den englischen Behörden haben die Gaullisten die Schulen in Damaskus, deren Zög­linge sich an Demonstrationen beteiligt hatten, ge­schlossen. 120 Studenten wurden wegenStörung der öffentlichen Ruhe" verhaftet, ebenso 30 Mitglie­der des naiionalistrschen Blockes, darunter mehrere Rechtsanwälte und Aerzte. Die meisten von ihnen wurden in das Gebirge verbannt. Die syrischen Blätter warnen die Bevölkerung vor Demonstratio­nen und Aufwiegelungen zu Streiks. Jeder Zu­widerhandelnde werde als Agent des Feindes schwer bestraft.

Kleine politische Rachrichten.

Der Führer sandte an Ismet Inönü aus Anlaß feiner Wiederwahl zum Präsidenten der tür­kischen Republik ein in herAichen Worten gehaltenes Glückwunschtelegramm.

Der neugeschaffene Posten eines stellvertretenden Generalstabschess ter italienischen Wehrmacht wurde Armeekorpsgeneral Francesco Rossis dem bis-

ehilfinnen bereits an ftn- iamilien oder an die-

Agitation L_. ______ -z. .

Engländer alle Gebiete im Bereiche des Roten

Meeres. Sowohl der Sender Addis Abeba als

Standley wird desavouiert.

Verstimmung in Moskau über die Erklärung des USA.-Botschasters.

Opserberettschast des gesamten Volkes

Oer Vus zum totalen Krieg ist verstanden worden.

lausig eine Begrenzung der Herstellung ziviler Ver- brauchsgüter auf das unbedingt Lebensnotwendige verbunden /fein muß. Während alle Hände schaffen und entsprechend verdient wird, fehlt mehr noch als bisher die Möglichkeit, dieses Geld auszugeben. Dar­aus ergibt sich die Frage, ob man es dem einzelnen überlassen will, mehr zu sparen, oder ob der Staat durch Steuern den Spielraum verringern soll, der sich durch das Anwachsen der freien Kaufkraft ver- aroßert. Das deutsche Volk wird auch welterhm sparen und hier neue Rekordleistungen vollbringen. Aber die beiden Methoden der Kauftraftabschopfung müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen, wobei auch die lanae Dauer hes Krieges und das Steigen der Reichsschuld zu berücksichtigen sind. Des- halb soll, wie Reichswirtschaftsminister Funk an- kündigte, Die ©teuertraft des deutschen Volkes stärker als bisher ausgeschopft werden, so daß also die Kriegsfinanzierung ohne den Umweg über die Kreditaufnahme an Bedeutung gewinnen durste

IM ersten Weltkriege war das deutsche Steuer­system unzulänglich, und man ging viel zu^spat: dar- an, die Finanzierung der Kriegskosten durch Steuern einzuleiten. Die Folgen kennen wir. Da die Staats- führung fest entschlossen ift, alles zu tun was ge schehen muß, um die Stabilität ter Wahrung zu sichern haben wir von vornherein den Steuern einen 'wesentlich größeren Raum bei der Deckung der Kriegskosten eingeräumt. Sie müssen bei solider Finanzwirtschaft immer an erster Stelle stehen. Die­ses Verfahren mag für den einzelnen Volksgenossen nicht, bequem erscheinen aber bequeme Auswege fuhren erfahrungsgemäß nicht zum Ziel, sondern bedeuten nur eine Vertagung von Problemen, die spater doch gelöst werden müssen oder sich selbst auf bochst unerwünschte Weise lösen. Diese Erfahrung kann man immer wieder im privaten und geschäft­lichen Leben machen. Sie gilt auch für die gesamte Volkswirtscisaft. Solide Finanzierungsmetboden mö­gen hart sein, aber sie führen zum Ziel. Wie Reichs- Minister Funk betonte, ist es mit steigender Steuer- belastung wichtig, daß die Besteuerung an der Nch- tilgen Stelle erfolgt, damit soziale Härten vermieden werden und keine Minderung des Leistungswillens eintritt. Dabei handelt es sich um eine steuertech- msche Frage. Grundsätzlich müssen wir uns dayrber klar sein, daß die zunehmende Härte des Krieges das gesamte Wirtschaftsleben berührt, also auch die Geldwirtschast. Wenn wir zu SteuererhoHungen schreiten, so bedeutet Dies die totale Kraftentfaltung auf finanziellem Gebiete, die der Mobilisierung un- ferer Arbeitsreseroen im Bereiche der Produktion entspricht. Ve A*

Berlin, 10. März. (DRB.) Der nordamerika­nische Botschafter in der Sowjetunion, Admiral Standley, beklagte sich dieser Tage vor eng- lischen und amerikanischen Zeitungsoertretern dar­über, daß die sowjetische Presse die Tatsache der materiellen Hilfe aus den USA. auf Grund des Leih- und Pachtgesetzes und durch das Rote Kreuz weitgehend verschweige; er behauptete, die Sowjets beabsichtigten den Anschein zu erwecken, als führten sie den Krieg ausschließlich, mit ihren eigenen Hilfsmitteln, um keine Hilfe von irgend­einer Seite anerkennen zu müssen.

Die Erklärungen Standleys haben in Washing­ton eine beträchtliche Nervosität hervorgerufen. Man sucht die peinliche Angelegenheit möglichst schnell aus der Welt zu schaffen. Unterstaatssekretär Sum- ner Welles behauptete deshalb, daß alles, was Standley ausgeführt habe, ohne vorherige Rücksprache mit der USA.-Regierung gesagt worden sei. Die Vorsitzenden der auswärtigen Aus­schüsse des Repräsentantenhauses und des Senats, Bloom und Conatty, beteuerten, daß die Verschif­fung von Waffen und Munition und anderen Liefe-

Australien nicht aus der Gefahrenzone heraus.

Lissabon, 10. März. (Europapreß.) Aus Wa- shington stammende Meldungen, daß die Japaner sich entschlossen hätten, im Sud Pazifik zur Defensive überzugehen, werden in Australlen alsWunsch­träume" oderl e i ch t s i n n i g e s V o r b e i s e h e n an der Gefahr" bezeichnet. Bruce Slimen kabelt dem Daily Expreß" aus Melbourne, die Japaner hätten nicht vor, auf ihren Eroberungen auszuruhen, son­dern bereiteten im Gegenteil immer noch einen Vorstoß gegen Australien vor. Die japam- schen Machtpositionen im Pazifik seien viel zu aus- gebaut, als daß sie lediglich Derteidigungswert hät­ten. Die Meldung ter Nordamerikaner, wonach die Japaner zum Beispiel 60 Schiffe in Rabaul ton- zentriert hätten, beweise, daß die japanischen Streit­kräfte durchaus nicht ungenügend für eine Offensive feien. General Mac Arthur habe für seine Auf­gaben immer noch nicht genügend Lufthilfe, so daß von amtlicher australischer Seite die dringende Auf­forderung nach Washington gegangen sei, mehr B o m b e r zu schicken.

Insulinde Schatzkammer der Welt.

Tokio, 10. März (Europapreß.) Der Sprecher des japanischen Jnformationsamtes erinnerte daran, daß sich am 9. März der Tag der siegreichen Be- enviguna des Feldzuges auf Java jährte. Japan habe versucht, zu einem fairen Abkommen mit Holländisch-Jndien zu gelangen, aber die Hol­länder hätten sich durch ihre Verbündeten zu einer arroganten Haltung gegenüber Sapan treiben lassen, die eine freundschaftliche Verständigung un­möglich gemacht hätte. Dadurch verlor Holland seine reichen ostindischen Besitzungen, Die es sich durch Weisheit und Voraussicht hätte erhalten tonnen.

Holländisch-Jndien werde künftig nicht wie früher nur die Schatzkammer der Niederlande, sondern die Schatzkammer der ganzen Welt sein. In dem einen Jahre seit der Besetzung durch die japa- nischen Truppen habe sich herausgestellt, daß der Reichtum dieser Gebiete die früheren Berechnungen noch um ein Mehrfaches übertreffe. Es

auch neuerdings der bisher in britischer Hand be­findliche Rundfunksender Dmbur man im Sudan steht unter der Kontrolle des von Oberst D o n o v a n geleiteten USA.-Rundfunkdienstes. Der Sender Om- durman soll die Sendungen von den Bahrein- Inseln im Persischen Golf übernehmen, wo die Nordamerikaner schon im vergangenen Herbst einen Seirdebetrieb errichteten.

Oie unterirdische Opposition in Iran.

Rom, 10. März. (Europapreß.) Trotz der Maß­nahmen der Briten, Amerikaner und Sowjets, be­steht im Iran eine starke unterirdische Opposition. Radio Hondar meldet aus Erzerum, daß trotz der Ueberwachung durch die Polizei plötzlich an der Mauer der Gesandschaftsgebäudc Deutschlands und Italiens das Hakenkreuz und das Faszio-Zeichen

rungen durch diesen Zwischenfall keinen Aufschub erleiden dürfte. Bloom fügte hinzu, er habe sowje­tische Zeitungen durchgesehen und gef unten, daß sie sehr ausführliche Berichte über die ame­rikanische Hilfe für die Sowjets gebracht haben.

Wie die ßonbtxnerDimes" aus Moskau meldet, betrachte man es im Kreml als feine eigene Ange­legenheit, ob man Die Ziffern über die Kriegsmate­riallieferungen der westlichen Verbündeten veröf­fentliche oder nicht. Das gehe ausländische Diploma­ten überhaupt nichts an. Wenn man aber schon die Kriegsmateriall'ieferungen des Auslandes mit den sowjetischen Produktionsziffem vergleichen wolle, so könnten sich diese Vergleichsziffern leicht als ein Bumerang gegen die Westmächte erweisen. Abge- sehen davon, bedeuteten 200 000 Lastkraftwagen we­nig gegenüber einer gleichen Zahl gefallener sowje- Uscher Soldaten. Ehe die Westmächte nicht selbst ähnliche Opfer gebracht hätten wie die Sowjetunion sie gebracht habe und noch täglich bringe, würde, wie man in Moskau betone,alle materielle Hilfe immer nur ein schlechter Ersatz für Fleisch undBlut bleiben".

st u n g ab g e g e b e n. Viele werden ihrem Vorbild noch folgen, denn keiner ist mehr für eine Arbeit zu gut, wenn sie auch nur zu einem winzigen Bruch­teil zur Erringung des Sieges beiträgt.

Wie ein großer Aufbruch geht es in diesen Wo­chen durch das ganze deutsche Volk. Alle haben den Ruf der Stunde verstanden, und wenn einmal der Ehrenbericht über die Opferwilligkeit der Heimat im Kriege erstattet wird, dann werden die Leistungen, die das schaffende Volk in diesen und in den kom­menden Monaten freiwillig und zusätzlich vollbringt, mit besonderem Vorrang an der Spitze stehen.

anderen Führungsstellen des Staates und der Par­tei in großer Zahl eingegangen. In einem westdeut- chen Gau legten die Bergmänner, die bereits feit Kriegsbeginn eine verlängerte Schichtzeit fahren, eine zusätzlicheWaffen schicht ein, bei der auch Arbeiter und Angestellte, die sonst über Tage arbeiten, mit in die Gruben fuhren. Die durch diese zusätzliche Arbeit erzielten Lohnsummen haben sie ausnahmslos dem Reich für die Rüstung zur Ver- ^§n^Tausenden von Briesen, die von Volksgenos­sen aller Kreise in diesen Wochen eingehen, finden sich solche und ähnliche Stellen: beider falle ich nicht mehr unter das Arbeitspflichtgesetz, aber Ad) will nicht zurückstehen. Ich habe mich freiwillig in eine Rüstungsfabrik gemeldet." Diesem Beispiel frei­williger Hilfsbereitschaft stehen tausend andere gleich­wertiger Art zur Seite. So haben zahlreiche Haus­frauen mit kleineren Haushalten in letzter Zeit ihre Hausnebilsinnen bereits an kin-

Berlin, 10. März. (DNB.) Der Ruf zum totalen Krieg ist im ganzen deutschen Volke verstanden wor­den. Der leidenschaftliche Ernst des Appells, mit dem Reichsminister Dr. Goebbels im Sportvalast vor die Nation trat, fand einhelligen Widerhall und hat sich inzwischen tausendfältig in die Tat um gesetzt. Aus allen Gauen des Reiches und aus allen Tellen der Bevölkerung liegen erhebende Beweise für den Opfersinn und die entschlossene Einsatzbereitschaft unseres Volkes vor, alles zu geben, um den totalen Sieg zu erlangen. w ...

Heber die in den verschiedenen Gesetzen Der jüng­sten Zeit erlassenen Verpflichtungen hinaus hat die freiwillige Bereitschaft, noch mehr zu l e i st e n und noch intensiver zu arbeiten, vor allem in der Rüstungswirtschaft bereits zu großen Er- folgen geführt. Die Wege, die das deutsche Volk sur die Betätigung seines Opfersinnes fand, werden sur die kommende Zeit der Arbeit für den Sieg beispiel­gebend sein. Ganze Belegschaften von Rustungs- betrieben in allen Teilen des Reiches haben an den vergangenen Sonntagen zusätzliche Schichten eingelegt mit dem ausgezeichneten Ergebnis, daß die Leistungen an diesen Tagen das durchjchnltt- liche Tagesergebnis der vorangegangenen Woche weit übertrafen, obwohl die Leistungen der Manner auch bisher schon sehr groß waren.

Geschlossene Belegschaft leistet nächsten Sonntag zusätzlich Panzerschicht. Stellen Lohnsumme hierfür einschließlich Sonntagszuschlag dem Führer für neue 6. Armee zur Verfügung. Solche und ähnliche Telegramme sind in diesen Tagen im Reichs­ministerium für Bewaffnung und Munition, im Propagandaministerium, bei Der DAF. und vielen

Das Beispiel von Maria $.

Bon Kriegsberichter Heinz Dippel, PK.

Ein Polizeibeamter klingelte. Im Laufe des Inges soll Frau Marta F. doch einmal auf dem Revier vorsprechen. Was mochte man von ihr wol­len? Frau Marta ist Hebamme auf dem Stein­damm in Hamburg.

Auf dem Revier stellt ein Polizeioffizier die Frage:Frau F., haben Sie nicht einmal in Der ... straße entbunden?" Richtig, das war damals in der Bombennacht.Gut, daß Sie sich der Nacht erinnern", fuhr der Offizier fort. .Bitte, schil­dern Sie mir doch noch einmal den Hergang." Was war daran zu berichten?Eigentlich kann ich Ihnen gar nichts erzählen", war die schnelle Ant- wort der Frau. Aber der Polizeioffizier gab sich damit nicht zufrieden; vor ihm lag ein ausführlicher Bericht von der heldenmütigen Handlungsweise der Hebamme, die während eines Fliegeralarmes ...

Zehn Minuten vor zwei Uhr nachts gellten die Sirenen. Die Hebamme saß nm Lager Der Frau R., jeden Augenblick Der Ankunft eines kleinen Men- schenkindes gewärtig. Frau R., die solche Stunde nickt zum ersten Male, Durchmachte, war von Dem einsetzenden Alarm in keiner Weise beeindruckt: sei es, daß sie mit sich selbst viel zu sehr beschäftigt war, sei es, daß sie sich in der Obhut von Frau Marta sicher fühlte. Punkt 2 Uhr ging Die Geburt glatt uonftatten. Die Hamburger Flak schoß dem jüngsten Erdenbürger, dem zweiten Töchterlein her Frau R., donnernden Salut, dessen flammende Strahlen den britischen Terrorfliegern entgegenschlugen.

Den wenigen Personen m Der Nebenstube hatte Frau Marta die glücklich verlaufene Geburt ange­zeigt: einer Nachbarin, die dort verweilte, zwei wei­teren Hausgenossen und Klein-Edith, nun die Große" in der Familie R. Alle anderen Mitglieder

der Hausgemeinschaft waren im Luftfchutzraum, ihre Gedanken und besten Wünsche aber weilten im Oberstock bei Frau R., von Der man wohl wußte, daß sie in der Nacht die Hebamme hatte rufen lassen.

Frau Marta hatte soeben das Neugeborene ge­badet. Die Mutier, bis zum Hals warm zugedeckt/ sah mit glücklich entspannten Zügen zu, wie ihr Jüngstes die erste Bekanntschaft mit Dem Wasser machte. Da erbebte plötzlich das Haus in feinen Grundfesten. Eine gelle Detonation unterbrach jede Arbeit, jeten Gedanken. Eine Wolke von staub und Mörtel zog vorm Schein der Deckenlampe in die schwarze Alarmnacht hinaus. Das Geburts­zimmer hatte keine Außenwand mehr. Mit tonloser Stimme unterbrach Die Mutter das tiefe Schweigen: Löschen Sie doch das Licht, Frau Marta, sonst sehen uns Die Engländer noch." Mit dem Klang dieser Worte kam Frau Marta Die Erinnerung wie­der, die Erinnerung in die eben abgelaufenen sechzig Sekunden. Die Hebamme spürte stechende schmer­zen im Rücken, versuchte ein paar Schritte und meinte nieterfaüen zu müssen. Mer sie durfte jetzt nicht schwach werden, sie patte die Verantwortung für Mutter und Kind, sie mußte auf Dem Posten bleiben. Die Gedanken jagten ihr durch den Kopf: Was hat sie zu tun? Und dabei ahnte sie nicht, daß sie die wichtigste Tat schon vollbracht hatte: die Ret­tung des Neugeborenen vor dem sicheren Tode.

Neben der Hebamme, die Da noch halb betäubt stand, lag ein großer Mauerbrocken, her ihr in Den Rücken geschleudert worden war, groß genug, um dem eben geborenen Menschlein das Lebenslicht wieder auszublasen.

In Sekunden hatte sie die Gefahr erkannt, und wahrend das halbe Haus einstürzte, warf sie sich über Das vor zehn Minuten geborene Kind, mit ihrem Körper das herabstürzende Gestein abfangend, mit ihrem Leben wenn nötig das Leben des Kindes zu erkaufen. Nun hielt sie den kleinen Er­denbürger an sich gepreßt. ,La", sagt« sie zur Mut­

ter,ich will die Lampe löschen, das Licht Dringt hinaus." UnD Dann hielt Die Frau aus, bis sie Die Anvertrauten, Mutter und Kind, in nahe ge­legener Pflegestätte wußte.

Die Hebamme Frau Marta F. erhielt für ihren heldenhaften Einsatz die Kriegsverdienstmehaille. Heute noch leidet sie unter Dem Schlag, Den ihr das auf sie herabgestürzte Gestein versetzt hat. Doch auf alle Fragen, was sich damals in her ... straße er­eignet habe, antwortet sie auch heute noch:Eigent­lich gar nichts, Da ist nur eine Bombe eingeschla- gen " Wissen wir es von unseren Soldaten anders, als daß sie sich über Die schwersten Stunden auszu- schweigen verstehen? Und das sind Die Tapferen Der Heimatfront, die in der Sekunde der Gefahr Da stehen wie der Soldat. Zu ihnen gehört Frau Marta, Die Hamburger Hebamme.

Oas Theater des »starten Mannes''.

Mit solchen .Mlotria", wie sie her erste preu­ßische König im Theater nach seiner Ansicht ge­pflegt hatte, räumte derSoldatenkÜnig" Fried- richt Wilhelm I. sofort gründlich auf. Schon als Kronprinz hatte er durchgesetzt, daß alle' französi­schen Schauspieler verabschiedet würden. Kaum war Friedrich Wilhelm König geworden, entließ er die italienische Oper und löste die große Kapelle auf; nur ein Musiker, Gottfried Pa pusch, wurde zum Kapellmeister Der Hoboisten Der Potsdamer Grena- Dierregimenter ernannt, Die des Soldatenkönigs musikalische Ansprüche vollkommen befriedigten. Eine Anzahl strenger Verordnungen wurde gegen dieKomödianten, Seiltänzer und Marktschreier" erlassen, und in den Entwurf zum preußischen Land- recht auf des Königs ausdrücklichen Befehl die Be- frimmung mrfgenommen, daßKomödianten ohne Ihr« königlichen Majestät. Spezi alp rivi V egiurn

herigen stellvertretenden Generatftabschejs und Ehsf der Intendantur des Heeres, übertragen.

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Der Duce hat den italienischen Kronprinzen emp'- fangen. Der Kronprinz hat Bericht über seine Be° sichtigungsreise in Sardinien und, andere milita- rische Fragen erstattet.

Der neue sowjetische Gesandte in Australien, An- drei Petrovich Vlassow, überreichte dem britischen Generalgouverneur von Australien, Lord Gowrie, sein Beglaubigungsschreiben.

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In der Nacht zum Mittwoch ist wiederum eine größere Zahl von Flugzeugen in Die Nord- und Ost­schweiz emgeflogen. Die Fliegerabwehr trat in Ak­tion.

Aus dem Reich.

Oer Gauleiter

in der Mainzer Gauschule der NSB.

NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Spren­ger besuchte am Mittwochnachmittag Die Gati­sch u l e der NSV. in Mainz. In der Gauschule Der NSV. werden die Kindergärtnerinnen, Volks- Pflegerinnen- Kindergartenhelfe'rinnen, Jugendhilfe Sachbearbeiter und -Sachbearbeiterinnen in mehr­wöchigen Lehrgängen politisch und weltanschaulich geschult und erhalten Einweisung in ihre im Rah­men der NSV.-Arbeit liegenden Arbeitsgebiete. Die Führung durch die Gauschule erfolgte durch Gau­amtsleiter Oberbereichsleiter Fuchs.

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Am Nachmittag überreichte der Gauleiter dem Gauamtsleiter Kreisleiter F u ch s sowie dem Orts- gruppenlester Der Ortsgruppe Mainz-Gautor Rech das ihnen für ihren tatkräftigen Einsatz bei einem Luftangriff verliehene Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mi|t Schwertern.

Oie Gymnasien.

Die Zahl Der Gymnasien ist seinerzeit durch die Schulreform stark vermindert worden. Trotzdem ist Der Zugang zu Den Anfangsklassen Der Gymnasien von 1937 bis 1939 gewachsen. Auch 1941 ist Die Zahl der Anfangsschüler wieder erheblich geftiegen. Ein weiterer Anstieg liegt im Schuljahr 1941/42 bei 63 v. H. der 106 preußischen Gymnasien vor. Insgesamt sind in den preußischen Gymnasien in diesem Schuljahr 879 Schüler mehr als im Vor­jahr in Die erste Klasse ausgenommen worden. Die ursprünglichen Bestimmungen über die Zahl ter Gymnasien sind gelockert worden, so daß eine Reihe von Gymnasien wieder hinzugekommen ist, im Schuljahr 1941/42 allein 16 Anstalten.

Wohnraumlenkung.

Der totale Krieg zwingt uns auch zur äußersten Einschränkung her Wohnungsneubautätigkeit. Uch so mehr muh sichergestellt werben, daß der frei- werdende Wohnraum nach gerechten Gesichtspunkten verteilt wird. Dabei werden in Zukunst hie Volkskreise bevorzugt werden, die sich durch beson- tere Leistungen oder Opfer ausgezeichnet haben. Das sind Ritterkreuzträger, Kriegsversehrte, Krieger- Hinterbliebene sowie die Bombengeschädigten und kinderreichen Familien. Die Verordnung des Reichs- wohnungskommisfars Dr. Ley sieht auch Maßnah­men vor, um den Kreis dieser Wohnungen so weit wie möglich zu erweitern. So werden die für an- z here als Wohnzwecke benutzten Wohnungen in weitergestecktem Ausmaß als bisher wieder für Wohnzwecke frei gemacht, und es wird ver­sucht werden, neue Wohnräume durch Um- ünd Aus- bcutten aller geeigneten Räume sowie durch Teilung freiwerdender großer Wohnungen zu "gewinnen. Die Durchführung ist Sache der Gauleiter als Gau­wohnungskommissare bzw. nach deren Weisungen Sache der Gemeinden. Wohnungfuchende wenden sich daher zunächst an ihre Wohnsitz-Gemeinde-

Kunst und Wissenschast.

Die Geigerin Alma TNoodle gestorben.

Die hervorragende Geigerin Alma M o o D t e, Leiterin her Meisterklasse für Violinspiel an Der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt a. M., ist im Alter von 43 Jahren plötzlich an einem Herz­schlag geftorben. Alma Moohie mar in Australien geboren, hatte sich aber schon feit vielen Jahren in Deutschland, wo sie ständig lebte. Heimat- recht erworben. Ihre erste Ausbildung erhielt Alma Moodi auf dem Brüsseler Konservatorium. Als Dre-i-. zehnjährige musizierte sie bereits mit Max Reger zusammen. Von Hamburg aus hat sich bann das ehemalige Wunderkind Die musikalische Welt Deutsch­lands und ganz Europas erobert. Alma Moodies Spiel zeichnete sich ebenso durch seine technische Brillanz wie durch den edlen und großen Ton aus. Ihr ^tzepertoire umfaßte klassische wie Moderne Werke. Hans Psitzner hat u. a. ein Violinkonzert für sie geschrieben. Auch im kammermusikalischen

weder in noch rnuher den Messen und Jahrmärkten geduldet würden". Dieses Verbot wurde in Der Pro­vinz mit Strenge aufrechterhalten, in Berlin war der König duldsamer und erlaubte, daß diesoeben angekommenen Komöbianten gegen Erlegung von 30 Talern pro Monat" spielen dürften, jedoch muß­ten stets bas Stück oder wenigstens Der Theater­zettel vorgelegt werden.

Die, Nachgiebigkeit des Königs wurde in diesem Falle durch die Vorliebe veranlaßt, die er für den wichtigsten Theaterunternehmer des damaligen Ber­lin, denstarken Mann", Eckenberg, hatte. Dieser Sohn eines Sattlers, Der vom König von Däne­mark geadelt wurde, muß wirklich Riesenkräfte be­sessen haben. Eine Kanone von 2000 Pfund Gewicht soll er samt aufsitzendem Tambour so lange mit Der Hand in die Höhe gehalten haben, bis Der Tam­bour langsam ein Glas Wein ausgetrunken batte; Zwei Pferde vermochten ihn nicht von her Stelle zu Ziehen. 1717 erteilte Friedrich Wilhelm diesem Herkules ein Patent, nach dem er in Berlin neben selltänzerischen und akrobatischen auch theatralische Vorstellungen geben durste, in Denen man freilich nach dem Urteil eines Kritikersin 10 Minuten - 20 Zoten" hörte. 1732 wurde Eck en berg zumHof- komödianten" ernannt und erhielt die Erlaubnis, m allen preußischen Landen ztt spielenzur Re- creation und Zeitvertteib vor solche, die nicht viel zu thun haben."

Der Kraftmensch, ter ein starker Trinker war, führte manchmal mitten auf her Szene recht unlieb« same Spettakelstücke auf und befand sich in beftän- higen Geldverlegenheiten, die er Dem König in be­weglichen Klagen oortrug. Dabei zahlte er seinen Schauspielern nur geringe Gagen, wie wir aus einer seiner Bittschriften entnehmen können. Da die schauspieler von ihrer Gage nicht leben konnten, mußten sie sich Nebenverdienste suchen, teils als Tayz-, teils als Fechtlehrer; DerHofovorist" Baß- uug war sogar zugleich Hofoperateu^ C K.